Ausgabe 
1.2.1935
 
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Halle der neuen Pestalozzischule in den Eichgärten. Jeden Tag finden drei Lehrstunden statt. Die Lehr­kräfte der Volksschule sind für die Heit des Lehr­gangs vom Nachmittagsunterricht befreit. Die Teil­nehmergebühr in Höhe von 2 Mark ist am Montag mitzubrmgen.

2. Zusammenkunft der Geländesport-Arbeits- aemeinschaft, Samstag, 2. Februar, 14 30 Uhr am Schützenhaus. Geländekunde, Sport und Schießen. Karte 1:100 000 mitbringen.

Oie Beitragszahlung zur Deutschen Arbeitsfront.

LPD. Die Deutsche Arbeitsfront teilt mit: Die Gesamtverwaltung der DAF. in Hessen - Nassau macht hiermit ihre Mitglieder darauf aufmerksam, daß der Beitrag zur DAF. eine Bringschuld ist. Trotzdem sind die Verwaltungsstellen angewiesen, durch Kassierer die Beiträge derjenigen Mitglieder, die nicht durch die Lohnbüros ihrer Betriebe erfaßt werden, in der Wohnung gegen Aushändigung einer Beitragsmarke monatlich abholen zu lassen. Die DAF. lehnt es jedoch ab, ihren Blockwaltern zuzu­muten, vier- bis fünfmal den Weg zu einem Mit­glied zu machen, wenn dasselbe absichtlich oder fahrlässig seinen Beitrag nicht zahlt.

Laut Anweisung des Schatzamtes der DAF. in Berlin scheiden Mitglieder, die zwei Monate mit ihrem Beitrag im Rückstand sind, automatisch aus und können entweder nicht mehr oder nur zu er­schwerten Bedingungen unter Verlust ihrer erwor­benen Rechte wieder in die DAF. ausgenommen werden.

Die Mitglieder, bei denen die Beiträge durch Nichtausfüllung des Fragebogens oder aus son­stigen Gründen feit der Uebernahme der Gewerk­schaften nicht mehr kassiert wurden und die da- ourch im Rückstand sind, wollen sich umgehend an ihre zuständige Verwaltungsstelle wenden und dort wegen Nachzahlung der Rückstände vorsprechen.

Deutsche Arbeitsfront.

Berufsgruppe der Techniker.

Am Samstag, 2. Februar, abends 8 Uhr, spricht im Ortsgruppenheim des Berufsgruppenamtes, Gießen, Lonystraße 18, Reg.-Baurat Steinbach über das ThemaAus der Bohrtechni k". Auch die Mitglieder des NS.-Bunoes Deutscher Technik und des Reichsbundes Deutscher Baumeister sind hierzu herzlichst eingeladen.

Berufsgruppe der Werkmeister.

Am Sonntag, 3. Februar, nachmittags 3 Uhr, im Kaufmännischen Dereinshaus, Gießen, Werner- wall, Monatsversammlung mit sehr wichtiger Ta­gesordnung. Ferner spricht Bk. Stimmer über Was muß der Werkmeister von der Angestellten- und Invalidenversicherung wissen?"

TlS.-GemeiuschaftKraft durch Freude".

Urlaubszug Nürnberg (Stadtbesuch) vom 15. bis 19. Februar.

Als nächstes Reiseziel ist der Besuch von Nürn­berg in der Zeit vom 15. bis 19. Februar vorge­sehen. Die Fahrt beginnt am 15. Februar vor­mittags. Die Unterbringung erfolgt in Einzel­quartieren. Für den Aufenthalt in Nürnberg sind Stadtführungen mit der Besichtigung des Inneren des Rathauses und der Burg sowie des Tiergartens vorgesehen. Weiter sind vorgesehen ein Begrüßungs­abend mit Tanz und die Teilnahme an dem großen Funkball, wobei Eintrittsgelder nicht mehr erhoben werden. Für den 18. Februar ist ein Omnibus­ausflug nach Rothenburg o. d. T. eingesetzt. Die Rückfahrt erfolgt am 19. Februar 1935. Die Fahrt­kosten betragen 28,50 Mark. Endtermin für die Anmeldung ist Dienstag, 5. Februar.

Winiersp o rtzu a nach dem Erzgebirge vom 2 3. Februar bis 3. März.

In der Zeit vom 23. Februar bis 3. März fährt der letzte Wintersportzug nach dem Sächsischen Erz­gebirge. Das Schwartenberg-Gebiet bietet Vorzüge verschiedenster Art, z. B. Gelegenheit zum Winter­sport, zu Ausflügen usw. Unvergeßlich werden die Heimatabende bleiben. Die Fahrt beginnt am 23. Februar abends. Auf der Rückfahrt wird den Teil­nehmern Gelegenheit zu einem Besuch von Chem­nitz geboten, von wo aus nach dem Abendbrot die Heimfahrt angetreten wird. Die Rückkehr in Frank­furt a. M. ist für Sonntagvormittag vorgesehen.

Der Fahrpreis betragt 35 Mark. Endtermin für die Anmeldung ist Samstag, den 9. Februar 1935.

Die Anmeldungen erfolgen nur durch die Dienst­stelle der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", Kreis Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 10/11.

llmschulungskursus

für Flugzeug- und Motorenbau.

Die Reichsberusshauptgruppe Ingenieure und Techniker unterhält in Anlehnung an das Technikum in Strelitz ein Umschulungslager für erwerbslose Techniker. Die Leitung dieses Lagers plant einen dritten Umschulungskursus für Flugzeug- und Mo­torbau in der Zeit vom April bis September 1935 einzurichten. r ,

Für die Umschulung kommen in erster Linie Tech- niker aus dem Maschinenbau in Frage. Gute tech­nische Grundkenntnisse sind erforderlich. Die Be- werber dürfen 25 bis 40 Jahre alt sein. Die Zu­lassung zum Kursus wird von der Lösung einer An- zahl technischer Aufgaben, die ihnen seitens der technischen Schulungsleitung gestellt werden, abhän­gig gemacht.

Meldungen zur Teilnahme an diesem Kursus sind bis einschließlich 6. Februar an die Deut­sche Arbeitsfront, Berufsgruppenamt, Reichsberufs­gruppe Ingenieure und Techniker, Bezirk Hessen, Frankfurt a. M., Gutleutstraße 31, zu richten. Ge­naue Angaben, gut leserlich (möglichst in Block­schrift) unter Angabe der Mitgliedsnummer uner­läßlich.

Es ist unbedingt auf die Einhaltung des Termins zu achten, damit die uns gesetzte Einreichungsfrist gewahrt bleibt. Später eingehende Meldungen kön­nen darum nicht weitergereicht werden.

*

** Dienstjubiläum b e i der Polizei. Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mitge­teilt: Am 1. Februar begeht der Polizei-Derwal- tungs-Oberassistent Herr Karl D i e r l a m m bei der Polizeidirektion Gießen sein 25jähriges Dienstjubi­läum. Unsere besten Wünsche begleiten den pflicht­treuen Beamten zu seinem Jubiläum.

** Jubiläum bei der Firma Bännin- ge r. Am heutigen 1. Februar begeht Herr Heinrich Vogel das Fest seiner 25jährigen Tätigkeit bei der Firma Bänninger G. m. b. H., Fittingsfabrik, Gie­ßen. Bis zum Ausbruch des Weltkrieges war er in der Einkaufsabteilung tätig, zog dann bei Kriegs­beginn ins Feld, wurde während der großen Flan­dernschlacht schwer verwundet, wobei er in fran­zösische Gefangenschaft geriet Erst am 9. Februar 1920 kehrte er aus der Gefangenschaft zurück und ist seit 1. März 1920 wieder dauernd bei seiner alten Firma tätig. Seine Vorgesetzten und Mitarbeiter kennen und schätzen ihn als äußerst pflichttreuen tüchtigen Menschen.

** Silberne Hochzeit. Am morgigen Sams­tag, 2. Februar, kann das Ehepaar Schlosser Hein­rich Rinn, Hitlerwall 49 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit begehen.

* Sitzung des Provinzialausschus- s e s. Am nächsten Samstag, 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf - Philipp - Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Be- zirksfürsoraeverbandes Merseburg-Stadt gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg we­gen Erstattung von Fürsorgekosten für das Kind Kurt Gerlofs, jetzt Frank, geboren am 19. September 1920 in Friedberg. 2. Antrag des Kreisamtes Gie­ßen auf Untersagung des Gewerbebetriebs des Hein­rich Henkel in Londorf zur Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten und bei Behörden wahr­zunehmender Geschäfte.

** Wirtschaftsprüfer-Gebührenord­nung für Pflichtprüfungen. Die Indu­strie- und Handelskammer Gießen teilt mit: Der Reichswirtschaftsminister hat mit Zustimmung des Reichsjustizministers und des Reichskommissars für Preisüberwachung eine Gebührenordnung für die Wirtschaftsprüfer für Pflichtprüfungen erlassen. Diese Gebührenordnung gilt für alle Pflichtprüfun­gen, also für die Aktiengesellschaften, Kommandit­gesellschaften auf Aktien, für die privaten Versiche­rungsunternehmungen und Bausparkassen, sowie für die Genossenschaften. Die Gebührenordnung ist mit Wirkung vom 1. Januar 1935 in Kraft getreten und gilt für alle Gebührenrechnungen, die nach diesem

Was soll ich denn mit einem Auto?

ROMAN VON KÄTHE METZNER.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).

23 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

10. Kapitel.

Während in Gerlinde Steinbrücks junges Leben das Schicksal mit so unbarmherziger Hand eingriff, war Günter von Gersheim schon lange in der Hei­mat.

Je mehr er sich daheim wieder einlebte, je mehr er die Weltstadt mit all ihrem Hasten und Treiben vergaß, um so tiefer fühlte er, wie unendlich er da graußen gelitten hatte unter der Sehnsucht nach dieser Stille und Abgeschlossenheit hier, und wie sehr er immer ein Fremder in Berlin geblieben war.

Stundenlang streifte er ganz allein durch den zauberhaft schönen Winterwald, um sich nach den Stunden des Alleinseins um so emsiger wieder in all die viele mühevolle Arbeit zu stürzen, die die Verwaltung der großen Rittergüter mit sich brachte. Nun war er Majoratsherr hier auf Gersheim. Dem Bruder hatte der Tod das Regiment aus der Hand genommen in der Blüte der Jahre.

Günter von Gersheim triumphierte nicht, daß ihm das Schicksal auf diese Weise so viel Reich­tum, so viel Macht in die Hand gegeben hatte. Er blieb immer still und bescheiden. Für sich begehrte er ja nichts. Gar nichts. Nur dankbare Freude fühlte er beim Anblick feines weiten, herrlichen Be­sitztums, und immer stärker wurde in ihm der Wille, das ihm anvertraute Gut nach besten Kräf- ten und gerecht zu verwalten.

Nur manchmal fühlte Gersheim, daß ihn auch hier Gedanken überfallen wollten, die ihn quälten, die er aber gewaltsam verdrängte.

Fragen waren es, die in feiner Seele auftauch­ten. Und eine dieser immer wiederkehrenden Fra­gen war die: Wozu das alles sei für wen er denn eigentlich arbeite von früh bis spät?

Doch meist wies Günter von Gersheim gerade diese Fragen herrisch in die Schranke.

Für wen?" antwortete er sich.Es muß mir genügen, daß Hunderte von Menschen durch die Arbeit auf den Gütern Brot haben, daß ich für sie sorgen kann, daß Hunderte von Kindern unter ge­funden Verhältnissen aufwachsen."

Und der junge Baron schalt sich wütend einen Egoisten, wenn trotz allem noch manchmal die Frage in ihm wach wurde nach einem kleinen bißchen eigenem Glück.

So gingen die Wochen in stetem Gleichmaß da­hin.

Die einzige Ablenkung war, daß er allwöchent­lich mit einem feiner Gutsnachbarn Schach spielte. Baron Gersheim war ein leidenschaftlicher Schach­spieler. Immer wieder fesselte ihn dieses unerschöpf­liche, geistreiche Spiel. So fand er sich denn pünkt­lich jeden Sonntagabend bei seinem alten Schach­freund Graf Nyssen auf Buchenrode ein.

Graf Nyssen war schon mit feinem Vater be­freundet gewesen und hatte mit diesem manche Par­tie gespielt. Bis tief nach Mitternacht hatten die beiden manchmal gefeffen; doch während der alte Graf heißspornig doch einmal einen Fehlzug tat, war Günters Vater immer der klare, ruhige Denker geblieben.

Diese klare, ruhige Art zu denken hatte er dem Sohn vererbt, der jetzt an seiner Statt dem alten Schachfreund gegenübersaß, und an dem dieser einen ebenso zähen und schweren überwindbaren Gegner hatte wie an dem seligen Gersheim.

Aber das tat nichts, lieber das Spiel hinaus liebte Graf Nyssen Günter von Gersheim auf seine Art und sah den jungen, tatkräftigen Mann gern um sich.

So ritt Günter von Gersheim auch am heutigen Sonntag hinüber nach Schloß Buchenrode. Sein Reitknecht begleitete ihn, und in mäßigem Trab stapften die beiden herrlichen Pferde mit ihren Reitern durch den Winterwald. Kaum ein Laut unterbrach die wunderbare Stille. Nur manchmal ein Knacken im Holz. Dann wieder tiefes Schwei­gen.

Baron von Gersheim hatte hier helle Augen be­kommen. Wenn auch noch manchmal eine leise Trauer in feinem Blick lag dieses ausgesprochen Schwermütige wie in Berlin hatten seine Augen hier nicht mehr.

Nach mehr als einstündigem Ritt langten die Reiter in Äuchenrode an. Gersheim überließ das Pferd feinem Reitknecht und begab sich hinauf zu feinem alten Freund, der ihn schon sehnlichst er­wartete und das Spiel bereits aufgestellt hatte.

Na matt?" kam der alte Graf Gersheim entgegen und drückte ihm herzhaft die Hand.

Oh, ich denke nicht", lächelte der junge Gersheim frisch zurück.

Der Alte schmunzelte.

Na, dann kann ja das Spiel beginnen."

Tag ausgestellt werden. Die Gebührenordnung liegt der Kammer vor. Auskünfte hierüber sind jederzeit erhältlich.

** Brennholzversteigerung der Stadt Gießen. Bei der vorgestrigen Brennholzversteige- rung der Stadt Gießen im Stadtwald an der Licher Straße wurden folgende Preise erzielt: Buchenscheite 1. Klasse 11 Mark, Buchenknüppel 1. Klasse 8,50, Hainbuchenknüppel 1. Klasse 7, Eichenknüppel 1. Klasse 5, Eichenreisig 1. Klasse 2,50, Kiefernreisig 1. Klasse 2,80, Fichtenreisig 1. Klasse 2 Mark je Raummeter. Buchenreisig 3. Klasse kostete 18 bis 20 Pf., Hainbuchenreisig 2. Klasse 18 bis 20, Eschenreisig 3. Klasse 13 Pf. je Welle.

** Hessische Auf bau sch ule in Fried­berg. Wir machen auf die heutige Anzeige über die Anmeldung und Aufnahmeprüfung für die Auf­

bauschule in Friedbera aufmerksam. Die Aufbau« schule führt begabte, fleißige und gesunde Jungen, die mindestens sieben Jahre die Volksschule besucht haben, in 6 Jahren zur Reifeprüfung. Das Reife­zeugnis der Aufbauschule berechtigt zu allen aka­demischen Studien und zu allen Berufen, für die das Bestehen der Reifeprüfung Vorbedingung ist. Auswärtige Schüler, die nicht bei ihren Eltern wohnen können, finden im Schülerheim der Auf­bauschule Wohnung und Verpflegung.

* Baumwärterkurse. Der erste Teil der von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau vorge­sehenen Daumwärterkurse beginnt an der Obst- und Gartenbauinspektion in Friedberg am 11. März und dauert bis 13. April. Anmeldungen sind an die für die jeweiligen Wohnorte zuständigen Obst- und Gartenbauinspektionen zu richten.

Letzt Laudhelfer einstellen!

Das Gesetz über die Verteilung der Arbeitskräfte wird in vielen Industrien zunehmend junge Arbeits­kräfte zur Arbeit in der Landwirtschaft freistellen. Es kommt darauf an, für diese jungen industriellen Arbeitskräfte geeignete Arbeitsstellen in der Land­wirtschaft zu finden.

Die Einrichtung der Landhilfe erleichtert die zusätzliche Einstellung und gibt damit zugleich die Möglichkeit, die Arbeit in der Landwirtschaft ergiebiger zu gestalten.

Die Landwirte Oberhessens haben anderseits auch die Gelegenheit, sich hier Hilfskräfte zu ihrer eige­nen Entlastung zu sichern und die Anlernling in einer Zeit vorzunehmen, in der der Arbeitsdruck noch nicht so stark wie im Frühjahr und im Som­mer ist.

Oberhessen hat ein so großes Kontingent an Land­helfern zugewiesen erhalten, daß alle zulässigen Wünsche erfüllt werden können.

Wer kann einen Landhelfer einstellen?

1. Jeder Betrieb mit über 20 Morgen Land, auch bann, wenn schon früher ein Landhelfer be­schäftigt worden ist. In kleineren Betrieben

wird die Sicherheit einer guten allgemeinen Ausbildung als nicht gegeben angesehen.

2. Das Arbeitsamt zahlt für jeden Landhelfer ge­staffelt nach dem Alter eine Beihilfe zum Lohn, wenn außer dem Helfer mindestens die gleiche Anzahl Familienmitglieder und frembe Arbeits­kräfte im Betrieb tätig finb, wie im gleichen Monat bes Vorjahres.

3. Die Zuweisung eines Lanbhelfers erfolgt auf Antrag (Formular beim Arbeitsamt). Selbst- anmerbungen unb Einstellungen finb nicht mehr statthaft. Jugenbliche, bie in bie Lanb- hilfe wollen, finb an bas Arbeitsamt zu ver­weisen.

4. Die Förberungsbauer beträgt für jeben neu eingestellten Lanbhelfer zwölf Monate.

Nähere Auskunft erteilen bas Arbeitsamt Gießen unb feine Nebenstellen, sowie bie Ortsbauernführer.

Jetzt ist wichttg:

Sofortige Anforberung ber Formulare vom Arbeitsamt, Ausfüllung unb Abgabe an bie Bür­germeister unb an ben Ortsbauernführer, bie bann ben ausgefüllten unb geprüften Antrag an bas Arbeitsamt Gießen weitergeben.

Die Lag- im Ke-ruar.

Februarjagd stille Zeit! Die Hasenjagden gin­gen Mitte Januar zu Ende, der Abschuß an Kahl- wild muß durchgeführt fein, Ente unb Fasan haben ebenfalls Schonzeit (Hessen gestattet noch den Ab­schuß von Hähnen). Eine langweilige Zeit für ben, ber nur zum Schießen hinauszog zur Jagd".

Und doch ist gerade der Februar für den Jagb- pächter und Jagdbefitzer eine Zeit besonderer Sorge. Von ber Hege unb Pflege, bie er jetzt seinem Wilbe angeboihen läßt, wirb unter Umständen ber Ertrag bes ganzen Jagdjahres beeinflußt. Wenn der Winter noch herrscht mit Frost unb Schnee, bann muß ge­füttert werden. Vor allem aber ist jetzt die beste Zeit zum Kurzhalten des Raubzeuges. Wenn eine Neue fiel, bann verrät sie dem führten- und spuren­kundigen Weidmann, wo das Großwiesel schlüpfte, der Iltis sich steckte, der Marder holzte und der Fuchs schnürte. Da bas Raudwild (mit Ausnahme des Dachses) in der Roll- und Ranzzeit ist, ist es viel auf den Läufen, kommt leichter zur Beobachtung und verfällt eher den Schroten oder der Kastenfalle, die in keinem wirklich gepflegten Revier fehlen darf. Denn nur sie ermöglicht ein wirkliches Kurzhalten des Wiefels, dieses besonders gefährlichen Klein­räubers. Nachdem der Fang des Fuchses mit Teller­eisen verboten ist (auch in Hessen laut § 35 Ziffer 9 und § 71 des Reichsjagdgesetzes!), verspricht seine Bejagung mit der Flinte in vielen Revieren wieder mehr Erfolg. In den nächsten Wochen kommt vor allem das Sprengen aus dem Bau mit Terrier und Dackel in Frage, daneben die Lockiagd mit Quäke, Mäusepfeischen und Vogelangstruf, schließlich wie immer Ansitz und Pirsch an der Feldkante. Auch der Dachs hat in Hessen noch bis zum 15. Februar Jagdzeit.

Nachdem im Januar endlich öfters Schnee ge­fallen ist, konnte wenigstens in höheren Lagen mit

dem Kreisen und Jagen auf Sauen begonnen wer­den. Die Jagd auf Schwarzwild wird weiter fortgesetzt.

Die Klagen über das Umherlaufenlassen der Hunde und über Wildverluste durch jagende Hunde reißen nicht ab. Der milde Winter hat auch merkwürdig viel Katzen draußen bleiben lassen, die sonst ins Dorf zurückgekommen wären. Der Schnee redet eine beredte Sprache. Deswegen kommt auch dieser Seite des Jagdschutzes gerade in der Zeit, wenn ber Win­ter unter Umftänben strenger auftritt, eine erhöhte Bebeutung zu.

Wir wiesen in ber Januarbetrachtung an biefer Stelle barauf hin, baß bie hessischen Jäger sehr bar- auf warten, baß ihnen bie Folgerungen aus bem Reichsjagbgesetz für bie jagblichen Verhältnisse in Hessen bekannt werben. Seitbem ist bie Hessische Verordnung vom 9. Januar 1935 erschienen, die als Ueberleitungsvorschrist zum Reichsjagbgesetz bezeichnet ist unb bie Aufgabe hat, bie Fragen zu klären, bie am bringenbften ber Klärung beburf- ten, bie Frage ber Gröhe ber Iagbbezirke unb ber Künbigungsmöglichkeit. Diese Fragen mußten gen klärt werben, weil am 31. Januar Die Pachtzeit für eine ganze Anzahl von Revieren ablief, bie nicht wieder verpachtet werden konnten, solange nicht klar war, unter welchen Bedingungen nach dem Reichsjagdgesetz und feinen hessischen Ergänzungen die Neupachtung erfolgen mußte. Daher find zu­nächst diese Reviere als weiterverpachtet bis zum 31. März 1935 zu betrachten. Eine Pachtzahlung für bie zwei zusätzlichen Monate erfolgt nicht, ba mit einem merklichen Jagdertrag infolge ber Schon­zeiten nicht gerechnet werben kann unb anberfeits ber Jagdpächter ben Jagbschutz in bem Revier aus­übt, bas er unter Umftänben gar nicht mehr pachten

Wie rüstig biefer Fünfunbsechzigjährige noch ist!, schoß es Gersheim durch ben Kopf. Bewundernd folgte fein Blick ber voranschreitenben Gestalt bes Grafen, bie, hoch unb breitschultrig, vom Alter noch nicht im geringsten gebeugt war. Herrlich sah er aus in ber blauen Hausjoppe, bie zu feinem silberweißen Haar unb ben frischen Farben seiner Haut einen wirksamen Gegensatz bildete.

Schon immer patte er ben Greis sehr verehrt. Das einzige, was ihm etwas mißfiel an bem alten Freunb, war fein starrer Abelsstolz.

Günter von Gersheim bachte in btefen Dingen fo mobern wie nur möglich.

Keiner kann bafür, wo feine Wiege geftanben hat", sagte er oft.Es kommt nur auf ben Men­schen an. Oft genug stecken in Frack unb Seibe Lumpen, unb in Lumpen bie wertvollsten Men­schen."

Da roanbte sich Graf Nysfen bem jungen Gers­heim zu.

Wir spielen heute nicht in meinem Arbeitszim­mer. Der Kamin ist nicht in Drbnung. Da kriegt man es nicht richtig warm bei biefer Kälte, unb ich muß leiber auf mein Rheuma ein bißchen Rück­sicht nehmen. Ich habe bas Turmzimmer Herrichten lassen. Mein Lieblingsaufenthalt im Winter."

Gersheim erroiberte nichts. Er nickte nur unb folgte bem Grafen.

Sie traten balb barauf in ein runbes, behagliches Zimmer, altväterlich, traulich ausgestattet, wie sie in alten Schlössern häufig zu finben finb.

Einen Moment entschuldigen Sie mich noch, junger Freunb. Ich muß mir erst meine richtige Pfeife heraussuchen. Jean, ber alte Dussel, bringt mir immer bie verkehrte, wenn er sie holen soll."

Baron Günter von Gersheim war allein imZim- mer unb hatte Muße, es genauer in Augenschein zu nehmen. Im Kamin prasselte ein mächiges Feuer unb schuf bie richtige Stimmung. Der Samo­war summte.

Gersheims Augen roanberten an ben Wänben entlang. Er betrachtete bie herrlichen Kupferstiche eingehenb, bie er fo liebte. Doch plötzlich fühlte er, wie ihm bas Blut aus ben Wangen wich.

In einem großen, golbenen Rahmen hing ein ovales Bilb, bas einen entzückend-feinen Mädchen- topf zeigte.

Gerlinbe!" Gersheim schrie auf, preßte aber sofort bie Hanb vor ben Munb.

Jetzt war ihm klar, wo er Gerlindes Gesicht schon einmal gesehen hatte. Hier. Dieses Bild hatte es ihm gezeigt.

Ganz nahe trat er an das feine Gemälde heran, studierte jeden Zug dieses wunderbaren Mädchen­

gesichts. Welches Spiel hatte die Natur hier ge­trieben?

Der junge Baron atmete tief und wischte sich mit der Hand über die Stirn, als wollte er etwas weg­wischen. Er wollte dieses Mädchenbildnis nicht in Beziehung bringen mit jenem Mädchen da in Ber­lin mit dieser Tänzerin aus der Verdi-Diele, bie 0U einem berüchtigten Lebemann unb Frauenjäger in unklaren Beziehungen ftanb.

Unb boch, immer roieber zog es ihn wie mit unsichtbaren Hänben, unb er roanbte feinen Kopf zu bem Silbe hin, bas fo viel mühsam bezwunge­nen Schmerz, so viel Enttäuschung roieber in ihm aufriß.

Da trat Gräf Nyssen ein.

Günter von Gersheim merkte es nicht. Er sah auch nicht, wie sich bas Gesicht bes alten Freundes plötzlich oerbüfterte, als ob eine bunfle Wolke her­über hinge, währenb feine Lippen sich zusammen­preßten, baß sie schmal würben wie ein Strich.

Enblich räusperte sich Graf Nyssen, unb Gers­heim fuhr, wie aus bem Schlaf aufschreckend, herum.

Verzeihung, Graf Nyssen! Das Bild dieses Gesicht fo wunderbar ist es; es fesselte mich."

So?"

Eine Weile war Stille zwischen ben Männern, bann sagte Graf Nyssen mit einer Stimme, die nichts von seiner inneren Bewegung verriet:

Ein Jugenbbilbnis meiner Tochter. Aber» nun kommen Sie, Gersheim."

Noch einen Blick warf Baron Günter von Gers­heim auf bas liebliche Bilb, als wolle er all feine Süße in sich hineintrinken, bann riß er sich los und wandte sich feinem Gastgeber zu.

Mit feinem Takt empfand er, daß der Alte nicht mehr sagen wollte. Es war da früher fo ein Ge­rücht im Umlauf, erinnerte er sich jetzt; boch er war bamals noch ein ganz kleiner Knabe gewesen. Ihm war wenig baoon zu Ohren gekommen. Und es hatte ihn auch nicht weiter interessiert, was aus ber schönen Tochter bes Grafen geworben war. Er gab biesen Gebauten auch jetzt nicht nach; ein an- beres Gefühl war viel stärker in ihm ausgelöst worden in feinem Herzen brannte aufs neue bie Liebe zu Gerlinbe Steinbrück, bem armen Mäbchen aus bem Berliner Norben, bas eine so seltsame Aehnlichkeit mit ber Gräfin Nyssen hatte.

Hätte er bamals boch ber Sache nicht mehr nach­gehen sollen? Hätte er Gerlinbe selbst fragen sol­len? Daß biefe Kinberaugen gelogen haben sollten, hatte ihn beinah zur Verzweiflung gebracht.

(Fortsetzung folgt 1)