Ausgabe 
30.3.1933 Erstes Blatt
 
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Heldenmädchen vor 120 Zähren.

VonAmtsgerichtsraf i. R E)iemberger,G>eßen

Am 17. März 1933 gedachte der Vizekanzler von Papen in der mit Schwarzweihrot und Hakcnkreuzfahnen festlich geschmückten Hauptstadt Schlesiens in einer denkwürdigen Rede deS Auf­rufs des Königs Friedrich Wilhelm HL, der vor 120 Jahren an diesem Tage von Breslau aus an sein unter französischer Knechtschaft schmach­tendes Volk erging. ^Das Volk stand auf, um für die Freiheit zu sterben, damit Deutschland lebe", so lauteten die Eingangsworte der Rede, welche eine Fülle von vaterländischen Erinnerun­gen in sich barg, die jedes patriotische Herz höher schlagen lieh. Breslau war um diese Zell der Sammelpunkt der Lützower. Begeisterte deutsche Männer und Jünglinge, wie Theodor Körner und Friedrich Friesen, scharten sich dort yi» sammen, um gegen den Erbfeind zu kämpfen. Doch auch von der hochherzigen Opferwilligkeit der deutschen Frauen gaben damals Schlesien und feine Hauptstadt ein glorreiches Beispiel, wie ein zweites die Geschichte nicht kennt. Hier war es auch, wo ein armes junges schlesisches Adelskind, Ferdinande von S ch m e t t a u , um das von den Franzosen ausgesogene Staatssäckel füllen zu hel­fen, ihrem Vaterland Wohl das ergreifendste Opfer gebracht hat. Sie schnitt sich ihr wunderbares lan­ges Goldhaar ab und legte es auf den Altar des Vaterlands. Aus seinen Strähnen wurden Haar­ringe sowie Armbänder gefertigt und aus ihrem Verkauf über 1200 Taler erlöst. In gar manchem Familienschatz werden diese wohl heute noch als kostbare Andenken an die größte Notzeit des Vol­kes wie ein Heiligtum aufbewahrt.

Am 2. April 1933 jährt sich auch der Tag, an dem vor 120 Jahren ein einfaches Kind aus dem Volke, Johanna Stegen, in dem festen Lüneburg durch eine Heldentat, die wert ist, in der Geschichte Wohl bis in die spätesten Feiten fortzuleben, sich unsterblichen Auhm erwarb, und das tapfere Mädchen wird heute noch als Befreierin ihrer Vaterstadt von französischem Joche gepriesen. Zahlreiche Dich­terworte feiern das Gedächtnis jener beiden Heldenmädchen, und die nachfolgenden anspruchs­losen Verse mögen vielleicht auch ein wenig dazu beitragen, es tem Volke zu erhalten:

Ferdinande von Schmettau.

In Breslau war s, das drückend empfand, Das Joch des schnöden Tyrannen, Wo Deutschlands Jugend sich wiederfand, Wo die Tränen am heißesten rannen.

Dort, wo man Eisen gab für Geld, Bei Lützows .schreibendem Stabe", Erschien eine Jungfrau, züchtig und hold Lind brachte all' ihre Habe.

Kein Edelstein war s, der gleißet und glänzt. Doch Gold war's, wunderbar. Das sie dem Vaterlande kredenzt. Es war ihr goldenes Haar.

Ihr Schreiber, ihr guten", ach legt's ins Gefach, Es ist ja mein einziges Gut.

Was soll ich es tragen, so lange die Schmach Auf Deutschlands Gauen noch ruht?

Lind sie nahmen's. Es war ein köstliches Gut, Eine Strähne kostet Dukaten.

Ferdinande von Schmettau, du junges Blut, Wie warst du so trefflich beraten!

Johanna Stegen.

Zu Lüneburg war's, wo Bürgersinn

Lind pommersche Füsiliere

Den Feind trieb über die Wälle hin Als wären es Herdentiere.

Doch der Feind sich st llt. @ii plö li her Schrei Durchgellt die Reihen der Streiter: .Patronen sind all': wir haben kein Blei, Zurück! Wir können nicht weiter."

Doch sieh', eine schlanke, blauäugige Maid Macht auf dem Schlachtfeld die Runde, Bewahrt die Braven vor furchtbarem Leid, Den Zipfel der Schürze im Munde.

Es glänzet furchtlos ihr Augenpaar, Weiß schimmert ihr Häubchen ins Weite, Hell flattert im Winde ihr rotblondes Haar, Ein Zielpunkt der feindlichen Meute.

Sie trägt in dem Schoß ein kostbares Gut, Patronen sind's, Pulver und Blei, Entfacht von Reuem den sinkenden Mut, Lind fliegt von Reihe zu Reih'.

Johanna Stegen, wie bist du begehrt

In dieser gefährlichen Stunde!

Ein Streifschuß am Kopf die Gefahr dich lehrt.

Doch du achtetest nicht der Wunde.

Du gingst zu den Kriegern in raschem Tritt Verteiltest die köstlichen Gaben:

Dir war es vergönnt mit jedem Schritt Kampfdurstige Krieger zu laben.

Hei, wackrer Pommer, zur rechten Zeit, War dir dein Engel erschienen.

Hei, feiger Franzmann, wie warst du bereit. Rühmlos zu fliehen von hinnen.

Tagung hessischer evangelischer Zürsorgever bände.

§ Fro n kfurt a. M., 28. März. Unter dem Vor­sitz von Pfarrer Grein (Arheilaen) fand hier die Tagung der evangelischen Fürsorgever­bände in Hessen statt, die einen sehr starken Besuch von Vertretern der kirchlichen und komm«/ nalen Fürsorgearbeit aufwies.

Nach Eröffnungs- und Begrüßungsworten von Pfarrer Grein, Oberreg.-Rat Dr. Krebs für das Ministerium des Innern und Oberkirchenrat Zentgraf für das Landeskirchenamt, erstattete Landesiuaendpfarrer Lic. von der A u den Jah­resbericht über die Tätigkeit der Dekanatser­ziehungsvereine im Jahr 1932. 995 Zöglinge wür­ben im Berichtsjahr betreut, d. h. 80 weniger als im Jahre vorher. Untergebracht waren in Oberhes - s e n 495, in Starkenburg 308, in Rheinhessen 76 und außerhalb Hessens 116. Lohn und Pslegegeld- ätze sind der Zeit entsprechend weiter gesunken. Es tecke in all den Zahlen des Berichts eine Fülle tiller, selbstloser Arbeit. In der folgenden regen Aussprache wurde il a. die schwierige Lage der Fürsorgeanstalten (Aumühle, Hühnlein usw.) her­vorgehoben.

Den Höhepunkt der Tagung bildete der Vortrag von Dr. Stab! (Wiesbaden) überDie jugend- politische Laae der Gegenwart und unsere Stellung zum Reichsjugendwohlfahrtgesetz". Der seitherige Staat habe seine Erziehungsaufgabe mit unbestreit­barer Gesinnungsgröße. aber trotzdem nur mit ge­ringem Erfolg in Angriff genommen, weil ihm das rechte Erziehungsziel fehlte, er wollte neutraler

Staat sein, der individualistische Zug sei aber über­trieben worden. Im neuen Staat werde die Jugend wieder mehr Gehorsam und Unterordnung betäti­gen. Nicht mehr fordere die Jugend vom Staat und seinen Gewalten ihr Lebensrecht, sondern sie selbst stehe auf, um sich für den Staat, für ihr unterdrück­tes Volk einzufetzen und dafür opferbereit zu kämp­fen: ein gewaltiger Umschwung! Für die Jugend­ämter und die Fürsorgearbeit ergebe sich daraus mancher große neue Gesichtspunkt. Der seitherig Für,orgestaat werde jetzt zum Erziehungsstaat. Aucy der neue Staat müsse sich, aus Staatsethos, des Kranken und Schwachen annehmen, müsse die gute fachliche Schulung seiner Sozialarbeiter erhalten. Eine kurze Aussprache schloß sich an den Vor­trag an.

Präsident Hepp legt den Vorsitz der Bezirksbanernfckast nieder.

Limburg, 29. März. (WSR.) Heute nach­mittag trat hier der Vorstand der Bezirks- bauernschaft für Rassau zusammen, um darüber zu beraten, wie der weitere Kampf der Dezirksbauernschaft zu führen sei. Man war einstimmig der Auffassung, daß der seit­herige Zustand eines Nebeneinanderarbeitens zweier Organisationen mit dem gleichen Ziel Bezirksbauernschaft und agrarpolitischer Appa­rat der RSDAP. ein Ende bereitet werden müsse. Der Vorstand beschloß deshalb einstimmig unter ausdrücklicher Befürwortung des Vor­sitzenden Hepp, den Vorstand der Dezirks­bauernschaft in Zukunft aus den seitherigen Vor­standsmitgliedern und den Kreisfachberatern der NSDAP, zu bilden. Der Vorsitzende der Be- zicksbauernschaft, Hepp, trat, um der künftigen Entwicklung des landwirtschaftlichen Organisa­tionswesens auf dieser neuen Grundlage den Weg frei zu machen, freiwillig von der Führung der Dezirksbauernschaft zurück. Der Gesamtvorstand erkannte an, daß Hepp stets das beste gewollt habe und dafür jederzeit sein ganzes Können und seine ganze Kraft einsehte. Die anwesenden Vorstandsmit­glieder der NSDAP, schlossen sich diesem Dank an. Der Geschastssührer der Bezirksbauernschaft, Dr. P f i st e r e r, legte die Geschäftsführung nie­der. Am 6. April sollen die Neuwahlen in einer Gesamtvorstandssitzung stattfinden.

Ein Greuelverbreiter festgenommen.

WSN. F r a n k f u r t a. M., 29. März. Ein 25jäh- riger staatenloserIude, der vor einigen Tagen hier aus der Straße das Greuelmärchen ver­breitet hat, daß ein Jude in Worms von National­sozialisten aufgehängt worden fei, ist in Haft g e - n o m m e n worden. Er wird als erster von dem neugebildeten Sondergericht in Frankfurt a. M. ab- geurteiü und auf seinen Geisteszustand untersucht werden.

Kommunist Zwilling verhaftet.

WSN. Gelnhausen, 29.März Gestern nach­mittag ist hier der frühere kommunistische Bürger­meister Zwilling von Mörfelden durch SA.- Hilfspolizei verhaftet worden. Zwilling wurde seit längerer Zeit gesucht Er befand sich mit dem Fahrrad auf dem Wetze von Hanau nach Gelnhausen und wurde unterwegs erkannt.

Ausgeglichener Etat des Kreises Marburg.

WSN. Marburg, 29. März. Der Marburger Kreisausschuß beriet in seiner gestrigen Sitzung den von der Verwaltung vorgelegten Entwurf des Kreis­haushallsvoranschlages für 1933. Der Voranschlag wurde einstimmig angenommen. Er schließt in Ein­nahme und Ausgabe mit 1 220 305 RM. ab und ist ausgeglichen.

Wegen Urkundenbeseitigung bestraft.

WSN. Darmstadt, 29. März. Die Große Strafkammer verhandelte gestern gegen einen Polizeimeister aus Offenbach, der Strafakten gegen einen Bekannten beseitigt und vernichtet hatte. Er wurde wegen Begünstigung und Llrkundenbeseitigung un­ter Zubilligung mildernder Llmstände zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

G. A Sport.

Der Vorsitzende der DT. beim ReichSmnenmmister.

Reichsminister Dr. Frick empfing heute die beiden 1. Vorsitzenden der Deutsche Turner­schaft, Minister a. D. Dorninicus und Direk­tor Dr. N e u e n d o r f f. Die Herren überreich.en dem Reichsminister des Innern die amtliche Ent­schließung der Deutschen Turnerschaft, worin der Vorstand alle Vereine aufgefordert hat, der na­tionalen Regierung und ihren Führern sich zur freudigen Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Herr Minister Dr. Frick begrüßte diese Erklä­rung und betonte die Bedeutung der Deutschen Turnerschaft für den Neuair bau des Reiches. Er kam dann auf das Deutsche Turnfest in Stuttgart zu sprechen. Er bekundete das In­teresse der Reichsregierung an diesem großen Fest und drückte die Hoffnung cms,_ daß der Reichskanzler Hitler an dem Fest persönlich teil- nehmen und eine Ansprache halten werde.

SandbaU im Gau Heften (D. T >

Lützellinden I 2Mv. Gießen Iu.Il komb. 4:3 (3:2).

Beide Mannschaften lieferten ein flottes, span­nendes Spiel. Die Gäste, die mit 10 Mann an­traten, aber eine ziemlich starke Mannschaft stell­ten, führten bis kurz vor Halbzeit. Dann aber beherrschte der Gastgeber das Feld, erzielte Aus­gleich- und Führungstreffer und erhöhte kurz nach Halbzeit auf 4:2. Zum Schluß kamen die Gäste wieder auf und konnten noch einen Treffer erzie­len. Lützellinden trat mit einem Mann Ersatz an.

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