Ausgabe 
30.3.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Aw'

dem Grundsatz ^ ^ektivv ertrag es fo^ wie zur U n avPRi* 9 i Q t e i t gegenüber allen politisa, n Parteien und brachte den festen Willen zum Ausdruck, auch sür die Zu­kunft die sozialen und wirtschafllichen Interessen der Angestellten mit unverminderter Kraft wahrzuneh-* men. Der bisherige Bundesvorsitzende Reichstags­abgeordneter A u f h ä u s e r ist angesichts der poli­tischen Lage auf eigenen Wunsch von seinem Amte zurückgetreten. Der Vorstand beschloß ferner, eine organisatorische Neuord­

nung mit dem Ziele anzustreben, daß das Schwergewicht in die einzelnen Be­rufsverbände verlegt werden soll. Zu diesem Zwecke ist ein Organisationsausschuß aus drei Vorstandsmitgliedern gebildet worden. Bis zu der von der Reichsregierung geplanten Neurege­lung des Gewerkschaftswesens wird der stellver­tretende Bundesvorsitzende Wilhelm t ä h r die Ge­schäfte des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes führen.

Aus den Spuren kommunistischer Zersehungsarbeii.

Eine große Gprengstoff- orgamsation aufgedeckt.

Recklinghausen, 29. März. (WTB.) Der politischen Polizei in Recklinghausen ist es gelun­gen, eine umfangreiche Spreng st offorgani- sation der KPD. festzustellen. Diese Or­ganisation trug den RamenApparat". Stütz­punkte waren u. a. in Bottrop, Mülheim, Ober­hausen. Die Mitglieder der Sprengstofforganisa­tion wurden in längeren Kursen von führenden Kommunisten unterrichtet und haben hierbei ge­naue Anweisungen für die Spren­gung von Brücken, Gebäuden und Straßen erhalten. Als Beteiligte sind bis­her in Bottrop 25 und in Oberhausen 5 führende Kommunisten fe st genommen worden, die ge­ständig sind.

Im Bahndamm Bottrop-Recklinghau- s e n wurde vergraben eine Milchkanne mit 40 als Handgranaten geladene Staufferfett-Büchsen, große Mengen Detonit und Ammon-Salpeter, 6 Eierhand­granaten, ein großer Sack mit 66 mit Sprengstoff gefüllten Staufferfett-Büchsen, 12 Rohrstücke für Eierhandgranaten, eine Zinkkassette mit einer Pfund­dose Detonit, eine 10-cm-Granate mit Zünder, 3 Handgranaten gefunden, lieber der Fundstelle hat­ten die Kommunisten in geschickter Weise eine Grasnarbe gezogen, die der Umgebung ge­nau ongepaßt war. Unübersehbar und fürchterlich wäre die Katastrophe gewesen, wenn durch irgend­einen Umstand die Sprengstoffe im Bahndamm zur Explosion gekommen wären. Nach den ge­troffenen Feststellungen wurden die Staufferfett- Büchsen durchweg von der Zeche Rhein­baben in Bottrop gestohlen. Ein ganz besonders gefährliches Material sind die gefüllten Staufferfett-Büchsen, verheerend ihre Sprengwir­kungen. Bemerkenswert ist, daß die Rührigkeit der

Bottroper KPD. von russischer Seite durch Schenkung einer roten Fahne aner­kannt wurde. Diese Fahne trägt in Deutsch und Russisch die Inschrift:Proletarier aller Länder ver­einigt Euch, höher die Fahne des Kampfes für eine proletarische Revolution".

VsreMes Gift-Attentat auf die Düsseldorfer SA. Grausige Pläne der Kommunisten aufgedeckt

Düsseldorf. 29.März. (CNB.) Die nalional- sozialistische Düsseldorferv o l k s p a r o l e bringt einen amtlichen Bericht, wonach die KPD. die Ab­sicht hatte, durch Liu führen von Gift in die Gemeinschaftsküchen der NSDAP, die gesamte Düsseldorfer SA. zu ver­giften.

Die Düsseldorfer politische Polizei erhielt Kennt- nis, daß die KPD. in der nächsten Zeit einen' Angriff auf die NSDAP, mit Gift und Spreng st off plane. Die Herkunft des Giftes wies nach Köln, wo es der Polizei gelang, 3,5 Kilo­gramm Lyannatrium und 0,125 Kilogramm Kupfer­vitriol zu erfassen. Die Hälfte dieser Giftmenge würde genügen, um ganz Düsseldorf zu ver­giften. Die Giftmengen stammen von einem gewissen August h i l l g r a s. der als Galvaniseur bei einem preß- und Röhrenwerk in Köln beschäftigt war. 3n der Kölner Wohnung des hillgraf wurden außer Chemikalien und Lehrbüchern eine Anzahl Mit­gliedsbücher der KPD. und deren Unterorganisalio- nen, die sämtlich auf den Namen des hillgraf laute­ten, gesunden. 3n der Angelegenheit wurden sechs Personen verhastet.

EmAeniralkomsteeMrOrganisiemWdttAbwehr- aktivn gegen die Erenchetze.

München, 29. März. (£11.) Der mit der Schaffung und Leitung des Zentralkomi­tees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze beauftragte Reichstagsabgeordnete Julius Streicher hat am Mittwoch die Arbeit ausgenommen. Zum stellvertretenden Borsihenden des Zentralkomitees berief er den Schriftleiter des antisemitischen WochenblattesDer Stürmer", Karl Holz in Nürnberg. Dem Zentralkomitee gehren ferner an Robert Ley, Stabsleiter des Führers in der obersten Leitung der Partei­organisation: Adolf Hünlein, Stellvertreter des Chefs des Stabes der SA-: Heinrich Himm­ler, Reichsführer der SS.; Reinhold M u ch o w, Stellvertreter des Leiters der nationalsozialisti­schen Betriebszellenleitung: Hans Oberlind­ober, Leiter der nationalsozialistischen Kriegs­opferversorgung: Jakob Sprenger, Leiter des nationalsozialistischen Beamtcnbundes: Walter Darre, Leiter der Agrarpolitischen Abteilung der RSDAP-: Dr. v. Rente ln, Reichsführcr

Der erste Schritt zur deutschen Einheit. Oie Gründung des Zollvereins am 30. Marz 1833.

lind ihr andern deutschen Sachen, Tausend Dank sei euch gebracht! Was kein Geist je konnte machen, Ei! Das habet ihr gemacht:

Denn ihr habt ein Band gewunden Hm das deutsche Baterland, Und die Herzen hat verbunden, Mehr, als unser Bund, dies Bänd!"

So besang Hoffmann von Fallers­leben den deutschen Zollverein, dessen einzelne Handelsartikel er als die ersten Zeichen einer deutschen Einheit verherrlichte. Diese wirt­schaftliche Gründung, die von Preußen ausgeht und deren Schlußstein am 30. März 1833 gelegt wurde, ist stets als der erste Schritt zur nationalen Vereinigung dcs deutschen Volkes gepriesen worden. Dadurch, daß sich Oesterreich von diesem Verein ausschloh, wurde zum erstenmal klar, daß das neue Deutsche Reich nur unter Preußens Führung geschaffen werden konnte. Das hat mit aller Deutlichkeit einer der Hauptsörderer des Gedankens, der preußische Fi­nanzminister Motz, in seiner Denkschrift aus­geführt, in der er erklärt, der Deutsche Bund habe wirtschaftliche Verhältnisse geschaffen, die das ganze Deutschland zerrütten müßten, denn es sei dadurch ein Handelskrieg entstanden,der weit schlimmer war, als ein Krieg der Waffen nur je hätte sein können". Wenn diese jedes natürliche Leben erstickenden Zollschranken erst gefallen sein würden, dann sei auch der Weg für eine weitere Einigung gebahnt.Wenn es staatswissenschaft- liche Wahrheit ist", so schloß er,daß Zölle nur die Folge politischer Trennung ve-schiedener Staa- ten sind, so M^-es auch Wahrheit sein, daß Ziffer Staaten zu einem Zoll- und z Handelsverband zugleich auch Einigung zu einem und demselben politischen System mit sich führt."

Der e'gentliche Vorkämpfer dieser Idee war aber bet geniale Friedrich List, der durch seine leidenschaftliche, immer wieder verkannte Tätig­keit den Zollverein-Gedanken dem Volke nahe­zubringen wußte. 3n seiner Denkschrift vom Fe- bruar 1820 führte er nut meisterhafter Klarheit aus daß durch die Zölle Handel Gewerbe und Ackerbau der Deutschen gelahmt seren:Man

des Kampsbundes des gewerblichen Mittelstandes: Dr. Hans Frankl!., Leiter des nationalsozia i- stischen Iuristenbundes: Dr. Gerhard Wagner, Leiter des nationalsozialistischen Aerztebundes; Willi Körber, Vertreter des Reichsjugend­führers: Dr. Achim Gercke, Leiter der Abtei­lung nationalsozialistische Auskunft der Reichs­leitung. Die Kanzlei des Zentralkomitees be­findet sich in München.

Kommunistische Drahtzieher in London.

London, 29. März. (TU.) Der Verdacht, daß die Boykottbewcgung in England gegen deutsche Waren in engem Zusammenhang mit dem Kommunismus stehe, hat sich bestätigt. Cs konnte festgestellt werden, daß die Kommu­nistische Partei in der Vorwoche ein gehei­mes Schreiben an die Kommunistische Partei Großbritanniens gesandt hat,

zwingt sich zu Produktionsarten, die der Ratur des Landes, zu dessen Vorteil der Zwang statt- findet, nicht angemessen sind, und beschränkt sich dagegen in eben denjenigen P^ouktionszweigen gegenseitig, welche seiner Ratur entsprechen." Er erwartet einen außerordentlichen Aufschwung für die deutsche Wirtschaft davon, daß jeder Fabrik-Unternehmer sich dann an 30 Millionen Menschen wenden könne.

Die vielbeklagten Zustände jener Tage sind uns heute ganz unvorstellbar. Wer vor 100 Jahren in Deutschland Handel treiben wollte, mußte sich durch das Labyrinth von 38 Zolloerordnun- g e n hindurchwinden. Selbst Preußen war kein ein­einheitliches Zollgebiet, sondern hatte 67 verschie­dene Tarife, $u denen bann noch die unendlich vielen städtischen Zölle tarnen. Wollte man von Hamburg nach Wien reifen, so mußte man 10 bis 12 verschie­dene Zollgebiete passieren und ebenso oft Durch­gangszoll bezahlen. Goethe hat es oft ausgespro­chen, wie notwendig es sei, daß diese hemmenden Schranken zu Fall gebracht würden, hat aber das endliche Gelingen nicht erlebt. Nachdem 1818 die Zollschranken innerhalb Preußens aufgehoben und an die Landesgrenzen verlegt worden waren, konn­ten sich die andern deutschen Staaten einer Abma­chung mit Preußen nicht mehr entziehen. Trotzdem waren noch große Hindernisse zu überwinden, die besonders von England kamen, das den neuen Kon­kurrenten auf dem Weltmarkt auszufchalten suchte. England, das ja damals in Deutschland Hannover beherrschte, brachte 1828 die mitteldeutschen Staa­ten, Braunschweig, Sachsen, Kurhessen, Oldenburg u. a., zu dem Mitteldeutschen Zollverein zusammen, der den Zusammenschluß von Nord und Süd verhindern sollte. Aber Preußen zersplitterte diesen Zollverein, dessen Gebiet durch die Straße von Bamberg nach Langensalza umgangen werden konnte, und wußte 1829 Bayern und Württemberg zum Abschluß eines Zollvertrages mit Preußen zu bringen. Dann sprang auch Kurhessen ab und danach Sachsen.

Am 24. März 1833 konnte der Nachfolger des Finanzministers Motz, Maaßen, der sich schon als Generalsteuerdirektor um die Verfassung des Zoll­gesetzes verdient gemacht hatte, mit Bayern und Württemberg den Deutschen Zollverein gründen, den dann am 30. März die thüringischen Staaten, Kurhessen und Sachsen beitraten. Nun konnten auch Baden, Nassau und die damals noch freie Stadt Frankfurt am Main nicht mehr Zurück­bleiben. Außerhalb des Zollvereins befanden sich bann nur noch das englische Hannover, das sich mit Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe

DieNegierungsverhandlungeninDanzig gescheitert.

Oie NSOAp. kündigt schärfste Opposition gegen das Kabinett Ziehm an.

Danzig. 29. März. (TU.) Der Präsident des Danziger Senats, Dr. Ziehm, hat dem Frak- tionssührer der Rationalsozialisten, Greiser, schriftlich mitgeteilt, daß die derzeitigen Re­gierungsparteien (Deutschnationale, Zen­trum und Block der liberalen Mitte) beschlossen hätten, daß zu einem Wechsel in der Be­setzung des Danziger Senats Präsidenten ein sachlicher Grund nicht vorliege. Die Regie­rungsparteien hätten zwar nach wie vor den Wunsch, die Rationalsozialisten in d i e Regierung hineinzunehmen, je­doch müsse auch in einer solchen umgebildeten Regierung Dr. Ziehm (Dntl.) das Amt des Präsidenten weiterführen. Die Re­gierungsparteien könnten es nicht verantworten, daß in der heutigen Zeit auf die Erfahrungen Dr. Ziehms verzichtet werde.

Damit sind die grundsätzlichen Bedin­gungen der Rationalsozialisten, die als stärkste Partei Danzigs die Führung der Danziger Regierung insbesondere die Be­setzung des Danziger Präsidenten­postens und des Postens des Innensena­tors verlangten, von den gegenwärtigen Regierungsparteien abgelehnt. Auf eine An­frage Dr. Ziehms bei der RSDAP., ob die Verhandlungen über die Regierungsbildung nach

dieser Ablehnung der Regierungsparteien als gescheitert zu betrachten seien, wurde ihm dies bestätigt.

Don der Gauleitung der RSDAP. wird be­kanntgegeben, daß die Rationalsozialisten nach Ablehnung ihrer grundlegenden ^Bedingungen durch die Regierungsparteien von heute ab gegen die Regierung Ziehm in allerschärf st e Opposition treten werden. Ganz abwegig sei die Begründung der Ablehnung der nationalsozialistischen Bedingun­gen durch die Regierungsparteien. Es heiße darin u. a., daß die Regierungsparteien es nicht verantworten könnten, auf die eingehende Kennt­nis Dr. Ziehms in allen vertraglichen Rechtsgrundlagen der Freien Stadt Dan­zig zu verzichten, wobei besonders auf die Gen­fer Erfolge angespielt werde. Diese Begründung sei insofern gar nicht stichhaltig, als die Ratio­nalsozialisten Dr. Ziehm die Stelle des stellvertretenden Präsidenten an- geboten hätten und ihm in dieser Eigen­schaft auch die auswärtigen Angelegenheiten un­terstellen wollten. Von nationalsozialistischer Seite wird erklärt, daß die RSDAP. angesichts dieser Herausforderung einen großangelegten Propagandafeldzug gegen den Beschluß der Danziger Regierungsparteien einleiten werde.

worin sie zur Organisierung der Iudenschaft zur Bekämpfung des Hiller-Regimes aufforderte. Die Kommunistische Partei Großbritanniens ist der Aufforderung ihrer deutschen Genossen gefolgt und hat sich unter Ausnützung der allgemeinen Erregung der Iudenschaft zu Propagandazwecken den Teil der in London lebenden Iuden aus­gesucht, die meist polnischer und russi­scher Abstammung ist und für die Kommu­nistischen Versuche empfänglich ist. Es ist ihnen aber bisher nicht gelungen, die Doykott- bewegung auch auf andere jüdische Kreise, wie Finanz-, Warenhäuser usw. aus­zudehnen, da unter diesen zahlreiche meist mit den deutschen Verhältnissen besser vertraute Iuden sind, die von der Doykottbewegung im Auslande d i e ernstesten Rückschläge für die in Deutschland lebenden Iuden befürchten, llnter kommunistischem Einfluß ist unter der Iudenschaft eine schwarze Liste aufgestellt worden, auf der diejenigen in London lebenden Deutschen gesetzt sind, die in näheren Beziehungen zu nationalen Parteien in Deutschland stehen.

GdA. uni) OHV.

gegen die ausländische Gräuelhetze.

Berlin, 29. Mörz. (WTB.) Der Gewerk- schaftsbund der Angestellten sandte a n seine Auslandsortsgruppen und an die ihm befreundeten Auslandorganisationen Tele­gramme folgenden Inhalts: Die maßlose Greuelpro- paganda in der Auslandspresse schädigt das An­sehen des deutschen Volks und stört die wirtschaft­lichen Beziehungen. Das deutsche Wirtschaftsleben einschließlich aller jüdischen Unternehmungen ist ohne Störung. Einzelüberariffe, die mit der Umwälzung verbunden waren, sind jeweils sofort oonderRegierung verhindertund nie gebilligt worden. Tretet der Greuelpropaganda im Interesse Deutschlands und zur Verhinde­rung der sozialen und wirtschaftlichen Folgen für viele tausends Ange fte llte mit aller Kraft entgegen. Mobilisiert alle Freunde Deutschlands zur Abwehr.

Die Auslandabteilung des DHV. teilt u. a. mit: Der Deutschnationale Handlungsge­hilfe n v e r b a nd, der als größter Angestell­tenverband der Welt über alle Erdteile verbreitet ist, hat vom ersten Auftreten der Hetz- und Greuel- nachrichten an durch Kabel und Luftpostverkehr seine Auslandmitglieder und Auslandvertretun-

zum Mitteldeutschen Steueroerein zusammenschloß, und die drei Hansestädte.

Der Zollverein sollte zunächst für die Dauer von 20 Jahren wirksam sein: durch ihn fanden sich 25 Millionen Deutsche auf einem Gebiet von mehr als 400 000 Quadratkilometer zur wirtschaftlichen Ein­heit zusammen. Am 1. Januar 1834 fielen die Tau­sende von Zollschranken, durch bi? Deutschland bis bahin zerteilt war. Treitschke hat biefolgen­schwere Neujahrsnacht" bes Jahres 1834 geschildert, die den Anbruch einer neuen besseren Zeit verkün­dete:Mit dem letzten Glockenschlage des alten Jahres hoben sich die Schlagbäume. Die Rosse zogen an; unter Jubelruf und,Peitschenknall ging es vor­wärts durch das befreite Land..."

Oberhessischer Kunffverein.

Die gestern eröffnete neue Ausstellung im Kunstverein, die nur bis zum kommenden Mon­tag einschließlich zugänglich sein wird, ist von einer sonst kaum erlebten Aktualität: nach der verbrecherischen Brandstiftung im Reichstags- gebüude in Berlin wird es für viele von Inter­esse sein, einen Blick in die Werkstatt des 1912 verstorbenen Architekten Paul W a l l o t zu wer­fen, aus dessen Händen die Pläne zu dem riesi­gen Bauwerk hervorgegangen sind. In ihren Einzelheiten wird sich die aus Privatbesitz stam­mende Ausstellung allerdings überwiegend an den Baufachmann wenden, der sich sachverständig in das Studium der maßstäblichen Details, der Grundrisse, Ansichten und Schnitte vertiefen mag und so ein imponierendes Bild von der künst­lerisch-technischen Leistung des Erbauers und seiner Mitarbeiter erhalten wird. Eine Anzahl zeitgenössischer Aufnahmen aus der Cntstehungs- aeit des Reichstagsgebäudes (1884/94) runden das Gesamtbild der Ausstellung ab.

Sochschulnachrichlen.

Geh. Degierungsrat Prof. Dr. Cdnrund Sten­gel in Marburg konnte am 29. März ein seltenes Jubiläum begehen: vor 60 Iahren wurde der Ge­lehrte, Restor der romanischen Philologie, in Mar­burg zum Ordinarius ernannt, wo er nahrzu 45 Iahre gewirkt hat. Geh. Rat Stengel, am 5. April 1845 in Halle geboren, begründete 1875 das Mar­burger romanische Seminar und lebt seit 1913 im Ruhestände. Bon seinen Arbeiten seien genannt: -Das altfranzösische Rolandslied",Private und amtliche Beziehungen der Brüder Grimm zu Hes­sen" und dieRomanische Verslehre".

gen eingehend über die tatsächliche Lage unterrichtet, so daß diese Ausländsdeut­schen in eine wirkungsvolle Abwehr, gestützt auf gute, stets zu belegende Unterlagen, eintreten konnten.

Schaufenstereinschlagen bedeutet Schädigung des deutschen Dolksvermögens.

Berlin, 29. März. (WTB.) In den letzten Tagen kam es wiederhold zu Ausschreitungen, in deren Verlauf bei zahlreichen jüdischen Ge­schäften Schaufensterscheiben eing^schlagen wur­den. Von der Regierung wird darauf hingewie­sen, daß bei solchen Handlungen die wirklich Geschädigten nicht die betreffenden jüdi­schen Firmen sind, sondern die deutschen Versicherungsgesellschaften und daß dadurch letzten Endes deutsches Dolksver- mögen mutwillig Vernich tet wird.

Kleine politische Nachrichten.

Die Reichsregierung beschloß, die wöchent­lichen Zulagen, die im vergangenen Winter zur oersicherungsmäßigen Arbeitslosen-Un- t e r st ü tz u n g und zur K r i s e n u n t e r st ü tzung gewährt wurden, auch über den 1. April 1933 hinaus zu zahlen.

Amtlich wird festgestellt, daß die n ä ch st e Volks-, Berufs- und Betriebszäh­lung im Iuni d. I. stattfinden wird. Die letzte Volks-, Berufs- und Betriebszählung wurde 1925 vorgenommen.

Der Vorstand des Deutschen Hand­werks- und Gewerkammertages rich­tete eine Entschließung an die Reichsregierung, in der erklärt wird, daß sich die beruflich» Spitzenvertretung des Handwerks der natio­nalen Regierung restlos zur.Verfü- g u n g stellt. Das deutsche Handwerk erhoffe in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht iie An rk nn nj de.- Selbst, erwaltu.rg i Se.bst- Deranttoortung der Handwerkswirtschaft.

Oer Auflagenstempel in Italien.

Eine der schwierigsten Fragen, die von jeher das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Autoren und Verlegern oft gestört hat, ist die Kontrolle über die Auflagenhöhe und den tatsächlichen Absatz eines Verlagswerkes. Damit der Verleger nicht mehr Stücke eines Buches drucken kann, als vertraglich mit dem Verfasser verabredet ist, wird von demVerbände italienischer Schrift­steller und Verleger" seit einiger Zeit eine prak­tische Methode der Abstempelung mittels Trocken­stempels durchgeführt. In jedem Falle, wo das gefordert wird, muh der Verleger sämtliche Titel­blätter der ganzen hergestelten Auflage in das nächstgelegene Büro des Verbandes schicken, und dort erfolgt eine genaue Zählung und Abstem­pelung, über die eine offizielle Bescheinigung dem Verleger und dem Schriftsteller zugestellt wird. Die Abstempelung, die pro 1000 Stück nur 4 Mark kostet, muß vom Autor bezahlt werden. Da der Verband in allen größeren Städten solche Abstempelungsstellen eingerichtet hat, erwachsen dadurch dem Verleger keine gro­ßen Unbequemlichkeiten.

Zeitschriften.

Das Insel schiff." Eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages. Aus dem von Karl Weißer redigierten Frühiahrshest feien die folgenden Beiträge hervorgehoben: unter der UeberschriftVom Hiesigen" lesen wir einen tief­sinnigen Abschnitt des BuchesHeber Gott" von Rainer Maria Rilke: sehr aufschlußreich für Dich­ten und Denken des Verstorbenen. Dann die im Iahre 1912 geschriebene, wundervolle Einleitung Hosmannsthals zu den ..Deutschen Erzählern", die jetzt in einer neuen Ausgabe erscheinen. Friedrich Schnack, unseren Lesern aus zahlreichen Beit ä- gen bekannt, ist mit seinen Büchern in den Insel- Verlag übergegangen; von ihm bringt das Heft ein Bildnis, drei Gedichte aus der feinen lyrischen SammlungDas blaue Geisterhaus" und ein Ka­pitel aus dem von der Schönheit des sommerlichen Frankenlandes erfüllten RomanDie Orgel des Himm.ls". Höchst interessant der berühmte Rach- ruf Merimees auf Henri Behle-Stendhal, dessen 150. Geburtstag vor kurzem begangen wurde. Ein KapitelDas Verhör" aus demLeben des Grafen Federigo ©onfalonieri von Ricarda Huch, das der Insel-Verlag in einer Reuausgabe an die Spitze einer billigen Buchreihe stellt. Eine Auswahl der frommen Sinnsprüche desCheru­binischen Wandersmanns" bildet den Beschluß.