Oie Neuorganisation
-es Handels, Handwerks und Gewerbes.
Von Or. von JRenfeln, Führer der „NS. SAGO" und des Gesamtverband.'S deuischer Hand- werter, Kaufleute und Gewerbetreibender in der Deutschen Arbeitsfront.
Von der Staatspresse st eile geht uns der folgende Aufsatz zur Veröffentlichung zu.
Eine Organisation ist niemals Selbstzweck. Sie ist immer Mittel zum Zweck. Aendert sich der Zweck, für den eine Organisation geschaffen wurde, so muß sich die Organisation und ihre Form gleichfalls ändern. Von diesem immer gültigen Satz macht auch der Kampf- bunü des gewerblichen Mittelstan- d c s in der NSDAP, keine Ausnahme. Der Kampfbund ist in einer Zeit geschaffen worden, in der die nationalsozialistische Bewegung im Kampfe um die Macht stand. Dieser Kampf wurde auf allen Fronten geführt, und auf dem Abschnitt des Handwerks, Handels und Gewerbes wurde der Kampfbund eingesetzt. Seine Aufgabe war es einerseits, den Nationalsozialismus in die Reihen des Handwerks, der Kaufleute und Gewerbetreibenden hineinzutragen, sie zu organisieren und dadurch einsatzbereit zu gestalten, — anderseits — die Einrichtungen des öffentlichen Lebens auf dem Gebiete des Handwerks, Handels und Gewerbes zu erobern, um auch von dieser Seite her das alte System zum Sturz zu bringen.
Beide Aufgaben hat der Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes als Hilfsorganisation der NSDAP, in feder Weise g e l ö st. Dafür gebührt den Amtswaltern des Kampfbundes, die sich fast durchweg aus alten erprobten Nationalsozialisten zusammensetzten und deren aufopferungsvoller Arbeit dieser Erfolg zu verdanken ist, ganz besonderer
Die NS. HAGO., die aus älteren und schon bewährten Kämpfern besteht, ist die Kcrntruppe dieser Aufklärungs- und Schulungsarbeit. Sie ist eine Unterorganisation der NSDAP. und untersteht der obersten Leitung der PO. der NSDAP. Ihre Mitgliederlisten sind bis auf weiteres gesperrt.
Die GHG. ist die Organisation der Handwerker, Handels- und Gewerbetreibenden in der deutschen Arbeitsfront, in der auch die Arbeiter, Angestellten und industriellen Unternehmer bereits organisiert sind. Mit der Hereinnahme der selbständigen Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibenden erfaßt die deutsche Arbeitsfront nunmehr auch die Millionenzahl der Inhaber der mittleren und kleinen Betriebe. Damit schließt sich der Ning der Arbeitsfront, die auf diese Weise alleinderdeutschenWirtschafttäti- gen Volksgenossen umfaßt. In ihrem Verhältnis zueinander, zur NSDAP, und zur deutschen Arbeitsfront, bilden die NS. HAGO. und der GHG. eine Parallelerscheinung zur NSBO. und den Gesamtverbänden der deutschen Arbeiter und Angestellten.
Es muß dabei betont werden, daß J>ie Aufgabe beider Organisationen, der NSHAGO. wie des GHG., die Ausbreitung und die Vertiefung des nationalsozialistischen Geistes in Handel, Handwerk und Gewerbe ist. Wobei die NSHAGO. als nationalsozialistische Organisation in personeller, organisatorischer und weltanschaulicher Hinsicht das Rückgrat des GHG. bildet. Die Schulungs- und Aufklärungsarbeit vollziehen diese Organisatio- । nen im Wege der unmittelbaren Erfassung der I
einzelnen Mitglieder wie in entsprechender Zusammenarbeit mit bereits bestenden Organisationen und Verbänden. Hierbei gelangen von Lehrbriefen, Schulungskursen und Vortragsfolgen bis zu kulturellen Veranstaltungen, Aufführungen und Kundgebungen alle geeigneten Mittel zur Anwendung.
Daß beide Organisationen das ihnen gesteckte Ziel, den deutschen Menschen zur nationalsozialistischen Haltung auf allen Lebensgebieten und insbesondere zu dieser Haltung in bezug auf das Denken und Handeln auf wirtschaftlichem Gebiete zu erziehen, beharrlich und kompromißlos verfolgen und erreichen werden, dafür ist durch ihre straffe und einheitliche Gliederung, durch ihre zuverlässige nationalsozialistische Führung an allen entscheidenden Stellen und durch einen klaren Arbeitsplan, die in eingehenden organisatorischen Besprechungen in diesen Tagen sichergestellt wurden, eine völlige Gewähr geboten.
Diese beiden Organisationen und insbesondere die NSHAGO. sind gleichsam das nie rastende nationalsozialistische Gewissen gegenüber den wirtschaftsliberalistischen Zersetzungserscheinungen und wird unermüdlich dort anklopfen und sich durchsetzen, wo Eigennutz noch vor den Gemeinnutz gestellt wird. Daß diese Aufgabe nicht leicht und einfach ist, das Weitz jeder von den Zehntausenden Amtswaltern der NSHAGO. und des GHG. Aber getreu dec Parole unseres Führers Adolf Hitler, der und 14 Iahre gelehrt hat, datz Schwierigkeiten dazu da sind, sie zu überwinden, werden sie hart und unbestechlich das Ziel des reinen Nationalsozialismus verfolgen.
Wir find nicht umsonst Nationalsozialisten und wir wollen nicht umsonst Nationalsozialisten gewesen sein, durch Kampf und Arbeit vielleicht schneller verbraucht als andere Generationen, dem nachfolgenden Geschlecht das Erbe Adolf Hitlers rein und unversehrt übergeben, damit dereinst im vollen Glanze Wirklichkeit werde: Das Dritte Reichl
Dank und Anerkennung, denn jeder, der Jahre hindurch an der Front der Bewegung gekämpft hat, weiß, wie schwierig und oft undankbar es war, gerade die Kreise, die der Kampfbund zu bearbeiten hatte und die dem Gift des Wirtschaftsliberalismus ausgesetzt waren, dem politischen Aktivismus zuzuführen.
Heute hat die nationalsozialistische Bewegung die Macht im Staate erobert. Tie Aufgabe, die dem Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes im Kampfe um die Macht gestellt wurde, kommt also in Fortfall. Es ist aber falsch, zu glauben, daß mit der Machteroberung durch den Nationalsozialismus auch schon das Dritte Reich verwirklicht worden sei. Das Dritte Reich kann sich in seiner endgültigen Form nur auf einem Volke aufbauen, das in seiner Gesamtheit nation al soziali st i sch ist. Die Erziehung zum Nationalsozialismus ist demnach die große Aufgabe, die der nationalsozialistischen Organisation des Handwerks, Handels und Gewerbes heute gestellt wird.
Um diese Aufgabe, mit der der nationalsozialistischen Bewegung eigenen Stoßkraft durchzuführen, wird der Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes in die Nationalsoziali- stische Handwerks», Handels - und Gewerbeorganisation (NS. HAGO.) einerseits und in den Gesamtverband der Handwerker. Kaufleute und Gewerbetreibenden (GHG.) auseinan- dergegliedert.
Die Aufgabe beider Organisationen ist die Erziehung des wirtschaftenden deutschen Menschen zur nationalfozialistischen Weltanschauung, zum nationalsozialistischen Wirtschaftsdenken und Wirtschastshandeln und aut gegenseitigen Selbsthilfe. Dazu gehört selbstverständlich auch die Heranbildung des Fü h r e r n a ch w u ch - s e s für Handwerk, Handel und Gewerbe in der deutschen Arbeitsfront.
Aus aller Wett.
Der Heidelberger Klinikbau gesichert.
Wie „Der Führer" meldet, ist es den Bemühungen des badischen Kultus- und Finanzministerium endlich gelungen, die Mittel für den dringend notwendigen Neubau der Heidelberger Chirurgischen Universitätsklinik sicherzu. stellen. Es ist damit zu rechnen, daß noch im Laufe des Spötjahres 1933 zunächst mit dem Bau des Operationsgebäudes der Chirurgischen Klinik begonnen wird.
Der Montblanc fordert sieben Tote.
Fünf italienische Touristen, die bei der Besteigung des Montblanc von dec italienischen Seite i n ein schweres Unwetter gekommen waren, sind ums Leben gekommen. Auch zwei weitere Alpinisten, die zunächst noch so viel Kraft besaßen, daß sie von der nächst clegenen Schutzstation Ballot Proviant und Seile herbeiholen konnten, um ihre völlig erschöpften Kameraden zu retten, sind auf dem Rückwege vor Schwäche und Kälte umgekommen. Ihre Leichen wurden von der aus 21 Mann bestehenden Rettungskolonne zuerst gefunden. Die Rettungskolonne hat nach Bergung der beiden Leichen die Suche nach den fünf anderen Verunglückten fortgesetzt. Da der Unfall sich auf der italienischen Seite, und zwar in einer Höhe von etwa 4600 Meter ereignete, fehlen in Chamonix weitere Einzelheiten.
Schwere Sturmverwüstungen auf einer Molukken- Insel.
Auf der Insel Llmboina (Molukken) richtete ein großer Wolkenbruch starke Zerstörungen an. Die Stadt A m b o i n a wurde teilweise unter Wasser gesetzt. Mehrere große Brücken wurden weg- gerissen. Die Wasserleitung und die Elektrizitätsversorgung sind gestört. Bei Erdrutschen in der Umgebung wurden neun Personen verschüttet und getötet. Auf der ganzen Insel
ist der Verkehr unterbrochen, da überall Wege und Brücken zerstört wurden. Die Flüsse führen Hochwasser mit sich und sind mehrfach über die Ufer getreten. Der angerichtete Materialschaden ist groß. Die Regenfälle, die bereits zwei Tage ohne Unterbrechung niedergehen, dauern zur Zeit noch an. Auch auf Java hat man unter starken Regen- güssen zu leiden. So trat in der Residenzstadt Solo der durch Regengüsse stark angeschwollene Fluß Kali Temoen über die Ufer. Zahlreiche Häuser wurden weggespült. Zwei Personen ertranken; ganze Herden find umgekommen.
Zwei Todesopfer einer Pilzvergiftung.
In einer der letzten Nächte st a r b e n im Ma- rienhospital in Altenessen bei Essen iber 69 Jahre alte Berginoalide Franz V a n e c e k und der acht- jährige Schüler Herbert Wenzel an Pilzver- g t f t u n g Familienangehörige, die mit den Ver- storbenen in Kettwig zu Besuch weilten, hatten im Stadtwald Pilze gesucht, die sie zubereiteten und aßen. Bei fünf Personen stellten sich im Laufe des Tages Dergiftungserfcheinungen ein, so daß sie dem Krankenhaus zugeführt werden mußten, wo die beiden Genannten verftarben. Bei den übrigen besteht zur Zeit keine Lebensgefahr.
Raubüberfall im Schnellzug Bukarest—Prag.
Ein verwegener Ueberfall wurde in einer der letzten Nächte von fünf Banditen auf den Schnellzug Bukarest—Prag in der Nähe von der königlichen Sommerresidenz Sinaia in Rumänien ausgeführt. Die Räuber hatten sich in den Zug eingeschmuggelt und versuchten Reisende des Schlafwagens zu berauben. Eine Dame schlug Alarm, woraus die Banditen flüchteten und sich auf den ersten Waggon hinter der Lokomotive zurückzogen, wo sie vom Zugpersonal und einigen Reisenden mit Revolvern in Schach gehalten wur
den. AlS der Zug nahe Sinaia eine Minute auf freier Strecke hielt, sprangen die Räuber ab und entkamen bis auf einen, der von einem Offizier überwältigt wurde. Der Verhaftete gehört einer internationalen Eisenbahndiehesbande an.
„Stunde der SA.-
Der Deutschlandsender teilt mit: In vollem Einvernehmen zwischen oberster SA.-Führung, Neichssendeleitung und Deutschlandsen- dcr ist nunmehr die Stunde der SA. endgültig festgelegt worden. Vorerst findet sie in jeder zweiten Woche am Freitagabend im Anschluß an die Stunde der Nation statt und wird voraussichtlich von allen deutschen Sendern übertragen. Sie wird in dem was sie bringt, eine Herausstellung des kämpferischen deutschen Mannes und des heldischen Gedankens sein. In der ersten Stunde der SA., am Freitag, 1. September, wird der Organisator der braunen Armee, Stabschef Röhm, kurz das Wort nehmen.
Der Lastkahn-Sperrgürtel auf der Oise beseitigt.
Ein gewaltiges Aufgebot von Feuerwehr, Polizei und Marinetruppen war am Freitag an der Oise bei Confluens versammelt, um den Sperrgürtel zu sprengen, den die st r e i k e n d e n Fluh - und Kanalschiffer an dieser Stells durch Zusammenkuppelung ihrer Lastkähne gebildet hatten. Die bereitgehaltene Wafsersprihe brauchte nicht in Tätigkeit zu treten, weil die Aufforderung des Präfekten, Raum zu schaffen, genügte.
Dav brennende Munitionslager bei Lille in die Lust gesprengt.
Um jede weitere Gefahr durch das Brennen des Munitionslagers in Air für la Lys für die Stadt Lille auszuschalten, haben sich die zuständigen Behörden entschlossen, das ganze Lager mit Dynamit indieLustzusprengen. Man schachtete auf zwei Seiten Kanäle aus und füllte sie mit Sprengstoff. Es erfolgten zwei gewaltige Explosionen. Man rechnet damit, datz auch die letzten Reste von Handgranaten, Granaten und Gasbomben zerstört worden sind. Nunmehr wird man an die Aufräumungsarbeiten gehen, da keine Rauchentwicklung mehr festgestellt wurde.
Meine politische Nachrichten.
Die gesamten Dauernführer Deutschlands tagten in Berlin. Der Reichsernährungsminister und Reichsbauernführer Darrs gab den Dauernführern die neuen Linien der kommenden Agrarpolitik bekannt. Die Dauernführer haben die Richtlinien für ihre organisatorische Arbeit in den kommenden Monaten erhalten.
Der preußische Ministerpräsident Göring hat zum Dienstag eine Konferenz von Sachverständigen für Fragen des Tierschutzes und der hiermit zusammenhängenden medizinischen Forschung einberufen. Die Tagung verfolgt den Zweck, durch Besprechung der einzelnen gor- schungs- und Arbeitsgebiete und aller hierbei gegebenen Möglichkeiten zur Verhütung von Tierquälereien für die sofortige volle Auswirkung des Erlasses vom 16. 8. 33 gegen die Vivisektion Sorge zu tragen.
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Das allgemeine Befinden des Adjutanten des Reichskanzlers, Brückner, ist gut. Es wird jedoch eine Hautverpflanzung notwendig sein.
Beamte des Geheimen Staatspolizeiamtes nahmen in der Wohnung des ehemaligen Reichstagsabgeord- neten Karl Hildenbrand in Steglitz eine Haussuchung vor. Hierbei wurden etwa zwei Zentner illegale Druckschriften beschlagnahmt. Hilden- brand ist fe ft genommen worden.
Der Gouverneur des Staates N e u y o r k hat ein Gesetz unterzeichnet, das die Todes st rafe für Entführer vorsieht für den Fall, daß die Opfer nicht vor Beginn des Prozesses freigelassen werden. Lebenslängliches Zuchthaus ist für verschiedene andre Fälle vorgesehen.
Münchhausens tetzieGeschichie
Von Ludwig Böte.
Es war sehr still in Bodenwerder am 22. September 1797. Die Leute lasen draußen die letzten Kartoffeln auf, an die man sich seit den Hunger- jahren des Siebenjährigen Krieges so langsam gewöhnt hatte, und manchmal kroch der scharfe Rauch eines Erdäpfelieuers beizend zu den Gärten hin, in denen die Aepfel brannten, und der Walnußbaum, der an den sonnenwarmen Uferhängen herrlich gedieh, bei dem leisesten Lufthauch prasselnd seinen Fruchtsegen über die dahlienbunten Rabatten schickte. Kinder spielten auf den Gassensteigen, und von den Tennen stob der Dunst des geworfelten Roggens in die klare, beinahe noch sommerliche Luft: der Himmel stand leuchtend und fast schmerzlich-schön über den gebreiteten Buchenwäldern, durch die die Weser gleißend ihre glasgrünen Fluten schob.
Der grauköpfige Major, der eben über die Schiffsbrücke gekommen war, hielt auf der kleinen Anhöhe am Ufer an und sog mit kräftigem Atem seiner Heimat Schönheit in sich.
„So gar kein Wetter heut' für die Flausen, die der alte Kamerad vorhat", meinte er nachdenklich, schritt dann aber schnell seines Weges, bis er gerade vor der Apotheke auf den Königlich Hannoverschen Domänenverwalter Meyringk stieß, der noch ins Feld wollte, und einigermaßen verwundert auf den Major schaute, den man am Nachmittag hier selten zu sehen gewohnt war.
„Geh' Er lieber mit", knurrte der Alte, „und halte Er Maulaffen feil, am Lager unseres Kumpanen und viellieben Wirts, der sachte aus diesem Erdteil zu retirieren gedenkt."
Meyringk hielt erschrocken seinen Stab eine halbe Elle von sich, so daß der Major beinahe zurückfuhr:
„Seitdem er das Biest, die Bährnde, die ihm der saubere Herr von Brunn dort" — er deutete nach Polle hin — ,/mgeschnackt hat, endlich los ist, wird's schlechter mit ihm anstatt besser, und der Holzmindener Regimentsmedikus gibt ihm nur noch Tage."
Der Verwalter sann vor sich hin. Die Frauens- leute und bald alle Wochen das Haus voller Gäste und die Badereisen nach Pyrmont mit allerlei flatterhaftem Volk und dann die mit allen Hunden gehetzten hannöverschen Advokaten, da konnte freilich das Lebensflämmlein, das sowieso nach dem Tode von Frau Iakobine nur noch trübe brannte, langsam erlöschen.
„Komm' Er", entschied der graue Krieger barsch, und hakte sich bei ihm ein, „helfe Er, dem Freunde die letzte Bataille gewinnen!
Sie brauchten nicht weit zu gehen. Nach ein paar Minuten stieg der hohe Giebel des fast bäuerlichen Sitzes derer von Münchhausen, Linie Bodenwerder- Rinteln, aus den braungoldenen Ulmen des Vorgartens; scharf schlug ein Hund an, und der getreue Leibjäger Rosemeyer, der den Herrn auf allen Fahrten begleitet, schloß die nur lose eingehängte Tür auf und konnte kaum des Majors Frage nach dem Befinden des Kranken beantworten.
In der Halle, von deren Wänden überall die fett- famft geformten Iagdbeuteftücke hingen, manchmal ein gedunkeltes Ahnenbild einfassend, war's kühl. Der Diener bat die beiden in das angrenzende Besuchszimmer, in dem man so manchen Pfeifenkopf leergeraucht, und Meyringk fiel's schwer auf die Seele, daß er den Freihern oben lange nicht besucht hatte. Aber man hatte so viel in diesen Wochen zu tun, und die Mahnungen, bis aufs Letzte aus den Domänen herauszuholen, die leeren Kaffen zu füllen, rissen nie ab. Der Major, der seine Gedanken wohl erriet, und der in diesem ungewohnt strengen Geist des Hauses still geworden war, suchte ihn abzulenken. Dann kam der Geistliche herunter und brachte die Aufforderung, ans Sterbelager zu kommen.
Gedrückt schritten sie hinter Ehrwürden dem Pastor primarius Hörnlein her über die mit Decken und Matten belegten Treppen, bis ziemlich am Ende des langen, schmalen Fensterganges der Pfarrer leise und behutsam die Schlafstubentür auftat.
Der Kranke saß aufrecht im Bett und sah lächelnd auf die Getreuen, mit denen er in besseren Tagen so manchen Abend zusammen gewesen. Das vergnügliche Zucken lag wieder um die Mundwinkel, und wenn nicht schon in den Augen sich still der Glanz ferner Welten gespiegelt hätte, man hätte ihn für den allezeit aufgeräumten kaiserlich russischen Rittmeister a. D. Hieronymus Karl von Münch- bausen halten können, über den der entlaufene und spitzbübische Bibliothekar und Münzkabinett-Verwalter Raspe sein schmählich-freches Lügenbuch mit nem guten Namen in die Welt gesetzt, wenn er auch manchmal die Professoren und Skribenten Lichtenberg und Bürger in Göttingen für die eigentlichen Sünder hielt. In Göttingen, dessen Universität mit ihren unzähligen Akademisten einer seines Bluts und Wappenschildes gegründet!
„Bringe Er den Herren die Pfeifen", zwinkerte er Jobst zu, „und vergesse Er auch meinen Meerschaum nicht!
Der Pfarrer, der ans Fenster getreten war, und im Gesangbuch blätterte, wandte sich erschrocken um und schaute fragend auf den Arzt, der ihn nicht aus dem Auge ließ, um ihm zuzuwinken, wenn es aufs
Allerletzte aing, beschwichtigte mit leiser Handbewe- gung, indessen der Diener die dicken Rohre herum- reichte und mit Stahl und Schwamm Feuer zu schlagen begann.
Endlich brannte der Tabak, und auch er hielt den geliebten Meerschaumkopf und zog dann und wann mit aufmunternben Blicken auf die beiden ehrlichen Kumpane, denen das Wasser in den Augen stand. Der Medikus schob die Tür auf und öffnete auf dem Flur vorsichtig einen Fensterflügel. Münchhausen lächelte kaum sichtbar. Ehrwürden Hörnlein betete still vor sich hin. Die Sonne floß abendruhig durch das dichte Weingerank in den schlicht weiß- getündjten Raum mit seinen spärlichen Möbeln.
„In Rußland", hob der Sterbende plötzlich an, und der Mund zuckte wieder ein wenig, „kam ich einst in ein Kloster, allwo ich eine Orgel fand", hier paffte er, „für die hundert Mann den Wind machen mußten. Die Tasten waren so breit, daß ein Heuwagen hätte darauf stehen können. Aus \i- der Seite einer", fügte er hinzu, als er sah, wie der alte Krieger vor ihm ein mühsames Lächeln um seine grauen Kummerfalten bekam. „An jeder hing ein Strick, an dem nach des Küsters Angaben die Männer, die es unten in einer geräumigen Halle hielten, abwechselnd zogen und eine solche Musik machten, daß selbst das zweitausend Fuß hohe Kirchenschiff manchmal umzufallen schien. Ich hatte mein Pferd an der Tür festgebunden und wollte gerade mit einem der Mönche, der ein fünf Fuß langes Sprachrohr bei sich trug, (der Abt hatte eins von Gold, das neunzig Pfund wog), damit er sich in dem ungeheuren Raum bei der Messe verständigen konnte, in die Kirche gehen, als plötzlich wider alle Verabredung die Orgel zu spielen begann. Ich flog, da ich mich nicht wie die Gläubigen in der Bank festgeschnallt hatte, auch keine Bleisandalen wie mein Begleiter trug, hoch und wurde von dem Luftzug über die Orgel gehoben, wo ich gottlob in die Region der dicken Bässe geriet, deren Brausen mich hielt, bis mit einem Male — der Küster mußte wohl alle Register gezogen haben, — der Wind mich aus den geöffneten Fenstern fegte. Ich stieg, von den Liedern zu Gottes Ehre gehoben, immer mehr aufwärts — es wurde so hell mit einmal, ganz hell, und . . ."
Die Pfeife fiel auf die schwere Flauschdecke, Asche stäubte, der Pfarrer hob laut an: „Im Namen..
Münchhausen hörte es nicht mehr.
Vom Städtchen kam Abendläuten. Das nahe Kemnader Kloster antwortete.
Ein Lächeln eigener Art lag um den Mund des Toten, wie immer, wenn er seine Freunde so recht stutzig gemacht hatte.
Oie Welimeinung über die Saar.
Ein deutscher Amerikaner, der Professor Dr. O. E. Lessing, ein ausgezeichneter Kenner seiner Lands- leute und feinfühliger Beobachter der uns feindlichen, insbesondere französischen Propaganda in den Vereinigten Staaten, tritt im Septemberheft von Ve 1 hagen & Klasings Monatshef - t e n der irrigen Meinung entgegen, als werde mit der Volksabstimmung 1935 das Saargebiet ohne Frage frei. Es bedarf vielmehr einer kraftvollen Aufklärung, um die französischen Ansprüche vor der Wettmeinung als unberechtigt erscheinen zu lassen. Auch vor zwölf Jahren hat in Oberschlesien eine Volksabstimmung für Deutschland entschieden und trotzdem ist der wertvollste Teil den Polen zugefallen. Was Ostoberschlesien dort, ist der kohlenreiche Warndt hier. Was würde ein Deutschland günstige Abstimmung helfen, wenn die Franzosen einfach sitzen blieben? Wenn sie bis dahin die ganze Welt davon überzeugt hätten, daß ein Gebiet mit französischen Namen wie Saarlouis doch ohne Zweifel ur^ranzösischer Besitz sein müsse? Ist von deutscher Seite schon irgend etwas geschehen, um dieser Gefahr entgegenzutreten? Die stetig zunehmende Keckheit der Saarkommission, die ein Recht des deutschen Volkstums an der Saar nach dem andern mit Füßen tritt und die so offenbar die Geschäfte Frankreichs besorgt, spricht wirklich deutlich genug. Was weiß vollends die Welt draußen von den Noten der Deutschen an der Saar, in Eupen-Malmedy, Nordfchleswig, Danzig, im Korridor, in Memel, Schlesien? Was weiß die Welt von deutschen Rechten und Ansprüchen überhaupt? Gewiß, es wird viel geschrieben und geredet, und da und dort sind auch im einzelnen moralische Eroberungen zu verzeichnen. Doch alles, was bisher von deutscher Seite und von auswärts für die Sache Deutschlands getan worden ist, kommt bei weitem nicht auf gegen die unablässige, gewissenlose, sehr geschickte und darum äußerst gefährliche Propaganda der Deutschland nach wie vor feindlich gesinnten Volker.
Sochschulnachrichten.
Professor Dr. Hans B l u n t s ch l i, Ordinarius für Anatomie an der Universität Frankfurt am Main, ist an Stelle von Professor Dr. Wilhelm Zimmermann an die Universität Bern berufen worden.
Professor Dr. Karl Rauch, Ordinarius für deutsche Rechtsgeschichte und Handelsrecht an der Universität Kiel, hat einen Auf an die Universität Bonn erhalten.


