Ausgabe 
30.12.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

oern des Braun zu begegnen. Die Versuche, die Angelegenheit zu unterdrücken, waren jedoch ver­geblich, da inzwischen weite Kreise davon erfahren hatten. Der saarländische Separatistenführer Waltz, der vor einiger Zeit nach einer Unterschlagung von 20 000 Franken von seinen eigenen Gesinnungsge­nossen überführt wurde, dürfte nunmehr vor Neid erblassen, daß sein Kollege Braun ihn auch hierin wiederum übertraf.

Marxistischer Änterschlagungsskaridal im Saargebiei.

Die Persönlichkeit des Ermordeten.

B u k a r e st, 29. Dez. (XU.) Ministerpräsident Duca entstammte einer alten Bojarenfamilie. Er studierte in Varis die Rechte und widmete sich nach seiner Rückkehr ausschliehlich der Politik. Mit 28 Jahren wurde er Abgeordneter öer L l - beraten Partei. Enge Freundschaft verband ihn mit Ionel B r a t i a n u. Während des Welt­krieges trat er nicht besonders in Erscheinung, jedoch steht auch sein Name auf der Gedenktafel im Bu­karester Militärmuseum, die alle Minister nennt, die Rumäniens Eintritt in den Weltkrieg beschlos- sen haben. Duca hat ein Alter von 52 Jahren er­reicht. In der Kammer hat er sich vor allem auf volkswirtschaftlichem und sozialem Gebiet betätigt. Von Anfang an war er Mitglied der L, be­rat e n Partei, zu deren hervorragendsten Füh­rern er bald gehörte. Mehrfach hatte er Minister- Portefeuilles inne, so das Unterrichtsministerium, das Ministerium des Innern und das Ministerium des Aeußern. Auf dem Gebiete der Außenpolitik widmete er sich mit Eifer dem Ausbau der Kleinen Entente, die in ihm den Anreger ihrer periodischen Zusammenkünfte sieht. Nach dem Ableben Vintila Bratianus trat Duca im Dezem­ber 1930 an die Spitze der Liberalen Partei. Im Oktober 1930 gab Duca auf einer Parteikonferenz in Czernowitz Erklärungen über die Minderheitenfrage ab, die damals Auf­sehen erregten. Duca erklärte u. a.: Wir sind uns vollständig klar darüber, daß die im Staate leben­den vier Millionen Minderheiten Anspruch aus Ge­rechtigkeit und brüderliche Behandlung haben.

Mas wird nun?

Wird eine autoritäre Regierung das Nudcr erflreifcn?

Das Urteil im Lahusenprozeß.

(Sari Lahusen zu fünf Jahren Gefängnis und Heinz £of)ufen zu 28/4 Jahren Gefängnis verurteilt wegen Bilanzverschleierung und Untreue.

zurDeutschen Arbeitsfront" und zur national­sozialistischen GemeinschaftKraft durch Freude sprechen

Der Reichsminister für Luftfahrt hat angeordnet, daß vom 31. Dezember 1933 19 Uhr bis 1. Januar 1934 8 Uhr sämtlichen Angehörigen der deutschen Luftfahrt das Tragen der DL.- Bekleidung außerhalb der Privatwohnung ver- boten ist.

Der frühere sächsische Ministerpräsident Heidt ist nach längerer Krankheit gestorben. Heidt wurde 1909 als Sozialdemokrat in den Sächsischen Landtag ge- wählt 1919 wurde er Arbeitsminister, 1920 bis 1923 Finanzminister, 1924 bis 1929 Min.sterpräsident. 1926 gründete er mit 22 sozialdemokratißhen Land- tagsabgeordneten, die mit ihm aus der Partei aus­geschlossen worden waren, die Alte Sozialdemokra­tische Partei.

ftunfl und WiffenschaN

Hanns Iahst beantragt Beurlaubung.

Wie wir erfahren, ist der Dramaturg des Staat- lichen Schauspielhauses in Berlin, Hanns I o h st, bis zur endgültigen Regelung der allgemein schwe- benden Fragen der Staatstheater um einstweilige Beurlaubung eingekommen.

B u k a r e st, 30. Dez. (TU.) Die Ermordung des Ministerpräsidenten hat in ganz Rumänien einen ungeheuren Eindruck gemacht, der um so nachhal­tiger ist, als politische Anschläge in diesem Lande in der Vergangenheit so gut wie unbekannt gewesen sind. Der Tod Ducas wird den Verfall des parlamentarisch-demokratischen S y - st e m s um so mehr beschleunigen, als die na- t i o n a l z a r a n i st i s ch e P a r t e i, die bisher d>e Geschicke des Landes leitete, in völliger Auf- löfung begriffen ist und deren Gegenspieler, d i e Liberale Partei, jetzt ihren Kopf ver­loren hat, weil mit Duca das geistige Erbe der Bratianus endet. Was werden wird, läßt sich zur Stunde nicht voraussagen. Zunächst ist der Unter­richtsminister Angele scu mit der einstweiligen Leitung der Geschäfte beauftragt worden. Da aber bekannt war, daß die Liberale Partei die letzte par­lamentarische Reserve des Systems war, ist es nicht ausgeschlossen, daß nunmehr eine seit langem er­wartete autoritäre Regierung in Rumä- nie» die Geschicke des Landes leiten wird. Auf alle Fälle ist mit Bestimmtheit mit den schärfsten Maß­nahmen gegen alle rechtsradikalen Strömungen zu rechnen. Ein außenpolitischer Kurswech­sel wird kaum eintreten, weil der Steuer­mann zwar von Bord gegangen ist, aber der Kurs der alte bleiben wird. Duca wird auf Staatskosten auf seinem Gute beigesetzt werden. Die Trauer über seinen Tod ist auch im Lager seiner politischen Geg­ner allgemein. Die In Bukarest anwesenden G e - sandten erschienen im Ministerpräsidium, um ihr Beileid auszudrücken. Desgleichen kondolierten sämt­liche oppositionellen Parteiführer, bei der Liberalen Partei wie auch bei der Witwe des ver- ftorbenen Ministerpräsidenten.

Der rumänische Mmsterpräsident Duca einem Revoiveratteniat znm Opfer gefallen.

Weittragende innerpolitische Folgen für Rumänien.

Bremen, 29. Dez. (TU.) 3m Lahusenprozeß wurde am Freitag folgendes Urteil verkündet: Der Angeklagte C. La Husen wird wegen Ber­geisens gegen § 240 Ziffer 3 und § 244 der Kon­kursordnung, wobei zugleich ein vergehen gegen §314 Ziffer 1 des HGB. begangen ist. und wegen vergehens gegen § 312 des HGB. in drei Fällen zu einer Gesamtstrafe von 5 3 ahren Ge­fängnis und zu einer Geldstrafe von insgesamt 50 000 Mark verurteilt.

Der Angeklagte Heinz Lahusen erhält wegen eines vergehens gegen § 240 Ziffer 3 und § 244 der Konkursordnung, wobei zugleich ein vergehen gegen §314 Ziffer 1 des HGB. begangen wurde und wegen vergehens gegen § 312 des HGB. in zwei Fällen eine Gefängnisstrafe von 2 3 ahren, 9 Monaten und eine Geldstrafe von insgesamt 20 000 Mark.

An Stelle der Geldstrafe tritt für je 100 Mark ein Tag Gefängnis, bei C. Lahusen jedoch höchstens 1 3ahr. Die Angeklagten tragen die Kosten des Verfahrens, soweit sie verurteilt find. Der Ange­klagte C. Lahusen wird freigesprochen von der Anklage des Betruges. Die insoweit entstandenen Sonderkosten trägt die Staatskasse. Bei C. Lahusen wird ein 3ahr der erlittenen Unter­suchungshaft angerechnet. Hein; Lahusen wird die Untersuchungshaft in voller höhe auf das Straf­maß angerechnet.

In der Begründung des Urteils im La- Husen-Prozeß führte Landgerichtsdirektor Töwe u. a. folgendes aus: Beide Angeklagten find schul- big befunden eines Vergehens der Bilanzver­schleierung. Im Jahre 1926 ist zweifellos die Bilanz in der Form, in der stille Reserven herein- genommcn wurden, verschleiert und gefälscht wor­den. Im Jahre 1928 sind Rückvergütungen in sehr erheblichem Maße hereingenommen in hohe von 20 Millionen Mark. Es handelt sich auch hier allein um fingierte Forderungen. Die Bi- lanz des Jahres 1928 ist gefälscht bezüglich ihrer Liquidität. Bankschulden in höhe von 33 Mil­lionen Mark seien als solche nicht ausge- wiesen. Das eigentliche Katastrophenjahr ist das Jahr 1929. Der Hauptvorwurf besteht darin, daß die Angeklagten 25 Millionen Mark Rückvergütun­gen von der hum herübernahmen, die gleichfalls rein fingierte Forderungen darstellten, bei denen aber auch mit aller Deutlichkeit klar wird, daß diese 25 Millionen Mark aus dem Nichts geschöpft wurden. Die Frage, ob die Singeflag- ten durch einen übergesetzlichen Not st and gedeckt gewesen seien, ist durchaus zu verneinen. Gerade der Fall Nordwolle hat gezeigt, daß Un­wahrheit und Fälschung der Bilanzen ein oollig ungeeignetes Mittel sind, eine im Abstieg befindliche Gesellschaft vor dem Untergang zu ret­ten. Durch die Darstellung in ihren Bilanzen haben die Angeklagten eine Atmosphäre von Unwahrheit geschaffen, die geeignet war, die Öffentlichkeit in ihrer Allgemeinheit zu täuschen.

Ein Betrug zum Nachteil der Danat-

schlag glückte, Bergdoll wurde ins besetzte Gebiet entführt und sollte den Amerikanern ausgeliefert werden. Die deutschen Vorstellungen verhinderten dies. Seither lebte Bergdoll im Neckartal. Nunmehr traf aus Washington die Nachricht ein, daß Prä­sident Roosevelt den Deutschamerikaner Berg­doll amnestiert hat, womit diese unliebsame Affäre aus der Kriegszeit erledigt ist.

3apan im Freudentaumel. Namengebung des Thronerben.

Die Freudenfeiern anläßlich der Geburt des Thronerben begannen am Freitag früh in ganz Japan. Im königlichen Palast fand nach altem Brauch die Namengebung des Thronerbens statt. Punkt 11.15 Uhr (Tokioter Zeit) wurde der Name verkündet. Akihito Tsuyu No Miya heißt der junge Erdenbürger: der Name bedeutet übersetzt etwa Nachfolge der erleuchteten Güte". In Tokio pran­gen alle Straßen und Gebäude im Flaggenschmuck. Sämtliche Banken und Büros sind geschlossen. Als die an der Küste vor Anker liegenden Kriegsschiffe den königlichen Salut abfeuerten, brachten Tausende von Japanern, die im Hitiya-Park versammelt waren, begeisterte Hochrufe auf die kaiserliche Familie aus.

Zwei Eisenbahner tödlich überfahren.

Bel Heiligenstadt (Eichsfeld) wurden ein Rotten­meister und ein Bahnunterhaltungsarbeiter, die das Einfahrtgleis eines Eilzuges nach einem aus- fahrenden Güterzuge überschreiten wollten, von der Lokomotive des Eilzuges erfaßt und sofort g e tötet.

Bukarest, 29. Dez. (WTB.) Mnisterpräsidenl Duca fiel heule um 22.20 Uhr osteuropäischer Zeit auf dem Bahnhof Slnaja einem Attentat zum Opfer. Als er von einer längeren Audienz bei König Carol in den Zug steigen wollte, um nach Bukarest zurückzukehren, wurde er von einem Studenten durch vier Schüsse in den Kopf n i e d e r g e st r e ck t. Cr war auf der Stelle tot. Sein Begleiter, der Abgeordnete Dr. C o st i n c - fcu, wurde verletzt. Der Attentäter wurde sofort fest genommen.

Der Ministerpräsident war auf dem Bahnhof in Begleitung des Finanzministers Constantin Bra­tta n u , des protokollchefs im Ulinifterptäfibium Dlachide und des Abgeordneten C o st i n e f c u , sowie von zwei Geheimpolizisten gekommen. Bon drei Stuben ten, die ihn erwarteten, sonderte sich der eine rückwärts ab und schoß den 2H i n i - sterpräsidenten in den hinterkops. Einer der Begleiter des Attentäters lieh einen Pa - pier böller explodieren, was die Anwesenden glauben lieh, dah eine Handgranate geworfen wor­den war. Die Attentäter versuchien in der ausbre­chenden Panik zu entkommen, und begannen an den Gleisen entlang zu laufen. Zwei Polizeigehilfen setz­ten ihnen nach. Die Befolgten verschoben ihre letzten Patronen und verletzten hierbei noch einen der Po- ttzeiagenten. Erst als sie die IHunilion verschoben hatten, konnten sie von dem unverletzt gebliebenen Polizisten fest genommen werden. Die Menge, die gleichfalls an der Befolgung teilgenommen hatte, wollte die Attentäter lynchen.

Der Ministerpräsident, der lebbs zusammengebro- chen war, wurde in den wcrtesaal gebracht. Der bcroeigeeilte Bahnarzt tonnte nur noch den Tod fest.lellen Auf Wunsch des Königs wurde die Leiche ; des Ministerpräsidenten in das königliche Schloß in Sinaja gebracht. Kultusminister A n g e l e s c u als ältestes Mitglied des Kabinetts wurde telegraphisch nach Sinaja gerufen. Ls wird angenommen, daß er mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut werden wird.

Wer waren öie Attentäter?

Bukarest, 29. Dez. (TU.) Es handelt sich um drei Attentäter. Der Mörder heißt Nikolaus C o n ft a n t i n e j c u. Er ist 23 Jahre alt und Stu­dent der Jurisprudenz. Er erklärte, ohne besonderen Auftrag gehandelt zu haben. Der Wunsch nach Be­seitigung des Ministerpräsidenten wäre innerhalb der Studentensch.ift schon lange laut geworden. Grund dafür sei, daß Duca Freimaurer gewesen sei. Die zwei andern an dem Attentat auf Duca beteiligten Personen, sind ein Casshausbesitzer Johann Cali- m a t i aus der Kleinstadt Purtuciaga, und Johann Dorubenimaja. Seine Beschäftigung ist bis jetzt nicht bekannt. Er wohnte zuletzt im Hotel Ex- celfior in Bukarest.

Die Mitteilung des Ministerpräsidiums, daß es sich bei dem Attentäter um ein Mitglied der aufgelösten Eisernen Garde handeln soll, legt die Vermutung nahe, daß die Tat als R a ch e - a k t aus politischen Motiven zu werten ist. Die Eiserne Garde ist eine rechtsradikale Organisation. Im Wahlkamps zu den Parlamentswahlen kam es zwischen Mitgliedern biefer radikalsten der rumäni­schen Rechtsparteien und den Behörden zu Zusam­menstößen Am 9. Dezember faßte der Ministerrat den Beschluß, die Eiserne Garde aufzulösen. Die Wahlen in der zweiten Hälfte des Dezember brachten einen Sieg der Regierungspartei, die mit 54,93 v. h. und 300 Mandaten durchs Ziel ging.

Wettervoraussage.

Ein Ausläufer des Mittelmeertiefs hat sich bis zur Ostseeküste ausgedehnt und bei langsamem Tem­peraturanstieg besonders im Osten Deutschlands Regenfälle verursacht. Auch unser Bezirk wird davon berührt werde», so daß mit einer Wetterver­schlechterung zu rechnen ist, um so mehr, als auch der neue Wirbel im Raume zwischen Island und Irland an Energie gewinnt. Das nordöstliche hoch sowie der Druckanstieg von der Biskaya her werden also vorerst ohne Bedeutung für unser Wetter sein.

Aussichten für Sonntag: Dunstig, meist bewölkt, strichweise Niederschläge, in de» höheren Gebieten noch als Schnee auftretend, Temperaturen um Null schwankend.

Aussichten für Montag: Etwas milder, sonst keine wesentliche Aenderung.

Lufttemperaturen am 29. Dezember: mittags 0,8 Grad Celsius, abends 0,5 Grad: am 30. Dezember: morgens 0,3 Grad. Maximum 0,8 Grad, Minimum 2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. Dezember: abends0,6 Grad: am 30. Dezem.» ber: morgens0,5 Grad Celsius.

Amtliche Vintersportnachrichten.

Schwarzwald. Feldberg: Leichter Schnee- fall,7 Grad, 25 Zentimeter Schnee, kein Neu­schnee, Pulver. Sportmöglichkeit gut Tribera: Bewölkt, 2 Grad, 12 Zentimeter Schnee, kein Neuschnee, Pulver, Ski und Rodel mäßig.

A l p e ». G a r m i s ch - P a r t e » k i r ch e n: Leich­ter Schneefall,4 Grad, 39 cm Schnee, 3 bis 5 cm Neuschnee, Pulver: Sportmöglichkeit sehr gut. Oberstdorf: Leichter Schneefall, 4 Grob, 25 cm Schnee, 1 bis 2 cm Neuschnee, Pulver: Sportmöglich.

1 kett sehr gut.

Aus aller Welt.

Weihnachtsfeier der Deutschen Landsmannschaft.

Die Deutsche Landsmannschaft hat, wie vom Presse- amt der DL. milgeteilt wird, irn Hause der Lands­mannschaftGuilelrnia" in Berlin eine für ihr« ört­lichen Gliederungen beispielgebende kameradschaft­liche Weihnachtsfeier abgehalten. Eingeleitet wurde der Abend durch einen fesselnden, von per­sönliche» Erlebnissen durchsetzten Vortrag des Be- arbeiters der Grenz- und Auslandsfragen Dipl.- Jng Vollmann über die von ber Landsmann­schaft irn letzten Sommer durchgeführten Grenzfahr­ten und ihre Bedeutung für die Zukunftsentwicklung des Volkes und Landes. Der Studentenpfarrer Bronifch-Holtze sprach schlicht und eindringlich zur landsmannschaftlichen Jugend und brachte die echt deutsche und landsmannschaftliche Tugend der ewigen Sehnsucht zum höheren nahe.

Todesopfer eines Beichsbannerüberfalls aus dem Iahre 1932.

Der SS -Mann Werner Rosin in Lübeck ist jetzt an de» Folgen der schweren Verletzungen g e - starben, die ihm im Jahre 1932 von politischen Gegnern zugefügt worden sind. Damals waren mehrere SS-Männer von einer großen Anzahl Reichsbannerleuten überfallen und schwer mißhan­delt worden. Als einen Tag darauf der SS. Mann Rosin die Familie seiner Braut besucht hatte, wurde auch er auf dem Heimweg von einer starken An­sammlung politischer Gegner gestellt, die ihm zahl­reiche Messerstiche beibrachten. Diese Verletzungen haben jetzt zum Tode geführt. Die Täter, die da­mals nicht ermittelt werde» ko»»ten, weil die Schuldige» durch Meiueide gedeckt worden waren, sind vor kurzem feftgefteUt worden.

Die Ermordung des finnischen Obersten Asplund.

Die Hausangestellte des Obersten Asplund in helsingsors, Jenny An11ila, die zu der in Finn­land aufgedeckten Spionageorganifation gehörte, hat eingestanden, Oberst Asplund, der Leiter der staatlichen finnischen Pulverfabrik war, im Jahre 1932 vergiftet zu haben.

Das Ende der Affäre Bergdoll.

In der Nachkriegszeit hat der Fall des Deutsch­amerikaners Grover B e r g d o 1 l, der sich geweigert hatte, im amerikanische» Heer Kriegsdienst zu tun und deshalb wegen Fahnenflucht verfolgt worden war, einiges Aufsehen erregt und sogar xu einem diplomatischen Schritt Deutschlands in Washington geführt. Auf Bergdolls Ergreifung in Amerika waren in Abwesenheit eine schwere Strafe und die Dermögensbeschlagnahme über ihn verhängt worden wurde eine hohe Belohnung ausgesetzt. Amerikanische Detektive versuchten Berg­dolls mit Gewalt habhaft zu werden, einer von ihnen wurde beim Eindringen in Bergdolls Zimmer In Eberbach von ihm e r s ch o s s e n. Ein zweiter An­

bau? ist nicht erwiesen. Es ist nicht nach­gewiesen, daß die Angeklagten bei Erlangung des Kredites im Herbst 1929 sich bewußt unwahrer Vorspiegelungen bedient hätten, daß es solcher Vor­spiegelungen auch nur bedurft hätte, um diesen Kredit zu erlangen. Es bleibt allerdings die für den Angeklagten G Carl Lahusen beschämende Tatsache, daß er sich von dem Zeugen Goldschmidt einen Lügner und Betrüger hat neunen lassen müs­sen. In einem weiteren Sinn trifft diese Bezeich­nung auf den Angeklagten auch zu, und er war sich damals, als ihm diese Worte ins Gesicht geschleu­dert wurden, vollkommen bewußt, daß er die Bi­lanz des Jahres 1929 in einer ungeheuerlichen Weise gefälscht hatte.

Es muß zu Lasten der Angeklagten feftgefteUt wer- den, daß sie sich auch b/e r Untreue s ch u ld i g gemacht haben. G. C. Lahusen hat Aktien auf sei­nen Namen und auf seine Rechnung gekauft, wie er behauptet zu Stützungszwecken. Er war in ferner Weise befugt, die Differenz, die durch das Sinke» des Kurses entstand, einfach auf di« Nordwolle zu überbuche». Er hat sie zweifellos bewußt g e chädigt in höhe von über 1 Million Mark. Wenn man bezüglich der Untreuehanblun- gen nach einem Motiv der Angeklagte» forscht, braucht man keineswegs anzunehmen, daß sie plötz­lich und unerwartet ihren ganzen Charakter ge­ändert hätten, als sie zu solchen Entnahmen ge­schritten sind. Gewinnsucht braucht mau nicht an- ,ui nehmen, es war das ungemessene Stre­ben des Angeklagten G, Carl Lahusen nach Macht, seine schrankenlose Selbstüberhebung, traft deren er sich schließlich für den einzigen Re­präsentanten der Nordwolle angesehen hat. Wen» G. Carl Lahusen ausführt, daß die Lahusens und die Nordwolle identisch gewesen seien, gelte das auch im ungünstigen Sinne für ihn Er hat schließlich vollkommen vergessen, daß er Verwalter fremden Vermögens war. Er hat das Nord» wollevermögeu und sein eigenes Vermögen einfach identifiziert und ist so dazu gekommen, das Gefühl für Mein und Dein vollkommen zu ver­lieren. Sein Bruder Hein,; ist auch hier (Befolgst mann gewesen.

Berücksichtigt man die höhe der veruntreu­ten Beträge, sowie die außerordentliche Schädigung, die die Nordwolle gerade in schweren Jahren durch das handeln der Angeklagten erlitt, so erscheint die ausgesprochene Strafe als eine noch milde Sühne. Mit Rücksicht auf die höhe der erkannten Strafen hat das Gericht be-fchlosfeu, die Angeklagten unge­achtet der geleisteten Sicherheit von einer Million Mark wieder zur Untersuchungshaft zu bringen, da bei der höhe der erkannten Strafen die Sicherheit zur Abwendung des Fluchtverdachtes nicht ausreiche.

Vom der Staatsanwaltschaft wurde mitgeteilt, daß der bremische Senator für Inneres und Justiz ver­fügt hat, daß die Angeklagten mit dem Augenblick der Urteilsverkündung aus der Schutzhaft entlassen werden. Don der Verteidigung wurde keine Erklä- rung abgegeben. Wie verlautet, wird die Ver­teidigung aber im Hinblick auf das nach ihrer Auf­fassung zu hohe Maß der Strafe Revision beim Reichsgericht anmelden.

ländischen Wirtschaft gegen sie verhängten Anzei- genboykott vom Internationalen Gewerkschafts­bund in Paris große Entschädigungen. Im Juli ds. Js. wurde eine Gesamtsumme von 350 OOOFrankenanBraun gezahl t, vom Juli ab ein monatlicher Zuschuß von 20 000 Fran­ken. Diesen monatlichen Zuschuß hat Braun s e 11 Juli nicht abgeführt, sondern in seine eigene Tasche gesteckt. Er hat also bisher 100 000 Franken zum Schaden seines Blattes unter­schlagen. Am 11. Dezember kam es zu einer stur- mischen Aufsichtsratssitzung seines Blattes in Saar­brücken, an der Braun nicht teilnahm und Geschäfts­führer Klopfer von derVolksstimme dem Aufsichtsrat von den Unterschlagungen Brauns Kenntnis gab. Braun erfuhr davon und begab sich sofort nachParlszum Büro des Jnternatio- nalen Gewerkschaftsbundes, um die Angelegenheit zu ordnen. Als Klopfer davon erfuhr, reifte er Braun nach, um in Paris den Vertujchungsmanö-

urbnung vom 26. Mai auch d an ne in zu st e l - l e n, wenn die Nichterfüllung der Verbindlichkeit auf « u ß ergewöhnlichen Ver uften durch Unwetter, Viehseuchen usw beruht. Die Vorschriften der Verordnung vom 26. Mai bleiben mit der Maßgabe weiter in Geltung, daß der dort auf den 1. Februar 1934 bestimmte Zeitpunkt am den 1. April 1934 festgesetzt wird. Ferner ent­hält das Reichsgesetzblatt eine «»«ortnunfl über den Vollstreckungsschutz m landwirtschaftlichen Ent- schuldungsvefahren"

kleine politische Nachrichten

Reichsminister Dr. G o e b d e l s spricht am Sonn­tag, 31. Dezember (Silo e st er) von 18.30 bis 18 45 Uhr über alle deutschen Sender.

*

Reichsjugendführer Baldur von Schi rach spricht zur deutsche» Jugend am 1. Januar 1934 'zwischen 11 und 11.15 Uhr. Die Ansprache geht über alle deutschen Sender.

*

Ministerialrat Dressler-Andreß, der Leiter des Deutschen Rundfunks, und Dr Ley, der Füh­rer der DAF., werden am 1. Januar 1934 um 18.30 Uhr über den Deutschlandsender, um 19.öu Uhr über alle anderen Sender außer Stuttgart

Saarbrücken, 29. Dez. (TU.) Im Saargebiet ist es zu einem großen politischen Skandal um den Marxisten- und Separatistenführer Max Braun den Herausgeber des berüchtigten Sudelblattes Deutsche Freiheit" und derVolksstimm< gekom- men, ber auf das ganze Gefüge der saarländischen SPD. übergegriffen hat. Aus Kreisen der Sozial­demokratie des Saargebietes, die bisher hinter Braun standen, verlautet schon seit einigen Tagen, daß Braun in eine große Unterschla­gungsangelegenheit verwickelt sei und seine Stellung nur zur persönlichen Berei­cherung ausgenutzt habe. Es wurden schwere Anschuldigungen gegen Braun erhoben, und seine sofortige Entfernung gefordert. Inzwischen sind diese Dinge auch in der Öffentlichkeit bekanntgewor­den. Es bestätigt sich, daß Braun tatsächlich große Unterschlagungen zum Schaden seines BlattesVolksstimme" begangen hat. DieVolks- fiimme" erhielt als Ausgleich für den von ber faar»