Ausgabe 
27.2.1933 Erstes Blatt
 
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Wie sie ihn bezwang

Originalroman von 3 Schneider-Ioerstl.

Urheberrechtsschutz: Verlag D. Meister, Werdau t. L.

Ö. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er legte die Serviette zur Seite und strich langsam über den Rücken ihrer Hand.Das war ein schlimmer Tag, nicht? Der Pfarrer hot überlange gesprochen und dann all die Toaste. Nun sind wir beide müde. Oder hall du noch Wunsche, Kind?"

Sie nickte:Ich dürste noch so sehr!"

Nach was?"

Die Frage tauchte ihr Gesicht in Flammen. Wollen wir gehen, Jörg?"

Er erhob sich sofort. Bon den Nachbartischen wandten sich ihnen die Blicke zu. Merlins hoch- gewachsene Gestalt erregte überall, wo er sich auch Ä, Aufsehen. Stephanies silberdurchwebtes dklcid flatterte wie ein Mondstrahl vor ihm durch die vom Boy zurückgehaltene Tür.

Im ersten Stock hielt Hans Jörg den Etagen­kellner fest:

Bringen Sie noch etwas Selters und Fruchlsaft aus das Zimmer--und etwas Backwerk", setzte

er hinzu.

In dem luxuriös möblierten Raum, der an das Schlafzimmer stieß, flammte der Lüster auf. Als es klopfte, ging Merlin selbst zur Tür, nahm dem Ober das Tablett ab und trug es an den Tisch. Er ent­korkte die Flasche und goß den geschlissenen Becher voll.Trink, mein Liebes!"

Als er sah, wie ihre 5)anb zitterte, rückten seine Brauen schmerzhaft zusammen.Ich kann auch hier draußen auf dem Diwan schlafen, wenn ich dir solche Furcht einflöße."

Ich bin nur müde!" sagte sie kaum vernehmlich. Ihr blondes Haar flimmerte im Schein des Lüsters auf und sprühte rötliche fünfen. Er fuhr mit sachten Fingern darüber und meinte nachdenklich:Daß dos nun olles mir gehören soll ? Deine Mutter hot es mir zwar nur auf Ruf und Widerruf gegeben"

Wie?--" Ihre Augen suchten verständnislos

in den seinen und irrten dann von diesen ab:Ich habe nicht ganz begriffen, Hans Jörg."

Er schwieg und ging nach dem Balkon, besten beide Flügeltüren offen standen. Die Lichter der Hotels funkelten durch die Nacht. Bon der Terrasse herauf wimmerte die Jazzband einen modernen Schlager: Du liebst mich, du liebst mich! Du weißt eg nur noch nicht." Mit nervösen Fingern nahm er sich eine Zigarette und steckte sie in Brand. Ihr Duft zog in diskreter Welle in die Sommerluft und mengte sich mit dem, der von den Wäldern ausstieg. Als er sie zu Ende geraucht hatte, warf er den Stummel über die Brüstung und ging nach dem Salon zurück.

Er war leer.

Stephanie!* Die Portieren zum Schlafraum flogen zurück. Die junge Frau sah in dem großen Spiegel, vor dem sie stand, wie seine Brust sich dehpte.Ich dachte, du seiest fortgegangen." Seine Stimme war kaum erkenntlich.

In langsamer Bewegung wandte sie ihm das Ge­sicht zu:Wohin sollte Ich gegangen sein, Hans Jöra?"

Zurück! Nach Haus, zu deiner Mutter! Um Gottes willen, was habe ich denn gesagt, Stephanie?" Er setzte sich auf den Rand des Messingbettes und zog sie auf die Knie.Man hat dich geängstigt. Was haben sie dir denn alles über Mich berichtet? Du wirst sehen, es ist nicht halb so schlimm mit mir zu leben. Und zudem die paar Wochen, die du mich haben mußt, werde ich wohl zu ertragen sein."

Vater freut sich wie ein Kind auf mein Kommen", sagte sie, um nur überhaupt etwas zu erwidern.

Ja! Ich bin überzeugt, daß ihr vorzüglich mit­einander harmoniert. Er will Gesellschaft, und ich brauche keine. Da kann es eines Tages Möglichkeit werden, daß du gar nicht mehr weißt, ob du über­haupt verheiratet bist!"

Sie sah ihn forschend an:Und du?"

Er hörte den Unterton in ihrer Stimme und lachte: O, mir kann es höchstens passieren, daß ich, wenn ich nach einer anderen ausluge, daran erinnert werde, daß ich ja schon eine Frau zu Hause habe!"

So schlecht könntest du fein?"

Er stutzte:Nennst du das schlecht? Das Er­innern allein genügt dir wohl nicht!"

Nein!--Ich möchte es dir nie raten, daß du

vergißt, daß du mir gehörst!"

Donnerwetter!" Die Verblüffung, mit der er das sagte, löste bei Stephanie ein herzhaftes Lachen aus, das die Gefahr der Stunde üoerbrückte. Er hob ihr Gesicht, das jetzt in bräutlich blühendem Schmelz stand, zu sich auf und küßte cs. In dieser einen Minute versank all die Angst, die sie vor ihm emp­funden hatte.

Als Merlin gegen vier Uhr morgens die Augen auftat, verhielt er den Atem. An feine Schulter ge­lehnt, schlief ein blondes Haupt. Stephanies linker Arm war über [eine Brust gelegt. Er wagte nicht, sich zu rühren und horchte, den Atem verhaltend, was ihr Mund im Traume sprach:Willst du Damit sagen, Mutter, daß er mich nicht liebt?"

Fröstelnd drückte er den Kopf in das Kisten zurück.

*

In der zweiten Hälfte des Oktober kündete das junge Paar fein Eintreffen auf Ichenhausen an. Lisaweth konnte sich nicht genug tun, das Haus vom Keller bis zum Giebel schön zu machen. Der Baron lief Tag für Tag nach Der etabt und trommelte Schlosser, Schreiner und Tapezierer herbei. Ste­phanie sollte alles aufs beste instand gesetzt finden.

Frau Maria hatte Stephanies Vermögen auf der Bank Merlins deponiert, und der alte Baron ton- stotterte befriedigt, daß es immerhin ein guter Zu­

schuß war. So wie er die Steffie kannte, würbe ste nicht als Geizhals auf ihren Pfandbriefen sitzen, und gern geben, was sie für recht fand. Ichenhausen konnte, so Gott mit im Zuge war, allmählich wieder zu früherer Wohlhabenheit aufblühen.

Aber selbst wenn Stephanie nichts mitgebracht hätte, wäre sie ihm willkommen gewesen. Und nun er schämte sich beinahe, daß seine Gedanken sich ost damit beschäftigten, würden auch bald wieder Kinder­lachen und trippelnde Füße durch diese Räume Hin­gen. Es war so überlange still um ihn gewesen.

Und bann tarnen sie endlich, bie beiben Menschen, an benen sein ganzes Herz hing. Stephanie flog ihm vom Trittbrett bes Abteils herab in die Arme. So lange haben wir dich allein gelassen, Vater. Schau doch, Jörg, der Papa ist schlanker geworden."

Dor Sehnsucht nach euch!" sagte Merlin und küßte nun auch den Sohn, der sehnig und sonnver­brannt auf dem schwarzen Schotter stand.

Geht voran", gebot Hans Jörg.Ich will gleich selber noch nach dem Gepäck sehen. Meine Frau hat den halben Lido aufgetauft."

Stephanie hängte sich lachend an den Arm des alten Herrn und zog iyn mit sich fort.Er hat immer­fort gebrummelt, Papa. Bei jedem Stück, das ich haben wollte, hat er den Kopf geschüttelt. Aber er hat bezahlt!"

Dos ist die Hauptsache, Kinderl!" Wie ein Ver­schwörerpaar, eng zusammengedrückt und Scherze tuschelnd, gingen sie zum Wagen.

Hans Jörg kam fünf Minuten später nach.Fehlt etwas?" rief er ihm entgegen.

Es ist alles da", sagte er ein wenig mürrisch und nahm auf dem Rücksitz Platz.

Der Abend war kühl, undStephanie fror in ihrem leichten Seidenmantel. Merlin sah, wie sie zusammen- schauerte. Er nahm seinen Ueberzieher ab und legte ihn ihr auf die Schulter:Ich möchte nur wissen, wozu du drei Pelze in deinen Koffern hast. Bist du nun warm?"

Sie nickte strahlend.Und du?"

Er seufzte und sah nach den Wiesen, über denen die ersten schüchternen Nebelfahnen sich breit mach­ten:Ich habe mich reichlich verwöhnt, die letzte Zeit. Dehme wird schauen! Seit fünf Jahren habe ich weder Katarrh und Husten gehabt. Nun aber sehr gründlich."

Du mußt schwitzen", bat Steffie besorgt.

Ja! Und Eibischsaft nehmen und Fliedertee trinken, nicht wahr!" Er lachte verärgert auf.So verzärtelt man, wenn man eine Frau hat, Vater. Wenn du vier Wochen mit ihr zusammenbist, ver­päppelt sie dich genau so."

Ich will cs mir gefallen lassen", sagte Merlin und streichelte bie Hände der Schwiegertochter, bie ihr im Schoß gefaltet lagen.

Die Lisaweth hatte ihr Möglichstes getan, Ichen­hausen zu einem kleinen Parabies zu machen. Aber sie bereute, nicht noch mehr geschafft zu haben. Die junge Frau strahlte wie ein christbeschenktes Kinb.

Für jeden einzelnen, der ihr die Hand entgegen- streckte, hatte sic ein liebes Wort, ein freundliches Lächeln, ein Nicken bes Dantes. Am Arm Hans Jörgs ging sie burch die Räume und sah, was sich verändert hatte. Frau Maria hatte in manchem gründlich Wandel geschaffen und insbesondere die Privaträume Steffies so ausgestattet, daß sie dem Wiener Heim ähnlich waren. Das Kind sollte sich nicht vereinsamt fühlen.

Hans Jörg sprach kein Wort. Aber als er in das Schlafzimmer seiner Frau trat, sprangen ihm die Adern an den Schläfen hoch. Es fand, sich nur ein Bett darin.

Soviel Lebensweisheit besitzt du, schöne Schwieger­mutter? dachte er, verbarg feinen Aerger und suchte in dem Gesichte seiner Frau. Stephanie war ganz Jubel:Entzückend, nicht?"

Ja! Und genügend Platz für dich! Uebri- gens in zwei Tagen reise ich."

Schon?" Sie war sich gar nicht bewußt, wie fröhlich das geklungen hatte.Ehe es wintert, be­suchen wir dich!" ,

Er sah gelangweilt aus und hatte seinen inneren Groll noch nicht ganz überwunden. Beim Abendtisch war er auffallend einsilbig, so bah ber alte Merlin öfter als einmal einen bittenben Blick zu ihm her- überschicken mußte, nur baß er überhaupt ben Mund auftat. Stephanie aber war so voll Wiedersehensfreude, daß es ihr nicht weiter auffiel. Sie war selig, endlich daheim zu sein.

Am übernächsten Tage reifte Hans Jörg ab. Ste­phanie stand mit verdächtig flimmernden Augen neben ihm vor dem Abteil und bat:Grüße Oehmc von mir. Vielleicht labt er uns einmal nach Kon­stanz ein."

Weshalb?"

Der alte Merlin erschrak über bie Maßen.Ich bachte nur", hörte er bie Schwiegertochter sagen,er hat boch solch schönes Heim in Konstanz."

Allerbings!" Der Schaffner gebot einzusteigen. Jörg sah ben flehenden Blick seines jungen Weibes und nahm ihr blasses Gesicht zwischen seine Hände. Bleib gesund, Kleines!" Im Abteil ließ er das Fenster herab und reichte ihr noch einmal T)ie Hand. Sic drückte diese erst an die Wange, dann an bie Lippen.Wann werbe ich Nachricht von bir haben?" Neben dem Wagen hergehend hielt sie noch immer seine Rechte fest.

Erwarte nicht zuviel von mir, Stephanie. Ich habe soviel nachzuholen."

Sie nickte und lieh seine Hand los. Vergaß ihr Taschentuch zu ziehen und sah mit erloschenen Augen ben Wagen nach, bie sich ohne Hast dahinschlängelten. Sie waren schon eine Weile bem Blick entschwunden, als sic fühlte, wie ein Arm sich unter den ihren schob und die Stimme des Schwiegervaters sagte:Nun gehörst du mir allein, Steffie. Bist du zufrieden mit ihm?"

(Fortsetzung folgt)

hiermit unsern herzlichsten Dank

ich

Gießen

01249

spreche aus.

Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teil» nähme, die uns beim Heimgang unserer Heben, unvergeßlichen Entschlafenen zuteil wurden,

Herrn Ph. Fritzel und

Frau El. Maria, geb. Michel erwiesene Teilnahme sprechen wir unseren herz­lichsten Dank aus

Danksagung

Für die beim Heimgange unserer lieben Eltern, Schwiegereltern und Großeltern in Dorheim

(Anneröder Weg 18), im Februar 1933.

________________________________________________01261

DankMngung.

Für die außerordentlich vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Ent­schlafenen sagen wir aut diesem Wege allen unsren herzlichsten Dank.

Lin« Schomber Wwe., geb. Schmidt und alle Angehörigen.

Burkhardsfelden, den 25. Februar 1933.'

Ludwig Th ring und Frau Meta, geb. Fritzel Albert Fritzel und Frau Hilda, geb.Walther und 3 Enkel

Lieh und Dorheim, den 25. Februar 1933 1412D

Im Namen aller Hinterbliebenen:

Ludwig Stein.

Nach langem, schwerem Kriegsleiden verstarb am Samstag, früh 5 Uhr, im Alter von 38 Jahren mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Opkel

Heinrich Paul.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Frau Paul und Kinder.

Gießen (Marburger Str. 11), Annerod, Bielefeld, den 25. Februar 1933.

Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt.

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Bewerbungen sind binnen vier Wochen an mein Sekretariat einzureichen. 1431D

Darmstadt, den 21. Februar 1933.

Der Hessische Ftnanzminister. Kirnberger.

In dem Konkurse über bas Vermögen des Ingenieurs Heinz Ring in Lollar soll die Schluhverteilung erfolgen. Die verfüg- bare Masse beträgt 266,55 RM. Zu berück­sichtigen sind 883,65 RM. bevorrechtigte Konkursforderungen gemäh § 61 Ziffer 3 und 4 der Konkursordnung. Die bevorrech­tigten Lohnforderungen sind in Höhe von 326 RM. bereits früher voll ausgezahlt worden. Das Schluhverzeichnis liegt auf der Geschäftsstelle des Amtsgerichts Giehen zur Einsicht aus. 1433D

Gießen, den 23. Februar 1933.

Rechtsanwalt Zimmer, Konkursverwalter.

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