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25.4.1933 Frühausgabe
 
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9er neue Provinzialtag und Provinzialausschuß.

Die Provinzial-Wahlkommission für die Neubil­dung des Prooinzialtages und des Pro vinzialausschusfes von Oberhessen trat gestern im Negierungsgebäude au Gießen zur Fest­stellung des Wahlergebnisses zusammen.

Provinzialdirektor Graes gab die neuen Be- stimmungen bekannt, die für die Neufestsetzung des ProvinAialtages und des Provinzial- a u s s ch u s s e s maßgebend sind. Er stellte ferner fest, daß von der NsDAP., von der Bereinigten Rechten (Kampffront Schwarzweihrot, Zentrum, Deutsche Volkspartei und Ehristlich-sozialer Volks­dienst) und der Sozialdemokratischen Partei Wahl« Vorschläge eingereicht worden seien. Bei der Prüfung der Wahlvorschläge und Formalien hätten sich keinerlei Beanstandungen ergeben. Der Pro- oinzialtag bestehe in Zukunst nicht mehr aus 35, sondern nur noch aus 25 Abgeordneten. Bei der Reichstagswahl am 5. März habe die NSDAP, in der Provinz Oberhessen 133 276 Stimmen aus sich vereinigt, die in der Vereinigten nationalen Rechten zusammengeschlossenen Parteien erhielten 22 390 Stimmen, die Sozialdemokratische Partei 42 185 Stimmen.

Demnach entfallen im neuen Provinziallondlog auf die NSDAP. 17, auf die vereinigte na­tionale Rechte 3 und auf die SPD. 5 Sitze.

Entsprechend den eingereichten WahloorschlägtN gelten folgende Herren als gewählt:

RSOAP:

1. ftloftcrmann, Alfred, Lehrer, Vockenrod.

2. Seipel II., Wilhelm, Landwirt, Fauerbach v. d. H. 3. Diehl, Konrad Philipp, Landwirt, Hoch-Weisel. 4. Bartholomäus, Hch., Arbeiter, Gießen.

5. Hofmann, Franz, Landwirt, Ranstadt.

6. Dörrschuck, Adam, Landwirt, Friedelhausen.

7. Fischer, Konrad, Landwirt, Hartershausen.

8. Straub, Heinrich, Spengler, Schotten.

9. Kurz, Adolf, Oberingenieur, Gießen.

10. Faulstich, Heinrich, Landwirt, Allendorf a. d. Lda. 11. Schäser III., Heinrich, Arbeiter, Vadenrod.

12. Vogt, Heinrich, Rechtsanwalt, Alsfeld.

13. Weller, Otto, Mühlenbesitzer, Schlitz.

14. Pfannstiel, Otto E. August, Landwirt, Bermuts- hain.

15. Dr. Löffler, Karl, Tierarzt, Drtciüieig.

16. Hofmann, Emil, Landwirt, Freienseen.

17. Kromm II., Wilhelm, Fabrikant, Schotten.

Vereinigte nationale Rechte:

1. Schmidt, Anton, Eduard, Bürgermeister und Landwirt, Ober-Mörlen.

2. Schmahl, SUrl, Landgerichtsdirektor, Gießen.

3. Neuenhagen, Ludwig, Landgerichtspräsident a. D.

Gießen.

epD:

1. Lux, Anton, Gastwirt, Nieder-Florstadt.

2. Häuser, Heinrich, Parteisekretär, Gießen.

3. Moosdorf, Kurt, Bürgermeister a. D., Vilbel.

-l. Seipp, Wilhelm, schreiner, Lollar.

5. Röhler, Joses, Bildhauer, Bad-Nauheim.

Der provinzialausschuß.

Für den P r o o i n z i a l a u s s ch u ß, der sich in Zukunft, wie bisher, aus 8 Mitgliedern zusam- mensegen wird, entfallen auf die NsDAP. 6 oifoe, auf die Vereinigte nationale Rechte 1 Sitz und auf die SPD. ebenfalls 1 Sitz. Als Mitglieder gewählt gelten die Herren-

NSDAP:

l. Klo st ermann, Alfred, Lehrer, Vockenrod.

2. S e i p e l II., Wilhelm, Landwirt, Fauerbach o. d. H.

3. Bartholomäus, Heinrich, Arbeiter, Gießen.

4. V o g t, Heinrich, Rechtsanwalt, Alsfeld.

5. K u r z, Aoolf, Obcringcnieur, Gießen.

6. K r o m m II., Wilhelm, Fabrikant, Schotten.

Vereinigte nationale Rechte:

1. Dr. Bayer, Heinrich, Volkswirt, Bad-Nauheim.

SPD:

1. M o o s d o r f, Kurt, Bürgermeister a. D., Vilbel.

Als stellvertretende Mitglieder des Provinzialausschusses wurden gewählt:

NSDAP:

1 Schäfer III., Heinrich, Arbeiter, Vadenrod.

2. D i e h l, Philipp Konrad, Landwirt, Hochweisel.

3. F a u l st l d> II., Heinrich, Landwirt, Mendorf a. d. Lda.

4. Dr. Mörschel, Richard, Finanzbcamter, Bru­chenbrücken.

5. M a l k m u s jun., Karl, Bauingenieur, Alsfeld.

6. W e l l e r, Otto, Mühlenbesitzer, Schlitz

Bereinigte nationale Rechte:

1. S ch m a h l, Karl, Landgerichtsdirektor, Gießen.

SPD:

1. G c r l a ch , Friedrich, Gewerkschastsangestellter., Wieseck.

Ser neue Gießener Kreistag und Kreisausschuß.

Im Regierungsgebäude zu Gießen wurde eben­falls gestern unter dem Vorsitz von Regierungsrat Grein der Kreistag und der K r e i s a u s - schuh für den Kreis Gießen festgestellt. Der Kreistag setzt sich in Zukunft, an Stelle der bis­herigen 30 Abgeordneten, nur noch aus 20 Ab­geordneten zusammen. Die NSDAP, erhielt bei der letzten Reichstagswahl im Kreise Gießen 37 315, die jetzt in der Vereinigten nationalen Rechten zu> sammengefaßten Parteien insgesamt 6637 und die SPD. 15 844 Stimmen.

Demnach entfallen auf die NSDAP. 13, auf die vereinigte Nationale Rechte 2 und auf die SPD.

5 Mandate.

Als gewählt gelten für die

NSDAP:

1. K l r ch h ö f e r, Heinr., Bergverwalter, Hungen. 2. Lulcy^ Wilhelm, Rechtsanwalt, Gießen.

3. Metz, Karl, Steueroberinfpektor, Gießen.

4. Forchheim, Theodor, Arbeiter, Allendorf a. d. Lda.

5. Sattler, Karl, Pfarrer, Wieseck.

6. W r e d e, Karl, Direktor, Gießen.

7. B r ü ck e l, Wilhelm, Amtsgerichtsrat, Gießen

8. Jung, Otto, Ingenieur, Watzenborn-Stein­berg.

9. Balser, Johann, Maurermeister, Bettenhausen. 10. Schmidt, Robert, Landwirt, Steinheim.

11. Will, Hans, Betriebsleiter, Leihgestern.

12. Hofmann IV., Jakob, Schuhmacher, Bersrod. 13. Rehfeld, Arthur, Schmied, Langsdorf.

Vereinigte nationale Rechte:

1. Iantzen, Erich, Direktor, Lollar.

2. North, Franz, Postafsistent i. 9t., Gießen.

SPD.:

1. Beckmann, Georg, Angestellter i. 9t., Gießen.

2. Sehrt, Ludwig, Landwirt, Lindenslruth.

3. Deibel III., Louis, Zimmerer, Staufenberg.

4. Oßwald, Karl, Maurer, Wieseck.

5. Schneidmüller. Georg, Bergmann, Gro- ßen-Linden.

Der Kreisausschuß.

Der Kreisausschuß setzt sich aus sechs Mitgliedern zusammen. Dem Kreisausschuß gehören in Zukunft vier Mitglieder der NSDAP, und zwei Mitglieder der SPD. an, während die Ver­einigte nationale Rechte im Kreisausschuh nicht ver­treten fein wird. Als gewählt gelten:

NSDAP:

1. Brückel, Wilhelm, Amtsgerichtsrat, Giehen. 2. Wenderoth, Wilhelm, Arbeiter, Gießen.

3. W i e d e r st e i n, Wilhelm, Kaufmann, Hungen.

4. Berghöfcr, Heinrich, Landwirt, Treis a. d. Lda.

Als deren Stellvertreter:

1. D r a u d t, Hermann, Pfarrer, Lich.

2. Metz, Karl, Steueroberinspektor, Gießen.

3. Wrede, Karl, Direktor, Gießen.

4. Jung,Otto, Ingenieur, Watzenborn-Steinberg.

SPD:

1. Beckmann, Georg, Angestellter i. 9t., Giehen.

2. Benner, Karl, Gewerkschaftsangestellter.

Als deren Stellvertreter:

1. Sehrt, Ludwig, Landwirt, Lindenstruth.

2. Schneidmüller, Georg, Bergmann, Gro- ßen-Linden.

Geschlossenheit der Gießener Kommunalbeamten. Gleichschaltung der Ortsgruppe Gießen des Landesverbandes hessischer Gemeindebeamten und »Angestellten e.D.

Am Samstag hielt die Ortsgruppe Gießen des Landesverbandes Hess. Gemeinde- beamten und »anae ft eilten e. V. im Saale desAquarium" auf Grund des Gleichschaltungs­gesetzes ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Die Versammlung stand von vornherein im Zeichen der nationalen Erhebung Der Saal war mit der Hakenkreuzfahne, der schwarzweihroten Flagge und dem Bild des Reichskanzlers Adolf Hitler geschmückt und bis auf den letzten Platz besetzt.

Nach Verlesung des Geschäfts- und Kasienberichtes des verflossenen Jahres legte der seitherige Vor- stand geschlossen seine Aemter in die Hand der Mit­gliederversammlung zurück; es wurde ihm Ent­lastung erteilt und der Dank für die geleistete Arbeit ausgesprochen. Auf Vorschlag der Nationalsozialisti­schen Beamten-Arbeitsgemeinschaft wurde der Vor­sitz während der folgenden Wahlhandlung dem Parteigenossen Derwaltungsinspektor Wied- metjer übertragen. Pg. Wiedmeyer gab einen Ueberbütf über die politische Entwicklung bis zum heutigen Tage. Er betonte dabei besonders, daß die Führung einer Beamtenorganisation unbe­dingt in die Hände von Nationalsozialisten gelegt werden müsse, um dem Marxismus und der Demo- fratie mit ihren unehrlichen Prinzipien zu Leibe rücken zu können. Deshalb verlange die National­sozialistische Beamten-Arbeitsgemeinschaft in Ver­bindung mit der Kreisleitung der NSDAP, zum Zwecke der Gleichschaltung die restlose lieber« fübrung der Dorstandsämter in Händ e von Nationalsozialisten. Er trat außer- dem für die Verkleinerung des Vorstandes ein und erklärte, daß für demokratisches Verhandeln heute kein Raum mehr sei. Die Leiter einer Beamtenorga­nisation mühten durchdrungen sein von dem Ge­

fühl für die Gesamtheit zu arbeiten Gemeinnutz gehe vor Eigennutz!

Alsdann unterbreitete er der Versammlung den von der Nationalsozialistischen Beamten-Arbeits­gemeinschaft in Verbindung mit der Kreisleitung der NSDAP. Gießen ausgestellten Vorschlag für die Neubesetzung des Vorstandes der Ortsgruppe Gießen des Landesver­bandes hessischer ©emeinbebeamten und -ange st eilten e. V. mit der Aufforde- rung, sich geschloßen hinter die neuen Männer zu stellen. Nach kurzer Debatte, in deren Verlauf Herr Verwaltungsdirektor Kolb mit begeisterten Wor­ten für die neue Sache eintrat und die städtische Beamtenschaft aufforderte, geschlossen hinter die nationale Regierung zu treten und ihre Kräfte zur Verfügung zu stellen, nahm die Versammlung den Vorschlag der Nationalsozialistischen Beamtenar­beitsgemeinschaft ei n st i m m i g an.

Der Dorstand setzt sich nunmehr aus folgen­den Parteigenossen und Mitgliedern der NSDAP.- Beamtenfachschaft zusammen: 1. Vorsitzender: Verw.- Sefretär Georg Pfeil, 2. Vorsitzender: Prov.-Kas­senoberinspektor Pfaff, 1. Schriikiührer: Derw.- Odersekretär Karl Pfeil, 2. Schriftführer: Verw - Sefretär Karl Rotherme l, 1. Rechner: Derw.- Sckretär. Friedrich Feyh, 2. Rechner: Derw- Praktikant Georg Wahl, Beisitzer: Betriebs- Inspektor Steckenmesser, Sparkassenangestell­ter Morsch und Oberamtsgehilfe G. ijenn. Da­mit war die Gleichschaltung restlos erreicht.

Der erste Vorsitzende dankte hieraus der Ver­sammlung für das einmütig ausgesprochene Ver­trauen und brachte ein dreifachesSieg-Heil"' auf den Führer Adolf Hitler aus. Mit dem Gesang des Horft-Wessel-Liedes war die Vorstandswahl be­endet.

Anschliehend berichtete der Geichäftsführer des Landesverbandes Reck über die beamtenpolitische und organisatorische Lage.

U. a. teilte er mit, daß inzwischen die Leitung des Deutschen Leaintenbundcs nach dem Führerprinzip umgebildet und der Aufgabenbereich des Deutschen Beamtenbundes wie folgt festgelegt worden sei:

1. Die Aufboutatigkeit der Reichsregierung mit allen Kräften zu unterstützen und deren stre­ben nach Schaffung einer wahren Volksgemein­schaft zu fördern,

2. die sittliche Berufs- und Lebensauffassung des deutschen Beamten auf der Grundlage "deut­scher Ueberlieferung zu pflegen und weiter zu entwickeln,

3. die Bedeutung des Berufsbeamtentums als organischen Bestandteil des deutschen Volks- und Staatslebens bei allen Volksgenossen zu verlebendigen,

4. alle Standes- und sonstigen Beamtenfragen initiativ zu pflegen und zu vertreten,

5. die sachliche und staotspolitische Weiterentwick lung der Beamtenschaft zu fördern.

Wie groh das Vertrauen der Beamtenschaft zu dem unter neuer Führung stehenden Deutschen Bc« amtendund geworden sei, gehe aus der Tatsache hervor, daß eine große Anzahl außenstehender Verbände in Zeichen ihren Beitritt zum Deutschen Beamtenbund erklärt hatten. Die wahre und voll tommene (Einigung der deutschen Beamtenschaft werde unter der Führung des Leiter» der 'Beamten- abteilung der 'NSDAP., Reichstagsadgeordneten I. Sprenger - Frankfurt o. M., zur Wirklich­keit. 2)ie Gemeindebeamten und -angestellten Hes­sens gelobten dem neuen Führer Gefolgschaft und treue Miiardeit bei seinem Wirken für das Wohl des heutigen Berussbeamtentums des geeinten deutschen Staates und der deutfchen Nation.

Der neubeftinuntc erste Vorsitzende schloß die Versammlung mit einemSieg-Hell" aus den Reichspräsidenten, den Reichskanz­ler und den hessischen Staatspräsidenten. Der Gesang des Deutschlandliedes bildete den Ab­schluß der denkwürdigen Versammlung.

Erholung und Freude im Garten.

Aus der Geschichte der deutschen Gartenliebhaberei.

Laßt uns unseren Garten bebauen" dies Wort, mit dem Voltaire die tragischen Aben­teuer seinesCandide" beschließt, ist immer mehr zu einer allgemeinen Lebensweisheit des 'Menschen geworben. In ber Gartenarbeit Erquickung und Erholung, Ablenkung und Erfrischung zu suchen, ist heute sehr vielen ganA selbstverständlich, die sich ein kleines Stück Erbe als friebuolie Zuflucht inmitten der Wirren bes Lebens gesichert haben. Neben bem Berufsgärtner steht in ber beutschen Geschichte von Anfang an ber Gartenliebhaber, wenn auch freilich bieses so gesunbe und nützliche Steckenpferd sich im ganzen Volk erst viel später eingebürgert hat.

Als die Mönche im frühen Mittelalter den Garten­bau in Deutschland einsührten, da waren neben dem Pater Gärtner, der das Ganze leitete, stets auch fromme Brüder tätig, die mehr §u ihrem Vergnügen Blumen und Früchte zogen. Ein solcher Liebhaber ist der berühmte Abt bes Klosters Reichenau ae- wesen, Walahfrieb Strabo, bem wir bas älteste Gartengedicht ber beutschen Kultur verdanken, das freilich noch lateinisch versaßt war. Der Dich­ter erzählt in der Einleitung zu diesem Werk aus­führlich von den Mühen und Freuden: Wie beim Frühlingsbeginn der Boden ganz mit Brennejfeln be- deckt ist, wie er ihn umgräbt, jeden Maulwurss- haufen zerstört, jeden Regenwurm aufließt, wie er bann Beete formt, ben Boben mit Rechen unb Hacke zerkleinert, fetten Dünger in Körben herbei- schafft, um die harte Krume zu lockern, wie er end­lich den Samen legt, überwinterte Pflanzen umsetzt und nach bem Aufaehen ber zarten Saat reines Wasser in großen Gefäßen herbeischleppt, bie Pflänz­chen aber mit hohler Hand begießt, um sie nicht zu schäbigen. Welch reichen Ertrag ihm all bicse Sorge und Arbeit bietet, davon künden die jubelnden Verse, die das Wunder ber Blumen, bie Pracht ber Früchte schilbern. Wie verliebt bie Menschen bes Mittelalters häufig in bas Gartenwesen waren, bavon bietet ein Beispiel ein Bilb aus bemLustgarten" ber Aeb- tissin S) e r r a b von ßanbsberg: hier wird ein Ein- siebter bargefteüt, ber bie himmlische lugenbleiter bereits bis "zur höchsten Sprosse erklommen; boch in so luftiger Höhe angelangt, kann er sich nicht ent­halten, noch einen Blick auf das blühende Oärtlein an feiner Hütte zu werfen, unb kopfüber stürzt er sich herunter, weil er bas irbische Paradies dem himmlischen vorzog.

Im ritterlichen Burggarten versahen zumeist die Frauen die Gartenarbeit; die Ritterfräulein säten hier 'Blumen, gruben wohl auch selbst die 'Beete um; nur bas Unkrautjäten, bas als schwerste Arbeit galt, überließen sie den Mägben unb Knechten. In ber Renaissancezeit werben besonders bie Gelehrten und die Fürsten von der Gartenliebhaberei ergriffen. So mancher berühmte Humanist zog sich selbst bie sel­tenen Pflanzen unb Kräuter, die ihm aus fernen Landen gesandt wurden, und die Herrscher gingen im Anbau ber Gärten ihren Untertanen mit gutem Beispiel voran. Ein Muster bafür sindVater 21 u g u ft" undM u 11 c r Ann a", der Kurfürst von Sachsen und seine Gemahlin, die selbst in ben Gärten arbeiteten, bie sie rings um ihre Schlösser schufen.

Eigentlich heimisch geworben im Garten ist aber der deutsche Mensch boch erst im 18. Jahrhundert, und so wurde die Garten Liebhaberei erst in dieser Epoche im 'flürgerftanbe ganz allgemein. Typisch für diese liebevolle Pflege unb Wartung seltener unb schöner Pflanzen ist bas Bilb, bas Goethe in Dichtung unb Wahrheit" von seinem Großvater, bem Stabtschultheißen Textor entwirft :Dic viel­fachen Bemühungen, welche nötig sind, um einen schonen Nelkenflor zu erhalten, ließ er sich niemals verdrießen. Er selbst band sorgfältig die Zweige bei Psirsichbäume fächerartig an bie Spaliere, um ein reichliches unb bequemes Wachstum ber Früchte zu befördern. Das Sortieren der Zwiebeln von Tul pen, Hyazinthen und verwandten Gewächsen, sowie die Sorge für die Aufbewahrung derselben überließ er niemandem, und. noch erinnere ich mich gern, wie emsig er mit bem Okulieren der verschiedenen Rosensorten sich beschäftigte."

Goethe hat von diesem Großvater die leidenschaft­liche Gartenliebe geerbt. Als er sich seinen Garten amStern" des Weimarer Parkes anlegte, da lernte er eifrig alles, was der Gärtner wissen muß. ReichartsLand- unb Gartenscha tz", eins ber beliebtesten bamaligen Lehrbücher, war sein ständiger 'Begleiter. Nun legte er den Grund zu seinen botanischen Kenntnissen, und wenn er so recht nach Herzenslust geschauselt unb gegraben, gedüngt unb gepflanzt hat, bann nennt er bas in seinem Tagebuchimmer bie schönsten läge".

Für diese Liedhaber-Arbeit ber Menschen de, klassischen Zeit sind die schönsten Zeugnisse das Gartenjournal" des bekannten Märchenbichters M u s ä u s , ber Tag für Tag berichtet, was er in seinem vor ber Stabt Weimar gelegenen Garten getan hat, und bie Briefe ber Ernestine Voß, ber Gattin bes Homer-Uedersetzers. Mit ihrem Bruder, bem ,Z)ain"-Dichter Boie steht Ernestine in lebhaf­testem Briefwechsel über alle Gartendinge. Er schickt ihr seltene Sämereien unb Pflanzen unb sie berichtet barüber, was sie bamit macht.Gestern habe ich zum ersten Mal in meiner Gartenschule gearbeitet, bas ist mir ein Fest gewesen", heißt cs ba z. B. Alle Freube ihres Daseins erwächst aus bemköstlichen Stückchen Welt, das ich mir geschaffen."

Diese Bewegung ist bann von der Romantik und besonders ber Biedermeierzeit fortgeführt worden. Die neuerwachte Freude an der Gartenarbeit, die heute so weite Kreise unseres Volkes burchdringt, knüpft an bieses Gartengluck vor 100 Jahren an. Wie man bamals arbeitete, hat uns Gustav Klemm in seinenkulturhistorischen 'Briefen" bc richtet:Das Ausjäten des Unkrauts, das Gießen der Beete, das Reinhalten der mit weißem oder gelbem Sand bestreuten Wege nahm Zeit und Mühe in Anspruch, Magd und Kinder halsen mit der Gießkanne unb bem Rechen. Diese Meinen Gärten waren der Sitz bes tiefsten Friedens, bescheibenen Glücks unb herzerfreuender Ordnung. Do kauerte an stillen Abenden der Hausherr im Schlafrock am Nelkenbeet, prüfte und besah, senkte unb ftängclte seine Lieblinge ober ging an ben Spalieren hin, nachzusehen, ob bie gepfropften ober okulierten Bäume gebiehen.

Buntes Allerlei.

Zwei Kriminaldramen auf einmal.

Während ein spannender Kriminalfilm in dem Granada-Theater zu Reuyork abrollte und die 1000 Zuschauer in atemloser Spannung hielt, vollzog sich zugleich in Wirklichkeit ein nicht minder aufregendes Derbrecherdrama in dem Gebäude. Der FilmDer glückliche Teufel" hatte gerade seinen Höhepunkt erreicht, und man sah einen Einbruch in eine Dank, der mit allem RealiSmuS des Hollywooder Filmstils vorge- führt wurde, als in das Dureau des Theater- Direktors Charles Mann zwei schwer bewaffnete Männer einbrangen unb ihmHande hoch!" zu­riefen. Sie befahlen ihm. ben Geldschrank au öffnen, und als er sich weigerte, schlugen sie ihn mit den Kolben ihrer Revolver nieder, knebelten ihn und fesselten ihn. Während sie den Inhalt des Geldschrankes untersuchten, klopfte ein Bote an die Tur. und daraufhin entflohen sie mit nur ein paar Dollars als Deute durch die Hintertür. Als der Dote in den Raum eintrat, fand er den Direktor gefesselt und rief nach der Polizei. Das Kinopublikum hatte von diesem Dorgang nicht das geringste bemerkt. Als die Schutzleute anlangten, hielten sie bie Revolverschüsse, bie ge­rade im Film abqefcuert wurden, für das Zeichen eines heftigen Kampfes, der mit denBeehre» chern tobte, stürzten in den Zuschauerraum unb mußten hier fest stellen, daß bie schwerbewaffneten Verbrecher nur Schatten waren, während bie wirklichen längst bas Weite gesucht hatten.

Weniger Zische in der Nordsee.

Rach bem neuesten Bericht bes Fischerei-Amtes, den das englische Ministerium für Ackerbau und Fischerei veröffentlicht, hat man eine Verminde­rung verschiedener eßbarer Fische in der Nord­see feftgeftellt. Rur der Hering und der Kabeljau erfreuen sich noch der alten unerschöpflichen Fülle. Dagegen nimmt die Scholle an Zahl ab. Don diesen Tieren sind in den letzten Jahren größere Wengen gefangen worden als früher, und es ergab sich habet, daß nur junge Tiere erbeutet wurden. Dadurch hat der Wert beträchllich ab­

genommen. Die Erträgnisse deS Dvrschsanges haben noch mehr gelitten. Während im Jahre 1925 eine Million Zentner Dorsch an den eng­lischen Küsten gelandet wurde, waren eS 1931 nur noch 700 000. Sehr bedenklich ist dabei, daß die großen wertvollen Dorsche, die 1920 noch die Hälfte der Deute ausmachten, jetzt auf ein Zehntel des ganzen Fanges zurückgegangen sind. Da der weibliche Dorsch nur laicht, wenn er eine be­stimmte Größe erreicht hat, so muß mit einer stetigen Abnahme der Dorschbevölkerung der Nordsee gerechnet werden, da immer weniger Weibchen zur Fortpflanzung gelangen. Auch der Schellfisch ist im Abnehmen. AIS Maßnahme gegen diese Verringerung einer Anzahl wich iger Fischarten der Nordsee wird die Verwendung von Retzen mit größeren Waschen gefordert. Dadurch können die Fischer nur die größeren Fische an Dord bringen und die kleineren werden dadurch geschützt, so bah sie in Ruhe wachsen und sich vermehren können.

Mit dem Rad durch drei Erdteile.

Eine Fahrt von 23 000 Kilometer durch Afrika, Asien und Europa haben zwei junge Leute zurück­gelegt, der Deutsche Richard K o ck 1 e r unb der Südafrikaner Kenneth Poulton, und zwar auf gewöhnlichen Zweirädern, die allerdings mit Hilfsmotoren ausgerüstet waren. Der Weg ging von Kapstadt über Johannesburg, Nairobi, Khartum und Kairo durch den Schwarzen Erd­teil, dann über Konstantinopel, Wien, München und Amsterdam dis nach London. Sie führten jeder nur eine Decke mit sich und als medizi­nische Ausrüstung etwas Verbandstoff. Jod und Chinin. In jeder Art von Wetter, unter der furchtbarsten Hitze, bei strömendem Regen unb schrecklichen Schneestürmen sind sie immer weiter geradelt. Kockler hakte verschiedene unangenehme Abenteuer; er flog wohl ein dutzendmal in Sümpfe, stürzte von Felsen herunter, brach sich in Rord-Rhodesien eine Rippe, erlitt in Holland bei einem Sturz GesichtSwunden und wurde auf dem Dalkan von einem Automobil überfahren. Trotzdem haben beide bie Reise gut überstanden.