Issue 
27/12/1933 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Mittwoch, 27. Dezember 1933

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhesseiy

Nr. 302 Zweites Blatt

Die neue Zugend.

Von Walter Julius Bloem (GOS.).

Daß sich die äußeren Ereignisse überstürzen, läßt sich noch am ehesten begreifen. Aber zugleich ge­schieht Umstürzendes in der Seele unseres Volkes, im Stillen und fast unbemerkt vollziehen sich grund­sätzliche Veränderungen. Ich erinnere mich gut, wie die jungen Leute vor wenigen Jahren das Zeichen einer bevorzugten Automobilmarke im Knopfloch trugen, was als ein feuriges Bekenntnis ausgefaßt wurde. Und neuerdings war doch eben noch dieser herrschende Zeitgeist^ da, eine Erscheinung von höchster Intelligenz und von ätzender Gedanken­schärfe: bemerkte er nicht, was mit der Jugend los war? Offenbar entging ihm das Wichtigste, weil dieser Zeitgeist auss nächste jenen Geistern ver­wandt war, die er vordem bekämpfte Er beküm­merte sich nicht um eine Jugend, die von allem Ju­gendlichen ausgesperrt wurde aber auch davon, dem Reiche zu dienen Die Söhne und jungen Brü­der der Kriegsteilnehmer standen müßig an den Ecken, der Staat brauchte sie nicht, sie fielen ihm sogar zur Last, die Liebe gab es für sie nicht, das Leben konnte mit ihnen nichts anfangen. Deshalb gingen sie in SA. und Stahlhelm, weil sie den heimlichen unverlierbaren Schatz der Frontkämpser im Kerzen trugen, mochten sie noch so verraten sein von der Zeit und vom Zeitgeist, ihnen blieb immer das Wissen um gewesenen Opfergang Die Jüngeren dursten sich nicht einmal opfern, sie durf­ten weder nützlich noch lästig fein. Deshalb gingen sie in SA und Stahlhelm Ich dachte manchmal, es geschähe, weil die dummen Jungens Soldaten spielen wollen. Aber es hatte einen tieferen S i n n Vom Zeitgeist verachtet ober ängstlich be­mitleidet drängte die Jugend sich beiseite und schuf ihrer Zeit einen neuen Mittelpunkt: dem anmaßen­den Jchgefühl, das bas Ganze auszunutzen immer bereit mar. stellte sie ihre Sehnsucht entgegen: bem Ganzen z u dienen Vernachlässigt, arm bis an den Rand des Verhungerns schus diese Jugend sich alle Einrichtungen selber, die sie benötigte, und entflammte in ihrer eigenen Seele den Geist zur Rettung.

Don diesem Kampf erzählt Friedrich Wil­helm Heinz in seinem BuchKame­raden Der Arbeit" (FrunDsberg-'Verlag, Berlin). Dieser Mann stand immer da, wo das Chaos umging, wo die neuen Dinge einigermaßen gewaltsam ausgetüftelt wurden: Front, Baltikum, Ruhr und an sämtlichen stattgefundenen oder geplanten Putschen nahm er teil. Auch allge­meiner Anruhe? Wir haben ja erst ganz langsam erkennen müssen, daß die Leute von der Art der Schlageter, Heinz, Salomon etwas anderes waren als Abenteurer. Dieser nun schildert in seiner harten Soldatensprache, wie der Ar­beitsdienst entstanden ist: mit welchen lah­men Maßnahmen, unter wie bedenklichen Fehl­griffen das Werk zustande kam, das heute viele hunderttausend Jugendliche von der Straße holt und sie in die Gemeinschaft hineinführt. Es ist ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann ohne Staunen und Ergriffenheit. Wir alten Soldaten wissen recht gut, was Volk ist und was dem Bolle dient, wir haben ein Gefühl dafür und finden die Spur durch die Zeiten unsrer Geschichte bis auf den heutigen Tag, und standen argwöhnisch vor manchem, der mit lautem Hurra um sich warf. Aber hier in den Bildern des Buches tauchen wieder jene Gesichter auf, die wir genau kennen: sind sie denn nicht in den Gräbern vermodert, da sie hier in ihrer Wieder- I gebürt erscheinen, jugendlich unter der Feld­mütze? Ich las das Buch und fragte mim: Mein Lieber, wo hast du mal wieder geschlafen, daß sich dies alles von dir einigermaßen unbe­merkt vollzogen hat. Dies mutmachende Buch, tut eine der hoffnungsvollsten Aeuherungen des neuen Zeitgeistes dar. Es gewinnt eine besondere Wichtigkeit, da immer noch viele Aeltere und Eltern kaum eine ungefähre Kenntnis haben, was in dieser Jugend geschieht und was ihr not tut. ________

Römische Wm ernacht.

Von Gustav W. Eberlem,

Rom, im Dezember.

Es ist eine kalte Dezembernacht, der Himmel hängt voll Schnee, und man kann vor Starenlarm nicht schlasen. Wenn große Fabriken ringsum wären unb wenn sie mit Nachtschicht arbeiten würben unb wenn die mechanischen Webstühle so laut gingen wie Kreissägen unb alte Rabiokasten, bie im höch­sten Diskant unb mit entgleisten Fistelstimmen Holz unb Musik zerschneiben, bann könnte man den Larin schließlich verstehen. So aber steht bas Haus frei in Gärten, unb die Stare haben sich bloß Die Pinienschirme als nächtliches Versammlungslokal ausgesucht Wenn man nicht wüßte, baß auch bie Vögel abenbs schlafengehen unb wenn es nicht ge­rade vor Weihnachten wäre unb wenn sie auch anderswo eingefallen wären, dann könnte man viel­leicht die rätselhafte Erscheinung begreifen. So aber wird man unruhig und gerät ins Grübeln. Wenn ... wenn ich noch siebenmal sieben Wenn Zusam­menlegen würde, es bliebe immer etwas Unfaß­bares zurück, vor allem das große Warum.

Warum erscheinen plötzlich Starenwolken am römischen Himmel, bie ihn verfinstern, so unge­heuerlich sinb fie? Warum ballen sich die riesigen Schwärme jetzt zusammen, daß sie wie eine schwarze Masse aussehen, wie ein Meteorfels herunterstür­zen, um dicht über den Dächern die Gesetze der Schwerkraft und Gravitation verspotttend in steilem Winkel abzubiegen unb sich zu zerstäuben? Jetzt ist der Himmel punt' t, weil alle Köpfe nach unten hängen, in der nächsten Sekunbe aber steht ba eine schwarze Wanb, weil alle Körper prall vor un­seren Augen stehen. Wer kommandiert so unver­gleichlich? Und warum?

Weshalb kommen sie überhaupt in die stabt? Vielleicht hanbelt es sich um Starenvölker, die ihre Wanderung aus unbekannten Gründen nicht fort- gesetzi hoben im Herbst, sondern in den Abruzzen zu überwintern beschlossen, fern den Netzen von Bergamo, fern den Schrotspritzen der römischen Campagna, fern den Fallen der Neapolitaner Ja, und dann hat sie der für Italien ungewöhnliche Frost doch weiter getrieben, meldete doch Bologna gestern neun Kältegrade. Sie könnten allerdings besser in den Pinienhainen an der Küste verweilen ober in den Kastanienwäldern des Monte Cavo schütz suchen aber vielleicht wissen sie, baß sie selbst auf den- Markt in Nom nur mit 30 Eentesimi bezahlt werden, bündelweise bei Eierhändlern und Flei-

die tegole maritate sie heißen verheiratete Zie­gel, weil sie paarweise gebunden werben durch die Windstöße in Unordnung gebracht werden, er­weist sich bas Starenvolk als lungenkräftiger. Mit dem aufdämmernden Morgen wuchten die Mam­mutlastwagen mit Anhängern über die Via No­mentana ihre Stimme wird zugedeckt. Dann wollen die Straßenbahnen kreischen, die Autobusse rattern umsonst, das Starenorchester duldet keine Radaumacher neben sich.

Erst unter den Strahlen der Morgensonne bricht es schlagartig ab und eine flimmernde Wolke steigt in den Himmel, steil und stettg wie Abels Opfer­rauch, wird zu Konfetti, zu einem Schnaken- schwarm, zu Staub, verfliegt und vergeht im Un­endlichen

Die dritte Nacht verläuft, meteorologisch genom­men, normal. Es hat 9 Grad plus, Blitze zucken, ein Gewitter, wie es sich für eine richtige römische Winternacht gehört. Die Stare sind wieder da unb lärmen wie gestern und vorgestern. Mein großer Nachbar ließ nicht mit Schrotspritzen hin­einpfeffern, nicht die Hydranten öffnen, es hätte sicherlich auch wenig genützt. Die Katzen schrien vor Gier nach Liebe unb Vogelsleisch, über bie Totenstadt des Verano herüber, über die fast un­absehbaren Mauern der oberirdischen Katakomben, in denen sich die modernen Römer beisetzen lassen, heulte von Zeit zu Zeit eine Lokomotive, es klang schauerlich und aufreizend wie immer. Aah man hort es, die Stare legen also Pausen ein, sie werden vor der Abstimmung stehen. Es ist eine Erlösung, denn immer quälender wurde der Ge­danke, daß sie leiden, unb was gibt es Bedrücken- beres, als helfen zu wollen und nicht zu können. Wie, wenn sie doch gefroren hätten, gehungert?

Morgen, hoffen wir, morgen werden sie ab- ziehen. Schlafen wir also endlich.

Blauer Tag. Kinder, die mit Halbstrümpfen zur Schule gehen. Die Mimosen haben schon Myriaden von gelben Knöspchen. Vor bem Zeitungsstanb sagt einer, aus bem Morgenblatt kopfschüttelnd auf» schauend, droben, bei den germanici, habe es 18 Grad unter Null. In Nürnberg, wo bie Puppen zuhause sind, diese süßen blonden Puppen!

Ich gerate, ohne recht zu wissen wie, in ein Lottolädelchen, bie Signorina hat schon viel Num­mern aufzuschreiben. Da werfe ich den Mantel um, ohne in bie Aermel zu fahren, und schiebe den Hut ins Genick, um nicht als Fremder aufzufallen. Kiebitze, was die andern setzen. Vogelschwarm Sturm großer Lärm. Die Signorina schaute in einem abgegriffenen Buche nach, um die entspre-

Zur bevölkerungspolitischen Ausklärungsaktion.

V

io

*>

Noch Immer i|t Dielen Deutschen Volksgenossen der Ernst der bevölkerungspolitischen Lage nicht klar genug. Man glaubt dem trügerischen Schein, daß die Bevölkerung zahlenmäßig noch immer wächst Diese Tatsache beruht jedoch nur aus der in der letzien Jahrzehnten erfolgten Verlängerung der durchschnittlicher Lebens­dauer der älteren Bevälkerungsteile. Diese hat aber ihre Höchst­grenze erreicht Da im Verhältnis zum normalen Bevölkerungs­aufbau früherer Zeiten viel zuviel Alte und Greife am Leben sind, muß die Sterblichkeitskurve sehr bald gewaltig ansteigen Man hat etwa für das Jahr 1936 den Zeitpunkt berechnet zu dem die Zahl der Todesfälle die Zahl der Geburten übersteigt. Dann werden sich Todeskurve unb Geburtenkurve schneiden Das bedeutet, daß das Volk in feiner Gesamtheit zahlenmäßig schrumpft

Noch ist es Zeit, im letzten Augenblick das deutsche Volk vom Abgrund des endgültigen Absterbens zurückzureißen Die Kurve unserer Geburtenzahl muß vor weiterem Absinken bewahrt, sie muß zum Wiederanstieg gebracht werden.

Die zwingende Notwendigkeit dieser völligen Wandluna in der Inneren und äußeren Struktur unseres Volkes beweisen bie offiziellen Aufklärungsschriften der Jt $. volkswohlsahrl. die tn Sammel­bestellungen durch jede Ortsgruppe der N S D A V nn Einzel» oerfauf an federn Postschalter des Deutschen Reiches für 10 Pf. je Stück bezogen werden können.

Ein Buch, das Bände spricht.

»itf in dasS.aMsche Lahrbach 1933". - Heiratslust und Fremdenverkehr, deutsche Zeitwende in Zahlen.

Von Hans Markert.

.. in einer Zett tiefgehender politischer, gesell­schaftlicher und wirtschaftlicher Umbildungen" ist die­ses dicke grüne Buch, wie es in seinem Vorwort heißt, vor einigen Tagen erschienen. Ein Buch, das jedes Jahr um die gleiche Zeit vor seinen Leser­kreis gelangt, unb bas doch immer lieber Ueberrajchungen birgt. Allerdings, die Sen­sationen knallen uns nicht mit fetten Lettern ent- S sie sind nur dem zugänglich, der sich die

macht, die eigenartige Sprache des Werkes in bildhafte Vorstellungen zu übersetzen. Denn diese Sprache besteht aus Zahlen, Zahlen unb nochmals Zahlen .

Anregend, manchmal sogar aufregend, immer aber aufschlußreich ist eine Stunde, die man im ,Statistischen Jahrbuch" blätternd, ver­bringt Das Erstaunlichste ist seine Spannweite, seine geradezu märchenhafte Jnhaltsfülle, zu der jede einzelne Zeile dieser 800 Seiten beiträgt. Was wollen Sie wissen? Die jährliche Zahl der Straf­prozesse vor dem Bremer Schwurgericht? Wieviele Gewitter über der Zugspitze niebergingen? Wie teuer im vergangenen Mai in Amerika das Alu­minium roar9 Das Statistische Jahrbuch gibt Ihnen Auskunft!

Bei dieser Allwissenheit ist es natürlich unmöglich, schon in der diesjährigen Ausgabe alle Daten und Zahlen zu finden, die von der grundlegenden Ver­änderung aller Dinge in Deutschland von 1933 be­richten. Wo es anging", sind Zahlen sogar bis zum November 1933 nachgetragen, die meisten schließen schern Herumliegen, und die Zwischenhändler wollen doch auch leben: da müßten die Bauern schon fuh­renweise liefern, um aus ihre Kosten zu kommen. Die Bauern aber wissen nichts von den Staren­schwärmen, man sieht sie nur in der Stadt

Warum dieses Geschrei und Gezwitscher und Debattieren mitten in der Nacht? Haben sie Hun­ger? Platzmangel? Wollen sie sich warm machen?

Der Mensch fragt umsonst. Es fehlt nicht viel, so neigt er dazu, diele Stare für unvernünftig zu hal­ten, obwohl ihn ein seltsamer Instinkt, möglicher­weise auch die überlegende Betrachtung der exak­ten Schwarmmanöver vor solcher Kritik warnt. Jedenfalls habe ich.in dieser Nacht kein Auge zuge­tan, und mein Nachbar Mussolini wird auch nicht geschlafen haben.

mit ber Jahresmitte ab; aber auch dort, wo nur vom Jahre 1932 erzählt wirb, zeigen sich Perspek­tiven, die geradenwegs in bie neue Epoche ber beutschen Geschichte führen und für die schwierigen Aufgaben, deren Lösung heute so ener­gisch versucht wird, zuverlässige Unterlagen bereit­stellen.

Welche einschneidenden Veränderungen die letzten acht Jahre in Deutschlands Bevölkerung, gebracht haben, zeigt bas Ergebnis ber Volkszäh­lung vom 16. Ium 1933, bie ben ersten Abschnitt des Buches einleitet Um mehr als 2,7 Millionen ist die Bevölkerungszahl feit der Volkszählung von 1925 gestiegen; damit natürlich auch bie Bevölke- rungsbidjte: von 123 Einwohnern pro Quadrat­kilometer im Jahre 1910 über 133 im Jahre 1925 bis auf 140 in diesem Jahre. Wieviele Menschen kommen durchschnittlich auf eine Haushaltung in Deutschland? 3,72 antwortet die Statistik; im gan­zen Reich existieren siebzehneinhalb Millionen Haushaltungen' Der Zug nach der Großstadt hat sich auch zwischen 1925 und 1933 ein wenig bemerk­bar gemacht; damals lebten 34,8 v. H. ber Gesamt­bevölkerung in Stäbten mit mehr als 50 000 Ein­wohnern, heute 35,4 v. H.

Auch Prophezeiungen gibt uns das Jahrbuch Vorausberechnungen, die bei den bevölkerungspoli­tischen Maßnahmen der Regierung eine Hauptrolle spielen: steigt bie Geburtenzahl nicht, so sinkt bis zum Jahre 1970 bie Zahl ber Kinber unter 15 Jahren von 15 auf 10,6 Millionen, die ber Er-

Jn dem bißchen Grün, das unsere Schlafzimmer trennt, stehen ein paar mächtige Pinien, Schirme so groß wie ein Kirchendach, unb darauf ließen sich die Vogelwolken auch in der nächsten Nacht nieder. Wieder der unaufhörliche Lärm. Die Pinien ge­hören, um es genau zu sagen, weder mir, noch meinem großen Nachbarn, unb sinb uns boch beiben eigen wie der Himmel über uns. Etwas gibt es, meint Kant, was uns bem Unbegreiflichen näher bringt: ber gestirnte Himmel über uns. Aber in dieser zweiten Nacht zeigten sich auch keine Sterne »nd die Stare überschrien die schönste Philosophie. Die Karabinieri unter den Fenstern des Duce wur­den unruhig, was nützte es, die Ohren zu spitzen? Jedes verdächtige Geräusch wäre in dem Getöse un­tergegangen.

Plötzlich zog aus Süden her und schwoll in rasen­der Hast ein Sausen und Brausen und Drängen und Drücken, daß einem die Luft wegblieb. Sturm! Schirokko' Mit unheimlicher Gewalt greift es in die Pinienschirme, die dem Wind eine Angriffsfläche bieten groß genug, um eine Stoßkraft zu entfal­ten gegen die das bißchen Gebläse, das unsere Regenschirme umftülpt, lächerlich erfdjeinen muß. Wanken auch die gewaltigen Stämme so wenig wie die Säulen der Peterskirche, hatten die manns- dicken 'Hefte das grüne Zett, es wogt doch so un­gestüm hinein, es faucht und jault und rüttelt und reißt, daß die schweren Pinienzapfen unreif herab­sausen. Die Stare läßt alles kalt, sie schwirren und schlagen und schreien, sie Überschrein den Sturm.

Vor ihm, denkt man, froh, endlich eine Erklärung gefunden zu haben, werden sie geflüchtet sein, sie haben ihn 24 Stunden vorher gewittert. Jetzt will jeder Recht gehabt haben, jeder ein Prophet, jeder ber erste gewesen sein, ber was merkte.

Obwohl nun sogar die schweren römischen Ziegel,

wachsenen oon 4a aus 43 'Millionen und nur bie ber Greise über 65 Jahren steigt von 4 Millionen auf mehr als das Doppelte, nämlich 8,4 Millionen!

Die Verhältniszahlen ber Erwerbstätigen ein­schließlich ber Arbeitslosen in ben einzelnen Wirtschaftsgruppen sinb recht interessant: 41,4 v. H. arbeiten in Industrie und Handwerk, 30,5 v. H. in ber Lanbwirtschaft, 16,5 v. H. in Hanbel und Ver­kehr, 11,6 v. H. in den übrigen Berufen; die Ge­samtzahl der Erwerbstätigen beträgt heute über 32 Millionen, von denen 14,4 Millionen Arbeiter, 5,5 selbständig, 5,2 Angestellte und Beamte sind.

Noch mitten aus ber Krise kommen bie Ehe - unb Geburtszahlen. 1932 würben 509000 Ehen geschlossen gegenüber 515 000 im Vorjahre unb fast 900 000 im Jahre 1920; 980 000 Kinber wur­den 1932, 1031 000 im Jahre 1930 und 1,6 Mil­lionen im Jahre 1920 geboren. Der Geburten­überschuß sank von 11,3 pro Taufend Ein­wohner im Jahre 1921 auf 4,3 im Jahre 1932! Auch über Mehrlingsgeburten berichtet das Jahrbuch; 1931 fanden zwei Vierlingsgeburten in Deutschland statt in welcher Gegend diese allzu glücklichen Ereignisse stattfanden, wird leider verschwiegen ... Besonders erfreulich ist das rapide Sinken ber Säuglingssterblichkeit, das der fortschrei­tenden Hygiene und ärztlichen Kunst zu verdanken ist: während noch vor 50 Jähren fast 45 000 Kinder im 1. Jahr starben, waren es 1929 noch 19 000 und 1931 nur noch 16 000. Woran sterben die Menschen? Auch hierüber erhalten wir Auskunft. Am häufig­sten sind Kreislauf- vor allem Herzkrankheiten weit häufiger als die normale Todesursache: Altersschwäche. Unser Zeitalter scheint tatsächlich zu­viel Aufregungen zu bringen, denn gegenüber 1924 ist die Zahl der Herzkrankheits-Todes­fälle ganz bedeutend gestiegen, die der Todesfälle an Altersschwäche erheblich gesunken. Gleich hinter ben Herzkrankheiten kommen die K r e b s f ä 11 e, die ebenfalls in ben letzten Jahren stark gestiegen sind unb eine immer größere Gefahr für die Volks- gesunbheit bilden. 23 000 Unglücksfälle sind 1931 tödlich verlaufen, 18 600 Menschen haben sich zu­meist durch Erhängen bas Leben genommen

Die meisten Heiratslustigen zählte im Jahre 1932 Königsberg mit 10 Ehen auf 1000 Ein­wohner, bie wenigsten Chemnitz mit 6,9, am ge­burtenfreudigsten war Gleiwitz, während in Berlin bie wenigsten Kinder zur Wett kamen dafür stellte es jedoch den Rekord in Ehescheidungen mit 185 aus 100 000 Einwohner auf und muß sich von dem kleinen Ländchen Hohenzollern mit feiner Ver­gleichszahl von nur 6,8 beschämen lassen ..

Woher kamen die meisten Fremden, die 1931/32 Deutschland besuchten? Merkwürdigerweise aus Holland; gleich dahinter kommt Amerika, Oester­reich und die Tschechoslowakei. Die meisten von ihnen besichtigten Berlin, München, Köln, Nürnberg, während unter den Kurorten Wiesbaden die meisten Ausländer beherbergte.

Noch Ende 1931 hielt der L e b e n s h a l tun g s- index 30 v. H. über bem von 1913, im Jahre 1932 sank er auf 118 (1913: 10Q), erreichte seinen tiefsten Stand im März/April 1933 mit 116 und stieg bann allmählich roieber bis zur Jahresmitte an Zeichen ber sich bessernben Konjunktur!

Fast haben wir schon vergessen, daß es einmal so etwas wie Arbeiiskämpfe gab. Das Jahrbuch be­richtet uns von 660 Streiks unb Aussperrungen im Jahre 1932, oon denen 340 ohne Erfolg enbeten, noch im März dieses Jahres fanden vier Streiks statt, gegenüber 45 im Januar! von denen einer erfolglos endete. Demgegenüber zählte das Jahr 1932 über 14 000 Konkurse!

Unmöglich, auch nur einen winzigen Teil all ber interessanten Dinge, bie bas Jahrbuch enthält, wieberzugeben allein ber neue Anhang mit sei­nen wirtschaftlichen und politischen Daten von 1933 spricht Bände: von der Errichtung der deutschen Goldbiskontbank, dem Damesplan, der ersten Gen­fer Wettwirtschaftskonferenz bis zum Ergebnis des 12. November 1933 ist kein Datum ver­gessen, bas für bie Nation von Bebeutung mar.

chenben Ziffern zu erfahren, jetzt kennt sie sie schon ausmenbig. Ich setzte auch ein Terno,für alle acht Spielstädte zugleich", wie das Lottofräulein von selber hinzusetzt, für Rom, Turin, Mailand, Venedig, Neapel, Florenz, Bari und Palermo, denn wer könne missen, mohin bie Stare nun fliegen, vero? Ja, wer kann bas wissen!

Geheimnis um das Ende Alexanders!.

Auf ihrer Suche nach den kostbaren Schätzen des einstigen Zarenhauses erbrachen die Sowjetbehör- ben auch die kaiserlichen Grabstätten in ber Peter- unb Pauls-Zitadelle zu Leningrad. Dort ruhen die Gebeine Dieter russischer Herrscher. Aber der Sar­kophag Alexanders I. war teer... Ein Schleier des Geheimnisses hat schon immer bas Enbe dieses Zaren umgeben. Durch bie kürzlich gemachte sensa­tionelle Entdeckung scheinen alte Gerüchte ihre Be­stätigung zu finden. Viele im Volk umlaufende Le­genden leben plötzlich wieder auf, an die M. O. Aubry imFigaro" erinnert: Elf Jahre nach Alexanders Tod erschien ein stattlicher Mann auf prächtigem Roß in ber Perm-Gegend. Er nannte sich Fedor Kusmitsch. Aber da er von seiner Her­kunft nichts erzählen wollte, strafte man ihn mit Prügeln und hielt ihn als Landstreicher gefangen. Erst als der Großfürst Michael auf einer Inspek­tionsreise vorüberkam, wurde sein Gesuch um Ver­schickung nach Sibirien bewilligt. In der Nähe von Tomsk arbeitete er in einer Branntweinbrennerei, unb man verehrte ihn hier wie einen Heiligen. Fünf Jahre später tauchte bann derselbe Fedor in einem Kosakendorf wieder auf, unterrichtete dort kleine Kin» der, unterwies die Bauern und betete mit ben Kran­ken. Allgemein hielt man ihn für einen Vornehmen, ber sein Leben ber Entsagung geweiht hatte. Da kam eines Tages ein Soldat aus Petersburg.Das ist der Zar", rief er aus,das ist unser Väterchen Alexander Pawlowitsch!" Unb ein einstiger Schüler Fedors, ber auf einer Reise nach Rußlanb ein Bild des Zaren gesehen hatte, rief ihm bei seiner Rück­kehr zu:Väterchen, du siehst genau aus wie unser Herrscher Alexander!" Eine gewisse Frau Belakhine will sogar unter Fedors Papieren ben Trauschein von Alexander und ber Zarin Elisabeth gesehen haben. Prinz Baviatinsky versichert in seinemGe­heimnis um Alexander", daß Fedor kurz vor seinem 1864 erfolgten Tode noch ben Besuch der Zarin er­halten habe... Sollte es boch wahr sein, baß der Zar, der nach den amtlichen Mitteilungen am l. De­zember 1825 in Taganrog gestorben sein soll, heim­lich entwich und als Fedor Kusmitsch roeiterlebte?