Ausgabe 
29.7.1933 Erstes Blatt
 
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1500 Meter Höhe gebracht und erreichte dann durch günstige Aufwinde eine Höhe von 3200 Metern. Lus dieser Höhe griff man den Weltrekord Günther G r o e n h o f f s im Passagierflug, der mit 33 Kilo- meter notiert wurde, an. Die hervorragenden Segel- eigenschaften der Maschine und günstiger Rücken­wind ermöglichten es, daß die Segelflieger eine Streife von 76,6 Kilometer zurücklegten und in der Gegend von Eindhoven (Holland) landeten. Der Weltrekord ist durch diese Leistung um mehr als dos Doppelte geschlagen worden.

Schweres Unwetter in Chemnitz.

Hebet ©Hemnih ging ein außerordentlich schweres Unwetter nieder, das etwa eine Stunde anhielt. Ungeheure Regenmengen über­schwemmten zahlreiche Keller. Durch den heftigen Sturm wurden einige Bäume umgelegt, die auf die Oberleitung der Straßenbahn fielen. Hier­durch entstand Kurzschluß im HaupttranSforma- tor und auch im Elektrizitätswerk wurde eine Maschine beschädigt. Die Folge war, daß die ganze Stadl etwa eine halbe Stunde in vollkom­mene Dunkelheit gehüllt wurde.

Große Manöver der englischen Lustfiotte.

3n diesen Tagen begannen die großen M a - növer der englischen Luftflotte, die besonders dazu bestimmt sind, die Hilssflugzeug- fermationen im Rahmen großer strategischer Hebungen auszubilden. An den Manövern neh­men 318 Flugzeuge, 540 Fliegeroffiziere, 161 Führer und 4700 Wann teil. Die Anlage der Manöver ist derart, daß ein .Rordland", das östlich der Linie LancastleBirminghamSwin­donPoels liegt, sich gegen den Luftangriff eines ,SüdlandeS" zu verteidigen hat, dessen Gebiet sich aus den englischen Kanal und die südliche Rordsee erstreckt. DaS Abfeuern von Bomben wird durch Lichtsignale markiert, während bei den Zielen Mehapparate stehen, die feststellen, ob die Pornben im Ernstfälle getroffen haben würden.

Kampfansage

gegen die amerikanischen Menschenräuber.

Obwohl Präsident Roosevelt durch die Arbeit an seinem Programm des nationalen Wiederauf­baues stark in Anspruch genommen ist, hat er doch Zeit gefunden, die höheren Polizeibeamten der Bundesstaaten zusammenzuberufen, um sie zu einem gemeinsarnenGroßangrifs gegen diejenigen Verbrecher zu veranlassen, die es auf die Entführung wohlhabender Menschen abgesehen haben. Das Wiedererwachen der Tätigkeit dieser Räuber wird darauf zurückge- führt, daß die sogenannten Racketeers jetzt nach Aufhebung der Prohibition ihr Monopol im Alkoholhandel verloren haben. Unter den Persönlichkeiten, die in letzter Zeit entführt worden sind und nur gegen hohes Lösegeld freigegeben werden sollen, befinden sich u. a. ein Reffe der Brüder O'Connor, der Führer der Demokrati­schen Partei, und der Finanzmann Jacob F a c o t r aus Chicago, dessen Auslieferung wegen Unter- schleiss von Großbritannien beantragt ist.

Typhusepidemien in Chile.

Wie aus Santiago berichtet wird, ist in Chile eine schwere Typhusepidemie ausgebro­chen. Der Bevölkerung hat sich eine Panikstimmung bemächtigt. Es sind bereits zahlreiche Todes­fälle zu verzeichnen. Die Regierung hat den Belagerungszustand verhängt.

Die bienenwirtschastliche Ausstellung in Bad-Rauheiir

Mit einer schlichten Feier wurde gestern nach­mittag die bienenwirtschaftliche Aus­stellung in Dad-Rauheim eröffnet. Der Borfihende des Rassaucr Bienenzüchter-Ver- eins. Wenig, Oberseelbach, begrüßte die Gäste aus allen Gegenden Deutschlands- Born äußersten Osten und aus Schlesien, von der Wasserkante, vom Rhein und von den bayerischen Bergen, waren sie gekommen, um zu hören, wie sie sich einbauen können in das große deutsche Wirt­schaftswerk zur Befreiung der deutschen Scholle und zur Schaffung einer Hnabhängigkeit des Bolkes von der Auslandeinfuhr. Auf 350 000 000 Mark wird der Erfolg geschäht, den die Biene durch ihre befruchtende Tätigkeit dem Obstbau und der Landwirtschaft Deutschlands bietet. 3n Vertretung des verhinderten Abgeordneten Letter vom Landeskulturamt der RSDAP. sprach Dr. Filler aus Kassel. Bürgermeister Dr Ahl, Bad-Rauheim, begrüßte die Imker im Ramen der Stadt Mit Dankesworten er­widerte der Borsihende des Wetterauer Bienen­züchtervereins, Lehrer Braun aus Rodheim v. d. Höhe. Der Verein, der das 50jährige Be­stehen feiere, fei die Hrsache bet Ausstellung und der Tagung. Der Ortsgruppe der Bad- Rauheimer Imker, ihrem Führer Berufsschul­lehrer, Hildebrand und allen Mitarbeitern wurde Dank gesagt für den Aufbau der Aus­stellung. Rach einemHeil!" auf das Vater- land und seine Führet erklärte der Vorsitzende des hessischen Verbandes, Amtsanwaltschaftsrat W e n k e b a ch, Kassel, die Ausstellung, die in Schulsälen, in Turnhallen und im Freien auf­gebaut ist, für eröffnet.

Ein Rundgang.

Der Wettetauer Verein hatte seine Aus­stellungsgüter in einem als altes hessisches Bauernhaus ausgestatteten Stand untergebracht. Der Schöpfer des Wetbeplakates, Kunstmaler Kutscher, hatte den Schutzheiligen der Bienen, den Heiligen Ambrosius, auf den Giebel gesetzt. Eine Sammlung alter hessischer Bienenkörbe wurde so im Giebel aufgestellt, wie es die Vor­fahren zu tun pflegten Große Aufbauten der Industrie und mannigfaltige Darstellungen von Wachs und Honig in allen möglichen Farben und Festigkeiten (darunter Honig aus dem Iahte 1907), liehen die Bedeutung der Bienenzucht er­kennen. Außerdem waren Getränke aus Honig hergerichtet und schmackhafte Honigbäckereien aus­gestellt. .

In einer Turnhalle zeigte u. a. der Frank­furter Bienenzüchterverein seine alte Fahne und eine große Honigschau. Ebenso die Kasseler Imlerschast und die dortige Honig-Förderungs stelle. Honige von ganz klarer Helle bis zum undurchsichtigen Schwarz konnten den Hausfrauen zeigen, daß Ho­nig durchaus nichts Einheitliches sein muß. Das wurde ganz besonders in der Abteilung für Ernährung vor Augen geführt. Frau Pfar­rer A i s ch hatte eine Anzahl Kochproben aus­gestellt und bewies damit die mannigfaltige Ver-

wendungsmöglichkett des HonigS. Die Preisrich­ter hatten am Vormittag in dieser Abteilung den sauren Hering mit Honig und ein Glas frisch perlenden Honigbier als den .Clou" der Schau bezeichnet. Cs gab außerdem noch Rehragoul. Schwemmklößchen, Heringssalat, Mayonnaise, alles mit Honig zubereitet Eine Anzahl Honig­cremes, Apfelweine, Honiggelees, Honigtorten verdient alle Aufmerksamkeit. Die Tafeln, in denen die Zusammensetzung des Honigs darge­stellt war, liehen den Wert des in natürlichem, unerhitztem Zustand verwendeten Honig- erken­nen. Der Rcichsausschuh für Bienen­zucht zeigte, wie sich Sportler zur Auffrischung und Erhaltung der Kräfte ständig des Honig- be­dienen könnten.

Von altersher gilt Honig als ein VolkSheilrnit- tel. Immer mehr beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem Honig. Sin ganzer Schulsaal war un­ter Leitung von Dr. Freuden st ein, Mar­burg, mit den Darstellungen der Arbeit mehrerer Bienenzucht-Forschungsanstalten des Deutschen Reiches gefüllt. Eine große Anzahl von Bienen­stöcken war im Freien aufgestellt. Deutlich konnte man bemerken, dah die Imkerschaft von dem Warmbauhinterlader abrückt und sich dem Maga­zin und dem Blätterstock, besonders aber der Breitwabe zuwendet. Erwähnenswert ist, dah die Wissenschaftlichen Institute Wolf, Bielefeld, und Serumwerk Hamburg mit cin- sprihbaren Bienengiftpräparaten an der Ausstellung beteiligt find.

Die Ausstellung war über ihren eigentlichen Zweck hinaus besonders auf das Herz- und Rheu­mabad Bad-Rauheim eingestellt. .Honig ist He r z n a hr u n g", stand vielfach an den Wän­den und ebenso auf einem großen Wagen, der die Straßen der Stadt Dad-Rauheim durchfuhr, zu lesen. Die Besucher erkannten an Hand der ge­samten Ausstellung, dah die Imkerei einen höchst bedeutsamen Faktor in unserer Volkswirtschaft dar stellt.

»Herz und Honig "

Am Abend sprach im Kerckhoff-Jnstitut Professor Dr. Koch über den Honig und seine Be­deutung für Herzkranke An Hand von Bildtafeln legte er bar, daß nach dem heutigen Stande der Wissenschaft dem Honig unter den Nahrungsmitteln eine bevorzugte Stellung als Energiequelle für d i e Herztätigkeit zukommt. Irn wesent- lichen sei dies auf seinen hohen Gehalt an einfachen Zuckern zurückzuführen, bei denen es keiner beson­deren Verbauungstätigkeit bedürfe, da sie schon gleich aus dem Mögen in das Blut ausgenommen werden könnten. In anschaulichster Weise zeigte er, wie die Honige gewissermaßen den Brennstoff für den Herzmotor, die Phosphate, Kalzium und Eisen- beftanbteile des Honigs aber das Del find, mit denen der Herzmotor geschmiert wird. Wenn der Arzt ein Rezept aufsetzen solle für ein Herzmittel, so würde seine Formel in der Apothekerschrift der Hauptana­lyse gleich sehen, wie ein Ei dem andern.

Honig sei die ideale, ja fast vollkommene Energiequelle für das Herz.

gebaut aus den Bausteinen der Erde in der Pflanze unter dem Schein der Sonne und umgesormt durch die Biene für den menschlichen Genuß.

Rechtsanwalt P l a t n e r-Kassel sprach in einem von Vaterlandsliebe und Treue zum nationalsozia­listischen Staat durchglühten Vortrag über den

Sinn des Bienenflaales.

In ihm offenbare sich das Gotteswunder, daß unter dem Drang des Unbewußten, des Göttlichen, das Einzelwesen in heiligem Opfer sinn bis zum Hunger- tobe sich hingeben könne für bas Ganze, und daß andererseits bas Einzelwesen seinen Halt, seine Da- feinsbebingungen nur finbe in feinem engen An­schluß an bas Ganze. Für bie Imker sei dies bas Erlebnis aller Tage. Es in ein Ausleben für alle Tage umzusetzen, wie wir es in unserem Volks- kanzler Hitler sehen könnten, sei Ziel bes Lebens, mit bem bie Imker dem Daterlanbc bienen könnten. Es gelte unserem Staat! Nach ber Veranstaltung im Kerckhoss-Institut fanb man sich noch zu ge­meinsamer Unterhaltung zusammen.

Oer Besuch der Jung-Faschisten in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 28. Juli. (WSN.) Wie jetzt enbgültig feststeht, wirb die aus 411 jugendlichen Angehörigen der Ballila und 25 Ofsiizeren und Journalisten bestehende Reisegesellschaft a m 8. A u - guft vormittags im Frankfurter Hauvtbahnhof eintreffen. Der Sonderzug kommt von Kassel, rou bekanntlich die Prinzessin Mafalda, die Gemah­lin bes Dberpräfibentcn Prinz Philipp von Hessen, ihren Wohnsitz hat. Die italienischen Gäste werben im Hauptbahnhof von ber SA., SS. unb vor allem natürlich ber Hitlerjugend empfangen unb imHaus der Jugend" untergebracht werden. Ein genaues Programm bes Frankfurter Aufent­halts wirb von ber Kreispropaganbaleitung ber NSDAP, ausgearbeitet. Am 9. August nachmittags werben bie Iungfaschisten von Frankfurt aus in ihre Heimat zurückkehren.

Briefkasten der Redaktion.

2L A. 35. Wenden Sie sich an das Mieteinigungs­amt. bas dem Amtsgericht Gießen anaegliebert ist. In Gießen besteht ber Mieteroerein Gießen e. V. (Vorsitzender Oberreallehrer Hebermehl, Welcker- straße 14 I).

Wcttcrvoraussagc.

Durch die nördliche Störungstätigkeit wird jetzt auch unser Gebiet berührt, so daß ozeanische Luft zum Eindringen kommt. Sie wird etwa- Abkühlung bringen, außerdem den Wittcrungs- charakter veränderlich gestalten und zu vereinzel­ten Riederschlägen führen.

Aussichten für Sonntag: Leicht wech­selnd wolkig mit Aufheiterung, etwas kühler, zeit­weise Riederschläge teils gewitterhafter Art, um West drehende Winde.

Aussichten für Montag: Roch wech­selnd wolkig mit Aufheiterung, meist trocken, kühl, westliche Winde.

Lufttemperaturen. Am 28. Juli, mit­tags 29,3 Grad Celsius: abends: 21,1 Grad ©elf. Am 29. Juli, morgens: 19,0 Grad (Self. Maxi­mum: 29,3 Grad ©elf. Minimum: 14,8 Grad ©eis. Sonnenscheindauer: 121/? Stunden.

Verantwortlich für Politik: t. 93.: Emst Blumschein.

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