Ausgabe 
1.6.1935
 
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fast bei jeder Fahrt ging sein Rennfahrertempera­ment mit ihm durch. Obwohl Benz allzu schnelle Fahrt verboten hatte, forderte er jedes Gefährt zur Wettfahrt hinaus. Als wirklich ebenbürtiger Konkurrent kam jedoch nur d i e Eisenbahn in Frage.

Nun verkehrte von Mannheim nach Feudenheim eine Kleinbahn, die eine Höchstgeschwindigkeit von zwanzig Kilometern erreichte. Schiene und Straßen liefen sehr dicht nebeneinander. Das war das ge­gebene Renngelände für Held. Fast Tag für Tag forderte er die Konkurrenz zum Wettkampf heraus. Und der alte Lokomotivführer, der sich an das neue Gefährt nicht gewöhnen konnte, ging auch darauf ein. Mit dem Resultat, daß er stets verlor. Die Fahrgäste sahen sich das mit an und hatten ihre Freude an der Geschichte. Aufmunternde Zurufe gingen zu der Lokomotive hinüber. Aber es half alles nichts. Sieger blieb stets der Motorwagen.

Der Zorn der Unterlegenen fand recht bald drastischen Ausdruck. Der Heizer begann mit Kohlen­stücken zu werfen. Held störte das nicht. Immer wie­der hielt er sich neben der Lokomotive, um dann jäh davonzufahren und zurückzuwinken.

Eines Tages war dann der Höhepunkt erreicht. Held veranstaltete erneut ein Rennen. Dicht neben der Lokomotive ratterte er daher. Da wurde es dem alten Mann am Führerftand zuviel. Er konnte sich an den Sieg dieser Kutsche nicht gewöhnen. An­gefeuert durch den Heizer beugte er sich hinaus. Dann holte er weit aus. Im nächsten Augenblick hatte Held eine ungeheure Maulschelle weg.

Zum ersten Male konnte die Kleinbahn ihre Fahrt gewinnen. Das drastische Mittel hatte feine Wir­kung getan...

Die ersten Wagen, die Benz in Serie lieferte, kosteten übrigens nicht mehr, als ein heutiger Klein­wagen. Der TypVelocipeb" wurde für zwei­tausend Mark geliefert und fand reißenden Absatz. Mit den modernen technischen Hilfsmitteln hätte er schon für die Hälfte des Preises hergestellt werden können. Benz hatte schon früh erkannt, daß ein Auto nicht allzu teuer sein dürfe, wenn es sich wirklich durchsetzen sollte. War jemand mit dem gelieferten Wagen unnzufrieden, so konnte er ihn dem Werk zurückgeben und erhielt den vollständigen Kaufpreis zurück.

Die Sache mit den ersten Käufern war übrigens nicht so einfach. Einer der ersten Leute, der einen Wagen erstand, rechnete täglich und stündlich mit seinem Ableben und wollte vorher noch einmal d a s Höch st e, was das Leben bieten konnte", erleben. Er opferte fast fein ganzes Geld für den Ankauf feines Wagens. Wahrschein­lich gedachte er mit ihm zu sterben, denn noch galt jeder als verrückt, der sich einen Wagen zulegte. Ein anderer Käufer wanderte bann auch bald darauf wirklich ins Irrenhaus, weil Angehörige behaup­teten, daß erunter Ausschluß des freien Willens" gehandelt hatte. Tatsächlich war der Mann durch den Wagen ganz aus dem Rahmen seines bisherigen Lebens herausgeworfen worden, so hatte ihn das neue technische Wunder gepackt.

(Fortsetzung folgt!)

Der Zins im Wandel der Mrischastsgeschichle.

Die erfolgreichen Maßnahmen der Reichsregie­rung, den Zinssatz in Deutschland auf 4,5 v. H. zu senken, regen zu einer Betrachtung der geschichtlich bedeutsamen Zinssenkung an. Da tritt uns gleich zuerst Friedrich der Große entgegen mit fei­nem Ausspruch, daßder Stein der Weisen jeder Gesetzgebung die richtige Regulierung des Verhältnisses von Gläubiger und Schuldner sei, wobei die Regierung sich immer auf den Standpunkt des armen Mannes stellen" müsse. Seinen tatkräftigen Bemühungen ist es dann auch zu danken gewesen, daß der nach dem Sieben­jährigen Krieg sehr yohe Zinssatz in Preußen von 8 v. H. aus 5 bis 6 o. H. herabgesetzt werden konnte, während Frankreich, Oesterreich und Ruß­land für ihre Anleihen immer noch 7 bis 9 o. H. zahlen mußten. Gehen wir weiter zurück in der Geschichte, so begegnen wir zum Teil ganz außer­ordentlich hohen Zinssätzen. Im alten Römer- reich waren die hohen Zinsen, die das niedere Volk, die sogenanntemisera plebs contribuens" zu zahlen hatte, ein Hauptgrund der Verelendung und Verknechtung der Massen, an der schließlich das Römerreich zugrunde gegangen ist. Nahm doch z. B. Marcus Brutus in den von ihm verwalteten römischen Provinzen für ausgeliehenes Geld nicht weniger als 48 o. H. Die bekannten Reformbestre- bungen der beiden Gracchen (um 130 v. Ehr.) zielen u. a. auch auf die Herabsetzung der hohen Zinsen hin und erinnerten daran, daß zur Blütezeit der römischen Republik dasZ w ö l f t a f e I g e» s e tz" (451 v. Ehr.) einen höheren Zinssatz wie 10 o.H. zu nehmen verboten hatte. Doch die Graccheschen Reformen blieben ohne nachhaltige Wirkung. Erft unter der starken Herrschaft des Kai­sers A u g u st u s gelingt es, den Zinsfuß auf 5 v. H. zu senken. Freilich schnellte der Zins unter seinen schwächeren Nachfolgern bald wieder auf 7 bis 10 Prozent herauf; die Zinsknechtschaft begann aufs neue und vollendete den Untergang des römi­schen Reiches.

Im Mittelalter finden wir z. T. sehr hohe Zinsen. So ist um das Jahr 1000 bei(Seebär- lehen" ein Zinssatz von 33 v.H., beiGetreide­darlehen" oft sogar ein solcher von 50 v. H. üb­lich gewesen. Auch hier sind es wieder die großen tatkräftigen Herrscher, denen es gelingt, den Zins­satz herabzudrücken: F r i e d r i ch II. v on Hohen­staufen ermäßigte 1230 in Neapel den Zins auf 10 v. H., eine Tat, die damals außerordentliches Aufsehen erregte, denn vorher war Geld unter 20 Prozent kaum zu bekommen. Allerdings stieg

bald darauf wieder der Zins an, auf 15 o. H. z. T. auf 20 d.H. Erft das Aufblühen des Hand­werks und des Handels in den deutschen Städten im 15. Jahrhundert brachte eine länger dauernde Zinsherabsetzung. Die wirtschaftsgeschicht­lich bedeutsame Zinssenkung in der Blütezeit des deutschen Mittelalters ist zu danken der straffen Or­ganisation und guten Disziplin des deutschen Hand­werks und Handels, die von zielbewußten Führern geleitet wurden. Die Städteordnungen, wie auch die Zunft- und Gilbevorschriften enthielten scharfe Bestimmungen gegen Wucher, die Höhe des erlaubten Zinses war genau angegeben. Aus den süddeutschen, rheinischen und Hansestädten wird uns auch aus dieser Zeit berichtet, daß der Zins, den der Handwerker zahlte, nicht höher als 5 bis 6 v. H., teilweise sogar nur 4 v. H. gewesen sei.

Die neuen Entdeckungen und Erfindun­gen des kommenden Jahrhunderts ließen den Zins wieder anfteigen, aber nach der Klärung der dama­ligen weltwirtschaftlichen Verhältnisse sank der "Zins 0um Teil sogar noch tiefer als vorher. Besonders in den beiden Ländern, die die neuen Entdeckungen für ihre Völker fruchtbringend zu gestalten verstan­den, zuerst in Holland, dann in Eng­land, treffen wir einen ganz außerordentlich nie­deren Zins: Aus Holland wird uns berichtet, daß am Anfang des 17. Jahrhundert der Zins zeitweise auf 3 bis 2,5 v. H. stand. Im 30jährigen Kriege stie­gen die Zinssätze wieder allerorten. In Deutschland behielten sie auch nach dem Westfälischen Frieden eine große Höhe bei, während in vielen anderen Ländern sich die Sätze wieder ermäßigten. So be­richtet uns Roscher, daß um 1660 der Zins in Deutschland auf 8 bis 10 v. H., in Frankreich auf 7 v. H., in England auf 5 bis 6 v. H. und in Hol­land sogar nur auf 3 v. H. gestanden hätte, dagegen wiederum in Spanien auf 10 bis 12 v. H. und in der Türkei auf 20 v. H.

Das 18. Jahrhundert brachte bann die erste be­rühmteKonversion", d. h. die Herabsetzung des Zinses, und zwar der englischen Konsols". Die 1694 von der Bank von Eng­land aufgenommene ursprünglich zu 8 v. H. zu ver­zinsende Staatsschuld wurde in den Jahren 1711 bis 1742 allmählich auf 3 o. H. ko.nvertiert. Das Gelingen dieser Zinsherabsetzung geht daraus her­vor, daß bereits im Jahre 1737 die an der Londoner Börse notierten 3,5prozentigen englischen Konsols weiter über pari, nämlich auf 107, standen, was einer Rendite von nur noch 3 v. H. entsprach. Auch in Deutschland tarnen, wenigstens vorüber-

Zielenkanaster.

Von O. <5. Foerster.

Im Jahre 1768 wohnte in der Mauerstraße in Berlin ein alter Kriegsveteran, der Tabakshändler Johann Bramigk. Sein kleiner Laden wurde wenig besucht, obgleich Bramigk besseren Tabak führte als manches große Geschäft in den Hauptstraßen der Stadt. Eines Tages saß Bramigk mit seiner Frau über den Geschäftsbüchern, sorgenvoll und traurig; denn alles Rechnen und Zählen ergab doch immer wieder, daß die Einnahmen lange nicht mehr die Ausgaben deckten.Wir werden unseren Laden verkaufen müssen!" seufzte die Frau.

Da klingelte die Ladentür. Bramigk eilte in den Laden und begrüßte respektvoll einen seiner wenigen treuen Kunden, den Husarengeneral von Zleten. Er legte ein Paket von der Tabaksorte des Gene­rals auf den Tisch.

Ist doch noch derselbe?" fragte Zleten.

Zu Befehl, Exzellenz!" erwiderte Bramigk.

Mir lieb, das zu hören!" sprach der General. Sein Tabak ist recht aut. Er führt gute Waren zu honetten Preisen. Wird wohl viel los, was?"

Leider nicht, Exzellenz. Dies ist heute der erste Groschen, den ich eingenommen habe."

Zielen sah die trübe Miene der alten Frau, die ihrem Mann gefolgt war.Tut mir leid", sagte er, aber woran liegt das? Er muß mehr Brimborium machen von seinem Tabak!"

Dazu fehlt es mir an Geld, Exzellenz. Ich habe noch zwei Töchter zu versorgen, und die Miete ist auch sehr hoch ..."

Hat Er keine Söhne?" fragte Zieten.

Einen hatten wir", sprach die Frau,der ist bei Kolin geblieben ..."

Zieten brummte mißlaunig vor sich hin, als die Mutter leise zu meinen begann.Wird schon wie­der in florlbus kommen, Sein Geschäft!" tröstete er.

Dann schritt er zur Tür und verließ den Laden.

Doch schon drei Tage später kam der alte Zieten wiederum in Bramigks Laden.

Hör Er, Bramigk!" begann er, ehe der Händler noch nach seinen Wünschen fragen konnte,was Er mir neulich erzählt hat, ist mir lange durch den Kopf gegangen. Ich hab' Ihm hier was mitge- bracht, das Seine Boutique in die Höhe bringen soll. Lese Er mal diesen Zettel!"

Bramigk nahm das Papier und las erstaunt einen seltsamen Vers:

Ich kann euch hier was Gutes bieten, denn diesen Knaster raucht der alte Zleten!"

Hab ich selbst gedichtet!" sprach Zielen stolz. War eine mühsame Arbeit für einen, der die Federfuchserei nicht leiden mag. Aber nun hör Er zu: Er macht jetzt viele Pakete von seinem Tabak und klebt auf jedes Paket einen Zettel, wo mein Bild drauf ist, und darunter schreibt er diesen Vers und oben drüber nochmal ganz großZieten- knaster". Mit diesen Paketen füllt Er das ganze Schaufenster."

Bramigk stammelte glücklich Dankesworte, aber der alte Haudegen wehrte ab:

Sei Er still davon, und daß Er mir Ehre macht mit Seinem Zietenknaster und keinen schlechten Tabak hineintut."

In den nächsten Wochen prangte der Zieten­knaster in dem Schaufenster des Tabakladens in der Mauerstrahe. Bürger und. Soldaten rauchten nichts anderes mehr, und selbst Hofkutschen fuhren vor dem kleinen Geschäft vor, deren Insassen den Tabak begehrten, den der Vater Zleten rauchte. Bramigk war bald aller Sorgen ledig dank der Reklame, die sein alter General für ihn gemacht hatte. Jeden 18. Mai aber sandte er dem alten Zieten ein Paket Zietenknaster als Geburtstagsge­schenk und als Zeichen seiner Dankbarkeit.

Auch eine Liebesgeschichte.

Von Heinz Ulrich

Es gibt da einen jungen Mann, den ich recht gut kenne, er heißt, beiläufig gesagt, Otto. Außer­dem ist da noch ein junges Mädchen, das ich weder gut noch schlecht, sondern nur aus der Ferne kenne. Sie ist den Männern durchaus nicht wohlgesinnt, das beweist sie in der Geschichte mit Otto.

Sie ich will sie Clara nennen, bas ist auch ein schöner Name, und wenn ich ihren richtigen nennen würde, käme sie gleich zu mir und aber das geht euch ja nichts an, also Clara geht morgens immer ins Geschäft, sie ist ebenso un­pünktlich wie Otto, und das fällt dem Otto eines Tages auf, denn sie wohnen beide im selben Haus, Otto im ersten, sie im dritten Stock.

Eines Tages steigt Otto ihr nach. Da sie nicht nur hübsch ist, sondern auch ein kluges Mädel, merkt sie es sofort. Sie läßt ihn zweimal an sich vorüber gehen, beobachtet ihn genau, wie er das erstemal an einem Räucherwarenladen stehen bleibt und wie hypnotisiert auf Flundern und saure Gurken zu schauen vorgibt, dabei aber weiter nichts tut, als die Fensterscheibe als Spiegel zu benutzen; und sie läßt es geduldig geschehen, oaß er ein zweitesmal sich mächttg für Kinderwagen zu inter­

gehend, Zinssätze von 3 bis 4 v. H. vor, so z. B. in Göttingen im Jahre 1794. Arn Anfang des 19. Jahr- hunderts stiegen die Zinssätze infolge der napo­leonischen Kriege überall wieder stark an und behielten auch weiterhin noch eine beträchtliche Höhe: Don 1814 bis 1820 ist Geld kaum unter 7 bis 9 v. H. zu haben. Don 1820 bis 1850 fand dann in ganz West- und Mitteleuropa ein langsames Sinken des Zinsfußes statt. In den meisten Staaten Europas wurden in dieser Zeit die Zinsen der Staatspapiere wie der Pfandbrief herabgesetzt. So stellten sich seit 1840 die Zinssätze für die besten Staatspapiere und Pfandbriefe in Holland nur auf 3 v. H., in Frankreich auf 3,5 bis 4 v. H., in Süd- deutschland und Westdeutschland auf 4 bis 4,5 v. H., in Ostdeutschland auf 5 bis 6 v. H. In Oesterreich betrug der Zins seit 1845 nur noch 4 v. H. Im 'Jahre 1852 nahm Preußen noch einmal eine große Zinsherabsetzung seiner Staatspapiere von 5,5 auf 4,5 v. H. mit vorbehaltloser Zustimmung seiner Gläubiger vor.

Dann aber greift bis etwa 1870 wieder eine ent­gegengesetzte Richtung Platz. Die Epoche des Eisenbahnbaues, der verstärkten Maschinen­verwendung, der vergrößerten volkswirtschaftlichen Investitionen läßt den Zins zeitweilig wieder an­fteigen: Don 3,5 bis 4 v. H., welche Höhe er bisher hatte, auf 5 und 6 v. H. und z. T. noch höher. Es ist dieselbe Erscheinung, die wir auch in dem Jahr­hundert der Entdeckungen und Erfindungen beobach­ten konnten. Stürmisches Dorwärtsschreiten der Wirtschaft ruft Kapitalvedarf hervor, spannt die Geldmärkte an und läßt den Zins steigen. Um das Jahr 1860 mußten für erstklassige Staatspapiere in Preußen 5 v. H., in Rußland 5,5 v. H., in Italien 6,8 v. H. und in Oesterreich 6,9 v. H. gezahlt werden.

Aber schon nach wenigen Jahrzehnten, als die Wirtschaft wieder in ruhigere Bahnen ein- gebogen war, ermäßigten s i ch die Sätze; und dann folgt von den 80er Jahren an die Zeit der großen Konversionen, der Zinsherabsetzungen der (Staatspapiere und Renten. Hier ist besonders ein Land zu nennen, das wegen seiner von geschickten Finanzministern durchgeführten Zinsherabfetzungen eine gewisse Berühmtheit erlangt hat: England. Eine ganz neue Form der Zinssenkung in Staffeln wurde hier vom Schatzkanzler Goschen eingeführt, dem es auf diese Weise gelang, die englische Staats­schuld seit 1888 nur noch mit 2,5 v. H. zu verzinsen. Auch in Preußen wurde in den 80er Jahren eine große Konversion durchgeführt, indem die preu­ßischen Staatsanleihen von zuerst 4,5 v. H. auf 4 v. H. und dann auf 3 v. H. herabgesetzt wurde. Durch diese Maßnahme erzielte der preußische Staat im Durchschnitt eine Zinsersparnis von jährlich rund 18 Millionen. Im Ganzen sollen nach Newmark die europäischen Kulturstaaten in der Zeit von 1888 bis 1900 durch Konversionen fast eine Milliarde an Zinszahlungen erspart haben.

So sehen wir, wie die Höhe des Zinses abhängig ist von den verschiedenen Faktoren, unter denen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse an erster Stelle stehen. In wirklichen Blütezeiten einer Wirt­schaft ist aber stets der Zins niedrig, da hohe Zinsen immer ein Hemmschuh in der Entwicklung sind, während niedere Zinsen den Ausbau der Wirtschaft fördern. Und deshalb sehen wir auch stets tatkräftige Herrscher bestrebt, ihrem Volke einen niederen Zins­satz zu verschaffen.

Tagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Darmstadt.

In der Technischen Hochschule zu Darmstadt begann eine mehrtägige Tagung der Deut­schen Geologischen Gesellschaft, die das Vorkommen, die Gewinnung und die Verwendung der deutschen Natursteine im Straßen- und Hochbau behandelt. Der Vorstand des Geologisch-Minera­logischen Instituts, Professor Dr. W. Wagner, eröffnete die Tagung, zu der etwa 120 Wissenschaft­ler und Industrielle gekommen sind, mit einem Rückblick auf die Einweihung und den Bau des ersten Teilstückes der Reichsautobahnen. Der Reichs­autobahn ist einer der Lehrausflüge der Tagungs­teilnehmer gewidmet, um insbesondere die Unter­grundverhältnisse und die Herstellung der Fahrbahn­decke tennenzulernen. In Vertretung des Reichsstatt­halters übermittelte Landesforstmeister Dr. Hesse die Grüße der Landesregierung.

Vsm Aitern derBöSker.

Von Dr. Rodench von llngern-Eternberg.

Unter einem Volk ist nicht ein Nebeneinander einer Vielheit von Menschen zu verstehen, sondern eine lange Folge von Generationen, die durch Gemeinsamkeit der Abstammung, der Muttersprache und durch gemeinsame politische und tulturelle Erlebnisse miteinander verbunden sind. Jede Persönlichkeit, sowohl die des Einzelmenschen wie die eines Volkes, ist in ihrer Bildung und Wesensart grundlegend bestimmt durch ererbte Rassenanlagen einerseits und durch die Erziehung andererseits, wobei unter letzterer die Gesamtheit aller Umwelteinflüsse, der physischen sowohl wie der geistigen, zu verstehen ist. Dabei ist anzunehmen, daß die ersteren (die physischen) nicht ohne Einflüsse auf die Raffenanlagen sind

Ein Volk ist eine Bluts- und Schicksals- gemeinschaft, wobei diese beiden Elemente der Gemeinschaft, im Einzelfall, von verfchiedner Stärke sein können. Ein Volk kann aus ver­schiedenen Rassen mit besonderen Anlagen und Eigenschaften bestehen, die aber durch jahr­hundertlange Lebens- und Schicksalsgemeinschaft eine fe ft gefügte völkische Einheit gewor­den sind. Als Beispiel dürfen wir die Franzosen anführen. In einem anderen Fall kann ein Volk vor allem durch die relative Gleichartigkeit der Raffe gekennzeichnet fein (Schweden).

Zur Verdeutlichung des Wesens eines Volkes kann man den Ausdruck Organismus (Volksorganis­mus), der eigentlich nur auf Lebewesen angewandt wird, gebrauchen, wobei man allerdings stets dessen eingedenk sein muß, daß es sich um einen bildlichen Ausdruck handelt, der die enge Verbundenheit und Abhängigkeit aller Teile des Volksganzen zum Be­wußtsein bringen soll, ohne daß alle Merkmale eines menschlichen Organismus auf den BegriffVolk" übertragbar wären. So hat z. B. der Organismus des einzelnen Menschen nur eine beschränkte Lebens- dauer, wogegen jedes Volk eine Ewigkeitsdauer in Anspruch nehmen muß, und das Verlöschen seiner Existenz niemals als ein Merkmal seines Wesens gelten kann.

Trotzdem ist es zulässig, auch in bezug auf den Dolksorganismus von Alterserscheinungen oder von der Jugendlichkeit zu sprechen und diesem Ausdruck einen bestimmten Sinn und Er­kenntniswert beizulegen. Das ist sogar in zweifacher Hinsicht möglich: Erstens in dem Sinn, daß der Altersaufbau der einzelnen Völker ein ver­schiedener, ein jugendlicher oder ein alter fein kann (biologisches Alter), und zweitens in dem Sinn, daß ein Volk, als eine sich selbstbewußte Einheit von Blutsverwandtschaft und Schicksal, mehr oder weni­ger lange Zeit bestehen, d. h. daß seit der Ent­stehung und Formierung des völkischen Bewußt­seins eine mehr oder weniger ausgedehnte Zeit­spanne verflossen sein kann (kulturelles Al­ter), wobei es allerdings schwer fallen mag, im Einzelfall den Zeitpunkt des Zustandekommens, des ersten Aufleuchtens des völkischen Bewußtseins ge­schichtlich festzustellen.

Den biologischen Altersaufbau eines Dolksorganismus kann man auf Grund der Er­gebnisse von Volkszählungen, bei denen bekanntlich das Alter der einzelnen Personen festgestellt wird, zur Darstellung bringen. Man verfährt dabei so, daß man feststem, wieviel Menschen auf die ein­zelnen Altersklassen (0 bis 5, 5 bis 10 Jahre usw.) entfallen, und bann die einzelnen Altersklassen zu größeren Gruppen: Kinder, fortpfanzungsfähige Gruppen usw. zusammenfaßt.

Um das verschiedene biologische Alter einzelner Völker zu veranschaulichen, wollen wir den Alters­aufbau unseres westlichen und unseres östlichen Nach­bars, dem des deutschen Volkes gegenüberftellen. Wir erhalten bann einen jugendlichen Alters­aufbau (Pole n), einen mittleren (Reichs- beutfche) und einenvergreisten" (Fran­zosen).

Auf 1000 der Gesamtbevölkerung standen im Alter: unter 15 30 60

In:

15 Jahre: bis 30:

bis 60:

unb mehr:

Polen

354

290

284

72

Deutschland

258

288

362

92

Frankreich

225

250

387

138

essieren scheint, denn sie glaubt nicht, duß er das symbolisck meint.

Otto seinerseits ist davon überzeugt, baß er mächtig Einbruck schinbet, er schaut ihr also bei ber britten Ueberholung mit großer Unverfrorenheit mitten ins Gesicht über bie Schulter hinweg, grinst und grüßt und bildet sich ein, daß sie ihn schmach­tend ansieht. Sie bankt und tut nun so, als ob sie mächtig erstaunt ist. Sie bemerkt zu ihm, daß sie leider keine Ahnung hat, wer der Herr ist, sie kann sich nicht erinnern, ihn schon einmal gesehen zu haben.

ASer halt", sagt sie plötzlich und lacht dazu, als falle ihr eine komische Erinnerung ein,Sie sind doch der Türke aus dem Wanderzirkus, der im vorigen Jahr da draußen war, ftimmt's? Wir haben uns wunderbar über Sie amüsiert. Wie geht es Ihnen denn?"

Otto, der Türke, stottert verwirrt:Ich ich" und kommt nicht weiter, sie kramt offenbar in ihren Gedanken:Aber in Ihrem Kostüm sehen Sie bei- nahe noch dümmer aus, als so", unterbricht sie sich: Oh, hab' ich Sie beleidigt?^

Oh bitte nein, mein Fräulein", stammelt der unglückliche Türke Otto verstört.Nicht viel düm­mer", sagt sie tröstend,und Sie sind ja ordentlich dick geworden, richtignen Bauch haben Sie ge­kriegt." Nun ist Otto sehr stolz darauf, daß er schlank ist und so merkt er denn endlich, daß er veräppelt wirb und er wirb rot wie eine Kirsche. Sie sieht es und wirb mit einem Male ganz merk­würdig ernst und streng im Gesicht:Herrrrr Otttttoo!" sagt sie,Sie täuschen sich in mir!" läßt ihn stehen und schreitet stolz und erhobenen Hauptes davon.

So steht er von allen guten Geistern verlassen auf der Straße und rührt mit der rechten Hand in der Luft herum, sucht nach Atem und geht schien- mgst ins Geschäft, wo sein Chef ihn fragt, ob er gestern viel getrunken habe. Drei Tage später geht er, um seinen Gram zu betäuben, ins Kino, ber Film hat bereits begonnen, es ist stockbunkel, er mirb von dem Platzanweiser auf irgendeinen Stuhl gestoßen und fetzt sich. Seine Augen gewöhnen sich an das Dunkel und er sieht sich einen Augenblick im. Neben ihm sitzt eine junge Dame, die ihn an- legt. Vernichtend. Denn es ist Clara. Er will rasch lüchten, aber neben ihm hat sich schon eine um« angreiche ältere Dame niedergelassen und läßt ihn nicht und die Leute hinter ihm beginnen zu zischen.

setzt sich mit verzweifelter Gebärde und ent- chuldigt sich bei ihr:Ich kann wirklich nichts da- K sieht so unglücklich aus in dem trüben Flimmerlicht, daß er ihr hartes Herz zu rühren

beginnt. Sie denkt bei sich, er kann doch nicht ganz so ein frecher Kerl fein, wie ich dachte, sie sagt: Bitte" und lächelt.

So sitzen sie artig eine Stunde lang nebenein­ander und sehen krampfhaft auf die Leinwand und denken doch nur aneinander. Fast am Ende des Films stoßen auf ber Sessellehne ihre Hände leise zusammen unb bleiben so liegen. Als es hell wirb, fahren sie auseinanber, wie Kinder, die über etwas Bösem ertappt sind. Sie gehen, wie könnte es auch anders fein, zusammen nach Hause. Er entschuldigt sich noch vielmals wegen seiner Frechheit von da­mals, ach wie lange das schon her ist, und sie ge­währt, schwankend zwischen Rot und Lächeln, Die Verzeihung.

Dann sind sie angekommen, der Hausflur kst merkwürdigerweise dunkel, und die verfluchte Trep­penbeleuchtung ist natürlich wieder einmal entzwei unb Otto muß Clara stützen, damit sie nicht auf ber Treppe hinfällt. Er vergißt dabei, daß er im erften Stock wohnt unb kommt bis oben mit. Ich glaube, er muß bann wohl wieder eine Anwand­lung von Frechheit gehabt und ihr einen Kuß ge­geben haben, denn am nächsten Tag haben sie schon du zu einander gesagt, und das muß doch eine Ursache haben. Aber das ist ja schon gar nichts Besonderes mehr."

Das Gespräch um die Welt herum.

Die amerikanische Telephon-Gesellschaft in Neu- York unternahm ein interessantes Experiment, in dem nachgewiesen wurde, daß man auf dem läng­sten Weg das Gleiche erreichen kann, was man auf dem kürzesten zuwege bringt. Diese Arbeit scheint zwar auf den ersten Blick sinnlos zu sein, da man gemeinhin den kürzeren Weg vorzieht, aber für die Wissenschaft des Fernsprechers war die Un­tersuchung, gleichsam als Bestätigung seiner beson­deren Güte, sehr aufschlußreich. Der Präsident ber Telephon-Gesellschaft unterhielt sich über ben Fern­sprecher mit dem Vizepräsibenten, ber im Neben­zimmer saß. Für solche Zwecke wirb ja gewöhnlich allenfalls ein Haustelephon angewandt, aber die beiden Herren ließen sich eine Extrawurst braten unb bas Gespräch um die ganze Welt herum legen. Durch Kabel wurde der Präsident mit ßon- bon verbunben, von ba nach San Franzisko, und der Draht brachte das Gespräch nach Neuyork zurück. Die Verbindung um die Welt war in fünf» zehn Minuten hergestellt, und die Verständigung klappte ausgezeichnet.