Ausgabe 
25.7.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

gelischen Oberkirchenrats in Berlin um Beurlau- b u n g von ihren 21 «intern eingekommen: Geheimer und Oberkonsislorialrat D. Dr. Kar - »atz, die Oberkonsistorialräte D. Dr. Jeremias und Prof. D. Dr. Sallin, Feldprobst der Armee D. Schlegel, Henselmann, D Fischer, ferner Lic. Dr. S ö h n g e n und Dr. Böh m. Ebenso wird Generalsuperintendent D. Dr. Dibe - Hu 5 sein Urlaubsgesuch einreichen. Damit ist zu­gleich der durch den Ausfall der gestrigen Kirchcn- wahlen geforderten Neuordnung in der altpreußi- schcn Landeskirche, der die Genannten in treuer Erfüllung ihrer Beamtenpflichten bisher gedient haben, völlige Freiheit gelassen.

Oie Kirchenwahien in Mecklenburg.

Schwerin, 24. Juli. (TU.) Beim Evangeli­schen Preßoerbanü für Mecklenburg in Schwerin lag Montag vormittag das Ergebnis aus 95 meck­lenburgisch en Kirchengemeinden ein- chließlich Schwerins, aber ausschließlich R o - t o ck vor. Danach erhielten die Deutschen Christen n 44 Gemeinden die Mehrheit, die zwischen 51 bis zum Teil 100 Prozent liegt. In elf Gemeinden herrscht Gleichheit der Sitze zwischen beiden Grup­pen. In 23 Gemeinden erhielt die Liste 1 Evange­lium und Kirche die Mehrheit. 17 Gemeinden stell­ten Listen ohne kirchenpolitische Tendenz auf.

Zur Aenderung des Wehrgesetzes

Berlin, 24. 3uli. (TU.) Gegenüber irrtüm­lichen Auslegungen der Aenderung des Reichs- wehrgesetzes teilt das Reichswehrmini- sterium mit: Das von der Reichsregierung be­schlossene Gesetz zur Aenderung des Wehrgesehes von 1921 verfolgt den Zweck, die geltende W e h r v e r s a s s u n g dem veränderten staatsrechtlichen Aufbau des Rei­ches, der vornehmlich im Reichsstatthaltergesetz seinen Ausdruck gefunden hat, anzupassen und eine Reihe von Einzelbestimmungen des Ge­setzes auf Grund der seit längerer Zeit gemach­ten Erfahrungen auf praktischem militärischem Gebiet zu verbessern. Damit sind die Para­graphen in Wegfall gekommen, die die soge­nannten landsmannschaftlichen 'Be­stimmungen enthielten. Ferner ist das Recht zur Anforderung militärischer Hilfe bei öffent­lichen Rotständen und Unruhen, das bisher den Landesregierungen zustand, auf die Reichs- statthalter übergegangen. Gestrichen sind ferner die Vorschriften des Wehrgesetzes, die die Wahl von Vertrauensleuten und die Wahl einer Heeres-undMarinekam- m e r zur Beratung des Reichswehrministeriums vorsehen. Diese Einrichtungen waren Reste des Soldatenratssystems von 1918, die bereits ihre praktische Bedeutung seit 3ahren verloren hatten.

Weitere Bestimmungen regeln das bisher nur durch eine Verordnung des Reichspräsidenten fest­gelegte Verfahren bei der fristlosen Entlas­sung von Soldaten, die sich als unwürdig erwiesen haben. Schließlich erhält der Reichswehr­minister noH das Recht, im Bereich der Wehrmacht angestellte Zivilpersonen den für die Sol­daten geltenden gesetzlichen Vorschriften zu unter­stellen, wenn er dies für die Sicherheit und Schlag­fertigkeit der Truppe für erforderlich hält. Bedeutung kann diese Bestimmung in gespannten Lagen, be­sonders für die Unterstellung der bei den Truppen befindlichen Zivilangestellten und Arbeiter unter die militärischen Strafgesetze und die neu einzurichtende Militärgerichtsbarkeit erlangen.

DieOrdnung desGeireidemarktes

Das Austausch -Ausfuhrverfahren für Getreide

Berlin, 24. Juli. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: 3mReichsanzeiger" vorn 25. Juli toirö nunmehr die Ausführungsverordnung zur endgültigen Regelung des Austausch-Ex- PortverfahrensfürGetreide veröffent­licht werden. Danach wird die Ausfuhr von Wei- a2-11 ^-^oggen und Hafer, Erzeugnisse daraus, so­wie bestimmte Erzeugnisse aus Gerste ab 1. August fr 3. ermöglicht. Die endgültige Festsetzung des

Weizenvermahlungszwangs steht zwar noch aus: die Mühlen können jedoch mit Sicher­heit damit rechnen, daß ihnen die Möglichkeit der Vermahlung von ausländischem Weizen in einem auch sie befriedigenden Umfange gegeben werden wird. Die Reichsregierung ist sich darüber im Klaren, daß ohne eine solche ausreichende Der- mahlungsmöglichkeit von Auslandweizen, der für den Weizenmarkt mit dem Austauschverfahren er­strebte Erfolg nicht erreicht werden kann.

Die Verordnung sieht ferner vor, daß im Rahmen des Austauschoerfahrens die Ausfuhr von Roggen und Hafer zur Wiedereinfuhr von Gerste oder Mais (Dari) berech­tigt. Gemäß den Zusagen, die die Reichsregierung vor kurzem über die Pflege des Austauschverfahrens durch Kauf von Austauschscheinen in der Oeffentlich- keit gemacht hat, ist nunmehr auch die Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirt­schaftliche Erzeugnisse vom Reichsminister für Er- näyrung und Landwirtschaft zu entsprechendem Vor­gehen ermächtigt worden

Durch diese Schritte sind die am Getreidemarkt noch herrschenden Unklarheiten über die kommende Ent­wicklung des neuen Getreidewirtschaftsjahres be - fertigt worden. Falls nicht böswillige Kräfte am Werke sind, müssen von nun ab d i e günstigen Faktoren den Getreidemarkt beherr­schen, die von der Regierung geschaffen worden sind und im vorigen Jahre völlig fehlten. Es sind dies:

1. Absperrung jeder zusätzlichen Getreide­einfuhr:

2. der Preisausgleich zwischen Getreide und Futtermitteln;

3. der Fortfall aller künstlichen Verbilli- gungsattionen für (Betreibe und

4. nicht zuletzt die Wiedereingliederung von 2 Millionen Menschen in den Arbeitsprozeß seit Uebernahme der Re­gierung durch Adolf Hitler.

ZumAbschluß SesReichskonkordaiS

Ser Dank des deutschen Episkopats an den Reichskanzler.

Berlin, 24. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenzen, Kardi­nal Bertram, Fürsterzbischof von Breslau, hat an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet:

Hochzuverehrender Herr Reichskanzlerl

Anerkennuna und Dank aus Anlaß des 2lbschlusses des Reichskonkordats namens der in der Fuldaer Bischofskonferenz vereinigten Oberhirten auszusprechen, ist der Zweck dieser'Zeilen

Der Episkopat aller Diozösen Deutschlands hat, wie die öffentlichen Kundgebungen erweisen, sobald es nach der Neugestaltung der politischen Verhält­nisse durch Ew. Exzellenz Erklärungen ermöglicht wurde, sogleich die aufrichtige und freudige B e reitwilligkeit ausgesprochen, nach bestem Können zusammenzuarbeiten mit der jetzt waltenden Regierung, die die Ge­währleistung von christlicher Volkserziehung, die Abwehr von Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, den Opfersinn für das Gemeinwohl und den Schutz der Rechte der Kirche als Leitsterne ihres Wirkens auf­gestellt hat. Daß die harmonische Zusammenarbeit von Kirche und Staat zur Erreichung dieser hohen Ziele im Reichskonkordat einen feier­lichen Ausdruck und feste, klare Grund­linien gefunden hat, ist insbesondere, nächst der Weisheit des Heiligen Stuhles, dem staatsmänni­schen Weitblick und der Tatkraft der Reichsregierung zu verdanken. Mit dem tiefen und herzlichen Dank für die rasche Verwirklichung dieser Vereinigung der höchsten Gew Uten verbindet der Episkopat den dringenden Wunsch, daß auch in der Ausfüh­rung und Auswirkung ein herzliches und aufrichtiges Entgegenkommen herrschen möge, damit es der Kirche um so leichter werde, die hohen Kräfte unserer heiligen Religion in Förderung von Gottesglauben, Sittlichkeit und treuen Gehorsam gegen die leitenden Autoritäten siegreich zum Wohl von Volk und Vaterland zu ent­falten.

In tiefer Verehrung Ew. Exzellenz ganz ergebener gez. A. Card. Bertram.

Oer Katholische Akademiker - Verband an Papst und Reichskanzler.

Maria-Laach, 24. Juli. (CNB.) Der G e n e - ralvorstand des Katholischen Akade­mikeroerbandes hat aus Anlaß feiner sozio­logischen Sondertagung an Papst Pius XI. und an Reichskanzler Adolf Hitler folgende Telegramme gesandt:

An Se Heiligkeit Papst Pius XL, Rom

Unsere Tagung in der Benediktiner-Abtei Maria- Laach steht ganz unter dem Eindruck der Be­kanntgabe des neuen Reichskonkor­dats durch den Herrn Vizekanzler o. Papen. Ew. Heiligkeit dankt der Katholische Akademikerverband in tiefster Ehrerbietung für den erneuten Beweis

der väterlichen Liebe für das deutsche Volk. Wir hoffen zuversichtlich, daß die Katholische Kirche in Deutschland einer neuen großen Zeitreli­giösen Lebens entgegengeht.

Der Generaloorstand: Kirnberger.

An den Reichskanzler Adolf Hitler, Bayreuth.

Wir durften gestern anläßlich unserer Tagung über die Reichsidee aus dem Munde des Herrn Vizekanzlers von Papen in der Benediktiner-Abtei Maria-Laach die Grundgedanken des so­eben unterzeichneten Konkordats ver­nehmen. Wir erfuhren, in wie weitherziger Weife Sie, Herr Reichskanzler, Ihre Person füh­rend eingesetzt haben für eine großher ° Z >9 e Regelung des Verhältnisses von Kirche und Staat. Wir danken Ihnen, Herr Reichskanzler, für diese säkulare Tat und verbinden damit das Versprechen überzeugter Mitarbeit am Wiederaufbau des neuen Deutschland.

Der Generaloorstand: Kirnberger.

Kunst unv Wissenschaft.

Zum Tode Max von Schillings.

Weber den Tod des gestern verschiedenen Inten­danten der Städtischen Oper Charlottenburg, Max von Schillings, wird von unterrichteter Seite folgendes mitgeteilt: Herr von Schillings hatte sich vor 10 Tagen einer Operation unterziehen müs­sen, und zwar wegen eines Darmgeschwürs. Mit Rücksicht auf das Alter des Kranken und auch auf die schlechte Verfassung des Herzens war beschlossen worden, den notwendigen Eingriff auf zwei Sitzun­gen zu verteilen. Der erste Eingriff war gut ge­lungen, so daß die Hoffnung bestand, daß Herr von Schillings in acht bis zehn Tagen den zweiten Teil der Operation wagen könnte. Doch bildete sich eine Embolie von der sich der Kranke zwar noch einmal erholte, bis dann eine zweite Lungenembolie auf­trat, die den Tod herbeigeführt hat.

Reichsminister Dr. Goebbels richtete anläßlich des Hinscheidens von Professor Max von Schil­lings an dessen Gattin Barbara Kemp folgen­des Beileidstelegramm.Zu dem schweren Verlust spreche ich Ihnen, verehrte gnädige Frau, mein herz­lichstes Beileid aus. Die deutsche Musik beklagt in Syrern so früh Heimgegangenen Gatten einen ihrer ersten und bewußtesten Vertreter. Sein Andenken wird in allen Kreisen, denen es um eine deutsche Kunst im besten Sinne des Wortes geht, unvergeß­lich sein. Reichsminister Dr. Goebbels.

Das plötzliche Hinscheiden von Schillings hat in Danzig, wo der Verstorbene alljährlich als musikalischer Leiter der Zoppoter Waldoper wirkte, tiefe Trauer erweckt. Die Teilnahme ist hier besonders allgemein, da in dieser Woche die Wald- fcstspiele beginnen, an denen Max von Schillings wiederum Mitwirken sollte.3n das Reich der Zoppoter Waldoper", so erklärte der künstlerische

Leiter der Zoppoter Waldoper, Intendant Hermann Merz, unter dem unmittelbaren Eindruck der Trauerbotschaft, hat der Tod des hervorragenden Musikers Max von Schillings .eine empfindliche Lücke gerissen. Seit fast 10 Jahren ist Max von Schillings der geschätzte und vielbewunderte Dirigent unserer Richard-Wagner-Fe st spiele ge­wesen. Mit mir als künstlerischem Leiter der Wald- oper verband ihn eine herzliche Freundschaft, Die in einer äußerst harmonischen und echt künstleri­schen Zusammenarbeit ihren Ausdruck fand.

Das Rheingold" in Bayreuth.

Mit dem ,.R h e i n g o I d"-Abend am Montag hat Bayreuth nach denMeistersingern" seinen zweiten großen und unbestrittenen Erfolg errun­gen. Der Märchencharakter des Vorspiels zum Ring des Ribelungen war in der von dem Ber­liner Generalintendanten T i e t j e n geführten Gesang-Reuinszenierung im höchsten Ausmaß der szenisch-dramatischen Gestaltung durchgeführt. Er wurde hierin unterstützt durch die zauberhaften Bühnenbilder von Emil Preetorius und die jede Bewegungsmöglichkeit ausnuhende Leitung von Friedrich Kranich. Die Rheintöchterszene in ihrer fabelhaften Beweglichkeit war einzig in ihrer Art und wurde stimmlich von dem Terzett der Damen Bunlet, Booth und Weigel getragen. Argewaltig in gesanglichem Ausdruck stellte Robert Burg seinen Alberich in den Mittelpunkt der Aufführung. Der Loge von Fritz Wolff dürfte in der auf das engste mit der Musik verwachsenen Wiedergabe nicht zu übertreffen sein. Bedeutsame Leistungen wiesen neben ihnen noch auf Rudolf Bockelmann (Wotan). Erich Zimmermann (Mime) und Sigrid Onegin (Fricka). Anter Karl Elmen­dorf f s fest gefügter musikalischer Leitung spielte das Orchester höchst glanz- und ausdrucksvoll und behauptete damit den festlichen Charakter des ersten Ringabends.

Die Bayreuther Festspiele dieses Sommers erhal­ten ihr besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des Reichskanzlers Adolf Hitler, der, als Wag­ner-Verehrer bekannt, zusammen mit Reichsminister Dr. Goebbels, dem glanzvollen Auftakt der Meistersinger" beiwohnte. Der Kanzler nahm, vor dem Festspielhause von der harrenden Menge mit Begeisterung begrüßt, zusammen mit Dr. Goeb­bels und Wieland Wagner, dem ältesten Sohne Siegfried Wagners, in seiner Loge Pkdtz.

Ehrenvolle Berufung eines ZBormfet Schriftstellers.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, der Anfang 3uli denReichs- bund der deutschen Freilicht- und Do l k s s ch a u s p i e I e" errichtet hat, hat den Dichter und Schriftsteller Peter Bauer, Worms, im Hinblick aus seine bisherigen schriftstellerischen Arbeiten in den Dichterkreis und in den Bun­desausschuß dieser neuen Organisation berufen. Peter Bauer ist langjähriges Mitglied des Reichs-Verbandes der Deutschen Presse. Den Le­sern des Gießener" Anzeigers ist er aus zahl­reichen Beiträgen im Feuilleton bekannt.

Bayreuth - das Erbe Richard Wagners.

Von Prof. Dr. Max von Schillings f, Präsidenten derpreußischenAkademiederKünste

Bayreuth - das Wort umschließt seit langem einen ganzen Kulturgedanken. Den Gedanken der deutschen Kultur schlechthin, so will es uns schei­nen. Ans, denen es seltsam vorkommt, daß es einmal em Deutschland gab ohne das Werk von Bayreuth.

3n ihren Grundzügen stand Richard Wag­ners Kunstanschauung bereits in den frühesten Zähren seiner künstlerischen Entwicklung fest. Fmmer wurde Kunst von ihm als religiöse Tat empfunden,^die für ihre Entfaltung des festlich geweihten Raumes bedurfte. Des festlich geweih- ten äußeren Raumes ebenso wie - bei Gebern un& Empfängern - des festlich geweihten inneren. 3mmer galt dem Meister Kunst als die schönste Form der Offenbarung göttlichen Seins im Men- schen durch die Kraft des Gebildes. Was Wun- der, daß er anfangs vereinzelt dastand inmitten behäbig gewordenen, dem Richts als ^fälligen zugetanen Zeit! Entrüstete er sich Theater allerorts herrschenden ?r.an9 er mit der ganzen Leiden- schaftlichkeit seiner titamschen Ratur auf Ab- hiE«.,so zuckte man gelassen die Achsel: Ein Schwärmer, dieser junge Wagner... nun ja Her der unbekannte kleine Kapellmeister des Stadttheaters von Magdeburg, den die Strenae seiner Qualitatsforderung in schroffen Gegensatz zu den beguemeren, von Sängern und Orchester geübten Methoden brachte, schichtete schon, an­getrieben von dem starken Wollen seiner instinkt- sicheren Seele, unbewußt in sich selber Baustein um Baustein zum späteren Tempel von Bayreuth.

Der Gedanke, der Kunst eine Weihestätte zu schaffen, trat bei Wagner zum ersten Male durch eine Denkschrift in Erscheinung, die er als Dres­dener Hofkapellmeister im 3ahre 1848 verfaßte Diese Denkschrift hieß, durchaus bezeichnender­weise,Entwurf zur Organisation eines deutschen R a t i o n a l t h e a t e r s".

Die 3dee sollte sich rasch verdichten. Als Wagner an dem Entwurf der gigantischen Kom­position des Rings der Ribelungen arbeitete nahm der Plan, ein Festspielhaus errichten lassen, das seinen Werken den priesterlich reinen Rahmen gab, entsprechend der erhöhten Ebene

ihres Daseins, greifbare Gestalt an.Die Ri- olungen", schreibt der Meister an seinen Freund Liszt, möchte ich selbst nur in Gedanken nicht im mindesten mit einem Kalkül beflecken und sie möglichst ganz mir auch in dieser Hinsicht rein erhalten." Der Gedanke einer praktischen Ver­wirklichung der Festspielidee gibt sich in seiner ursprünglichen Form allerdings durch einen über­schwänglichen Beschluß kund. Ein phantastisches Projekt schwebt dem in Zürich lebenden Meister vor Er möchte auf einer schönen Wiese in der -Nahe der Stadt aus Brettern und Dalken ein äußerlich primitives Theater nach eigenem Plane erbauen lassen und eine Aufführung vonSieg- srieds Tod" veranstalten. Der Ribelungenentwurf war, wie bekannt, zuerst in einem einzigen Werk enthalten. Die geeignetsten Sänger wollte Wag- £.er , dieser Ausgabe betrauen und zugleich durch Zeitungsinserate alle Freunde seiner Kunst zu diesem außerordentlichen Fest einladen. Der Eintritt sollte frei fein. Auch Züricher Bürger und zwar Vertreter der intellektuellen Kreise' so.lten an der Feier teilnehmen. Rach drei mustergültigen Ausführungen vonSiegfrieds Tod , die im Laufe einer Woche stattfinden follten, wollte Richard Wagner das Theater abreißen lassen und die Partitur verbrennen. Der Feuergeist Richard Wagners flammt in diesem wahrhaft phantastischen Projekt mit feiner qan« 3«n Gewalt auf. Einige 3ahre später spricht bereits hon feinem Wunsch,in einem zweckentsprechenden Theater ein 3ahr lang alle [eine Werke aufzufübren". Roch einige Fahre iDater, und zwar im Fahre 1862, bezeichnet er bas geplante Festspielhaus als eine dauernd

«wik ein-, zwei- oder dreijähriger Wiederholung". Aus akustischen Gründen ver­langt Wagner ein verdecktes Orchester Es ist überaus interessant, bei dieser Gelegenheit sich daran zu erinnern, daß bei Opernaufführunaen * «F^renz im 17. Fahrhundert am fürstlichen das Orchester sich hinter der Bühne be- fanfr Aber auch der französische Meister wJ-ei iS 1>erIon9t gleichfalls in einer Denk- . , cr -Vorschlag zu einem neuen Thea-

erLein verdecktes Orchester, bei dem man weder Musiker noch die Beleuchtung der Pulte sehen kann. And selbst bei Goethe, der sich mit dem Problem der Oper nicht wenig beschaf. vgt hatte, können wir es lesen,daß das Or­chester soviel als möglich verdeckt fein soll".

a 22. Mai 1872, am 59. Geburtstag des Meisters, konnte die Grundsteinlegung des Fe st -

Lfc1 e 1 u f e 8 tnJ Bayreuth stattfinden. 2lber nach der Grundsteinlegung setzte der Kampf um die Verwirklichung eines großen Gedankens von neuem ein, schlimmer als je. Weder die breite Öffentlichkeit noch die Presse hatten ein Verständ­nis von der ungeheuren Bedeutung eines Thea­ters, das der Pflege der nationalen deutschen Kunst gewidmet fein sollte. Als Kuriosum sei ver­merkt, daß sich der Khedive von Aegypten- mit einer Spende von 10 000 Mark als der groß­zügigste Mäzen der deutschen Festspiele erwies. Allerdings soll dem Khediven hierbei ein kleiner 3rrtum unterlaufen fein: wie man sagt, habe er Bayreuth mit Beirut verwechselt! Ein im Auf­trage der zahlreichen Wagnervereine erfolgter Aufruf an mehrere Tausend deutsche Buch- und Musikalienhändler brachte hingegen nicht das er- poffte Resultat. Schon besonders zu erwähnen ist, daß ein paar deutsche Studenten in Gießen einige Goldfüchse für das Festspielhaus zeichneten. Freilich bot eine in Berlin gegründete Gesellschaft dem Meister eine Riesenfumme an, um die Fest- fpiele in die Reichshauptstadt zu verlegen. Der Meister wollte aber die Aufführung seiner Werke nur außerhalb des Betriebs der Großstadt im friedlichen Bayreuth erleben. Als im Fahre 1874 das Scheitern des Antemehmens unabwendbar schien, gewährte K ö n i g Ludwig II. von Bay­ern, der edle Gönner Richard Wagners, ein Dar­lehen aus feiner Privatschatulle. Erst diese hoch­herzige Spende ermöglichte den Dau des Fest­spielhauses. 3m Sommer 1876 wurde das Haus mit der festlichen Aufführung des gesamten Ri- belungenrings eingeweiht.

Heute mehr denn je erweist der Gedanke der Festspiele seine Derechtigung. Draußen ist noch die zermürbende Sorge des Alltags. Wer aber das Festspielhaus betritt, der betritt heiliges Land ®ebieterifd) schaltet die Erhabenheit des Raumes Eindrücke der Außenwelt aus. Hier kann die Ge­meinde, zu der das Publikum von Bayreuth ge° Zaiaßig vom ersten Augenblick an zusammenge- schlossen wird, in voller Ruhe ungekürzte Auf­führungen genießen. Ohne von den Weisungen des Meisters abzuweichen, sind die Aufführungen durch eine moderne Theatertechnik auch dem ge­genwärtigen Bühnengeschmack und Gefühl nahe­gebracht. Zwischen Bayreuth und der Außen-

°°^e?er es sich Nicht verschlossen halten stets eine gegenseitig befruchtende QBerff°a a.ulVm Wagnerjahr das b ?B(ignird ln der Inszenierung dem CrCr 2cf9er angepaßt, als wahres Weibefeftspiel neu entstehen, damit wir in ihm

ein ewig lebendiges Erbe erkennen. And dies ist es gerade, woraus es ankommt. Denn wissen wir es nicht, daß es Ramen gibt, deren Ruhm die Wirkung beschattet? Lessing hat es deut­lich einmal ausgesprochen:

Wer wird nicht einen Klopstock loben? Doch wird ihn jeder lesen? Rein! Wir wollen weniger erhoben

And häufiger gelesen sein."

Rein bei Wagner liegt der Fall glücklicher­weise anders, ganz anders. Wirloben" Wagner nicht nur, wirerheben" ihn nicht nur: sein Werk lebt mit einer uns unendlich bedünkenden Gegen­wärtigkeit in uns. 3n unserem Ohre, in unserem Dlute in unserem Herzen. And stolz dürfen wir es bekennen, wir Deutschen: Bayreuth, des gro­ßen Meisters große Schöpfung, ist wahrhaft

Tonfilm-Lustspiel.

Die kleine Magda Schneider, die wir in der ooriaen Woche als Christine inLiebelei" sahen, erscheint diesmal alsFräulein vom Ämt" in einem musikalischen Lustspiel der DLS.-AG bas in her schonen Zeit vor dem Selbstanschluß spielt, wo man sich seine falschen Verbindungen am Tele- phon noch nicht allein besorgte. Die große Fern- nfplhnf^m6 $Jrlnt mie geschaffen, um die lust- hpr Sf, Verwicklungen herzuftellen, die sich aus Der Vertauschung zweier Verabredungen ergibt; es bedarf keiner ausschweifenden Phantasie, die Lösung zu finden: nach gehöriger Verwechslung und Ver­wirrung kommt es zu einem zärtlichen happy end, fnmhnriT1 ".edl'.che Nachttischlämpchen eine ebenso symbolische wie einleuchtende Rolle spielen. Magda no? V'b * r ' eine reizende Telephonistin; Johan- h»r eleganter Berliner Bonvivant;

&l?e Onkel T iedtke, der die ganze (Be. jd)id)te wieder in Ordnung bringt; Trude Ber- emem erstaunlichen Redeschwall begabt;

;v£bvtn.unb Flokina von Platen bilden n»» zusammenspielende Ensemble in dem ten nnnntMr°?ft,9unb unterhaltsam inszenier- -c;*fnDOn ° 0 Stransky Mit ein paar munteren ©djlagern ausgestatteten LustspielFräulein BHnn? t ° e rQb U/?re ~ 3m Beiprogramm RpnnrtrtAö3 1 f P e l f) a u s eine interessante hpm N'esendampferBremen". Außer-

dem eine Buhnenschau: die Gymnastiklehrerin Maja

a U gefällig arrangierte

Äinöcrgruppen ihrer Schülerinnen und zwei hübsche -volotanze, die lebhaften Beifall andern '

zsiis

ft wtffy dienst E

die BerJ < M her M % einige L"

Wirrer £ H ? große Fr- einleitend

EsE

Änmilli"'8

Ä

bige Menschheit st haß gegen d>e Dürfe hie Gefahr wohl als obgewar aber in neuer For weg, aufs neue J wegung mufie als werden. Indien ° sein, Indien boy ° alle farbigen Aal ' Farbigen zu kauf' zu verwenden. Sa liche Gefahr für do land und für Am rungen schilderte i in ufrita, am Fu dabei aus die Gest Christentum und i scheu Welt drohe, und Afrika unter k zu vereinigen. Wei man den Kamps g diese Gefahr müsse dieser Damm könne es f)abe sich bisher Afrika und Asien d gehalten haben. Dt überall beliebt und Betreuung oft riesige nur noch in tyinben Stationsgeljilfen uni weiter zu arbeiten, il

w

l.DIM

DerDeutsch Verband, Drtsgr lichen Angestellten bände in unserer Samstag im Saale gliederversammlung Versammlung war von der Musikergil tete den Abend ei der Degrüßungsan^ der Ortsgruppe Gii voraus. 2er Redne m unserem Staat- Ordnung aeschaffen. ^u )en Angestellte deutsche Angestellten 130 Verbände ause

Rutsche Ange "^geschlossen zur Sestellkenschasl (n$ erfaanf« Organist ^M°lr 130 Beni

fei! ber ffil,|$e; Reoo, Der u Jeit "leie | rechnen 2 e DDti)QnbÄnUT? !iir arbeit J. werde.

T" Drtsl Wen.

^Qften für i?enic dern Dl des. 2er JÄen Vvrgij

lucht,Ma Jie"e im

Bi* &

kauft,. , , Borfl j* ler

Dbm'n^OrS c^enrd

8 der De