Nr. 225 Erster Blatt
185. Jahrgang
Dienstag, 26. September 1935
Erich«»«» »ckgltch, außa Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Dte Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Volitii Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.
Saisonbeginn in Genf.
Don unserem ständigen v. H.-Äerichierstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbaten!
G e n f, 25. September 1933.
Die politische Hochsaison in Genf hat begonnen. Die diesjährige Vollverlammlur.g des Völkerbundes bildet den Hintergrund und äußeren Rahmen für die politischen Verhandlungen der leitenden Staatsmänner der Großmächte. Einen unerwartet starken Austrieb von außen hat der langsam dahinfiechende Völkerbund plötzlich erhalten. Er hat dies Deutschland zu verdanken. Die großen außenpolitischen Fragen der Gegenwart, Abrüstung, Minderheiten, die österreichische Frage, die internationalen Finanz- und Wirtschaftsprobleme, die Krisenbekämpfung, neuerdings auch die Flüchtlingsfrage werden jetzt an 'liefet großen modernen Börse der Politik ausgehandelt werden.
Wieder einmal steht Deutschland im Dor- dergrund des gesamten internationalen Interesses. Der Regierungswechsel in Deutschland, das Hervorlrteten einer neuen gefestigten und zielbewußten deutschen Regierung, mußte unvermeidlich Rückwirkungen auf die internationale Politik Hervorrufen. Es ist selbstverständlich, daß das neue Deutschland im Genfer Völkerbund nicht mehr die bisherige nur geduldete Rolle eines besiegten Volkes spielen kann. Deutschland als Großmacht tritt fordernd in die Arena der internationalen Politik.
Ueber den Ernst und die Größe der zu lösenden internationalen Fragen kann heute kein Zweifel mehr bestehen. UcberaU steht Deutschland einet Koalition von feindlichen Kräften gegenüber. Im Mittel- punkt der außerordentlich bedeutsamen Verhandlungen der nächsten Tage steht die Abrüstungs- frage. Eigens hierzu kommt der französische Ministerpräsident D a l a d i e r, die englischen und französischen Außenminister, sowie die der fifeinen (Entente, der Kabinettschef Mussolinis und die ver- antwortlichen Kabinettsminister der neutralen Mächte nach Genf. Außerhalb der amtlichen Genfer Dölker- bundssitzungen, in denen die reinen Völkerbundsprobleme behandelt werden, werden jetzt in den Hotelzimmern die entscheidenden Besprechungen über das weitere Schicksal der Abrüstungskonferenz statt- finden. Die Gegensätze auf dem Abrüstungsgebiet sind bekannt, haben sich jedoch in den allerletzten Wochen außerordentlich verschärft und vertieft.
Die französische Diplomatie treibt ein kühnes Spiel. Frankreich will die Abrüstungskonferenz endgültig sabotieren. Die französischen Forderungen sind nichts weiter als die endgültige Ableugnung der von den alliierte»! Großmächten in Versailles feierlich übernommenen Verpflichtungen zur Abrüstung. Ein geradezu absurdes Programm bietet die französische Regierung den übrigen Mächten an. Eine fünf- bis achtjährige Bewährungsfrist soll eingeschaltet werden, innerhalb der es sich erweisen soll, ob das französische System einer internationalen Kontrolle der Rüstungen verbunden mit scharfen Sanktionsmahnahmen funttio- niert. Unerfindlich blieb bisher, was eigenttich in diesen acht Jahren kontrolliert werden soll. Die französische Regierung hat jetzt den Schleier gelüftet, und erklärt, sie müsse als Voraussetzung ledcr Regelung der Abrüstung verlangen, daß innerhalb der nächsten acht Jahre nachgewiesenermahen i n Deutschland keinerlei Verletzung der Entwaffnungsbestimmungen des Der- failler Diktats ftattfinbet. Dazu also wird ein neues fiontroH - und Sanktionssystem geschaffen. Dies bedeutet nicht anderes als eine Verewigung, ja eine Verschärfung des Versailler Zwangsdiktates.
Dies Programm soll nun jetzt in Genf nach den französischen Wünschen durchgehandelt werden. Die Gegensätze sind jedoch auch auf der alliierten Seite außerordentlich groß. Die englische H a 11 u ng ist bisher noch unklar und zögernd, jedoch lehnt die englische Regierung, offenbar unter dem Emslutz der englischen Admiralität traditionsgemäß ein Sanktions- und Kontrollsystem ab. Die amerikanische Regierung hält nach außen noch ihre Forderung auf allgemeine Herabsetzung der Rüstungen aufrecht, scheint jedoch unter dem Einfluß der geschickten französischen Diplomatie den französischen Wünschen in einigen Punkten nachgeben zu wollen. Es ist selbstverständlich, daß die deutsche Regierung ein derartig unehrliches und lügnerisches Abrü- ftunqsprogramm uneingeschränkt ablehnen wird.
Deutschland kann nur auf der gegebenen I Dertragsbasis verhandeln, die die übrigen Mächte aur Einlösung der in Versailles gegebenen ! Verpflichtungen zwingt. Tritt dies nicht em, , so wird Deutschland, wie alle Welt weiß^ von feinen vertraglichen Verpflichtungen frei. Aus dieser I Laae heraus ergibt sich die außerordentliche Trag- I weite der bevorstehenden Genfer Besprechungen. I Kommt keine Einigung zustande, so ist das Schick- sal der am 16. Oktober wieder zusammentretendcn Abrüstungskonferenz besiegelt, und eine neue Ent- i Wicklung muß einsetzen, deren Folgen heute mter- ! national noch nicht zu übersehen sind Die Ber- ! antroortung für die sich daraus ergebenden Folgen trägt jedoch dann nie und nimmer Deutschland, sondern die alliierten Großmächte allein.
Die österreichische Frage scheint für inten nationale Verhandlungen nicht reif zu sein, icdoch wird angenommen, daß die gleichzeitige Anwesenheit des deutschen Außenministers und des Bundes- kanzlers Dollfuß gemeinsam mit den Außenministern Englands und Frankreichs und dem Vertreter Mussolinis unvermeidlich dazu fuhren wird, daß auch das österreichische Problem und im Zusammenhang damit die Neuregelung des sudosteuropäischen Raumes zur Sprache kommen wird. Die österreichische Frage ist jedoch erftlimg eine bi» leit zwischen Deutschland unb Oesterreich zu re»
Oie Wirtschaftspolitik des neuen Deutschland.
Reichswirtschastsminister Or. Schmitt steckt als Ziel auf: das rentable Einzelunternehmen. Senkung der Steuerlast und Vermeidung staatlicher Zwangseingriffe.
München, 26. Sept. (TU.) Die NSBO.-Be- triebsgrupp Danken und Versicherungsanstalten veranstaltete zusammen mit der Industrie- unb Handelskammer München eine Kundgebung, auf der Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt u. a. folgendes erklärte: Unser Volk muß sich selbst helfen. Aber wir wollen uns nicht abschließen von dem Handel unb dem Verkehr zwischen den Völkern der Welt. Wir sind durchaus bereit, mit den Völkern der Welt in einen Güteraustausch zu treten und diesen zu fördern und zu pflegen. Der Ausgang der Kon- ferenz von London hat gezeigt, daß es unmöglich ist, eine Verständigung zwischen allen Völkern zu erzielen. Deshalb treffen wir mit jedem einzelnen Lande Abmachungen, die in unserem Interesse liegen.
Der Minister wandle sich dann entschieden gegen den vorsch1ag, den Deg der Deflation w e 11 e r z u g e h e n. Ls ist undenkbar. durch weitere Einschränkungen die Krise bekämpfen zu können. Denn wir leiden ja gerade darunter, daß durch die Schrumpfung der Wirtschaft der verbrauch softarkzurückgegangenist: daß eine Inflation für Deutschland keine Rettung sein kann, braucht nicht mehr betont zu werden.
Der Minister warnte davor, allzu viel von Zwangsmaßnahmen der Regierung zu erwarten. Es ist schwierig, solche Maßnahmen vorzunehmen, ohne der Wirtschaft schweren Schaden zuzufügen. Ein gesunder Druck auf die Handelsspanne ist zwar nötig; aber es würde eine außerordentliche Härte bedeuten, wenn wir nun durch allzu scharfe Maßnahmen dem Einzelnen den Weg zur Existenz abschneiden würden. Ebenso schwierig liegt die Sache beim Problem des Doppelverdieners. Der Grundgedanke ist gesund; aber wenn man sich das in der Praxis näher ansieht, ist es schwer, eine gesunde Linie herauszufinden. Wir dürfen auch Warenhäuser, Konsumvereine und Banken nicht einfach zerstören. In den Warenhäusern werden 52 000 Menschen beschäftigt und eine Milliarde ist in ihnen investiert. Mit dem Aufschwung unserer Wirtschaft können wir auch die Zügel an die Entwicklung der Warenhäuser legen, aber wir dürfen f i e nicht Sufammenbredjen lassen. Das gleiche gilt ür unsere Banken und für die Konsumvereine. Die lufgabe des nationalsozialistischen Staates gegenüber der Wirtschaft kann nur in einer lieber- wachung bestehen, niemals aber darf der Staat eingreifen ober bie Wirtschaft selbst betreiben.
Der Minister gab weiter einen Ueberbluf über das, was die Reichsregierung auf dem Gebiete der Wirtschaftsankurbelung bisher erreichte und fuhr dann fort:
E» komm! jetzt darauf an, alles zu tun, um die wieder in Arbeit Gekommenen über den Winter hindurch weiterzubeschästigen, damit kein Rückschlag in der Arbeitslosigkeit eintrift. Darüber hinaus wird die Wirtschaft nur dann wieder zur vollen Blüte kommen, wenn es gelingt, d i e Rentabilität des einzelnen wirtschaftlichen Unternehmens wieder zu sichern. Die Steuern sind heute für die Wirt- schäft untragbar. Deshalb wird es die Sorge der Regierung fein, diese Steuerlast zu ermäßigen. Ferner müssen die Zinsen
gesenkt werden, damit die daraus entstehenden Lasten wieder auf das Niveau der Vorkriegszeit zurückgeführt werden können.
Das größte Uebel war die Vers ch,u 1 d u n g der Kommunen, die als die größten Auftraggeber Deutschlands mit den Aufträgen und Erneucrungs- arbeiten wegen ihrer finanziellen Sage zurückhalten mußten. Durch die Hilfe, die den Kommunen nunmehr durch das Reich gewährt wird, sind die Voraussetzungen hierfür wieder geschaffen. Durch das allgemeine Vertrauen auf die Regierung und bas Vertrauen ber Gläubiger in ihre Anleihen werben wir erreichen, baß ber Zinssatz eine E r - m ä 6 i g u n g erfährt. Die Regierung habe sehr wohl baran gedacht, jetzt schon an eine Senkung der Hauszins st euer heranzugehen. Aber im Interesse der Arbeitsbeschaffung mußte die Steuersenkung unterbleiben. Dafür hat bas Reich
500 Millionen RM. bereitgestellt für Repara« turzuschüsfe an den Hausbesitz.
Zur Frage von Preis und Lohn erklärte bet Minister, in dem Augenblick, wo die deutsche Regierung große Mittel einsetzt, um der Arbeitslosigkeit den unerbittlichen Kampf anzusagen, in diesem Augenblick muß durch eiserne Disziplin vermieden werden, was in der Richtung liegt, daß bet Wert und die Kaufkraft unseres Geldes i r g c n b • w i e Schaben leiden könnten. Infolgedessen betrachtet es die Reichsregierung als ihre ersten Aufgaben, neben der Arbeitsbeschaffung dafür zu sorgen, daß sich das Preisniveau und auch das Lohnniveau nicht rührt, d. h. auf dem Stande stehen bleibt, wie es jetzt ist. Zur Kartellfrage bemerkte der Minister schließlich, es sei nicht die Aufgabe ber Staates, bie ganze Wirtschaft in Kartellen zusammenzuschließen.
Die Völkerbundsversammlung eröffnet.
Oer ZRatepräfibcnf beklagt die Unfruchtbarkeit der internationalen Konferenzen. Das Abrüstungsgespräch beginnt.
Genf, 25. Sept. (WTB.) Die 14. Völkerbunds- versammlung ist heute um 10.30 Uhr vom norwegischen Ministerpräsibenten M o w i n ck e l eröffnet worben. Die meisten Mitgliedsstaaten sind durch ihre Außenminister und andere führende Staatsmänner vertreten. In der ersten Reihe haben Reichsaußenminister Freiherr o. Neurath, der Reichsminister Dr. Goebbels, Gesandter v. Keller und Ministerialdirektor Gauß die Plätze der deutschen Hauptdelegierten eingenommen.
Der vorläufige Präsident,
Ministerpräsident Mowincke 1 (Norwegen), stellte in der Eröffnungsansprache mit Bedauern fest, daß sich die Lage des Völkerbundes seit ber letzten Versammlung nicht verbessert habe. Was die Völker interessiere, sei nicht die tägliche Arbeit des Bundes, sondern seine Fähigkeit, eine bessere Verständigung zwischen den Völkern zu schaffen. Noch schlimmer als das Versagen im ost- asiatischen Konflikt seien die Enttäuschungen in Europa selbst. Die Idee und die Möglichkeit eines Krieges schwebten wie ein Gespenst über der Zukunft Europas. Es fei enttäuschend und entmutigend, daß die Ergebnisse der Ab- rüstungskonferenz ziemlich negativ auszufallen drohten. Man könne auch nicht leugnen, daß die Not und die Arbeitslosigkeit- zur Erhöhung der politischen Mißstimmung unter den Völkern beitragen. Gerade deshalb sei das Scheitern ber Londoner Konferenz so bedauerlich. Allerdings dürfe man eine gewisse Hoffnung auf die Tatsache gründen, daß im vergangenen Jahre trotz allem gewisse Anzeichen eines wirtschaftlichen Fortschrittes, einer Aufklärung der handelspolitischen Atmosphäre festzustellen gewesen seien. Es sei oftmals gesagt worden, daß die Gegensätze zwischen Deutschland und Frankreich die Wurzel allen Uebels seien. Deshalb knüpften sich so große Hoffnungen an den Diererpakt als ein Mittel, das die Verständigung unb vielleicht sogar bie Freundschaft herbeiführen könnte. Zum Schluß
erinnerte Mowinckel daran, daß Stresemann in seiner letzten Rede vor der Versammlung am 9. September 1929 erklärt habe: „Wir haben hier die sehr bescheidene Aufgabe, in der Versammlung der Nationen an der Beseitigung der Gräben, die uns trennen, zu arbeiten. Diese Aufgabe kann nicht von heute auf morgen und nicht in einem einzigen Angriff erfüllt werden".
Die Vollversammlung wählte dann mit 30 Stimmen von 53 Stimmen den Oberfommiffar bet Südafrikanischen Union in London, Ter Water, zum Präsidenten ber diesjährigen Vollversammlung.
Don lebhaftem Beifall begrüßt, hielt der jugendliche Vertreter der Südafrikanischen Union seine Eröffnungsrede, in der er die Notwendigkeit einer weitgehenden Verständigung zwischen den- Mächten mit Nachdruck hervorhob. Die Völkerbunds- versammlung wählte .weiter zu Präsidenten der Arbeitsausschüsse: Rechtsfragen: Motta (Schweiz), Wirtschaftsfragen: Garton d e Wiart (Belgien), Budgetfragen: Fotitch (Jugoslawien), Soziale Fragen: Fräulein Hessel- green (Schweden), Politische Fragen: deMada» r i a g a (Spanien). Die Dritte Kommission (A b - r ü ft u n g) wird nicht konstituiert, da bie Abrüstungskonferenz noch im Gange ist.
Zu Vizepräsidenten der Versammlung wurden der deutsche Außenminister v. Neurath, der französische Ministerpräsident D a l a ö i e r, der englische Außenminister Simon, ber Kabinettschef Mussolinis A 1 oisi, ber persische Außenminister Foroughi, der Mexikaner Castilla N a j e r a gewählt.
Die Völkerbundsversammlung wird morgen nachmittag mit der allgemeinen Aussprache beginnen, für bie ungefähr fünf Tage vorgesehen sind. Die Kommissionen werden morgen früh ihre ersten konstituierenden Sitzungen abhalten. Auf Vorschlag der deutschen Delegation beschloß die Versammlung, ebenso wie in den früheren Jahren in ber politi-
gelnbe Angelegenheit, bie keine Einmischung anberer Staaten verträgt.
Zu ben zahlreichen in ben nächsten Wochen in Genf zu behandelnden Fragen gehören weiter bie fortlaufend den Völkerbund beschäftigenden Minderheitenprobleme. Immer wieder liegen aus den verschiedensten deutschen Gebieten Minder- heitenbeschwerden vor, die bisher nie eine genü- Senbe, sachlich gerechte Regelung gefunden haben.
nter den Danziger Fragen steht im Mittelpunkt die Neuernennung des Danziger Völker- bundskommissars. Der bisherige, höchst ver- dienstvolle unb allgemein anerkannte Dölkerbunds- kommiffar R o st i n g tritt am 15. Oktober zurück, um die Leitung ber Minberheitenabteilung im Völ- kerbunbsfekretariat zu übernehmen. Trotz ber schon über ein Jahr laufenden Versuche ist es bisher noch immer nicht gelungen, eine geeignete Persönlichkeit für den Danziger Posten zu finden. In ben internationalen, vor allem englischen Diplomatenkreisen, zeigt sich noch offene Abneigung, bie mit bem Danziger Posten verbunbenen Schwierigkeiten auf sich zu nehmen. So sind alle bisher genannten Kandidaturen gescheitert. Es ist heute durchaus verständlich, daß Diplomaten oon Rang keine Neigung verspüren, in diesem Wetterwinkel Osteuropas einen Posten anzutreten, dessen Dauerhaftigkeit höchst zweifelhaft erscheint.
So steht eine Völkerbundstagung in Genf bevor, die zweifellos an politischen Ereignissen, Verhandlungen von entscheidender Tragweite hinter ben Kulissen unb großen öffentlichen Debatten reich fein wirb. Gleich zu Beginn ber nächsten Woche findet die große alljährliche Generaldebatte statt, in der nach bisherigen Ankündigungen der französische Ministerpräsident in einer programma- tischen Rede zu den Erklärungen Des deutschen Außenministers vor der auswärtigen Prefie Stellung nehmen will. Mit betonterer Spannung sieht
man daher der deutschen Regierungserklärung entgegen, die Baron Neurath vor den 54 Mitgliedsstaaten des Völkerbundes abgeben wird, und in der der grundsätzliche deutsche Standpunkt zu den großen internationalen Problemen behandelt werden soll. Zum ersten Male wird an der Genfer Dölkerbundstagung der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels teilnehmen. Schon die Ankündigung seines Eintreffens in Genf war eine Sensation. Der Zustrom der internationalen Presse ist dieses Jahr ungewöhnlich stark. Ueberall wird die Erwartung laut, daß der Reichspropagandaminister, ber als ein glängenber unb geistvoller Rebner bestens bekannt ist, vor ber Völkerbundsversammlung den geistigen Neuaufbau des neuen Deutschland entwickeln wird. Damit bietet sich für Deutschland die zweifellos höchst bedeutungsvolle Gelegenheit, vor dem bedeutendsten internationalen Forum seinem friedlichen Aufbauwillen Geltung zu verschaffen.
Fafl2,MillioneliAeubeschDigte
Tas Ergebnis der Krankenkassenftatistit.
Berlin, 25. Sept. (OB.) Nach ben vorläufigen Ergebnissen der Statiflif der Krankenkasse n- Mitglieder Hal am 31. August bie Zahl ber Neu- ober Wiederbeschästtglen um 288 004 mehr betragen als am 31. Juli 1933. Am 31. August waren gegenüber dem Tiefstand im Januar 1933 nach bem Ausweis ber Reichsansiall für Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung im gongen 2 236374 Deutsche wieder oder neu in den A r- beitsprozeß eingegliedert, hierzu kommt noch die Zunahme, die der Reichsanstalt für die Zeitspanne vom 31. August bis 15. September 1933 mit 57 169 gusroeiß, so daß die Zunahme der Be
schäftigten seit der Machtübernahme Adolf Hitler» insgesamt 2 293 543 beträgt.
Stabschef Röhm gegen das Muckertum.
Berlin, 25. Sept. (CNB.) Der Stabschef der SA., Röhm, hat einen Ausruf ergehen lassen, der sich gegen das Muckertum richtet. Daß dieses in letzter Zeit geradezu Orgien feiere, sei unbestreitbar. So würden z. B. für den Anzug unb das Verhalten in den Badeanstalten die unsinnigsten Bestimmungen gefordert. Der deutschen Frau werde verboten, sichzu pudern oder in Lokalen zu rauchen. In den Großstädten sollten alle irgend wie aus dem Spießerrahmen fallenden Vergnügungsstätten a u s gerottet werden. Dies alles geschehe angeblich im Gefühl heiliger Verantwortung für das Wohl des Volkes. Aus der jüngsten Zeit lägen neue Meldungen vor, daß auch SA.-, SS.-Füyrer und -Männer sich öffentlich zu Moralrichtern aufgeworfen und weibliche Personen in Badeanstalten, Gaststätten oder auf der Straße b e l ä ft i g t hätten. Es müsse einmal eindeutig festgestellt werden, daß die deutsche Revolution nicht von Spießern, Muckern und Sittlichkeits- a poft ein gewonnen sei, sondern oon revolutionären Kämpfern. Diese allein würde sie auch sichern. Die Aufgabe der SA. bestehe nicht darin, über den Anzug, Gesichtspflege oder Keuschheit anderer zu wachen, sondern Deutschland durch ihre freie und revolutionäre Kampfgesinnung Hochzureißen. Er verbiete daher sämtlichen Führern und Männern ber ©2L und SS., ihre Aktivität auf diesem Boden einzu- setzen und sich zum Handlanger verschrobener Moralästheten herzugeben.


