Ausgabe 
1.3.1935
 
Einzelbild herunterladen

M.5IZweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Freitag, l.rNärzjyZS

Herabsetzung der Bankzinsen.

Berlin, 28. Febr. (DBB.) Nachdem durch das gestern erfolgte Konversionsangebot an die Gläubiger der öffentlichen An­leihen, bei dem wie bei der grasten konverlie- rungsmahnahme im Januar mit einem vollen Erfolg gerechnet werden kann, der Kapitalmarkt eine fast allgemeine Senkung des Zinssatzes erfahren Hal, konnte zu gleichen Maßnahmen auch am Geldmarkt geschritten werden. In der heutigen Sitzung des Z e n t r a l e n Kreditausschusses, die unter dem Vorsitz des Kommissars für das Kreditwesen stattfand, ist daher beschlossen worden, die habensähe für Kündigungsgelder um durchschnitt­lich etwa v. h. z u senken. Der Sah für innerhalb eines Monats bis weniger als drei Mo­nate fällige Gelder wurde und hierin besteht eine Ausnahme für diese kurzfristigen Beträge um X v.h. auf 2>2 v.h., der Sah für drei bis weniger als sechs Monate fällige Gelder auf 3 (bisher VA v. h.), für sechs bis weniger als zwölf Monate fällige Gelder auf VA (bisher 4 v. h.) ermäßigt. Die Senkung bei Jahresgeldern, d. h. nach 360 Tagen und mehr fälligen Beträgen, erfolgt auf VA v. h., nachdem bisher Sähe von etwa 4A bis 5 v. h. galten. Auf der Debetseite beträgt die Ermästigung etwas über XA v. h. Unver­ändert gelassen wurden die Zinssätze für täglich fällige Gelder. Die Verzinsung der Sparkasseneinlagen beträgt künftig 3 v. h. gegen bisher 3^- v.h.

Die Aenderung des Finanzausgleichs.

Berlin, 28. Febr. (DNB.) Die Reichsregierung hat ein Gesetz zur Aenderung des Finanzausgleichs beschlossen, in dem im Hinblick auf b i e Bar­be l a st u n g des Reiches durch Maß­nahmen zur Arbeitsbeschaffung die Anteile der Länder an den folgenden Reichs­steuern für das Rechnungsjahr 1935 um zwei Drittel gekürzt werden, soweit sie bei der Einkommensteuer den Betrag von 1100000000 RM., bei der K ö r p e r s ch a f t s st e u e r den Be­trag von 240 000 000 RM., bei der Umsatz st e u e r den Betrag von 573 000 000 RM über st eigen.

Die Länderanteile an der Einkommensteuer und der Körperschaftssteuer werden e r st dann gekürzt, wenn sie zusammen den Betrag von 1 340 000 000 RM. über st eigen. Der Betrag, um den die Länderanteile gekürzt werden, verbleibt zur einen Hälfte dem Reich; die andere Hälfte wird einem Ausgleichs st ock zugeführt.

In der Begründung zu dem Gesetz wird darauf hingewiesen, daß das Aufkommen der Einkommen­steuer, der Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer sich im Rechnungsjahr 1934 g ü n st i g entwickelt hat. Entsprechend sind die Anteile der Länder an diesen Steuern gestiegen. Diese Steigerung, die die Haushaltstage der Länder und Gemeinden er­heblich gebessert, fyibe, ist auf die Besserung der Wirtschaftslage zurückzuführen, die die Reichsregierung durch ihre umfassenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen er­strebt und erreicht hat. Die finanziellen Lasten dieser Maßnahmen trägt fast a u s - schließlich das Reich.

Schiedsgerichte für die landwirtschasttiche Marktregelung.

Berlin, 28. Febr. (DNB.) Der Reichsmimster für Ernährung und Landwirtschaft hat eine Ver­ordnung über die Bildung von Schiedsgerichten für die landwirtschaftliche Marktregelung erlassen.

Dadurch wird die Schiedsgerichtsbarkeit für alle Zweige der landwirtschaftlichen Marktordnung, die bisher in Sonderoerordnungen für die einzelnen Marktgebiete geregelt war, einheitlich zu­sammengefaßt. Grundsätzlich hat, soweit nichts anderes bestimmt ist, jeder auf Grund des Reichs­nährstandsgesetzes gebildete, zur Regelung des Marktes für bestimmte landwirtschaftliche Erzeug­nisse berufene Zusammenschluß ein Schieds­gericht. lieber diesen Schiedsgerichten steht das Oberschiedsgericht, das in einer Anzahl von Fällen die Berufungsinstanz gegenüber dem Schiedsgericht bildet. Die Obmänner der Schiedsgerichte und des Oberschiedsgerichts müssen die Befähigung zum Richteramt haben und werden vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft berufen, die Beisitzer werden, wie es in der Schiedsgerichtsbarkeit auch sonst üb­lich ist, v o n den P r o z e ß p a r t e i e n bestellt.

Vereinheitlichung und Verbilligung des juristischen Prüfungswesens.

Sechs Prüfungsstellen für das ganze Veich. Gleiche Maßstäbe für alle Prüflinge.

Berlin, 28. Febr. (DNB.) Der Reichs- und preußische Iuslizminister Dr. Gürlner Hal eine Verordnung über den Ausbau des Reichsjusiiz-Prü- fungsamles unterzeichnet, die die bisher selbst- ständigen prüf ungsämfer für die große juristische Staatsprüfung in den Ländern beseitigt. Auch die für Ueber- gangszwecke geschaffenen Zweig st ellen und Außenabteilungen werden ihre Tätigkeit mit dem morgigen Tage beenden.

Der Ausbau des Reichs ju st iz-prüfungs- amtes unterscheidet zwischen der Leitung des ge­samten prüfungswesens und der Abnahme der Prüfung selbst. Die Aufstellung der leitenden Ge­sichtspunkte, die Ueberwachung der Gleichmä­ßigkeit des tatsächlichen Maßstabes für die Prüfung, ist Aufgabe des Reichsjustiz-prü- fungsamtes. Die Durchführung der Prüfung liegt den neugeschaffenen prüsungs st ellen ob, die dem Reichsprüfungsamt untergeordnet find. Es werden im Reiche sechs Prüfungsstellen errichtet.

Die Prüfungsstelle Berlin betreut die Ober- landesgerichlsbezirke Braunschweig, Breslau, Lelle, Kassel, Kiel, Königsberg, Marienburg, Raumburg, Oldenburg, Rostock und Stettin.

Dresden betreut die Oberlandesgerichlsbezirke Dresden und Jena.

Düsseldorf betreut die Oberlandesgerichts- bezirke Düsseldorf, Frankfurt a. M.» Hamm und Köln.

Hamburg betreut den Oberlandesgerichtsbezirk Hamburg.

München betreut die Oberlandsgerichtsbezirke Bamberg, München und Nürnberg.

Stuttgart die Oberlandesgerichtsbezirke Darmstadt, Karlsruhe, Stuttgart und Zwei­brücken. i

Jede Prüfungsstelle wird mindestens einen hauptamtlichen prüfet erhalten. Durch­schnittlich kommt auf 300 Kandidaten ein hauptamtlicher Prüfer. Düsseldorf erhält 2 bis 3, Berlin 5 bis 6 hauptamtliche prüfet. Außerdem werden Berlin und Düsseldorf hauptamtliche Vor­sitzende erhalten.

prüfungsämter zu einer Aussprache über die Neu­ordnung der Prüfungen versammelt. Der Reichs- justizmi'nister erörterte die bisherigen Maßnahmen. Die Justizausbildungsordnung vom 22. Juli 1934 fei von der Erkenntnis ausgegangen, daß der deutsche Richter, wie er vom 1. April 1935 ab recht­lich und tatsächlich vorhanden sein werde, i m ganzen Reich verwendbar sein solle. Das setze voraus, daß die Leistungen des Kan­didaten, der für das Richteramt eine Prüfung ablege, mit vergleichbaren Maßstäben gemessen werden müßten. Die Reichsjuftizver- waltung habe eine ihrer wichtigsten Aufgaben darin gesehen, als Grundlage gemeinsame Ausbildung und gemeinsame Prü­fung zu schaffen.

Staatssekretär Dr. Freister besprach den folge­richtigen Aufbau des Reichsjustizprüfungsamts. Die Schulung des werdenden Juristen müsse sich schon auf der Universität bemerkbar machen, dann im Vorbereitungsdienst bei den Gerich- t e n. Die Zeitdauer, die der Staat beanspruche, ihn zu prüfen, die in einzelnen deutschen Ländern 3 bis 6 Monate betragen habe, werde a u f 1 Monat und 1 W o'ch e abgekürzt. Da­durch werde dem Umstand Rechnung getragen, daß der nationalsozialistische Staat Wert daraus lege, den Werdegang zum Richter zu verbilligen. Die Beihilfen und Unterstützungen für minderbemittelte Referendare seien in Preußen von 400000 Mk. auf 800000 M k. jährlich erhöht worden und bei der Reichs­vereinheitlichung werde der preußische Durch­schnittssatz hoffentlich vorbildlich sein. Weiter wurde angestrebt, die Prüfungsgebühren, die heute bis zu 115 Mark betragen, zu verbilli­gen. Die Prüfungen sollten künftig auch nicht durch Zufälligkeiten belastet werden. In höherem Maße als bisher werde Gewicht darauf gelegt, wie der zu Prüfende als G e ja m t pe r f ö n l i ch- Feit sich zeige, lieber das Größenverhält- n i s der einzelne'n Prüfstellen machte der Staats­sekretär folgende Angaben: Berlin etwa 1700 Kan­didaten, Dresden 300, Düsseldorf 900, Hamburg 100, München 350, Stuttgart 300 Kandidaten. Nach wie vor legt die Justizverwaltung höchstes Gewicht -darauf, daß der Referendar in der den Staat und das Volksleben tragenden Bewegung feine Pflicht voll und ganz getan hat. Ober­landesgerichtspräsident Dr. Martin sprach dar­auf über Prüfungsmethoden. Am Nachmittag schloß sich eine ausführliche Aussprache an.

Händler usw.) und Käufer (Schlachter usw.) um« faßten. Die neue Regelung ersaßt nach dem Beispiel der bewährten Marktordnung für Getreide, Milch, Zucker usw. alle an dem Verkehr mit Schlachtvieh beteiligten Wirtschafts« gruppen vom Schlachtvieherzeuger bis zum letz­ten Fleischer.

(Simon in Varis.

Paris, 1. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Pa­riser Presse widmet ihre ganze Aufmerksamkeit dett Besprechungen, die der englische Außenminister Sir John Simon am Donnerstag mit Außenmini­ster Laval und anschließend mit Ministerpräsident F l a n d i n hatte. Obgleich amtlicherseits über den Verlauf dieser Unterredungen nichts mitgeteilt wurde, stellen die Blätter übereinstimmend fest, daß Sir John Simon dem französischen Außenminister die Versicherung gegeben habe, daß auch seine Re­gierung überzeugt davon sei, daß die Londoner Vorschläge vom 3. Februar ein untrennbares Ganzes darstettten. Er habe ferner erklärt, daß er sich nicht als Unterhändler nach Ber - l i n begebe, sondern gewissermaßen als Infor­mator. Seine Aufgabe bestehe darin, die Auf­fassung der Reichsregierung zu den ver­schiedenen Punkten der Londoner Vorschläge ent­gegenzunehmen.

Außenminister Laval hatte auch eine Unter­redung mit dem sowjetrussischen Botschafter Pa­tern k i n. Laval soll den Botschafter über seine Besprechungen mit Simon unterrichtet und ihm dis Versicherung abgegeben haben, daß der Oftpakt auf keinen Fall vernachlässigt werde« Sollten Deutschland und Polen ihren bis­herigen ablehnenden Standpunkt aufrecht erhalten, so werde man nach Ansicht desOeuvre" die Ver­handlungen über den Ostpakt ohne die beiden Mächte fortsetzen und ihnen dann ein fer­tiges Abkommen unterbreiten. Der Außen­politiker desEcho de Paris", Pertinax, ist dagegen der Auffassung, daß man bereits jetzt an eine Kompromißlösung denke. Man denks daran, den Ostpakt in zwei Teile zu teilen und ihn aus einem inneren und einem äuße­ren Ring zusammenzusetzen. Der äußere Ring enthalte nur Konsultativ- und Nichtan - griffsoerpflichtungen, während der innere Ring die gegenwärtigen Beistandklau­seln enthalte. Diesem inneren Ring würden Deutschland und Polen nicht ange­hören, wenn sie auf ihrem bisherigen Stand­punkt beharrten. Pertinax fügt seinen Ausführun­gen hinzu, daß die französische Regierung diese Absicht bereits in ihrer Note vom 26. November an die polnische Regierung angedeutet habe.

Simon

zwei oder drei Tage in Berlin?

London, 28. Febr. (DNB.) Wie verlautet, sind für die Besprechungen, die der englische Außen­minister voraussichtlich gegen Ende nächster Woche mit dem Führer in Berlin haben wird, zwei, möglicherweise auch drei Tage vorgesehen. Eins Reise Simons nach Moskau und Warschau wird in einer Meldung der Preß Association als nicht wahrscheinlich bezeichnet. Es müsse aber abgewartet werden, ob Simon nach seiner Begegnung mit Hitler dem englischen Ka­binett persönlich berichten werde. Das englische Kabinett werde alsdann entscheiden, ob der Außen­minister sich nach Moskau begeben solle, oder ob weitere diplomatische Vorbereitungen notwendig sein würden. Die Frage, ob Lordsiegelbewahrer Eden den Außenminister nach Berlin be­gleiten wird, ist ebenfalls noch in der Schwebe. Da der Unterstaatssekretär des Aeußeren Earl Stanhope in Gens weilt, wird in London die Frage geprüft, ob eine gleichzeitige Abwesenheit der drei für die Politik des Foreign Office verant- wörtlichen Persönlichkeiten von London tragbar erscheint.

Marktordnung in der Viehwirtschast.

Berlin, 28. Febr. (DNB.) Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat eine Ver­ordnung zur Regelung des Verkehrs mit Schlacht­vieh erlassen, die nunmehr auch auf diesem Gebiet die Durchführung einer umfassenden Marktordnung bringt. Die erste Verordnung zur Regelung des Verkehrs mit Schlachtvieh vorn 9. Juni 1934 hatte sich mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse des Schlachtviehverkehrs bewußt zunächst auf die Ord­nung der größeren Schlachtviehmärkte (Viehgroßmärkte) durch Schaffung von Markt- und Bezirksoereinigungen für Schlacht­viehverwertung beschränkt, die in der Haupt- vereinigung für Schla ch t viehverwer- tu n g zusammengefaßt wurden. Dabei ist zu be­achten, daß die Marktvereinigungen bisher nur die an den Viehqroßmärkten tätigen Verkäufer (Vieh-

Reichsjustizminister Dr. Gärtner und Staats­sekretär Dr Freister hatten die Leiter der Justiz-

sprengt Wachtmeiftcher Schranz auf 50 Schritt an den feindlichen Führer heran, feuert seine Pistole in die Luft:So erklärt Preußen den Krieg!'

Die Nachrichten vom Feinde verdichten sich. Kein Zweifel. General Frossard versammelt sein ganzes zweites Korps um St. Aoold. Der Oberstleutnant schlägt mit der Faust auf den Tisch:Gut, verdop­peln, verdreifachen wir uns!" Die Ulanen gehen mit Feuereifer ans Werk, handhaben Nadel und Zwirn, durchstöbern die Kammern, wandeln das Rot am Kragen und Aufschlägen in Weiß und Gelb, vertauschen die Ulanka heute mit dem Waf­fenrock der Infanterie, morgen mit dem Drillichrock, die Czapka mit der Pickelhaube, dem Feuerwehr­helm der St. Johanner Bürger, wetteifern in allen Listen und Schlichen. Der Franzose meldet nach Paris-Ulanen aller Art, Dragoner, Kürassiere, eine ganze Kavallerie-Division wehrt uns den Ein­blick bei Saarbrücken!"

Ein paar Meilen südwestlich von Saarbrücken läuft die Bahn SaargemündHagenau, die einzige Verbindung zwischen Metz und Straßburg. Pre­mierleutnant von Voigt hat den Auftrag, sie zu zerstören. Zwei Nächte sucht er vergebens, die Sperr­kette der Grenze und Zöllner zu durchbrechen. In der dritten Nacht erst gelingt es. Pulver in den Futtersäcken, Brechstangen und Zangen in den Säbel- und Pistolentaschen, erreichen er und ferne 26 Reiter auf Waldpfaden, durch Bäche und Schluch­ten in den ersten Morgenstunden des 24. Juli das Ziel, einen Viadukt. Ein Zivilingenieur, der wacker die Patrouille begleitete, übernimmt die Leitung der Arbeiten. Das Pulver kracht, leider zu schwach, aber für Tage ist doch der Verkehr unterbrochen.

Kecker und kecker werden von Stunde zu Stunde die Ulanen. Weit ins Franzosenland streifen sie hinein. Wo immer ein Gegner sich zeigt, gleich­viel ob stark ob schwach, er wird mit der Lanze an- gefaUen, es werden ihm Gefangene abgejagt. Mü­digkeit, Anstrengungen?Ein Pappenstiel! Ganz Deutschland schaut auf uns! General von Moltke m Berlin der Kommandeur steht mit ihm in dauern­der telegraphischer Verbindung roartet auf un­sere Meldungen." _ , ,,

Die Saarbrücker suchen sich bei Kräften zu erhalten. Was Küche und Keller bergen, schaffen fie herbei, wenn die Patrouillen heimkehren Sie wissen, was sie an ihren Ulanen haben. Die Franzosen dagegen sind arme Schlucker, leiden schon jetzt Hunger, fahn­den auf Lebensrnittel in Öen fmb

glücklich, wenn fie um teures Geld em Stuck Brot, eine FlascheKirsch" erhandeln.

Die ersten Verluste. Der erste Tote wird begra­ben. Schatten huschen einen Augenblick über die

Ulanen hatten Saarbrücken.

Von Alberi Lehsten.

Dreihundertfünfzig Reiter sind nicht viel, wenn ein ganzes Korps anrückt! Dreihunderfünfzig Rei­ter wiegen es auf, wenn die Czapka schief über dem linken Ohr sitzt und die preußischen Farben an den Lanzenspitzen flattern!

Julisonne brennt auf den Rebhugeln, den Halden des Saartales. In dumpfer Erwartung liegt die Stadt:Krieg oder Frieden?" Noch ist das ent­scheidende Wort nicht gefallen. In den Kasernen herrscht Leben. Man räumt, man packt, man scherzt, man singt, aber man schielt zuweilen auch nachdenk­lich nach Pistole und Sabel.

Mitternacht! Alarm! Mobil! Die Truppe ruckt nach Osten ab; ihre Mobilmachung so nahe der Grenze wäre gefährdet. Ihre Reservisten erwartet sie jenseits des Rheins in der sicheren Hut des Hinterlandes Gesenkten Hauptes geben die Saar- hriihpr ihr das Geleit Der Franzmann wartet vor L?Lr'L In SLch. fo geh. d- Gerücht, sollen sie schon stehen, die Zuaven und Turkos, be­schütze und Mitrailleusen, zehntausend Mann und m24 Stunden später! Hufe klappen auf dem Pilaster. Die Bürger spähen vorsichtig aus den Fenstern: Spahis oder Chasseurs a cheval? Die Gesichter werden hell:Ulanen sind es, unsere he­ben Köllschen Jungs, kommen wieder, wir sinO ^Jm^Gasthof zu Dudweiler sitzt der Oberstleutnant von Pestel, ihr Kommandeur. Ein Befehl au ,, lin rief ihn und die Seinen nach kurzem M sch zurück, Saarbrücken und die Grenze zu ' Nachrichten über den Feind zu .verschaffen.Me - düngen überstürzen sich:Drei feindliche Regimen­ter bei Stiring!"Die Jnfanteriespitze schon an der Goldenen Bremme!" Der Oberstleutnant wehrt ab:Ruhe, nur Ruhe, ich glaube nicht daran, -tue Wogen glätten sich. Zollwächter waren es, aus ihrem gewohnten Rundgang.

Jnianterie trifft ein, Hohenzollern-Füstliere, 4üer, ein Bataillon, willkommene Verstärkung. Sie wer­den den Ulanen unterstellt, ziehen auf Feldwacht, die Ulanen werden frei, zu reiten, zu streifen.

Rittmeister von Luck rückt als Erster mit seiner Eskadron gegen die Grenze. Ein Regiment Chas­seurs a cheval ist im Aufmarsch drüben am Zoll­haus. Ein Säbelwink: die Eskadron bricht zur Attacke vor. Aber der Franzmann nimmt den An­griff nicht an, schwenkt kehrt, als er die Lanzen- spitzen spürt. Patrouillen folgen ihm. Lachend

Gesichter. Dann aber strafft man sich im Sattel: Neuen Aufgaben entgegen!

Sie lassen nicht lange auf sich warten. Der Fran­zose schiebt seine Hauptkräfte an die Grenze. Oberst­leutnant von Pestel stellt es selbst fest bei einem Vorstoß aus Gersweiler. Aus Berlin warnt man: Zurückgehen auf Sulzbach ober Bildstock!" Doch der Oberst drahtet:Werde Position unter allen Umständen halten. Bitte um Vertrauen."

Am 2. August geht das Spiel zu Ende. Soweit man sieht, füllt sich das Tal mit Rothosen. Die Ulanenpatrouillen weichen nach Norden, nach Osten aus. Die Füsiliere feuern brav in die Anrückenden aus Hecken und Gärten. Aber die Uebermacht ist zu groß. Feindliche Batterien greifen vom Exerzier­platz her ein, nehmen die Stadt, den Bahnhof aufs Korn. Schon lodern Flammen hie und da in den Gassen. Oberstleutnant von Pestel läßt es genug sein, spart der Stadt die Schrecken des Straßen­kampfes, geht auf die Höhen nördlich der Stadt zu­rück. Nur zögernd folgt der Feind, nicht wagte er, die Saar zu überschreiten.

Um so mehr nimmt er den Mund voll:Sieg, Sieg!" posaunt er in alle Welt. Mit Tränen im Auge melden die Berichterstatter:Prinz Louis, des Kaisers 14jähriger Sohn, feuerte höchst eigen­händig eine Mitrailleufe ab und zeigte bewunde­rungswürdige Kaltblütigkeit im Kugelregen."

Pestel schmunzelte:40 Bataillone, 16 Eskadro­nen 72 Geschütze gegen ein Bataillon, drei Eska­dronen, vier Geschütze. Ich kann zufrieden sein. Die Ausgabe ist gelöst. Ging die Stadt auch verloren, die Mobilmachung, der Aufmarsch des Heeres kann nicht mehr gestört werden." Das Generalstabswerk gibt ihm recht. Es schreibt:Fast 14 Tage lang hätten die schwachen Abteilungen unter Oberstleut­nant von Pestel der feindlichen Armee unmittelbar gegenübergestanden. Die Zähigkeit, mit welcher sie im Gefecht bei Saarbrücken ihre Stellunaen bis aufs äußerste fefthielten, war ein würdiger Abschluß jener standhaften Ausdauer. Was das Rheinische Ulanenregiment Nr. 7 in dieser Zeit geleistet hat, kann sich getrost mancher schönen Attacke zur Seite stellen."

Schwindel um Van Dyck.

Wer als Sammler einen Van Dyck zum Kauf angeboten bekommt, der sieht sich vor, um nicht das Opfer eines Betruges zu werden; denn kein Kunst­kenner will seine Gemäldegalerie für teures Geld mit einer Fälschung verunzieren Das war auch der Grundsatz eines tschechischen Kaufmanns dessen £ri-- vatsammlung wertvoller Gemälde weithin bekannt

ist. Dennoch ist er kürzlich einem geschickten Betrugs­manöver zweier Spitzbuben zum Opfer gefallen und muß nun mit Bedauern feftftellen, daß er einen gefälschten Van Dyck zu dem ansehnlichen Preise von 400 000 Kronen erworben hat. In der Zeit­schriftDie Kunstkammer" wird der Hergang dieses peinlichen Kaufes in feinen Einzelheiten berichtet: Eines Tages erschienen bei dem Kaufmann zwei junge Leute, um im Auftrag eines amerikanischen Millionärs die gesamte Sammlung aufzukaufen, wenn sich auch nur ein einziger Van Dyck darunter befinde. Der Kaufmann erklärte, nie an den Ver­kauf seiner Sammlung gedacht zu haben, zudem besitze er keinen Van Dyck und könne den Gästen schon aus diesem Grunde nicht dienlich sein. Sechs Millionen Kronen hatten die beiden jungen Leute für die Sammlung bezahlen wollen. Das war eine sehr ansehnliche Summe, die dem Kaufmann nicht mehr aus dem Sinn kam. Als daher die jungen Herren wiederkamen und hocherfreut mitteilten, fie hätten durch Zufall einen echten Van Dyck entdeckt, der für 400 000 Kronen zu haben sei, entschloß sich der Kaufmann, durch den Erwerb dieses Bildes seine Sammlung zu vervollständigen, um fie dann als Ganzes gegen jene Riesensumme an den Amerikaner zu verkaufen. Alles klappte wunderbar! Der Kauf­mann erwarb das Bild mit einem Scheck über 400 000 Kronen, und eine Stunde später erhielt er von dem Amerikaner, der, von den Vermittlern begleitet, nun selber auf den Plan trat, als Kauf­preis für die ganze Sammlung prompt einen Scheck über sechs Millionen ausgehändigt. Der Tscheche versprach, die Bilder umgehend nach Amerika zu versenden. Der Kaufmann hat zu guter Letzt dies Versprechen nicht einzulösen brauchen, denn der Scheck über sechs Millionen war ohne Deckung. Die vierhunderttausend Kronen des Kaufpreises für das Bild waren inzwischen allerdings in bar von den Schwindlern abgehoben worden; der Van Dyck entpuppte sich als eine geschickte Fälschung.

Sochschulnackrichien.

Der Abteilungsleiter am Kaiser-Wilhelm-Jnstituk für physikalische Chemie und Elektrochemie in B e r - lin, Professor Dr. Peter Thiessen, hat einen an ihn ergangenen Ruf als ordentlicher Professor in der naturwissenschaftlichen Fakultät und Direk­tor des Instituts für physikalische Chemie der Uni­versität Frankfurt a. M. abgelehnt.

Der bekannte Frankfurter Internist Pro- fessor Dr. Franz Volh ard ist zum Ehrenmitglied derVlaamsche Vereeniging tot Bevordering der Geneeskunde" ernannt worden.