gelischen Oberkirchenrats in Berlin um Beurlau- b u n g von ihren 21 «intern eingekommen: Geheimer und Oberkonsislorialrat D. Dr. Kar - »atz, die Oberkonsistorialräte D. Dr. Jeremias und Prof. D. Dr. Sallin, Feldprobst der Armee D. Schlegel, Henselmann, D Fischer, ferner Lic. Dr. S ö h n g e n und Dr. Böh m. Ebenso wird Generalsuperintendent D. Dr. Dibe - Hu 5 sein Urlaubsgesuch einreichen. Damit ist zugleich der durch den Ausfall der gestrigen Kirchcn- wahlen geforderten Neuordnung in der altpreußi- schcn Landeskirche, der die Genannten in treuer Erfüllung ihrer Beamtenpflichten bisher gedient haben, völlige Freiheit gelassen.
Oie Kirchenwahien in Mecklenburg.
Schwerin, 24. Juli. (TU.) Beim Evangelischen Preßoerbanü für Mecklenburg in Schwerin lag Montag vormittag das Ergebnis aus 95 mecklenburgisch en Kirchengemeinden ein- chließlich Schwerins, aber ausschließlich R o - t o ck vor. Danach erhielten die Deutschen Christen n 44 Gemeinden die Mehrheit, die zwischen 51 bis zum Teil 100 Prozent liegt. In elf Gemeinden herrscht Gleichheit der Sitze zwischen beiden Gruppen. In 23 Gemeinden erhielt die Liste 1 Evangelium und Kirche die Mehrheit. 17 Gemeinden stellten Listen ohne kirchenpolitische Tendenz auf.
Zur Aenderung des Wehrgesetzes
Berlin, 24. 3uli. (TU.) Gegenüber irrtümlichen Auslegungen der Aenderung des Reichs- wehrgesetzes teilt das Reichswehrmini- sterium mit: Das von der Reichsregierung beschlossene Gesetz zur Aenderung des Wehrgesehes von 1921 verfolgt den Zweck, die geltende W e h r v e r s a s s u n g dem veränderten staatsrechtlichen Aufbau des Reiches, der vornehmlich im Reichsstatthaltergesetz seinen Ausdruck gefunden hat, anzupassen und eine Reihe von Einzelbestimmungen des Gesetzes auf Grund der seit längerer Zeit gemachten Erfahrungen auf praktischem militärischem Gebiet zu verbessern. Damit sind die Paragraphen in Wegfall gekommen, die die sogenannten landsmannschaftlichen 'Bestimmungen enthielten. Ferner ist das Recht zur Anforderung militärischer Hilfe bei öffentlichen Rotständen und Unruhen, das bisher den Landesregierungen zustand, auf die Reichs- statthalter übergegangen. Gestrichen sind ferner die Vorschriften des Wehrgesetzes, die die Wahl von Vertrauensleuten und die Wahl einer Heeres-undMarinekam- m e r zur Beratung des Reichswehrministeriums vorsehen. Diese Einrichtungen waren Reste des Soldatenratssystems von 1918, die bereits ihre praktische Bedeutung seit 3ahren verloren hatten.
Weitere Bestimmungen regeln das bisher nur durch eine Verordnung des Reichspräsidenten festgelegte Verfahren bei der fristlosen Entlassung von Soldaten, die sich als unwürdig erwiesen haben. Schließlich erhält der Reichswehrminister noH das Recht, im Bereich der Wehrmacht angestellte Zivilpersonen den für die Soldaten geltenden gesetzlichen Vorschriften zu unterstellen, wenn er dies für die Sicherheit und Schlagfertigkeit der Truppe für erforderlich hält. Bedeutung kann diese Bestimmung in gespannten Lagen, besonders für die Unterstellung der bei den Truppen befindlichen Zivilangestellten und Arbeiter unter die militärischen Strafgesetze und die neu einzurichtende Militärgerichtsbarkeit erlangen.
DieOrdnung desGeireidemarktes
Das Austausch -Ausfuhrverfahren für Getreide
Berlin, 24. Juli. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: 3m „Reichsanzeiger" vorn 25. Juli toirö nunmehr die Ausführungsverordnung zur endgültigen Regelung des Austausch-Ex- PortverfahrensfürGetreide veröffentlicht werden. Danach wird die Ausfuhr von Wei- a2-11’ ^-^oggen und Hafer, Erzeugnisse daraus, sowie bestimmte Erzeugnisse aus Gerste ab 1. August fr 3. ermöglicht. Die endgültige Festsetzung des
Weizenvermahlungszwangs steht zwar noch aus: die Mühlen können jedoch mit Sicherheit damit rechnen, daß ihnen die Möglichkeit der Vermahlung von ausländischem Weizen in einem auch sie befriedigenden Umfange gegeben werden wird. Die Reichsregierung ist sich darüber im Klaren, daß ohne eine solche ausreichende Der- mahlungsmöglichkeit von Auslandweizen, der für den Weizenmarkt mit dem Austauschverfahren erstrebte Erfolg nicht erreicht werden kann.
Die Verordnung sieht ferner vor, daß im Rahmen des Austauschoerfahrens die Ausfuhr von Roggen und Hafer zur Wiedereinfuhr von Gerste oder Mais (Dari) berechtigt. Gemäß den Zusagen, die die Reichsregierung vor kurzem über die Pflege des Austauschverfahrens durch Kauf von Austauschscheinen in der Oeffentlich- keit gemacht hat, ist nunmehr auch die Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse vom Reichsminister für Er- näyrung und Landwirtschaft zu entsprechendem Vorgehen ermächtigt worden
Durch diese Schritte sind die am Getreidemarkt noch herrschenden Unklarheiten über die kommende Entwicklung des neuen Getreidewirtschaftsjahres be - fertigt worden. Falls nicht böswillige Kräfte am Werke sind, müssen von nun ab d i e günstigen Faktoren den Getreidemarkt beherrschen, die von der Regierung geschaffen worden sind und im vorigen Jahre völlig fehlten. Es sind dies:
1. Absperrung jeder zusätzlichen Getreideeinfuhr:
2. der Preisausgleich zwischen Getreide und Futtermitteln;
3. der Fortfall aller künstlichen Verbilli- gungsattionen für (Betreibe und
4. nicht zuletzt die Wiedereingliederung von 2 Millionen Menschen in den Arbeitsprozeß seit Uebernahme der Regierung durch Adolf Hitler.
ZumAbschluß SesReichskonkordaiS
Ser Dank des deutschen Episkopats an den Reichskanzler.
Berlin, 24. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenzen, Kardinal Bertram, Fürsterzbischof von Breslau, hat an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet:
Hochzuverehrender Herr Reichskanzlerl
Anerkennuna und Dank aus Anlaß des 2lbschlusses des Reichskonkordats namens der in der Fuldaer Bischofskonferenz vereinigten Oberhirten auszusprechen, ist der Zweck dieser'Zeilen
Der Episkopat aller Diozösen Deutschlands hat, wie die öffentlichen Kundgebungen erweisen, sobald es nach der Neugestaltung der politischen Verhältnisse durch Ew. Exzellenz Erklärungen ermöglicht wurde, sogleich die aufrichtige und freudige B e reitwilligkeit ausgesprochen, nach bestem Können zusammenzuarbeiten mit der jetzt waltenden Regierung, die die Gewährleistung von christlicher Volkserziehung, die Abwehr von Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, den Opfersinn für das Gemeinwohl und den Schutz der Rechte der Kirche als Leitsterne ihres Wirkens aufgestellt hat. Daß die harmonische Zusammenarbeit von Kirche und Staat zur Erreichung dieser hohen Ziele im Reichskonkordat einen feierlichen Ausdruck und feste, klare Grundlinien gefunden hat, ist insbesondere, nächst der Weisheit des Heiligen Stuhles, dem staatsmännischen Weitblick und der Tatkraft der Reichsregierung zu verdanken. Mit dem tiefen und herzlichen Dank für die rasche Verwirklichung dieser Vereinigung der höchsten Gew Uten verbindet der Episkopat den dringenden Wunsch, daß auch in der Ausführung und Auswirkung ein herzliches und aufrichtiges Entgegenkommen herrschen möge, damit es der Kirche um so leichter werde, die hohen Kräfte unserer heiligen Religion in Förderung von Gottesglauben, Sittlichkeit und treuen Gehorsam gegen die leitenden Autoritäten siegreich zum Wohl von Volk und Vaterland zu entfalten.
In tiefer Verehrung Ew. Exzellenz ganz ergebener gez. A. Card. Bertram.
Oer Katholische Akademiker - Verband an Papst und Reichskanzler.
Maria-Laach, 24. Juli. (CNB.) Der G e n e - ralvorstand des Katholischen Akademikeroerbandes hat aus Anlaß feiner soziologischen Sondertagung an Papst Pius XI. und an Reichskanzler Adolf Hitler folgende Telegramme gesandt:
An Se Heiligkeit Papst Pius XL, Rom
Unsere Tagung in der Benediktiner-Abtei Maria- Laach steht ganz unter dem Eindruck der Bekanntgabe des neuen Reichskonkordats durch den Herrn Vizekanzler o. Papen. Ew. Heiligkeit dankt der Katholische Akademikerverband in tiefster Ehrerbietung für den erneuten Beweis
der väterlichen Liebe für das deutsche Volk. Wir hoffen zuversichtlich, daß die Katholische Kirche in Deutschland einer neuen großen Zeitreligiösen Lebens entgegengeht.
Der Generaloorstand: Kirnberger.
An den Reichskanzler Adolf Hitler, Bayreuth.
Wir durften gestern anläßlich unserer Tagung über die Reichsidee aus dem Munde des Herrn Vizekanzlers von Papen in der Benediktiner-Abtei Maria-Laach die Grundgedanken des soeben unterzeichneten Konkordats vernehmen. Wir erfuhren, in wie weitherziger Weife Sie, Herr Reichskanzler, Ihre Person führend eingesetzt haben für eine großher ° Z >9 e Regelung des Verhältnisses von Kirche und Staat. Wir danken Ihnen, Herr Reichskanzler, für diese säkulare Tat und verbinden damit das Versprechen überzeugter Mitarbeit am Wiederaufbau des neuen Deutschland.
Der Generaloorstand: Kirnberger.
Kunst unv Wissenschaft.
Zum Tode Max von Schillings.
Weber den Tod des gestern verschiedenen Intendanten der Städtischen Oper Charlottenburg, Max von Schillings, wird von unterrichteter Seite folgendes mitgeteilt: Herr von Schillings hatte sich vor 10 Tagen einer Operation unterziehen müssen, und zwar wegen eines Darmgeschwürs. Mit Rücksicht auf das Alter des Kranken und auch auf die schlechte Verfassung des Herzens war beschlossen worden, den notwendigen Eingriff auf zwei Sitzungen zu verteilen. Der erste Eingriff war gut gelungen, so daß die Hoffnung bestand, daß Herr von Schillings in acht bis zehn Tagen den zweiten Teil der Operation wagen könnte. Doch bildete sich eine Embolie von der sich der Kranke zwar noch einmal erholte, bis dann eine zweite Lungenembolie auftrat, die den Tod herbeigeführt hat.
Reichsminister Dr. Goebbels richtete anläßlich des Hinscheidens von Professor Max von Schillings an dessen Gattin Barbara Kemp folgendes Beileidstelegramm. „Zu dem schweren Verlust spreche ich Ihnen, verehrte gnädige Frau, mein herzlichstes Beileid aus. Die deutsche Musik beklagt in Syrern so früh Heimgegangenen Gatten einen ihrer ersten und bewußtesten Vertreter. Sein Andenken wird in allen Kreisen, denen es um eine deutsche Kunst im besten Sinne des Wortes geht, unvergeßlich sein. Reichsminister Dr. Goebbels.
Das plötzliche Hinscheiden von Schillings hat in Danzig, wo der Verstorbene alljährlich als musikalischer Leiter der Zoppoter Waldoper wirkte, tiefe Trauer erweckt. Die Teilnahme ist hier besonders allgemein, da in dieser Woche die Wald- fcstspiele beginnen, an denen Max von Schillings wiederum Mitwirken sollte. — „3n das Reich der Zoppoter Waldoper", so erklärte der künstlerische
Leiter der Zoppoter Waldoper, Intendant Hermann Merz, unter dem unmittelbaren Eindruck der Trauerbotschaft, hat der Tod des hervorragenden Musikers Max von Schillings .eine empfindliche Lücke gerissen. Seit fast 10 Jahren ist Max von Schillings der geschätzte und vielbewunderte Dirigent unserer Richard-Wagner-Fe st spiele gewesen. Mit mir als künstlerischem Leiter der Wald- oper verband ihn eine herzliche Freundschaft, Die in einer äußerst harmonischen und echt künstlerischen Zusammenarbeit ihren Ausdruck fand.
„Das Rheingold" in Bayreuth.
Mit dem ,.R h e i n g o I d"-Abend am Montag hat Bayreuth nach den „Meistersingern" seinen zweiten großen und unbestrittenen Erfolg errungen. Der Märchencharakter des Vorspiels zum Ring des Ribelungen war in der von dem Berliner Generalintendanten T i e t j e n geführten Gesang-Reuinszenierung im höchsten Ausmaß der szenisch-dramatischen Gestaltung durchgeführt. Er wurde hierin unterstützt durch die zauberhaften Bühnenbilder von Emil Preetorius und die jede Bewegungsmöglichkeit ausnuhende Leitung von Friedrich Kranich. Die Rheintöchterszene in ihrer fabelhaften Beweglichkeit war einzig in ihrer Art und wurde stimmlich von dem Terzett der Damen Bunlet, Booth und Weigel getragen. Argewaltig in gesanglichem Ausdruck stellte Robert Burg seinen Alberich in den Mittelpunkt der Aufführung. Der Loge von Fritz Wolff dürfte in der auf das engste mit der Musik verwachsenen Wiedergabe nicht zu übertreffen sein. Bedeutsame Leistungen wiesen neben ihnen noch auf Rudolf Bockelmann (Wotan). Erich Zimmermann (Mime) und Sigrid Onegin (Fricka). Anter Karl Elmendorf f s fest gefügter musikalischer Leitung spielte das Orchester höchst glanz- und ausdrucksvoll und behauptete damit den festlichen Charakter des ersten Ringabends.
Die Bayreuther Festspiele dieses Sommers erhalten ihr besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des Reichskanzlers Adolf Hitler, der, als Wagner-Verehrer bekannt, zusammen mit Reichsminister Dr. Goebbels, dem glanzvollen Auftakt der „Meistersinger" beiwohnte. Der Kanzler nahm, vor dem Festspielhause von der harrenden Menge mit Begeisterung begrüßt, zusammen mit Dr. Goebbels und Wieland Wagner, dem ältesten Sohne Siegfried Wagners, in seiner Loge Pkdtz.
Ehrenvolle Berufung eines ZBormfet Schriftstellers.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, der Anfang 3uli den „Reichs- bund der deutschen Freilicht- und Do l k s s ch a u s p i e I e" errichtet hat, hat den Dichter und Schriftsteller Peter Bauer, Worms, im Hinblick aus seine bisherigen schriftstellerischen Arbeiten in den Dichterkreis und in den Bundesausschuß dieser neuen Organisation berufen. Peter Bauer ist langjähriges Mitglied des Reichs-Verbandes der Deutschen Presse. Den Lesern des Gießener" Anzeigers ist er aus zahlreichen Beiträgen im Feuilleton bekannt.
Bayreuth - das Erbe Richard Wagners.
Von Prof. Dr. Max von Schillings f, Präsidenten derpreußischenAkademiederKünste
Bayreuth - das Wort umschließt seit langem einen ganzen Kulturgedanken. Den Gedanken der deutschen Kultur schlechthin, so will es uns scheinen. Ans, denen es seltsam vorkommt, daß es einmal em Deutschland gab ohne das Werk von Bayreuth.
3n ihren Grundzügen stand Richard Wagners Kunstanschauung bereits in den frühesten Zähren seiner künstlerischen Entwicklung fest. Fmmer wurde Kunst von ihm als religiöse Tat empfunden,^die für ihre Entfaltung des festlich geweihten Raumes bedurfte. Des festlich geweih- ten äußeren Raumes ebenso wie - bei Gebern un& Empfängern - des festlich geweihten inneren. 3mmer galt dem Meister Kunst als die schönste Form der Offenbarung göttlichen Seins im Men- schen durch die Kraft des Gebildes. Was Wun- der, daß er anfangs vereinzelt dastand inmitten behäbig gewordenen, dem Richts als ^fälligen zugetanen Zeit! Entrüstete er sich Theater allerorts herrschenden ?r.an9 er mit der ganzen Leiden- schaftlichkeit seiner titamschen Ratur auf Ab- hiE«.,so zuckte man gelassen die Achsel: Ein Schwärmer, dieser junge Wagner... nun ja Her der unbekannte kleine Kapellmeister des Stadttheaters von Magdeburg, den die Strenae seiner Qualitatsforderung in schroffen Gegensatz zu den beguemeren, von Sängern und Orchester geübten Methoden brachte, schichtete schon, angetrieben von dem starken Wollen seiner instinkt- sicheren Seele, unbewußt in sich selber Baustein um Baustein zum späteren Tempel von Bayreuth.
Der Gedanke, der Kunst eine Weihestätte zu schaffen, trat bei Wagner zum ersten Male durch eine Denkschrift in Erscheinung, die er als Dresdener Hofkapellmeister im 3ahre 1848 verfaßte Diese Denkschrift hieß, durchaus bezeichnenderweise, „Entwurf zur Organisation eines deutschen R a t i o n a l t h e a t e r s".
Die 3dee sollte sich rasch verdichten. Als Wagner an dem Entwurf der gigantischen Komposition des Rings der Ribelungen arbeitete nahm der Plan, ein Festspielhaus errichten zü lassen, das seinen Werken den priesterlich reinen Rahmen gab, entsprechend der erhöhten Ebene
ihres Daseins, greifbare Gestalt an. „Die Ri- o€lungen", schreibt der Meister an seinen Freund Liszt, möchte ich selbst nur in Gedanken nicht im mindesten mit einem Kalkül beflecken und sie möglichst ganz mir auch in dieser Hinsicht rein erhalten." Der Gedanke einer praktischen Verwirklichung der Festspielidee gibt sich in seiner ursprünglichen Form allerdings durch einen überschwänglichen Beschluß kund. Ein phantastisches Projekt schwebt dem in Zürich lebenden Meister vor Er möchte auf einer schönen Wiese in der -Nahe der Stadt aus Brettern und Dalken ein äußerlich primitives Theater nach eigenem Plane erbauen lassen und eine Aufführung von „Sieg- srieds Tod" veranstalten. Der Ribelungenentwurf war, wie bekannt, zuerst in einem einzigen Werk enthalten. Die geeignetsten Sänger wollte Wag- £.er , dieser Ausgabe betrauen und zugleich durch Zeitungsinserate alle Freunde seiner Kunst zu diesem außerordentlichen Fest einladen. Der Eintritt sollte frei fein. Auch Züricher Bürger und zwar Vertreter der intellektuellen Kreise' so.lten an der Feier teilnehmen. Rach drei mustergültigen Ausführungen von „Siegfrieds Tod , die im Laufe einer Woche stattfinden follten, wollte Richard Wagner das Theater abreißen lassen und die Partitur verbrennen. Der Feuergeist Richard Wagners flammt in diesem wahrhaft phantastischen Projekt mit feiner qan« 3«n Gewalt auf. Einige 3ahre später spricht bereits hon feinem Wunsch, „in einem zweckentsprechenden Theater ein 3ahr lang alle [eine Werke aufzufübren". Roch einige Fahre iDater, und zwar im Fahre 1862, bezeichnet er bas geplante Festspielhaus als eine dauernd
«wik ein-, zwei- oder dreijähriger Wiederholung". Aus akustischen Gründen verlangt Wagner ein verdecktes Orchester Es ist überaus interessant, bei dieser Gelegenheit sich daran zu erinnern, daß bei Opernaufführunaen * «F^renz im 17. Fahrhundert am fürstlichen das Orchester sich hinter der Bühne be- fanfr Aber auch der französische Meister wJ-ei iS 1>erIon9t gleichfalls in einer Denk- . , cr -Vorschlag zu einem neuen Thea-
™erLein verdecktes Orchester, bei dem man weder Musiker noch die Beleuchtung der Pulte sehen kann. And selbst bei Goethe, der sich mit dem Problem der Oper nicht wenig beschaf. vgt hatte, können wir es lesen, „daß das Orchester soviel als möglich verdeckt fein soll".
a™ 22. Mai 1872, am 59. Geburtstag des Meisters, konnte die Grundsteinlegung des Fe st -
Lfc1 e 1 u f e 8 tnJ Bayreuth stattfinden. 2lber nach der Grundsteinlegung setzte der Kampf um die Verwirklichung eines großen Gedankens von neuem ein, schlimmer als je. Weder die breite Öffentlichkeit noch die Presse hatten ein Verständnis von der ungeheuren Bedeutung eines Theaters, das der Pflege der nationalen deutschen Kunst gewidmet fein sollte. Als Kuriosum sei vermerkt, daß sich der Khedive von Aegypten- mit einer Spende von 10 000 Mark als der großzügigste Mäzen der deutschen Festspiele erwies. Allerdings soll dem Khediven hierbei ein kleiner 3rrtum unterlaufen fein: wie man sagt, habe er Bayreuth mit Beirut verwechselt! Ein im Auftrage der zahlreichen Wagnervereine erfolgter Aufruf an mehrere Tausend deutsche Buch- und Musikalienhändler brachte hingegen nicht das er- poffte Resultat. Schon besonders zu erwähnen ist, daß ein paar deutsche Studenten in Gießen einige Goldfüchse für das Festspielhaus zeichneten. Freilich bot eine in Berlin gegründete Gesellschaft dem Meister eine Riesenfumme an, um die Fest- fpiele in die Reichshauptstadt zu verlegen. Der Meister wollte aber die Aufführung seiner Werke nur außerhalb des Betriebs der Großstadt im friedlichen Bayreuth erleben. Als im Fahre 1874 das Scheitern des Antemehmens unabwendbar schien, gewährte K ö n i g Ludwig II. von Bayern, der edle Gönner Richard Wagners, ein Darlehen aus feiner Privatschatulle. Erst diese hochherzige Spende ermöglichte den Dau des Festspielhauses. 3m Sommer 1876 wurde das Haus mit der festlichen Aufführung des gesamten Ri- belungenrings eingeweiht.
Heute mehr denn je erweist der Gedanke der Festspiele seine Derechtigung. Draußen ist noch die zermürbende Sorge des Alltags. Wer aber das Festspielhaus betritt, der betritt heiliges Land ®ebieterifd) schaltet die Erhabenheit des Raumes Eindrücke der Außenwelt aus. Hier kann die Gemeinde, zu der das Publikum von Bayreuth ge° Zaiaßig vom ersten Augenblick an zusammenge- schlossen wird, in voller Ruhe ungekürzte Aufführungen genießen. Ohne von den Weisungen des Meisters abzuweichen, sind die Aufführungen durch eine moderne Theatertechnik auch dem gegenwärtigen Bühnengeschmack und Gefühl nahegebracht. Zwischen Bayreuth und der Außen-
°°^e?er es sich Nicht verschlossen halten stets eine gegenseitig befruchtende QBerff°a a.ulVm Wagnerjahr das b ?B(ignird’ ln der Inszenierung dem CrCr 2cf9er angepaßt, als wahres Weibefeftspiel neu entstehen, damit wir in ihm
ein ewig lebendiges Erbe erkennen. And dies ist es gerade, woraus es ankommt. Denn wissen wir es nicht, daß es Ramen gibt, deren Ruhm die Wirkung beschattet? — Lessing hat es deutlich einmal ausgesprochen:
„Wer wird nicht einen Klopstock loben? Doch wird ihn jeder lesen? — Rein! — Wir wollen weniger erhoben
And häufiger gelesen sein."
Rein — bei Wagner liegt der Fall glücklicherweise anders, ganz anders. Wir „loben" Wagner nicht nur, wir „erheben" ihn nicht nur: sein Werk lebt mit einer uns unendlich bedünkenden Gegenwärtigkeit in uns. 3n unserem Ohre, in unserem Dlute in unserem Herzen. And stolz dürfen wir es bekennen, wir Deutschen: Bayreuth, des großen Meisters große Schöpfung, ist wahrhaft
Tonfilm-Lustspiel.
Die kleine Magda Schneider, die wir in der ooriaen Woche als Christine in „Liebelei" sahen, erscheint diesmal als „Fräulein vom Ämt" in einem musikalischen Lustspiel der DLS.-AG bas in her schonen Zeit vor dem Selbstanschluß spielt, wo man sich seine falschen Verbindungen am Tele- phon noch nicht allein besorgte. Die große Fern- nfplhnf^m6 $Jrlnt mie geschaffen, um die lust- hpr Sf, Verwicklungen herzuftellen, die sich aus Der Vertauschung zweier Verabredungen ergibt; es bedarf keiner ausschweifenden Phantasie, die Lösung zu finden: nach gehöriger Verwechslung und Verwirrung kommt es zu einem zärtlichen happy end, fnmhnriT1 ".edl'.che Nachttischlämpchen eine ebenso symbolische wie einleuchtende Rolle spielen. Magda no? V•'b * r ' eine reizende Telephonistin; Johan- h»r eleganter Berliner Bonvivant;
&l?e Onkel T iedtke, der die ganze (Be. jd)id)te wieder in Ordnung bringt; Trude Ber- emem erstaunlichen Redeschwall begabt;
;v£bvtn.unb Flokina von Platen bilden n»» zusammenspielende Ensemble in dem ten nnnntMr°?ft,9unb unterhaltsam inszenier- -c;*fnDOn ° 0 Stransky Mit ein paar munteren ©djlagern ausgestatteten Lustspiel „Fräulein — BHnn? t ° e rQb U/?re ~ 3m Beiprogramm ’RpnnrtrtAö3 1 f P ’ e l f) a u s eine interessante hpm N'esendampfer „Bremen". Außer-
dem eine Buhnenschau: die Gymnastiklehrerin Maja
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Äinöcrgruppen ihrer Schülerinnen und zwei hübsche -volotanze, die lebhaften Beifall andern — ' ‘
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