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Dienstag, Z'.Mober 1935
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
Nr. 255 Zweiter Blatt
Die Deutsche Sichteralademie in Vertin
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schlossen hatte. —
Volck spielte den Wirt, den vor sieben Jahren noch Herr Goll hier gegeben hatte, mit liebevoller Ausführlichkeit und betriebsamer Beflissenheit, besonders in der Schreibszene des zweiten Aktes. — Hub hatte mit dem Just von Anfang an gewonnenes Spiel; er war ein treuherzig polternder Biedermann, dem zumal die rührende Erzählung vom geretteten „Budel" prächtig zu Gesicht stand. — Kühne gab den windigen Riccaut mit sprudelndem Wortschwall und ausladendem Gebärdenreichtum, Frau Koch sehr fein und behutsam die kurze Szene der Dame in Trauer. —
Das große Konzert der Gießener und der Mar- bürget Militärkapelle, das von beiden Musikkorps gemeinsam am kommenden Donnerstag, 20.15 Uhr,
Ein sehr niedliches und lustiges Frauenzimmer- chen war die Zofe Franziska von Hansi Stadler: eine artige Lustspielfigur, voller Temperament, Mundwerk und Herzchen auf dem richtigen Fleck; ihr entschlossener Heiratsantrag im fünften Akt zeitigte einen spontanen Heiterkeitserfolg.
Intendant König stellte sich als gewesener" Wachtmeister Werner als Darsteller sympachisch vor und bot eine abgerundete Leistung voller Bon- homie und gedämpftem Humor.
Mit den Darstellern konnte zuletzt auch der Spiel- leitet den herzlichen Dank des Hauses ent^en-
Gauleiter Sprenger im Wahlkamps.
Besuch im Odenwald.-Ehemalige Marxisten als Zuhörer des Gauleiters.
Sochfckulnacbrichten.
Das reichhaltige Archiv photographischer Platten am kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Marburg, welches über rund 65000 eigene Ausnahmen von Kunstwerken aller Zeiten und Böl- ter verfügte, hat neuerdings eine wertvolle Bereicherung dadurch erfahren, daß das Karl- Ern ft-Oft Haus-Archiv, bisher dem Albert Langen/Georg Müller-Verlag in München gehörig, mit allen Rechten erworben werden konnte. Dieses Archiv besteht aus etwa 15 000 Originalplatten von Aufnahmen europäischer und außereuropäischer Kunst. Damit hat das vom Marburger Ordinarius für Kunstgeschichte, Professor Richard Hamann, und seinen Schülern auf eigener photographischer Aufnahmetätigkeit begründete Plattenarchiv nationale und internationale Bedeutung erlangt und kann in die erste Reihe photographischer Sammlungen überhaupt gestellt werden. Den Kernbestand des Marburger Archivs bilden Aufnahmen aus Hessen-Nassau, darüber hinaus ist vor allem aber auch die mittelalterliche Kunst des übrigen Deutschlands erfaßt. Der erweiterte Aufgabenkreis umfaßt auch die Kunst aus Oesterreich, Italien, Frankreich, England, Spanien usw.
Professor Dr. rer. pol. W. Röpke, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität Marburg, ist auf Grund des Gesetzes zur Wiederher- ftellung des Berufsbeamtentums aus dem Staatsdienst entlassen worden.
Die Beurlaubung des o. Professors der inneren Medizin und Direktors der Medizinischen Pollklinie an der Medizinischen Akademie in D u ffe l d o r f, Dr E Boden, ist durch den Minister für Wissen- schäft, Kunst und Volksbildung aufgehoben worden.
Der Göttinger Privatdozent Dr. Schaffst e i n ist zum Ordinarius für Strafrecht und Pro- zeßrecht an der juristischen Fakultät der Unwers.tat Leipzig ernannt worden.
Sybille-Eoelyne Flemming gab das Fräulein von Barnhelm, eine Rolle, die augenscheinlich ganz nach ihrem Geschmack war; sie kostete den komödiantischen Reiz der von Szene zu Szene umspringenden Stimmung und Gefühlslage herzhaft aus und hielt sich stets auf der schmalen Mitte zwischen Koketterie und echtem Herzenston, eine junge Dame von Welt und zugleich eine zärtliche, an den einzigen Mann glückselig hingegebene Geliebte.
Herr Löser war der Major von Tellheim. Die Rolle ist, rein schauspielerisch, bei all ihrer Gtad- linigkeit, nicht ganz leicht zu nehmen, wenn ihre Verhaltenheit nicht zur Starrheit übersteigert wer- den soll. Herr Löser fand mit Takt und ruhigem Instinkt die hier notwendigen Uebergänge und Zwischentöne und gab im übrigen das Bild, das man erwartete: untadelig in Haltung und Geste, korrekt, beherrscht und erfreulich gelockert in der entspannenden Schlußszene.
gemeinsam am kommenden Donnerstag, unter Leitung von Obermusikmeister K der V o l k s h a l l e zugunsten des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes 1933/34 gegeben wird, bringt den Besuchern nachstehende Vortragsfolge: Kaiser- Marsch von Richard Wagner, Ouvertüre zur Oper „Tannhäuser" von Richard Wagner, Szenen aus der Oper „Siegfried" von Richard Wagner, Marsch der | Landsknechte aus dem 15. Jahrhundert und Trink-
Oie Einstellung bei der hessischen Landespolizei.
Das Staatspresseamt teilt mit:
Es liegt z. Z. eine derartige große Anzahl von Bewerbungsgesuchen um Einstellung in die Landespolizei vor, daß weitere Bewerbungen in nächster Zeit leider keine Berücksichtigung finden können. Die Einstellungen in die Landespolizei erfolgen zum 1. 4. und 1. 10. eines jeden Jahres. Zu geeigneter Zeit wird in der Presse bekanntgegeben werden, wann Bewerbungsgesuche wieder angenommen werden können und in welchem Umfange die Einstellung erfolgt. Für diesen Fall sind künftig alle Bewerbungsgesuche an die Landespolizeischule Darmstadt, Holzhofallee 3, zu richten.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiefen, daß die Einstellungen nicht in der Reihenfolge des Eingangs der Gesuche erfolgen, sondern einzig und allein nach der Geeignetheit.
Bedarf an Bewerbern mit höherer Schulbildung (Abiturienten) ist auf längere Zeit gedeckt, so daß auch hinsichtlich dieser Einstellung weitere Aufforderung in der Presse abzuwarten ist.
NSOAp.
NS. - Frauenschaft Gießen-Ost und -Süd: Heute, Dienstag, 20 Uhr, gemeinsamer Ortsgruppenabend im Cafä Ebel; Pg. Anna Braun- Darmstadt spricht über das Thema: „Warum muß jede Frau nationalsozialistisch wählen?"
hingen vorfinden.
Soviel wir inzwischen schon gewohnt sind an Begeisterung der Empfänge, immer wieder ergeben sich neue Ueberrafd)ungen. In Dieburg standen gestern abend 7000 Mann, angetreten tm weiten Viereck des großen Marktplatzes. Laut und freudig klang diese stolze Zahl aus dem Munde des meldenden Kreisleiters Pg. Burckhardt. Der Gauleiter schritt in Begleitung des Standartenführers Walter die lange Front der SA., des Arbeitsdienstes und der HI. ab. Die drei größten Säle Dieburgs find überfüllt, der riesige Marktplatz voller Menschen. Unter jubelnder Zustimmung der Massen und spontanem Gesang des Deutschland-Liedes vollzog sich die Begrüßung des Gauleiters, der dann über den Sinn der Wahl des 12. November sprach.
In Höchst i. O. wurde noch am 2. März d. I. der SA.-Mann Andreas Weidt erschossen, und heute bilden die Arbeiter und Jungbauern em zwei Kilometer langes Spalier mit lodernden Fackeln, welches der Gauleiter an der Seite des verdienten alten Kämpfers Kreisleiter Schwinn durchschreitet. Tannengrün und Fahnen sind in liebevoller Sorgfalt unb in reichen Mengen angebracht worden. Der Saal ist fast ausschließlich von ehemaligen fanatischen Gegnern gefüllt, während die Parteigenossen in den drei noch im Ort befindlichen Sälen lauschen.
Der Gauleiter entwickelte hier alle die Versager des Internationalen Arbeitsamtes in Genf, welches das Volk alljährlich Millionen von Mark gekösiet hat. Es habe dem deutschen Volke ebensowenig wirtschaftlich geholfen, wie uns Genf politisch half. Wir sind auf uns gestellt, und in Hessen haben wir uns, glaube ich, nicht am schlechtesten auf uns selber gestellt. Wer sich im Unrecht glaubt, l°U sich durch Arbeit und Leistungen rechtfertigen. So widmet der Gauleiter seine Worte der Vertiefung des deutschen Sozialismus, und die noch vor kurzem jo
Gießener Stadttheater.
Lessing: „Minna von Barnhelm."
..... Ich habe Ihnen von diesem Lustspiele nichts zu sagen, weil es wirklich eins von meinen letzten Projekten ist. Wenn es nicht besser als alle meine bisherigen dramatischen Stücke wird, so bin ich fest entschlossen, mich mit dem Theater gar nicht mehr abzugeben."
Lessing an Ramler.
Die Frage nach dem eigentlichen Sinn einer heutigen Aufführung des Werkes muß zweifach beantwortet werden: wir bringen bewußt die „Minna von Barnhelm" gerade in unfern Tagen wieder auf die Bühne, weil sie eines der ersten und noch immer eines der besten Lustspiele ist, das wir besitzen; und weil mit diesem Drama ein höchst bedeutsamer Schritt auf dem Wege zum deutschen Nationaltheater geschehen war. Man muß, um dies im vollen Umfang zu begreifen, das Stück aus der Zeit und aus der Umwelt heraus erfassen, in der es entstanden ist. Auf dem Titelblatt steht: „Verfertiget im Jahre 1763." Zwar bezeichnet diese Jahreszahl nur das erste Auftauchen des Planes (die eigentliche „Verfertigung" liegt etwas später) — aber wenn man das berühmte Datum des Friedens von Hubertusburg mit einer ziemlich bekannt gewordenen Bemerkung Goethes zusammenhält, wonach die „Minna" „die wahrste Ausgeburt des Siebenjährigen Kriegs" sei, so sind schon die Grund- lagen und die Vorbedingungen andeutungsweise umschrieben, aus denen das Lustspiel sich formte.
fanatischen Gegner geizten nicht mit Zustimmung. Das Mikrophon trägt die klaren Satze hinaus auj die Straße, wo Kopf an Kopf im Fackelschein die kernigen Odenwälder lauschen. Und sie alle, die m den drei Sälen und auf der Straße, finden sich sichtlich immer näher zueinander. Man sieht es am Schmuck des Saales, den letzten Herbstblumen auf dem Tisch und nicht zuletzt an den hellen Augen, wie sie mitgehen und nun auch stolz werden aus Deutschland.
, Glauben Sie mir", ruft Sprenger ihnen zu, „wir haben mit unserer Ehre auch unsere Zukunft vor der Welt gerettet. In Unehre kann man kein Volk erhalten und auch keine Arbeitsstelle. Dafür sollen und müssen wir in feierlicher Erklärung und in vertrauensvoller Reichstagswahl unser Bekenntnis ablegen. Wir brauchen eine Vertretung zur innerpolitischen Bereinigung der Dinge. Eine solche volksverbundene Vertretung wird auch verhindern, daß fremde Mächte aus deutscher Zwietracht Honig saugen können. Die neue Einheit wird unsere Jugend so unerschütterlich festigen, daß sie als wahrer Sozialismus der Tat zu erkennen ist. Dann sind wir auch wieder eine Nation. Kein Hurra-Patriotismus, sondern nationalsozialistische Arbeitskraft gegen Weltwaffen und Geheimdiplomatie. Arbeit und Friede, Friede und Arbeit. Dazu bekennen wir uns so leidenschaftlich wie zu Adolf Hitler!"
Die Hilssberettschast desFührers.
Stuttgart, 30. Okt. (TU.) Ein Vorgang, der die Hilfsbereitschaft des Führers auf das Leben- digtfte zeigt, hat sich hier, wie jetzt bekannt wird, am Samstag abgespielt. Als der Führer am Nachmittag im Hotel Viktoria eingetroffen war, fand sich dort ein alter Ba11ikumkämpfer mit seinen vier Buben ein, der seit vier Jahren arbeitslos war und infolge mehrfacher Operationen feinen Beruf als Sattler und Tapezierer nur noch sitzend ausüben kann. Die vier Buben des Baltikumkämpfers brachten dem Führer e i n Hand - Harmonika st ändchen. Der Führer ließ zunächst den Mann und feine Jungen, die sehr elend ausfahen, bewirten und behielt sie bis zu feiner Abfahrt im Hotel. Er sorgte dann dafür, daß für den Mann eine Arbeitsstelle beschafft wurde. Der Mann wird so am kommenden Montag zum erstenmal seit vier Jahren wieder am Arbeitstisch sitzen. Er ist übrigens nicht Mitglied der NSDAP. Der Vorfall hat in ganz Stuttgart lebhaften Beifall gefunden.
Oer Reichskanzler beglückwünscht Or. Goebbels persönlich.
B e r l i n, 30. Okt. (WTB.) Heute um 12 Uhr besuchte ganz unerwartet der Reichskanzler Neichsminister Dr. Goebbels im Reichspropagandaministerium, um ihm auch noch einmal persönlich seine Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Er überreichte ihm dabei als Geburtstagsgeschenk einen Reiseaufnahmeapparat für Normalfilm. Der Reichskanzler, der längere Zeit im Reichspropa- ganbaminifterium verweilt hatte, wurde auf der Straße von einer großen Menschenmenge jubelnd begrüßt. — Im Auftrage der Berliner Stadtverwaltung überreichte Staatskommissar Dr. Lippert Neichsminister Dr. Goebbels aus Anlaß seines Geburtstages einen aufrechtstehenden bronzenen B ä - ren, dessen Sockel die Inschrift trägt: „Dem E r - oberer Berlins d i e d a n k b a r e Reichshauptstadt."
„Hier ist alles Soldat", so begann ein zeitgenössischer Beurteiler seine Würdigung, und andere sprachen geradezu, mit Beziehung auf „Minna von Barnhelm", von e'nem neuen, einem „literarischen Roßbach". In der Tat: derartige Steuerungen sind für den heutigen Betrachter we- . sentlicher als etwa der Hinweis auf verschiedene englische und französische Vorlagen, aus denen Lessing Anregungen geschöpft und Einzelmotioe übernommen hat; wichtiger auch als der zeitgenössische Bericht, wonach sich die Vorgänge im Berliner Gast- bof „Zum König von Spanien" zuvor ziemlich ähnlich in der „Goldenen Gans" zu Breslau zu- aetragen haben.
In Breslau aber, 1760, wurde Lessing Sekretär beim Stabe des Generals von Tauentzien, hier • (ernte er König Friedrichs Armee und die preußi- schen Offiziere kennen; hier stand er auf dem Schau- platz des großen Krieges feiner Zeit, hier kam ihm in Erinnerung an (einen ein Jahr zuvor bei Kunersdorf auf den Tod verwundeten besten Freund, den Major Christian Ewald von Kleist, die erste Anregung zu feinem Drama. Unb In der Gestalt
Frankfurt a. M-, 31. Okt. (WSN.) lieber den letzten Wahlkampftag des Gauleiters Sprenger teilt das G a u p r e s s e a m t u. a. folgendes mit: Wenn hier nur der beiden gestrigen Versammlungen des Gauleiters in Dieburg und Höchst i. O. gedacht werden soll, könnte man versucht sein, nur von einer weiteren Wahlkampfnacht zu schreiben. Das wäre falsch. Tatsächlich war es ein voller Tag, der auch wieder, wie so häufig schon, mit seinen 24 Stunden viel zu kurz für den Bedarf eines Gauleiters ist, mag die Ruhezeit auch noch so knapp bemessen sein. Vormittags der feierliche Empfang des ersten Winterhilfe-Kartoffel z u g e s. Dann der Dienst im Adolf- Hitler-Haus mit all der verantwortungsvollen Vielseitigkeit des Wahlkampfes, der inmitten einer Fülle von Regierungsarbeit, Neuaufbau und Arbeitsschlacht zu führen ist. Was ist da so ein Tag, auch wenn zwei Drittel der im bürgerlichen Leben üblichen Mahl- und Ruhezeiten durch „stramme Haltung" zu ersetzen sind? Wie schnell mahnt die unerbittliche Uhr dann den Zeitpunkt „schon wieder an, der gerade die Grenze bildet zwischen Zuspat- kommen und eiliger Pünktlichkeit. Während bann die Lichtkegel der Scheinwerfer sich durch den nächtlichen Oktobernebel bahnen, wird der Geist aus dem Wust der Büroarbeit herausgerissen zur Konzentration auf das Höhere. Denn das Publikum der Versammlungen forscht nicht nach dem Tagespensum seiner Redner, es bildet fein Urteil nur unmittelbar aus der Rede selbst. Und so anstrengend das alles zusammen auch für den stärksten Menschen sein muß, so unterstützend unb mit- tragend ist der Jubel des Empfanges, die begeisterte Gläubigkeit all derer, die wir in den Versamm-
Wolfgang Kühne hatte die Spielleitung. Die Aufführung, die er herausbrachte, ließ das Werk — ohne alle fteife Klassiker-Feierlichkeit — mit einer Frische und Ursprünglichkeit vor uns erstehen, die sich unmittelbar und unwiderstehlich den Zuschauern mitteilte und, von Akt zu Akt sich steigernd, zu einem warmen und herzlichen Erfolge führte. Die Inszenierung ließ übrigens nicht nur erkennen, wie völlig unveraltet das anno 1763 „verfertigte" Lustspiel noch heute auf uns wirkt und uns anspricht, wenn es richtig angepackt und vorgebracht wird; sondern man hatte auch, nebenbei und im Stillen, reichlich Gelegenheit, die blendende und geistreiche SzenentechnikL die überaus leichte und sichere Hand des Hamburgischen Dramaturgen zu bewundern, von dessen Kunst, Theater zu spielen, man immer noch lernen kann.
Von Löffler stammten die sehr hübschen und stilgerechten Dekorationen; er hatte die altfränkisch- behäbige Fassade des Gasthofs „Zum König von Spanien" als feststehenden Rahmen um die korrespondierenden Schauplätze von Wirtsstube unb Gastzimmer gelegt, bie beibe ihrem Charakter ent- sprechen!) mit bürgerlich-wohlanständigem Geschmack ausgestattet waren.
seines Helden Tellheim hat Lessing dem gefallenen Freunde nicht nur, sondern dem ganzen preußischen Offiziersstande das unvergänglichste Denkmal gesetzt. *
Mit der wahrhaft noblen Gestalt dieses verabschiedeten Majors hatte Lessing etwas dis dahin Unerhörtes geschaffen: hier waren mit einem Male alle Konvention und alle die blassen Schemen und Typen einer verstaubten, von französischen Regeln bestimmten Komödientradition über den Hausen geworfen. Der feit langem ein für alle Mal festgelegte Personalbestand des Soldatenstücks war überwunden; und über der immer wieder belachten Figur des Bramarbas und des miles gloriosus erhob sich die vorbildliche Erscheinung eines preußischen Edelmannes und Offiziers, eines wirklichen Menschen von Fleisch und Blut, erfüllt von peinlichstem Ehrgefühl, Standesbewußtfein und Ritterlichkeit — eines Soldaten, dessen Denken unb Hanbeln vom Wahlspruch jenes Wolkensteiners bestimmt wirb: „Wer's nicht edel und nobel treibt, lieber weit von dem Handwerk bleibt."
Und was für Tellheim gilt, muß gleicherweise auch auf alle andern Gestalten des Dramas anqeroenbet werben. Nicht nur auf die militärischen allein — auch der Wachtmeister Werner und der Bediente Just sind ganz scharf unb durchaus unkonventionell charakterisiert -, fonöern Dor allem auch auf die weiblichen Gegenspieler. Ist schon das „Frauenzimmerchen", die Jungfer 3randl5ta Willig aus Thüringen, aufs Erfreulichste über das hergebrachte Schema der unvermeidlichen Lustsp^ -Zofe hinausgehoben -: so hat Lessing in dem sächsischen Edelfräulein von Barnhelm -'ne eines Helden würdige und ihm innerlich ebenbürtige Partner n und Verlobte geschaffen, em hebensroertes, helläugiges Geschöpf mit klarem Kopf und warmem Gefühl. *
In jener Ueberroinbung einer längst veralteten unb verstaubten Theater-Trabition unb m dieser Gegenüberstellung von lebenbigen unb mensch ich legitimierten Gestalten bewahrt sich ber im t e ft ften Grunbe beutsche Charakter bes Lustspiels; um beswillen wirb es immer zum wesentlichen Bestaube bes nationalen Theaters gehören. Man mag ermessen, was bie bentrourbige ®.e9e9™n.9 biefem Stück für ben jungen Aubenten Goethe be- beutet hat, der den ersten durchschlagenden Theatererfolg der „Minna von Barnhelm in Lelpzig er- lebte; mit dem „Götz", wenige Jahre fP^er, betrat er selber mit nicht geringerem Er olge den Schauplatz, ben Lessing mit ^em „Solbatenglurf bem beutschen Drama bahnbrechenb unb roegroeqenb er»
NS.-Frauenschaft Gießen - Mitte unb , Norb: Morgen, Mittwoch, 20.30 Uhr, im Ge- werkfchaftshaus gemeinsamer Drtsgruppenabenb mit Vortrag: "Warum muß jebe Frau nationalsozialistisch wählen?" Der Zellenabenb ber Zsllen 1, 2 und 3 Gießen-Norb fällt Mittwoch wegen ber Ortsgruppenversammlung ber Frauenschaft aus.
NS. -Frauenschaft Gießen - Siib : Die Singstunde bei Leichinger fällt aus, alle Mitglieder nehmen an der Wahlkundgebung im Cafe Edel teil. Auch der Sanitätsabend am Donnerstag findet nicht
SLB. Kreis Gießen: Nächste Orchester- Uebungsftunbe Mittwoch, 15.30 Uhr, Singsaal ber Stubienanstalt. — Singstunde der Arbeitsgemein- schäft zur Pflege des Volksliedes (Männerchor) Donnerstag, 17 Uhr, im Singfaal des Realgymnasiums.
Oas Militärkonzert für die Vottswohlfahrt.
In Berlin traten die Mitglieder der nach der nationalen Revolution neugegründeten Dichterakademie zu einer Sitzung zusammen. Alle Persönlichkeiten, die heute dieser Körperschaft angehoren vertreten be- mußt in ihrem Schrifttum den nationalen Volksgcdanken gegenüber der Zivlllsatwus-Llteratur. -- Von links nach rechts: Werner B e u m e l b u r g, Hans Friedrich B l un ck, Agnes M t eg el, Hanns I o b ft, der Vorsitzende der Dichterakademie, Emil Strauß und Rudolf G. Binding. — stehend von links nach rechts: W i 11 V e f p e r, Börries oonMünch hausen, Hans Grimm, Erwin G. Kolben« Heyer unb Wilhelm Schäfer.
Aus der Provinzialhauptstadt.


