Ausgabe 
25.4.1933 Frühausgabe
 
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Adolf Ieß, Direktor der Universitäts-Augenklinik in Gießen, Prof. Dr. Gomberg, Rostock. Auf der Eröffnungssitzung sprach Geheimrat Krueck- n> a n n im Namen der deutschen Augenärzte. Er rühmte u. a. die Verdienste der spanischen Augen­ärzte um den Fortschritt der ophthalmologischen Wissenschaft. Aus den Vorträgen und 'Aussprachen über die Behandlung der Netzhautablösung durch Operation ist zu erwähnen, daß es jetzt gelingt, viele Menschen, die früher unrettbar der Erblin­dung anheimfielen, diesem traurigen Schicksal zu entreißen. Das Verfahren von Professor Dr. Gonic- Schweiz, das die Durchlöcherung der Netzhaut mit einem Brennstift verschließt und dadurch die Netz­hautablösung beseitigt, wurde durch die Arbeiten der Oesterreicher Lindner, Guist, Safar, des Skan­dinaviers Larson, des Holländers Weve, der Deut­schen Ieß, Clausen, des Spaniers Arruga, des Schweizers Vogt und anderer Augenärzte erwei­tert und verbessert. Die Aufzählung dieser Namen allein schon beweist, daß internationale Aussprachen unbedingt notwendig sind, um durch gegenseitige Förderung den Segen neuer Heilmethoden bei allen Völkern zu verbreiten. Ist es doch z. B. hierdurch gelungen, das Heilergebnis der Netzhaut von 6 v. H. auf 60 bis 70 v. H. zu verbessern. Nekhautablösung tritt sehr oft in stark kurzsichtigen Augen auf.

Konflikt mit dem Rektor der Berliner Universität.

Die Deutsche Studentenschaft verbreitet eine Mitteilung, wonach der Rektor der Berliner Uni-, versität, Professor Kohlrausch, die Entfer­nung der von der Berliner Studentenschaft ange­schlagenen zwölf SäheW ider den undeut - schen Geist" in der Universität verlangt habe, widrigenfalls er das Rektorat niederlegen und die Hochschule nicht mehr betreten werde. Da die zwölf Thesen auch weiterhin aushingen, sei so heißt es weiter in der Erklärung der Deutschen Stu­dentenschaft anzunehmen, daß Prof. Kohl- rausch von seinem Rektorat zurücktrete.Da­mit dürfte auch in Berlin die Gleichschaltung, die in den letzten Tagen mit Professor Heidegger an der Universität Freiburg begonnen wurde, praktisch eingeleitet sein."

Göttinger Dozenten gegen Professor Franks Rücktrittserklärung.

Eine Anzahl Göttinger Hochschulprofessoren ver­öffentlicht eine Stellungnahme zu dem Rücktritt des Nobel-Preisträgers Prof. Dr. James Frank. In dieser Kundgebung heißt es u. a.:Wir unter­zeichneten Göttinger Dozenten sind der Ansicht, daß dieser Schritt allgemein, Insonderseit aber der Satz: Wir Deutsche jüdischer Abstammung werden wie Fremde und Feinde des Vaterlandes behandelt" eine erhebliche Erschwerung der inner- und außen­politischen Arbeit unserer Regierung der nationalen Erhebung bedeuten kann. Wir sind uns einig darin, daß die Form der obigen Rücktrittserklärung einem Sabotageakt gleichkommt, und hoffen, daß Die Re­gierung die notwendigen Reinigungsmaßnahmen beschleunigt durchführen wird." Infolge der Ferien war es nicht möglich, die Unterschriften aller Hoch­schullehrer zu erlangen. Wie aber aus gut unter­richteter Quelle verlautet, mißbilligt die Mehrheit der Dozentenschaft der Göttinger Universität Prof. Franks Erklärung.

Kieler Studentenschaft fordert Beurlaubung von 28 Universitätslehrern.

Die freie Kieler Studentenschaft hat den Rek­tor der Kieler Universität, Professor Dr. Scheel, in einem Schreiben aufgefordert, 28 namentlich aufgeführte Mitglieder des Lehrkörpers der Chri- stian-RLrecht-Universität zu veranlassen, ihre vorläufige Beurlaubung zu beantragen.

Liu General zum Honorarprofessor ernannt.

Der Generalmajor im Reichsverkehrsmini­sterium Professor Dr.-Jng. Dr. phil. h. c. Karl Becter ist zum Honorarprofessor in der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften der Tech­nischen Hochschule Berlin ernannt worden. Gleich­zeitig ist er beauftragt worden, in der genannten Fakultät die Allgemeine Heere stechnik in Borlesungen und Uebungen zu vertreten. Es ist außerdem beabsichtigt, eine ordentliche Pro­fessur für Wehrwissenschaften schon zum Sommer- semester 1933 an der gleichen Hochschule zu schaffen.

Der Kanzler vor den Führern der NSSAV

Reichskanzler Adolf Hitler bei seiner Ansprache vor den Führern der NSDAP, im Münchener Rat­haussaal, in der er den Weg und die Ziele der nationalen Revolution umriß.

3ur Einsetzung des Kirchen­kommissars in Mecklenburg.

Berlin, 24. April. (TU.) Der Reichskulturwart der GlaubensbewegungDeutsche C h r i st e n", Alfred Bierschwale, veröffentlicht zur Ein­setzung des Kirchenlornmissars in Mecklenburg- Schwerin folgende Erklärung:Dem evangelischen Kirchcnoolk sind die Protestaktionen der evangeli­schen Kirchenbehörden Deutschlands beim Reichsprä­sidenten von Hindenburg und beim Ministerpräsi­denten Granzow nur dann verständlich, wenn sie als ein Versuch gewertet werden, eineim kirchlichen Interesse vollzogene Han d- lung zu einer politischen Staatsaktion ZU stempeln. Wir weisen einen derartigen Versuch auf das AUerentschiedendste zurück und erklären klar und eindeutig, daß die überwältigende Mehrheit des evangelischen Kirchenvolkes dem Ministerpräsidenten Granzow von ganzem Herzen für die Ernennung eines Staatskommissars im Kircheninteresse dank­bar ist und entschieden von den Protestaktionen der amtlichen Kirchenbehörden, hinter denen das Kirchenvolk nicht mehr steht, a b r ü cf t."

Der mecklenburgische Landesbischof hat sich nach Berlin begeben, um mit den zuständigen Kirchen und Reichsinstanzen über die Angelegenheit ZU verhandeln. In R o st o ck verlasen am Sonntag im Anschluß an den Gottesdienst die Pastoren von den Kanzeln eine Erklärung, in der sie gegen die Einsetzung eines Staatskommissars für die evange­lische Kirche Einspruch erhoben und die Gemeinde aufforberten, im Gebet zu Gott eine Lösung des Konflikts zu erbitten.

Vorbereitung eines Zusammenschlusses her lutherischen Kirchen Deutschlands.

Berlin, 24. April. (CNB.) Der Evangelische Pressedienst meldet: Die in Berlin versammelten [ geistlichen Führer der deutschen evangelisch-kutheri- | schon Kirchen erkannten als erstrebenswertes Ziel eine f, arte evangelische Kirche deut­scher Nation unter Wahrung des B e - kenntnisstandes. Sie beschlossen als ersten Schritt auf diesem Wege, den feften Zusam - menschluß ihrer evangelisch-lutheri­schen Kirchen als lutherischen Zweig der kom- menben Kirche tatkräftig zu betreiben.

Das Echo in Italien.

Rom, 24. April. (TU.) Die Rede des Reichs­kanzlers in München wird vom(3 i o r n a l e b t a l i a" als klar, ehrlich, geschichtlich richtig und politisch am rechten Platz bezeichnet. Hitler habe den Friedenswillen Deutschlands erneut beftätigt, aber mit Recht hinzugefügt, daß Deutschland nicht weiterhin d i c Etikette eines Vasallen st aates ober Staates zweiter Drbnung tragen könne.

Diese elementare Wahrheit, sagt bas halbamtliche italienische Blatt, stoße noch auf Wiberstünde bei

einigen Nationen. Man verkünde die deutsche Ge­fahr und betreibe eben bei diesen Nationen gleichzeitig alles mögliche, um sie wiederzu­erwecken und zu vermehren, indem man die Geduld und das Ehrgefühl einer gro­ßen Kulturnation bis an die Grenze des äußersten belaste. Die Friedensworte, die Hitler gestern in München gesprochen habe und die durch die verantwortliche Politik der neuen deutschen Re­gierung bisher voll bestätigt worden seien, würden jenseits der Grenzen, so fei zu hoffen, über­zeugte Zuhörer finden.

Nur noch geschloffene Arbeitslager.

Berlin, 24. April. (ERD.) Reichsarbeits­minister Seldte hat zur Arbeitsdienst- fr a g e an die zuständigen Stellen die Weisung gegeben, daß die offenen Maßnahmen sofort auszuschalten sind, da sie der Aufgabe des Arbeitsdienstes widersprechen. Der Reichslommissar hat die Bezirksleiter angewie­sen, in Zukunft keine offenen Maßnahmen mehr anzuerkennen und die laufenden stillzulegen. Wo es aus irgendwelchen Gründen, die der Reichs­kommissar im allgemeinen kennzeichnet, zur Zeit nicht möglich ist. die Stillegung zu veranlassen, sind die offenen Lager in Rotstandsarbei- t e n umzuwandeln oder in geschlossene Lager zu überführen. Das letztere darf aber nur dann ge­schehen, wenn die Gewahr dafür gegeben ist, daß solche geschloffenen Lager als Stammlager zur Vorbereitung der Arbeitsdienst­pflicht anerkannt werden können.

Hessischer Landtag abgesagt.

Darmstadt, 24. April. Das Hessische Land­tagsamt teilt mit: Die für Freitag, 28. April, 12.30 Uhr angesetzte Landtagssitzung fällt aus.

Keine Mittel für wertlose und anti­nationale Zeitungen.

Darmstadt, 24. April. (WS2k.) Auf Grund einer Anregung dos Herrn Staatspräsi­denten wurden von den Ministerien eine An­zahl wertloser und anti nationaler Zeitungen abbestellt. Dadurch werden dem hessischen Steuerzahler jährlich etwa 1680 Mark erspart.

Ein Kampfbunh her neuen unh nationalen Front in her Schweiz.

Bern, 24. April. (TU.) Hier hielt der Reue Kompfbund der neuen und nationalen Front" eine starkbesuchte Versammlung ab. Ju­gendliche Schweizer in blaugrauen Hemden und dem weißen Kreuz auf der roten Armbinde mach­ten den Saalschutz. Der Präsident Dr. Tobler erklärte, daß es sich nicht um eine Nachahmung des Rationalsozialismus handele. Man spreche nicht von SA.-Truppen, sondern von dem KampsbundH a r st" , und statt des deut­schenHeil" begrüße man sich mit dem altschwei­zerischen KampfrufHaaruus". Zum Gruß werde die Hand erhoben wie auf Hodlers Gemälden. Oberstdivisionär Sonderegger wandte sich dann gegen Judentum und Frei­maurerei Cs müßten Gesetze erlassen werden ge- §en die Aufreizung zur Revolution und gegen ie Antimilitaristen, Gesetze für den Schuh des Mittelstandes und gegen die Großhandelsunter­nehmungen, gegen den Mißbrauch der Presse- und Redefreiheit, gegen den Bolschewismus in Schule und Kirche, zum Schuh der Arbeitswilligen und zur Abwehr volksfremder Elemente

Vom Verband

Mittelheutscher Industrieller.

Frankfurt a.M., 24. April. Das Präsidium des Verbandes Mitteldeutscher Industrieller gibt u. a. folgendes bekannt: Bewußt sehen wir davon ab, eine der in letzter Zeit so vielfach abgegebenen Lvrialitätserklärungen gegenüber der Regierung der nationalen Erneuerung auch unsererseits auszu­sprechen. Die Vergangenheit unseres Verbandes und feine gegenwärtige Arbeit sind der sicherste

Garant für eine im besten Sinne nationale Füh­rung der Geschäfte für die Zukunft. Wir hallen das Bestehen freier wirtschaftlicher Verbände auch ne­ben einer ständischen Gliederung gerade im Inter­esse der letzteren für notwendig. Niemals wird Deutschland und die deutsche Wirtschaft auf die tat­kräftige und gewollte Mitarbeit freier Wirtschaft­ler verzichten können und deren für die Allgemein­heit gerne getragene Verantwortung. Verantwor­tung jetzt Freiheit voraus, d. h. eines moralischen Menschen tatkräftigen, ungehinderten Einsatz der ganzen Persönlichkeit in einem starken, im besten Sinne autoritären Staat, unter dessen Fehlen die Wirtschaft in den letzten Jahren am allermeisten gelitten hat. Auf Anregung der NSDAP, hat eine Aussprache stattgefunden, an der die Herren Dr. Lüer und Eckardt von der NSDAP, einerseits, die Mitglieder unseres Präsidiums und der Geschäfts­führer des Verbandes andererseits teilgenommen haben. Diese hat nichts ergeben, was unserer hier geäußerten Auffassung entgegenstände. Das neue Reich hat vollen Anspruch auf die Mitarbeit der Wirtschaft, die wir auch an unserem Teil gewähren werden, und diese Bitte um Unterstützung richten wir an unsere Mitglieder weiter.

Kunst und Wissenschaft.

Internationaler Kongreß der Augenärzte in Madrid.

In Madrid findet der von nahezu 700 Oph­thalmologen aller Lander besuchte XIV. inter­nationale A u g/e närztekongreß statt. Zwei Hauptthemen b/schäftigen den Kongreß:D i e Tuberkulose dös Auge s" undD i e 'Netz­hautablösung und ihre operative B e - handlun g". Aus Deutschland sind u. a. einge- trofsen: Geheimrat Prof. Dr. E. Str ueef mann, Berlin, Prof. Dr. Behr, Hamburg, Prof. Dr.

Aus Mörikes Spuren.

' Don Emil Baader.

Da ich mir das Schaffen und Schicksal Eduard Mörikes wieder einmal vor Augen stellte, erwachte plötzlich die Sehnsucht in mit, durch die Landschaft za wandern, in der Mörikes unsterbliche Gedichte entstanden sind. Rach Urach und Tübingen und in all die entlegenen Alb- dörser, in denen Mörike als Bilar wellte, bin ich nicht gekommen. Dafür aber nach Rcuenftadt an der Linde, der Stammhcimat der süddeutschen Mörikes, und vor allem nach Cleversulzbach, jenem idyllischen schwäbischen Dorsim Unterland", in welchem der Dichter die reichsten und glücklichsten Jahre seines Lebens verbrachte.

Cs war schon Abend, da ich jungbelaubten Wäldern entlang gen Cleversulzbach zog. Ich hatte mich in Reuenstadt länger aufgehalten, als beabsichtigt war. Reuenstadt ist, wenn auch der Dichter selbst nie längere Zeit dort gelebt hat, doch eine rechte Mörike-Stätte. Rach Reuen­stadt war im Jahre 1694 der junge Apotheker Bartholomäus Mörike aus Havelburg in der Marl eingewandert, hatte sich dort im Jahre 1707 mit der verwitweten Frau Hof- und Stadtapo- theker Auguste Marie Bischerin verheiratet und war damit Stammvater aller süddeutschen Mörikes geworden. Sein Sohn wurde Bürger­meister des Städtchens. Ein anderer Rachkomme, der Apotheker Dr. Karl Mörike, ist Begründer desMörile-Frauenstiftes".

Klara Mörike, des Dichters Schwester, hat in diesem Stist die letzten Jahre ihres Lebens ver- bracht. Mörikes Tochter Fanny aber - und das war die große und freudige Ueberraschung für mich - traf ich als Siebzigerin, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit im Rcuenstadter Stift. Ich bin mit ihr durch den alten Stiftspark gewan­dert, herrliche Ahornbäume und wunderbare Rot­buchen stehen darin und habe mit dort von Mörike, dem gütigen und feinen Menschen, dem innigen deutschen Dichter erzählen lassen.

Da erkannte ich. in Frau Fanny Hilde- brand-Mörile sie ist inzwischen ver­storben - tagte ein Stück Mörike in unsere Zeit hinein. Mit so viel Wärme und so viel herzlicher Heiterkeit erzählte und plauderte die Tochter- rikes, daß ich glaubte, den Herzschlag und den Atem des Dichters selbst zu spüren. Die Gestalt und die Zeit Mörikes erwachte zu frischestem Leben.

Frau Fannys Zimmer im Stift ist ein wunder­volles Mörike-Heiligtum. Unmöglich aufzuzählen, was hier an kostbaren Mörike-Erinnerungen zu sehen ist: Bücher, Briefe, Bilder, Scherenschnitte und Andenken aller Art. Mit besonderem Stolz zeigte mir Frau Hildebrand eine Töpferei aus Mörikes Hand, in der Lorchec Zeit für dieliebe Fanny" geschaffen. Cs ist eine Schale mit einer Inschrift.

Voll Andacht aber nahm ich jenes altehrwürdige Gesangbuch:Die Gvttesharfe"^ur Hand, auf dessen letzte Seite der Dichter seinGebet" niederschrieb:

Herr, schicke, was du willt, Ein Liebes oder Leides, Ich bin vergnügt, daß beides Aus deinen Händen guillt.

Der Besuch bei Frau Hildebrand-Mörike war die beste Einstimmung für Cleversulzbach.

Das in Neuenstadt Geschaute und Gehörte ging mir durch den Sinn und Verse Mörikes waren in mir lebendig, da plötzlich aus einem Wald blühen­der Obstbäume der Turm der Cleoersulzbacher Dorfkirche vor mir aufragte, jener Turm, der Mö­rikes geliebten Turmhahn so lang trug:

Zu Cleversulzbach im Unterland Hundertdreizehn Jahr' ich stand, Auf dem Kirchturm ein guter Hahn, Als ein Zierat und Wetterfahn.

Da ich durch das Dorf wanderte, erkannte ich bald, daß daß sich Cleversulzbach äußerlich keineswegs vor einem anderen deutschen Dorf auszeichnet. Als ich aber im Abenddämmer Den Weg zum Dorffried- hof einschlug mächtige Kastanienbäume wölbten sich über Dem Friedhosstor Da ich voll Ehrfurcht am Grab Der beiDen großen schwäbischen Dichter­mütter stand, über das eine mächtige Linde friedvoll und feierlich ihre Aeste breitet (die Mutters Schil - l e r s und Die Mutter Mörikes ruhen bekanntlich auf Dem FrieDhof von Cleversulzbach), Da ich in später StunDe Durch Den Pfarrgarten schritt und unter jener Rotbuche weilte, in Die einst Mörike Den geliebten Namen Hölty einqrub, Da ich Durch Diemusizierende Gartentür" aus Dem allen Mörike- ©arten hinausschritt In weite abenDlidje Landschaft und Pfarrhof, Pfarrkirche und Pfarrdors Daliegen sah, im FrieDen Des Frühlingsabends, umfangen von Amseln und Nachtigallen, Da ging mir auf: das war eine Stätte: geschaffen für einen Dichter von Der Art Eduard Mörikes.

Im Cleoersulzbacher Dorfwirtshaus fand ich Her- berge. In Der Frühe des neuen Tages bin ich noch­mals durch Die Gaffen, Gärten und Winkel Des Dorfes gestreift. Dorn Pfarrherrn ließ ich mir jenen

Brief Mörikes zeigen, in Dem er alle feine Nach­folger bittet, Sorge zu tragen für die Erhaltung des Grabes von Schillers Mutter. Der Lehrer des Dor­fes zeigte mir die Schätze feines privaten Mörike- Museurns-, feineMörike-Kiste" Er hat darin nicht nur das ganze gedruckte Schrifttum vor uns über Mörike, sondern auch Handschriftliches von Mörike verwahrt. Ein Idyll für sich aber ist dasMörike- Stübchen" von Frau Sebold im2ldler". Ich habe schöne Sonntagsoormittagsstunden darin ge­sessen, mich seiner Kostbarkeiten freuend. Frau Se» bald ist eine Wirtin, an der Mörike, käme er wieder einmal in sein geliebtes Cleversulzbach, seine Freude haben müßte.

Die Sonntagsglocken läuteten in schwäbischen Dör­fern, Da ich durch herrliche Buchenwälder von Cleversulzbach gegen Weinsberg fuhr, in Die Stadt der Weibertreu, in die Stadt Justinus Kerner, der Mörike in guter Freundschaft und Nachbarschaft verbunden war

Miliiärfilm.

Diesmal heißt er:I a, treu i st d i e S o l d a t e n l i e b e!" und spielt natürlich in der Borkriegszeit abwechselnd in einem kleinen Wanderzirkus und einer Husarenkaserne, wo es allerdings mehr gemütlich als kriegerisch zugeht. Biel Liebe, viel Trompetenblcllen, harmloser illt, aber straffe Handlung und eine Reihe von gut sitzenden Pointen, die das Publikum zu stürmi­scher Heiterkeit hinreißen. Die Regie (Georg Jacoby) ist sichtlich mit Lust und Liebe bei der Sache und stellt eine ganze Schwadron samt Kesselpauker und Kapelle auf die Beine. Uebri- gens sieht man eine für Schwankverhältnisse bemerkenswert qualifizierte Besetzung: an der Spitze Fritz Schulz, eine liebenswürdige Ber­liner Operettenbegabung: Ida W ü st und der dicke Tiedtke machen ein komisches Zirkus­direktorenehepaar: auch die junge ilrfula Grab- l e y und H. A. v. Schlettow gehören zum grünen Wagen und in die Arena. Aus der Gegenseite wirken u. a. Heidemann als Leut­nant, Fischer-Köppe als Wachtmeister, Ca­milla Spira als Wachtmeisterin und Paul Otto als General sehr verdienstlich. Auch der Pferdeliebhaber kommt übrigens bei diesem lufti­gen Husarenfilm auf seine Kosten. Produktion: Meßtro, Berlin. Seit Sonntag im Lichtspiel­haus. Aus dem Beiprogramm ist eine Dal­matinische Reisereportage und eine interessante Wochenschau hervorzuheben

Ein berühmter polizeihunh töirh ausgestopff.

Das Museum der ungarischen Stadt Fünfkirchen wird jetzt um eine merkwürdige Sehenswürdigkeit , bereichert, und zwar um den ausgestopften Kör­per eines Hundes, des berühmtenBoby", der den BeinamenDer Satan von Somogy" erhalten hatte. Dieser Polizeihund, der einem Polizei-In­spektor in Fünfkirchen gehörte, hatte in den letz­ten Jahren bei dem Aufdecken von Verbrechen in der Rachbarschaft eine führende Rolle gespielt. In einem Fall, in dem ein geheimnisvoller Dop­pel-Raubmord begangen worden war, wurde Boby auf die Spur gebracht, weigerte sich aber, den Ort zu verlassen, sondern sprang beständig an einem Gendarm in die Höhe, der zufällig zu­gegen war. Man war zuerst von dem Benehmen des sonst so klugen Tieres enttäuscht, aber nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß der von ihm so sehr beachtete Gendarm tatsächlich der Mörder war. Als Bobys Herr in den Ruhestand trat und nun als Privatdetektiv tätig war, wurde Boby fein wichtigster Mitarbeiter und bewies seine Ueberlegenheit über alle anderen Polizei­hunde in zahlreichen Wettbewerben und in der Aufdeckung von Verbrechen. Reben seinem aus- gestopften Leichnam werden in dem Museum die Trophäen ausgebreitet, die er während feiner Laufbahn errungen hat.

Hochschulnachnchten.

Der ordentliche Professor an der Universität Marburg, Dr. Friedrich Klausing. ist als ordentlicher Professor für Deutsches und Bürger­liches Recht sowie Handelsrecht an die Universi­tät Frankfurt berufen worden. Klausing lehrte schon in den Jahren 1921 bis 1932 als Ordinarius an der Universität Frankfurt, folgte bann einem Rus an die Universität Marburg und kehrt jetzt nach Frankfurt zurück. Anläßlich der Rückberufung von Prof. Klausing nach Frank,urt hat das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Ausbau des von dem Genannten in langjähriger Tätigkeit aufgebauten Seminars für Wirtschaftsrecht ein unter der Lei­tung der Professoren Klausing und de B vor stehendes JnstitutfürRechtstatsachen- forsch ung und angewandtes Wirt­schaftsrecht errichtet. Die Hauptaufgabe des Instituts wird die Pflege des lebenden Wirt­schaftsrechts sein, wie es sich in der Praxis der wirtschaftlichen Verbände usw. zeigt.