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27.5.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 122 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberhesfen)

Samstag, 27. Mai 1955

Hans Steinacher.

Oer neue Führer und die neue Führung ittf Verein für das Deutschtum im Ausland

Don Or. Karl Megerle.

Die Deutschtumspolitik des neuen Reiches wird einen neuen Charakter haben. Daher bedarf sie auch neuer Führer. Aus dieser Einsicht heraus Hal der DDA. die Leitung seiner Arbeit von sich aus einem neuen Mann übertragen. Wer ihn und feine Arbeit kennt, darf zuversichtlich feststellen mit Hans Steinacher ist der rechte Mann an den rechten Platz gekommen. Denn er ist von Kindesbeinen an im Deutschtumskamps ausge­wachsen.

Unten an den Hängen des berühmten Bleierz- bergeS bei Dillach in Kärnten gebo­ren, in dessen Stollen feine Däter und feine Sippe von je her in harter, karger Lebensfüh­rung ihr tägliches Brot sanden, wuchs er von selbst in die Staats-, Volks- und Grenzproble­matik hinein, in der er jetzt an führender Stelle Dem neuen Deutschland dienen soll. Stieg er von seinen Bergen ins Tal hinunter, so traf er bald auf fremdes Volkstum, die Windischen, Kärntner Slowenen im Gail- und Drautal. Wan­derte er durchs Kanaltal nach Süden, dann be­gegnete er bald den Welschen, den Italienern. Suchte er den Staat, dann trat ihm eine Re­gierung entgegen, die bereits die Erstgeburt der Deutschen an die Slawen und Ungarn preisgege­ben hatte und ihrer deutschen Jugend verbot, ihre Sehnsucht im Reich zu befriedigen.

Die Spannung zwischen Volkstum und Staat, der tägliche Kampf an der Grenze des Deutsch­tums, der wachsende Groll gegen die Preisgabe der deutschen Sendung im Interesse der verwelsch- ten Habsburger Dynastie, das war sein ununter­brochenes Erlebnis von Iugend an. Im Welt­krieg, der ihn sofort als Freiwilligen bei den Fahnen sah, setzte sich diese Schule der Deutsch- heit fort. Am eigenen Leibe, in der eigenen For­mation erlebte er die schwersten Dlutopfer, die das Deutschtum Oesterreichs, mit doppelt so viel und mehr Toten und Verwundeten als die slawischen und anderen Truppen der Doppelmonarchie, für einen Staat und eine Monarchie brachten, die ihm längst die Treue gebrochen hatte.

Der Zusammenbruch brachte die schärfste Probe und die glänzende Bewährung. InKärn - len, dem strategisch und politisch interessantesten Teile Deutschösterreichs, denn hier stoben Ger­manen, Slawen und Roickknen aneinander, und hier liegen die alten, weltgeschichtlichen Pässe und Strahen, durch die Rapoleon 1. seine Märsche auf Wien vollzog waren die Südslawen ein- gebrochen, um das schone köstliche Land dem SHS.-Staat einzuverleiben. Die Regierung in Wien, die Landesregierung in Klagenfurt ver­loren Mut und Kopf. Hilfe war von ihnen nicht zu erwarten. Die Niedergeschlagenheit hätte sich mit allem abgefunden. Die Slawen hätten ihre Fahne auf den Hohen Tauern auf pflanzen können. Da war es der junge Oberleutnant Hans Stein­acher von den Kärntner Siebenern, der die Ini­tiative an sich rih und mit jenem berühmten ersten Kanonenschuß an der Gurk- b r ü d e, zwischen Klagenfurt und Völker­markt Land, Leute unb Regierung von Kärnten in einen Befreiungskampf hineinriß, der nach manchem Umweg und Rückschlag mit jenem herr­lichen Abstimmungssieg vom 10. Ok­to b e r 1 9 2 0 endete, bei dem sich auch die Kärnt­ner Windischen treu zu ihrer Heimat fanden und durch den die Eüdslawen auf den Karawanken­kamm zurückgeworfen wurden. Es haben sich spä­ter viele gesunden, die sich Kärntner Heimatkämp­fer nannten. Der Kern der Tapfersten, Zähesten und Treuesten hatte sich immer um Hans Stein­ocher gesammelt, denn ihnen ging es nicht nur um die eigene Heimat, sondern sie führten die­sen Kamps schon vor 14 Iahren im Auftrag des erwarteten neuen Reichs der Deutschen. Sie woll­ten ihm seine südlichste Grenzmark erhalten.

Don Kärnten aus führte der Leidensweg des Deutschtums Hans Steinacher ins Burgenland, in die Pfalz, ins Rheinland, ins Ruhrgebiet, nach Oberschlesien und Memel. Wo immer deutscher Dolksboden in Gefahr war, verlorenzugehen, ver- fewaltigt zu werden, dem Separatismus zu Der- allen, da tauchte er auf und setzte den Gegen- ongriss an, leitete die Abwehr ein, drang ins Herz der feindlichen Stellung vor, unermüdlich, mit kühlem Kamps und brennender Leidenschast. Lahr für Iahr. Bis heute hat seine Lebensarbeit dem Deutschtum gegolten.

Diese reichen Erfahrungen aus allen Gebieten des Kampfes an geographischen, ethnographischen, kulturellen Grenzen bringt er in sein Führeramt mit Darüber hinaus aber, und das tat seit Iah­ren not eine neue Kampfauffassung. Die Rachkriegsregierungen waren nicht von der Art, diesen Kampf ums Deutschtum als eine Ein­heit und offensiv geführt wissen zu wollen. Da­zu fehlte ihnen der Mut, die Einsicht, der gesamt­deutsche Wille. So wurde diese gewaltige Auf­gabe des deutschen Volkes nach und nach auf­gesplittert in Teilfronten. Immer mehr drang das Spezialistentum vor. Die lebendige Verbindung mit den breiten Massen fehlte. Konjunkturkun­dige erspähten in den zahlreichen Deutschtumsver­bänden Möglichkeiten oder Sprungbretter für an­dere Positionen. Die Erkenntnisse schlummerten friedlich in den Archiven ober verstaubten in wissenschaftlichen Zeitschriften. Häufig wußte einer nichts vom andern. Die echten Kämpfer aber sahen mit Grimm unb Groll eine Ausgabe versacken, Fonds ohne Wirkung zerrinnen.

Run gilt es, die Deutschtumsarbeit in gro­ßem Stil neu aufzubauen. Der Konzep­tion des Deutschtums diesseits unb jenseits bet heutigen Reichsgrenze als eines (Samen entspricht die Auffassung, bah auch bie vorhandenen Mittel unb Kräfte a l s Ganzes eingesetzt werden müssen. Wir fordern den Generalstad des Deutfch- tumskampses, der nach einheitlichem Plan arbei­tet, der sich einen kampsaewohnten Rachwuchs heranzieht, der die Ausgaben der Deutschtums- Politik mit denen der allgemeinen Außenpolitik abstimmt und in deren Rahmen zur Geltung bringt. Wir fordern Ausnützung der Mittel bis zur höchsten Wirkung, Vermeidung des Leer­laufs Uebergang zur Volksdeutschen Offensive unb Beseitigung der bureaukratischen Hemmun­gen in den Behörden. Aus der2aft des Aus- londbeutschtums muh ein Aktivposten gemacht werben, ein millionenfältiger Träger des Reichs- unb Volkswillens, eine hunberttausenbfache Dor- Postenkette unserer Zukunft. Wir wissen, baß Hans

Steinacher seine Ausgabe in biesem Licht sieht unb auch die feste und harte Hand hat. Wider­stände zu brechen.

Oer Gereke-Prozeß.

Im Gereke-Prozeß erklärt Frau H e r m i n g - haus als Sekretärin im Landbund- b ü r o, sei jedermann im Büro davon überzeugt gewesen, daß die Zeitschrift Dr. Gereke persönlich gehörte. Freigang habe ihr auch ausdrücklich ver­boten. von den Ueberschüssen au sprechen, bie bie Zeitschrift ergab. Die nächste Zeugin Frau Geb- Darbt erklärt, sie habe angenommen, bah bie Zeitschrist Verbanbseigenturn sei. Eie habe sich beshalb immer barüber getounbert, baß Dr. Gereke so hohe Summen aus bem Ueberschuh ber Zeitschrist für seine Drivatzwecke entnahm Redakteur Dr. Gotlholb M ü h l n e r, Schrift­leiter am Derbanbsorgan unb Pressechef bes Lanbgemeinbeverbanbes. erklärte, er habe bie Derbanbszeilschrift als Eigentum von Dr. Gereke betrachten müssen, benn Dr Gereke habe allein über alle Dinge ber Zeitung bestimmt, unb es sei auch von Dorstandsmitgliedern niemals ein Zweifel baran geäußert worben, baß sie baS Eigentum von Dr. Gereke war. Die Zeit­schrift-Debatte in ben Gesamt-Vorstanbssihungen habe nie ben Charakter gehabt, bah man bas Eigentum Dr. Gereles an ber Zeitschrift anzwei­felte. Dr. G. habe von Anfang an mit ihm be­sprochen, bah bie für bie Hinbenburg- wahl gesammelten Gelber auch zur Fi­nanzierung einer Hinbenburgpolitik nach dem Ab- schluh der Wahl verwendet werden sollten. Die ganze Arbeit der Hindenburg-Propaganda habe

deswegen ihre peinliche Seite gehabt, weil der überparteiliche Hindenburg-Ausschuß sich aus politisch heterogenen Elementen zu- sammensetzte und auch linksstehende Streife um- schloh. Dr G. und ihm nahestehende politische Kreise wollten nach dem Wahlabschluß verhindern, daß etwa der hier aufgezogene große Apparat bei den Preuhenwahlen von jenen Links- kreisen mit in Anspruch genommen wurde, die die Hindenburgwahl unterstützt haben. Für die Abrechnung mit dem Hinbenburg-Aus» schuh sollten eben bie Ausgaben falsch be­legt werben. Er selbst sei zu oem Buchdrucker Schütz gefahren, unb habe im Auftrage von Dr. Gereke veranlaht, fingierte Rechnungen auszustellen. Er habe bieses Vorgehen aus po­litischen (Srünben für zulässig gehalten. Die fin­gierten Rechnungen waren auch so ausgestellt, bah eine flüchtige substantielle Rachprüfung sofort er­geben mühte, dah es sich um fingierte Beträge handelte

Angeklagter Dr. Gereke: Habe ich Sie (zum Zeugens nicht beauftragt, gewisse ganz diskrete Summen an bestimmte Stellen im Interesse der Hindenburg-Wahl auszugeben, unb habe ich Ihnen nicht gesagt, bah biefe Summen wahr­scheinlich nachher als an Sie gezahlt, erscheinen würben? Der Zeuge bejaht diese Frage. Dr. Ge­reke. Habe ich Ihnen nicht die Ramen der Pro­minenten, eng um den Reichspräsidenten herum- stehenden Menschen genannt, mit denen ber Vertragsentwurf zur (Srünbung einer Hindenburg - Zeitung besprochen worben ist, unter ber Auflage, biefe Sache ganz biskret zu behanbeln? Auch diese Frage bejaht ber Zeuge.

3nlerefWe Neuerwerbungen im berliner Zeughaus.

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Links: deutscher Sturmmann in ber vollen Aufrüstung, roie sie die deutsche Infanterie in ben letzten Weltkriegsjahren aufwies. Rechts: Die schlichte Uniform bes BataillonsGarbe", die Friedrich der Große in seinen letzten Lebensjahren trug.

Lappo marschiert wieder.

Von unserem st.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, oerbotenl jjelfingfors, Mitte Mai 1933.

Es naht bie Zeit der weißen Nächte. In ben Ländern des Nordens haben sie einen nerven- aufpeitschenden Zauder an sich Noch um 10 Uhr abends wandert man durch die von der Sonne ver­goldeten Straßen Die Beleuchtung hat nicht das Müde des Unterganges, die Schatten legen sich nicht als dunkler Fleck auf die Erde, sondern zittern als durchsichtiger Schleier über dem Boden. Zwar sinkt die Sonne nur im äußersten Norden Finnlands hinter den Horizont, aber schon in Helsingfors läßt sie die Dunkelheit nicht aufkommen. Ueber dem west­lichen Himmel bleibt eine rosa-graue Dämmerung unb auf der Erde ist es geheimnisvoll hell, wie bei einer Sonnenfinsternis. H e l i s i n g f o r s ist immer line schöne Stabt, am schönsten ist sie zur Zeit der weißen Nächte. Im Mai glitzert das frische Grün der Bäume, als ob es mit Tautropfen aus Silber besprengt wäre, Studentinnen in ihren weißen Mützchen tragen Kränze aus Feldblumen im Arm, vor Alphüddan sitzen die Menschen in warme Plaids gewickelt unb lauschen der Musik von Sibelius und Grieg. Rings um die Hauptstadt aber lagern d i e Kreuzfahrer aus Lappo, Romantiker der Politik und Fanatiker des Glaubens, und wie einst zu Luthers Zeiten klingt aus ihren Zelten beim Abendgebet das trotzige LiedEin' feste Burg ist unter Gott".

Lappo oder Lappus ist ein kleines Städtchen in der Provinz Dfterbotten, weltabgewandt und wenig beachtet. Dort lebt ein schwerblütiger Menschen­schlag, ber nicht leicht aus feiner Ruhe zu bringen ist, der aber einmal aufgerüttelt, bereit i ft, alles einer Idee z u opfern. Die meisten Bewohner der Provinz Dfterbotten gehören pieti- ftifdjen Bereinigungen an. Sie erblicken im russischen Bolschewismus eine Schöpfung Sa­tans, unb haben geschworen, die Scharen des Anti­christ, wie sie die Kommunisten nennen, in ihrem Lande zu vernichten. 1930 zogen sie.etwa 20 000 Mann stark, schweigend, in geschlossenen Reihen, ben Pukko im Gürtel, voran Dihtori K o f o (a und Probst Kares, vor das Riksdagsgebäude, verlang­ten den Rücktritt der Regierung und den Erlaß eines Antikommuniftengefetzes. Das Volk jubelte ihnen zu, überall fanden patrotifche Demonftrationen statt und die Lappoleute erreichten ihren Willen. Die Regierung trat zurück, das Parlament wurde aufgelöst unb der neue Reichstag erließ die Anti­kommunistenakte.

In ihrem Eifer nahmen es die Lappoleute mit den bestehenden Gesetzen nicht genau, es kam roie- dcrholt zu Ausschreitungen und Gewalt­

a k t e n. Zahlreich waren die Kommunisten, die von den Anhängern der Bewegung aufgegriffen und nach einer Tracht Prügel über die sowjetrussische Grenze abgeschoben wurden, auch einige bekannte Sozialdemokraten wurden mißhandelt, denn die Lappobauern wollten nur ungern zwischen den bei- den marxistischen Parteien unterscheiden. Sogar der frühere finnländische Staatspräsident S ta h I b e r g, dem man Sympathien mit der Linken vorwarf, wurde in einem Auto an den Ladogasee entführt, später aber wieder freigegeben.

Ursprünglich eine religiöse Bewegung, schwenkt die Lappopartei bald mehr in das politische Fahr­wasser herüber und ist heute dem deutschen Natio­nalsozialismus vergleichbar. Sie nennt sich heute auf "finnjfd) I k o e l" und ihr Anhang ist über alle Volksschichten verbreitet. Ein großer Teil der Ar­mee, das Schutzcorps, die studentische Jugend sym­pathisiert mit ihr und auf dem Lande trifft man überall Leute, Männer und Frauen, die das Lappo- abzeichen tragen. Der unbestrittene Führer ist Vih- tori K o s o l a, ein lanbeingefeffener Bauernwirt aus Dfterbotten. Schon 1917/18 hat er in eingeweihten Kreisen viel von sich reden gemacht, indem er wäh­rend des Krieges den heimlichen Transport der finn- ländischen Jäger nach Schweden in die Wege leitete. Er war immer e in Führer unter feinen Leu­ten Breitschultrig, mit gelichtetem Haar, in den Ge­sichtszügen eine auffallende Ähnlichkeit mit Musso­lini, die aber schwindet, wenn er lächelt. Und dieser stille Mann und Kämpfer lächelt oft, denn neben dem eisernen Willen strömt von ihm Güte aus; der politische Kopf innerhalb der Lappobeweguna war ursprünglich Dr. Donner, der bekannte Dozent an der Helsinforfer Universität und der Forscher der ugro-finnischen Sprachen. Dr. Donner ist schwedisch, blutig, wohlhabend, Diplomat in seinem Wesen und in feiner Sprache, er assistiert dem Führer geschickt, wo die Geradheit und Unkompliziertheit des Bauern- führers eventuell Konflikte schaffen könnte. Probst Kares, Landgeistlicher, fromm und Glaubensstrei- ter. vertritt die religiöse Seite der Ikvelpartei. Lei­der haben sich Schatten über das Verhältnis Kvfolas zu Dr. Donner gebreitet, die an die Beziehungen Zwischen Gregor «straffer und Hitler erinnern.

21m 16. Mai nun wiederholten die Anhänger der Lappobewegung ihren Marsch auf Heising- f o r s. Es galt diesmal nicht eine Regierung zu stür­zen, sondern es sollte eine große vaterlän­dische Demonstration sein, Finnland sollte aufgerüttelt werden und sich auf sich selbst be» sinnen.Gleichzeitig stellte der Marsch eine Macht­probe vor den Wahlen zum Riksdag bar, die am 1. Juli stattfinden und bei denen die

Ikoel-(Lappo)Partei die absolute Mehrheit zu er­langen hofft. Mit der Nationalpartei wurde ein Wahlbündnis abgeschlossen, ähnlich roie es zwischen den Nationalsozialisten und den Deutschnatianalen besteht. In Helsingfors herrschte beim Aufmarsch der Ikoet eine nervöse Spannung, man befürchtete Stö­rungen durch die Linkparteien aber die Finnländer sind ein diszipliniertes Volk, und so verlies denn der Marsch in bester Drönung unter der jubelnden Be­geisterung der Bevölkerung.

Es war ein großer Tag, den niemand so bald vergessen wird. Es wurde am Abend bei Schwedenpunsch in Feststimmung gefeiert. Bei Kemp, in Societäthuset, überall sah man fröhliche Gruppen, vaterländische Lieder wurden gelungen, und da die lästigen Antialkohol Gesetze gefallen sind, fo hatte wohl auch mancher über den Dürft getrun­ken, aber die sonst fo strenge Polizei nahm es dies- mal nicht allzu genau. Der Marsch am 16 Mui war eine neue Etappe auf dem Siegeszug der finn- ländischen nationalsozialistischen Lappobewegung.

Das Duell für Deutschland.

Der sechzigjährige alte Universitätsprofessor Dr. DI e y e r , der Führer der deutschen Minderheit in Ungarn, hat den deutsch­feindlichen Abgeordneten im ungarischen Par'a- ment 3 f i l i n a a 11) zum Säbelduell mit schwe­ren Kavalleriesäbeln unter härtesten Bedingungen gefordert. Das Duell mit idem sechzigjährigen deutschen Führer ist tatsächlich ausgetragen wor­den. Professor Dleyer erhielt Verletzungen am linken und rechten Arm und einen Säbelhieb über die Stirn. Kaum war die Wunde vernäht und die Blutkruste von den mangelhaften Bandagen entfernt, so übergab Universitätsprosessor Bleyer der ungarischen Regierung ein ausführliches Me­morandum über die Wünsche und Beschwerden der deutschen Minderheit in Ungarn. Das hero­ische Beispiel dieses deutschen Führers, der an der Schwelle des Greisenalters steht, aber lenkt alle deutschen Blicke aus der Innenpolitik hin­weg auf die Dorpostenkämpfe des Deutschtums im Auslande.

Es mußte schon Blut fließen, um die Aufmerk­samkeit der deutschen Deffentlichkeit einmal auf jene beiden Brennpunkte des Volkstumskampses zu rich­ten, die heute, aller politischen Einsicht zum Trotz immer noch die Beziehungen gerade der Völker ver­giften, die schicksalsnotwendig zusainmengehörten. In Südtirol wird, allen italienischen Freund- schaftsbeteuerungen zuwider, das uralte deutsche Volkstum Walters von der Vogelroeide ausgerottet. Die italienischen Schulbücher in Südtirol enthalten, roie nationalsozialistische Zeitungen vor kurzem fest- stellten, immer noch die ungeheuerlichsten Beschimp­fungen gegen Deutschland. Reichskanzler Adolf Hit­ler hat in feiner großen Rede zur Außenpolitik bc- i tont, daß Deutschland gerade jetzt Verständnis für die völkischen Interessen anderer Vvlkstümer habe, llmfo mehr muh Deutschland aber nun auch ver­langen, daß die Staaten, die sich um die deutsche Freundschaft bemühen, weil sie diese deutsche Freundschaft brauchen, jegliche Unterdrük- kung desdeutschen Volkstums aufgeben. Das gilt für Südtirol, das gilt in noch größerem Maße für die deutsche Minderheit in Ungarn.

3n Deutschland wußte man seither von dieser Unterdrückung wenig. Erst als vor wenigen Wochen Professor Bleyer im ungarischen Ab­geordnetenhaus die Methoden aufdeckte, nach denen das Deutschtum vernichtet werden soll, begann man, auch in Deutschland, aufzuhorchen. Das jetzt von Professor Bleyer gebrachte Dlut­opfer verpflichtet jeden Deutschen, rücksichtslos und unerschütterlich sich für seine Dolksgcnossen im Ausland einzuschen. Tschechische, belgische und polnische Unterdrückungen sind wir gewohnt. Unterdrückungen einer deutschen Minderheit durch das mit uns im Kriege verbunden gewesene Ungarn aber werfen einen dunklen Schatten auf die Ehre des ungarischen Ramens, und die ungarische Regierung sollte in Anerkennung der gemeinsamen Dergangenheit und der gemein­samen Zukunft endlich einmal Schluh machen mit allen Entdeutschungsmahnahmen, die ein Restbestand aus der liberalistischen Zeit des 19. Jahrhunderts sind. Rur das Beispiel der autoritativ regierten Staaten kann den Gedanken der völkischen Revolution über die zu eng ge­wordenen Landesgrenzen hinaustragen und zu einer Waffe gegen das Dersailler System machen.

In Ungarn wird in ungeheuerlichster Weise die Iugend der deutschen Minderheit bereits in den Kindergärten, besonders aber in den Dolks- und Mittelschulen, aber auch im Heer dem deutschen Dolkstum entfremdet. Dis auf die österreichische Grenze in Westungarn gibt es keinerlei Schulen, die als deutsche Schulen angesprochen werden wer­den können. Dabei lebten vor einigen Iahren in Ungarn mehr als 500 000 Deutsche, d. h. rund tausend Dörfer zu je 500 Einwohnern sind von Deutschen bewohnt. 70 v. H. der deutschen Kinder mit Dolksschulbildung können auch nicht Halbwegs deutsch oder ungarisch lesen und schreiben. Man hat diese heranAachsende deutsche Iugend bewußt zu verdummen versucht, um sie ihrem Dolkstum zu entfremden. 90 v. H. der deutschen Jugend mit Mittelschulbildung kann nicht einmal einen deutschen Brief schreiben. Das Ergebnis dieser raffinierten Entdeutschungsmethode 4ft denn auch ein theoretisches Zurückgehen der deutschen Min­derheit von rund 100 000 in zehn Iahren. In Wahrheit hat sich das Deutschtum durchaus ge­halten, und lediglich die ungarischen Stati­stiken haben auf Grund der kümmerlichen Schul­bildung die Kinder deutscher Abstammung der un­garischen Stammbevölkerung zugeschlagen.

Als Professor Bleyer diese beweisbaren Dor- würse vorbrachte, war er von nun an kaum noch seines Lebens sicher. Die greise Frau des Pro­fessors Bleyer wurde im Theater körperlich m i ß- bandelt und mit Unrat beworfen. Die Dor- lesungen an der Fakultät Professor Bleyers muh­ten für eine Woche aussallen. Der ungarische Staat hat bisher nicht die notwendigen Schritte ergriffen, um einmal Professor Bleyer zu schützen und zum andern die deutschen Schulverhältnisfe au verbessern. Wenn zu Pfingsten der Verband für das Deutschtum im Ausland in Kärnten aufammentritt, wird er sich auch mit der be­drohten Lage des ungarländischen Deutschtums zu befassen haben. Deutschland erwartet von Ungarn die Ritterlichkeit, die es ihm von jeher zugebilligt hat. Das neue Europa beruht auf der Freiheit und nicht auf der Unterdrückung der Dölker.