Rheinland in Kelten
Diebe, Vaieflandsverräter,Zuchthäusler und Deserteure errichten
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Damme rt-Pressedienste, Berlin W. 85.
Am 80. September jährt sich zum zehnten Male der Tag, an dem in Düsseldorf bewaffnete Strolche, vaterlandslose Gesellen die Stadt „eroberten" Tie mißhandelte, entwaffnete Polizei mußte diesem Höllenspuk tatenlos zusehen, denn alle zehn Meter sorgte ein französischer Soldat mit entsichertem Gewehr für den Schutz dieser Banditen. Diese Schurken aber nannten sich Bürger der „Autonomen Rheinischen Republik"!
Es beginnt schon 1919 ...
Der Weltkrieg ist beendet. In lähmender Stille liegen die weiten zerschossenen Trichterfelder im Norden und Osten, Westen und Süden. Millionen Deutsche sind den Tod für ö/ls Vaterland gestorben. Für ihr Deutschland. Aber dies Deutschland ist nicht mehr. Dieses Deutschland liegt breit und wehrlos auf der Erde — gcdemütigt, wie kaum ein Land zuvor gedcmütigt wurde.
Europa hat genug Blut geopfert, genug Donner gehört. Europa will Frieden. Nur ein Land mag sich nicht versöhnen, will den Haß verewigen. Ein Greis sieht seine Lebensberufung darin, das stolze Nachbarvolk zu vernichten. Es zu hetzen und zu quälen, bis es sich willenlos unterjochen läßt.
Clemenceau rechnet: Besitzen wir das Rheinland, diesen Landstrich voller wertvollster Bodenschätze mit einer gewaltigen Industrie, besitzen wir das Rückgrat Deutschlands — dann wird es kein Deutschland mehr geben. Fiuis Germaniae!
In Paris gibt es im schönen Seine-Quartier ein prächtiges Rcgierungsviertel, das wichtige Aemter enthält. Wichtiger in dieser Zeit aber ist ein unscheinbares Haus, einfacher ausgestattet als seine Umgebung, Bureau Deuxieme. Hier wird man den Pfeil schmieden, der in das Herz Deutschlands treffen soll. Das Mittel: eine freie, von Frankreich und Deutschland „unabhängige" Rheinrepublik. Ist diese famose Republik am großen Strom aber erst einmal „unabhängig" — nun, Frankreich wird sich diesen Siegespreis nicht entgehen lassen. Und der Quai d’Orsay gibt Geld in dicken Bündeln. Man wird deutsche Verräter kaufen, wird Deutsche gegen Deutsche hetzen — warum soll das Werk, der Grande Nation einen fetten Landstrich einzuverleiben, nicht gelingen?
Es wird schnell gearbeitet, die erste Gelö- summe ist bereits an deutsche Verräter gelangt. Am 7. März 1919 treffen sich abends im großen Sitzungssaal der „Kölnischen Volkszeitung" eine Anzahl höchst ehrenwerter Bürger und schreiben im Verlauf ihrer Sitzung eine Resolution:
Entschließung!
Rheinland, Nassau und Rheinheffen müssen ein einheitliches Staatsgebilde darstellen. Der Anschluß der Rheinpfalz, von Westfalen und Oldenburg ist dringend erwünscht. Wir sind überzeugt, daß wir mit unserem Verlangen dem Völkerfriedeu eine Brücke bauen. Die aus freier Selbstbestimmung erfolgte Vereinigung der Länder am Rhein zu einem westdeutschen Freistaat wird eine „Friedensrepublik" sein. Sie bietet die nötige Gewähr für den Frieden Europas, bildet einen Damm gegen bolschewistische Ueberflutungen und sichert die friedlichen Beziehungen zwischen Westen und Osten.
Daher wollen wir die sofortige Errichtung der „Westdeutschen Republik" und erwarten von den zuständigen Stellen die unverzügliche Zulassung einer Volksabstimmung in den beteiligten Gebieten.
Unterschriften.
Manch einer der Unterschreiber ahnt nicht, daß das Original einmal in französischer Sprache abgefaßt war.
Landesverräter Nummer 1!
In Wiesbaden gibt es einen jungen, sehr eleganten Staatsanwalt. Monokel. Weichliches Gesicht mit Augen, die niemanden fest anzublicken vermögen. Ein Freund gewisser „Damen" und Eigentümer eines Rennstalles. Nebenbei an fragwürdigen industriellen Spe-
eine Republik.
kulationcn beteiligt: Herr Doktor Adam Dorten.
Herr Dorten besitzt wenig Ehrgefühl und noch weniger Vaterlandsliebe — aber weite Taschen, wenn es sich um Geld handelt. Also wird Herr Dorten von französischen Agenten gekauft, um „spontane Volkserhebungen für ein freies Rheinland" zu organisieren.
Deutschland aber liegt wehrlos. Mit einer Regierung, die hilfslos, fast verbrecherisch die Dinge treiben läßt. Deutschland, das heißt: Schwindsucht und Lebensmittelkarten, erkaltete Hochöfen und eine verwilderte Jugend.
Frankreich aber hat Geld und eine vorzügliche Organisation, dieses Geld an die richtigen Stellen zu leiten. Eine dieser Empfangs- stellcn für den Zustrom von Tausendfranknoten heißt Wiesbaden, Villa Dorten. — Auf dem Lande entfaltet sich an jedem Abend eine rege Propaganda —die man durch Drohungen offenster Art und Weise noch wirksamer zu machen versteht. Da gibt es eine famose „Willenserklärung"!
Willenserklärung!
Ich..., geboren am..., Ort, Kreis..., verlange auf Grund des anerkannten Sclbstbe- stimmungsrechts der Völker, daß das Rheinland ein unabhängiger Staat werde, unabhängig von Frankreich und Deutschland, sowie von jeder anderen Macht. Ich erkläre mich bereit, diese Forderung auf Ansuchen des Völkerbundsrats zu wiederholen, beziehungsweise zu bestätigen.
Datum. Unterschrift.
Das französische Original würde man im Quai d’Orsay finden.
Mit diesem Schein kommt dann eines Abends ein vertrauenerweckend aussehcnüer Mann zum Bauern und redet ihm gut zu, diese schöne Urkunde zu unterschreiben, weil sie ja einer guten Sache diene. Sollte er aber wider Erwarten Bedenken hegen, müsse er ausgewiesen werden — denn Menschen, die gegen eine gute und nützliche Sache sind, verlören jedes Recht, im schönen, bald unabhängigen Rheinland zu wohnen. — Wenn man auf solche Art ausgefordert wird, besinnt man sich meist nicht lange. Denn die Familie will Brot. Und so malt dann der Bauer mit schwerer Hand seinen Namen unter den Wisch. Er weiß nicht, daß er in diesem Augenblick zum Verräter wurde, eine Stimme mehr schafft für die Franzosen, die schon jetzt die zukünftigen Bürger der Republik sorgfältig notieren.
Wie das aber schon mit Verrätern ist: der größte Teil des übergebenen Geldes verschwindet in weiten Taschen. Der Rest der Summe reicht nicht für eine großzügige Propaganda. Die Bevölkerung ist nicht sehr freiheitsdurstig und verhält sich teilnahmslos...
Landesverräter Nummer 2!
Den Bemühungen der Agenten ist es indes gelungen, einen neuen Verräter zu finden, einen gewissen Herrn Smeets, von Berus Arbeiter, während des Krieges Krankenträger. Er ist mit einer Lothringerin verheiratet, die aber Französin geworden ist. Ihrem Familienanhang ist es gelungen, den ehemaligen „Soldatenratsgenossen" in Verbindung mit den in Frage kommenden französischen Kreisen zu bringen. Seine Aufgabe ist, sür eine „Rheinische Republikanische Unabhängigkcitspartet" Reklame zu trommeln. Smeets aber ist nichts als eine unbegabte Verbrechernatur, der schließlich von deutschen Reichsbehörden wegen verschiedener Vergehen verhaftet wird. Die Franzosen verlangen Auslieferung, aber selbst den Amerikanern wird das Spiel etwas zu bunt. Hören wir darüber das Urteil des Oberkom- mandierenöen der amerikanischen Besatzungstruppen, Henry T. Allan:
Tagebucknotizen.
6. Dezember 1921: „Tirard teilte mir mit, daß eine Sitzung im Hause Rolins, der unpäßlich ist, stattfinden würde, „um eine politische Angelegenheit zu besprechen, für die Juristen nicht erforderlich sind." Natürlich meinte er den Fall Smeets, über den zwei Vollsitzungen und eine Ausschußsitzung stattgefunden haben... Smeets ist ein windiger Journalist, der für die Nheinrcpublik in seiner Zeitschrift „Die Rheinische Republik" eintritt. Er ist von deutschen Behörden auf deutschem Boden verhaftet und verurteilt worden, und
zwar wegen Vergehen gegen deutsche Staatsangehörige in mehreren Fällen, die einwandfrei erwiesen sind. Jedes Vorgehen Tirards in dieser Sache steht sonach im Widerspruch zu dem Geist unserer Anordnungen und zu den Rechten, die Deutschland durch Artikel V des Rheinlandabkommens zugebilligt sind..."
8. Dezember: „Wir hatten heute eine zwei- undcinhalbstündige Sitzung der Oberkommission über den Fall Smeets... Ich legte meine Ansichten schriftlich als Einspruch gegen das Schriftstück Rolin-Tirard nieder und verlangte ausdrücklich, daß er zu den Akten genommen würde. Ich verabscheue diese Politik, die unsere Anordnungen, den Rechtsstanbpunkt und unser Gefühl für Treu und Glauben den politischen Forderungen zum Opfer bringt,- ... Die Kommission erklärt, daß sie Smeets nur aus dem
Gefängnis befreit hat und kein Urteil über seine Schuld ausspricht, die erst festzustellen wäre...
Inzwischen aber geht das öffentliche Leben seinen „ruhigen Gang". Mißliebige Beamte werden ausgewiesen. Allmorgendlich gellen die Hellen Töne der Clairons durch die Straßen. Deutsche Polizeibeamte müssen die Trikolore grüßen. Passanten haben die Gehsteige zu verlassen, wenn ein französischer oder belgischer Offizier entgegenkommt. Die Reichsbahn int besetzten Gebiet befördert französische Soldaten. Die Industrie geht allmählich zugrunde. Hungernde Kumpels revoltieren, und eine ferne Regierung in Berlin hat andere Sorgen. Das öffentliche Leben vollizeht sich in „Ruhe und Ordnung!". (Fortsetzung folgt.)
Spielvereinigung 1900 Gießen.
1900 unterliegt Ockershausen auf eigenem Platz 1:5 (1:2).
1900 lieferte zu Hause wieder einmal eine große Ucberraschung. Die Begegnung der Ligamannschaft gegen Marburg-Ockershausen erinnerte lebhaft an das vorjährige erste Meisterschaftsspiel 1900 — Frohnhausen, das 1900 den Meistertitel kostete. Wohl traten die Blau- weißen mit mehreren Ersatzleuten an, jedoch auch der Gegner hatte zwei Ersatzmänner in seinen Reihen.
Die Gießener fanden sich schneller und bestürmten ungestüm das Gästctor. Ungenaues Zusammenwirken, überraschend schwache Schußleistungen und eine große Dosis Pech verhinderten aber jeden Erfolg. Allmählich fanden sich die Gäste, sie waren recht eifrig und schnell, so daß eine Ueberrumpelung der Gießener Abwehr die Folge war. Hofmann glich aber in einer unübersichtlichen Lage bald aus. Einer der wenigen Ockershäuser Eckbälle wurde zum 2:1 für die Gäste verwandelt. Die Hiesigen forcierten das Tempo, hatten auch zahllose Chancen. Das Glück war aber auf Seiten der Gäste. Mit 2:1 wechselte man die Seiten. Die Einheimischen hatten nach dem Wechsel starken Rückenwind zum Bundesgenossen und setzten sich im Gästestrafraum fest. Die Marburger Vorstädter zogen fast die ganze Elf in die Abwehr. Daß unter diesen Umständen die Gießener nur sehr schwer ankommen konnten, versteht sich von selbst. Das gleichzeitige Aufrücken der Gießener Verteidiger sollte der Mannschaft zum Verhängnis werden. Als Lippert bei einer verunglückten Abwehr zu Fall kam, war der Gäste-Rechtsaußcn auf und davon. 3:1. Die Hiesigen stellten um, die Leistungen wurden noch schlechter. Der rechte Flügelstürmer der Gäste wiederholte seinen Allein
gang und erhöhte auf 4:1. Ein weiterer Durchbruch brachte durch den Mittelstürmer einen fünften Treffer. Inzwischen waren auch 1900'8 Stürmer unermüdlich tätig, scheiterten aber am Ockcrshäuser Zerstörungsspiel. Als die Blau-weißen auf neun Spieler zusammengeschmolzen waren, schwanden alle Aussichten auf Verbesserung des Resultats. Tas Spiel wurde jederzeit fair geführt. Der Spielleiter Miller- Wetzlar hatte ein leichtes Amt.
Münchhausen I — 1900 II 0:0.
Dieses schöne und faire Gesellschaftsspiel in Münchhausen (Kreis Marburg) endete unentschieden. Es wurde nur in einer verkürzten Spielzeit ausgetragen. Die Gießener hatten stets etwas mehr vom Spiel. Der Halbrechte vergab eine totsichere Chance zum Sieg.
Diesem Spiel voraus ging ein Pokalspiel der Klasse A:
1900 II — Sarnau I, das die Gießener überraschend hoch mit 6:1 (Halbzeit 1:0) verloren. Im letzten Moment mußte noch der gute Rechtsaußen ersetzt werden, zudem hatte man im Tor einen erkrankten Hüter. Die Blauweißen erzielten zwar nach dem Seitenwechsel durch Verwandeln eines Foulelfmeters den Ausgleich, der undisponierte Hüter ließ aber manchen haltbaren Ball passieren. Der Sieg der sehr guten Sarnauer, die Meister der II. Bezirksklasse im ehemaligen Gau Marburg sind, war verdient.
1900 III — Daubringeu I 2:2 (2:1).
Ein Spiel mit außerordentlich schwachen Leistungen beiderseits. Die Mannschaften waren sich gleichwertig. Das unentschiedene Ergebnis wird beiden Teilen gerecht. Hier und da wurden die Grenzen des Erlaubten überschritten.
Wirtschast.
Sranffurf uneinheitlich.
Frankfurt a. M., 30. Aug. (WTB. Drahtmeldung.) Die Auslassungen Dr. S ch a ch t' s anläßlich eines Interviews, wobei er u. a. erneut die Stabilität der Reichsmark betonte, verliehen der heutigen Mittagsbörse einige Anregung, wenn auch infolge der wieder recht klein gewordenen Publikumsbeteiligung das Geschäft stärker zusammengeschrumpft ist. Die Kulisse verhielt sich weiter reserviert, wohl auch in Anbetracht des Ultimos, da bekanntlich erst danach wieder neue Kauflimite des Publikums an die Börse gelangen. Die Stimmung war trotz der Schwäche einiger Spezialpapiere als nicht unfreundlich zu bezeichnen, doch war die Kursgestaltung gegenüber der etwas leichteren Abendbörse uneinheitlich. Im allgemeinen hielten sich die Veränderungen innerhalb eines Prozentes. Darüber hinaus lagen auf Berliner Abgaben Contigummi 3,25 o. S). und Elektrische Lieferungen 3 v. H. schwächer. Am Montanmarkt ließen Buderus 1,75 v. 5)., Klöcknerwerke 1,5, Rheinstahl 1,25 v. H. und die übrigen Werte bis zu 0,90 v. H. nach, außer Stahlverein, die 0,5 v. H. gewannen. Elektrowerte eröffneten ebenfalls überwiegend etwas leichter, nur AEG. waren um Bruchteile eines Prozentes freundlicher. IG. waren im Tausch gegen andere Werte erneut 0,5 v. H. schwächer, dagegen Scheideanstalt 0,25 v. f). höher. Bon sonstigen Spezialaktien setzten Tietz 0,90 v. S). fester, anderseits Süddeutsche Zucker 1 v. H., Bemberg 0,75 v. H., Daimler 0,65
d. H. niedriger ein, während Schiffahrtspapiere, AG. für Verkehrswesen und Zellstoff Waldhof gut behauptet waren.
Am Renten markt lagen Alt- und Neubesitz etwas ruhiger und bis zu 0,13 v.H. niedriger, erstere später jedoch wieder leicht erholt. Späte Reichsschuldbuchforderungen blieben zu 79,75 v. H. unverändert. Fest und lebhaft lagen Amnestie-Anleihe, die um 0,75 v. H. auf 100,25 v. H. anzogen. Stahlvereinbonds gaben 0,75 v. H. nach, Reichsbahnvorzugsakticn waren gehalten. Am Pfandbriefmarkt blieben Goldpfandbriefe ziemlich unverändert, Liquidationspfandbriefe waren hingegen noch gefragt und meist etwas fester. Stadtanleihen waren zum Teil schwach, besonders Mainzer, die zirka 1 v.H. einbüßten. Staatsanleihen lagen im ganzen wenig verändert. Von fremden Werten notierten Mexikanische- Anleihen etwas höher, dagegen Bosnier Eisenbahn nach längerer Pause zirka 1 bis 2 v. H. niedriger. An den Aktienmärkten war der Verlauf uninteressant. Die Kurse waren gegen den Anfang ziemlich unverändert, vereinzelt nochmals etwas leichter, jedoch Aku 1,25 v. H. fester. Lebhaft ging es dagegen am Markte der Altbesitz und späte Reichsschuldbuchforderungen zu, die je 0,50 v. H. anzogen. Neubesitz blieb vernachlässigt. Amnestieanleihe lag unverändert. Tagesgeld war etwas gefragt und wurde auf 3,25 v. H. erhöht.
Nachruf!
Durch einen unerwarteten Unglücksfall wurde am 27. August 1933 unser lieber Kollege
Dr.meil. Beori SchmMe
aus unseren Reihen gerissen.
Wir bedauern auts tiefste den Verlust unseres lieben, stets hilfsbereiten Kameraden, unseres pflichtbewußten und befähigten Mitarbeiters.
Die Aerzte der chirurgischen Universitäts - Klinik Giefeen.
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