Ausgabe 
27.12.1933 Drittes Blatt
 
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Nr. 502 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (Generm-cknzefger für Vberheffen)

Ein denkwürdiger Tag der ÄEZAP. Gießen.

Feierliche Ehrung der alten Kämpfer. Rückblick und Ausblick.

Im vollbesetzten Saale des Caf6 Leib hielt am I Samstagabend die NSDAP, in Gießen eine außerordentliche Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz des Kreisleiters Dr. Harth (Avendorf a. d. Lumda) ab. Die Versammlung galt der Ehrung alter Parteigenossen mit der Mitgliedsnummer un­ter 100 000, einem Rückblick auf das scheidende Jahr und einem Ausblick auf die künftigen Aufgaben.

Nach dem feierlichen Einbringen der Fahnen begaben sich elf der alten Parteigenossen unter Vorantritt des früheren Gießener Ortsgruppen- und Kreisleiters Postassistent Adam Lotz (Gießen) auf die Bühne, wo sie im Halbkreis um den Sitz des Kreisleiters Aufstellung nahmen.

Kreisleiter Dr. Harth-Mendorf führte dann u. a. aus: Ich habe Sie kurz vor Weih­nachten noch einmal zu einer Mitgliederversamm­lung eingeladen. Das ist nicht von ungefähr, son­dern wir haben einen besonderen Grund zu dieser Versammlung. Adolf Hitler hat mich durch den Gauleiter Jakyb Sprenger beauftragt, den alten Kämpfern der NSDAP, mit der Mitqliedsnummer unter 100 000 dos Ehrenzeichen her B^ w c - gung zu überreichen. Der Redner verlas hierauf folgende Namen:

Wilgl.-Nr.

Hermann Bender, Hungen 44 986

Otto fielt, Langsdorf 74 995

Wilhelm Weber, Ettingshausen 73 768

Anton Dieh, Lich 76 925

Otto fireuder , Grünberg 49 053

Heinrich höchst, Grünberg 77 834

Erich Arnold, Londorf 18 929

Hermann Stoll, Garbenteich 62 828

Hermann W o b k e r , Heuchelheim 28 507

Wilhelm Schepp , Saasen 70 974

Heinz Horn, Gießen 84 166

Georg Lrmert, Gießen 95 196

Wolfgang Lohe, Gießen 2 903

Franz Soldan, Gießen 90 127

Adam Loh, Gießen 65 643

Adolf Treser, Gießen 66 758

Wilhelm Wenderoth, Gießen 71 143

Otto fiempff, Gießen 85 580

Adolf Wandler, Gießen 65 641

Friedrich Walter, Gießen 71140

Walter vehberger, Gießen 75 004

August Horn, Gießen 75 000

Jean Bullmann, Gießen 90 317

Baumgärtner, Gießen 80 768

Loren; Eifert, Gießen 63715

Ad. W ü n k e r, Gießen 84 165

Sodann sagte Kreisleiter Dr. Harth weiter: Sämtliche Ehrenzeichen sind bis jetzt noch nicht hier eingetroffen, es kann daher heute nur ein Teil der alten Kämpfer ausgezeichnet werden. Ich habe vor­gesehen, die Urkunden nach ihrem Eintreffen in ebenso feierlicher Weise wie heute den alten Kämpfern zu überreichen. Wir Nationalsozialisten sind im allgemei­nen keine besonderen Freunde von Feiern und For­malitäten. Aber heute abend fühle ich mich stolz und glücklich, daß ich die Ehre habe, den alten Kämpfern den Dank des Führers aussprechen zu dürfen. Was unser Führer tut, ist wohlerwogen und richtig, Er hat durch diese Auszeichnung bekundet, daß den Nationalsozialisten, die früher'mit ihm zusammen gekämpft haben, eine besondere Bedeutung zukommt, er hat mit dieser Verleihung des Ehrenzeichens den alten Kämpfern eine Sonderstellung innerhalb der Bewegung eingeräumt. Was heißt alter Kämpfer sein?

Atter fiämpfer fein, heißt Jünger, heißt Apostel sein.

Ihr alle, die ihr hier steht, habt schon früher, als die andern noch schliefen und falsche Wege gingen, den Worten des Führers gelauscht, ihr habt seine Ideen in euch ausgenommen. Ihr habt Tag um Tag gepredigt, Entbehrungen, Not, Haß und Ver­

leumdungen auf euch genommen, seid durch ein Meer von Schmutz gewatet, ihr seid elend und arm geworden. Aber eins seid ihr nicht geworden: ihr seid nicht müde, nicht verzagt geworden. Ihr habt das Banner hochgehalten und getragen, es bei einem Rückschlag wieder hochgerissen und euch im­mer aufs neue eingesetzt nach den Weisungen des Führers. Ihr seid die Verkörperung des National­sozialismus geworden. Ihr habt treu und tapfer, zäh und fanatisch gekämpft. Ihr habt dem Führer die Treue gewahrt, ihr seid der Idee treu geblieben. Daß ihr so treu und tapfer wäret, dankt euch der Führer durch diese Auszeichnung. Der Führer weiß, daß ihr keinen Dank und keine Belohnung wollt, ihr fordert sie nicht in eurer Bescheidenheit. Aber der Führer weiß, was ihr ihm wart und ferner sein werdet.

wie ihr bisher seine Jünger und fiämpfer wart, so müßt ihr in Zukunft das Sal; der Bewegung werden, der feste fiern, um den sich alles kristallisiert.

Diese Auszeichnung soll ein Ansporn fein, weiter treu zum Führer zu stehen und ihm zu helfen, sein Werk des Aufbaues und des Friedens, sowie der Gesundung des deutschen Volkes zu fördern, damit das Dritte Reich so wird, wie ihr es auch erarbeitet habt. Im Namen der Nationalsozialisten des Krei­ses Gießen spreche ich euch zu dieser Auszeichnung der herzlichsten Glückwünsche aus.

In das vom Kreisleiter auf die alten Kämpfer ausgebrachte dreifache Sieg-Heil stimmte die Ver­sammlung freudig ein, mit großer Begeisterung auch in das sofort von dem alten Kämpfer, Kreis­leiter z. b. V. und Gauredn.'r B u l l m a n n ausge­brachte dreimalige Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler. Anschließend wurde nach der Ueberreichung der Ehrenzeichen gemeinsam das Horst-Wessel-Lied gesungen.

Kreisleiter z.b. V.

Gauredrer BuUmann

sagte dann in einer packenden Rede u. a.: Das Un­glück Deutschlands ging an uns vorüber, an uns allen, an unseren Kindern und nicht zuletzt auch an denen, die für Deutschland gefallen sind im Welt­kriege und nach dem Kriege. Sie fielen, weil der Anlaß ihres Heldentums das Unglück Deutschlands war. Wir Nationalsozialisten kannten kein Unglück materieller Art, wir sahen auch nicht ein Unglück darin, daß eine Monarchie gestürzt wurde.

Die Zersetzung unseres Volkes war das Unglück Deutschlands.

Adolf Hitler sah das Unglück, und er sah auch die Ursache dafür, während die andern nur die Aus­wirkungen sahen: der Bürger sah, daß er in Not war, der Bauer sah seine Not, das Arbeit- nehmertum, damals Proletariat genannt, sah nur sein Unglück. So begann der Kampf aller gegen alle. Damals eilten wir zum Führer, der das Un­glück rechtzeitig erkannt hatte. Und dann haben wir gekämpft. Während die andern in patriotische Ver­sammlungen gingen, in bürgerliche Vereine, wäh­rend der Marxismus sich breitmachte und das Bür­gertum der Republik diente, haben wir erklärt: eine Republik existiert für uns nicht, eine Fahne Schwarz- Rot-Gold kennen wir nicht, einen Reichspräsidenten Ebert kennen wir nicht, auch kein Republikschutz­gesetz, ebensowenig bürgerliche Parteien.

Wir haben aber mit aller firaft die fiommu- niftcn und die Sozialdemokraten, den Warxis- mus bekämpft und den bürgerlichen Brei beseitigt.

Notgedrungen machten wir den Parlamentarismus in der Weimarer Republik mit, weil wir es muß­ten, um unseren Kampf zu führen. Aber wir lach­ten über diese Republik mit ihrem Parlamentaris­mus, weil wir wußten: Adolf Hitler, der National­sozialismus, die Hakenkreuzfahne, Drittes Reich, Deutsche Revolution, das war unser Ziel! Und dann kamen sie und frugen: wo ist euer Programm?

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Gießener Gtadithearer.

Nobert Wmterbcrg: Anneliese von Dessau."

Die Operettenserie des Winterspielplans wurde am ersten Feiertag mit einer Aufführung der Anneliese von Dessau" drei Akte von Richard Keßler; Musik von Robert Winterberg fortgesetzt; das ist ein Stück, das nach Stoff und Melodieführung für ein heutiges Publikum ganz besonders geeignet erscheint.

Fürst Leopold zu Anhalt-Dessau ist wahrhaft populär geworden einmal durch den nach ihm be­nannten MarschSo leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage" ..., dann aber durch seine romantische Liebesaffäre mit der Dessauer Apothe­kerstochter Anna Luise Föse. Was den Grenadier­marsch betrifft, so wird das Motiv im zweiten Akt nur ganz vorübergehend und spielerisch angeschla­gen, um dem letzten Akt, in einer großangelegten repräsentativen Szene, einen wirkungsstarken Äus- klang zu geben.

Die Liebesgeschichte selbst aber bildet mit all ihren historisch beglaubigten Zügen die Grundlage der eigentlichen Handlung, die in ihrem Mittelakt, über den Rahmen des traditionellen Operettenlibrettos hinausgehEnd, einen regelrechten tragischen Konflikt entwickelt, wie er in einem größeren und berühm­teren Schauspiel unvergänglicher Besitz der deutschen Literatur wurde; Anne' je wird zum Verzicht ge­zwungen, indem man ihr vor Augen stellt, daß ihre Verbindung mit dem Fürsten den Geliebten unglücklich machen würde. Der dritte Akt schildert, allerdings nur erzählend, die Folgen des bis an die Grenzen eines bürgerlichen Trauerspieles im Stile derLuise Millerin" führenden Konfliktes. Aber dann greift der Textdichter ein und wendet das Schicksal der Liebenden mit der Rückkehr Leopolds von der italienischen Reise zum glücklichen Ende: Anneliese wird in den Stand einer Reichsfürstin von Anhalt erhoben, und der Trauunades Paares steht nun, nachdem auch die Fürstin-Mutter durch soviel unerschütterliche Liebe und Treue überwunden ist, nichts mehr im Wege.

«

Der Komponist Robert Winterberg hat sich der so in ihren Grundzügen festgelegten Handlung

mit Geschick und rechtem Gefühl angenommen: feine Musik ist unkompliziert, melodiös, sangbar und tanzgerecht; die Partitur wird den gefühlsmäßigen wie den historisch-militärischen Elementen des Text­buches gerecht und erhält mit der Einbeziehung des hochberühmten Dessauer Marsches einen besonders volkstümlichen Einschlag.

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Die Aufführung unter der Spielleitung von Hub griff die Dinge frisch und tr irrt an, inszenierte beweglich und stimmungsr unb brachte die

verschiedenartigen Elemente Handlung bei ge­

schickter Gegenüberstellung bi. . .gerlichen unb der höfischen Sphäre wirkungsvoll zur Geltung. Ka­pellmeister Cuje waltete am Dirigentenpult seines Amtes unb brachte bie volkstümliche Partitur straff unb sauber mit kräftig einsetzenben Chören zum Klingen. Für die dekorative Ausstattung tru­gen die Herren Löffler (Bühnenbilder) unb Keim (Beleuchtung) Sorge, währenb Herr S) u - der bas Ensemble stilvoll unb farbenfreubig kostü­miert hatte. Hannah Spohr führte bie Tanzregie unb belebte bie szenische Wirkung ber Operette burch eine Reihe rhythmisch gelockerter Einlagen recht er­freulich.

Sibylle-Evelyne Flemming fang unb spielte bie Anneliese sicher unb beherrscht in Ton unb Haltung, mit unverbildetem Gefühl und richtigem Verständnis für die lyrischen wie für die heiteren Bestandteile ber Partie. Herr Fierment machte ben Dessauer, gesanglich sehr frisch unb gelöst, un Spiel unproblematisch, solbatisch und selbstbewußt: Bild eines jungen Offiziers und Liebhabers, das zu den vertrauten Zügen des späterenalten" Dessauers nicht übel zu passen schien.

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Eine sehr hübsche, besonders darstellerisch ab­gerundete Leistung bot Herr Hub als der höfisch- galante und gewandte Marquis de Chalisac. Herr Geiger übertrug die aus dem Schauspiel geläufi­gen Züge des bürgerlichen Vaters mit Anstand in bie minber seriösen Bezirke ber Operettenhanblung. Frau Schubert-Jüngling war eine roürbige unb nicht ungütige Fürstin Henriette. Erna Renz und Paul W r e d e als Juliette und Friedrich Ro­benberg bilbeten ein unbeschwert heiteres, zweites Pärchen unb hatten insbefonbere mit ber übertrieben

Da haben wir ihnen erklärt: Deutschland erwache! Unserem Führer Heil!

Unser Programm ist Adolf Hitler!

Und so haben wir die Macht errungen. Aber nie­mals haben wir uns eingebildet, Adolf Hitler wolle die Macht seinetwegen, ober bie Partei fei unsere Lebensaufgabe.

Unser Führer kämpft für Deutschland! Die Partei hat die Ausgabe, Deutschland die richtige Organisation zu geben. Unsere Partei ist nicht

Selbstzweck, ihre Aufgabe heißt Deutschland!

Der SA.-Mann, ber SS.-Mcmn, ber NSBO.-Mann, ber Mann ber Deutschen Arbeitsfront, sie alle müs­sen Nationalsozialisten sein; bas eine geht nicht ohne bas anbere! Wir können uns bürgerlich nicht bewegen unb genau so wenig proletarisch. Wir sinb eben Nationalsozialisten gewor­den!

Wenn wir setzt das Ehrenzeichen tragen dürfen, so soll bas für uns alte Kämpfer eine erneute Verpflichtung fein:

Dieses Ehrenzeichen verpflichtet uns, daß wir in Treue zum Führer unsere firaft immer und zu jeder Zeit in den Dienst des fiampfes Adolf

Hitlers für ein neues Deutschland stellen.

(Stürmischer Beifall.) Nationalsozialist sein, heißt Kämpfer sein. Nationalsozialismus unb beutsche Revolution ist bas gleiche. Es gibt niemals ben Typ eines rabitalen Nationalsozialisten; entweber ist einer Nationalsozialist, bann ist er rabikal, ober er ist ein Parteigenosse unb muh erst noch lernen rabikal zu werben, bann ist er noch kein National­sozialist.

Wir alle fiämpfer haben die Aufgabe, fo zu bleiben, wie uns der Führer geformt hat.

Wenn Kreisleiter Dr. Harth sagte, wir sollten bas Salz ber Bewegung bleiben, so sage ich: wir wollen bieses Salz sein! Unsere Pflicht ist, baß

wir alte fiämpfer der Bewegung Immer den Stempel aufdrücken, aber niemals uns den Stempel aufdrücken lassen von denen, die glauben, sie feien auch fiämpfer. (Beifall.) Kameraden der alten Garde: Unser Treuschwur lautet: Der fiampf gehl weiter! Die Hakenkreuz- sahne ist unsere Fahne oder aber das Leichentuch für uns alle!

Die deutsche, bie nationalsozialistische Revolution, bie nationalsozialistische Bewegung unb unser ober­ster Führer Abolf Hitler breimal Sieg-Heil! Voll Begeisterung stimmten bie alten Kämpfer in diesen Treuschwur ein. Mit dem Rus an bie Versammlung: Der Kampf geht weiter! schloß Pg. Bull- mann seine mit lebhafter Zustimmung unb be­geisterten breimaligen Sieg-Heil-Rufen aufgenom­menen Rebe.

Stellvertretender Kreisleiter Hopsenmüller

erinnerte in feiner Ansprache zunächst an bie Kame- raben, bie im Kampfe für bie Bewegung unb bas Volk ihr Höchstes Hingaben, ihr Leben. Die Ver­sammlung gedachte ftehenb mit bem Hitler-Gruß ber gefallenen Kameraben, währenb bie Standarten- kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte. Der Redner schloß die feierliche Heldenehrung ab mit ben Worten:Das Sterben für unsere Be­wegung ist Verpflichtung für jeben einzelnen von uns, für jeben, ber Nationalsozialist ist". Nach kurzem Hinweis auf die großen Ereignisse bes nun zu Enbe gehenben Jahres sagte der Redner u. a. weiter: Wir dürfen nicht vergessen, welche Arbeit uns noch bevorsteht. Ich kann mir denken, daß manche glücklich sind, wenn sie durch die Stadt gehen und dabei die Taten der christlichen Nächsten­liebe sehen können, daß $. B. für unsere Hitler- Jugend ganz selbstverständlich ist, daß einer für ben anbern eintritt unb einer für ben anbern arbeitet. Aber barüber hinaus gibt es noch viel, was be­achtet werben muß.

Der Sieg des Nationalsozialismus war erst ber Anfang der Arbeit, durch ihn ist erst die Platt­form geschaffen worden, von der aus die letzten

deutlich zurechtgemachtenKleinen Hochzeitsreise" den stürmischen Erfolg, der hier oorauszusehen war. Zwei hübsche Chargen brachten Herr Kühne als Hofmarschall unb Herr Seitz als Laternenanzünder.

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Das Publikum nahm die Neuerscheinung freund­lich entgegen, erzwang mehrere Zugaben und klatschte zuletzt im Takt des Dessauer Marsches einen Feiertagsapplaus. hth.

Oeuifch-Südwestasrika noch immer deutsch.

Wenngleich Deutsch-Südwestasrika nun schon seit langem lein deutsches Koloniallanb mehr ist, so hat sich doch deutsches Wesen unb deutsche Sprache dort zäh erhalten, ein Beweis dafür, wie stark das deutsche Regiment in diesem Lande verwurzelt ist. Rührende und erhebende Bilder von diesem Deutsch­tum im schwarzen Erdteil entwirft D. I. v. H e i m- bürg, der kürzlich die einstige deutsche Kolonie besuchte, in berLesestunde". Schon sein Eintreffen in ber Hauptstabt Windhuk gab ihm davon voll­gültige Beweise. Nur zweimal in ber Woche läuft ein Zug ein, der bie Stadt mit einer 72 Bahnstun­den entfernten Außenwelt verbindet. Eine große Menschenmenge ist stets bei diesem großen Ereig­nis versammelt.Durch diese Menge", schreibt der Verfasser, zwängen sich schwarze Gestalten.Groß­herzog",Kaiserkrone",Thüringer Hof" gurgelt es über ben Bahnsteig. Gleich ein Dutzend anhei­melnder deutscher Hotelnamen. Ringsum das Ge­wirr deutscher Laute, deutscher Gesichter ... Vom Bahnhof geht es durch die stillen Straßen. Da gibt es nur deutsche Aufschriften an den Geschäften, ben Banken, ben Privathäusern. Alles scheint unberührt vom Wanbel ber Geschichte bes Lanbes. Wir biegen in bie Kaiserstraße ein; bie Straßenschilber sinb noch bie alten. Als ich abenbs noch burch bie Straßen bummle, ist kein fremblänbischer Laut zu erhaschen; selbst die Eingeborenen sprechen deutsch, obwohl schon längst jeder deutsche Unterricht, selbst an den deutschen Missinosanstalten verboten ist. An der nächsten Straßenecke steht ein Fahnenmast. Wallend weht eine schwere schwarzweißrote Fahne in der Abendbrise. Am nächsten Morgen ist Sonntag. Mit strammem Schritt marschieren wohl an die hundert Pfadfinder unter meinem Fenster vorbei. Vor ihnen

Mittwoch, 27. Dezember 1955

Ziele des Nationalsozialismus erreicht werden können.

Jeder Parteigenosse muß sich darüber klar sein, welche Aufgaben uns noch bevorstehen. Ein Blick ins Ausland und eine Umschau in unserem Lande selbst zeigen uns, daß wir alle auf bem Poften fein unb eifrig mitarbeiten müssen. An bie Parteige­nossen möchte ich bie Mahnung richten, jeber möge an sich selbst bie Slnforberung stellen, immer bas zu tun, toa? Abolf Hitler von ihm verlangt. D t a Beitragszahlung allein tut s nicht. Di- Bewegung muß alle im Innersten erfassen. Jeber muß ganz selbstverständlich unb ohne Vorbehalt ba sein, wie auch ber Führer es immer war.

Wenn wir heute am Abschluß eines Jahres stehen, dann können wir seststellen,. daß dieses Jahr uns zunächst unsere dringlichsten und sehn­lichsten wünsche erfüllt hat. wenn wir jetzt das Jahr 1933 beschließen, dann tun wir es nicht ohne das Gelöbnis, den Beginn des nächsten Jahres nur als Zeichen zu erneuter Arbeit aufzufassen.

Mit aller Kraft müssen wir nun darangehen, dia Ziele unserer Bewegung jedem einzelnen aufzu- zwingen, wenn er sie nicht freiwillig anzunehmen bereit ist.

Im Namen ber Parteigenossenschaft gelobe ich bem Kreisleiter bes Kreises Gießen unb bamit bem Führer, baß wir in Treue zu ihm stehen unb mit bafür kämpfen wollen, baß die Ziele des Nationalsozialismus, unseres Führers Abolf H i t - l e r unb unserer herrlichen Bewegung erreicht werben!

Das Treugelöbnis ber Versammlung würbe mit bem gemeinsam gesungenen ersten Vers bes Deutsch- lanb- unb bes Horst-Wessel-Liebes bekräftigt. Damit fanb bie bebeutfame unb bentroürbige Kunbgebung nach bem Abmarsch ber Fahnen ihren Abschluß.

Die Stanbartenkapelle bereicherte ben Abenb burch flotte Märsche unb gute Unterhaltungsmusik.

Nationalsozialistischer Llniernehmer.

Vorbildliche Verwendung des Jahresgewinnes.

Das Gaupresseamt berichtet: Die Kreis-Pressestelle Bensheim der NSDAP, teilt mit: Die Firma Deut­sche Milchwerke AG. (Fissan-Werke), bie sich im Besitz ber Firma Dr. A. Sauer befindet, hat sich mit Genehmigung ber Generalversammlung ent­schlossen, im Hinblick auf bie im Jahre 1933 er­folgte langersehnte Einigung bes beutschen Volkes unter Abolf Hitler den gesamten Jahresreingewinn bis auf einen kleinen Rest, der als Reserve vorge­tragen wird, ber Arbeiter- unb Angestellten-Pen- sionskasse ihres Betriebes in Hohe von 50 000 Mark zuzuweisen. Zur Unterstützung bes Arbeitsbeschaf- sungsprogramms ber Reichsregierung hat sich die Firma verpflichtet, diesen Betrag in Arbeiter- unb An- gestellten-Wohnungsneubauten (Einfamilienhäuser) anzulegen. Das erste Haus ist bereits im Rohbau erstellt. Das zugewanbte Kapital von 50 000 Mark wirb von ber Firma, soweit, es nicht verbaut ist, außerdem noch verzinst. Die Gesinnung des Unter­nehmers und bas gute Einvernehmen zwischen Be­triebsleitung unb Belegschaft kommt weiterhin ba- burch zum Ausbruck, daß in Unterstützung der Reichsregierung, bie Arbeitslosigkeit in den Winter­monaten abzuschwächen, die Firma neben ber Zu­weisung an ben Pensionsfonbs noch Weihnachts- fonbergaben in Form von Bebarfsbeckungsscheinen in Hohe von 3000 Mark an ihre Arbeiter unb An­gestellten verteilt hat. Diese großherzige unb soziale Tat verbient im Interesse bes deutschen Volkes all­gemein Nachahmung.

Daten für Mittwoch, 27.Dezember.

1571: ber Astronom Johannes Kepler in Weil ber Stabt, Württemberg, geboren (gestorben 1630); 1822: der französische 'Chemiker Louis Pasteur in Dole geboren (gestorben 1895); 1890: ber Alter­tumsforscher Heinrich Schliemann in Neapel ge­storben (geboren 1822).

weht bie deutsche Reichskriegsflagge. Am Zeirungs- ftanbe kaufe ich mir Südwester Zeitungen. Drei deutsche gibt es im Lande, van ben andern Landes­sprachen nur je eine. Allen politischen Experimenten zum Trotz ist der deutsche Einfluß auf allen Ge­bieten führend geblieben. Der Bürgermeister von Windhuk, ber heute noch eine deutsche Mehrheit hinter sich hat, holt mich im Auto ab. Wir sind in derWerft" angemeldet; so nennt man in den deut­schen Kolonien die Eingeborenen-Stäbte. Besuch aus Deutschland! Wie ein Lauffeuer hat es sich unter den Schwarzen verbreitet. Als wir auf bem Haupt­platz anfahren, läßt eine Negerkapelle in Räuber­zivilDeutschlanb, Deutschlanb über alles" erschal­len. Als wir bann burch das Lager roanbern, quillt uns eine Menschenmenge entgegen. Aus ihrer Mitte entwickelt sich eine Militärkapelle von Schwarzen in tabellofer, deutscher Schutztruppen-Uniform. Der Hohenfriebberger-Marsch klingt über bas Lager. Mit Stolz zeigt ber Kapellmeister auf seine deutsche Kokarde am Hut. Im strammen Schritt ziehen sie weiter zu bem Mittelpunkt des Lagers, wo sie jeden Sonntag Militärmusik machen. Ärmeemärsche unb beutsche Volkslieder sind bas Repertoire. Unb jeben Sonntag spielen biese großen Kinber hier in beut­schen Uniformen Soldaten. Deutsch sind die Kom­mandos, deutsch auch die Rangbezeichnungen, die sie ihren Führern noch auf ihre Grabsteine setzen. Kaum ist es möglich, die Menge wieder los zu werden, jeder will seine deutschen Sprachkenntnisse zum besten geben und seine frühere deutsche Paß­karte zeigen mit ber alten Kaiserkrone darauf. Selbst die Verkehrssprache zwischen den fremden Stämmen im Lager ist Deutsch geblieben." Ebenso deutsch wie die Städte ist auch bas Lanb. Obwohl bie Einwanderungspolitik zugunsten ber Buren dem Deutschtum starken Abbruch getan hat, sind noch heute mehr als 50 v. H. der Farmen in deutscher Hand. ImTintenpalast" zu Windhuk, wie der Volksmund das Regierungsgebäude wegen der allzu reichlichen Gesetzesarbeit nennt, tagt heute das kleinste Parlament der Welt. Unter ben 18 Abge- orbneten bilbeten die Deutschen bis vor wenigen Jahren bie Mehrheit, bie bann burch politische Maßnahmen zerstört würbe, aber immerhin hat biese Versammlung burchgesetzt, baß Deutsch, bie Sprache bes im Kriege unterlegenen Lanbes, neben Englisch undAfrikaans" zur Amtssprache erwor­ben wurde.