Geschichten aus aller Welt.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Ifcxne kostbare Luppe.
(—) Peking.
Zollbeamte machten dieser Tage auf einem ver- dächtigen chinesischen Küstenfahrzeug im Hafen von Schanghai einen sehr merkwürdigen Fund. Kurz vor seinem Auslaufen nach Hongkong nämlich wurde das Boot auf Schmuggelware durchsucht, die es nach einer detaillierten anonymen Anzeige unbedingt an Bord haben mutzte. Aber obwohl die mit allen Listen chinesischer Schmuagler wohlauf vertrauten Zollbeamten das Schift beinahe auf den Kopf stellten und nicht den kleinsten Winkel an Bord undurchiorscht liehen, war nicht» zu finden, bi» man zum Schluß in die Küche des Schiffes kam.
Aber hier stand nur „Smutje", der schlitzäugige Schiffskoch, vor dem Herd, auf dem ein Riesenkessel mit Suppe kochte und dampfte, in dem er eifrig rührte und sich eins dabei pfiff. Die Suppe sollte, bemerkte er zwischendurch, der chinesischen Bemannung des Schisses zum Frühstück dienen. Da es jedoch auf chinesischen Schissen zur Frühstückszeit durchaus nicht Io opulent herzugehen pflegt, schöpfte einer der Zöllner Verdacht, nahm dem Koch den Schöpflöffel aus der Hand und fuhr mit ihm selbst in die brodelnde Suppe: gleich suhlte er iroend- etwas aus dem Boden des Kessels, was bestimmt kein Suppenfleisch war, und als man es heraus- fischte, waren es siebzehn Barren Gold im Werte von rund 15 000 Mark. — Dies war vermutlich das teuerste „Eintopsgericht", das jemals zubereitet worden ist.
Sine 63jäf)riflc VottSschüleri«.
(a) Schanghai.
Die dreiundsechzigjährige Arbeiterin Liu-Huang-Se In «anton faßte den ehrenwerten Entschluß, die Volksschule zu besuchen, um die Kunst de» Schreiben» zu erlernen. Begründung: Sobald sie oder ihr nicht minder ungebildeter Mann Geschäfte machten mit schreibkundigen Menschen, würden sie überoor- teilt. Um diesem unhaltbaren Zustand „rechtzeitig" abzuhelfen, holt die alte Tante das bisher Ber- fäumtc nach und lernt mit Feuereifer. Sie hofft, die erste BolksschulNafse bald absolviert zu haben. Dann wird sie hossentlich nicht mehr betrogen werden! Man sieht: Bester spät als gar nicht! ....
DaS älteste Lbservatorurr» Europas.
(z) Amsterdam.
In der Unioerfität in Leyden feierte man bi Gegenwart internationaler Größen der Mftrommrie das 300jährige Jubiläum des ältesten Obfervolo- riums Europas. Ein großer hölzerner Quadrant und einige lächerliche Instrumente, die damals der Höhepunkt der astronomischen Werkzeuge schienen, sind die Ueberrefte jenes Anfangs einer modernen Sternwistenschast in Leyden.
Man lehrte die Astronomie, freilich rein theoretisch, schon seit 1575. Aber erst 50 Jahre später fab man dem dauernden Mahnen des Dr. Snel« i u » nach und baute nach den Anweisungen dieses Lehrers des Prinzen Moritz von Qranien einen hohen hölzernen Turm vor der Unioerfüät. Dr. Snellius, der Dater also dieses ersten europäischen Observatoriums, starb vier Jahre, ehe der Turm sertiggestellt war. 60 Jahre beobachtete man von diesem Holzturm aus die Gestirne, bis man bann später, schon mit einem kupfernen Sextanten, der damals 1000 Gulden kostete, in ein neues Haus umziehen mußte.
Seit 1633, dem „Eröffnungsjahr" des ersten Observatoriums, bildete der hölzerne Turm die
jährige Eruberain Selbstmord begangen, weil sie ihr letzte» Geld am grünen Tische losgeworden war. Die Regierung erwägt nun drakonische Maßnahmen gegen diese überhandnehmende Spielwut, gegen die bisher so gut wie nichts unternommen werden fomue, da ihr leöidid) in geschlossenen privaten Kreisen gefrönt wurde.
Oie Derufsnot der weiblichen Jugend.
Don Berufsberaterin Dr. Hauffig, Arbeitsamt Gießen.
Die große Aktivität de» neuen Staates hat auch hinsichtlich der Berufslage der Frauen und Mädchen eine neue Situation geschaffen. Die Frage der Berufswahl ist nicht mehr im selben Maße wie bisher der Entscheidungsfreiheit der Mädchen anheimaeaeben. Art und Anzahl der Berufe, denen die Mädchen sich heute zuwenden können, sind von vornherein auf die speziell weiblichen Berufe be- schränkt. Einerseits ist den Mädchen damit die Berufswahl erleichtert, andererseits ist sie wesentlich erschwert, weil ja nun der Andrang zu diesen Berufen ein viel größerer wird. Jedenfalls steht fest, daß die weiblichen Berufe nicht die Scharen von
Sm (Sieöenee Anzeiger
nimmt der neue große Roman in täglichen Fortsetzungen am Montag, dem 30. Oktober, seinen Anfang. Ss gelangt ein Werk der bekannten Meisterin des Zeitungsromans, 3. Schneider-Foerfil, zur Veröffentlichung unter dem Titel
Dotzt-r Gvudes Ghe
Späte Belohnung.
(w) Oslo.
Prinz Olaf von Norwegen erhiell vor einiger Zeit einen Brief von einem gewissen Mr. Davis in London der Seine Königliche Hoheit um Nachforschungen bat, ob heute noch Ueberlebenbe der Bark „Urda" aus Stavanger existieren, deren Besatzung ihn. Mr. Davis, im Jahre 1883, vor genau fünfzig Jahren demnach, bei einem Schiftbruch gerettet hat. Der Prinz übergab diese Bitte der Poli- zei, die sesfttellte, daß nur noch der Schiffszimmer- mann der „Urda", Herr Die D. Dikoren, in Stavanger am Leben ist. Das wurde Mr. Davis mit- geteilt, und er übermittelte dem allen Seebären nunmehr die Summe von 1000 Pfund als „verspätete Belohnung", wie er sagt, denn er sei erst jetzt nach einem arbeit»- und muhereichen Leden zu Vermögen und in die angenehme Lage gekommen, zuwenigsten» einem seiner damaligen Lebensretter eine Freude zu machen. Tausend Pfund — ob da» eine Freude für einen allen pensionierten Seemann ist!!
Trinfhömer hatten Küße.
(E. v. M.) Kopenhagen.
Unsere germanischen Vorfahren waren — dem rauhen Klima ihrer Heimat entsprechend — zweifellos trinkfeste Männer, die einen tiefen Schluck al» Göttergabe nicht verachteten. Ihre urwüchsige, in hartem Kampf gestählte Leibesbeschafsenhell konnte auch in dieser Beziehung „was vertragen", doch mästen wir uns davor hüten, unsere Väter mit einer angeblichen Döllerei 3U belasten, die vielleicht in das verzerrte Bild „rohen Barbarentums", nicht aber in die hostkultivierte Wirklichkeit paßt. Wenn die Ahnen unserer Rasse Säufer gewesen wären, hätten sie den nordischen Völkern nicht eine Lebenskraft hinterlassen können, die Jahrtausende überdauerte und heute zu den eisernen Grundlagen des deutschen Wiederaufstiegs gehött.
Nicht zuletzt find die übertriebenen Vorstellungen von den germanischen (Belagen auf die gewaltigen Trinkhörner zurückzuführen, die nach alter Sitte von Mund zu Mund die Runde machten. Die Wissenschaft glaubte nämlich annehmen au dürfen, daß die Büftelhörner kein Futzgestell besahen und daher auch im kleinsten Kreise — oder vom einzelnen Mann — stet» bis auf die Nagelprobe geleert werden mähten. Mehrere Liter Met „ex" zu trinken, wäre allerdings eine Leistung, die sich heutzutage kein Demi luftiger Mensch zumuten würde.
Die neuen Wikinger-Ausgrabungen auf der Insel Alfen haben nun den Beweis erbracht, daß die Trinkhörner au» dem drillen und vierten Jahrhundert vor Christi Geburt mit Bronze-Fühen versehen waren und somll au» der Hand gestellt werden konnten, ohne den Inhall zu verschütten. Unter den Archäologen hat diese Entdeckung grohes Aufsehen erregt, und die ohnehin wenig fundierte Theorie von der Unmählgkelt der Nordgermanen stark erschüttert. Der Finder, Museumsdirektor Raben in Sonderburg, hat dem Kopenhagener National-Museum ein Fußgestell übersandt, das nun genau untersucht und in wissenschaftlichen Zeitschriften beschrieben werden soll.
Äcfnnber Appetit.
(—) London.
Der hiesige Zoo besitzt eine herrliche Pythonschlange von neun Metern Länge, die sich durch einen unersättlichen Appetit auszeichnet. Hühner, Ratten genügen nicht, um ihren Hunger zu stillen und so will man iyr als besonderen Braten eine Ziege stiften.
Die Direktion de» Zoo will aber immerhin dem Publikum den Anbllck eine» lebend verschlungenen Tieres ersparen, und so soll die Ziege, ehe sie der Schlange oorgeworsen wird, getötet werden, aber gewissermaßen „auf lebend" frisiert, damit die Schlange sie nicht verschmäht. Man rechnet damit, daß das Reptil eine Stunde braucht, um sie zwischen seinen Ringen zu zermalmen, aber nur zehn Minuten, um sie zu verschlingen.
Die Besucher des hiesigen Zoos (darum werden diese Rücksichten genommen), haben noch zu gut den Unfall im Gedächtnis, der einmal einer Riesenschlange passierte Sie verschlang in ihrer Gier ihre Beute', anstatt mit dem Kopf zuerst, indem sie sie in der Witter bes Körpers ergriff und herunter- würgte. Dabei muhte sie sich so anstrengen, dah sie sich den Kiefer ausrenkte, der sofort operiert und in Gips gelegt werden muhte. Die Schlange Halle entschieden den Mund zu voll genommen.
Musterstation für alle ähnlichen Einrichtungen, die man in der Folgezeit in Europa baute.
Die verwechselten vabieS.
(v) Madrid.
Die Stadt Coruna hat ihren Spaß, und diejenigen, die den Schaden dabei haben, brauchen, wie üblich, auch diesmal für den Spott nicht zu sorgen.
Da» find eine Mutter und ihre Tochter, die zur gleichen Stunde im Krankenhaufe von Coruna von einem Jungen entbunden worden find. Als die kleinen Erdenbürger das Licht der Well erblickt hatten, wurden sie von den Pflegerinnen in zwei verschiedene Wiegen gelegt, aber als die beiden Mutter ihre Spröhllnge sehen wollten, konnte man sie nicht mehr auseinanderhatten; man muhte nicht mehr, welcher der beiden Nackedeis der Mutter, welcher der Tochter gehötte.
Die Tochter weih nun nicht bestimmt, ob sie ihren Sohn oder ihren Bruder nähtt, die Mutter plagt sich mit dem ähnlichen Zweifel, ob es ihr Kind oder ihr Enkel ist, der an ihrer Brust liegt. Der Ehemann der jungen Frau rauft sich die Haare, da er nicht weih, ob er von feinem Sohne ober von seinem Schwager künftig „Papa" genannt werden wird. Und auch die beiden Jungens werden später nicht put authentischer Bestimmtheit sagen können, wer von ihnen beiden denn nun wirklich der Onkel und wer der Neffe ist.
Tatsache ist jedenfalls, dah sich die Direktion des Krankenhauses außerstande sieht, das Versehen wieder gutzumachen.
Roseurcigen.
(r) Wien.
Die gnädige Frau feierte ihren Geburtstag. Ihr Bruder schenkte ihr einen prachtvollen Rosenstrauß. Dann gingen die Geschwister ins Theater. Zur Premiere einer neuen Operette, deren Hauvtrolle die beste Freundin der gnädigen Frau spielte. Unterwegs fiel ihr ein: „Entsetzlich, ich habe vergessen der Käthe Blumen zu besorgen. Sie wird schwer beleidigt (ein. Was mache ich bloh da?" — „Nichts einfacher als bas", meinte ber Drüber, ein burchau» praktischer Mann, unb beutete auf ben prachtvollen Rosenstrauß, „Du schenkst ihr meine Blumen!" — „Na, wunderbar, darauf wäre ich nie gekommen. Du bist mir doch nicht böse, wenn ich die Rosen notgedrungen weggebe?"
Die Primadonna umarmte ihre beste Freundin: »Hch.sreue mich ja so, dah Du gekommen bist, meine Liebe! Und diese prächtigen Blumen! Die bleiben bestimmt tagelang frischt
Die Operette hatte großen Erfolg. Die Geschwister gingen nach der Vorstellung in ein Restaurant, Geburtstag zu feiern. Dort trafen sie eine Schauspielerin. Die wartete auf ben Direktor. Unb man setzte sich zunächst zusammen.
Der Direktor kam reichlich verspätet an. Unb entschuldigte sich bei ber Schauspielerin: ,Zch hatte noch eine Besprechung mit Käthe. Sei mir, bitte, nicht böse. Diese Rosen sollen Dich entschäbigeu!" Sprach» unb überreichte ber Schauspielerin bie Rosen, bie ber Bruber ber gnädigen Frau der Schwester unb bie Schwester anschließenb ber Käthe geschenkt hatte. Man trank bann einige Flaschen Meines miteinanber. Gegen Mitternacht erfuhr bie Gesellschaft, bah man eigentlich ben Geburtstag ber gnädigen Frau feierte. Da konnte bie Schauspielerin nicht umbin, ber charmanten Dame ihre Blumen zu überreichen, bie ihr ber Direktor mitgebracht hat. Ihre Blumen bzw bie Blumen, die eigenen Blumen bes Geburtstagskinbe»?
Mit diesem Akkord schloh bie Rosenreigen-Symphonie. Man sieht roieber einmal, es geht nichts über bie Wiener Gemütlichkeit?.
Die spielwütigen Gürten.
(za) 3 ft a n b u l.
Die neueste Sorge ber türkischen Regierung ist bie zunehmende Spielwut der Bevölkerung, die beson- Der» in Istanbul zu verzeichnen ist. Vor allem wirb dem Poker gehuldigt, bei dem grohe Summen umgesetzt werben. Die Spieler vereinigen sich um 15 Uhr bereit» in gewissen Privatwohnungen unb bleiben bis zum nächsten Morgen beim Spiel zusammen. Selbst Frauen beteiligen sich daran, unb die Behörde kennt Beispiele, wo Damen der sogenannten besten Gesellschaft ihren letzten Schmuck versetzt ober verkauft hoben, um ihre Spielverluste beifen zu können. Dor einigen Togen hat eine 19*
Mädchen auf nehmen können, die in sie hineinwol- kn.
Ostern 1934 werden in ganz Deutschland etwa 650 000 Mädchen aus den Volksschulen entlassen. Ein Teil davon wird zunächst noch durch weiteren Schulbesuch (Haushall-, Handels-, Kinberpflege- schulen uff.) untergebracht sein, so dah für bie|en Teil eine Berufserziehung einigermaßen gewährleistet ist. Immerhin ist diese Ausbildung meist nicht von ausreichender Dauer und die Frage der praktischen Derufserziehung damit nicht gelöst, sondern nur hinausgeschoben. Am günstigsten stellt sich die Lage für diejenigen dar, die das Glück haben wer- den, eine Lehrste11e zu bekommen. Doch auch hier ftt cs heute schon großenteils so, dah damit zwar die Ausbildung sichergestelll ist, keineswegs aber bie spätere Tätigkeit im erlernten Berufe. Wer nicht ba bleiben kann, wo er gelernt hat, steht nach Beenbigung ber Lehre roieber vor ber Frage, was er anfangen soll; er hat keine Bewährungsmöglichkeit.
Die heutige Mäbchengeneration stellt diesen Tatbestand bei ber Berufswahl bereits voll in Rechnung: bie Einstellung auf ben späteren Haus- {rauenberuf hat sich erfreulicherweise wieder durchgesetzt und zwar ebenso bei den höheren Schülerinnen, wie bei ben Dolksschülerinnen. Der Hausfrauenberuf ist roieber zum eigentlichen Lebensberus unb zum uebensibeal bes Mäbchens geworben. Aber gerabe dieser Beruf stellt ungewöhnlich hohe Anforderungen an seine Trägerinnen, weil er sich nicht auf sachliches Können unb Wissen beschränkt. Der Haussrauenberuf erforbert neben einer guten hauswirtschaftlichen Ausbildung eine vortreffliche E h a r a k t e r s ch u l u n g unb Erziehung ber Gesamtperfönlich- feit.
Bei ber heutigen unb ber kommenden Frauen- generation liegt bie große Aufgabe der Vo l k s - erziehung in ihren wesentlichsten Tellen. Art unb Einfluß ber Familie, ferner bie in ben Kinb- heitsjahren am reinsten und stärksten oorhanbene Bildungsfähigkeit bes Menschen geben ber Frau ein mit höchster Derantwortuna belabenes Tätig- keitsfeld. Dieses Tätigkellsfelb Der Hausfrau unb Mutter setzt sittliche Willensbildung, aber auch eine fachliche Erziehung voraus. Es ist keineswegs fo, wie bie meisten Mäbchen, bie nur im Haushalt ber Mutter erfahren haben, roas im Haushalt zu leisten ist, meinen, daß man in diesen Beruf von selber hineinwachse, baß hier alles von selber käme. Wenn bie moderne Haushalttechnik die Hausfrauenarbeit auch sehr vereinfacht unb damit erleichtert hat, so ist ber Aufgaben kreis der Hausfrau infolge ber wirtschaftlichen Notlage roieber viel größer als früher geworben. Was früher fertig gekauft werben konnte, muß jetzt wieder im Haus hergestellt werden. Eine g r ü n b - Li d) e hauswirtjchaftliche Musbilbung ist für bie fommenbe Frauengeneration also aus privat- unb volkswirtschaftlichen Orünbenu ner- läßlich, unb sie muß in ganz anberem Matze als bisher für bie heranwachsenbe weibliche äugend ermöglicht werden. Um diesen Plan zu verwirklichen. müssen alle Hausfrauen m11h eiten. Die heute verantwortliche Frauengenerati-rn muß sich bie hauswirtschaftliche Erziehung ber Mabchen mehr als je angelegen sein lassen, solange mir keine Dienstpflicht für bie Mabchen baden muß eine freiwilligeAufnahmeiungerMab- chen aller Stänbe in bie Haushaltun- 9 Es hat ^sich in Dielen Städten bie „häusliche Lehre" eingebürgert, welche durch eine etwa zwei Jahre bauernbe, burch Lehrvertrag geregelte Lehrzeit eine gründliche housroirtfchollliche Ausbildung gewährleistet. Ta am Schluß dieser Lehrzeit die Hausgehilfinnenprüfung steht, ist durch eine solche Form dauswirtichaetlicher Schulung ber Aufbau eines qualifizierten Hausange- ft e 111 e n ft a n be s verbürgt und jedenfalls die in diesem Beruf von Jahr zu Jahr dringlicher wer- dende Nachwuchsfrage roirfxrm in Angriff aenommen. Es Neat allo durchaus hn Interesse der Hausfrauen, es au» sich zu nehmen, junge Mädchen in ihrem Haushalt araulemen. Aber natürlich braucht bie „häusliche Lehre" keineswegs die etr- zig« Form zu fein, 'N der bas erfolgen kann. Wahr- ichemlich wären welle Krell« be» heutigen Mittel- jtanbes infolge der wirtschaftlichen Unsicherheit gor
nicht imstande, sich vertraulich zu binden. Cs kommt aber gerade daraus an, baß nicht nur die Familien. die sich bisher schon eine Hausangestellte diel» ten, für diesen Gedanken gewonnen werden. Es müssen vielmehr auch andere Familien, jur die es sich Dann hauptsächlich darum bandeln würde, einen Menschen mehr in 5t o ft unb W o h- nung zu nehmen (eine geldliche Entschädigung käme nur in Form eines Taschengeldes in Betracht), sich dazu entschließen. An Arbeit fehlt es ja m den mittefttändftchen Haushaltungen meist keines- wegs, und gerade für den kleineren Haushalt müssen die jungen TIäbd)en erzogen werden
Die Selbständigkeit des Hausangestelltenstandes wird damit also in keiner Welle angetastet, er wurde im Gegenteil durch eine solche Nachwuchs- erziehung nur gekräftigt und gefördert werden, und das ebenso nn Interefse von Arbeitgeber, wie Arbeitnehmer. Was darüber hinaus an Werten für das gesamte Volksleben gewonnen würde, übersteigt weit bie Behebung ber durch bie gegenwärtige Wirtschaftslage bedingten Rofttände. Es würde ben Neuaufbau von Haus unb Familie er- möglichen helfen. Darum ergebt an bie Haus- fronen unb an die Frauenschaften der Ruf und die Bitte, sich mehr als bisher für diele oolkserzseherische Aufgabe zur Verfügung zu stellen und bie Opfer, die dabei natürlich auch zu bringen finb, auf sich zu nehmen? Es reicht nicht aus, daß bie jungen Mädchen in ihrer „Freizeit" erfaßt werden, daß ihnen Lebensinhalt unb Verantwortung für Volk und Staat durch die politische Gruppe nabe- gebracht werden, fo dringlich diese Aufgabe auch ist. Es ist unerfäfolirf), darüber hinaus, allen denjenigen, deren Alltagsleben nicht durch eine Berufsausbildung a u s gefüllt und gestaltet i ft, dieieErziehung zur Alltagsarbeit in anderer Weife f i ch e r z u st e 1 l e n. Do ober wäre diese besser gewährleistet, als m demjenigen Aufgaben- und Pftich- tenfrei», in ben 90 o. Sy ber Heranwachsenden weiblichen Jugend später als selbständige Glieder eintreten werden?
Oberbeffen.
Reichsstaiihalier Sprenger besichtigt Ausgrabungen in Oberbeffen.
• ®,lauberg, 27. vkt. Dieser Tage weilte Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger in Begleitung des Ministerialrats Ringshausen und des Lanbesbcniernführers Dr Wagner hier, um-' die Ausgrabungen auf berffllauburg zu besichtigen. -Bei seinem etwa dreistündigen Besuche äußerte sich Reichsstatthatter Sprenger über die Ausgrabungsarbeiten sehr anerkennend. Die Ausgrabungen werden von dem Denhnalpffeger von Oberhessen, Dr. Richter (Gießen) geleitet.
Gemeinderat in Nidda.
(U Nidda, 27. Oft. Der Gcmeinberat hat in seiner jüngsten Sitzung u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Die außerordentlichen Straßenherstellungs- arbeiten in der Lubwigstraße und Abellslraßc, Die über den Voranschlag hinausgehen, werden genehmigt. Desgleichen wird beschlossen, in der Bahnhofstraße von dem Kaufmann Schäfer bis an dos Gebäude erhöhten Fußsteig anzulegen Dadurch sind für bie Folge bie gesamte Bahnhofstraße unb bie Lubwigstraße mit erhöhtem Fußsteig versehen.
Der ©cmeinberat wird davon in Kenntnis geletzt, daß die Arbeitsdienstwilligen mit ber Regulierung der alten Bach unb ber Herstellung ber Beunbe- strahe begonnen haben. Weiter roirb mitgcteilt, baß bie gesamten Kosten für ben Umbau des Arbeitsdienstlagers sich wahrfcheinlich auf 25 000 Mark belaufen unb ein Antrag auf Gewährung eines Darlehens in dieser Höhe aus dem Arbeitsbefchaf- fungsprogramm gestellt worden ist.
Landkreis töieften.
z Großen-Linden, 27. Oft. Bei der hiesgen Sammlung für die NS. -Volkswohl- fahrt wurde folgendes Ergebnis erzielt: 320 Zentner Kartoffeln, 49,50 Zentner Frucht, 1 Zentner Mehl, 26,85 Zentner Gemüse, 0,25 Zentner Obst. Bei ber Gelbsammlung (einschl. Liften-und Büchsen- fammlung, Ersparnisse beim Eintopfgericht) wurden 240,75 Mark aufgebracht. — Drei junge Bursch.n von hier hingen sich zwischen Gießen und Klein- Linden mit dem Fahrrad an den Anhänger eines Auto» an. Al» ber Anhängewagen bei ber Fahrt ins Schleubern geriet, wurde ein junger Mann von dem Hinterrad erfaßt unb in ben Straßengraben geschleubert, wobei er Prellungen unb Hautabschürfungen baoontrug. Er mutzte in bie Gießener Klinik eingeliefert werben.
* Ed er stabt, 28. Oft Am morgigen Sonntag, 29. Oktober, begeht Obergärtner August Kambritz in Eberstabt bei Lich seinen 80. Geburtstag. Seit dem 16. April 1876, also seit über 57 Jahren, ist Herr K. als Gärtner unb Dbergärtner noch auf bem Hofgut Hof-Gill im Dienste ber Familie Hoffmann tätig, mit der er in Freud unb Leib eng verwachsen ist. Herr Ka mb ritz, der in Eberstabt wohnt, macht ben Weg zu ferner Wirkngsstätte, unbekümmert um bie Unbilden der Witterung, noch täglich. Ein geborener Darmstädter, Ist er ein echter Oberhesie geworden, wenn auch seine Gedanken noch oft in bie alte Heimat zurückschroeifen. Möge diesem Veteranen der Arbeit, dieser Verkörperung von Pflicht, Treue unb bester beuftcher Gesinnung, bem langjährigen Leser bes „Gießener Anzeigers", auch fernerhin ein heiterer Lebensabend defchieben fein.
Avcid vüdingcn
D Ridba, 27. Olt. Durch tatkräftiges Eintreten ber Leitung der Ortsgruppe ber NSDAP., bie sich um bie Errichtung von Neubauten sehr bemüht hat, ist es gelungen, bis jetzt schon bie S)er- ftellung zweier weiterer Wohnhäuser im lommenben Frühjahr zu sichern. Ferner will die Dezirkssparkasse unb Niddaer Bank für ihre Beamten je zwei Wohn- Häuser für eine Familie errichten.
Arc le Alsiciv.
ck. Ruppertenrod, 27. Ott Gestern wurde hier der Herb st markt ab gehalten. Der Schweine markt hatte einen Auftrieb von 228 Stück. 5 bis 6 Wochen alte Ferkel wurden mit 10 bi» 12 Mark bezahlt, 6 bis 8 Wochen alte erzielten 12 bis 15 Mark, während 8 bi» 10 Wochen alte es auf 15 bi» 18 Mark brachten Das Geschäft war schleppend, es verblieb etwa» Uederstand. Der Kramermarkt war bei befriedigenden Umsätzen gut besucht.
st Ä i r t o r f, 27. Okt. Lehrer Erdmann konnte am vergangenen Sonntag auf eine 2 5jährige
2 [ 5 Organ i ft unserer Gemeinde zurückdlicken. Au» diesem Anlaß rourbf ihm nach dem Gottesdienst eine anerkennende Ehrung zuteil. Der Geistliche würdigte die Verdienste des Jubilars, anschließenb wurde mm ein von der Amngcli djen Kirchengemeinde gestiftetes Bild überreicht. In einer


