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27.12.1933 Viertes Blatt
 
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Kr. 302 vierter Blatt

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Mittwoch, 27. Dezember (933

Sie LlrieilsverkündWg im Leipziger Prozeß.

Die Angeklagten: Mitte links: Torgler; rechts: van der Lubbe; ganz rechts: Dimitroff.

Revolution im Autobau.

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Das Chassis des Mercedes-Benz-Wagens Typ 130, bei dem der Motor hinten angebracht ist. Das rahmen­lose Fahrgestell weist Schwingachsen auf. Unten links: Einer der schmucken Wagen des neuartigen Typs, der jetzt in Serienfabrikation als Bolkswagen hergestellt wird. Die Heck-Motor-Konstruktion erspart die schwerwiegenden Uebertragungsorgone von dem früheren Bug-Motor zu den Hinterrädern. Durch die Gewichtsersparnis wird eine beträchtliche Schnelligkeitssteigerung erzielt.

S.J.-fpori

Weihnacht«- und Neujahrs­grüße des Retchslportführers.

Der Reichssportführer erläßt folgende Weihnachts­und Neujahrsbotschaft:

Das Jahr 1933, das in der Geschichte der Na­tion als das Jahr der nationalsozialistischen Revo­lution ewig verankert bleiben wird, neigt sich seinem Ende zu. Neues Hoffen, neuen Glauben gab es dem deutschen Bolke, von revolutionärem Wollen voll un­gestümen Borwärtsstürmens war es erfüllt. Adolf Hitler gab der Nation und ihrer Zeit das Gepräge.

Groß mar auch der Umbruch auf dem Gebiet der Leibesübungen. Opferbereiter Einsatzwillen 621.« Geist hat sich durchgesetzt und alles, was glei­chen Willens ist, zu einer Einheitsfront zusammen­geschlossen, um die Leibeserziehung im Sinne des nationalsozialistischen Staates zu gestalten. Bedeu­tende Aufgaben stehen bevor, die die Kräfte aller voll in Anspruch nehmen werden.

Die Worte des Führers in seinem Erlaß vom 14. Dezember über die Olympischen Spiele und die Aufgaben des Reichssp'ortführers zeigen uns Tur­nern und Sportlern den Weg im neuen Jahr.

Eine nicht weniger wichtige Aufgabe ist die dauernde und nachhaltige Pflege der Leibesübungen im ganzen deutschen Volk als eines der wichtigsten Kulturgüter im nationalsozialistischen Staat. Wir werden dadurch dem Geist des neuen Deutschlands in der Kraft seines Volkes eine dauernde Grund­lage schaffen."

Heil Hitler! Der Reichssportführer gez. o. T s ch a m m e r, Gruppenführer.

Wintersport während der Weibnachtsfeiertage. Der Wintersport fand an den Feiertagen recht gute Wetter- und Schneeverhältnisse vor. Aus der Hausbergjchanze in Garmisch erzielte der junge Eisgrüber (Partenkirchen) mit Note 211 und Sprüngen von 40 und 35 Meter die beste Note des Tages. In Klasse I war Ertl (München) mit Note 193,7 der Beste.

Auf der Koppenschanze bei Krumm­hübel stellte der Hirschberger Hubert Hering trotz beschränkter Anlaufbahn außer Konkurrenz mit

44,5 Meter einen neuen Schanzenrekord auf, Hering gewann auch den Sprunglauf vor Ermel-Brücken- berg.

Die beste Leistung auf der P r e d i g t st u h l - Schanze bei Reichenhall vollbrachte Suitner (München) mit einem gestandenen Sprung von 35 Meter Weite. Die beste Zeit im Slalomlauf erzielte Willi Bogner (Traunstein) mit 1:04.

Bei den Rigi-Skirennen in der Schweiz holte sich der Schweizer Meister Walter Prager den Kombinationslauf überlegen mit Note 663,25 vor Andregg mit Note 628. Im Langlauf über rund 14 Kilometer siegte Prager in 1:02,48, da­gegen reichte es im Sprunglauf nur zu einem fünften Platz.

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Der SC. Rießersee und der EV. Füssen haben sich für das Endspiel um die Bayrische Eis- Hockeymeisterschaft qualifiziert. In der Zwischenrunde siegte Rießersee über HG. Nürnberg 10:0 und Füssen schlug den EV. Tölz 7:1.

Oie Meisterschaften des Südwesi- deuischen Eissportverbandes.

Als erste Meisterschaft hat der Verband Kunst­laufen und Eisschießen an den Tennisclub 1914 (Palmengarten) vergeben. Da nunmehr schon 14 Tage lang auf dem Eis geübt werden konnte, hat­ten die Wettkämpfer genügend Gelegenheit sich vor­zubereiten. Der Gießener Eisverein wird daher in beiden Sportarten Teilnehmer entsenden können. Im Kunstlaufön werden diesmal sogar eine größere Zahl in der Juniorenklasse laufen, die im vergangenen Jahr noch als Anfänger liefen. Die Eisschützen gehen mit großen Hoffnungen in den Kampf, da sie in diesem Jahre wieder in alter Auf­stellung stehen.

Acht Tage später sollen dann, wenn der Wetter­gott gnädig ist, die Eishockeyspiele und die Schnell­lauf-Wettbewerbe steigen. Auch hierzu wird eine Mannschaft und mehrere Läufer entsandt werden, von denen die Schnelläufer die größeren Aussichten haben, wie sich schon im vergangenen Jahr hier in Gießen zeigte.

Sollte sich eine Mannschaft den Meistertitel holen, so hat sie in diesem Jahre Gelegenheit, an den Deutschen Kampfspielen teilzuneh­men, die im Februar im Harz stattfinden.

Körnig out dem Wege der Besserung.

Der ehemalige deutsche 100-Meter-Meister Hel­mut Körnig- Berlin, der nach seinen noch immer beachtlichen Leistungen in der vergangenen Leicht­athletik-Saison plötzlich an Typhus schwer erkrankt war, hat die Krisis überstanden und befindet sich bereits auf dem Wege der Besserung.

HochwaffergesahramMeindmchLisverschiebung

Auf dem Rhein haben sich die gewaltigen Eismassen in Bewegung gesetzt und treiben langsam flußab­wärts, wobei sie sich an Biegungen und Dämmen stauen und dadurch einen unheimlich schnellen Anstieg des nachdrängenden Wassers verursachen. Stellenweise ist der Fluß bereits um 6 Meter gestiegen. Unser Bild zeigt die Eismassen bei Oberwesel.-

Kußball der Feiertage.

1900 I - Wattau I 2:1 (1:0).

Leider wieder ein sehr wenigs eindrucksvoller Sieg! Das gestrige Spiel bewies wieder einmal mehr, daß sich die Mannschaft in einer Krise be­findet, die baldigst überwunden werden sollte. Trotz zum Teil bester Einzelleistungen kam es zu keinem Ergebnis, das auch nur einigermaßen hätte befrie­digen können.

Ueber den Spielverlauf ist nicht sehr viel zu sa­gen, wenn auch auf jeden Fall festgestellt werden muß, daß die Blauweißen fast während der ganzen Spielzeit drückend überlegen kämpften. Besonders in der ersten Halbzeit kam der Gegner kaum aus seiner Hälfte heraus und war eingeschnürt, so daß er selbst nur zu kurzen Durchbrüchen kommen konnte. Schlarb mußte während dieser Zeit nur wenig eingreifen und meisterte seine Aufgabe ohne viel Mühe. Es gab bei der Spielvereinigung einige erstaunlich schöne Kombinationszüge von der Läu­ferreihe her, immer aber wurde alles Bemühen durch das fast völlig unproduktive Spiel des Sturmes illusorisch gemacht. So kam es in der ersten Spiel­hälfte nur zu einem Erfolg für die Gießener, der allerdings auf sehr feine Weise (gute Vorlage von Günther, stach und exakt von Schmelz geschossen), zustandekam. Unentwegt blieben die 1900er im Spiele führend, hartnäckig blieb ihnen aber zunächst auch jeder weitere Erfolg versagt.

Nach der Pause kamen die Gäste aus Wallau überraschend gut auf und gaben für den Zeitraum einer Viertelstunde den Ton an. Aber auch sie ver­mochten herausgearbeitete Chancen trotz allen Eifers nicht auszuwerten. Auch bei den Gästen war der Sturm der schwache Mannschaftsteil.

Das zweite Tor für die Spielvereinigung fiel im letzten Drittel der zweiten Halbzeit durch einen Elf­meterball, der glatt verwandelt wurde. Zwei Mi­nuten später holten die Gäste aber ein Tor auf, und zwar durch einen scharfen Schuß des frei­stehenden Linksaußen, der für den Tormann kaum haltbar war. Der Rest der Spielzeit brachte nichts außerordentliches mehr.

Aus dem Gau Aordheffen.

Hanau schlägt Friedberg wieder mit 2:1.

Der Gau Nordhessen wickelte an den Weih­nachtsfeiertagen als einziger südweftdeutfcher Gau fast ein vollständiges Sonntags-Programm ab. Vier Spiele wurden ausgetragen. Am Heiligen Abend fertigte Kurhefsen Kassel den Tabe'llen-Letzten Chattia Kassel sicher mit 4:2 ab, und am ersten Feiertag blieb Hanau 93 gegen den VfB. Friedberg wie schon im Vorspiel mit 2:1 erfolgreich. Spieloer- ein Kassel hatte gegen seinen Lokalgegner Sport große Mühe um zu einem knappen 2:1-Sieg zu kommen. Der Kampf Hessen Hersfeld gegen Borussia Fulda wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag aus­getragen und endete mit einem 0:2-Sieg der Bo­russen.

ZGB. $ronffurt in Marburg geschlagen

Der Fußballsportverein Frankfurt wurde am 1. Festtag in Marburg von dem VfB. Kurhessen mit 5:3 (3:0) geschlagen. Die Frankfurter traten zwar mit vier Ersatzleuten an, jedoch entschuldigt diese Tatsache allein ihr schwaches Spiel nicht. Verteidigung und Läuferreihe waren gar nicht auf dem Posten. Der Sturm spielte im Felde zwar flüssig und tech­nisch sehr nett, verlor aber im Strafraum des Geg­ners die Uebersicht. Die Marburger Mannschaft be­saß zwar nicht die reife Technik des Gegners, aber mit ihrem großen Eifer erkämpfte sie sich doch einen ausgeglichenen Spielverlauf. Zum Sieg trugen in der Marburger Elf vornehmlich das wuchtig spie­lende Schlußdreieck, der gute Mittelläufer, die Schuß­kanone Böttner und auch ein wenig Glück bei. Durch Eckhardt und Böttner (2) kam Marburg schon vor der Pause zu drei Treffern, während die Frank­furter in dieser Zeit leer ausgingen. Erst in der 60. Spielminute konnte Schlagbauer einen Gegen­treffer erzielen, jedoch schoß auch Marburg gleich daraus durch Böttner einen Treffer. Frankfurt wurde dann überlegen und kam durch Treffer von Hartwig und Schlagbauer auch auf 4:3 heran. Der in erreichbarer Nähe liegende Ausgleich konnte aber nicht erzielt werden. Im Gegenteil: Marburg er- weiterte die Tordifferenz kurz vor Schluß durch Böttner noch auf 5:3. Kunze- Hungen leitete das Spiel vor 2000 Zuschauern gut.

Spiele im Westen.

Interessante Fußballkämpfe gab es am 1. Fest­tag in Westdeutschland. Eine Aachener Stadt­mannschaft erzielte gegen Ungarns Meister FTC. Budapest vor 6000 Zuschauern ein 2:2 (2:0). Preu­ßen Krefeld schlug Stade Fran?ais Paris mit 3:1 (2:1), nachdem die Franzosen am Vortage in Ham­born gegen die tüchtige Mannschaft des SV. 07 so­gar mit 7:0 (3:0) verloren hatten. In Köln-Mül­heim spielte der SV. Feuerbach 1:1 und in Düs­seldorf kam Saar 05 Saarbrücken zu einem 2:1 (1:1) Erfolg überTuru". Der Schlager des ersten Festtages aber war der 5:0 (3:0) Erfolg, den Schalke 04 vor 10 000 Zuschauern unter ihnen Mitglie­der des DFB.-Spielausschusses über den VfL. Benrath erzielte. Bester Mann auf dem Platz war C z e p a n als Mittelläufer.

Der deutsche Fußballmeister Fortuna Düsseldorf wurde am Stephanstag zuhause vom Dresdener SC. vor 10 000 Zuschauern mit 2:1 (0:0) geschlagen. Das Hauptoerdienst am Siege hat der Tormann Kreß.

weitere interessante Begegnungen.

Einen schönen Auslandserfolg erzielte der Bezirks- ligift Viktoria Aschaffenburg, der in Südfrankreich über OS. Montpellier, einem bekannten Verein in der französischen Berufsspieler-Liga, mit 4:3 erfolg­reich war.

Hungaria Budapest kam nach dem 2:0-Sieg in Mannheim auch in Karlsruhe beim Kampf gegen eine Stadtmannschaft zu einem 2:0 (0:0) Sieg, der allerdings nicht ganz verdient war. 4000 Zuschauer waren bei dem enttäuschenden Spiel anwesend.

Aus dem Gau Güdweft.

Im Gau Südwest waren für die drei Weihnachts­feier tage insgesamt nur zwei Meisterschaftsspiele vorgesehen. Das erste davon stieg am 25. Dezember im Wormser Adolf-Hitler-Stadion zwischen Wor- matia Worms und 1. FC. Kaiserslautern. Die Wormser konnten in einem interessanten Kampf den Lauterern" mit 2:0 (1:0) die beiden Punkte abneh­men und so die hohe 0:6-Schlappe vom Vorsonntag gegen Neunkirchen wieder etwas verwischen. Bei diesem Spiel gab es in der ersten Viertelstunde einige recht unschöne Szenen, die für die beteiligten Spieler noch ein Nachspiel haben dürften, obwohl der Schiedsrichter die Vorfälle nicht gesehen hat. Am zweiten Weihnachtsfeiertag absolvierten in Neunkirchen Borussia und Phönix Ludwigshafen das zweite vorgesehene Pflichtspiel. Der Kampf endete mit einem 3:1 für die Borussen.

Privatspiele: Sportfreunde Saarbrücken FV. Saarbrücken 5:3, St. Ingbert Stadtelf Karls­ruhe (Bezirksklasse) 3:4, Schaffhausen Stadt Mannheim (Bezirksklasse) 3:1, Kickers Viktoria Mül­heim Kickers Offenbach 1:1, Eintracht Frankfurt Weftmark Trier 1:3 (1:2).

Das Repräsentativspiel der Gaue Süd­west und Baden in Frankfurt a. M. endete vor nur 3000 Zuschauern mit einem Unentschieden von 3:3, nachdem Baden bei der Pause l;0 und später sogar 2:0 und 3:1 geführt hatte.

Amtsgericht Gießen.

_ 6in Zigarrenarbeiter aus Krofdorf erhielt einen Strafbefehl, da er, ohne einen Führerschein zu be­sitzen, die Frankfurter Straße in Richtung Horst- Wessel-Wall mit einem Auto fuhr. Der gegen den Strafbefehl eingelegte Einspruch war insofern von Erfolg gekrönt, als die «träfe auf fünf Mark herabgesetzt wurde. Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

Wegen Betrugs in zwei Fällen wurde ein Kauf­mann aus Heuchelheim zu vier Monaten, eine Angeklagte wegen Beihilfe dazu zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. In einem Beschluß wurde ihr bedingter Strafaufschub gewährt. Auf ausdrück­liches Zureden veranlaßte der Angeklagte die Mit­angeklagte, obwohl er mehrfach von deren Zahlungs­unfähigkeit gehört hatte, einen Bestellschein über eine Singer-Nähmaschine zu unterschreiben. Der Ange­klagte dachte sich auf diese Weise die von der Firma versprochene Provision zu verschaffen. Der Ange­klagten war es aber unmöglich, ihren Ratenverpsticy» tungen nachzukommen.