SessischerLandes-ZeuewehrlaginSchollen
(Eigener Bericht des
* Schotten, 24. Juli.
Wieder prangt Schotten, das Herz des Dogels- berges, die gern besuchte Feststadt, in vollem Schmuck. Fahnen überall, schmuckes Grün an allen Häusern, Ehrenpforten, Freude auf allen Gesichtern der Schottener. Die Ausschüsse zur Vorbereitung des 2 7. Hess. Landes-Feuer- wehrtages hatten wochenlang vorher große Vorarbeit geleistet, die Organisation war mustergültig, so daß die Veranstaltung einen überaus schönen und würdigen Verlauf nahm.
Tagung des Landes-Ausschusses.
Am Freitag waren bereits die Mitglieder des Landesausschusses, an ihrer Spitze Kreisfeuerwehrinspektor Knaup, sowie sämtliche Kreisfeuerwehrinspektoren und Mitglieder der Feuerwehrfachschule eingetroffen und hielten un Rathaussaal ihre Beratungen ab. Abends fand dort ein Empfang durch die Stadtverwaltung statt. Bürgermeister Mengel entbot den Willkommgruß und ließ perlenden Wein in den Silberbechern der Stadt von zarter Hand kredenzen. c , .
Samstag früh wurden die Beratungen fortgesetzt. Inzwischen trafen zahllose Abgeordnete mittels Som dcrzuges und Kraftwagens usw. ein, die mit Musik in die Quartiere geleitet wurden. Um 11 Uhr trafen sich die Feuerwehrleute zur Eröffnung der reichhaltig beschickten
Feuerwehr-Ausstellung.
Diele bekannte Feuerwehrlicferfirmen zeigten hier die neuesten technischen Fortschritte und Bedarfs- oitikel auf dem Gebiete des Löjchwesens. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Schaumlöschspritzen, die Häuser und Bäume mit einem schneeweißen Guß überzogen. Der Verbandsvorsitzende K n a u p eröffnete die Ausstellung und wies besonders auf die international zur allgemeinen Anerkennung gekommene Leistungsfähigkeit der deutschen Feuerlöschindustrie hin. Die Festrede hielt mit eindrucks- vollen, gedankenreichen Worten Dekan Wid - man n-Schotten.
Nachmittags versammelten sich olle Abgeordneten In der festlich geschmückten Stadthalle zur
Abgeordneten Sitzung,
die von dem Vorsitzenden Knaup geleitet wurde. Andächtige Stimmung herrschte in der Halle, als man der Toten gedachte und das Lied vom guten Kameraden erklang. Begeistert wurde das „Wehr- Heil!" auf das Vaterland ausgenommen.
Eine Reihe von Ehrengästen wurden besonders begrüßt: Oberregierungsrat Bornscheuer als Vertreter der Hess. Staatsregierung, Oberregierungsrat Neuling als Vertreter der Brandversicherungskammer, Kreisdirektor Dr. Jan n-Schot- ten, die Regierungsräte Schwan- Schotten, Grein-Gießen, Walter-Dieburg, Schäfer- Darmstadt, Kessel-Lauterbach, Kreisdirektor Dr. Merck- Offenbach, Ober-Inspektor Hofmann- Bensheim u. a. m. Besonderer Gruß galt den Vertretern der benachbarten Verbände von Bayern, Kurhessen, Hessen-Nassau.
Oberregierungsrat Bornscheuer überbrachte die Grüße der Staatsregierung und lieh seine Worte in ein „Sieg-Heil!" auf unseren Di'lks- kanzler Adolf Hitler ausklingen: begeistert wurde das Horst-Wessel-Lied gesungen. Für die Vrandversicherungskammer und Landesfeuerlöschkasse sprach Oberregierungsrat Reuling. Kreisdirektor Dr. Sann entbot namens des Kreises Schotten und des Vogelsberges den Will- kommgruh. Besonderen Eindruck machten die
.Gießener Anzeigers".)
Ausführungen des Vertreters des bayerischen Verbandes Geh.-Rat Sage!, Erlangen, der auf die nunmehr vollzogene Einheit aller deutschen Stämme hinwies. Eine Reihe von Auszeichnungen (bayerische, badische und württembergische ChreirkreuzsJ, touröen bon ihm an verdienstvolle Männer der hessischen Wehr so unter anderen an Branddirektor Braubach, Gießen, den Verbandsvorsitzenden Knaup ausgehändigt. Die Branddirektoren Kahl und Grün, Kirchhain, überbrachten Grüße und Glückwünsche ihrer Verbände von Rassau und Kurhessen.
Sodann wurde der Tätigkeitsbericht erstattet. Ein Bericht über die Aachen-Münchener Hnterstühungskasse wurde entgegengenommen. Branddirektor Roehl, Mainz, hielt alsdann einen Vortrag über Luftschutz, erklärte die verschiedenen Arten der im Kriege zur Anwendung gekommenen Gase und Bomben, sowie den Schutz gegen ihre Wirkung. Luftschutz tut mehr wie je Rot. Die „Hessische Feuerwehrzeitung" wurde anschließend besprochen. Hm den nächsten Hessischen Landesfeuerwehrtag, der in Rheinhessen stattfindet, hatten sich Bingen, Worms, Alzey, Rieder-Olm beworben. Rachdem die Vertreter dieser Orte die Vorzüge ihrer Heimatgemeinden in lebhaften Worten geschildert hatten, bestimmte der Verbandsvörsihende diktatorisch Rieder-Olm als nächsten Tagungsort in 1936. Eine langweilige Abstimmung wurde dadurch erspart: die Versammlung war mit dieser Lösung einmütig einverstanden. Eine Reihe von Anträgen wurde sodann noch behandelt.
Das Silberne Ehrenkreuz der Hessischen Feuerwehr wurde noch ausgehändigt mit anerkennenden Dankesworten an Oberregierungsrat Reuling, Kreisdirektor Dr. Sann, Reg.-Rat Schwan, Oberbrandmeister Stang, Schotten, K. Ehr. K r o m m , Friedr. Süss el, Schotten, u. a.
Die erhebend verlaufene Versammlung wurde dann mit Dankesworten an alle Mitarbeiter geschlossen.
Große nationale Kundgebung.
Hm 20 Hhr fand auf dem Platze vor dem Rathaus eine große nationale Kundgebung statt. Hierbei hielt nach einleitendem Musikvortrag Bürgermeister M e n g e I, Schotten, eine eindrucksvolle Rede, in der er zunächst den Feuerwehrgästen aus allen Teilen des Hessenlandes die herzlichsten Willkommengrüße der Schottener Einwohnerschaft darbrachte und ihnen angenehme Tage in der Feststadt wünschte. Er wies dann darauf hin, daß in Schotten schon immer ecrter Feuerwehrgeist und treudeutscher Bürgersinn geherrscht habe, alle Dürgersöhne der Stadt seit Generationen es sich zur vornehmsten Pflicht machen, das Ehrenkleid der Feuerwehruniform zu tragen, und daß die Schottener Feuerwehr stets die größte Schlagfertigkeit an den Tag legte. Weiter erinnerte er mit stolzer Freude an die innige Heimatverbundenheit der Oberhessen mit allen anderen Gegenden des Hessenlandes. Sodann sagte er u. a.:
Landesfeuerwehrlag ist ein Tag der Kameradschaft, der Freundschaft, der Bruderliebe.
Landesfeuerwehrtag ist aber noch mehr. Unsere Vogelsberger Wehren wollen zeigen, was sie in ihren Hebungen gelernt haben, unsere Schottener Wehr wird eine Probe ihrer Fähigkeiten ablegen. In der Ausstellung wird der neueste technische Fortschritt gezeigt. Aber darüber hinaus soll doch der Landes- Acuerwehrtag — und gerade der erste im neuen Dritten Reich — ein Treubekenntnis z u
Volk und Vaterland in erster Linie sein. Welch gewaltiges geschichtliches Erleben liegt zwischen dem Feuerwehrtag vor drei Jahren und heute. Dort eine Zeit immer größeren Verfalls, ein Sinken der Moral, unserer Wirtschaft, alles politischen Lebens bis hart an den jähen Abgrund. In den letzten Monaten aber ein Umschwung und ein nationaler Aufbruch von erschütternder Macht. Ein gewaltiger Brand, Feuer im Reichstag, mußte erst kommen, um dem deutschen Volk die Augen über sein drohendes Verhängnis, über das Chaos, das tückisch lauerte, zu öffnen. Ein deutscher Held, unser Siegfried, unser von Gott gesandter Retter mußte erst kommen, die wabernde Lohe durchschreiten und die Herzen der Deutschen wachrütteln, uns den alten Iohannisfeuerspruch zurufen: „Flamme empor, leuchtender Schein! Lasset uns schwören am Flam- menaltare, Deutsche zu sein!" Dann auf einmal wurde das Volk wach, es bekam wieder Kraft, Mut, Selbstvertrauen und Glauben an seine Macht und geschichtliche Sendung. Was wir sangen, wurde wahr: „Heilige Flamme glüh, glüh und erlösche nie fürs Vaterland. Wir alle stehen bann mutig für einen Mann!" Heil Hitler!
Gerade die beulfdjen Feuerwehren haben diesen nationalen Ausbruch ganz besonders herbei- gesehnl und miterlebt. Echter Feuerwehrgeist war und ist stets nationaler und sozialistischer Geist! Er ist Dienst am deutschen Volkstum, am deutschen Mitmenschen, er ist der Geist der nationalen Disziplin und Unterordnung, deutscher Zucht und Sitte, Geist der Opferbereitschast bis zum Tod, Geist wahren Gemeinsinnes und Gemeinnützigkeit. Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! Es ist tiefreligiöser Geist, Opferdienst, tätigste Mitarbeit am Wohl von Volk und Vaterland.
Sv wollen wir ein aufrichtiges Treugelöbnis für unser neu erstandenes Reich ablegen. Wir glauben an die Hnvergänglichkeit deutschen Wesens, an die Hrstoffe unseres deutschen Volkes. „Deutsche Freiheit, deutscher Gott, deutscher Glaube ohne Spott, deutsches Herz und deutscher Stahl, sind vier Helden allzumal!'^ Wir glauben an unsere vortrefflichen Führer, an Hindenburg und Hitler, jene leuchtenden Vorbilder von Selbstaufopferung, Arbeit und Dorkämpfer- tum für Volk und Vaterland Mit ihnen in engster Schicksalsgemeinschaft aufwärts für Deutschlands Zukunft und Gröhe. Sn vorderster Linie bei diesem Kampf um unsere Weltgeltung stehen auch die Feuerwehren. Sch weiß, daß es aus allertreuestem deutschen Herzen kommt, wenn Sie jetzt unser Deutschlandlied fingen und zuvor mit mir rufen: „Hnserern neu erstandenen deutschen Volk und Vaterland ein dreifach aufrichtiges Gut Wehr!"
Begeistert wurde das Wehr-Heil! auf Volk und Vaterland aufgenommen.
öer Kommers.
In geschlossenem Zuge ging es dann zum Festplatz, wo ein Kommers stattfand. Die musikalischen Vorträge der einheimischen Kapelle der Wehr, wie die ausgezeichneten Gesangsvorträge des Schottener Männerchors fanden viel Beifall, ebenso die turnerischen Darbietungen der Mädels und Turner, die die neuen Freiübungen des Stuttgarter Turnfestes zeigten. Fackelschwingen der Turner folgte. In ausgezeichneter Stimmung verlief der Abend.
Hohe Gäste am Sonntag.-Oer Kestzug.
Sonntag früh trafen in ungeheueren Scharen von allen Seiten die auswärtigen Wehren mit Musikkapellen ein. Am Ausgang der Stadt nach Laubach wurden die verschiedenen Hebungen der Wehren von Eichelsdorf, Gedern, Laubach, Schotten vor- geführt. Dabei war der stramme Schneid und die gute Zucht der Wehren zu bewundern. Die Schottener Wehr führte einen Brandangriff unter
Anwendung aller modernen Löschmittel, Motorspritze usw. vor.
Inzwischen -war Ministerpräsident Dr. Werner mit Familie zu der Hebung und zur Aufstellung der Wehren erschienen. Verbandsvorsitzender Knaup begrüßte ihn mit freudigen Worten und versicherte die stete Mitarbeit der hessischen Wehren am Wiederaufbau des Reiches. Ministerpräsident Dr. W e r • n e r dankte für die Worte und die große Arbeit, die die Feuerwehr im Dienst der Nächstenliebe leiste. Sein Sieg-Heil galt unseren Führern Hindenburg und Hitler. Begeistert wurden das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied gesungen.
Bald darauf trafen auch Se. Kgl. Hoheit Groß- Herzog Ernst Lu"dwig, der Schirmherr der hessischen Feueripehren, und der Erbgroßher- zo g nebst Gemahlin ein, die ebenfalls in herzlichen Worten von Verbandsoorsitzenden Knaup, wie von Bürgermeister Menael begrüßt wurden. Die Großherzoglichen Herrschaften fanden überall dankbare Verehrung: sie besichtigten Kirche und Rathaus, sahen auch den Festzug an und verblieben noch geraume Zeit in der Festhalle.
Ein ungeheurer Festzug, der etwa 30 Musikkapellen mit sich führte, bewegte sich durch die Straßen der Stadt. Eine kurze Totengedenkfeier fand hierbei statt. In dem Zuge fiel besonders die Niersteiner Feuerwehr auf, die zum Teil in Küfertracht Niersteiner Wein in Riesenflaschen mitführte und schöne Reklame für ihr edles Gewächs machte. Begeistert wurde der Festzug überall begrüßt.
Auf dem großen Festplatz herrschte dann reges Leben. In der Festhalle begrüßte Kreisdirektor Dr. Iann die erschienenen Wehren. Hochbefriedi^t schieden die Gäste abends von hier.
Oer Ausklang.
Am heutigen Montag schlossen sich ein Frühschoppenkonzert, Festzug, Volksfest, abends Brillantfeuerwerk an.
Der ganze Hessische Landesfeuerwehrtag verlief in allen Teilen außerordentlich glücklich und glanzvoll. Er war ein starkes Treugelöbnis zu Volk und Vaterland und zur edlen Feuerwehrsache. Das Herz des Vogelsbergs, Schotten, hat wieder seinen alten Ruf als einer gern besuchten Feststadt glänzend gewahrt.
Reichöstatthalier Sprenger besichtigt bas Siemenshaus in Bad Homburg.
WSR. Bad Homburg. 22. Suli. Reichsstatthalter Sprenger weilte am Freitag mehrere Stunden im Siemenshcrus in Bad Homburg und besichtigte die Organisation des Hauses. Sein besonderes Snteresse erweckte der neukonstruierte Reuroskop-Apparat, ein elektro- diagnostisches Meßverfahren zur Erforschung der Leistungsfähigkeit eines Menschen. Direktor D i ck gab dabei bekannt, daß auf Grund des kürzlich Besuches, deck der SS.-Abschnittsführer Re- dieh dem Siemenshaus abstattete, demnächst sämtliche Führer des SS.-Abschnitts auf ihre Führereigenschaften hin im Siemenshaus untersucht werden. Der Reichsstatthalter dankte für die interessanten Ausführungen und sprach sich über das Gesehene befriedigt aus.
Llnterschlagung bei derLandkrankenkaffe Heusenstamm.
WSN. Offenbach, 24. Juli. Bei der Zahlstelle Heusenstamm der Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Landkreis Offenbach wurden H n t e r s ch l a - gungen von etwa 5 000 Mark Versicherungsgeldern festgestellt. Durch Fälschung der Belege und Bücher konnte die Zahlstellenverwalterin Elisabeth Helm seit 1927 sich unbemerkt diese Summe aneignen und die Unregelmäfjigfeiten verheimlichen, die nun durch einen Zufall aufgedeckt wurden.
4761D
Heute mittag entschlief nach schwerem Leiden unsere Hebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Grobmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Marie Schneider Wwe.
geborene Wagner •
im Alter von 76 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Stork II. und Familie
Fr. Wilhelm Gorr Wwe. und Familie Theodor Löw und Familie
Albert Neidei und Familie.
Heuchelheim, Atzbach und Reiskirchen, den 24. Juli 1933.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 26. Juli, 2% Uhr nachmittags, vom Trauerhause Schillerstraße 7 aus statt.
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Danksagung.
Für die liebevolle Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen sowie für die vielen Kranzspenden danken wir auf diesem Wege herzlichst. Besonderen Dank dem Postamt Gießen, allen seinen treuen Kameraden und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Staubach.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Elise Brunner und Kinder.
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