Ausgabe 
1.3.1935
 
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Oie Befreiungsstunde hat geschlagen.

Letzte Zurüstungen.

Saarbrücken in Erwartung der Festgäste.

Saarbrücken, 28. Febr. (DNB.) Ueberall im Saargebiet herrscht ein ungewöhnlich reger Betrieb. Fieberhaft werden allenthalben die letzten Vor­bereitungen für die Befreiungsfeiern getrof­fen. Ueberall werden Lautsprecher ausprobiert, die die großen Kundgebungen verbreiten sollen. Vor dem Rathaus von Saarbrücken arbeitet mein eifrig an den großen Tribünen, an denen vor­bei sich der Aufmarsch vollziehen wird. Zahlreiche Gäste sind bereits aus dem Reich eingetroffen. Be­sonders stark ist der A u t o m o b i l v e r k e h r.

Am Abend ist ganz Saarbrücken, wie in jenen Tagen in denen das Saarvolk sein Schicksal ent­schied, in eine Flut von Licht getaucht, das offenbar ein besonderes Kennzeichen dieser Stadt an der Saar ist. Es ist sogar noch Heller ge­worden, denn alle jene öffentlichen Gebäude, die seinerzeit ausgenommen waren von der Bekundung der Freude über die Heimkehr, sind nun auch m i t Lichtergirlanden geschmückt. Ganz heim­lich, still und leise ist die schwarz-weiß- blaue Saarfahne, die 1919 von einem fin­digen Kopf erfunden wurde, für immer ein­gezogen worden. Ebenso sang- und klanglos ist die Trikolore von "den Gebäuden der Gru- benverwaltung verschwunden. Die Inschrift Mines domaniales tran^aises ist nicht mehr an frem Hause zu lesen. Dafür zieht sich von Fenster zu Fenster und am Sims entlang die gleiche Gruppe von Lichtern, die jedes Haus des Saar­landes zieren.

In den Straßen drängt sich eine beängstigend anwachsende Menge, der Fährverkehr ist kaum zu bewältigen. Seit am Mittag Polizeipräsident SS.- Standartenführer Schmelcher sein Amt übernom­men hat, sieht man nun überall schon Polizei­beamte aus dem Reich, blitzt an allen Stra­ßenecken der Tschako, den auch die Saarbrücker Po­lizei seit heute trägt, als äußeres Kennzeichen, daß nun wieder Deutsche von Deutschen regiert werden. In der gewaltigen Menge entdeckt man überall die Uniformen der Verbände, denn alle haben Vor­kommandos geschickt, die für die Abordnungen Quartier machen, die im Saargebiet zum Zei­chen der Verbundenheit einmarschieren werden. Die Beamten haben vielfach schon das Hoheitszeichen an ihre Mützen gesteckt und die schwarz-weiß-blaue Kokarde durch die schwarz-weiß-rote ersetzt. Der H i l f s z u g Bayern" ist eingetroffen. Auch an vielen anderen Stellen ist Vorsorge getroffen, daß die Hundertausende in Saarbrücken reibungslos ver­pflegt werden können.

Die Aegieruligskommission übergibt die Geschäfte.

Der Dreierausschutz des Völkerbundes im Saarland.

Saarbrücken, 28. Febr. (DNB.) Die drei Mitglieder des Dreierausschusses, der Kabinettschef Mussolinis, Baron Aloisi, der argentinische Botschafter in Rom, C a n t i l o , und der spanische Gesandte in Bern, Lopez Olivan, sind am Donnerstag gegen 17.30 Uhr mit Kraftwagen von Straßburg kommend in Saarbrücken einge­troffen. Sie begaben sich unverzüglich zum Prä­sidenten der Regierungskommission, Knox. Zu ihrer Abholung hatte sich der italienische Konsul Euturi nach Straßburg begeben. In ihrer Be­gleitung befinden sich Commendatore C o r t e s e und Marquis d'Aieta. Die Herren nehmen a l s Gäste der Reichsregierung auf Schloß H a l b e r g bei Saarbrücken Wohnung.

Am Donnerstagnachmittag erfolgte die offizielle Uebergabe des Saargebietes durch die R e g i e r u n a s k o m m i f s i o n an den Dreierausschuß des Völkerbundes. Hierüber wird folgende amtliche Mitteilung ausge­geben:

Am 28. Februar, um 17.20 Uhr, hat am S i tz der Regierungskommission des Saarge­bietes die Uebergabe an den Dreierausschuß des Völkerbundes stattgefunden. Nach Erledigung der Formalitäten gab Präsident Knox einen lieber« blick über das Werk der gegenwärtigen Negie­rungskommission und der vorangegangenen Kom­missionen während der letzten 15 Jahre, wobei er dem Dreierausschuß die Anerkennung für das von ihm vollbrachte Werk aussprach. Den Worten des Präsidenten Knox schlossen sich das französische Mit­glied Maurice und das saarländische Mitglied der Regierungskommission K o ß m a n n an. Der Dreierausschuß gab in seiner Antwort seinen Dank für die Mitarbeit der Mitglieder der Regierungs­kommission Ausdruck, die das Werk des Dreieraus­schusses sehr erleichtert habe.

Vormittags war bereits im Kreisständehaus die Polizeigewalt des Saargebietes durch den Präsidenten der Regierungskommission, Knox, an den Beauftragten der Roichsregierung, Regierungs­präsident Dr. S a a s s e n , übergeben worden. Rach der Uebergabe wurde den neuen Leitern der Polizei durch Regierungspräsident Saassen ihr Amt über­geben, wobei ein dreifaches Sieg-Heil auf den Füh­rer ausgebracht wurde. Mit der Leitung des Polizeipräsidiums ist Standartenführer Schmelcher, Führer der Standarte 10 und In­haber des goldenen Parteiabzeichens, betraut wor­den: Kommandeur der Schutzpolizei ist Major H e r f, Kommandeur der Gendarmerie Major D i e r m a n n.

Der Anbruch des Freiheitstages.

Saarbrücken, 1. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Nacht vor der Heimkehr des Saargebietes in das Deutsche Reich war eine Nacht der Märsche und Lieder. An Schlaf war in Saarbrücken in diesen Nachtstunden nicht zu den­ken. Alle Straßen hallten wider vom Tritt der Kolonnen, von frischen und frohen Liedern, denn überall marschierten die Verbände, um 24 Uhr, um 1 Uhr, um 2 Uhr, um 3 Uhr. Um 5 Uhr marschierten sie noch und auch um 7 Uhr hatte ihr Marsch noch kein Ende gefunden. In der Nacht wurde nur gesungen. Lied reihte sich an Lied. In den frühen Morgen gellten Fanfaren und Trompeten herein und die Trommeln gaben dumpfe Untermalung.

Wir fuhren in der Nacht durch Saardörfer und Städte hinüber zur Pfalz und mußten erleben, daß die Bevölkerung alles, aber auch alles hergeben wird, um diesen Tag der Heimkehr würdig zu

gestalten. Man könnte sagen, daß die Wälder in die Dörfer gewandert sind, denn die Straßen der Dörfer und Städte sind eine einzige dichte Kette von Tannenbäumen. In den engen Straßen der Städte hängen die Fahnen so dicht, daß sie jede Sicht nehmen. Ein Farben- und Freudenrausch. Ueberall hat man die An­bringung der Hoheitszeichen des neuen Deutschlands vorbereitet und in dieser Nacht erstrahlte an hunderten von Gebäuden zum erstenmal das Hoheitsabzeichen und das Hakenkreuz. Große Freude herrschte überall, als bekannt wurde, daß die Regierungs­kommission das Saargebiet endgültig verlassen hat. Hinter Homburg, in der Gegend der bisherigen Saargrenze bei Bruchdorf, spannen sich, wo ehemals das französische Zollhäuschen stand, von dem nur noch ein heller Fleck auf dem Erd­boden kündet, und an der ehemaligen deutschen Zoll­schranke, große Lichterbogen über die Stra­ßen, an denen zu lesen steht:Die Saar i st frei!" Nur im deutschen Zollhäuschen sitzen noch Zollbeamte, die die Uederwachung des Warenver­kehrs nach dem Saargebiet zu versehen haben. Dann treffen wir im Regen anmarschierende S S.« Kolonnen, die zum symbolischen Einmarsch über die ehemalige Grenze bereitstehen.

In Saarbrücken quellen aus dem Bahnhof immer neuen Menschenmassen. Um 2 Uhr nachts hallte der feste Schritt der L e i b st a n d a r t e Adolf Hitlers durch die Straßen, dann mit herrlichen Liedern und geschultertem blinkendem Spaten der A r b e i t s d i e n st, der sich im Saar­gebiet ganz besonderer Sympathie der Bevölkerung erfreut Auch am Güterbahnhof, wo vor wenigen Wochen unter dem Schutze von Maschinengewehren und Panzerwagen fremder Truppen die Urnen ent­laden wurden, die die Freiheit des Saargebiets brachten, werden nun Formationen ausge­laden, die diese Freiheit symbolisch verdeutlichen und in die Tat umsetzen. Inzwischen sind große Ko­lonnen des Bahnschutzes aus dem Reiche eingetrof- fen, die überall die Sicherung der Bahngebäude

Kurz nach neun Uhr bestiegen vor dem Hotel Exzelsior, wo ein großer Teil der Minister unter gebracht ist, Reichsminister Dr. Frick, Gauleiter B ü r ck e l und Staatssekretär Grauer! den Wa­gen, um sich zum Kreisständehaus zu be­geben, wo die Uebergabe der Regierung s- gewaltan Reichsminister Dr. Frick stattfindet. Die Fahrt durch die Stadt gestaltete sich zu einem un­geheueren Triumphzug. Vom Bahnhof über das Hotel Exzelsior durch die Adols-Hitler-Straße und weiter bis zum Kreisständehaus und bis zum Re­gierungsgebäude ein dichtes Spalier von Menschen auf den teils sehr breiten Bürgersteigen, 20 bis 30 Glieder tief, so daß sich ein Verkehr da­hinter kaum noch abwickeln kann. Noch niemals seit dem Weltkriege ist ein deutscher Minister offiziell durch Saarbrücken gefahren, insbesondere noch nie-

Saardrücken, 1. März. (DNB.-Funkspruch.) Im Kreisständehaus zu Saarbrücken wurde am Freitagvormittag um 9.30 Uhr der feier­liche Akt der Uebergabe des Saarge­bietes an Deutschland durch den Dreieraus­schuß des Völkerbundes an Reichsminister Dr. Frick vollzogen. Kurz nach 9 Uhr begaben sich die Herren des Dreierausschusses des Völkerbundes mit ihren Begleitern in Kraftwagen von Schloß H a l b e r g, wo sie feit gestern nachmittag a l s Gäste der Reichsregierung Wohnung genommen hatten, nach Saarbrücken. Sie hatten gestern abend nach dem Empfang durch den Hausherrn, Legationsrat Baron von Stumm, Gelegenheit, einige saarländische Persönlichkeiten bei einem Abendessen zu treffen. Nachdem die Herren bereits gestern nachmittag nach Abfahrt des Präsidenten Knox im Kreisständehaus vom Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen Amt, Voigt, als ersten Vertreter Deutschlands begrüßt worden waren, erfolgte heute früh das Zusammen­treffen mit dem Reichsinnenminister Dr. Frick im Kreistagssaal des Kreisständehauses.

Zu der feierlichen Uebergabe waren die drei Mit­glieder des Saar-Dreierausschuffes, Baron Aloisi, Kabinettschef des italienischen Außenministers und Königlich-Italienischer Botschafter, Cantilo, ar­gentinischer Botschafter in Rom, und Lopez Oli­van, spanischer Gesandter in Bern, erschienen. Außerdem war der Saarreferent des Völker­bundssekretariats, der Däne Krabbe, anwesend. In Begleitung der Herren des Dreierausschusses be­fanden sich der italienische Gesandte Bianchero, bie. italienischen Legationssekretäre Marquis d'Aieta, als Dolmetscher Secco Swardo und der argentinische 'Botschaftsrat O n e t o Asten go. Von deutscher Seite nahmen neben Reichsinnenminister Dr. Frick, Staatssekretär Orauert, Ministerialrat Vollert und die Le­gationsräte Baron von Stumm und Strohm teil. Außerdem nahmen Gauleiter B ü r ck e l und sei­tens der Regierungskommi/sion Minister K o ß - mann sowie Minister Ehrenbrod teil.

Das Protokoll.

Nach kurzer Vorstellung und Begrüßung wurde von den Mitgliedern des Dreierausschusses, Reichs­innenminister Dr. Frick und Herrn Krabbe ein Protokoll über bie Rückglieberung bes Saargebietes unterzeichnet, das folgenden Wortlaut hat:

Durch Beschluß vorn 17. Januar 1935 Hal der Rat des Völkerbundes den Zeitpunkt der Wie- dereinsehung Deutschlands in die Regierung des Saarbeckengebieles gemäß dem am 28. Juni 1919 in Versailles unterzeichneten Friedensver- trag auf den 1. März 1935 festgesetzt. In Aus­führung dieses Beschlusses hat der mit den Fra­gen des Saargebieles beauftragte Rechts- a u s f ch u ß, bestehend aus dem Vertreter Ita­liens, Argentiniens und Spaniens, Se. Exzel­lenz Baron Alolfl, Botschafter Seiner Maje­stät des Königs von Italien, Kabenettschef des italienischen Ministers der Auswärtigen Ange­legenheiten, Se. Exzellenz Herr S a n t i l o,

und der Bahnhöfe übernommen haben. Dazu sieht man blaue Polizei aus Preußen und die pfälzische Landespolizei in ihren grünen Röcken und mit Feder­büschen am Tschako.

Die englischen Militärmützen der saarländischen Landjäger sind endgültig verschwunden. Auch sie haben inzwischen den Tschako empfangen und sehen nun weniger ungewohnt aus. Jetzt dürfen sie, denen der Deutsche Gruß noch vor wenigen Wochen mit sofortiger Beurlaubung geahndet wurde, end­lich frei und offen dartun, was ihnen ihr Herz schon vor langer Zeit gebot. Nun ist es 7 Uhr geworden. Der Himmel hat sich etwas aufgehellt. Es ist noch feucht, aber der Regen hat ausgehort. Eine leichte Brise bewegt den Wald von Fahnen in den Straßen, denn es gibt wirklich kein Fenster ohne Fahnen. Diese Parole der Deutschen Front ist wahrgemacht worden. Und an manchen Fenstern sieht man sogar zwei ober brei Fähnchen.

Um 7.40 Uhr trifft ber Sonberzug ber Reichsregierung auf bem Hauptbahnhof em. Nachbem schon am Vortage bie Polizeigewalt in beutsche Hänbe übergegangen ist, schreiten nun zum ersten Male unb es ist fast ein Symbol beutsche Minister über ben Bahnhofsvorplatz von Saarbrücken. Reichsminister Dr. Frick unb Reichs­minister Dr. Goebbels werben stürmisch von ber Bevölkerung gefeiert unb begrüßt, bie biefen Augen­blick wahrhaft als historisch empfinbet. Hinter ihnen sieht man bie Reichsminister Selbte unb Darrs, Reichsarbeitsführer Hierl, Staatssekretär G rau« ert, ben Generalbirektor ber Deutschen Reichsbahn, Dorpmüller, ben Führer bes NSKK., Korps- führer Hühnlein, unb zahlreiche anbere Mit- glieber ber Partei. In langen Wagenkolonnen trafen am Vormittag bann aus Neustabt a. b. Haarbt bie Reichsstatthalter' bie Ministerpräsibenten unb Mi­nister ber Länber, SA.- unb SS.-Führer usw. mit Gauleiter Bürckel in Saarbrücken ein. Die Führung bes neuen Deutschlanb ist nun an Ort unb Stelle versammelt, unb nun ist bas Saargebiet wahrhaft heimgekehrt.

mals ein nationalsozialistischer Minister. So hatte bie Fahrt eine hoppelte Bebeutung unb so war ber Jubel ganz befonbers herzlich unb spontan. Die SS. hatte Mühe, bie Menschen­menge zurückzuhalten unb zu verhindern, baß nicht hie unb ba bie Sperre burchbrvchen würbe.

Währenb am Regierungsgebäube bie Formationen ber verschobenen Verbänbe aufmar­schierten, um bort bei ber feierlichen Flaggeuhis- sung zu präsentieren, marschierten vor ber Bergwerksbirektion, wo heimlich, still unb leise währenb ber Nacht bie Trikolore eIn­ge z o g e n worben war unb nun ein riesiges Ho­heitszeichen herableuchtet, Ehrenkompanien ber Blauen Polizei, Ehrenstürme ber SS. unb ber SA., sowie Ehrenformationen bes 2Irbeitsbienftes auf.

Botschafter der Argentinischen Republik in Rom, und Se. Exzellenz Herr Lopez Olivan, spani­scher Gesandter in Bern, mit dem heutigen Tage im Namen des Völkerbundes die Regierung die­ses Gebietes feierlich an Deutsch la nd, das hierbei durch den Reichsminister des In­nern, Herrn Dr. F r i ck, vertreten war, über­tragen. Zu Urkund dessen haben die vorer­wähnten Vertreter des Völkerbundes und der deutschen Regierung das vorliegende Protokoll errichtet."

Die Ansprache Aloisis.

Hierbei wurden zwischen Baron Aloisi unb Reichs­innenminister Dr. Frick Ansprachen gewechselt. Die Ansprache Aloisis lautet:

Im Namen bes Völkerbunbes unb in meiner Eigenschaft als Vorsitzenberbes Dreier» a u s f d)u ff e s, ber alle mit bem Saargebiet zu- fammenhängenben Fragen geregelt hat, habe ich bie Ehre, heute bie tatsächliche Uebergabe bes Saargebietes an bas Reick zu vollziehen. Hier­mit schließt eine Seite Der Nachkriegs- geschichte unb verschwinbet ein Ele­ment ber Beunruhigung in ben Bezie­hungen ber Völker untereinanber. Ich gebe bem Wunsche Ausbruck, baß bie Lösung bieses Problems, bie nach langen unb schwierigen im Geiste ber Loyalität unb bes gegenseitigen Verstänbnisses ge­führten Verhanblungen erzielt worben ist, von guter Vorbebeutung für bie Ruhe unb ben Frieben Euro­pas fein möge.

Dr. Fricks Antwort an den Dreierausschuß.

Ein wichtiger Schritt zur friedlichen Zusammenarbeit der Völker.

Reichsinnenrninister Dr. Frick richtete an ben Dreierausschuß bes Völkerbunbsrates fol­gerte Ansprache:

Ew. Exzellenz danke ich für die Worte, die Sie soeben namens bes Völkerbunbes unb bes Dreierausschusses des Völkerbunbsrates an mich als Vertreter ber Reichsregierung gerichtet haben.

Der heutige Tag bringt bie Wiebereinset­zung Deutschlanbs in bie Regierung bes Saarlanbes. Damit wirb praktisch ver­wirklicht, was bas Saarvolk seit 15 Jahren unabänberlicf) gewollt unb was es am 13. Januar 1935 klar unb unanfechtbar vor aller Welt bekräftigt hat: Die enbgültige Wie- beroereinigung bes Saarlanbes mit bem b e u t f d) e n Daterlanbe.

Mil Stolz unb Freude feiert ganz Deutschland den heutigen Tag. Lr ist aber nicht nur für Deutschland von Bedeutung. Die Sie bereits bemerkt haben, wird der Schluß st r i ch unter ein Kapitel der europäischen Politik gezogen, das in den vergangenen Jahren die Beziehungen zweier großer Nachbarvölker belastet hat. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß mit

der Erledigung der Saarfrage ein wich­tiger Schritt zur Besserung der allgemeinen politischen Lage in Europa und zur Förderung der friedlichen Zusammenarbeit der Völker getan ist. Diesen 'Sinn und diese Bedeutung des heutigen Tages hervorzuheben, ist mir ein besonderes Be­dürfnis.

Mit großer Genugtuung stelle ich fest, daß es in den langen unb arbeitsreichen Verhanblungen, die vor unb nach ber Abstimmung geführt worben finb, gelungen ist, bie mit ber Volksabstimmung unb mit ber Rückglieberung bes Saarlanbes zufammeu- hängenben Fragen befriebigenb z u regeln. Hierbei hat sich ber Dreierausschuß bes Völkerbunbsrates unter ber unpar­teiischen unb umsichtigen Leitung E w. Exzellenz ein besonberes Ver­bi e n st erworben. Es ist mir eine angenehme Pflicht, Ew. Eraelleuz unb ben beiben anberen Mit- gliebern bes Ausschusses sowie Ihrem ausgezeich­neten Mitarbeiterstab unb allen zu Rate gezogenen Sachverstänbigen hierfür namens ber beut» fchen Regierung aufrichtig zu banken. Jnbem ich nunmehr im Namen bes Reiches bie Regierung bes Saarlanbes übernehme, habe ich bie Ehre, Sie, meine Herren, bie Mitglieber bes Dreier- ausfchuffes unb Ihre Mitarbeiter, im b e u t f d) e n Saarlanbe namens ber Reichsregierung herz» li ch willkommen zu heißen.

Die Wehrmacht am Tage der Saarbefreiung.

Ein Erlatz des Reichswehrministers.

Berlin, 1. März. (DNB.) Anläßlich ber Rück­glieberung bes Saargebiets fanben heute vor- vormittag auf Befehl bes Reichswehrministers, Generaloberst v. Blomberg, in allen Staub- orten Appelle statt, an benen auch die Heeres- beamten, Angestellten unb Arbeiter teilnahmen. Nach bem Spielen bes Saarliebes würbe folgenber Erlaß bes Reichswehrmini st ers bekannt- gegeben:

Nach mehr als 15jähriger Trennung kehrt bas beutsche Saarvolk am heutigen Tage in bas neue Deutschlanb heim. Anberthalb Jahrzehnte frember Herrschaft, Verfolgung unb Willkür haben bie beutsche Gesinnung ber Bewohner bieses Grenzge­bietes nicht zu brechen vermocht, fouberu sie nur gestärkt. Eine Lügenhetze, bie ein anberes Deutsch- lanb als bas Deutschlanb Abolf Hitlers vorspiegelte, ist schmählich zusammengebrochen.

Der 13. Januar 1935 wurde zu einem b e i - fpie 1 lofen Triumph für die Stimme des Blutes, der Vaterlandsliebe und der S ch i ck f alsverbundenheit aller Deutfchen. Für alle Zeiten unserer Geschichte wird dieser Tag der Volksabstim­mung an der Saar ein leuchtendes Bei­spiel für die sieghafte Kraft deut­schen Volkstums, deutfchen Frei­heitswillens und deutfchen Selbst- bestimmungsrechtes bleiben. Wir Sol­daten wollen uns an dem Siegeswillen und der Zähigkeit des Saarvolkes ein Beispiel nehmen. Es sind die gleichen seelischen Kräfte, die den friedlichen Kampf an der Saar zum glücklichen Ende führten, wie wir Soldaten sie in der Feuerprobe des Ernstfalles bewähren müssen.

Wir grüßen in dieser Stunde unsere Brü­der unb Schwestern an ber Saar. Wir bauten ihnen für bie Hingabe unb bie Opfer, bie sie für uns unb für Deutschlanb brachten. Wir vereinigten uns mit ihnen in bem G e - löbnis unwanbeibarer Treue zu Volk unb Reich. Wir ehren Deutschlanb unb in ihm bas Saarlanb, inbem wir rufen:Unser Füh­rer unb Reichskanzler, ber Oberbefehls­haber ber Wehrmacht, Abolf Hitler, unb unser großes beutsches Vaterlanb: Hurra, hurra, hurra!"

An bem am Abenb im ganzen Reichsgebiet statt- finbenben öffentlichen Kunbgebungen beteiligt sich bie Wehrmacht mit starken Aborbuuu- gen. In Stanborten ber Wehrmacht marschiert ber Zapfen st reich an ber Spitze ber von ben Verbäubeu usw. veranstalteten F a ck e l z ü g e, nach bereu Beeubigung ber große Zapfenstreich gespielt wirb. In Berlin findet ber Zapfenstreich ber Wehrmacht vor bem Reichsmini st er im Anschluß an bie Kuubgebuug im Lustgarten statt.

Saaramnestie des Führers.

Ter Weg zur neuen Volksgemeinschaft auch Irregeleiteten erschlossen.

Berlin, 28. Febr. (DNB.) Die Gefühle, die Führer, Volk und Vaterland dem Saar­land bei feiner Rückgliederung entgegenbringen, die Freude über die Wiedervereinigung, der Dank an die Volksgenoffen, die in Treue an ihrem Deutschtum feslgehalten haben und der Wille zur Versöhnung mit denen, die bisher irre­geleitet, mit ehrlichem Bemühen den Weg zur neuen Volksgemeinschaft zu finden suchen, haben auf dem Gebiete der Strafrechtspflege ihren sichtbaren Ausdruck in einem Amnestiegeseh gefunden. Für das Gebiet der politischen Verfehlun­gen hat die Reichsregierung bereits vor der Rück­gliederung Erklärungen abgegeben, die der Sicher­stellung der Freiheit und Aufrichtigkeit der Volks­abstimmung dienten. Darüber hinaus bringt die Saarland-Amnestie einen großherzigen Gnadenerweis für Vergehen allgemei- ner Art. Die Abtrennung des Saargebietes hat so tief in alle Lebensverhältnisse eingegriffen, daß manche Straftat, selbst da, wo eine unmit­telbare wirtschaftliche Not nicht vorgelegen hat, nur aus diesen Verhältnissen zu erklä­ren war.

Mit Rücksicht auf diese besonderen Verhältnisse, unter denen die Saarbevölkerung zu leiden hatte, ist die Begrenzung der amnestiewürdigen Strafen ihrer Höhe nach erheblich weiter gefaßt worden, als in den letzten innerdeutschen und den