Ausgabe 
25.3.1933 Erstes Blatt
 
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Wirtschaft.

10 Milliarden überschritten.

Oer Wiederaufschwung der deutschen Spartätigkeit.

Am Rentenmarkt lagen besonders Reichs- altbesitz mit plus 1 o. H. und Neubesitz mit plus 0,75 o. H. fest. Späte Reichsschuldbuchsorderungen und Schutzgebiete konnten sich um etwa 0,50 v. H. erholen. Bon fremden Werten blieben Rumänen und Anatolier gut behauptet. Stahlvereinbonds er­öffneten zunächst unverändert, bröckelten aber spä- i ter 0,50 v. H. ab. Reichsbahnvorzugsaktien blieben mit 100.25 o. H. gut behauptet. Der Pfandbriefmarkt lag ruhig und uneinheitlich, doch blieben die Kurse meist unverändert. Staatsrenten lagen meist behauptet, die Stadtanleihen tendierten wesentlich stiller. Bei klei­nen Umsätzen setzte sich die Erhöhung für Farben um erneut 1,75 o. H. fort, wobei man auf den gün­stigen Düngemittelabsatz verwies. Auf den übrigen Marktgebieten blieben die erhöhten Kurse gut be­hauptet. Deutsche Anleihen lagen vorübergehend bis zu 0,50 v. H. schwächer, später traten jedoch wieder Befestigungen ein. Tagesgeld war zu 3 v. H. sehr leicht.

überschritten. Ende Januar 1933 betrug die höhe der Spareinlagen 10,228 Milliarden RM.

Diese günstige Entwicklung hat angehalten; sie kann nicht hoch genug bewertet werden, denn sie wachsenden Einlagen versehen die Sparkassen in die Lage, wieder Kredite zu geben und so Oluf- träge und damit die Arbeitsbeschaffung zu finan­zieren.

3n den ersten Monaten eines neuen Jahres erfolgen im allgemeinen die Zinsgutschriften. Die Sparer erhalten damit ihren berechtigten Lohn dafür dah sie ihre Ersparnisse nicht zu Hause im Strumpf verwahren, sondern sie durch die Geldinstitute der Wirtschaft zur Verfügung stel­len. Auch in diesem Jahre sind mehrere hundert Millionen Mark gutgeschrieben worden, die eben­falls zur Erhöhung der Spareinlagen beigetragen haben und die um so bedeutungsvoller sind, als sie zum großen Teil Kleinsparern, also den ärmeren Schichten unseres Volkes, zugute kom­men.

Erläuterungen zumReichsbankausweis vom 23. März.

Berlin, 25. März. (WTD. Funkspruch.) Aach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. Marz 1933 hat sich in der verflossenen Bankwoche die ge­samte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 37 Millionen auf 2955,3 Millionen Mark verringert. 3m ein­zelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 45,3 Millionen auf 2452,2 Mil­lionen Mark und die Effektenbestände um 0,1 Mil­lionen auf 401,1 Millionen Mark abgenommen, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 7,1 aus 18,4 Millionen Mark und die Lombardbestände um 1,3 Millionen auf 83,6 Millionen Mark zugenommen.

An Reichsbanknoten und Renten­bankscheinen zusammen sind 76,4~ Millionen Mart in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der .Umlauf an Reichsbank­noten um 69,6 Millionen auf 3196,8 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 6,8 Millionen auf 393,8 Millionen Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 33,2 Mil­lionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 362,4 Millionen Mark eine Zunahme um 7,3 Millionen Mark.

Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen haben sich um 3 Mil­lionen auf 849,3 Millionen RM. vermindert. Dieser Summe stehen kurzfristige Devisenver­pflichtungen aus dem Redislontkredit der Reichs­bank (70 Millionen Dollar) und dem über die Gol-dislontbank auf^en^mmenen Be.eitscha'ts- kredit (45 Millionen Dollar) in Höhe von 485 Millionen RM. gegenüber.

3m einzelnen haben die Goldbestände um 11,6 Millionen auf 727,4 Millionen RM. abgenom­men, die Bestände an deckungsfähigen Devisen dagegen um 8,6 Millionen auf 121,9 Millionen RM. Angenommen.

Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am 23. März 23,6 Prozent gegen 26,1 Prozent am Ende der Vor­woche. Rach Abzug der erwähnten Devisenver­pflichtungen stellt sich die Deckung auf 11,4 Pro­zent gegen 11,2 Prozent vorher.

Frankfurt fest.

Frankfurt, 25. März. (WTB. Drahtmeldung.) Nachdem an der Abendbörse weitere Glattstellungen erfolgt waren, eröffnete die Wochenschlußbörse wie­der in befestigter Haltung. Allerdings war die Um­satztätigkeit zunächst infolge des geringen Orderein- aangs ziemlich klein und beschränkte sich nur auf Deckungen der Kulisse. Verschiedentlich wurden auch kleine Meinungskäuse vorgenommen. Als Motiv für die wieder festere Tendenz führte man an, daß nach der Reichskanzlerrede eine gewisse außenpolitische Entspannung zu verzeichnen sei, besonders hinsichtlich des durch die englisch-italienische Aktion stärker in den Vordergrund gerückten Reoisionsgedanken. Die Kursbesserungen betrugen meist 1 v. H., nur ganz wenige Werte litten noch unter Realisationen. Mon­tanwerte eröffneten durchweg bis zu 1 v. H. fester. Am Chemiemarkt gewannen IG. 1,13 v. H., Deutsche Erdöl und Rütgerswerke 1,25 v. H. Don Elektro­

aktien zogen AEG. 1,25 v.H., Schuckert 1,50 v.H. und Siemens 1 v.H. an, Bekula und Lechwerke waren unverändert. Am Kunstseidemarkt besserten sich Aku um 2 v. H. und Bemberg um 1 v H. Reichs­bankanteile lagen zunächst 0,75 v. H. und später wei­tere 0,65 v.H. höher, dagegen lagen Daimler mit plus 1,25 o. H. recht fest. Etwas niedriger eröffneten dagegen Zement Heidelberg mit minus 1,50 v. H., Contigummi mit minus 1,40 v. H., Metallgesellschaft mit minus 1 vH. und Zellstoff Waldhof mit minus 0,50 v. H. Nach den ersten Kursen trat ohne beson­deren Grund eine plötzliche Haussebewegung in IG. Farben ein. Der Kurs zog um 4 v. H. auf 136 v. H. an, die Umsatztätigkeit war etwas lebhafter. Auch an den übrigen Marktgebieten hob sich das Niveau um durchschnittlich 1 v. H.

Die zahlreichen unerwarteten und überraschenden wirtschaftlichen Ereignisse in den letzten Jahren hatten zu einer erheblichen Beunruhigung in brei­ten Schichten der Bevölkerung geführt; diese Be­unruhigung wirkte sich u. a. in den stärkeren Ab­hebungen von Spareinlagen aus. Außerdem zwang und zwingt die anhaltende wirtschaftliche Rot viele, ihre Ersparnisse anzugreifen. Das führte dazu, daß die bei den deutschen Sparkassen an- gesammelten Ersparnisse, die im 3uli 1933 die 10-MUliarden-Grenze überschritten hatten, wie­der unter diese Grenze fielen. 3edoch bereits _tm vergangenen Jahre machte die Beruhigung stän­dige Fortschritte, immer weitere Kreise sahen ein, dah Ujre verschiedenen Befürchtungen un­nötig waren. Das gehamsterte Geld ''kehrte all­mählich wieder zu den Sparkassen und anderen Geldinstituten zurück.

Seit September v. 3. nehmen die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen ständig zu.

3m 3anuar dieses 3ahres wurde die lO-HIiölar- deu-Grenze wieder erreicht und gleich bedeutend

G.A-Sport.

Tisch-Tennis der Sp.-Vg. 1900.

Gutes INeldergebnis für das I. Turnier.

Das erste Tischtennis-Tumier der Spielvereini­gung 1900, das morgen in der Gymnasium-Turn- halle stattfindet, hat großen Anklang gefunden. Das meiste 3nteresse dürften die Spiele der A- Klasse finden. Hier werden in erst ;r Linie zu be­achten sein der süddeutsche Meister H o j d a (Dar Kochba Frankfurt a. M.), die Spitzenspieler D e n - necke (3G.-Sportv.) und der bereits hier be­kannte Schäfer (Tischtennis-Club Frankfurt- West). 3nwieweit sich die Gießener Vertretung, die sich aus den ersten Mannschaften vom Akod. Tischtennis-Club und dem Veranstalter rekrutiert, durchsetzen kann, ist schwer vorauszusagen. 3m Mannschaftskampf der A-Klasse stehen sich der

Akad. Tischtennis-Club Gießen und 1900 gegen­über. 3n der 6-Klasse streiten um die Sieges­palme mit Mannschaften und Einzelspielern DHV. Gießen, D3K. Gießen, Spielvgg. 1900 Gießen, Tischtennis-Club Großen-Linden und Tischtennis- Club Lich. Einzelspieler werden gestellt von Tisch­tennis-Club Großen-Buseck, Gymnasium und Re­algymnasium Gießen.

Handball der Sp.-Vg. 1900.

Am morgigen Sonntag weilen 1900s Hand­baller erneut auswärts. Mit zwei Mannschaften geht's zum Polizeisportverein Vutzbach. Dis jetzt konnten die Spielvereinigungsleute dort noch keine Lorbeeren ernten. Die Aussichten für die erste Mannschaft haben sich jedoch inzwischen erheb­lich gebessert. Auf eigenem Platz wird der Po­lizeisportverein Dutzbach ein schwer zu über­windender Gegner sein.

Wettervoraussage.

Das zentraleuropäische Hochdruckgebiet macht fei­nen Einsiug weiterhin gellend und läßt das schöne Frühlingvioetter foribestehen. Da sich sein Siern durch das Abhauen der Balkanstörung mehr südösllich ver­lagert, läßt die scharfe Kaltluftzufuhr der letzten Tage nach, so daß die Tagestemperaturen jetzt wesentlich höhere Werte erreichen werden

Aussichten für Sonntag: Meist heiter und tagsüber kräftige Erwärmung, nachts Tempe­raturen noch um den Gefrierpunkt, trocten.

Aussichten für Montag: Keine wesent­liche Aenderung.

Lufttemperaturen. Am 24. März mit­tags 7,8 Grad Celsius, abends 1,1 Grad. Am 25. März morgens m.nus 1,1 Grad. Maximum 8,0 Grad, Minimum mmu£ 1,5 Grad. Sonnen­scheindauer 101/4 Stunden.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 24. März abends 7,2 Grad. Am 25. März morgens 2,0 Grad.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Sonntag, den 26. März. Lätare.

Stadtkirche. 9.30 Uhr: Psr. Mahr; 11: Kinder- kirche für die Matthäusgemeinde; Pfr. Mahr; 18: Pfr. Becker. Johannestirche. 9.30: Pfr. Bechtols- heimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 14: Pfr. Ausfeld; Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden der Johannes- gemeinde; 18: Pfarrassistent Knell; 20: Bibelbespre­chung im Johannessaal; Pfr. Ausfeld. Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. Petruskapelle. 9.45: Pfarrassistent Knell; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfarrossistent Knell. Saal der Reuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde; Pfr. Ausfeld. Klein-Linden. 9: Haupt­gottesdienst; hl. Abendmahl der älteren Verheirate­ten; 11: Kindergottesdienst. Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; 13: Kinoergottesdienst. Diefeck. 10: Hauptgottesdienst; 19.30: Passionsandacht. Alten-Vuseck. 10: Gottesdienst; 19.30: Passions­andacht. Grohen-Vuseck. 10.30: Gottesdienst. Oppenrod. 9 (nicht 13): Gottesdienst.

katholische Gemeinden.

Samstag, den $5. März.

Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte,

Sonntag, den 26. März. 4. Fastensonntag.

Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Meße; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Pre­digt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Passionsandacht.

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