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machen pflegt und manchmal ausspannt, stillgestan« den haben. Im Wagen aber, ganz zusammengefallen, hätte Zweilinden gelegen. Tot! Don einer Kugel mitten ins Herz getroffen! Du lieber, guter Gott, ist das nicht furchtbar? Die Polizei ist schon auf den Beinen, heißt es, und die Mordkommission aus Frankfurt wird erwartet."
Wulf von Speerau hatte nun die Gewißheit, auf die er so fieberhaft gewartet. Halb lag sie ihm wie ein Alpdruck auf der Brust, halb empfand er ein Siegergefühl. Jetzt war der Weg zu Bettina und ihrem Reichtum frei! Die Erbin von Zweilinden war das reichste Mädchen!
Er warf seine Zigarre zum offenen Fenster hinaus, sagte in unwilligem Ton: „Das ist doch alles Unsinn, ich war doch heute vormittag in Zweilinden, und Herr von Zwcilinden war vergnügt und gesund'." Er schlug sich vor die Stirn. „Aber er erzählte mir, er müsse als Sachverständiger zu einem Termin in die Kreisstadt fahren. Er schüttelte sich. „Sollte es also doch wahr sein? Oh, das wäre ja entsetzlich." Wie von Mitleid überwältigt, murmelte er vor sich hin: „Die arme Bettina Claudius tut mir in der Seele leid!" Er ging ans Telephon. „Warten Sie einen Augenblick, lieber West, ich telephoniere gleich mal an das Hotel .Eichkatz'."
Seine Hand, die den Hörer abnahm, schien ruhig, aber sein Herz schlug wie ei,n Schmiedehammer.
Das Gespräch war nur kurz, und Wulf von Speerau wandte sich wieder dem alten Inspektor zu, sagte in dumpfem Tone: „Es ist wirklich wahr, alles, was man Ihnen erzählt hat, stimmt." Er ging zu einem Stuhl, lieh fidi darauf niederfallen. „Wie furchtbar, wie furchtbar! Aber daß so etwas in unserer bisher so sicheren und harmlosen Gegend geschehen konnte." Er ballte die Fäuste: „Wenn man nur den Schuft faßte, der das getan hat."
Der Inspektor nickte. „Herr von Zweilinden war manchmal etwas kurz und rauh, ich glaube, er könnte manchen Feind unter seinen früheren Knechten haben."
Schon am späten Nachmittag wurde Wulf von Speerau nach Zweilinden gerufen. Die Mordkommission war bereits bei der Arbeit, und da er kurz vor der Fahrt des Gutsherrn in Zweilinden gewesen, zog man auch ihn in den Kreis der Zeugen ein.
Als Wulf m die Halle trat, stürzte ihm Bettina ganz aufgelöst in Tränen entgegen, und unbekümmert um ihre Umgebung drängte sie sich an ihn, schluchzte verzweifelt: „Der arme, liebe Vater!" Wulf streichelte ihr Haar. Er hatte nun die Gewißheit, Konrad von Zweilinden hatte vor seiner Fahrt nach der Kreisstadt nicht mehr von ihm zu Bettina gesprochen, und damit fiel wieder eine Schwierigkeit fort
Als er dann von dem Kriminalkommissar gefragt wunde, aus welchem Grund er heute vormittag in Zweilinden gewesen, antwortete er ruhig: „Um ihn offiziell um die Hand seiner Pflegetochter Bettina
zu bitten, die er mir, wie Bettina und ich es nicht anders erwarteten, auch gewährte. Er sagte schließlich scherzhaft zu mir: „Nun aber 'naus, Sie Verliebter, und nach Hause. Ich muß als Sachverständiger in die Kreisstadt zum Termin, kommen Sie heute abend wieder, dann machen wir 'ne kleine Vorfeier. Und jetzt nicht etwa Bettina auf- suchen, ich will sie Ihnen mit einem richtigen Vatersegen in die Arme legen!" Weiter könne er nichts aussagen. Er wäre dann mitten durch den Wald langsam und vergnügt nach Hause gegangen.
Der Kommissar hatte nicht den geringsten Grund, die Aussage anzuzweifeln. Alles klang so überzeugend, ganz glaubhaft.
Man hatte den Revolver gefunden mit dem kleinen Messingschild, auf dem die Adresse einer Londoner Waffenhandlung eingraviert war. Aber da solche Waffen jahrein, jahraus verkauft wurden, hatte eine Nachfrage bei der Firma kaum einen Zweck.
Nach seiner Aussage suchte Wulf Speerau Bettina auf. Er fand sie in der Bibliothek. Wie vernichtet saß sie in einem Sessel, ober über ihr Gesicht glitt doch ein heller Schein, als der Geliebte eintrat.
Wulf näherte sich ihr, strich über ihr dunkelbraunes Haar.
„Meine arme, arme Bettina, es ist furchtbar, was geschehen ist, glaube mir, ich fühle mit dir. Ich war doch heute vormittag hier, und dein Vater gab so freudig die Zustimmung zu unserer Ehe, daß ich unendlich glücklich war. Heute abend erst solltest du das erfahren, wünschte er, heute abend wollte er Verlobung mit uns feiern."
Bettinas Hände verkrampften sich.
„Wie schön wäre das gewesen, wie wunderschön. Und nun liegt er irgendwo in der Kreisstadt, kalt und tot, und man rät mir, nicht darauf zu bestehen, ihn sehen zu wollen, obwohl ich es möchte. Denke nur, Wulf, ich soll ihn kein einziges Mal mehr sehen, ehe man ihn in den Sarg tut und begräbt. Kein einziges Mal mehr! Das xft doch unmöglich. Heute Morgen war er noch so gut und lieb zu mir, und jetzt ist er schon tot." Sie hob den Blick. „Aber er hat dir noch erlaubt, mich au heiraten. Das ist wie ein Trost, nicht wahr, Wulf?"
Er wiederholle: „Ja, das ist wie ein Trost, meine geliebte Bettina!"
Er versprach, am nächsten Tage wiederzukommen, und ging dann, nachdem er die Weinende noch so gut es ihm möglich war, beruhigt hatte.
Bettina verließ die Bibliothek und suchte ihr Zimmer auf. Die frohen Farben darin taten ihr heute weh, wie einem Trauernden wohl ein helles Lachen wehe tut, das an sein Ohr bringt. Sie blickte in den Park hinaus und sann: Gestern noch glaubte sie die stummen Gäste von Zweilinden zechen gehört zu haben. Ihr Besuch sollte Unheil bedeuten, und nun war bas Unheil schon da. Ein schreckliches Unglück war geschehen, das schlimmste, bas sie sich zu denken vermochte.___________________
Ihr graute plötzlich wieder vor dem, was sie verlacht, vor den stummen Gästen von Zweilinden.
4.
Die Mordkommission hatte festgestellt, daß der tödliche Schuß vom Waldweg aus, von der Stelle, wo der Revolver gelegen, auf den Gutsherrn abgegeben worden war, gerade als der Wagen die Kurve nahm und er natürlicherweise langsamer gefahren wurde. Aber man fand keinen Anlaß, irgendjemand des Mordes zu verdächtigen. Man glaubte allgemein, es müsse wohl ein früherer Knecht von Zweilinden gewesen fein, der aus Rachsucht die Tat begangen. Zur Erntezeit gab es alljährlich so viel fremde Hilfsarbeiter auf dem Gute, daß es schwer war, da eine Spur zu finben.
Die Leiche Konrad von Zweilindens wurde freigegeben und in dem Erbbegräbnis der Familie auf dem nahen Dorffriedhof zur letzten Ruhe gebracht
Bettina stand, in düstere Trauergewänder gehüllt, am Grabe und weinte haltlos. Eine Schwester des toten Gutsherrn mit ihrem Mann, der sich mit dem Verstorbenen sehr schlecht gestanden, waren aus Berlin gekommen, wo er als Privatgelehrter von dem Vermögen lebte, das ihm feine Frau in die Ehe gebracht. Das Paar war äußerst besorgt um Bettina, und das harmlose Mädchen war dankbar dafür. Sie ahnte nicht, daß man ihr nur schöntat, weil sie die Erbin von Zweilinden war.
Die beiden waren einen Tag vor dem Begräbnis angelangt, und Frau Justine von Welten fühlte sich ofort äußerst wohl hier im Herrenhause, in dem sie o lange gelebt, bis sie sich, sehr gegen den Willen hres Bruders, mit Dieter von Wetten verheiratete, den sie bei Bekannten in Frankfurt am Main fennengelernt Jetzt aber war der Bruder, der von ihrem Manne nur gerade die allernötigste Notiz genommen, nicht mehr da, nur ein junges Mädchen lebte hier als Herrin. .
Es war also Gelegenheit gegeben, sich wenigstens bis zum Winter in ein nettes, behagliches Nest zu kuscheln. Ähr Mann konnte seine Studien machen, wo er wollte, er war an keinen Ort gebunden.
Sie tat mütterlich besorgt um Bettina und war sehr liebenswürdig zu Wulf von Speerau, weil sie in ihm nach dem, was sie gehört, den zukünftigen Hausherrn von Zweilinden sah.
Nach der Beerdigung führte das Ehepaar Bettina zwischen sich zum Auto.
Die ganze Nachbarschaft hatte sich eingefunden, um Konrad von Zweilinden, der auf so plötzliche, tragische Weise ums Leben gekommen, die letzte Ehre zu erweisen. Man raunte sich zu, Wulf Speerau märe heimlich mit Bettina Claudius verlobt und der Graf wäre nun bald einer der reichsten Grundbesitzer weit und breit. Auch von Ottfried Zweilinden redete man, aber er war nicht mehr wichtig. Einer, der zehn Jahre lang geschwiegen, würde auch weiter schweigen, und zu holen war ja hier nicht mehr viel für ihn.
(Fortsetzung folgt.) ___________
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Oie stummen Gäste von Zweilinden
Noman von Anny von panhuys.
Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold, 3 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Der Wagen des Gutsherrn von Zweilinden näherte sich, nahm langsam die Kurve, um in die Chaussee nach der Kreisstadt einzubiegen. Im gleichen Augenblick krachte ein Schuß, das Pferd bäumte sich auf und raste wie toll davon, in der Richtung auf die Kreisstadt zu. Wulf von Speerau aber sah noch, wie der Körper Zweilindens langsam hintenüber fiel und halb über den Fahrsitz hing.
Er ließ den Revolver fallen. Mochte man ihn hier finden. Er aber stürmte wie von Furien verfolgt, waldein, und erst, als er ein großes Stück zwischen sich und den Ort seiner Tat gelegt, ging er lang- sanier. Nun hieß es zunächst sich zu beruhigen. Das war die Hauptsache.
Er holte einen Taschenspiegel hervor und betrachtete sich. Sein Hut saß ein wenig schief, aber sein Gesicht sah aus wie immer, fand er. Den Hut rückte er gerade, und dann zwang er ein Lächeln um seine Lippen, begann überlaut zu pfeifen. Es war eine Marschmelodie. Er wollte nicht hören, wie ein Wagen auf der Chaussee nach der Kreisstadt dahinjagte.
Diele Fragen bedrängten ihn. War Konrad von Zweilinden tot oder hatte er schlecht getroffen, halle er ihn nur verwundet? Und wenn er ihn nur verwundete, war er von ihm gesehen worden? Ihm war flau zumute, aber er pfiff weiter. Falls ihm jemand begegnete, sollte er den Eindruck gewinnen, er befände sich in guter Stimmung.
Er erreichte Schloß Wiesental, ging pfeifend in fein Zimmer, machte allerlei Arbeiten, die höchst unwichtig waren. Aber die Unruhe trieb ihn dazu. Mit irgend etwas mußte er die Zeit ausfüllen, denn bald würde er ja hören, ob es ihm geglückt war, den Störenfried, der ihm feine Pläne über den Haufen geworfen, auszuschallen. Vor allem: für immer.
Er aß zu Mittag wie immer, machte der alten Köchin, die schon bei seinen Ellern in Diensten gewesen, und die selbst die Speisen auftrug, Komplimente, wie gut sie koche, und tat äußerst vergnügt.
Gegen zwei Uhr, als er, eine Zigarre rauchend, am offenen Fenster seines Arbeitszimmers saß, kam Ludwig West, fein Inspektor, zu ihm. Er war sichtlich aufgeregt und malträtierte seinen langen grauen Dollbart
„Herr Graf, denken Sie doch nur, es heißt, Herr von, Zweilinden wäre erschoßen worden. Sein Pferd soll mit dem Jagdwagen in toller Fahrt in die Kreisstadt gerast gekommen fein und vor dem Hotel „Eichkatz", wo Zweilinden immer haltzu-
Denken Sie
Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand.
01997
2168 D
ken bewahren.
8155D
Leihgestern, den 28. März 1933.
Die Beerdigung findet Donnerstag. 30. März, nachm. 4 Uhr, statt
2172 V
Um stille Teilnahme bitten:
Marie Martin, geb Grieb
Theo Martin und Frau Marie, geb. Werner Elisabeth Martin, Paul Martin.
Gießen, den 29. März 1933.
Die Beeidigung findet Freitag, den 31. März, nachmittags 3 Uhr, aui dem Neuen Friedhof statt
Todes* Anzeige.
Gestern mittag 12 Uhr entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden in der Medizinischen Klinik zu Gießen unser lieber, unvergeßlicher Sohn, Bruder, Pate, Neffe und Cousin
EmilWeller, Friseurlehrling
im Alter von 16 Jahren, was wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch mitteilen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Karl Weller, Reichsbahnwagenmeister.
Wieseck (Gießener Straße 21), den 29. März 1933.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. März, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus statt
Die Beerdigung unseres lieben Kameraden
Michael Synowzik findet Donnerstag, den 30. März, nachmittags 2 Uhr statt 2153 d
[Stellengesuche|
Ordentliches LNÄdrven vom Lande (20 I.), das in Stetig, war, sucht Stelle f. halbt. Schriftl. Ang. unt. 01983 a. d. Gtz. Az.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. März, 14 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand.
AltersverelniM 1875-1925
Wir erfüllen hierdurch die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Hinscheiden uns. 1b. Alterskollegen HerrnMichäelSsnowzik in Kenntnis zu setzen. Dem leider allzufrüh Dahingeschiedenen wer den wir stets ein ehrendes Geden-
Jüngere Verkäuferin aus d.Herrenartikel- branche fof. gesucht. Schriftl. Angeb. mit Zeugnis-Abschriften unt. 02000 a.d.G.A.
Todes-Anzeige.
Unser heißgeUebtes Kind und Schwesterchen
Ottilie
ist uns heute, an seinem Geburtstage, nachmittags 5 Uhr, nach langer, schwerer Krankheit im vollendeten achten Lebensjahre durch einen plötzlichen, sanften Tod genommen worden.
In tiefer Trauer:
Familie Wilhelm Diehl.
Jobs. 11. 25.
Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, meinen Heben Mann, unseren treusorgenden Vater und Großvater
Karl Martin
im Alter von 64 Jahren nach längerem Leiden zu sich in die ewige Heimat zu rufen.
Frau rn.7jähr.Kind
Jimmer ev. m. Küche gegen Hausarb., gehl auch -u einzelnem Herrn i.Gietzenod.Umgeg. Schriftl. Ang. unt. 01954 a. d. Gfi. Az.
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