noch in letzter Minute Anhänger zu werben. Die Wahlbeteiligung ist allem Anschein nach sehr groß gewesen. Um 18 Ahr wurden die Wahllokale geschlossen. Die Restaurants haben sich fast alle mit Lautsprecheranlagen versehen, um ihren Gästen die Wahlresultate bekanntgeben zu können.
Oie aus dem Reich gekommenen Danziger dursten nicht wählen.
Danzig, 28. Mai. (TA.) Aus dem Reich waren zum heutigen Wahlsonntag mehrere hundert dort wohnhafte Danziger Staatsangehörige über Marienburg im
Freistaat eingetroffen in der Annahme, daß sie ihre Stimme in Danzig abegben durften. Rach der Danziger Wahlordnung, die von der Regierung Ziehm nicht abgeändert worden ist, ist jedoch eine solche Wahlbeteiligung von Im Reich lebenden Staatsangehörigen unmöglich. Der zahlreichen reichsdeutschen Danziger bemächtigte sich infolgedessen ein großer Anmut. Von der RSDAP. ist für den Fall der Aebernahme der Regierung in Danzig die sofortige Abänderung der Wahlordnung in dem Sinne zuaesagt worden, daß auch die reichsdeutschen Danziger in Danzig wahlberechtigt sein sollen.
Msreisesichwermerk gegen Zahlung von 1000 Mark snr den Verkehr mit Oesterreich. Oie Antwort des Reichs auf die Provokationen der Regierung Dollfuß. Das letzte Mittel zur Vermeidung schwerer Konflikte.
Berlin, 27.Mal. (TU.) Amtlich wird mit- geteilt: „Die gegen die nationalsozialistische Bewegung in Oesterreich auf dem Rotoerordnungswege erlassenen Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung, die in dem a b - soluten verbot aller Uniformen, Mahnen, Abzeichen und sonstigen Emblemen der nationalsozialistischen Bewegung gipfeln, haben die Gefahr heraufbeschworen, daß die als G ä st e in Oesterreich weilenden reichsdeutschen Rationalsozialisten in Unkenntnis dieser Bestimmungen ln Konflikt mit den ö st erreicht schen Behörden geraten, was zwangsläufig eine Störung der freundschaft- lichen Beziehungen zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich führen mühte.
Jn dem Bestreben, die deutschen Reisenden vor unliebsamen Zwischenfällen zu bewahren, und alles zu vermeiden, was zu einer Störung des Verhältnisses der Reichsregierung zur österreichischen Bundesregierung führen könnte, wird der Reichsinnen- minisker eine den Reiseverkehr nach Oesterreich betreffende Verordnung erlassen, wonach ab 1. Juni die Ausreise von Reichsdeutschen nach Oe st erreich von der Erteilung eines Ausrelsesichtvermerks abhängig gemacht wird, der gegen Zahlung einer Gebühr von 1 0 0 0 Mark erteilt wird. Ausnahmen hiervon werden nur gewährt für den ordnungsmäßigen Geschäftsverkehr zwischen beiden Ländern und den sogenannten kleinen Grenzverkehr im Sinn der Zollgesetzgebung, nicht dagegen für den Ausflugsverkehr. Die Verordnung wird am Montag, dem 29. Mai, erlassen werden.
Zu dieser Perordnung wird von zuständiger Stelle betont, daß es angesichts der gegen den Rationalsozialismus in Oesterreich ergriffenen Maßnahmen für die deutsche Regierung unmöglich geworden ist, den Fremdenverkehr nach Oesterreich so u. überwachen, daß in Oesterreich keine Zusammen st öße zwischen deutschen Rationalsozialisten und österreichischen Regierungs- und Polizeiorganen erfolgen. Die deutsche Reichsregierung ist nicht in der Lage, die Reisenden an der Grenze nach Rationalsozialisten und Richtnationalsozialisten zu sortieren. Sie muß es verhindern, daß die deutschen Reisenden in Oesterreich der peinlichen Situation ausgesetzt werden, als l ä st i g e Ausländer zu gelten und als solche eventuell ausgewiesen zu werden. Da zwischen Deutschland und Oesterreich bisher ein besonders enges
Nie erste deutsche Oper.
Don Professor Or. Werner Deetjen, Weimar.
Die Goethe-Gesellschaft rüstet sich zu ihrer Hauptversammlung, die diesmal im Zeichen Wielands steht, denn am 5. September sind zweihundert Jahre seit der Geburt des „Oberon" - Dichters vergangen. Das Deutsche Rationaltheater bietet dazu den Mitgliedern als Festaufführung Wielands „Alceste" in der Komposition Anton Schweitzers, ein Werk, das für die Entwicklung des deutschen Musikdramas von epochaler Bedeutung ist.
Am 28. Mai 1773, also vor hundertsechzig Jahren, ist die „Alceste" von der Seylerschen Truppe auf der Weimarer Schloßbühne in der alten 1774 abgebrannten Wilhelmsburg zum ersten Male vor dem Hof und geladenen Gästen ausgeführt worden. Das Theater befand sich im Erdgeschoß des nach der Ilm hin gelegenen nördlichen Flügels und faßte ungefähr hundert Personen. Wie berichtet wird, dirigierte der Komponist, der seit einem Jahr Kapellmeister der Seylerschen Truppe war, im Orchester am Flügel sitzend, sein Werk selbst. An einem anderen Flügel spielte der Hofkapellmeister Ernst Wilhelm Wolf, der sich gleichfalls häufig als Komponist betätigt hat und sich später auch an eine eigene Vertonung der Wielandschen Dichtung wagte, während der Konzertmeister Karl Gottlieb G ö p f e r t die zahlreichen Geigen führte. 2m übrigen spielten im Orchester die Schüler des Stadtmusikus Eberwein. Die Dekorationen stammten von dem bekannten Maler Georg Melchior Kraus, und alles maschinelle Beiwerk wurde von dem durch Goethes Gedicht unsterblich gewordenen braven M i e d i n g hergerichtet und bedient.
Wieland hatte im 12. Jahre Musikunterricht erhal- riet ihm, diese Arie vor jetzt ganz bei Seite zu ten und pflegte gern auf dem Klavier zu phantasieren. Schweitzer, der als armer Chorknabe in Hildburghausen von dem dortigen kunstliebenden Fürsten entdeckt und ausgebildet und schnell zum Dirigenten befördert worden war, lobte sein Spiel und wünschte, seine Phantasien in Noten zu setzen. Schon von Erfurt aus hatte der Dichter bei seinen häufigen Besuchen in Weimar den Musiker kennen und schätzen gelernt; und nach seiner Uebersiedlung an den Hof Anna Amalias trat er Schweitzer wirklich nahe. Bald erkannte er in ihm den Mann, der imstande sei, mit ihm zusammen die völlig vor- nachlässigte ernste Oper zu fordern, wie er es schon
freundschaftliches Verhältnis besteht, ist die Reichscegierung bemüht, dieses nicht zu stören und sie wird daher alles unterlassen, was den Anschein erwecken könnte, als ob Deutschland eine Weltanschauung, die bei uns die Staatsauffassung geworden ist, Oesterreich auf ottr oieren wolle.
Oie Pfingstiagung des VOA. findet in Passau statt.
Berlin, 27. Mai. (TU.) Infolge der Ereignisse der kehlen Zeil und der Haltung gewisser kreise in Oesterreich zur Pfingsttagung des VDA. in Klagenfurt Hal sich die Reichsführung des VDA. veranlaßt gesehen, diese Tagung als „Klagenfurter Tagung" nach Passau zu verlegen.
Der VDA. Hal sich bis zuletzt aufs äußerste bemüht, trotz der immer mehr sich häufenden politischen Treibereien und gehässigen Zeitungsangriffe bestimmter politischer Gruppen die Durchführung dieser auf Volksdeutscher und gesamtdeutscher Grundlage stehenden Tagung zu ermöglichen. Diese Treibereien richteten sich besonders gegen den Anschlußcharakter der Tagung. Auch die Bundesregierung machte sich diese Stellungnahme zu eigen. Sogar die Gedenkfeier für die ge- fallenen Kärnter Abwehrkämpfer wurde in diese Bedenken eingezogen. Obwohl der VDA. sich ausdrücklich bereit erklärt hakte, die allgemein bestehenden Vorschriften zu beachten, kamen weitere Behinderungen. Es wurde den reichsdeutschen Teilnehmern auch verwehrt, vom Reiche amtlich anerkannte Flaggen zu zeigen und im Festzuge mitzuführen. Die allgemeinen politischen Ereignisse verschärften die Lage derartig, daß eine Gewähr für die freie, dem Grundcharakter dieser Pfingstveranstaltung entbrechende Durchführung der VDA.-Tagung nicht mehr gegeben erschien.
So ordnete die VDA.-Relchsführung in Zusammenhang mit den von behördlicher Seite getroffenen Maßnahmen die Verlegung der Gesamt- lagung nach Passau an. Sämtliche Einladungen und Zusagen gelten nunmehr für Passau. In Passau wird das KlagenfurterProgramm zur Durchführung kommen. Der VDA. will in der allen deutschen Bischofsstadk Zeugnis ablegen von der Einheitund Ganzheit desdeutschen Volkes. Mit dem Blick nach Osten und in unlöslicher Verbundenheit mit dem deutschen Volk Oesterreichs wird der VDA. sich zur Wahrung der deutschen Mission der Alpen- und Donauländer, zur Schicksalsgemeinschaft aller Deutschen in der Welt bekennen.
lange geplant hatte. Das erste Werk dieser Art, das betoe laufen, war ein Festspiel zu Ehren der Herzogin „Aurora". Da ertränkte Wielanos Gattin ge- äyrlich, genas aber, obwohl sie von den Aerzlsn chon aufgegeben war. Sie kehrte ihm wie Alceste )em Admet „gleichsam aus der Unterwelt" zurück, und unter dem Eindruck dieses Erlebnisses drängte es den Dichter, den ihm durch das Drama des Euripides bekannten Stoff zu bearbeiten. „Das Personal des singenden Theaters", so erzählt er, „bestand aus nur vier Personen. So viele Personen tonnte ich also nur annehmen. Besonders gefiel mir die Idee, der Alceste zwei Kinder zu geben, weil ich selbst damals nur zwei hatte". Als er das Werk der Herzogin vorgelesen hatte, fragte sie ihn, wer es denn komponieren würde? Er nannte den Namen Schweitzers und wußte Anna Amalia, die lieber den Kapellmeister Wolf bevorzugt hätte, mit Wärme zu überzeugen, daß allein Schweitzer für diese Aufgabe sich eigne. Dieser ging, für das in ihn gesetzte Vertrauen sehr dankbar, oft zu Wieland, um sich von ihm die Dichtung vorlesen zu lassen, und trat dann an die Arbeit heran, die er nicht leicht nahm.
Der Dichter erzählt uns: „Eines Tages kam er und sagte: er müsse wohl die ganze Komposition aufgeben. Da sei eine Stelle, wo Alceste aus Elysium wieder hervortritt und die Worte spricht: „Noch weht ein Geist der Unvergänglichkeit mich an." Hier müsse ein gewaltiger Uebergang stattfinden, der ihm aber unmöglich zu treffen sei. Ich sprach ihm Mut ein, riet ihm, diese Arie von jetzt ganz bei Seite zu legen. Mir gehe es mit gewissen Dichtungen, ja sogar einzelnen Reimen ebenso" Eine Woche danach kam Schweitzer strahlenden Auges wieder, er glaubte, die Lösung gefunden zu haben, und wirklich wurde es nach Wielands Meinung „eine der sublimsten Stellen: „Der Uebergang von ö-Dur zu kck-Dur ist überraschend und bei vollem Orchester erschütternd."
Die gesamte Komposition befriedigte den Dichter in hohem Grade. An einen Freund schrieb er enthusiastisch: „Erstaunen werden Sie, wie ich, wenn Sie mit eigenem Ohr hören, tieif in Ihrer eigenen Seele fühlen ... wie groß die Gewalt dieses Tonkünstlers über unser Herz ist! Wie sehr er Maler und Dichter ist! Wie meisterlich er sich des eigenen Charakters der Personen bemächtigt, mit welchem Feuer er ihre Leidenschaften, mit welcher Wahrheit, Feinheit und Zärtlichkeiten er ihre Empfindungen ausdrückt! Nichts übertrifft die Kunst, womit er jede Stelle vorbereitet, ober unterstützt, ober vollendet. Aber was ich am meisten an ihm schätze, ist die Weisheit, womit er die Begierde zu schimmern und den Ohren zu schmeicheln, ja, wo es seyn muß, die mecha-
(Strenge österreichische Devisenbestimmungen.
Berlin. 27.Mai. (WTB.) Amtlich wird darauf hingewiesen, daß nach den in Oesterreich geltenden Devisenvorschriften aus Oesterreich nur 200 ö. S. bzw. der Gegen wert von 5 0 0 ö. S. ausgeführt werden dürfen. Dies gilt auch für die Durchreise durch Oesterreich. Deutsche Reichsangehörige, die einen größeren als den genannten Geldbetrag bei sich führen, haben damit zu rechnen, daß ihnen bei der Aus
reise aus Oesterreich von dem österreichischen Grenzzollamt der Mehrbetrag beschlagnahmt wird, wie dies beinahe täglich seitens des österreichischen Eisenbahnzollamtes t n Kufstein geschieht. Um eine Beschlagnahme von Geld und die mit der Wiedererlangung verbundenen Scherereien zu vermeiden, wird den deutschen Reisenden dringend empfohlen, sich bei der Einreise nach Oesterreich, insbesondere auch bei der Rückreise von Italien, von den österreichischen Zollbeamten die mit- geführten Geldbeträge im Reisepaß vermerken zu lassen.
Pastor von Melschwingh znm Aeichsbischos -er Evangelischen Kirche bestimmt
Zustimmung der evangelischen Landeskirchen. — Eine Kundgebung des neuen Reichsbischofs.
Berlin, 27. Mai. (OB.) Die Vertreter der Deutschen Evangelischen Landeskirchen haben, wie der Evangelische Pressedienst erfährt, in zweitägiger Beratung die Schritte gebilligt, die von den Bevollmächtigten des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes Dr. Dr. Kapier, D. Rlarahrens und D. Hesse, zur Schaffung einer neuen Evangelischen Kirche unternommen wurden. Die Vertreter stimmten den von den drei Bevollmächtigten in Gemeinschaft mit dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller, aufgestellten Grundzügen für die künftige Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche zu. Es bestand Einmütigkeit, daß an der Spitze der künftigen Kirche ein Reichsbischof lutherischen Bekenntnisses stehen soll. Unter völliger Wahrung der Grundsätze des reformierten Bekenntnisses in der Bischofsfrage haben sich die Reformierten entschlossen, dem Gesamtverfassungswerk 3 u 3 u ft i m m e n.
Durch die Billigung der in der Öffentlichkeit bereits bekanntgegebenen Entschließung der drei Vertreter der Kirchen wurde Pastor D. v. Bode'- schwingh 3 u m Reichsbisch 0 f beftimmt. In feierlicher Sitzung wurde er alsdann am Samstagnachmittag vom Präsidenten Dr. D. Kapier begrüßt. Es machte tiefen Eindruck, als Dr. v. Bodel- fchwingh in starker Innerlichkeit betonte, fein Amt in Gehorsam gegen Gott aufzunehmen und in entschlossenem Verantwortungsbewußtsein als Dienst an Kirche, Staat und Volk führen zu wollen. Das Verfassungswerk der Kirche soll in Fühlung mit dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller, baldigst zum Abschluß gebracht werden.
In einer Kundgebung an die Evangelische Kirche Deutschlands erklärt der neue Reichsbischof v. Bodelschwingh u. a.:
„Roch einmal hat Gott unserem Volke die Möglichkeit geschenkt, aus der tiefen Bewegung dieser Zeit zu einer Reuordnung zu kommen, die den Weg in eine Harte reine Zukunft freimachen soll. 2n solcher Wende der Zeit ist auch die Christenheit zu einer neuen Gestaltung ihres Lebens berufen. Ich habe dieses Bischofsamt für mich nicht begehrt, sondern i ch gehe den Weg des Gehorsams. Wenn die verantwortlichen Männer der Kirche mich beauftragt haben, der ich aus einer Arbeit an Armen und Kranken komme, so zeigt das den Weg, den ich auch weiterzugehen habe. Es ist der Weg der Diakonie. Ginge es nach mir, so würde ich lieber Reichsdiakon als Reichsbischof genannt werden. Aber es liegt nicht am Ramen, seinen Ramen soll das Amt bekommen, durch einen Willen, der nicht herrschen, sondern dienen möchte in der demütigen Nachfolge dessen, der „nicht gekommen ist, daß er sich dienen läßt, sondern daß er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für viele". Allen, denen es um diesen Dienst der Kirche
geht, strecke ich in dieser Stunde mit brüderlichem Vertrauen die Hand entgegen und bitte sie, mich und mein Amt mit ihrer Fürbitte und ihrem Gebet zu tragen.“
Wehrkreispfarrer Müller spricht im Rundfunk zur Krage des Reichsbischofs.
Die Stellung der Glauben-bewegung „Deutsche Christen".
Berlin, 27. Mai. (ERB.) Wehrkreispfarrer M ü 11 e r, der Vertrauensmann des Reichskanzlers für kirchliche Angelegenheiten, hielt über den Deutschlandsender einen Vortrag über die bevorstehende Reubildung der evangelischen Reichskirche und die Wahl des Reichsbischofs, in dem er il a. ausführte:
Die Kirchenregierungen haben den Ruf der Stunde nicht gehört. Die Lösung, die sie uns in der Frage des Reichsbischofs Vorschlägen, ist nicht verknüpft mit dem, was jetzt an Glaube, Hoffen und Liebe durch die bisher stumpfen und verzweifelten Millionen geht. Die Wahl der Kirchenregierungen ist nicht die Wahl der Deutschen Christen. Denn sie ist nicht die Wahl des gegenwärtigen deutschen evangelischen Kirchenvolkes.
Der Reichsbischof feilte ein Mann fein, dessen Rame Widerhall weckt in unseren kämpfenden Scharen, ein Mann, dem das ganze aufbrechende Volk von Herzen mit Vertrauen entgegenfliegt. Er (sollte der Führer der Kirche zu neuem Werden und neuer Tatkraft sein. Es ist eine Unnatur, daß Männer ihn gewählt haben, die in ihrer Mehrheit Vertreter des Bestehenden sind, das der Verjüngung aus den Möglichkeiten der Stunde bedarf.
3n uns Deutschen Christen hat der Glaube an das reine, lautere Evangelium von Jesus Christus eine freue, heiße Liebe zu unserem Volk und unserer Kirche geweckt. Und eben darum sagen wir nein zu dieser Lösung und nein erst recht zu dem Wege, auf dem sie gefunden worden ist.
Wir gedenken der jungen tapferen Kameraden von der SA. und von der SS., sie sind es, die unser Volk und unseren Staat in dem Werke des Neubaues tragen und ihnen soll die Kirche unverfälscht und unverkürzt das Evangelium sagen. Wir gedenken unserer deutschen Brüder, die bisher Marxisten gewesen sind.
Wir sprechen nicht von Rechtsfragen Im juristischen Sinne. Auch sie liegen nicht günstig für die Kirchenregierungen. Wir sprechen von dem lebendigen Recht der geschichtlichen Stunde, der wir im Glauben gehorchen müssen. Deshalb weigern wir uns, die Entscheidung der Kirchenregierungen anzunehmen. Vorwärts mit Gott für eine neue Evangelische Kirche, die frei und bereit und tüchtig ist zum Dienst am gegenwärtigen deutschen Volk!
Nischen Kunstregeln selbst der höheren Absicht, auf die Seele zu wirken, aufzuopfern weiß. Andere sehen den Dichter als ihren Handlanger an; er als leinen Gebieter. Er weiß zu schweigen, wo der Dichter allein reden muß; aber wo jener an den Grenzen feiner Kunst ist, da eilt er ihm mit der ganzen Macht der (einigen zu Hülfe. Man kann nicht von ihm sagen (obwohl dies ein großes Lob für einen schwächeren Komponisten märe), daß er mit seinem Dichter ringe. Was er thut, ist ganz andres, und es ist ohne Zweifel unendlich mal mehr. Er verliert sich in seinem Dichter, er wird mit ihm zu einer Person; ein Genuß, ein Herz scheint beide zu beseelen. Wie oft, wenn er mir eine Stelle, womit er soeben fertig geworben, vorsang, rief ich aus: welche Muse offenbart Ihnen die eigensten Gedanken meiner Seele und gibt Ihnen den einzigen Ausdruck, den angemessensten unter allen möglichen, ein? Wie machen Sie cs, baß Sie mehr tun, als ich selbst? Daß Sie sich des Ideals bemächtigen, welches im Arbeiten meinem Geiste vorschwebte, und welches ich unvermögend war, mit Worten völlig zu erreichen?"
Der Dichter nahm an allen Proben teil «unb war im besonderen von der Leistung der schönen Madame Koch als Alceste so entzückt, daß er ihr eine Huldigung in Versen darbrachte. Die Ausführung bedeutete ein Ereignis für das ganze gebildete Deutschland und hatte einen großen Erfolg.
Zur Zeit völliger Verwelschung der ernsten Oper (selbst der große Reformator Gluck vertonte nur fremdländische Libretti) war mit der zwar stofflich an Euripides anknüpfenden, aber doch ganz selbständigen „Alceste" endlich ein dichterisch wertvoller deutscher Text von einem der namhaftesten deutschen Dichter geschaffen und als würdig, komponiert zu werden, erkannt worden.
Die „Dafne" von Martin Opitz (1627), komponiert von dem sächsischen Kapellmeister Heinrich Schütz, die vielfach als erste deutsche Oper bezeichnet wird, ist ein nach italienischem Vorbild geschaffenes Festspiel, in dem alle Künste wetteifern, die Sinne zu befriedigen. In der „Alceste" dagegen haben wir ein schlichtes, in sich geschlossenes, keinen äußeren Aufwand erforderndes Werk, das weit eher der „Einfalt und Gröhe" der antiken Tragödie nahe kommt, und die Seele zu ergreifen vermag. Daß Wieland den rechten Stil gefunden, beweist auch die Tatsache, daß Gluck ihn nun um eine Dichtung bat, die er komponieren wolle.
In verhältnismäßig kurzer Zeit erreichte die „Alceste" allein in Weimar die für die damalige Zeit bedeutende Zahl von fünfundzwanzig Auf
führungen, und viele andere Bühnen übernahmen die Oper.
Wieland jubelte über bas Gelingen des Unternehmens, zu dem ihn feine fürstliche Gönnerin angeregt hatte, unb schrieb in seinem „Deutschen Mercur" begeistert über die „Alceste". Er konnte sich in seiner Freude über den Erfolg dabei nicht einer gewißen Ruhmredigkeit enthalten, und diese reizte den jungen Goethe zu der witzigen, aber ungerechten Farce „Götter, Helden und Wieland". Der Verfasser nannte sie selbst „ein schändlich Ding", bereute später den Angriff unb bewies in seiner „Iphigenie", daß Wielands „Alceste" nicht ohne Nutzen für ihn gewesen war.
Kanadische Arbeitslager.
Die Beschäftigung der Erwerbslosen in Arbeitslagern, die bei uns jetzt in großem Maßstab durch- gesührt wird, ist schon seit einiger Zeit in Kanada erprobt worden. Wie dem Bericht eines Blattes in Montreal zu entnehmen ist, wurde mit dec Einrichtung dieser Lager vor einem Jahr begonnen, als die kanadische Regierung erwerbslose Junggesellen als Freiwillige zu diesem Zweck aufrief. Der Andrang war so groß, daß nur ein kleiner Prozentsatz angenommen werden konnte, diese Leute würden nach ihrer körperlichen Tüchtigkeit und Eignung für bestimmte Arbeiten ausgewählt. Rekrutierungs- Depots wurden dann bei den Hauptquartieren jedes militärischen Bezirks eingerichtet, und die Freiwilligen wurden zu „Arbeitsregimentern" ausgebildet. Die Männer sind in Arbeitslagern untergebracht, für deren Anlage die Regierung bisher 125000 Dollar ausgegeben hat. Jeder Mann bekommt freie Nahrung und Unterkunft sowie 20 Cents täglich für seine Arbeit. Die Organisation vollzieht sich ganz auf militärischer Grundlage. Alte Heeresausiüstun- gen, die fett der Demobilisierung nach dem Weltkrieg unbenützt herumgelegen hatten, wurden verwendet. Die meisten Insassen der Lager fühlen sich dort wohl und ziehen diese Art des Lebens trotz der knappen Bezahlung dem Herumlungern und dem vergeblichen Suchen nach Arbeit vor. Die Zahl der einzelnen „Regimenter" schwankt zwischen 50 und 250, da die Stärke von der gerade zu leistenden Arbeit abhängt. In den Lagern, deren es bereits in ganz Kanada mehr als ein Dutzend gibt, sind gegenwärtig etwa 3000 unverheiratete Leute beschäftigt. Sie stehen unter der Aufsicht von Offizieren der verschiedenen Militärbezirke. Man beabsichtigt in Kanada, diese Organisation, die sich in dem verhältnismäßig kleinen Umfange nach einem Jahr gut bewährt hat, weiter auszubauen.


