Ausgabe 
31.7.1933 Erstes Blatt
 
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Ser Landespwpagan-aleiler Mller-Scheld

Aus -er Provinzialhaupista-i

Aus aller Wett

32. Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

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der den bei

Keinen Schritt kam er ihr entgegen. Alles oder nichts! Anderer, härterer Wesensart war dieser Mann als Georg von Vandro, unbeugsam unbe- einflußbar, und bezwingend, weil er sich selbst be. Zwang. '

War er fern, so vermißte sie seine lebensvolle Gegenwart. Und war er bei ihr, so band ihr Scheu und eine seltsame, früher nie gekannte Unsicherh. den Mut. *

Anschließend an den Empfang fuhren die italieni­schen Gäste zum Dölkerschlachtdenkmal, wo Ehren­stürme der SA. und SS. Aufstellung genommen hatten. Sn geschlossenem Zuge ging es dann zum Gelände der Technischen Messe, wo in der riesigen Maschinenhalle Regierungsbaurat Dr. Stege- m a n n über die Leipziger Messe und die Be- ziehungen Italiens zur Messe sprach. Für die begleitenden Offiziere und Pressevertreter fand im Weißen Saale des Zoologischen Gartens eine Abschiedsfeier statt. Am Montag reisen die Gäste nach Dresden weiter.

Dünaburg. Lieber seine weitere Teilnahme an den Kämpfen in Rußland, Rumänien und Frank­reich hat er vor einiger Zeit anschaulich und ausführlich im Runkfunk berichtet:Mit der 76. R.-D. durch Rumänien". Rach verschiedenen Kommandos wurde er Kompagnieführer und im Sommer 1918 in den furchtbaren Kämpfen, im Westen Bataillonsadjutant.

Er nahm an etwa 50 Kampfhandlungen teil, wurde noch mehrmals verletzt und ist In­haber der EK. 1. und 2. Klasse und der Hessi­schen Tapferkeitsmedaille. Rach dem Kriege stu­dierte er bei Prof. Dr. Karl Bücher in Leipzig Zeitungs- und in München bei Prof. Dr. Kut­scher Theaterwissenschaft. 1920 griff er in der BroschüreMaximilian Harden, der geheimnis­volle Gewaltige" diesen einflußreichen Juden erfolgreich an. Die Broschüre erlebte eine Auf­lage von 30 000 Exemplaren. ImLeipziger Spek­takel" schilderte er in drastischer Weise die s e l b st- erlebten Kommuni st engreuel. l - ler-Scheld ist auch ein ausgezeichneter Re­zitator. Er war der erste, der RemarquesIm Westen nichts Reues" angriff und den Feldzug gegen den nationalen Schund und Kitsch einleitete. Als Politiker hat er sich im Gau Hessen-Äassau- Süd und weit über dessen Grenzen hinaus einen geschätzten Ramen gemacht. Er war SA.-Führer und stellvertretender Kreisleiter. Als Wahlred­ner wurde er von überallher verlangt. An den gefährlichsten Punkten, in den verstocktesten Ge­meinden sprach er mit größtem Erfolg.

Seine bilderreiche Sprache, seine volkstümliche Einstellung, seine tiefe Kenntnis der Psyche des einfachen Mannes, feine politische Leidenschaft und sein persönlicher Mut gewannen dem Na­tionalsozialismus viele Herzen.

Daß die RSDAP. in vielen Wahlbezirken sei­nes Gaues schon in frühen Zeiten die absolute Mehrheit hatte, war mit ein Verdienst von Mül- ler-Scheld. Durch dos Bertrauen des Gauleiters und jetzigen Reichsstatthalters Sprenger wurde er im September 1932 auf den verantwortungsvol­len Posten des Gaupropagandaleiters berufen, wo er sich als glänzender Organisator be­währte, so daß er boih 1. Juli an vom Reichsmini­ster Dr. Goebbels zum Landesleiter für Volks- aufklärung und Propaganda für die Regierungs­bezirke Wiesbaden, Kassel und Großhefsen er­nannt wurde. Der Sitz seiner Verwaltung ist Frankfurt a. M. schr.

verfolgt werden. Es ist daher angebracht, Aufforderung nicht nachzukommen, sondern Ballon und die angehängten Schriftstücke der nächsten Polizeibehörde abzugeben.

Motorradfahrer jagt in SA.Kolonne. Ein Toter, sechs verletzte.

Wie bekannt, ist der frühere Gaupropaganda­leiter der RSDAP. im Gau Hcssen-Rassau-Süd, Müller-Scheld, zum Leiter der Lan­des st elle Hessen-Rassau und Frei- staat Hessen für Volksaufklärung undPropagairda ernannt worden. Die feierliche Einführung . in fein Amt findet in Kürze statt: voraussichtlich wird Reichsminister Dr. Goebbels der Feier beiwohnen. Landes­propagandaleiter Müller-SchelL, der im 38. Lebensjahre steht, ist der Sohn eines jetzt im Ruhestand lebenden Hauptlehrers und wurde in dem Taunusort Grebenroth geboren. Seine Jugendzeit verlebte er in der Industriegemeinde Oberscheld (Dillkreis).

hier stellte sich auch aufrichtiges Mitempfinden ein für den schweren Beruf des im Scheldetale heimischen Bergmanns und Hüttenarbeiters, fühlte er sich innerlich verbunden mit den Sorgen und Nöten dieses harten, von Gefahren umgebenen Berufs der schwer um ihre Existenz ringenden Bewohner.

Wenn sich Pg. Müller-Scheld schon früh­zeitig mit dem nationalsozialistischen Ideengut vertraut machte, um schließlich ein überzeugter Kämpfer und glänzender Organisator auf dem wichtigen Gebiete der Propaganda und Volks­aufklärung zu werden, so waren es wohl nicht zuletzt die vielseitigen Eindrücke, die ihm die Jugendzeit in Oberscheld vermittelten. Auch heute noch nimmt Pg. Müller-Scheld regen Anteil an den Vorgängen in Oberscheld und unterhält rege Beziehungen zu seinen Schelder Jugendfreunden.

Lieber seine Jugend- und Kriegszeit dürften nachstehende Ausführungen von Interesse fein: Kaum das Gymnasium in Dillenburg ver­lassen, brach der Weltkrieg aus.

Mit feinen beiden Brüdern meldete sich Müller- Scheld 1914 beim Infanterie-Regiment 116 in Gießen als Kriegsfreiwilliger.

Schon Ende Oktober erhielt er in dem mörde­rischen Gefecht bei Le Quesnoy in Rordfrank- reich einen Schuß durch die rechte Lunge und Riere, . Dort dem er sich aber im Lazarett in Hamm wieder erholte. Im Frühjahr 1915 kehrte er zur Front zurück, nahm im Herbst desselben Jahres an einem Offizierskurs im Lockstedter Lager teil und kam anschließend als Vizefeld­webel zum Reserve-Infanterie-Regiment 254 nach

Selbstmord

des früheren Bochumer Oberbürgermeisters.

Der frühere Oberbürgermeister von Bochum, Otto R u e r, der im 56. Lebensjahr stand, hat sich in seiner Wohnung in Berlin m i t V e r o n a l vergiftet.

Kronfeld auf dem Flug von Straßburg nach Paris verschollen.

Der österreichische Segelflieger K r o n f e l d ist am Freitag 6.42 Llhr auf dem Flughafen in Straßburg gestartet, um sich im Schleppflug nach Paris schleppen zu lassen, wo er am Freitag ge­gen 11 Llhr hätte eintreffen müssen. Am Sams­tagvormittag war man in Paris und in Straß­burg ohne jede Nachricht über den Ver­bleib Kronfelds. Man nimmt an, daß er unter­wegs eine Zwischen- oder Rotlandung vorgenom­men hat.

verdächtige Kinder-Ballons.

Von zuständiger Seite in Stuttgart wird mit­geteilt: In verschiedenen Gegenden des Landes, hauptsächlich im Schwarzwald und auf der Alb, sind in der letzten Zeit sehr häufig nieder­gegangene kleine Kinderballons aufgefun­den worden, an denen eine Karte befestigt war. Auf dieser Karte wird an die Finder die Auf­forderung gerichtet, bestimmte vorgedruckte Fra­gen zu beantworten und die ausgefüllte Karte an eine bestimmte Adresse abzusenden. Es be­steht der Verdacht, daß damit bestimmte Zwecke

SOetMmM

Roman von Helma von Hellermann.

Mutige Tat eines deutschen Matrosen.

Beim Zusammenstoß zwischen einem Motorboot und einem Ruderboot in der Nähe der zur Zeit im Hafen von Helsingfors liegenden deutschen Torpedo- bootssiottille fiel ein Mann aus dem Ruderboot ins Wasser. Der Obermatrose Nitsch vom Torpedoboot Wolf" stürzte sich ins Wasser und brachte den Er­trinkenden ans Land.

Eine Viertelmillion Pilger in Trier.

21m Sonntag trafen 21 Pilgersonderzüge in Trier ein, die zusammen 35 000 Wallfahrer be­förderten. Mit fahrplanmäßigen Zügen, mit Omni­bussen und Autos dürften außerdem noch weitere 10 000 bis 12 000 Pilger in Trier eingetroffen fein. Am Samstag besuchten 22 364 Gläubige den Hei­ligen Rock, am Sonntag waren bis um 20.30 llhr 37 000 Personen vorübergezogen. Insgesamt betrug die Pilgerzahl in der vergangenen Woche rund 2 4 0 0 0 0#

In der Nacht zum Sonntag fuhr auf der Schöne­becker Elbbrücke ein Motorradfahrer von hinten in eine SA. -Kolonne, die sich gerade in Marsch gesetzt hatte. Der 31jährige SA.-Mann Hermann Hummel aus Schönebeck wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Transport ins Kran­kenhaus st a r b. Der 19jährige SA.-Mann Fürst er­litt einen Nervenchok, sein Zustand ist bedenk­lich. Fünf weitere SA.-Leute trugen Kopf- und Beinoerletzungen davon, die jedoch nicht so schwerer Natur zu sein scheinen. Alle Verletzten wur­den ins Krankenhaus geschafft. Die SA.-Abteilung befand sich auf der Rückkehr von einem Karnerad- fchaftsabend. Auf der Elbbrücke hatte der Sturm­führer noch einmal halten lassen, als im Rücken der Abteilung der Motorradfahrer sich näherte. Er fuhr zunächst auch vorschriftsmäßig an der haltenden Ab­teilung vorbei, muß aber dann die Gewalt über die Steuerung verloren haben, denn die Maschine war plötzlich in den drei ersten Gliedern der Abteilung.

Das Kind als Zukunst.

Wenn Eltern Kinder wohl erziehen und ihnen guten Namen lassen, so ist's genug, so ist es mehr, als Geld uni Gold in Kasten fassen."

Unsere Tage haben den Wert des Kindes wieder in neues uni lebendiges Licht gerückt. Das Kind ist Geschenk des Himmels, Lohn der Liebe und Ver­pflichtung an Vergangenheit und Zukunft. Geboren aus dem Blute längst vergangener Geschlechter, tritt es in das Leben seiner Eltern, lebt aus ihm. Sein Ruf nach Erfüllung, sein Verlangen nach Inhalt sind Pflicht und Recht zugleich.

Kindesseele und Kinderherz sind wie Quellen, in denen wir selbst wieder jung und froh werden, Lab­sal und Erfrischung finden, Zuversicht uni Glauben schöpfen an unsere eigene Kraft, an unsere gesunde Zukunft. Im Kinde baut sich die Brücke von unfern Vätern über uns hinweg in die Bezirke der Nach­fahren. Grund und Nährboden schaffen wir durch uns über das Kind für Wachstum und Gedeihen neuen Glückes und neuer Volkskraft. So werden wir zu Gründern der Zeit und ihres ewigen Schaffens, so weht uns aus des Kindes Brust der Atem der Ewigkeit entgegen.

Welch freudiges Bewußtsein, so Mitschöpfer zu werden am Weltenbau, am Weltgeschehen! Aber dieses Gefühl und Bewußtsein der Freude und des berechtigten Stolzes trägt zugleich die Pflicht in

eingeschenkt. Die Kehle war ihr wie zugeschnurt. Gleich nach Beendigung des Mahls erhob sie sich.

Wenn ich morgen fahre, gibt es noch allerhand vorzubereiten", entschuldigte sie ihren schnellen Auf- bruch.

Du nimmst Marie mit und Werner!" bestimmte Steinherr. Da war sie gut aufgehoben für die nächste Zeit. Jetzt aing es hier hart auf hart. Die Forderungen der Leute waren unsinnig: aber er gab nicht nach und wenn es zum äußersten kam.

Wie finster das braune Gesicht aussah! Kaum fand es einen freundlichen Blick für die junge Frau, iie leise dem Gatten gute Nacht wünschte.

*

Als jedoch am nächsten Morgen Wera blaß und übernächtig im dunklen Reisekostüm vor ihrem Manne stand, um Abschied von ihm zu nehmen, nahm er sie mit einer jähen Bewegung in die Arme und druckte sie fest an sein Herz.

Komm mit roten Backen uni blanken Augen wieder, kleine Frau", sagte er weich,und Got! schenke uns ein frohes Wiedersehen!"

Das klang so bewegt! Betroffen fragend sah sie c'w r auL schon schob er sie fort von sich, loste feine Hand aus der ihren, die sie unbewußt festgehalten. '

"g teicC Kind, es ist spät und der Weg zum Bahnhof lang!" Wenn sie nur erst fort und in Sicherheit mar! Der alte Richter war bei Morgen- grauen dagewesen. Unruhen standen bevor.

Gleich darauf flog der große Maybach, den nun ein anderer, stämmigerer Führer lenkte, die lange ^lUee hinunter, der Stadt entgegen. Fast leer mar IX faum bin Fuhrwerk begegnete ihnen. Was sich drohend im Anmarsch befand, kam von den Werken, jenseits von Schloß und Park.

Wera Steinherr saß sehr still, den Kopf gegen öas Polster gelehnt, uni sah mit müden, glanzlosen Augen über die Felder und Wiesen, die in hellen Morgensonnenschein getaucht dalagen. Erst als sie Die Vororte erreicht, zwang sie sich, ein freundliches Wort an den alten Diener uni die kleine Jungfer zu richten, deren Mitnahme sie höchst überflüssig sand. Das lange Schweigen hatte das muntere, junge Ding schon bedrückt.

(Fortsetzung folgt.)

junge faschistische Italien und brachte auf den Duce ein Sieg-Heil auf, das brausend aufge­nommen wurde. Gauleiter und Landtagspräsident D ö n i ck e hieß die Gäste im Namen der Leipziger Nationalsozialisten willkommen. Für die italieni­schen Gäste dankte der Führer Commandante Cen- turione G i g l i.

2lm Sonntagvormittag wurden die italienischen Gäste vom Rat der Stadt im Festsaal des neuen Rathauses empfangen und von Bürger­meister Dr. Loser herzlich begrüßt. Für die Gäste erwiderte Commandante Centurione Gigli.

sich, verantwortungsbewußt das GeschenkKind' zu verwalten. Wenn wir zu Hause in der Familie die frohe Kinderschar am Tische oder in lustiger Ge­sellschaft auf dem Spielplätze sehen, lacht uns der Tag doch in neuer Helle an. Strebendes, drängen- des Leben schlägt uns ia entgegen und, wenn wir daran denken, daß aus diesen Kleinen einmal Große werden, wird uns klar, daß das Kind Pflicht unh Ruf ist. Im gleichen Augenblick, da wir im jungen Geschlecht das kommende Volk sehen, begreifen mir aber auch die Berufung, die uns Aeltere erfüllen muß bei Erziehung und Betreuung unserer Kinder.

Die Kinderstube ist die Keimzelle für den Kultur- ftaat, für die Größe und Höhe unserer sittlichen Volkskraft. Was hier gesät, wird in Jahren schon, aber noch mehr in Jahrzehnten, geerntet. An uns liegt es also, all das an guten Wünschen und star­ken Hoffnungen so im Kinde zu verankern und zu vereinigen, daß es später noch, wenn die Eltern längst nicht mehr sind, bei ihnen zu Gaste sein kann. Der Tisch zu Hause, der Tisch der Jugend, wird zur Vorratskammer für die kommenden Jahre. Wurde dem Kinde in seinen frühen Tagen nichts vorgesetzt an Bewußtsein und Verantwortungsgefühl, an Achtung vor dem Ueberfommenen und Stolz auf das eigene Schaffen, kann es auch später nicht zu­rückgreifen auf das Erbe, auf die geistige Mitgift von daheim. Also, was heute geschafft, wird morgen wirken, was unser Name enthält, wird auf bas Kind übertragen in derselben Stärke weiterleben, Erbgut und blutvolles Vermächtnis unserer selbst.

Wahrhaft königlich sah die schlanke Frau in dem Schleppgewand aus silberüberrieselten Spitzen aus, und als sich einer nach dem anderen der Herren herandrängte, um sich über ihre Hand 3" beugen, als ein Lächeln bas schöne, stolze Ge­sicht zu hinreißender Lieblichkeit verklärte, sah es aus, als ob eine gnäbige Fürstin ihre Untertanen begrüßte. Aeußerlich gelassen, aber mit geheimer Befriedigung gewahrte Steinherr, wie man seiner jungen Frau huldigte, wie bie Blicke ber anwesen­den Damen gespannt jede der anmutigen Bewegun­gen, den Sitz des Kleides, den Tonfall der weichen, etwas tiefen Stimme kontrollierten. Sehr stolz war er auf die Frau, die feinen Namen trug, die Frau, die Not und Armut gekannt, und nun die Würde des Reichtums mit einer Selbstverständlichkeit und Sicherheit trug, die nur dem geborenen Herren­menschen eigen.

Kleine Wera", dachte er weich, sie beobachtend wann lehrt Liebe dich, um Liebe zu bitten?"

Aber als Wera sich nach ihrem Manne umsah, stand er bei der reizenden Frau des Gastgebers einer sprühlebendigen Brünette, die ihn o fensicht' lich anschmachtete, und hatte keinen Blick für sie. Ein feiner, stechender Schmerz durchzuckte sie. Ent­glitt ihr Magnus ganz, nun er wieder im Kreise seiner Freunde war? Allzu leicht verlor man, was man nicht ganz besaß...

Wera, die die Stille früher so sehr geliebt, emp­fand sie jetzt inmitten aller Dienerschaft in ihrem großen Hause oft als bedrückend und beschäftigte sich viel und eingehend mit Aenderungen und Ver­schönerungen der prunkvollen, aber kalten Räume, zu denen ihr Mann ihr die Erlaubnis willig ge­währte. Unter ihren Anordnungen wurden Wun­der geschaffen. Hier ein Möbelstück mehr, dort eins weniger, zart abgetönte Wandbespannungen und Teppiche, Blumen in Schalen und schlanken Kel­chen, ein paar köstliche Bronzen und ein be­zaubernd schönes Heim entstand.

Aber Magnus Steinherr bemerkte es kaum.

Gnadenakt des Reichsstatthalkers in Bayern.

Der Reichsstatthalter in Bayern hat zwei So» desstrafen i n lebenslängliche Zucht­hausstrafen auf dem Wege der Begnadigung umgewandelt. Er hat die Todesurteile gegen die Brüder Georg und Johann W i 11 m a n n aus Stephansposching bei Deggendorf in lebensläng­liches Zuchthaus umgewandelt. Die beiden waren wegen des Mordes an der Landwirtsehefrau QSittmann verurteilt worden.

(Bord) Fock" in Sroinemünbe.

Am Samstag um 15 Uhr lief das Schulschiff G o r ch F o ck" in Swinemünde ein und machte unter stürmischer Begrüßung der Bevölkerung am Bollwerk fest. SA., SS. und Hitlerjugend bildeten Spalier. Im Namen der Stadt begrüßte Stadtver- ordnetenoorsteher S ch m i d t den Kapitän derGorch Fock". Er überreichte ihm als Geschenk der Stadt Swinemünde eine silberne Vase.

Flüchtig glitt sein Auge über die neugeschaffene Traulichkeit, die jeden Besucher entzückte.

^In-2ßerr gab es Schwierigkeiten. Die großen Auftrage hatten viele Neuanstellungen bedingt, und diese Fremden beanspruchten nun höheren Gewinn- anteil, als ihnen zukam. Da murrten sie, begannen

Hetzen, mit Streik zu drohen. Täglich gab es jetzt Streit zu schlichten, denn die Unzufriedenheit griff wie eine ansteckende Krankheit auch auf die älteren Arbeiter und Angestellten über. Umsonst entließ Stemherr die schlimmsten Krakeeler, berief den Be­triebsrat zu vertraulicher Aussprache. Unmöglich war, was die Schreier verlangten.

Wenn sich das Werk nicht mehr rentiert, leidet ihr alle darunter", mahnte er.Erhalten die Ar­beiter der unteren Stufe mehr, so muß euer aller Anteil dementsprechend erhöht werden. So viel Ueberschuß aber wirft daZ Werk nicht ab."

Sie nickten, bekümmert, aber nur halb überzeugt. Und die Nörgler vermehrten sich.

35. Kapitel.

Die ersten Frühlingstage tarnen und mit ihnen Die lauen, sternenleuchtenden Nächte, in denen tau­send Düfte dem Schoß der aufbrechenden Erde ent­quollen und das Menschenherz sich weitete in un­nennbarer Sehnsucht.

Voll dumpfer Unrast war der Schlaf der ein­samen Frau im Herrenhause. Oft stand sie auf trat ans offene Fenster und schaute hinaus in die Mon­dessilberhelle, von unendlicher Traurigkeit beschwert Nichts half es mehr, an Georg zu denken, sich im Geist in die kurze Glückszöit mit ihm zurückzuver- etzen. Georgs Nähe war nicht mehr fühlbar- je sehnsüchtiger sie nach iflfr verlangte, je ferner schien er. Es war, als habe er ihr einen neuen Weg ge- roufen, mbem er sich von ihr getrennt, und auf diesem Wege stand ein anderer und wartete daß sie sich zu ihm fand. '

Der Motorradfahrer, ein Bäckermeister, wurde oon der Polizei verhaftet.

Absturz am Iungfraujoch.

Zwei führerlose Touristen sind auf der Tvur nach dem Iungfraujoch im Rottalsattel abge­lt ü r z t und vom Schnee fast eineinhalb Meter hoch zugedeckt worden. Während einer der Tou- risten unter den Schneemassen liegen blieb, konnte sich der andere befreien und versuchte, sich troz gebrochener Rippen nach dem Iungfraujoch zu schleppen, um dort Hilfe zu holen. Der Dorsal war beobachtet worden, und Rettungsmannschal­ten waren bereits unterwegs, die den zweite, Touristen noch lebend bergen konnten. Außer einem Rippenbruch war er ebenfalls ohne Scha­den davongekommen. Bei den Verunglückte, handelt es sich um zwei Augsburger, einer Rechtsanwalt und einen Rechtsstudenten.

Lustmord in Wilhelmsburg.

2n Wilhelmsburg wurde in der Nähe der alten Feuerwache die in Wilhelmsburg wohnhafte um»:, ehelichte Luise Brohm, geboren am 1. April 1911, ermordet aufgefunden. Die Leiche war an bei Hunden gefesselt. Nach den bisherigen Feststellungei der Mordkommission liegt L u st m o r d vor. Ai die Ergreifung des Mörders wird eine hohe V« lohnung ausgesetzt werden.

Start des Dalbo-Geschwaders durch Anwetter verzögert.

Wie aus Shoal Harbour (Reufundland) bv richtet wird, wird infolge des Llnwetters das auf Neufundland herrscht, der Start des Balbö geschwaders voraussichtlich auch am Montag nod nicht stattfinden können. Die Wetterstationcr melden Regen, Wind und Rebel. Auf dem Meeu herrscht Sturm und schwerer Seegang. Dir Bevölkerung von Shoal Harbour schenkte Balbi einen jungen Reufundländer Hund, worüber der, General sichtlich erfreut war.

Weltflieger Mattern In Neuyork.

Der amerikanische Weltflieger Mattern ift mit einem kanadischen Flugzeug in Reuyork ein« getroffen.

Gegen 40 000 Dollar Lösegeld freigelafsen.

Wie aus Albany (LISA.) berichtet wird, wurdr der am 7. Juli entführte 24jährige Johnny O'Connell, der Sohn einer politisch einfluß­reichen Reuyorker Familie, nach Zahlung von 4 0 0 0 0 Dollar Lösegeld von seinen Entführern freigelassen. Die ursprüng- liche Forderung der Banditen war eine Viertel Million Dollar. Die Polizei nahm sofort die Verfolgung der Entführer auf, die jedoch bisher ergebnislos blieb. Die amerikanische Oeffentlich- keit verlangt angesichts der täglich zunehmenden Cntsührungsseuche endlich durchgreifende Maß­nahmen der Behörden.

Freundschaftlich und doch getrennt lebten sie nebeneinander her.Er will mich ja gar nicht", dachte sie und hatte plötzlich die Augen voller Trä­nen.Er sieht gar nicht, daß ich versuche, ihm ein Heim zu schaffen, lebt nur für das Werk, ür die Arbeit. Was kann eine Frau solchem Manne sein?"

Alles oder nichts!" tönte feine Stimme in ihrem Ohr. Alles...? .

Mutlos, mit hängenden Schultern ging Wera Steinherr durch das große Haus, in dem sie sich immer noch mehr als Gast, denn als Hausfrau fühlte, wanderte durch den Park, der an allen Ecken und Enden zu grünen begann, hinaus nach dem kleinen Gartenhaus, das leer und verlassen inmitten der Waldesruhe stand. Nur die Vögel sangen so süß wie damals, als sie hier Georg von Vandros Weib geworden.

Steinherr bemerkte die Schwermut, die sich wie ein trüber Schleier über Weras Wesen gesenkt, und schob sie auf den Frühling.

Es wäre gut, wenn du mal ein paar Wochen fortkämst, andere Luft atmetest", meinte er eines Tages beim Abendessen, als ihre Mattigkeit ihm be­sonders auffiel.Wie wäre es mit einer Kur in Marienbad? Es ist sehr schön dort."

Die dunklen Augen schweiften an ihm vorüber zum offenen Balkon, auf dessen Brüstung eine Amsel saß und ihre süße, herzbewegende Weise in den sin- kenden Tag hinausflötete.Wenn du es für gut hältst..." Sie wollte liebenswürdig fein; aber es klang nur müde.

«Doch, ich glaube, es täte dir ganz gut. Hollen­bachs fahren morgen nach Berlin, da könntest du eigentlich gleich rnitfahren, wenn es dir paßte. Die wären glücklich, dich ein bißchen zu betreuen", fügte er, schnell nachdenkend, hinzu. Heute früh war es zu einer offenen Schlägerei auf dem großen Vorhof des Werks gekommen. Wer weiß, was geschah ... Die nächsten Tage gibt es nämlich so Diel zu tun, daß ich mich dir leider wenig widmen kann, da könntest du gerade so gut mit Hollenbachs reifen."

3a, gewiß, wie du meinst!" Bleischwer lag es der Frau auf dem Herzen: Magnus bedurfte ihrer nicht, ja, er schien geradezu erleichtert, daß sie ein­willigte in die sofortige Abreise. Mit größter Mühe zwang sich Wera, die süße Speise fertig zu essen, das Glas Rotwein zu trinken, das ihr Mann ihr selber