Ausgabe 
1.4.1935
 
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Nr. 77 Zweites Blaff

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, l. April (935

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Dor 120 Zähren wurde Otto v.Dismarck geboren

Scherl-Bildmatern dienst

Am 1.April jährt sich zum 120.Male der Geburtstag unseres Altreichskanzlers Otto v. Bismarck. Unser Bild zeigt den Fürsten in Friedrichsruh mit den beiden berühmten Reichshunden.

Bismarck und die Armee.

Und dann zu Pferde, eine Stunde später Mit den gelben Streifen der Halberstädter!"

So singt Fontane und so lebt er in unserer Erinnerung mit dem blitzenden Helm, den mäch­tigen Stiefeln, in dem blauen Ueberrock und dem gelben Kragen der Seydlitz-Kürassiere. So lebt er im Herzen des Volkes. Wir wissen nicht viel von Bismarcks Soldatenzeit, kaum mehr als daß er am 25. März 1838 beim Garde-Jäger-Bataillon in Pots­dam als Einjährkh-Freiwilliger eintrat und sich im Herbst des gleichen Jahres zum Pommerschen Jäger- Bataillon Nr. 2 nach Greifswald versetzen ließ. Als Flügelmann der 3. Kompanie hat der lang auf- geschossene Jüngling dort bis zum Ende des Frei­willigenjahres Dienst Man. Bismarck, dem das Soldatische von Geschlechtern her im Blute lag, der wußte, was Disziplin für ein Heer bedeutet, legte, so lange er den bunten Rock trug, seinem Tempe­rament Zügel an. Auch von den zahlreichen Hebun­gen, die der zum OffiAer Beförderte in späteren Jahren beim Bataillon und bei der Kavallerie, zu der er übertrat, machte, ist keine sichtbare Spur verblieben außer der bedeutsamen, daß man die Lebensrettung eines Burschen und seines Dieners, den er mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten des Lippehner Sees holte, auf ihr Konto setzen muß.

Und doch haftet seinem Wesen, seinem Aeußeren immer etwas Soldatisches an. Er selbst hat es oft zum Ausdruck gebracht, daß er viel lieber den Hohenzollern mit dem Schwert auf dem Schlacht­feld als mit der Feder am Schreibtisch gedient hätte. Noch im Jahre 1882 erklärte er in einer Reichstagsrede:Das erste, was man mir bei meinem ersten Auftreten als Ministerpräsident ent­gegenhielt, war etwas, was mir sehr schmeichelhaft war. Man sagte mir: dem sieht man auf den er­sten Blick an, daß er nichts ist als ein preußi­scher Offizier in Zivil. Ich habe das An­erkenntnis dankbar angenommen; und das Gefühl als preußischer Offizier, wenn ich auch nur die äußeren Zeichen davon habe, trägt mich noch höher

auf der Woge der nationalen Bestrebungen der Vaterlandsliebe, als irgend eine parlamentarische Attribution, die ich hier ausübe." Wir Nachfahren können uns denEisernen Kanzler" kaum anders denken, als wie er im blauen Rock mit dem gelben Kragen der ,^)alberstädter" in Kürassierstiefeln trutzlg und eigenwillig durch die Weltgeschichte schreitet, und vergessen darüber den vielgewandten Diplomaten, der mit feinstem Fingerspitzengefühl die Geschicke der Völker lenkte.

Sein Herz schlug auch im Zivil warm für die Armee. Die Sorge um die Fortentwicklung des Heeres hatte einst seinen König bewogen, ihn auf den Posten des Ministerpräsidenten zu berufen. Mit aller Leidenschaft hat er den Kampf für sie ausgenommen, hat seinen Gegnern zugerufen: ,Leoer Staat, dem seine Ehre und Unabhängigkeit lieb ist, muß sich bewußt sein, daß fein Friede und seine Sicherheit auf seinem eigenen Degen be­ruhen!" Mit soldatischem Mut hat er, als das Parlament die Gefolgschaft versagte, auf eigene Verantwortung die Reform durchgesetzt.

Auch äußerlich blieb er der Armee verbunden. Wenn auch feine dienstliche Tätigkeit als Diplomat und Kanzler ihm keine militärischen Hebungen mehr gestatteten, so legte er doch Wert darauf, als Land­wehroffizier dem Heere weiter anzugehören und begrüßte mit stolzer Freude seinen späteren Aufstieg auf der militärischen Stufenleiter bis zum General­oberst und Chef eines der ältesten preußischen Rei­terregimenter, des Kürassier-Regimentes von Seyd- litz (Magdeburgisches) Nr. 7. Die Uniform legte er auch an, als er als Ministerpräsident feinen König in zwei Kriegen ins Felo begleitete. Er verfolgte mit scharfem Blick die strategische und taktische Ent­wicklung und griff in ihren Gang ein, so nach der Schlacht bei Königgrätz, wo er 3ur Schonung des österreichischen Ehrgefühls die Besetzung Wiens ver­hinderte, so beim Abschluß des Frankfurter Frie­dens, wo er zur Erleichterung der Verhandlungen auf Belfort verzichtete. Für den Mann in Der Front hatte er tiefes Verständnis, ein warmes

Herz. Als die Schlacht von Königgrätz sich ihrem Ende zunelgte und der König mit feinem Gefolge durch den finkenden Abend ins Quartier ritt, zün­dete sich Bismarck voll Befriedigung feine letzte Zi­garre an. Da hörte er das Stöhnen eines am Wege liegenden preußischen Reiters. Ohne Zögern sprang er vom Pferd und steckte dem Verwunde­ten die soeben in Brand gesetzte Zigarre zwischen die Lippen.

Das neue Reich entstand. Preußen schloß mit den süddeutschen Staaten Militärkonventionen ab. Er beließ den einzelnen Kontingenten ihr Eigen­leben und ihre Selbständigkeit, sorgte aber dafür, daß im Kriegsfall der Oberbefehl des Königs von Preußen als deutscher Kaiser, im Frieden die Ein­heitlichkeit der Ausbildung und Ausrüstung ge­sichert waren, und wachte darüber, daß die Wehr­rüstung des gesamten Volkes dauernd auf der Höhe blieb. Zwar war er weit davon entfernt, die deut­sche Zukunft leichtfertig aufs Spiel zu setzen.Die

Knochen eines pommerschen Grenadiers" waren ihm zu schade, um auf dem Balkan zu bleichen. Aber er war kein Freund desfaulen Friedens, der der Befürchtung ausgesetzt ist, jeden Tag, jede Woche gestört zu werden. So mahnte er sein Volk: Es hat keine Generation in Deutschland gelebt, die nicht genötigt war, gegen Frankreich den Degen zu ziehen." So schritt er zur Einbringung und Durchführung der großen Militärvorlagen der letz- ten Jahre seiner Kanzlerschaft.

Der König schrieb ihm bei Verleihung des Or­dens pour le märite:Ich weiß in Ihnen so sehr das Herz und den Sinn des Soldaten, daß ich Ihnen in diesem Orden, den ja viele Ihrer Vor­fahren mit Stolz trugen, eine Freude zu machen hoffe und mir selbst gewähre ich hierdurch die Be­ruhigung, daß ich dem Manne, den Gottes gnä­dige Fügung mir zur Seite gestellt und der so Großes für das Vaterland getan, auch als Soldat die wohlverdiente Anerkennung zuteil werden lasse."

Das Sranbenburaer Tor wird ausgesivlki.

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In Berlin ist der Beschluß gefaßt worden, das Brandenburger Tor wegen des von Tag zu Tag stärker werdenden Autoverkehrs aufzustocken. Mit den Arbeiten soll bereits am 1. April begonnen werden. Hnser Bild zeigt den Entwurf für die Umgeftaltung des Brandenburger Tors.

OeutscheLungeu bauen Ozeandampfer.

Vom Wesen und Werden der Potsdamer Schiffsmodellbauschule.

Von unserem Berliner I. K.-Berichierstatier.

Ein vielbesuchter Anziehungspunkt auf der Waf- lersportausstellung Berlin 1935 waren die Modelle Der Schiffsmodellbauschule Potsdam. Zierlich, bis in alle Einzelheiten den großen Vor­bildern getreulich nachgebaut und gleichzeitigsee­tüchtig", standen sie zur Schau und legten Zeugnis ab von dem Eifer, mit dem unsere Jungen sich mit dem deutschen Schiffsbau beschäftigen.

Mit dieser Ausstellung wurde der Oeffentlichkeit ein Institut nahegebracht, das in elfjähriger Arbeit unter feinem Begründer und Leiter, dem Oberleut­

nant a. D. Max Bartsch, bis jetzt ungefähr 800 Schüler in die Geheimnisse der Schiffsbaukunst ein­geführt hat und jetzt, nachdem es der Reichs- bund deutscher Seegeltung unter feine Fittiche genommen hat, staatliche Hnterstützung und Anerkennung genießt.

Augenblicklich liegen die Modelle auf dem Land­wehrkanal vor Anker, und Herr Oberleutnant Bartsch empfing auf einem neben den win­zigen Schlachtkreuzern und Atlantikdampfern ge­radezu riesenhaft erscheinenden Motorboot einige

Oberhessischer Kunstverein.

II. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz.

Die Bilder des Münchener Malers Hans K r a u ß, die ursprünglich zusammen mit den Landschaften von Professor Richard Kaiser im Kunstverein gezeigt werden sollten, aus räumlichen Gründen aber zurückgestellt werden mußten, erscheinen nun zum 70. Geburtstage des Künstlers in der gestern eröffneten zweiten Ausstellung aus Gie­ßener Privatbesitz und füllen chrerseits als Gesamt-' schau der Arbeiten des hier recht bekannt gewor­denen Porträtisten den Raum im Turmhaus vollauf.

Krauß ist 1864 zu Calw in Württemberg ge­boren, studierte erst in Stuttgart und wurde später Schüler von Hildebrandt in Florenz, wo er sich vor- nehmlich mit dem Kopieren alter Meister befaßte. Ein ehrenvoller Auftrag führte ihn nach längerem Studium nach Neapel, wo er mit der Restaurierung der großen Fresken von Maräes eine dankbare Aufgabe fand. Nach ausgedehnten Studienreisen in Holland und England ließ sich Krauß in München nieder, wo er heute noch ansässig ist.

Die Ausstellung im Kunstverein wird auf zahl- reiche Besucher, wie wir vermuten, neben dem ästhetischen Reiz auch eine persönliche Anziehung ausüben insofern, als eben der größere Teil der hier gezeigten Bilder ihre Herkunft aus hiesigem Privatbesitz nicht verleugnen kann und will, und weil also fast alle der hier im Porträt wiederge­gebenen Persönlichkeiten dem Gießener Publikum zum mindesten dem Namen nach gut bekannt sind: das gibt dieser Ausstellung ihre eigentümliche Note.

Zwar überwiegen im Gesamteindruck die Bildnisse durchaus Krauß ist in erster Linie Porträtist aber eine gewisse Einseitigkeit oder Eintönigkeit, die sich daraus leicht hätte ergeben können, ist durch die Beimischung anderer Motive glücklich vermieden worden. Wir finden da zwischen den Bildnissen Kompositionen etwa mythologischer Art, wie die Europa mit dem Stier, den aus der alten Sage be­kannten Sänger Arion, der auf einem Delphin mu­sizierend übers Meer fährt, einen Christophorus, oder das berühmte Paris-Hrteil; ferner auch Bil­der, die dem reinen Spiel der Phantasie entsprun­gen scheinen, wie die Nacht, eine Frauengestalt, die sich über eine schlafende Stadt herabsenkt: eine Ma­donna, allerdings in profan-realistischer Umformung des alten Motivs; oder einen recht gespenstigen Hexenritt.

Den eigentlichen Charakter der Ausstellung be­stimmen aber natürlich die Bildnisse, die in der

Heberzahl sind und eine Reihe bekannter Gießener Persönlichkeiten, vorzüglich aus Hniversitätskreisen, darstellen. Den künstlerisch bedeutendsten Eindruck hinterläßt für unser Empfinden die Bildnisgruppe an der repräsentativen rückwärtigen Schmalseite des Raumes. Da ist zunächst ein sehr lebendig und un­mittelbar erfaßtes, mit herzhafter Lebensnähe und Aehnlichkeit frei in die Landschaft gestelltes Por­trät Professor K.; es wird flankiert von den Bild­nissen zweier Verstorbenen, des früheren Direktors vom Gießener Botanischen Garten, Professor Hof­mann, und des früheren Direktors des Oberhessischen Museums und der Gailschen Sammlungen, Pro­fessor Carl Kramer. Dies sind zwei Herrenporträts von bester malerischer Tradition, fest und klar in Haltung, Umriß und Farbgebung.

Von den Damenbildnissen scheint uns das von Frau Professor K. besonders glücklich gelöst, apart im Kolorit, persönlich im Ausdruck. Krauß hat übrigens seine hier entstandenen Bildnisse mit Vor­liebe vor einem Hintergrund vertrauter hessischer Landschaft komponiert; besonders der rühmlich be­kannte schöne Blick von der Stadt auf Gleiberg und Vetzberg kehrt mehrfach wieder, so zum Beispiel in dem großzügigen, sehr repräsentativ gemachten Por­trät Frau Dr. G. in reichem Goldrahmen.

Eine liebenswürdig-heitere Galerie von Kinder­bildnissen aus bekannten Gießener Familien ergänzt das Gesamtbild auf eine reizvoll-anziehende Weise. Die helle, freundliche Farbgebung, die in den Valeurs gelegentlich an die Kinderbilder von Zum­busch erinnert, paßt sich dem Sujet allenthalben ge­fällig und sinnvoll an. Ein warmes Rot, lichtes Grün, klares Blau, zartes Violett bestimmen etwa den farblichen Grundton. Ein sommerlich heller Himmel, eine Wiese, ein Stück Flußlauf deuten landschaftliche Szenerie an. Ein Spielzeug, Puppe, Ball oder Bär, scheint uns übrigens die naturge­mäße und zwanglosere Beigabe zu Bildnissen dieser Art zu fein als etwa die romantisch-stilisierende Einkleidung einer Kindergruppe, womit wiederum der Anschluß an eine oben bereits gekennzeichnete Gruppe von Bildern hergestellt wäre.y

Mütter-Schelds Hörspiel »Schach dem Soren*.

Dom Reichssender Frankfurt hörten wir aestern abend di« Hrsendung eines dramatischen Hörspieles Schach dem Zaren" von Wilhelm Müller- Sch e l d, Gaupropagandaleiter des Gaues Hessen- Nassau, auf das wir bereits in der Ausgabe nom Samstag aufmerksam gemacht hatten. Muller- Schslld hat hier in einprägsamer dramatischer

Form eine Entscheidungsstunde großer europäischer Geschichte gestaltet. Die Szene spielt im Jahre 1812 in Petersburg. Ein Kriegsrat am Hofe des Zaren beleuchtet die militärische Lage. Napoleon, dessen Eroberungszug durch Europa keine Grenzen und keinen Widerstand zu finden scheint, steht bereits vor den Toren Moskaus. In Petersburg herrscht Kleinmut und Hnentschlossenheit. Aber da erwächst den Zagenden und Zweifelnden in der Gestalt des Freiherrn vom Stein, der sich als Verbannter am Zarenhofe befindet, ein mächtiger Verbündeter und dem Eroberer, dessen Schatten die Szene drohend und lähmend zu beherrschen scheint, ein ebenbürti­ger Gegner. Die Zentralszene des Hörspieles ist die große Auseinandersetzung zwischen Stein und dem Zaren; zwischen beiden gleichsam als mächtige Vision die Gestalt Bonapartes. In wuchtiger Stei­gerung, in einem Dialog, der bei aller Klarheit von verhaltener Leidenschaft bewegt ist, ringen glühen­der Haß und ohnmächtige Bewunderung mitein­ander. Steins feurige Beredsamkeit stachelt, ent­zündet und überwindet endlich den anfangs unent­schlossenen Beherrscher aller Reußen; Stein be­schwort die Naturkräfte, Sturm, Schnee, Eis und Feuer als Verbündete des Zaren, die den Unter» gang des Eroberers besiegeln werden. Als der fron» zosische Abgesandte erscheint, um im Namen Napo­leons mit dem Zaren zu verhandeln, da macht Alexander den Freiherrn vom Stein zu seinem Sprachrohr: die zweite' große Szene des Hörspieles zwischen Stein ünb dem korsischen General; nun fällt die Entscheidung, in messerscharfen Sätzen wird das französische Friedensangebot abgelehnt, Mos­kau soll in Flammen aufgehen; der Sturm, den man an den Fenstern rütteln hort, Frost und Schnee, der mörderische Winter im unendlichen Rußland werden dem Siegeszuge Napoleons ein furchtbares Ende bereiten. Dies etwa find die Umriffe des Hörspieles; eine Stunde weltgeschicht­licher Entscheidung eine Schicksalswende im Spie! der europäischen Mächte ist hier mit knappen, mar­kanten Strichen herausgearbeitet und als Hörbild gestaltet worden. Müller-Schelds dramatische Phantasie hat sich an einem großen Gegenstände entzündet und die wichtigsten Figuren im diplvma- tisch-kriegerischen Spiel der Mächte um 1812 über» genb lebendig gemacht. Im musikalischen Nach-

, in dem sowohl die Marseillaise als auch aikowskys Zarenhymne anklingen, scheinen sich noch einmal die beiden großen dramatischen Gegen­kräfte des Hörspieles zu symbolisieren. Die Spiel­leitung hatte Manfred Marlo; die wichtiasten Gestalten wurden von den Schauspielern Schöm­berg (Alexander), Sattler (Stein) und Taube (ExzeUenz) eindringlich verkörpert.

April, April!

Andersen läßt in einem seiner Märchen die bunte Gesellschaft der Monate aus einer Postkutsche aus­steigen, und Freund April erscheint in der Ver­sammlung als ein flotter luftiger Gesell, der sich so­gleich mit einem Aprilscherz einführt. Don diesem Narrenrecht des 1. April wird in allen Ländern Gebrauch gemacht, und am besten ist's, gute Miene zum luftigen Spiel zu machen. Was werden wohl die ehrsamen Londoner Bürger im Jahre 1860 ge­dacht haben, als sie am Morgen des 1. April unter ihrer Poft eine Einladungskarte fanden, die einen höchst offiziellen Eindruck machte und die mit vie­len Wappen gesiegelt mar! Auf den Karten stand: Tower von London. Hierdurch wird dem Inhaber dieser Einladung gestattet, der jährlichen Feierlich­keit der Waschung der weißen Löwen am 1. April 1860 beizuwohnen.. Eingang durch das weiße Tor." An jenem Aprilmorgen sollen sich viele Tausende ernsthafte Bürger im Festgewand vor den verschlos­senen Tower-Toren eingefunden haben. Aber auch Gelehrte sind schon häufig auf ihrem ureigensten Fachgebiet aufs Eis geführt worden. So gab vor einer Reihe von Jahren ein Pariser Student am 1 April bekannt, daß er auf dem Montmartre eine rätselhafte Inschrift gefunden habe. Sie lautete: CE STI CIL EC HEM INDE SAN ES. Nam­hafte Archäologen bemühten sich vergebens, diese Inschrift zu entziffern oder wenigstens festzustellen, woher sie stamme. Sogar die Mitglieder der Aka­demie strenaten ihre Häupter an, bis endlich einer von ihnen Die Lösung des Rätsels fand! Cest ici le chemin des änes. (Das ist der Eselsweg!) Durch einen amerikanischenAprilscherz" wurde einst in Pittsburg, dem Hauptort der amerikanischen Eisen­industrie, eine große Panik hervorgerufen. Ein dor­tiges Blatt brachte die Meldung, daß eine japa­nische Flotte San Franszisko zerstört habe. Es be­durfte der Bildung einer Bürgergarde, um die Pitts­burger wieder einigermaßen zu beruhigen, denn sie forderten sofort die Schaffung eines militärischen Schutzes gegen ein ähnliches Geschick. Hngefähr auf derselben Stufe steht ein Scherz, den sich einst Peter der Große mit den Petersburgern leistete. Er hatte in der Nähe der Stadt einen mächtigen Holz­stoß aufstapeln und in der Nacht vom 31. März zum 1. April in Brand stecken lassen. Der mäch­tige Feuerschein am Himmel versetzte die Bevölke­rung der Stadt, die fast nur aus Holzhäusern be­stand, in Angst und Schrecken. Notdürftig bekleidet eilten Tausende mit ihren Habseligkeiten beladen aus ihren Häusern und flohen von dem Feuerschein fort., bis plötzlich eine Kette von Soldaten aus der N^cht auftauchte, ihnen den Weg versperrte und lachend zurief:Ihr Narren, heute ist der 1. Aprll!"