Gegenwartsaufgaben der Reichsverkehrspolitik
des
Aus aller Welt
Oie Bekleidung für Angehörige der Lustfahrt.
Berlin, 24. Noo. (TU.) Amtlich wird folgendes richtig gestellt: In der Meldung über die von
Die Zanken in derZulikrisis 1931
Aussprache im Untersuchungsausschuß für das Bankwesen.
ODOI, SÄJ
ERPROBT - BEWÄHRT-SPARSAM
Weltproduktion und der Aufnahmefähigkeit Weltmarktes zugespitzt worden. Einer totalen Ber
ber Verbreitung der im Verlag des „Hamburger Tageblatt" herausgegebenen „NS.-Weltpost". Es sollen fast alle bedeutenden Häfen der Welt angelaufen werden. Die Fahrt geht zunächst über Rotterdam nach Plymouth und von dort weiter über Spanien ins Mittelmeer.
Zuchthaus für einen ehemaligen Lanvrat.
Der frühere Landrat des Kreises Merseburg Dr. G u s k e, zuletzt Vizepräsident beim Oberpräsidium in Koblenz, wurde nach fünftägiger Verhandlung wegen gewinnsüchtiger Untreue in drei Fällen, einfacher Untreue in einem Fall und wegen schwerer B e st e ch u n g in einem Fall von der Strafkammer Halle zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Das beschlagnahmte Geld in Höhe von 23 000 Mark wird dem Staate als verfallen erklärt. Dr. Guske hatte in seiner Eigenschaft als Landrat des Kreises Merseburg die Kreissparkasse und Kommunalkasse dadurch geschädigt, daß er über Vermögenswerte der Kassen eigen- nützig zum Schaden der Kassen oer- fügte. Weiter hatte er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Baukommission Siedlung Dürre n b e r g Bestechungsgelder vom Generaldirektor der AHAG. Direktor Sommerfeld angenommen.
Dreister Raubüberfall auf einen Berliner Arzt.
Ein dreister Raubüberfall wurde in einer der letzten Nächte an einem 56jährigen Arzt in Charlottenburg verübt. Er wurde telephonisch angerufen, angeblich im Auftrage eines Generaldirektors, dessen Frau schwer erkrankt sei. Der Privatwagen des Direktors werde in einigen Minuten Vorfahren und ihn nach der. Wohnung Lindemanns bringen. Als der Arzt auf'die Straße trat, wartete ein großer Privatwagen auf ihn. Der Führer fuhr los und hielt unterwegs kurz an. In diesem Augenblick drangen . drei Mann in den Wagen, stürzten sich auf . dell Arzt, fesselten ihm die Hände und erklärten' ihm, daß er festgenommen sei wegen Devisenvergehens Sie fragten ihn nach seinem Bankkonto und Postscheckheft, durchsuchten ihn und nahmen ihm die Geldbörse und eine goldene Arm- oanduhr ab. Sie richteten weiter Fragen an ihn, wie hoch seine Konten seien und was er für Kriegsauszeichnungen habe. Am Schillerheim wurde der Arzt aufgefordert, den Wagen zu verlassen und 300 Meter weiter zu gehen. Einer der Räuber setzte ihm eine Pistole auf die Brust und erklärte, falls der Arzt sich umdrehen würde, würde auf ihn gchchossen. >Dey Wagen sauste darauf mit hoher Geschwindigkeit davon.
Schiffsbrand im Londoner Hafen.
Nach zehnstündigen außerordentlich schwierigen Löscharbeiten ist es mit einem Aufgebot von über 200 mit Gasmasken ausgerüsteten Feuerwehrleuten und mehreren schwimmenden Feuerlösch- vrähmen gelungen, ein R i e s e n f e u e r an Bord pes 7000-Tonnen-Dampfers Jamaica Produce" im Londoner Hafen zu löschen. Die Feuerwehrleute versuchten zunächst, geschützt durch Gasmasken, auf das Schiff zu gehen, mußten diesen Versuch aber ausgeben. Es blieb nichts anderes übrig, als die Feuerspritzen von den Nachbarschiffen auf den Brand zu richten. Zeitweilig bestand ernste Befürchtung, daß sich eine Explosion an Bord ereignen würde. Unter größter Lebensgefahr wurden Feuerwehrleute an Bord des brennenden Schiffes gesandt, die die Lukenoerschalungen öffneten, so daß die Gase abziehen konnten. Hierbei wurde ein Feuerwehrmann ohnmächtig. Als der große Feuerlöschkran auf der Themse seine Wasserstrahlen auf die rot glühenden Schiffsplatten richtete, bewegte sich das Schiff unter dem Druck der Wasserstrahlen etwa 15 Meter weiter und neue dichte Dampfwolken schossen auf. Das Schiff begann sich langsam auf die Seite zu legen, richtete sich dann aber wieder auf, bis es unter der Last des vielen Wassers, das hineingespritzt wurde, etwas sank. Es gelang dann mit Schneideapparaten Löcher in die Schiffswand zu bohren, so daß sich auch das Hinter- schiff mit Wasser füllte und das Deck nahezu über- spült wurde. Das Schiff ist schon früher von Bränden heimgesucht worden.
dem Reichsminister der Luftfahrt genehmigte Einführung einer besonderen Bekleidung für Angehörige der deutschen Luft- fahrt ist durch ein bedauerliches Versehen ein wichtiger Satz unvoll st ändig wiedergegeben worden. Dieser Satz muß heißen: Die neue ein« erte Bekleidung des Deutschen Luftsportoer-
!s genießt den gleichen Rechtsschutz wie die Uniformen der SA., SS. und des Stahlhelms, wie überhaupt die Fliegerstürme des DLV. diesen Verbänden gleichgestellt sind.
Der Hirsch als Verkehrshindernis.
Auf der Heerstraße bei Berlin rannte an einem der letzten Abende ein Hirsch in einen fahrenden Personenkra f tw a g e n hinein. Hierbei wurden der Kotflügel sowie die Laterne des Autos beschädigt, die beiden Windschutzscheiben zertrümmert. Der Führer des Autos erlitt leichte Schnittwunden im Gesicht, konnte die Fahrt jedoch fortsetzen. Von dem Hirsch konnte keine Spur mehr gefunden werden. Auch Blutspuren waren nicht vorhanden, so daß man annehmen kann, daß das Tier unverletzt entkommen ist.
lleberschwemmung in Neapel.
Die R e g e n f I u t e n, die am Donnerstag von früh bis spät über Neapel niedergegangen sind, haben nicht nur ungeheure Ueberschwernrnun- g e n in den tiefgelegenen Stadtteilen verursacht, sondern auch zu großen Unterbrechungen des Verkehrs der Straßenbahnen geführt, die zum Teil von den Fluten ^um Halten gezwungen wurden. Der offene Fleischmaxkt war in einen See verwandelt, so daß der Verkauf den ganzen Tag unterbleiben mußte. An einigen Stellen der Stadt stand das Wasser bis zu einem halben Meterhoch.
Wettervoraussage.
Die Störungstätigkeit übet den -Palktmlänüern hat sich verstärkt unb greift bis über ganz Deutschland vor. Nordwestlich davon zieht sich.ein schmales Hochdruckgebiet von den britischen.Jnseln über Skandinavien nach Finnland hin: wird aber durch die neue kräftige Jslanbstsirung weiter eingaengt, so daß sein Einfluß bei uns nicht bedeutend wird. Wohl haben die Winde in Deutschland schon größten- teils nach Nordosten umgxdreht, doch gelangt da- durch ziemlich feuchte Kaltluft vor, so daß das Wet- ter noch unfreundlich bleibt:: Die Temperaturen wer- den auch tagsüber iü Gefrierpunktnähe liegen, und Zeitweise kommt es. noch zu leichteren Niederschlä- gen, die teils, besonders in den Bergen, als Schnee nicdergehen. ' ...
Aussichten für Sonntag: Teils trübe, teils, .mehr wechselnd-wolkig mit kurzem Aufklaren, Xcmperaturea um Null, noch einzelne schauerartige ^Niederschlage, teils als Schnee.
All -sichten für Montag : Nachlassen der ^"kderschlagstatigkeit, aber kein beständiges Wetter.
Lufttemperaturen am 24. November: mittags o Grad Celsius, abends 3,9 Grad; am 25. November: sorgens 1,5 Grad. Maximum 5,3 Grad, Minimum 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. November: abends 3,4 Grad; am 25. November: morgens 2,1 Grad Eelfillr. — Niederschläge 4,3 mm.
Berlin, 24. Nov. (TU.) Reichspost- und Reichs- verkehrsminifter Frhr. von Eltz-Rübenach sprach vor der Presse über „Gegenwartsausgaben der Reichsverkehrspolitik". Er führte u. a. aus: Das erste Ziel des Reichsverkehrsminister^ ist die Lösung der außenpolitischen Bindun- gen und die Anerkennung der Gleichberechtigung auch auf dem Gebiete des Verkehrs. Eine Aenderung des Reichsbahngesetzes kann nur darin bestehen, daß die Reichsbahn als ein dem Reich gehörendes selbständiges Unternehmen dem maßgebenden Einfluß des Reiches unterstellt wird. Im Augenblick aber ist eine Umgestaltung des Reichsbahngesetzes noch nicht möglich. Wir behalten das Ziel der Loslosung der Reichsbahn von den Bindun- gen des Young-Plans unverrückt im Auge müssen uns aber vorläufig mit dem bestehenden Zustande abfinden. Viel schwieriger sind die internationalen Bindungen auf dem Gebiete unserer großen deutschen Ströme. Die deutsche Regierung hat niemals daran gedacht, die großen Ströme irgend einem Staat zu verschließen. Etwas ganz anderes aber ist cs, wenn letzt der deutschen Regierung in den Strom- komissionen Aufsichtsorgane aufgezwungen worden sind, deren Beschlüssen sie sich zu fügen hat und deren Au)amn^n'efcun9 un& Stimmenoerteilung nach politischen Gesichtspunkten erfolgt. Es bleibt die Auf- gäbe der Reichsregierung, die internationale Zusammenarbeit für die Ströme auf die Ufer« ftaaten zu beschränken.
33ertet>repoiihf fördert den Rerchsgedanken.
Das zweite große Ziel in der Derkehrspolitik ist die Durchführung des Reichsgedankens gegenuber innerdeutschen Bindungen. So sehr die Reichsbahn auf die Eigenart der deutschen Länder Rücksicht nimmt und die besonderen wirtschaftlichen Bedürfnisse der einzelnen Landes- teile zu befriedigen bestrebt ist, so muß sie sich doch m ihrer Verwaltungsführung und Tarifgestaltung in erster Linie von Dem Reichsgedanken bestimmen lassen. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, daß die Reichsbahngesellschaft die Freiheit bekommt, Behörden aufzuheben, die keine Daseinsberechtigung mehr haben. Die wichtigste Aufgabe der Mass erst raßenverwaltüng ist die Vollendung des Mittellandkanals. Wer die Wafferstra- ßenkarte Deutschlands, unbefangen anfieht, muß erkennen, daß eine Verbindung des westlichen und des östlichen Wasserstraßensystems unerläßlich ist. Es ist falsch, einen. Kanal nach dem Maßstab privat- wirtschaftlicher Rentabilität zu beurteilen. Kanäle sind immer ein Geschenk an die Wirtschaft und müssen dort eingesetzt werden, wo es gilt, die Wirtschaft zu entwickeln. Es wird aber immer eine der vornehmsten Aufgaben der Regierung sein, die Rücksichten auf die übrigen Verkehrsmittel zu wah- ren. Die zweite große Aufgabe des Verkehrswaiser- baues ist die Herstellung der Verbindung vom Main bis zur Donau. Der dritte Bau, die Kanalisierung des Neckars, geht bis Heilbronn ihrer Vollendung entgegen. Wir müssen Daran denken, in verstärktem Umfange unsere natürlichen Ströme auszubauen. Wir müssen den Strömen durch Regulierung eine gleichmäßige Wasserführung geben und durch Aufspeicherung in Talsperren Zuschußwasser bereitstellen. Zu den Serbin- düngen, die gefordert werden müssen, rechne ich Oder, Elbe und Weser und den Dort- mund-Ems-Kanal, der Emden an das Dortmunder Industriegebiet anschließt. Die Wasserstraßenbaupolitik ist für die nächsten Jahrzehnte eine erweiterte Seehafenpolitik. Wir
müssen in steigendem Maße unsere Kraft einfetzen, um den Schiffsverkehr nach den Seehäfen zu verbessern und zu verbilligen.
Kraftwagen und Reichsbahn.
Das dritte große Ziel der Verkehrspolitik ist die einheitliche Zusammenfassung der verschiedenartigen Verkehrsmittel. Die Schwierigkeit liegt in dem Nebeneinanderbestehen der Eisenbahn einerseits und der Binnenschiffahrt und des Kraftverkehrs andererseits. Während der Zwiespalt Eisenbahn-Binnenschiffahrt abflaut, tritt das Problem nun auf in der Teilung des Verkehrs zwischen Eisenbahn und Kraftwagen. Der deutsche Gesetzgeber hat bisher dem Kraftfahrzeug- verkehr eine freie wirtschaftliche Entwicklung angedeihen lassen und dieser Freiheit nur insoweit Schranken auferlegt, als zwingende verkehrspolitische Gründe hierzu nötigten. In Frage kommt eine Ausdehnung des Genehmigungszwanges auf Kraftfahrzeuge aller Art im Linienverkehr und auf dem unregelmäßigen Gelegenheits- und Rundfahrtenoerkehr. Der eigentliche Kernpunkt des Problems liegt aber im Güterverkehr. Hier war eine Befriedung des Wettbewerbsoeryältnisfes bisher nicht eingetreten. Nun hat der Kanzler eingegriffen. Er hat der Reichsbahn aufgegeben, Autobahnen herzustellen und zwar in einer technischen Vollkommenheit, die es gestatten wird, die Vorzüge und Ueberlegenheiten des Kraftwagens zur raschen Entwicklung und Entfaltung zu bringen.
Aus Gründ eingehender Untersuchungen meines Ministeriums sind zwei Losungen erwogen worden: Aufrechterhaltung der Tarifbindung des Güterfernverkehrs in Verbindung mit einer Verschärfung der Tarifkontrolle nicht nur gegenüber den Unternehmern, sondern gleichzeitig auch gegenüberben Verladern und den Spediteuren. Das Bedenken bleibt bestehen, ob diese Maßnahmen ausreichen werden, um den Zweck des Gesetzes au erreichen. Die Bedenken würden auch dann nicht ausgeschaltet, wenn man die Tarifkontrolle den zu einer Zwangs- genossenschaft zusammengefchlossenen Unter» nehmen oder gar der Reichsbahn übertragen würde. Diesen Schwierigsten würde man dadurch aus dem Wege gehen, daß man der Reichsbahn gesetzlich die Verpflichtung auferlegt, die Unternehmer vom Güterfernverkehr in ihrem B e»
(Erinnerungsfeier
am Tage des Durchbruchs bei Brzeziny.
Am 23. November nächsten Jahres jährt sich zum 20. Male der Tag des heldenhaften Durchbruchs bei Brzeziny. Preußischer Staatsrat General der Infanterie L i tz m a n n , der „Löwe von Brzeziny", hat feine alten Mitkämpfer vom 25. Reservekorps und von der 6. und 9. Kavalleriedivi- sion sowie die Angehörigen der Gefallenen zu einem Erinnerungstreffen im nächsten 'Jahre aufgerufen.
Einsturzunglück im Neustrelitzer Gaswerk. — 1 Toter, 2 Schwerverletzte.
Im Städtischen Gaswerk in Neustrelitz ereignete sich beim Abbruch einer Ofenanlage ein schwerer Unglücksfall. Während der Arbeiten löste sich ein schwerer Anker, wodurch der Ofenblock zusammenbrach und vier Arbeiter unter sich begrub. Aerzt- liche Hilfe war sofort zur Stelle. Die verletzten Arbeiter wurden ins Karolinenstift übergeführt, wo einer von ihnen gestorben ist. Von den drei anderen haben sich ein 20jähriger und ein 25jöh- riger Arbeiter schwere Schädelbrüche zu- gezogen, während der vierte Verunglückte mit leich- ten Hautoerletzungen davon kam. Der Unglücksfall ist um so tragischer, als die vier Verunglückten, die der SA. angehören, soeben erst nach längerer Arbeitslosigkeit ihre Arbeit angetreten hatten.
Großer Hotelbrand in Nizza.
Eines der größten Hotels in Nizza, der Mittel-
Ir i e b e mit der Ausführung von Verkehrsleistungen im Nah- ober Fernverkehr auf d i e Dauer von mindestens fünf Jahren z u beschäftigen und ihnen bestimmte Fahr- lei st ungen zu garantieren. Für diese Erwägung war vor allem der Umstand maßgebend, daß die Reichsbahn jetzt selbst zur Verwen- düng von Kraftwagen übergegangen ist. In diesem Jahre sind bereits für 30 Millionen Mark Lastkraftwagen beschafft worden. Gleichgroße Aufträge an die Automobilindustrie in den nächsten ______.
wahren werden erfolgen. Diese Fahrzeuge werben I keine Verluste auch im Fernverkehr Verwenbung finden und die Hotel ist mäh: Lage der Privatunternehmer weiter v e r • i sollte erst im &
Berlin, 23. Nov. Die Untersuchungen des Bankausschusses fanden ihren Fortgang mit den Erörterungen über die ßiquibitätsfrage der Banken. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wies auf das auffällige Versagen der Banken t n der Krise des Juli 1931, die da- mals den an sie gestellten Ansprüchen auf Aus- 3°^un9 nicht hätten Folge leisten können. Dr. Mosler von der OD-Bank führte aus, daß von einer Schuld der Banken nicht gesprochen werden könne, da für die damalige Situation auch politische und Reparationsfragen eine Rolle gespielt hätten. Durch die Wechselwirkungen zwischen Oesterreich und Deutschland seien psychologische Rückwirkungen entstanden. Hierzu sei noch der Zusammenbruch der Nord- wolle gekommen. Keine Bank in irgend einem Land hätte zur damaligen Zeit den an sie ge» stellten Ansprüchen nachkommen können.
Reichsbankpräsident Dr. Schacht legte großen Wert auf die Feststellung, daß auch in anderen Ländern die Lage nicht besser gewesen sei, daß man auch dort Maßnahmen ergriffen habe, um sich zu retten. Der Ansturm in der Juli-Krise sei auf die Reichsbank besonders stark zurückge- fallen, weil die Wechselportefeuilles der Banken er- schöpft gewesen seien. Die ganze deutsche Wirtschaft sei auf ein einziges Reservesystem beschränkt, bas bei ber Reichsbank liege. Es ergebe sich die Frage, ob es nicht möglich fei, unser Bankwesen so zu gestalten, daß zwischen der Reichsbank bzw. der Notenpresse und den Anstürmen der Gläubiger innerhalb des Bankwesens selbst eine Reserve eingebaut werden könne.
Dr. Voß, Bilanzprüfer der JG.-Farbenindustrie, betonte, daß nicht den Banken allein eine Schuld beizumessen fei, sondern daß von allen Seiten ein Versagen Vorgelegen habe. Aus den Ereignissen müsse man die Erfahrung ziehen, daß bei der kurzfristigen Kreditgewährung nicht allzu ängstlich oorgegangen werden dürfe. In nie- len Fällen fei das Streben nach Sicherung der kurzfristigen Kredite von den Danken über- steigert worden, während dagegen die Frage der Verwendung der Kredite nicht genügend geprüft worden fei. Die Kredite seien vielfach zu großen Investitionen und zu anderen Zwecken verwandt worden, so daß eine volkswirtschaftlich höchst bedenkliche Uebersteigerung der Betriebs- kapazitöten die Folge gewesen wäre. Durch das Verlangen nach größtmöglicher Sicherung werde einerseits die Bewegungsfreiheit des Kreditnehmers ungewöhnlich eingeschränkt, anderseits würde den Banken eine Verantwortung für die Betriebsführung ber einzelnen Unternehmungen auf» gebürbet, von der sie sich freihalten sollten. An Stelle der übertriebenen Sicherheitsforderungen müsse eine individuelle Behandlung der kurzfristigen Kredite treten.
Staatssekretär Dr. Feder führte aus, daß die Banken dem ungeheuren Ausstieg der deutschen Wirtschaft, der durch die technische Entwicklung bedingt gewesen sei, gefolgt seien. Der letzte und tiefste Grund der Weltwirtschaftskrise fei technischer Art, da wir uns im Ausgang des technischen Zeitalters befänden. Die Entfremdung zwischen Geldgeber und Geldnehmer habe durch die Hereinnahme ausländischer Kredite eine Verschär- fung erfahren. Die Lage sei noch durch große Fehlinvestitionen und durch die Diskrepanz zwischen
staatlichung des Bankwesens stehe man zwar ablehnend gegenüber, unverkennbar sei jedoch der Wunsch nach einer Führung d e r Wirtschaft über d i e Banken. Das Bankwesen habe höhere Aufgaben der Klärung, Prüfung, Lenkung und Leitung zu erfüllen und wachse damit in die staatliche Sphäre hinein. Die Initiative des Staates müsse auch in der Wirtschaft eingeführt werden. Die private Initiative habe den Zusammenbruch der Wirtschaft nicht verhindern können. Staatssekretär Feder stellte die Forderung auf, daß auch auf diesem Gebiete alles im Sinne des neuen Staates zu geschehen habe und sprach sich für die „Nationalisierung des Geld- und Kreditwe- s e n s" aus.
Die Diskussion wandte sich sodann dem Thema zu, ob die bestehenden personellen Verflechtungen zwischen den Wirtschafts- betrieben und den Geldinstituten zu einer lascheren Kreditgewährung geführt haben. Nach Ansicht Direktor M o s l e r s ist für den Bankier in viel höherem Maße als für einen anderen Kaufmann eine gewisse Jnteressenkollision bä-, burch gegeben, baß er einerseits als Ratgeber bes Kunden zu fungieren habe, andererseits aber auch die Interessen feiner Bank fördern müsse. Besonders treffe dies §u, wenn Bankiers in Aufsichtsräten von Jndustriegesellschaften vertreten wären. Dieser Eintritt sei dem Wunsche der Industrie entsprungen, Fachmänner als Berater zu haben. Die Bank erhalte andererseits einen tieferen Einblick in die Unternehmungen, was für die Kreditgewährung nur von Vorteil fein könne. Staatssekretär Feder warf die Frage auf, ob sich nicht ein generelles Verbot für die Banken, Aufsichtsratsposten in Unternehmungen anzunehmen, wie dies für die Amtswalter der NSDAP, bestehe, günstig auf die gesamte Geschäftsmoral auswirken würde und ob
meerpalast (Le Palais de la Mdditerrann^e) auf der Promenade des Anglais ist am Freitagnachmittag ein Raub der Flammen geworden. Man sah plötzlich dichte Rauchwolken aus dem großen Speisesaal dringen, und noch ehe die Feuerwehr eingetroffen war, hatten die Flammen den Theatersaal und den Spielsaal ergriffen. Die Feuerwehr mußte sich im wesentlichen daraus beschränken, die Front bes Gebäudes zu retten. Im Inneren ist fast alles ausgebrannt. Die Ursache des Feuers ist noch unbekannt. Man vermutet jedoch, daß Brandstiftung oorliegt. Glücklicherweise sind feine, Verluste an Menschenleben zu beklagen. Das "jrenb des Sommers geschlossen und laufe ber nächsten Woche für die Win-
Außenpolitische Hemmungen |
Dem Ruin bewahrt, fonbern auch bie Tarifkontrolle bes nach bem ersten Vorschlag freibleibenben Unternehmertums überflüssig werben.
es nicht zweckmäßig sei, bie Berbinbung zwischen Bankwelt unb Wirtschaft so zu gestalten, baß statt ber jetzt üblichen Aussichtsratsoertretung bie Bank das Recht hat, ihre Beauftragten in die zu ihr in Beziehung stehenden Unternehmungen direkt zu entsenden. Dr. Mosler führte hierzu aus, man schätze in der Industrie die fachliche Erfahrung des Bankiers und berücksichtige feine Stellungnahme zu anderen Fragen des Unternehmens vom Standpunkte des Geldoerkehrs und Finanzwesens. Die früher beobachtete Zusammenballung von unzähligen Aufsichtsratsmandaten in einer Hand dürfe sich natürlich niemals wiederholen. Ein Verbleiben von Bankenoertretern in den Aufsichtsräten industrieller Unternehmungen fei aber nützlich und zweckmäßig gerade im Interesse der betreffenden Gesellschaften selbst. Dr. Fischer von der Reichs- kredit-Gesellschaft erklärte, wenn die persönliche Beziehung zwischen Bankier und Wirtschaftler auf» hören würde, verliere jedes Geschäft einen Teil feiner Grundlage. Derartige Maßnahmen würden nicht dazu beitragen, den Schwierigkeiten zu entgehen, die das Kreditgeschäft mit sich bringt. Es werde immer die Aufgabe der Banken bleiben müssen, den persönlichen Konnex zur Wirtschaft in vermehrtem Maße herzustellen. Dr. Fischer glaubt nicht, daß das Aufsichtsratsamt des Bankenoer- treters diese Beziehungen so eng gestalten könne, daß die Objektivität aufhöre.
terfaifon wieder eröffnet werden. Der „Mittelmeerpalast" in Nizza gilt als einer der schönsten Hotel- bauten der Welt. Er hat über 70 Millionen Fronten gekostet. An seinem Bau ist seinerzeit der amerikanische Milliardär Frank Jay Gould betet- hgt gewesen. — Der erste Wagen der Feuerwehr stieß auf dem Wege zur Brandstelle mit einem Lastwagen zusammen, wobei drei Feuerwehrleute leicht verletzt wurden. Als die Feuerwehr eintraf, hatten sich die Flammen schon über das ganze erste Stockwerk ausgebreitet. Erst nach dreistündiger Arbeit konnte das Feuer gelöscht werben. Der Sachschaben ist noch nicht zu übersehen.
„paul-von-hindenburg-hauv" der Hitlerjugend.
Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach hat em ausführliches Schreiben an den Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet mit ber Bäte, gestatten zu wollen, baß ein großer projektierter Bau ber Hitlerjugenb ben Namen „Paul- von - Hlnbenburg - Haus" erhält. In feiner Eigenschaft als Führer bes beutfchen Jugendher- bergsoerbanbes weift ber Reichsjugenbführer barauf bin, baß bas beabsichtigte „Paul-von-Hinbenburg- Haus" gewissermaßen bie Krönung ber gesamten bisherigen Tätigkeit bes Jugendherbergsverbanbes barstellen soll. Der Jugenbherbergsverbanb hat bem Reichsjugenbführer für biefen Zweck bereits erheb- liche Mittel zur Verfügung gestellt. Das „Paul-von- Hinbenbura-Haus" soll als größte unb mo- b e r n ft e Jugenbherberge ber Welt ein- gerichtet unb mit umfangreichen Sportanlagen ier- bunben werben.
S A.-Marine fährt um bie Welt.
Wie bas „Hamburger Tageblatt" berichtet, haben sich SA.-Manner vom Marinesturmbann Altona mit ber Yacht „Deutschlanb" von Cuxhaven aus auf eine Weife um bie Welt begeben. Die „Deutschland" ist 13 Meter lang und als Kreuzer-Yacht getafelt. Die Fahrt wird etwa 2 Jahre dauern. Der Sinn dieser modernen Wikingerfahrt soll sein, den Ausländsdeutschen sowie auch ben Auslänbern selbst Kunbe von bem neuen Deutschlanb Abolf Hitlers zu geben. Die Weltreisenben haben Filmmaterial unb Schallplatten zu biefem Zweck an Bord. Die allgemeine praktische Betätigung liegt in


