Es wird nur
sein, wenn die den ernsten zu verhandeln, erfüllen und im
in Göttingen, war dann landwirtschaftlicher 2e- amter, von 1924 bis 1927 Assistent an der technischen Hochschule Hannover, dann Domänenpächter.
Staaten, auf die es ankommt, Willen haben, hier wirklich
Mit vierzehn Jahren hatte Toni van E y k als Kätchen von Heilbronn am Berliner Deutschen Theater ihren sensationellen Erfolg.
Sarah B e r n a r d spielte mit sechzig Jahren den jungen Dänenprinzen Hamlet.
Laube fand am Burgtheater bei seinem Di- rektionsantritt „überalterte" Schauspieler vor: so war zum Beispiel der jüngste der Karlsschüler acht- undvierzig Jahre alt. *
Das kostbarste Kleid trug auf der Bühne wohl Katharina Schratt in einer Aufführung von „Maria Theresia" am Dolkstheater in Wien: es
entstammte dem Hausschatz der Habsburger, zu denen sie besondere Beziehungen hatte.
Der Schauspieler Paul Hartmann legte in „Juarez und Maximilian" am Wiener Burgtheater ein Originalkleid des Kaisers Maximilian an. Ein krasses Gegenstück zu „Hamlet" im Frack, „Fliegender Holländer" im Sweater und „Der Widerspenstigen Zähmung" in Motorraddretzl
Wie im altchinesischen und altjapanischen Theater, so mußten notgedrungen im Fronttheater des Weltkriegs die weiblichen Personen von Männern gespielt werden.
Dagegen hatte Paris schon 1664 ein Theater, in dem alle Rollen ausschließlich von Frauen gegeben wurden. Am Wiener Carltheater sah man in Nestroys „Lumpazivagabundus" die Gall- m e y e r als den Schuster Knieriem, und auch beide anderen Handwerker, den Tischler Leim, den Schneider Zwirn, hatte man mit weiblichen Komikern besetzt.
Die Clara Ziegler stellte den Romeo, Sarah Bemard Napoleons Sohn auf der Bühne dar: in der Oper aber müssen wegen der Stimmlage Fidelio, Glucks Orpheus und der Rosenkaoalier von Frauen gesungen werden. Dagegen bleibt natürlich „Charleys Tante" eine Männerrolle.
Goethe verhängte über Demoiselle Maß wegen unerlaubten Auftretens auf einer fremden Bühne einen Zimmerarrest von achi Tagen unter militärischer Bewachung.
Am Mannheimer Theater wurde Anna Elisabeth T o s k a n i, die erste Amalia in Schillers „Räu- bern", „wegen Widersetzlichkeit" zu einer Wochengage Strafe verurteilt, die der Staatsminister sogar bestätigte. Durch diese Strafkasse, die jeden „Eon- traventionsfall" mit mindestens zwölf Groschen ahndete, wurden dann arme Kollegen unterstützt.
Staaten sprechen, die seit 14 Iahren auf die Einlösung der Verpflich. lung zur allgemeinen Abrüstung, auf die wiederher st ellnng ihrer na- tionalenSicherheltwarten. Nicht nur oon ihrer Seite, sondern allenthalben wird man, davon bin ich überzeugt, gegen die Konferenz den Vorwurf erheben, daß eine derartige Vertagung der Anfang für einen Ver- zicht auf die Durchführung ihrer Aufgaben ist. mit anderen Worten: ein Begräbnis erster Klasse der Konferenz bedeutet. Ich mache nachdrücklich auf die e r n st e n F o l g e n aufmerksam, die zu befürchten sind, wenn das Mißtrauen gegenüber dem Willen der Konferenz durch Zusammenarbeit und Verständnis zu einem Ergebnis zu gelangen, weiter um sich greift.
ihre Abrüstungsverpflichtung zu
Interesse des Zustandekommens einer Konvention Entgegenkommen zu beweisen, so wie dies Deutschland bereits getan hat. Die Regierungen, die den Vorschlag des Bureaus gutheihen, übernehmen damit eine schwere Verantwortung. Deutschland hat jedenfalls alles nur Mögliche getan, um die Konferenz zu ihrem Ziel zu bringen. Aus allen vorgebrachten Gründen muß ich mich demnach gegen den Vorschlag des Bureaus auf Vertagung der Konferenz aussprechen."
Die Konferenz ist jetzt in einem Stadium, in dem es nicht mehr möglich ist. mit ausweichender Taktik und Hinhalten weiter zu kommen. Ihr Ende kann nicht mehr lange hinausgeschoben werden. dann ein gutes Ende
Die verschiedensten Methoden zum Memorieren haben sich die Schauspieler zurechtgelegt: vor dem Schlafengehen, am frühen Morgen, während des Spazierens im Freien lernen sie auswendig: andere, wie der verstorbene Albert Steinrück, wie Leopold von Ledebour, schreiben den Text ab, einmal, zweimal, dreimal, so oft, bis er im Gedächtnis sitzt-
Dagegen ist ein außerordentliches Gedächtnis- Phänomen der Münchener Schauspieler Basil, der eine darzustellende Partie nur einmal durchzu- lesen braucht, um sie dann fast ganz herzusagen. Von Mittag bis zum Abend hat er oft große Rollen in dringenden Fällen übernehmen können.
Die Abrüstungs-Konferenz vertagt sich bis zum 16. Oktober.
Segen den entschiedenen Widerspruch Deutschlands.
Oie „Göttliche Komödie" auf einem Stock.
Kein anderer Rationaldichter ist wohl im breiten Volke so bekannt wie Dante unter den Italienern. Die einzigartige Bedeutung, die dieser Schöpfer der italienischen Sprache und Dichtung in der Kultur des Landes besitzt, kommt auch darin zum Ausdruck, daß viele einfache Leute ganze Gesänge der „Gött- lichen Komödie" aufsagen können. Ein rührender Beweis für diese Dante-Liebe ist die Arbeit eines einfachen Bauern aus der Provinz Reggio Emilia. Giacomo Ferrari, der ein originelles Verfahren gefunden hat, um seine Liebe für den großen Dichter zu offenbaren. Seit seinem 25. Lebensjahr ist er ein Krüppel, und die langen Stunden erzwungener Muhe hat er darauf verwendet, um auf einem zwei Meter langen Stock die Hauptfzenen des unsterb- lichen Gedichtes einzuschneiden. Jedem, der sein Werk sehen will, führt er diese Kunstleistung mit den nötigen Erklärungen vor. Indem er langsam den Stock dreht, läßt er an den Augen des Beschauers 51 Szenen vorüberziehen, die die bekanntesten Vorgänge des Werkes darstellen. Es haben auf dem Stock mehr als 150 Gestalten Platz gefunden. Er deklamiert bei jeder Szene die entsprechenden Verse, und seine eigenartige „Dante-Schau" findet soviel Beifall, daß die Spenden der Besucher ihm einen Lebensunterhalt gewähren.
Das Stück mit den meisten Sprechrollen bleibt wohl Goethes „Faust 11".
In Bronnens abendfüllendem Schauspiel „Ostpolzug" ist nur eine männliche Rolle zu besetzen, die das ganze Stück trägt.
In dem Einakter „Die geliebte Stimme" von Cocteau spielt nur eine Frau.
Das erinnert an den berühmten Verwandlungs- kunstler F r e g o l i, der in einer Komödie alle Rollen darstellte.
Den kürzesten Dramentitel trägt wohl Schön- Herrs Schauspiel „Es".
Das Wiener Kärtnertortheater spielte Ende des achtzehnten Jahrhunderts eine Komödie von Raute n st r a u ch , die sich „Kirikarikanarimanaschari- roari" nannte, sowie eine Pantomine des Münchener Ballettmeisters Constant, die den Titel trug: „Girigaricanarimanarischariwari", was wohl für den Besucher schwer zu merken war.
Schon G r y p h i u s hat ein Stück, das von einem Großsprecher handelt, „Horribiliscribifax" benannt. Recht komisch heißt auch eine Komödie von Adolf Bäuerle, 1825 aufgeführt, „Gisperl und Fisperl". Giradi tritt das erste Mal in einem Stück von Nestroy auf, das den Titel „Tritsch-Tratsch" führt.
Zeitschriften.
Von der bekannten Zeitschrift „Der Ratur- forscher". die wir bereits mehrfach an dieser Stelle in Einzelheften besprochen haben, liegen uns zwei vollständige Jahrgänge gebunden vor: Der Raturforscher. Vereint mit Ratur und Technik. Jahrgang VIII, 1931/1932. Herausgegeben bis Juli 1931 von Prof. Dr. W. Schoenichen, dann von Dr. Oskar P r o ch n o w. 448 Seiten. Jahrgang IX, 1932/1933. Herausgeaeben von Dr. Oskar P r o ch n o w. 480 Seiten. Hugo Der- rnühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. (136/137.) Die beiden stattlichen, gediegen und geschmackvoll gebundenen, drucktechnisch hervorragend ausgestatteten Bände stellen eine wahre Fundgrube für den Raturfreund dar, für den wissenschaftlich gebildeten und forschenden, wie für den interessierten Laien. Die Fülle des allgemeinverständlich und überaus abwechslungsreich dargebotenen Stoffes ist erstaunlich. Von besonderem Wert ist das reiche Abbildungsmaterial, auf dessen Auswahl und reproduktionstechnische Anordnung ganz besonders Gewicht gelegt wurde.
So bilden die beiden Bände geradezu den Grundstock einer naturwissenschaftlich-technischen Bibliothek: ihre Anschaffung kann dringend empfohlen werden. Wesentlich ist ferner, daß der Stoff bei aller für den durchschnittlich gebildeten Laien zugeschnittenen Darbietung stets unbedingt wissenschaftlich fundiert und in seinen Ergebnissen zuverlässig ist. Es ist natürlich angesichts der hier gesammelt vorliegenden Ausbeute zweier vollständiger Jahrgänge unmöglich, auch nur annäherungsweise einen Lleberblick über die inhaltliche Reichhaltigkeit der beiden Bände zu geben; nur einige wenige, besonders interessante Stichworte aus dem Register seien angezogen und mögen diesen Hinweis beschließen: Abstammungslehre; Arktisfahrt: Bisamrattenzucht: Darmverstimmungen: Eiszeitmensch; Fledermaus; Goethe als Raturforscher; Haushund; Luftbild; Robelpreisträger; Obstverwertung; Rundfunk; Tierschutz: Ursprung des Menschen; Weinbau; Zuckerkrankheit; Atlantis-Problem; Elefantenzucht; Getreidebau, vorgeschichtlich; Honig; Krebserkennung; Musik, elektrische; Pflanzenschutz; Rassenbildung; Sterndeutung; Tomate: Uhu: Wetteransagen: Zeitgedächtnis der Dienen. Aus dieser flüchtigen, stichwortmäßigen Registerauswahl mag man schon ermessen, was die hier gesammelt vorliegende Zeitschrift dem Leser zu bieten vermag. — ......
— Das neue Heft des „2 n s e l s ch i f f e s (Sommer 1933) wird eingeleitet mit einer Auswahl aus dem kürzlich erschienenen Bande „Briefe aus den Jahren IGO? bis 1914“ von Rilke; wir werden in anderem Zusammenhang noch auf das Buch zurückkommen. Gerade heute von vielfältigem Interesse ist Friedrich v. Cochenhausens Aufsatz über Schlieffen (Vorwort zu einem neuen Jnselbändchen: „Gneisenau" von Schlieffen). Ueber den deutschen Mystiker Eckhart schreibt Friedrich Schulze-Maizier. Zur Wiedergabe der ersten Auflage von Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ bringt das „Jnselschiff" einen Rückb'.ck auf die Entstehungsgeschichte des berühmt gewordenen Bilderbuches. „Marie und ihre Liebhaber" heißt ein Abschnitt aus dem Roman „Brabanter Volk" des holländischen Dichters An- toon Coolen, den der Insel-Verlag in Deutschland einführt. Ferner findet man etliche Abschnitte aus einem bedeutenden Denkmal früher deutscher Prosa, dem „Ackermann aus Böhmen" des Johannes von Saaz, ein schönes Gedicht. „Das Ohrenspiel Abdallahs", von Liliencron nnb einiges aus den Gesprächen Friedrichs des Großen mit seinem Vorleser und Sekretär Henri de Catt. Das mit gewohnter Sorgfalt ausgestattete Heft wurde von Karl Weißer redigiert.
Französische Verdächtigungen
Scharfe Zurückweisung durch Nadolny.
Die Vertreter der Vereinigten Staaten, Englands und Frankreichs erteilten dem Vertagungsvorschlag in kurzen Begründungen ihre Z u ft t m m u n g. Während die Vertreter ter Vereinigten Staaten und Großbritanniens sich darauf beschränkten, sachlich die Gründe darzulegen, die für ihre Haltung bestimmend waren, konnte es sich der Vertreter Frankreichs M a s s i g I i nicht versagen, in seinen Ausführungen teils offene, teils versteckte Angriffe gegen Deutschland zu richten. Die wahren Schwierigkeiten der Konferenz beständen nach französischer Auffassung in dem gegenwärtig bestehenden Widerspruch zwischen Worten und Taten. Die öffentliche Meinung verlange Garantien, daß die bestehenden internationalen Verpflichtungen voll und ehrlich eingehalten würden. Die französische Regierung könne nicht zu- lassen, daß das Scheitern der Abrüstungskonferenz Dorroeggenommen werde. Es bestünde in der öffentlichen Weltmeinung der Eindruck, daß gegenwärtig keinerlei Garantie für die Einhaltung des künftigen Abrüstungsabkommens bestände. Die Verantwortung für ein Scheitern der Konferenz werde nicht bei den Regierungen liegen, die für die Vertagung eingetreten feien, sondern bei jenen, die gegen den Geist der Abrüstung handelten. Nur, wenn in den nächsten drei Monaten oon den Regierungen Zeichen ernsten Willens zur Aufrechterhaltung des Friedens erbracht würden, konnte an einen positiven Ausgang der Konferenz gedacht werden.
Votfchafter Nadolny entgegnete auf diese Verdächtigungen, wenn jetzt schon an der Einhaltung des künftigen Abrüstungsabkommens von Frankreich gezweifelt werde, so hätten weitere Verhandlungen keinen
Das Schicksal des Zentrums.
Vor dem Entschluß zur Selbstauslösung.
Berlin, 29. Juni. (TU.) Im Laufe des Donnerstag haben zwischen führenden Persönlichkeiten der Zentrumspartei Beratungen über das weitere Schicksal des Zentrums statt- gefunden. Vorausgegangen find diesen internen Beratungen in den letzten Tagen unverbindliche Besprechungen zwischen einer Reche von Zentrumsführern und maßgeblichen Persönlichkeiten der Reichsregierung und der NSDAP., die sich auf die gleiche Frage bezogen. Nach der Entwicklung der letzten Tage, besonders nach der Auflösung der Deutschnationalen Front, ging die Auffassung in der Zentrumsführerbesprechung dahin, daß die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes schwerlich länger z u verantworten sei, um so weniger, als die Selbstauslösung der Stadtoerordnetenfraktion des Berliner Zentrums und ähnliche Vorgänge im Reich bereits in die neue Richtung weisen. Beschlüsse find am Donnerstag noch nicht gefaßt worden. In Zentrumskreisen glaubt man jedoch auf Grund der bisherigen Fühlungnahme mit den maßgebenden Stellen der NSDAP, zu einer ähnlichen Vereinbarung gelangen zu können, wie sie die Deutschnationale Front erzielt hat. Praktisch würde das also die S e I b ft a u f I ö J u n g der Zentrumspartei und das Hospitieren der Zentrumsabgeordneten im Reichstag, in den Landtagen und den Gemeindeparlamenten bei der NSDAP, bedeuten.
Man kann annehmen, daß nach der Rückkehr des Reichskanzlers aus Reu- d e ck sofort eine Fühlungnahme aufgenommen werden wird. Ein Empfang des Zentrumsführers Reichskanzler a. D. Dr. Brüning bei Reichskanzler Adolf Hitler, von dem man vielfach gesprochen Hatz . dürfte zwar noch nicht erfolgt sein, doch glaubt man, daß um einen solchen Empfang von Seiten des Zentrums n a ch g e sucht Worten ist. Die Verhandlungen über ein Reichs- k o n k o r d a t dürften es der Zentrumspartei noch leichter machen, sich selbst aufzulösen. Wie verlautet, weilt als Vertrauensmann ter Zentrumspartei ter Erzbischof von Freiburg Gröber in Rom, um dort auch Fragen, die mit der Zentrumspartei zusammenhängen, zu besprechen.
Genf, 29. Juni. (TU.) Der Hauptausschuh der Abrüstungskonferenz Domrerstagvo mittag zusammen, um den Vorschlag oer Vertagung der Konferenz b i S 8 u m 16 Oktober entgegenzunehmen.
s.n °n begründ Den 2°-lchl°g nut dem K cb e i t e r n der Londoner chung. Die Lage ter Konferenz sei £rrut tee gleiche wie bei der ersten Vertagung der Kon ferem anfangs Juni. Die Gegensätze m den großen grundsätzlichen Fragen bestanden ui^ verändert fort. Henderson verlas Wbet eine 13 Punkte umfassende Liste der Haupt ftreitfragen, die vor allem Kontrollfragen, Sa tionen, die militärische Luftfahrt L,anks schw e Artillerie, Kolomaltruppen, den europay^en Sicherheitspakt und anderes aufwerst. Henderson ließ jedoch die vorgeschlagene Einberufung des Hauptausschusses zum l 6- Oktober offen und er klärte, daß der Hauptausschuh erst dann wieder zusammentreten könne, wenn: in,den j eÖ t ein etzenden privaten Dfsprechun- a e n praktische Ergebnisse erzielt worden seien. Er beabsichtige, bereits rn der nächsten Woche in direkte ^erhandlun gen mit den Regierungschefs der Mächte einzutreten.
Botschafter Nadolny
erklärte, er halte es für seine Pflicht, den deutschen Standpunkt in aller Offenheit darzulegen und gegen den Ve r t a g u n g s v o r s ch l a g Stellung zu nehmen. Der Fehlschlag, in London Besprechungen herbeizuführen, habe nicht an der deutschen Regierung gelegen, bie j e per deit zu Besprechungen zur Verfügung gestanden hätte. Run solle die Konferenz vertagt werden, bis die zweite Lesung genügend vorbereitet sei. Jetzt solle der Präsident von Regierung zu Regierung reifen und mit den einzelnen Kabinetten verhandeln. Er z w e i f l e daran^ daß dieseArt derVerhandlungen in kurzer Zeit einen Erfolg bieten können. Rachdem die Besprechungen in London nicht zustande glommen seien, habe die Konferenz jetzt nicht nur das Recht, sondern die Pflichtz die Vorbereitung für öte zweite Lesung durch ihre Organe w i e d e r s e l b st in die Hand zu nehmen. Das Büro könne, wenn es sich mit gutem Eifer und Willen seiner Aufgabe widmen würde, eine sehr nützliche Arbeit leisten. Cs gäbe in dem britischen Entwurf eine ganze Reihe von noch v f fe - nen Fragen mehr technischer oder luristtscher Ratur, die einer politischen Entscheidung nicht bedürften. Aber auch die noch offenen Fragen mehr politischen Charakters könnten während ter Vorbereitung der zweiten Lesung eher hier durch Besprechungen von Delegation zu Delegation gefordert werden, als durch Reisen von Kabinett zu Kabinett. Er bedauere es somit außerordentlich, daß das Büro beschlossen habe, dem Hauptausschuh die sofortige Vertagung bis 16 Oktober vorzuschlagen. Wenn die Generalkommission diesen Beschluß billige, so bleibe ein wesentlicher Teil der Konferenz, die nun schon zwölf Monate getagt habe, über drei Monate liegen.
„Es wird den Völkern" — so sagte Nadolny—, „die die Ergebnisse der Abrüstungskonferenz mit Ungeduld erwarten, nun nicht klar gemacht werden können, weshalb es einer solchen Vertagung bedarf, damit die Regierungen sich über die Hauptfragen der Abrüstung, die seit 14 Jahren im Artikel 18 der Völkerbunds- sahung vorgesehen ist, die von vornherein die Aufgabe dieser Konferenz war und die hier seit eineinhalb Jahren behandelt wird, endlich schlüssig werden. Ich will gar nicht von den abgerüsteten
Theater.
Von Professor Emil pirchan.
„Wer meines Stabes Spitze fürchtet, streiche im /Rin^e' nichts", schrieb Richard Strauß zu einem iiber|anbten Taktstock, der im Berliner Theatermuseum zu sehen ist.
In der Ende Dezember 1932 eröffneten riesigen Neuyorker „Music Hall" spielte man alle Akte „Carmen" — zusammengestrichen auf fünfundoier- zig Minuten.
„Was gestrichen ist, kann nicht durchfallen", ist die Parole vieler Regisseure.
Oie Nolle der Bayrischen Volkspartei. Enthüllungen des Kultusministers Schemm
Eggenfelden, 30. Juni. (CNB. Funkspruch.) Im Rahmen einer großen Eltern- und Lehrerkundgebung sprach am Donnerstagabend Kultusminister Sche mm über das Thema „Die Religion im neuen Staat". Der Minister führte etwa aus, ter Nationalsozialismus sei unzertrennbar mit dem Christentum und der Religion verbunden. Ihn davon loslösen zu wollen, hieße ihn zerstören. Die Kreise, die das große Geschehen der Gegenwart nicht begreifen wollten, seien i n ihrem Grundwesen Feinde des Vaterlandes und des Christentums. Dazu gehörten auch diejenigen, die hinter Schloß und Riegel säßen, weil ihnen urkundlich habe Landesverrat nachgewiesen werden können. Auf Grund unserer Beobachtungen und Haussuchungen — erklärte der Minister — ist ihnen die Werbin- düng mit den Feinden des Nationalsozialismus in Oesterreich nachgewie- f e n, aber auch bie Verbindung mit Frankreich und der Tschechoslowakei. Das wesentlichste ist aber ein umfangreiches Dokument, das einen ganz klaren Kriegsplan gegen den Nationalsozialismus enthält.
Sinn. Im -.amen der Reichsrcgierung er- klärte er, daß das künftige Abrüstungsabkommen, wenn es einmal von allen Möchten unterzeichnet und ratifiziert worden sei, von der deutschen Nation treu und loyal eingehalten werden würde.
Der Vertreter Ungarns schloß sich den grundsätzlichen Ausführungen des deutschen Vertreters rückhaltlos an. Auch ter Vertreter Italiens, Marchese di Soragna, erklärte aus« drücklich, daß Italien sich mit der Vertagung lediglich unter der Bedingung ab- finden könne, daß gemäß den Feststellungen, di« Botschafter Radolny getroffen habe, die Machte sich nunmehr feierlich verpflichten, sich auf die in Aussicht genommenen Verhandlungen einzulassen und diese in einem Geiste zu führen, der einen positiven Erfolg der Konferenz ermögliche.
Der Präsident der Abrüstungskonferenz stellte sodann fest, daß der Vertagungsvorschlag des Präsidiums einstimmig gegen die Stimme von Deutschland bei ungarischer Stimmenthaltung angenommen worden sei. Die Sitzung endete mit einer Dankeskundgebung des Hauptausschusses für den zum l.Juli ausscheidenden Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drum- mond. Die von über 70 deutschen Städten, Gemeinden und Verbänden bei der Abrüstungskonferenz eingegangenen und vom Präsidenten übermittelten Protest telegram m e gegen den Abwurf von Hehmaterial durch fremde Flugzeuge wurden vom Präsidenten Henderson im Hauptausschuß mit keinem Wort erwähnt.
Oie Adolf-Hitler-Spende auch für das Handwerk Ehrenpflicht.
Berlin, 29. Juni. (VDZ.) Der Reichskommissar für den Mittelstand, Dr. W i e n b e cf, hat in einem Rundschreiben bie Regierungen ter Länder gebeten, ber Durchführung ter Sammlungen für bie Hiller- Spente b u r d) bie Innungen von den Innungs-Aufsichtsbehörden keine Schwierigkeiten bereiten zu lassen. In dem Rundschreiben heißt es u.-a.: Die Beteiligung des selbständigen Handwerks an ber Abolf-Hitler-Spenbe ist eine Ehren- pflicht, der sich k e i n H a n d w e r k e r , der dazu in ber Lage ist, entziehen sollte. Bedenken gegen die vorgesehene Einschaltung ber Innungen bei der Aufbringung der Spende, die etwa aus den Vorschriften der Gewerbeordnung hergeleitet werben konnten, müffen m. (5.,gegenüber bem hohen Ziel zurücktreten.
Kunst und Wissenschaft.
Die Goethemedaille für Geheimrat Jrobenius.
Der 60. Geburtstag von Geheimrat Leo F r o * benius brachte dem bekannten Afrikaforscher • und Kulturphilosophen eine Fülle von Ehrungen aus aller Welt. In Frankfurt fand eine von den Freunden des Afrika-Instituts und der Frankfurter Universität veranstaltete Feier statt, bei der dem Jubilar eine „Huldigung Afrikas" dargebracht wurde in Gestalt eines Gratulationszuges echt afrikanischer Masken, denen sich der afrikanische Tierbestand des Zoologischen Gartens anschloß. Bei der akademischen Feier überreichte der LIniversitätskurator Amtsgerichtsrat Wisse r dem Jubilar im Ramen des Reichspräsidenten und des Reichsinnenministers mit einem Handschreiben v. Hindenburgs dieGoethe- Medaille. Zugleich sprach er namens des preußischen Kultusministers und des Frankfurter Llniversitätsrektors Frobenius den Dank für seine Verdienste um die Wissenschaft aus. Darauf kennzeichnete Prof. Walter F. Otto in einem längeren Vortrag die wissenschaftliche Bedeutung von Frobenius. Glückwunschtelegramme waren u. a. von dem Reichsarbeitsminister S e l d t e, aus dem Auswärtigen Amt, aus dem Preußischen Kultusministerium, dem Innenministerium eingegangen. __________________
Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: I. V.: H. L. N e u n e r.


