polizeikontroll- und Iahndungs- ühion im ganzen Reich.
Berlin. 25. Juli. (WTB. Funkspruch.) Auf An- ordnung des Geheimen Staatspolizeiamtes wurden am Dienstag ab 12 Uhr in ganz Preußen sämtliche Haupt- und Nebenlinien der Reichsbahn sowie die gesamten Durchgangs st rohen für den Kraftverkehr einereingehendenPersonen - und S a ch- konlrolle unterzogen. Die übrigen deutschen Länderregierungen haben sich aus Veranlassung des Geheimen Staatspolizeiamtes der Aktion gleichzeitig angeschlossen. Alle anläßlich dieser Fahndung als staatsfeindlich verdächtigen Personen wurden vorläufig in Schuhhast genommen.
Zur Durchführung der grohangeleglen Fahndungsaktion wurden sämtliche Polizeiorgane des Reiches einschließlich der hilsspolizei. teilweise auch SA. und SS. herangezogen. Auch der B a h n s ch u h ist bei der Aktion beteiligt. Bei der Durchführung der Maßnahmen ist größter Wert darauf gelegt worden, daß die Abwickelung des Verkehrs nur geringfügige Unterbrechungen erfuhr. Die Durchsuchung der Eisenbahn- züge im ganzen Reichsgebiet ist s p ä t e st e n s 12.40 Ahr beendet. Durch den großen Einsatz von Polizei- und Hilfskräften ist zur Beschleunigung Sorge getragen worden.
Die in ihrem Umfange erstmalig so groß durchgeführte Fahndungsaktion geschah, um nunmehr mit aller Macht den kommuni st ischen und anderen staatsfeindlichen Umtrieben, die sich überall im Reiche noch bemerkbar machten, E i n h a l t zu gebieten. Immer noch bewegen sich im Auftrage staatsfeindlicher Organisationen Kuriere durch Deutschland. Im Interesse der allgemeinen Sicherheit war daher die Fahndungsaktion notwendig. Da in den letzten Monaten eine erhebliche Anzahl von Automobilen gestohlen worden sind, wurde die Suche nach diesen gestohlenen Kraftfahrzeugen gleichzeitig mit dieser Aktion verbunden. .
Nationalsozialismus und Guttemplerorden.
Berlin, 24. Juli. (CNB.) Die NSK. veröffentlicht folgende Bekanntmachung des Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses bei der Reichsleitung: Um Verwechselungen vorzubeugen, weise ich darauf hin, daß der Zugehörigkeit von Parteigenossen zum Deutschen Guttemplerorden nichts im Wege steht. Der Guttemplerorden, dessen Vorstand aus sieben Nationalsozialisten und drei Mitgliedern der Kampffront Schwarzweißrot besteht, hat nichts mit Freimaurerei zu tun. Er widmet sich einzig und allein der Bekämpfung der Trunksucht und der Aufklärung der Jugend über die Alkoholgefahren. Seine Bestrebungen sind daher nur z u unterstützen.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident hat genehmigt. daß die für dieses Jahr in Aussicht genommenen Manöver des Reichsheeres aus Ersparnisgründen ausfallen. Es finden nur Truppenübungen in kleinen Derbänk 2n statt.
Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt ist in Lowdon eingetroffen, um an den Schlußver- hanolungen der Weltwirtschaftskonferenz teilzunehmen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht und Bürgermeister Krogmann werden ebenfalls zurückerwartet.
*
Der Chefdramaturg der Frankfurter städtischen Bühnen. Friedrich B e t h g e. ist vom Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger zum Gau- Kulturwart für den Gau^reich Hessen-Rassau ernannt worden.
*
Auf der Weltwirtschaftskonferenz wurde ein Silbe r v e r t r a g zwischen Australien, Kanada, China, den Vereinigten Staaten, Indien, Mexiko, Peru und SpaPien abgeschlossen. Danach werden vom 1. Januar 1934 ab für einen Zeitraum von vier Jahren die Silberoerkäufe Indiens auf 35 Millionen Unzen
Vornan von Helma von Hettermann.
27. Fortsetz>.-g. Rachdruck verboten!
„Grüß dich Gott, lieber Dpktor!" Unbewußt, wie er die Frau beim Namen genannt, gebrauchte er jetzt das vertraute Du der Freundschaft. „Hier habe ich dir noch jemanden mitgebracht, der uns helfen will, dich gesund zu pflegen."
Er ließ den alten Diener vortreten, der sich zum Handkuß auf die kalten Finger neigte. Und freute stch des abermaligen Aufleuchtens in den blauen Augen. Das hatte er gut gemacht!
Beim Klang der tiefen Männerstimme hob Wera von Vandro das Haupt. Kaum weniger bleich war es als das Antlitz des Kranken. Wie aus Marmor gemeißelt schien das schöne Gesicht mit dem starren Ausdruck halber Geistesabwesenheit. Nur das blonde Haar schimmerte und gleißte in aufreizender Lebendigkeit. Fremd, verständnislos sah sie die beiden Manner neben dem Pfleger an der anderen Seite des Bettes an, ohne sich zum Gruß zu erheben — und ließ den Kopf wieder auf die Kissen sinken, die Hand immer noch in die des Kranken geschmiegt.
Mit unbeschreiblicher Liebe umfaßte Georg von Vandro die Gestalt seines jungen Weibes — hob dann den Blick zu dem Freunde. Der verstand die stumme Bitte und neigte sich näher.
„Dir vermache ich mein Liebstes, Magnus Steinherr! Hüte es — das Leben ist — so — hart!"
„Ich trete dein Erbe an, Georg, und werde es ehren und hüten mein Leben lang!" erwiderte der Mann stark und hatte Mühe, die Erschüterung aus feiner Stimme zu bannen. lief, lange ruhten ihre Augen ineinander. Dann versuchte Vandro, die Hand seiner Frau in die des Freundes zu legen, und da es ihm nicht gelang, kniete sich Steinherr neben ihn und ergriff die schmale Hand, an der der Goldreif blinkte. Die Frau merkte es nicht. Alle Empfindung für die Umwelt war erstorben.
Und wieder ging ein lichter Freudenschein über des Sterbenden Antlitz, da er die beiden ihm teuersten Menschen vereint an seinem Lager sah. Seine Mission auf Erden war erfüllt, nun würde der Freund seines Amtes walten.
und diejenigen Spaniens auf 5 Millionen Unzen jährlich beschränkt, während die Produktionsländer 35 Millionen Unzen jährlich für den gleichen Zeitraum von ihrer Minenerzeugung kaufen.
Ministerpräsident Göring hat den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Brigadeführer der SA. Prinz August Wilhelm von Preußen und den ehemaligen deutschnationalen Reichstagsabgeordneten v. Freytagh- Loringhoven in den Preußischen Staats- r a t berufen.
Der als Sonderkommissar für Luftfahrtfragen des obersten SA.-Führers verwendete Direktor der Deutschen Verkehrsflugaktiengesellschaft, C r o n e i ß, ist vom Stabschef Röhm unter Beförderung zum Oberführer zum Flugreferentender ober« ste n SA. -Führung ernannt worden. Er wird in der Hauptsache die Verbindung zwischen der obersten SA.-Führung und Luftfahrtminister Gö- ring sowie den übrigen Luftfahrtfragen beschäftigten Dienststellen in Deutschland aufrechterhalten.
Der frühere Leiter der Westabteilung im polnischen Außenministerium 3. Lipski wurde zum Gesandten in Berlin ernannt. Der bisherige polnische Gesandte in Berlin Dr. Wysocki wurde zum Botschafter beim Q u i r i n a l in Rom ernannt.
Kunst und Wissenschaft.
Zusammenschluß der bildenden Künstler.
Pg. Professor Max K u t s ch m a n n , kommissarischer Direktor der Vereinigten Staatsschulen (Hochschule für freie und angewandte Kunst), Vorsitzender der Deutschen Kunstgemeinschaft, Fachleiter an der Kulturabteilung des SS.-Rasse- und Siedlungs
amtes und Obmann der Gruppe bildende Kunst im Kampfbund für deutsche Kultur e. V., ist bevollmächtigt durch den Leiter des Verbindungsstabes der NSDAP, und in Verbindung mit dem Leiter des Amtes für ständischen Aufbau die Gleichschaltung derdeutschenKünstlerund Kunst- vereine herbeizuführen und sie als Vorbereitung für die kommende Eingliederung aller freien Berufe in den ständischen Aufbau im Reichskartell der bildenden Künste, Berlin C. 2, zusammenzufassen. Das Reichskartell der bildenden Künste ist die einzige von der Reichsleitung der NSDAP, anerkannte Dachorganisation der bildenden Künste. Im Verfolg der ihm übertragenden Aufgabe hat Professor Max Kutschmann, der Präsident des Reichskartells der bildenden Künste, Pg. Hans Freiherrn von Geyer, Schönberg bei Bensheim, zum Vorstandsmitglied des Reichskartells der bildenden Künste berufen, ihn zum kommissarischen Vorsitzenden des Gaues Hessen-Mittelrhein des Reichskartells der bildenden Künste bestellt und beauftragt, die Gleichschaltung und Eingliederung der Künstler und Kunstvereine im Gau Hessen-Mittelrhein des Reichskartells der bildenden Künste durchzuführen. Pg. Hans Frhr. v. Geyer übernimmt von Amts wegen den Vorsitz in allen dem Reichskartell Gau Hessen-Mittelrhein zukünftig unterstehenden Abteilungen (Säulen).
Verschollene Fischer auf Kamtschatka geborgen.
Nach einem Funkspruch aus Shabarosk sind auf Kamtschatka 28 verschollene russische Fischer von einem Küstenwachboot entdeckt und g e b o r g en worden. Die Fischer waren am 30. Dezember 1932 an der Küste Kamtschatkas zum Fischfang ausgefahren und seitdem verschollen. Man hielt sie längst für tot. Das Küstenwachboot brachte sie nach Petropawlowsk, wo sie überaus herzlich empfangen wurden.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Lindenblüte.
Es hat einen eigenartigen Reiz, unter einer blühenden Linde die Haft des Tages in sich verebben zu lassen, wenn die sinkende Sonne ihr letztes Gold über ihrem grünen Scheitel zerstäubt. Dann wird das summende Singen über uns wie zu einem fernen Klang aus maschinendurchstampften Hallen, in denen Tausende von surrenden Rädern der toten Materie die Seelen entlocken, um sie im tdienfte der Menschheit zu wirkendem Wesen umzuformen. In diesem Gingen klingen Romantik und Alltag ineinander, dessen Rhythmus Arbeit heißt und jene sprichwörtliche Bienenemsigkeit, die zum Sinnbild fleißigsten Schaffens wurde.
Es mag fein, daß die süßen Träume, die nach dichterischer Ueberlieferung „in ihrem Schatten" geträumt wurdet), einer weniger harten und kämpferischen Vergangenheit, einer ausgerüsteten und noch nicht in weltweites Verwobensein eingespannten Zeit angehörten, in der die Zwiesprache mit dem eigenen Selbst noch ungestörter und ohne große Schwierigkeiten ermöglicht werden konnte. Vielleicht auch hatte der Brunnen vor dem Tore mit seinem plätschernden Wasserstrahl noch eine stärkere bezaubernde Wirkung auf die Menschen in seiner Nähe, die sich von der vorsommerlichen Schwüle narkotisieren ließen. Jedenfalls haben Dichterkünste das.eine wahrgemacht: sie haben um die blühende Linde einen Glorienschein gewoben aus heimatlichem Erdver- bundensein und der Sehnsucht nach dem erlösenden Verschweben in ferne Ewigkeitsnähen.
Der Feuerdorn zaubert blendender und der blühende Kastanienbaum stimmt festlich-feierlich. Die blühende Linde ist untheatralisch. Sie verströmt mit natürlichen Selbstverständlichkeit den würzig-schweren Duft, der von ihrem Blätterdach rieselt, so daß man fast den Honig zu schmecken vermeint, der ihren Namen hat. Man atmet diesen herb-süßen Duft tief und erfrischt ein, und versteht es, daß irgendwo, irgendwann einmal ein Irgendjemand in einer linden Sommernacht den Kuß aus unbekannten Sphären empfing. Ein anderer, dem die Welt ein Singen und Klingen war, gab ihm die tönende Seele, die auf Falterflügeln weiterflog, wie alle Volkslieder, von denen niemand weiß, von wannen sie kamen, und heute und immer wird es klingen und fingen:
„Am Brunnen vor dem Tore, Da steht ein Lindenbaum ..
Raffenhygienischer Schulungskursus.
Der von der NS.-Aerzteschaft veranstaltete Rassen- hygienische Schulungskursus fand am Donnerstag der vorigen Woche seine Fortsetzung. Redner des Abends war Dr. Lorenz. Der Redner zeichnete zunächst die geschichtliche Entwicklung des nach Palästina ein- gewanderten semitischen Nomadenstammes der Hebräer. Die Ureinwohner Palästinas seien ein westisch- oorderasiatisches Rassengemisch gewesen, in das von drei Seiten Träger der nordischen Rasse eingewandert seien. Dazu kamen von Altägypten her hamitisch- negerische Einschläge. Dieses Gemengsel habe der reinrassische orientalische Stamm der Hebräer durchdrungen. So sei als Grundlage des Judentums ein vorderasiatisches orientalisches Gemisch mit nordischen, westischen, hamitischen und negerischen Einschlägen entstanden. Es sei falsch, so führte der Redner weiter aus, von einer „jüdischen" oder von einer „deutschen" Rasse zu sprechen. Beide Begriffe bezeichneten das Volkstum. Die rassische Zusammensetzung eines Volkes sei durch das Verhältnis der Mischung der Rassen bestimmt. Jedes europäische Volk stelle ein Rassegemisch der vier europäischen Hauptrassen dar und unterscheide sich von den Nachbarvölkern durch das Mischungsverhältnis dieser Hauptrassen. Auch das jüdische Volk stelle eine Mischung von Rassen dar. Es unterschiede sich grundsätzlich dadurch von europäischen Völkern, daß es aus außereuropäischen Rassen zusammengesetzt sei und so notwendigerweise für uns einen Fremdkörper bilde. Nach der Zerstreuung duöch Titus sei das Judentum in zwei Wanderrichtungen aufgebrochen. So habe sich der ostjüdische Typus durch Beimengungen inner- asiatischer und ostbaltischer Rasse zu dem vorhandenen Gemisch entwickelt, das sich durch stärkere Aufnahme vorderasiatischer Rassebestandteile auszeichne. Der südwestliche Zweig des modernen Judentums habe auf seiner Wanderung mehr westische Elemente in sich aufgenommen, und stelle so, mehr einen Adel des Judentums dar. Das Bild des nach Deutschland eingedrungenen Juden werde fast ausschließlich vom Ostjuden bestimmt. Im Vordergrund stehe dabei die vorderasiatische Rasse, an Hand deren seelischer Eigenschaften der Redner schlaglichtartig einige wichtige politische und kulturelle Erscheinungen des Judentums in Deutschland erläuterte. Beispiele aus Kunst und Wissenschaft rundeten das Bild. Es wurde dabei der Beweis für den nationalsozialistischen Grundsatz erbracht, daß im deutschen Volke nur der deutsche Mensch etwas zu sagen habe, daß
Ein Seufzer tiefster Erleichterung.
Noch einmal grüßten die schönen, blauen Augen, klar bis zuletzt, den blonden Kopf an seiner Schulter, den Freund, der ihm mit zuckenden Zügen zunickte, als versichere er ihn nochmals seines Gelöbnisses, lächelten den alten Diener und Freund seiner Kindheit an, über dessen faltiges Gesicht jetzt doch die dicken Tränen liefen, den Pfleger, dessen stille Freundlichkeit ihm oft wohlgetan.
„Dank euch allen ...!"
Es waren seine letzten Worte. Ein feierliches Aufstrahlen — dann schlossen sich die Lider leicht und schmerzlos zum ewigen Schlaf. Und ein unbeschreiblicher Friede lag auf des Toten Gesicht.
Regungslos verharrten die Menschen um das Lager. Wie lange? — Keiner wußte es. Die Zeit stand still in ihren Herzen.
Endlich erhob sich Steinherr. Er sah grau und verfallen aus. Leise berührte er die Schulter der knienden Frau.
„Liebe Frau Wera...!" Herzlich und warm bat seine Stimme.
Aber Wera von Vandro rührte sich nicht. Ihre Seele suchte den Weg zum Geliebten und stcknd vor verschlossenem Tor.
30. Kapitel.
Was nun? — Ach, diese furchtbare Frage, hinter der die ganze Grausamkeit des Lebens lauerte, die seit Rückkehr des Bewußtseins unablässig in ihrem armen, müden Kopf kreiste, ohne Antwort zu finden.
Mit stumpfem Blick starrte die Frau vor sich hin. Wenn nur diese lähmende Apathie nicht gewesen wäre, die, jeden klaren Gedanken verhindernd, bleischwer auf ihr lastete. Sie mußte doch überlegen, wie sich ihre Zukunft nun gestalten sollte, mußte berechnen, was übrigblieb von dem Geld der Verwandten. Wie würde es ihr je gelingen, es zurückzuzahlen in diesen Zeiten der Not, in denen selbst öer größte Fleiß, die größte Begabung nicht imstande war, mehr als das karge tägliche Brot zu fristen? In schwarze Nacht gehüllt lag der Lebensweg vor der verzweifelten Frau — der Weg, den die Güte und Liebe des Heimgegangenen für eine kurze Strecke in Sonne getaucht. So friedlich hatte er da- gelegen, der Geliebte, so ganz der Süße des Schlafs hingegeben — und sie schleppte weiter an der Last 1 ihres elenden Seins...
Bwegt sah Magnus Steinherr in das blasse, spitz gewordene Gesicht, da Wera sich schwerfällig erhob, um ihn zu begrüßen. Ihm war, als verblute diese Frauenseele nach innen. Keine Träne war ihr vergönnt worden 3ur Linderung der Dual. Das schlichte weiße Wollkleid, das sie trug, wirkte erschütternder als die tiefste Trauer.
Als auf Steinherrs Geheiß schwarze Kleider zur Auswahl ins Sanatorium gesandt wurden, hatte Wera sich geweigert, sie anzulegen. „Georg liebte Helle Farben so sehr", sagte sie leise und sah hinaus in den leuchtenden Sonnenschein. „Alles an ihm war licht und froh. Er wäre traurig, sähe er mich in schwarze Schleier gehüllt, die er nie leiden mochte. Ich darf es nicht, verlangt es mich auch danach. Die Helle tut so weh —"
Daran dachte Steinherr, als er die blonde Frau in dem weißen Kleid begrüßte, das nur an Gürtel, Kragen und Manschetten äußere Zeichen der Trauer aufwies. Herzlich war fein Händedruck. „So, Frau Wera — das Geschäftliche wäre nun alles zufriedenstellend erledigt, Sie werden nicht mehr mit leidigen Fragen behelligt, alles ist geregelt und in bester Ordnung. Aber eins gibt es, das ich vor meiner Abreise gern mit Ihnen besprechen möchte: Ihre Zukunft.
Er hatte sich einen Stuhl herangezogen. „Haben Sie bestimmte Wünsche für die nächste Zeit? Nein? Dann schlage ich Ihnen vor, die nächsten Wochen oder Monate noch ruhig hierzubleiben, unter der Obhut Werners, dem ein Urlaub sowieso zukommt, und der glücklich wäre, Sie betreuen zu dürfen. In der Fürsorge des guten Alten wüßte ich Sie geborgen."
Ein schmerzlicher Zug war um den feinen, schön geschwungenen Mund, den Georg von Vandro so gern geküßt. „Ach wie gern bliebe ich hier, aber ich habe nicht die Mittel dazu, Herr Steinherr."
„Aber ja doch!" widersprach er. „Ihr Gutachten auf der Bank weist noch ein ganz stattliches Plus auf/'
Sie sah ihn fragend an, krauste nachdenkend die Stirn. „Nein — das kann nicht stimmen. Die letzte Krankheit, das Begräbnis —", ihr Blick verdunkelte sich wieder, wurde stumpf und starr.
„Der Rest des Geldes wurde erst dieser Tage ein- gezahlt", erklärte Steinherr. Wieder flatterten ihre Augen unsicher zu ihm empor. Aengstlich, ungläu-
der Jude ein Fremdling sei und bleibe. Brücken zum seelischen Verständnis gebe es nicht, da ein Verständnis in Dingen des Gemütes naturwidrig sei. Das sei eine biologische Notwendigkeit. Unsere rassische Ginftellung zu allem Handeln gestatte uns, die Eigenarten des anderen zu achten. Werturteile müsse man ausschließlich vom Standpunkte des eigenen Blutes aus fällen. Der Liberalismus habe sich mit seiner pazifistischen Verbrüderungsidee und der Ablehnung völkischer Gedankengänge selbst betrogen. Seine Betrachtungsweise sei ebensowenig objektiv gewesen, wie die unsere objektiv sei. Es gebe keine Möglichkeit für einen Menschen, wahr- haft objektiv zu sein, da er von seinem Blute abhängig sei. Der Liberalismus fei an der Nichtbeachtung der biologischen Gesetze zugrunde gegangen. Die unparteiische Geschichte werde einst dem Fühker Adolf Hitler danken, daß er, aus der ewigen Quelle des Volkstums kommend, als Prediger in der Wüste des deutschen Volkes sein Volk unter bescheidener Beachtung der Naturgesetze vor dem drohenden Untergang und damit auch das gesamte Abendland vor dem Untergang im bolschewistischen Chaos gerettet habe. (Lebhafter Beifall!)
Neue Reichsverbilligungsscheine für Speisefette.
WTB. Die Ausgabe eines Reichsverbilligungs- scheins für Speisefette für mehrere Monate hat sich nicht als zweckmäßig erwiesen. Die Reichs- verbilligungsscheine sollen daher monatlich aus- gegeben werden. Der Reichsverbilligungsschein für August besteht aus zwei Abschnitten. Abweichend von den bisherigen Bestimmungen fafnn vom 1. August 1933 an jeder Abschnitt des Der- billigungsscheins schon bei dem Kauf von mindestens einem halben Pfund der für die Verbilligung in Frage kommenden Fettwaren in Zahlung gegeben werden.
Gleichschaltung der Bienenzucht.
Der Deutsche Imkertag in Bad-Rauheim am 29. Juli wird seine besondere Bedeutung dadurch bekommen, daß an ihm auch die Gleichschaltung der Bienenzucht vorgenommen werden wird. Der Beauftragte der Reichsleitung der RSDAP.. Amt für Agrarpolitik, Landtagsabgeordneter Vetter, Wanfried bei Kassel, ist mit dieser Gleichschaltung beauftragt. Dadurch wird der Deutsche Imkerbund ganz wesentlich der Erfüllung seiner längst erstrebten Wünsche und Ziele nähergebracht. Die bisherige Bundesführung hat ihre Aemter zur Verfügung gestellt. Die Ver- treterrersammlung hat die Wege für die Weiterentwicklung freizumachen. Der neue Bundesführer, ausgerüstet mit allen Vollmachten, kann die Eingliederung der Bienenzucht in die große ständische Front des Landvolks vornehmen und alle nötigen weiteren Entwickelungsmöglichkeiten schassen. Bis zur Herausgabe der Richtlinien für die Gleichschaltung durch den deutschen Im- kenbund sind alle Schritte in dieser Richtung zu unterlassen.
Die Ausstellung, die mit der Tagung verbunden ist, hat ein alle Erwartungen übersteigendes Ausmaß angenommen. Bad°Rauheim wird also Ende dieser Woche Bedeutungsvolles erleben.
Gietzener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 25. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter 120 bis 125, Kochbutter 100, Matte 25 Pf. das Pfund, Käse 4 bis 10, Eier, inländische 8,5 Pf. das Stück, Wirsing, grün, 10, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 10 bis 15, Spinat 20, Römischkohl 10, Bohnen, grün, 15 bis 20, gelb 20 bis 25, Erbsen 10 bis 15, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 12, Rhabarber 8, Pilze 25 bis 30, Kartoffeln, alte, 3, neue 3—4, Frühäpfel 30, Pfirsiche 30 bis 40, Himbeeren 25 bis 35, Birnen 25 bis 40, Kirschen 20 bis 30, Heidelbeeren 28 bis 30, Stachelbeeren 12 bis 15, Johannisbeeren 12 bis 15, Pflaumen 35 bis 40, Junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 40, Einmachgurken 2,5 bis 4, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 20 Pf. das Stück, Radieschen 5 bis 10 Pf. das Bund, Kartoffeln, neue, 3 Mk. per Zentner.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Deutscher Stenographenbund, „Stadt Lich", Beginn der Ferienkurse. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Fräulein — falsch verbunden!"
big forschten sie in dem dunklen Gesicht, das ruhig ihrem Fragen standhielt.
„Der Rest", stammelte sie, „das ist doch gar nicht — das ist..."
„Das ist das Geld, das Ihnen rechtmäßig zugekommen wäre, hätten Sie durch Ihre Flucht nicht alle Beziehungen zu den Verwandten abgebrochen", vollendete Steinherr betont. „Ihr Vater hätte ein Viertel des Gesamtvermögens des verstorbenen Grafen geerbt. Also nur keinen falschen Stolz. Sie treten nur in Ihr Rechte, das wissen die Verwandten ganz genau, deshalb halfen sie (.uch so willig."
Das zarte Gesicht der Frau überzog eine helle Röte. Sie schluckte — würgte. Warum sprang sie nicht auf.
.Mein! Ich nehme nichts von jenen Menschen, deren Kalte und Herzlosigkeit mich aus dem Hause trieben. Ich brauche keine Almosen, ich will frei sein von erzwungener Dankbarkeit."
Worte, leere Worte. Sie war arm, verlassen, hilflos. Hunger tat weh; sie wußte es allzu gut.
„Sie werden es annehmen, Frau Wera?"
In der drängenden Frage schwang ein leiser Befehl.
Tief sank das blonde Haupt.
„Ja!" murmelte sie gehorsam. „Ja!"
Steinherr nickte zufrieden.
„So ist s recht! Und nun möchte ich Sie ein wenig ipaaieren führen. Um diese Stunde ist es draußen fast leer. Seit vier Tagen sind Sie nicht aus dem Hause gekommen."
ängstlich und eigensinnig; aber j?*n Wunsch siegte. Lange gingen sie in der köstlichen Frische des sinkenden Tages, dessen bläuliche Schatten sich schon auf die schneeige Weiße gesenkt. Nur auf den Bergeshöhen zögerte ein letzter heller Sfijein des längst geschwundenen Lichts. Und die -stille war wie eine linde Hand, die sich heilend und tröstend auf Weras wunde Seele legte.
Unbewußt hatten sie die Schritte nach dem Friedhof gelenkt, standen lange nebeneinander an dem snsch aufgeworfenen Hügel, der die sterblichen lieber- reffe Georg von Vandros barg. Die Blumen der Kranze waren schon verwelkt; von kurzer Dauer war ihre Pracht gewesen — wie das Glück, das sie deckten, dachte die Frau schwermütig. Steinherr blickte um sich.
(Fortsetzung folgt.)
.. J.«
ssgss
ÄS
WrySswert« ?(’ f#**f Dem
KE
Der Gottesdienst,
'MM'
Titelkämpfe
Wenti
3m SRaljmen des De Montag im Wbolf'fiitl Deutschen Poliz« Turnen und Wettkämo' M Während die T nur totale Erbeutung sterschchskampfen der allen Teilen des Beic wäre wohl noch hvh nicht In den letzten ’ genden Dienst gehah zu einer entsprechen
Die Bedingungen waren recht schwer, l der Turner die oorg Meister im Zwölsk wurde der bekannte Wachtmeister Frei kampf (für ältere = Maulen fiel. Die
Zwalfkamps- wachimeister Frei meister Schlecht- Wachtmeister Wert
Ki>rt>erli
^Gesut braucht d kampt V( Sie die S( ^treib, , äuterku Kräuter, s ^shalb z kannte F£
°NDer'


