gegeben wird, daß sich unter den vom Siedlungsausschuß des Reichskabinetts zugezogenen Sachoer st ändigen neben einer überwiegenden Vertretung finanzieller Interessen^ tengruppen weder erfahrene Siedler noch Vertreter der G e f a m t l a n d w i r t - schäft befänden. Die „offensichtliche Uebergehung dieser in erster Linie beteiligten Kreise" mache „jedes Vertrauen auf eine von der Reichsregierung derartig gehandhabte Behandlung der nationalpolitisch und bevölkerungspolitisch für den deutschen Osten ungeheuer wichtigen Siedlungsfrage unmöglich".
merksame und auherordentlichmiß- trauische Beobachter finden. Alle schwerwiegenden Bedenken, die wir gegen ein Kabinett des Staatsnotrechts haben, sind dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten noch einmal schriftlich unterbreitet worden. Das Staatsnotrecht gerät von selbst in verdächtige Rähe des Staatsstreichs
Oer Reichslandbund an den Reichspräsidenten.
Berlin, 27.Ian. (CNB.) Das Präsidium des ReichÄandbundes hat an den Reichspräsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem der Ansicht Ausdruck
Das Kabinett Paul-Boncour gestürzt.
Heber den Steuererhöhungsantrag zu Fall gekommen. — Oie Sozialisten versagen die Gefolgschaft.
Paris, 28. Jan. (IDIB. Funkspruch.) Die Regierung Paul-Boncour ist heute früh in der Kammer bei Beratung des Regierungsantrages, die direkten Steurn um 5 v. h. zu erhöhen, mit 390 gegen 193 Stimmen gestürzt worden. Dieses Abstimmungsergebnis wurde dadurch herbeigeführt, daß die Sozialisten sich weigerten, bei dem Regierungsantrag mit den Radikalen und den Sozialrepubllkaneru zu gehen. Reber den Regierungsantrag war im Finanzausfchuh der Kammer nicht entschieden worden. Der Finanzausschuß hatte die Abtrennung, d. h. Zu r ü ck st e l - tung des betreffenden Paragraphen, verlangt. Gegen diese Zurückstellung hatte Ministerpräsident
Paul-Boncour in der Kammer die Vertrauensfrage gestellt.
Rach dem ersten Beratungstag in der Kammer halte sich der Eindruck über die Lage der Regierung wesentlich gebessert. Vie verstärkte Stellung der Regierung schob man in erster Linie den Verhand- lungen zu, die Paul-Boncour am Mittwoch und am Donnerstag mit den Vertretern der Linksgruvpen hatte. Auch die Erklärungen des Finanzministers, wonach sich die Regierung mitsiebenMitliar- den LinsparungenundReueinnahmen begnügen würde, hatten ihren Eindruck nicht verfehlt. Diese Erklärungen bedeuteten schon einen Rückzug Lhsrons.
Der EMenzkamps des deutschen Handwerks
Llm Arbeit zu erträglichen Preisen
Berlin, 27. Jan. (TU.) Der R e i ch s v e r - band des Deutschen Handwerks veranstaltete am Freitag im Plenarsitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses eine stark besuchte öffentliche Kundgebung. Unier Len Ehrengästen bemerkte man den Reichswirtschaftsminister Dr. BS a r m b o l d , Len Verirrter des Rcichsarbcits- Ministers, Staatssekretär Dr. ©riefet und Len Deichskommisiar für Arbeitsbeschaffung Dr. Gere k e. Der Vorsitzende machte in seiner Begrüßungsansprache die Mitteilung, daß eine Abordnung des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks heute mittag eine Unterredung mit dem Reichspräsidenten habe. Sie wolle persönlich die Röte des deutschen Handwerks schildern.
Reichswirffchafisminister Dr. Warmbold
überbrachte im Ramen des Reichskanzlers die besten Wünsche und Grüße., Die Regierung stehe ständig in eng st er Fühlung mit den Vertretern des Handwerks und niemand in der Regierung habe die Auffassung, daß man dieser Rot tatenlos zusehen könne. Es geschehe alles, was möglich sei, um dieser Rot zu steuern. So habe die Reichsregierung zugunsten der gewerblichen Genossenschaften Bürgschaften im Rahmen von 65 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Weiterhin seien diesen gewerblichen Kreditgenossenschaften 32 Millionen Mark als verlorene Zuschüsse zugeführt worden, und die Reichsregierung habe beschlossen, dem Reichspräsidenten oorzuschlagen, diese Hilfe um einen letzten weiteren verlorenen Zuschuß in Höhe von 23 Millionen Mark -t erweitern. Zur Deckung derjenigen Verlust ■ ewr b- lichrr Genossenschaften, die aus ihrem c^nd- wirtschaftlichen Kreditgeschäft er-
und würdigen Bedingungen.
wachsen seien, würden im Zuge der Sanierung der landwirtsch'ftlichen Genossenschaften 23 Millionen Mark verwendet werden. Für die sogenannte Kle.nkreditaktion habe die Reichsregierung der Bank für Deutsche Jndustrie- obligationen 40 Millionen Mark in Form von Reichsschahanweisungen zugeführt, um Kredite an das mittlere und kleine Gewerbe zu ermöglichen. Die für die 2 n st a n d s e tz u n g s a r b e i- ten an Wohngebäuden bereitgesteilten 50 Millionen Mark, deren Erhöhung um weitere 50 Millionen Mark zugesagt sei, würden vornehmlich den handwerklichen Betrieben zugute kommen. Schwierigkeiten bei der Finanzierung des durch den Zuschuß nicht gedeckten Teiles von 80 v. H. würden hoffentlich mit Hilse des Reiches in Kürze beseitigt sein. — Zu dem Kapitel Schwarzarbeit bemerkte der Minister, daß die Regierung ernstlich bemüht sei, diesen Mißstand zu beseitigen. Auch eine Erweiterung des Verbotes der Errichtung neuer Einheitspreisgeschäfte sei im Interesse des Handwerks-Mittelstandes erfolgt. Weiter sei eine Äntersuchung über die Entbehrlichkeit der Regiebetriebe der öffentlichen Hand im Gange, deren Ergebnis demnächst dem Reichsrat zugeleitet werde.
Sodann hielt der Präsident des Statistischen Reichsamtes, Prof. Dr. Wagemann, einen Vortrag über das Thema „Handwerk und Volkswirtschaft". Der Vorsitzende des Reichsvcrbandes des deutschen Schlosserhandwerks, Obermeister Francois, Magdeburg, sprach zum Thema der Arbeitsbeschaffung. Das Handwerk müsse die Beseitigung der Hauszins st euer fordern. Das Handwerk fordere weiter stärkere Berücksichtigung bei der Vergebung von Arbeiten insbesondere durch die Reichspost, die ReichO- bahn und die Heeresverwaltung. Cs erhebe Einspruch gegen die Maßnahmen vieler Gemeinden, die in dieser Rotzeit Hand
werkerrechnungen nicht bezahlten, und gegen den durch Rotverordnung geschaffenen V o l l st r e ck u n g s s ch u tz für die Landwirtschaft. — Der Präsident der Handwerkskammer Bayreuth, Baumeister Keil, referierte über das The.na „Schwarzarbei t". Er bezeichnete die Schwarzarbeit als das Krebsübel in der Rotlage des Mittelstandes. — Heber die Einschränkung der Gewerbefreiheit sprach der Drechselsobermeist.r Feuerbaum, Dortmund, als Vorsitzender des Westfalisch-Lippischen Handwerksbundes. — Obermeister K u n h s ch, Dresden, als Vorsitzender des Landesausschusses des sächsischen Handwerks sprach über „O e f - fentliche Hand, Arbeitsdienst und Siedlung".
Eine Entschließung.
Die Kundgebung des Reichsverbandes fand nach Beendigung der Aussprache ihren Abschluß in der Annahme einer Entschließung, in der u. a. auf den erbitterten Kamps des Handwerks um die Erhaltung feiner Bet-riebe hingewiesen wird. Das Einkommen der Bevölkerung ist dermaßen gesunken und obendrein derart mit Steuern und Ab
gaben belastet, heißt es in der Entschließung, daß Ausgaben für handwerkliche Leistungen immer weniger gemacht werden können. Infolgedessen hat die Schwarzarbeit einen nie für möglich gehaltenen Umfang angenommen, und öle ohne- h i n beschränkte Vergebung öffentlicher Arbeiten beutet die Rotlage der verzweifelten Anbieter in rücksichtsloser weise aus. Infolge dieser Zustände ist der wirtjchastliche Untergang zahlreicher selbständiger Handwerker gewesen, der sich täglich in erschreckendem Umfang forlseht. Den Führern im Handwerk ist es nicht möglich, den Unmut ihrer Schuhbefohlenen länger niederzuhalten und Ausbrüchen der Verzweiflung oorzubeugen. wir warnen deshalb, so schließt die Resolution, in letzter Stunde vor den Folgen einer weiteren Vernachlässigung des Handwerkerstands, wir verlangen Arbeit zu erträglichen Preisen und würdigen Bedingungen, damit die selbständigen Handwerker ihre Pflichten gegenüber ihren Familien, ihren Mitarbeitern und gegenüber dem Staate erfüllen können.
Aus alter Welt.
I der Polizei verhindert worden sei. Auch vor dem Finanzministerium, bei dem eine Abordnung der
Die Opfer des Hotelbrandes in Detmold.
Aus dem oberen Stockwerk des abgebrannten Hotels „Zur Traube" in Detmold wurde die vollkommen verkohlte Leiche der Schwiegertochter des Hotelbesitzers Dettmer geborgen. Ihr Mann, der zum Fenster hinausgefprungrn war, liegt mit schweren Verletz ungen im Krankenhaus. Unter den Verunglückten befindet sich ferner ein Artisten-Ehepaar Kramer aus Berlin. Die Frau ist ihren Verletzungen erlegen. Ihr Mann liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Die ebenfalls schwerverletzte Artistin Gertrud S k i n i ck i aus Essen ist im Landeskrankenhaus gestorben. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer auf drei erhöht.
Grohfeuer in Heiligenkirchen bei Detmold.
Während die Feuerwehr noch mit der Löschung des Brandes im Hotel „Zur Traube" in Detmold beschäftigt war, kam in dem benachbarten Dorf Hei» ligenkirchen Feuer auf. Das im Jahre 1732 erbaute Fachwerkhaus des Köllerhofes und die angrenzenden Stallungen waren bald in ein riesiges Flammenmeer verwandelt und brannten nieder. Trotz Einsatzes der Detmolder Motorspritze sind auch die Erntevorräte mitverbrannt. Rach den bisherigen Feststellungen ist ein Schaden von etwa 100 000 Mark entstanden. Das Feuer ist wahrscheinlich durch eine schadhafte Stelle im Schornstein ent- standen. Das Vieh erlitt teilweise Brandwunden.
Große Demonstration und verkchrsblockade der Taxick^usfeure in Wien.
Auf dem Stephansplatz im Innern der Stadt Wien und in den anliegenden Zufahrtsstraßen veranstalteten sämtliche Taxichauffeure mit ihren Wagen eine Demonstration gegen die Benzinsteuer. Durch die laufende von Auto- taxis, die auch Prioatautos und Autobusse eingekeilt hatten, ist das ganze Viertel b lackiert. Der Fuhrwerksverkehr in diesen Straßen stockt völlig. Zu ernsten Zwischenfällen ist es zwar nicht gekommen, aber mit der Dunkelbeit und nach Geschäftsschluß machte sich eine gewisse Nervosität bemerkbar. Die Polizei bemüht sich, die Straßen für den Fuhrwerksverkehr dadurch wieder frei zu machen, daß die Autos auf eine Straßenseite geschoben werden, hierbei wurden die Beamten des. öfteren a t taktiert, so daß sie wiederholt mit dem Gummiknüppel einschreiten mußten. Die innere Stadt wurde ab» geriegelt und in die öffentlichen Gebäude Militär gelegt. Ein Spätabendblatt berichtet, daß Bundeskanzler Dr. Dollfuß mit Familie in seinem Auto in die beginnende Auffahrt der Autotaxis geraten sei. Die demonstrierenden Chauffeure wollten den Wagen aufhalten, was nur durch rasches Eingreifen
Autodroschkenbesitzer vorsprechen wollte, kam es zu lärmenden .Kundgebungen, als der Finanzminister die Abordnung nicht empfing. Der elf- gliedrige Ausschuß, der die Blorfabe b erinnere n Stadt organisiert hatte, wurde verhaftet. Insgesamt hatten 800 bis 1000 Autodroschken die Verkehrsblockade durchgeführt.
Auto auf dem Eis eingebrochen. — Zwei Todesopfer.
Ein Kraftwagen, der von dem 25jährigen Autotaxenunternehmer Krüger gesteuert wurde, geriet zwischen Altfähr und Stralsund auf dem zugefrorenen Strelasund in eine offene Stelle. Im nächsten Augenblick war der Wagen unter der Eisdecke im Strom verschwunden. Die Tiefe beträgt hier etwa 10 bis 12 Meter. Der eine Fahrgast, ein Pferdehändler aus Stralsund, hatte auf dem Grund des Sundes die unglaubliche Geistesgegenwart, die Tür des Autos zu sprengen. Durch den Aus r eb des W-ss r3 wurde er an die Oberfläche gebracht, und zwar zuerst unter das Cis. Es gelang ihm aber, bis zur eingebrocher.en Stelle zu kommen. Mit den Händen klammerte er sich an das Cis und mit den Zähnen hielt er sich an einem ihm von den Fußgängern zugeworfenen Mantel fest. So konnte er gerettet werden. Die Versuche, auch die beiden anderen Insassen des Autos aus ihrem furchtbaren Gefängnis zu befreien, muhten erfolglos abgebrochen werden, obwohl auch Derufs- feuerwehr aus Stralsund mit Leckern und Bootshaken arbeitete. Das Eis auf dem Strelasund war von Der Polizei lediglich erst für den Fußgängerverkehr sreigegeben worden. Vcr dem Befahren mit Fahrzeugen war ausdrücklich gewarnt worden.
ID eifere Schulschliehungen wegen der Grippe.
In den letzten Tagen hat die Grippe weiter um sich gegriffen. In Bochum muhten ba> Lyzeum unb einige Volksschulen in ben Vororten ihre Pforten schließen. In ben meisten Fällen hanbelt es sich aber nur um leichtere Grippeerkrankungen. — Auch in Herne würben von insgesamt 35 Schulen 24 zunächst auf eine Woche geschlossen. — In Duisburg sinb bie Grippeerkrankungen beim Personal ber Post so stark aufgetreten, baß Einschränkungen im Zustellungsbienst vorgenommen werben mußten.
Sieben spanische Fischer ertrunken.
Aus ber Höhe von Torre Molivos ist, wie aus Malaga gemeldet wirb, ein Fischerboot umgeschlagen. Sieben Mann ertranken.
Gießener Gtadttheater.
Wilhelm Lichtenberg: „2:2 unentschieden".
Es fängt bannt an, bah ber große Länberfuhball- kampf zwischen Oesterreich unb Englanb durchs Rabio übertragen wirb; er geht unentschieben aus, 2:2. Dieses für bie ehemalige Donaumonarchie schmeichelhafte Resultat hat ben Verfasser, ber hier schon früher zu Wort kam, zu naheliegenden Dergleichen angeregt. Nämlich zur Klärung der Frage, ob ein Mann zwei Frauen lieben könne. Das Problem ist ziemlich alt und hat schon im Mittelalter, um nicht weiter zurückzugehen, eine verfängliche Rolle gespielt. Es gab da zum Beispiel zur Zeit der Kreuzzüge einen Grafen von Gleichen. Dem ist das auch passiert. Und es gibt ein modernes Lustspiel von Hardt, „Schirin und Gertraude" heißt es, da kann man sehen, was bei solchen Sachen herauskommt.
Lichtenbergs Stück spielt nicht im Mittelalter, sondern in ber Gegenwart. Und zwar in Wien. Wien muß ein wahres Paradies für Schriftsteller sein: hier ist einer, Bob heißt er, der hat eine Villa und ein Auto und einen Chauffeur. Und eine Sekretärin hat er auch. (Marlene.) Klar, daß er sie liebt. Außerdem ist er auch noch verheiratet. Und seine Frau kommt gerade dazu, wie die beiden sich küssen. Jetzt geht es los.
Die Frau, Hanna, denkt weder daran, davonzulaufen noch eine Szene zu machen. Vielmehr lädt sie das Mädchen Marlene ein, nicht nur zu bleiben, sondern sogar in die Villa überzusiedeln. Der weitere Verlauf ist einleuchtend: Bob erhält die unverhoffte Gelegenheit, Vergleiche anzustellen zwischen der Frau („mit Geist") und dem Mädchen („mit sex appeal"). Das Mädchen, erst verblüfft, fühlt sich bald heimisch. Eine dicke Freundschaft: Hanna und Marlene. Wie Schirin und Gertraude. Bob ist das ungemütlich. Verläßt das Haus und geht auf Reifen. Hanna hat aber die Schlacht schon halb gewonnen.
Außerdem gibt es, um den sportlichen Charakter dieser Angelegenheit nicht aus den Augen zu verlieren, noch einen Herrn mit dem wienerischen Namen Stopperi. Das ist ein Mittelstürmer, der seinerzeit die zwei Tore gegen England geschossen hat. Nicht genug damit: er ist auch mit Bob befreundet unb in Hanna verliebt. Hanna hat ihn zurückge- wiesen, denn sie liebt ihren Gemahl. Und als sie trotzdem mit dem Sportsmann das Haus verlaßt um den heimgekebrten Bob mit Marlene allein zu fassen, hat Bob seinen Irrtum schon eingesehen unb
los, und es nützt auch nicht einmal etwas, baß ber I Mittelstürmer sich, um Hanna glücklich zu machen, I zu einem heroischen Opfer bereit finbet unb Marlene heiraten will, bie er nicht ausstehen kann.
Nachbem Herr Stovperl wie ein tragischer Helb ben Schauplatz verlassen hat, gelingt es ber klugen unb tüchtigen Frau Hanna, auch Marlene zu einem stürmischen Aufbruch zu bewegen, in dem sic ganz nebenbei mit sanfter Klage zur Sprache bringt, daß der Chauffeur Benno mit dem Stubenmädchen Annie in zärtlichen Beziehungen stehe. Wprauf Marlene wie von der Tarantel gefloßen emporfährt unb bie verblüfsenbe Tatsache ans Licht kommt, baß sie sich von Benno schmählich hintergangen fühlt. Nach biefem Volltreffer ist bas Gleichgewicht roieber her- gestellt, unb Hannas gefährdeter Ehestanb in neuer Liebe befestigt.
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So ungefähr. Eine Geschichte aus ber Stabt ber Lieber, wo man nicht nur über eine repräsentative Fußballmannschaft verfügt, wo auch bas bekannte unb ost besungene golbene Herz noch nicht ausge- ftorben ist. Diese Geschichte würbe unter ber Spielleitung von Heyser geläufig, lustig unb unterhaltsam gespielt — mit wohlabgemessenen Atempausen unb geschickt servierten Ueberrafd)unqen unb Steigerungen in Dialog unb braftifqjer Situation. Herr Löffler hatte eine gefällige unb dezente Ausstattung beigesteuert.
Hauer gab den Bob, ber nicht gerade ein Zierat für das männliche Geschlecht unb für bie moberne Schriftstellerzunft ist; aticr er spielte ihn sehr nett | als ein großes Sinb, einen guten Kerl, ber sich bie unverhoffte Paschawürde ganz anders vorgestellt hat und froh ist, wenn alles wieder wird, wie es war. Maria K o ch fand in der Hanna eine ihr entschieden zusagende Partie; sie gab eine gescheite, ruhige und überlegene Frau, die weiß, was sie will, ihren Mann zu nehmen versteht und auch mit schwierigen Zwischenfällen fertig wird.
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Frl. Geling: sehr niedlich als die Sekretärin Marlene, welche eigentlich Mizzi heißt; sie mimte mit genießerischer Ironie die Vamp-Rolle, die den armen Schriftsteller so sehr aus dem Gleichgewicht bringt. Herr Wrede war als treuherziger Mittelstürmer unb unglücklich ßiebenber in feinem wienerischen Element; Frl. W i e l a n b e r als sportbegeistertes Stubenmäbel am Radio und Herr M i cy e l, der polygame Chauffeur, rundeten das kleine Ensemble ab.
Die Neuigkeit fand eine sehr freundliche Auf- « nähme. hth.
Zeinschmecker im Zoo.
Genau so wie unter den Menschen gibt es auch in der Tierwelt ausgesprochene Feinschmecker und besonders in der Gefangenschaft der Zoologischen Gäcten entwickelt sich bisweilen ein sehr wählerischer Geschmack. „Es ist erstaunlich", so führte der Direktor des Londoner Aquariums der Zoologischen Gese.lschaft, Edward G- Boule n g e r, in einem Vortrag aus, „wie manche Tiere eine ganz persönliche Vorliebe für ein oder das andere Rahrungsmittel ausbilden, das sie niemals kennen gelernt hätten, wenn sie in ihrer Heimat geblieben wären." So bereitete man, atö das erste Renntier in den Londoner Zoo kam, zu seiner Beköstigung große Mengen jenes isländischen Mcoses vor, von dem es sich daheim nährt. Aber der Reuankömmling wandte sich beleidigt davon ab und zog ihm den Klee Englands vor. Eine Schlange des Zoo entwickelte sich in der neuen Umgebung zu einer so ausgesprochenen Feinschmeckerin, daß sie ihre Mahlzeiten nur noch mit Mayonnaise verzehren wollte. Andere Schlangen weigerten sich, wilde Ratten zu fressen und begehrten zahme als Speise, während sich noch eine andere vom Schönheitssinn bei der Wahl der Speisen leiten ließ und nur weihe Ratten verzehrte. Dagegen zeigten Eidechsen eine ausiesprochene Vorliebe für prächtige Gerichte. Als besonders wählerisch in seiner Rahrung bewährt sich der Elefant. Mancher Vertreter dieser Gattung im Londoner Zoo will nicht einmal Brötchen essen, und einer von ihnen hat eine ausgesprochene Voreingenommenheit gegen Orangen, die er, wenn sie ihm von den Besuchern gereicht werden, dem Spender mit dem Rüssel höflich aurüdgibt. Tief gekränkt aber war einmal ein Elefant, als ihm eine Zwiebel zum Geschenk gemacht wurde; wütend zerstampfte er sie und schleuderte die übelriechende Masse gegen den Geber, der ihm diese Mahlzeit zugemutet hatte. Vielleicht das teuerste Abendbrot, das jemals im Zoo verabreicht wurde, leistete sich eine riesige Königskobra. Sie kam zu später Rachistunde an ihrem neuen Bestimmungsort an und wurde zu sechs gewöhnlichen Kobras in den Käfig gesperrt. Am nächsten Morgen machte man die unliebsame Entdeckung, daß der Reuling, hungrig von der Reise, seine sämtlichen Genossen verzehrt hatte. Sehr amüsant waren die Beobachtungen, die Direktor Boulengcr mit einem Schimpansen machte, den er einmal als seinen Tischgenossen mit sich in die Wohnung nahm. „Cc benahm sich während der Mahlzeit tadellos", so erzählt er, „aß nur mit Gabel und Messer und trank aus einem Glase. Er machte keinerlei
Lärm und gab sich überhaupt die größte Mühr, durch gutes Benehmen zu glänzen. Aber als Der Rachtisch kam und mit ihm ein Teller mit Kirschen, seinem besonderen Lieblingsgericht, da konnte er sich nicht zurückhalten, vor Freude laut in die Hände zu klatschen. Meine Freunde und ich lachten. Aber der Asse konnte es nicht ertragen ausg.elacht zu werden; tief gekränkt schlug er die Hände vors Gesicht und weigerte sich, auch nur eine einzige Kirsche zu essen." Die jährlichen Gesamtkosten für die im Londoner Zoo verspeisten Rahrungsmittel betragen über 14 000 Mk. Es wurden verzehrt: 250 000 Bananen, 30 000 Orangen, 25 000 (Sier, 150 Tonnen Heu. 250 Tonnen Grünfutter, 750 Tonnen Pferde- und Ziegenfleisch, 60 Tonnen Fische. Am teuersten stellt sich die Ernährung der Wassertiere. Ein Seelöwe verzehrt 30 bis 40 Pfund Fische täglich und ein Pfund Fisch kostet annähernd 25 Pf.
Em AilaS von 45 Pfund.
Zur 200-Iahrfeier August des Stärken bringen Delhagen L Klasings Monatshefte einen besonders wertvollen, künstlerisch, wissenschaftlich und geschichtlich bedeutsamen Beitrag. In einem vielfarbig illustrierten Aufsatz entreißen sie der Vergessenheit den in der Sächsischen Landesbibliothek ruhenden „Athlas Royal, dedi£ ä sa Majeste Auguste II Roy de Fotogne et Electeur de Saxe“. Schon das Aeußere der 19 Bände von größtem Folioformat, die in rotes, reich mit Gold verziertes Maroquinleder gebunden sind, wirkt bestechend, und schlagen wir einen Band auf, was bei dem stattlichen Umfang (65:55 Zentimeter groß, 10 Zentimeter dick) und Gewicht (gegen 45 Pfund) nicht ohne Kraftanstrengung möglich ist, so gleiten unsre Finger über schwere Seide, die. in den verschiedenen Bänden von wechselnder Farbe, die Innenseite des Einbanddeckels und das Vorsatzblatt überspannt. Es folgt das Titelblatt mit Widmungstitel, das in den einzelnen Bänden zwar der gleiche Kupferstich ist, aber in verschiede- denen Farben prangt, wobei das Gold eine große Rolle spielt. Die Worte sind auf allen Titelblättern nicht gestochen, sondern geschrieben. In Amsterdam, so lesen wir in dem Aussatz Dr. Gottfried Benndorfs, ist der Atlas erschienen. Er hat 19 000 Taler gekostet und ist leider unvollendet geblieben. Gegen 1400 Karten, Ansichten, Pläne und Bildnisse, hauptsächlich holländischer und französischer, seltener italienischer, englischer und deutscher Herkunft, sind immerhin zusammengekommen. Eine Vorstellung seiner Pracht, aber auch seiner Genauigkeit geben die in Velhagen & Klasings Monatsheften roiedergegebenen Blätter.


