Ausgabe 
25.1.1933 Erstes Blatt
 
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HeUkunde, 20.15 Uhr, Realgymnasium, Sitzung. Deutsches Seminar der Universität, 20 ilf)r, Dvrlesungsgebäude, Hörsaal 44, Dortrag über .Verlagswesen und Literaturwirtschaft". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße: .Tarzan".

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Helft der Winterhilfe!

Dir Jlol in vielen Gießener Familien ist immer noch sehr groß. Die Gießener winternolhilse wist den Notleidenden den schweren Daseinskampf etwas erleichtern. Dazu ist die Unterstühung aller Mit- fcürgcr dringend erforderlich. Geld-. Kleider- und Lebensmilteispenden können viel Elend geringer machen. Gaben werden von der winternothUse (Städtisches Wohlfahrtsamt, Gartenstrahe) jederzeit mit Dank entgegengenommen.

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Das Jugend - Notwerk in Die­tzen. 2lm morgigen Donnerstag soll die Betreu- ungsarbcit des Notwerks der deutschen Jugend im Arbeitsamtsmeldcbezirk Dießen beginnen. Den beteiligten jungen Leuten wird an jedem Mittag in der Dolkshalle eine warme und kräftige Mit­tagsmahlzeit verabreicht, ferner wird ihnen be­rufliche. geistige und sportliche Betreuung zuteil werden.

Dortrag eines englischen Päd­agogen in Dießen. Am Montag, 30. Januar, 20.15 Uhr, wird auf Einladung der Akademischen AuUanbstclle, in Verbindung mit dem Englischen Seminar und dem Institut für Experimentelle Psychologie und Pädagogik, der bekannte eng­lische Pädagoge der Universität Birmingham, Professor CW. Da lentine, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts überModerne Strömungen in der englischen Pädagogik" sprechen. Professor Dalentine ist Heraus­geber der führenden englischen pädagogischen FachzeitschriftThe British Journal of Education and Psychology, Mitglied staatlicher Prüfungs­behörden und Verfasser verschiedener Bücher über Erziehungsfragen und psychologische Pro­bleme. Erwähnt seien das eben erschienene Werk überDie Zuverlässigkeit von Prüfungsergeb- Riisien", das in englischen Fachkreisen lebhafte Diskussion hervorrief, undDie neue Psychologie des Unbewußten". Der Dortrag, der auf Eng­lisch stattfindet, wird sicher die Aufmerksamkeit al.er pädagogisch interessierten Kreise unserer Stadt beanspruchen. Näheres siehe Anzeige in der Samstag-Nummer.

Wann darf das E i s betreten werden? In jedem Jahr müssen verhältnis­mäßig viele Menschen, besonders Kinder, ihr Le­ben lassen, weil sie Eisflächen betreten, die noch nicht tragfähig sind. Da ist es von Interesse, ein­mal darauf hinzuweisen, welche Stärke Eis haben muß, um betreten werden zu können. Für ein Kind im Alter von zwölf Jahren genügt bereits eine Eisstärke von drei Zentimeter: doch ist es besser, wenn die Kinder warten, bis das Eis stär­ker geworden ist. Sehr schwere Leute sollten eine Eisstärke von fünf Zentimeter abwarten. Bei den Eisstärken von vier bis sechs Zentimeter muh je­doch immer noch darauf geachtet werden, daß auf den Eisflächen nicht zu viele Menschen zu­sammenstehen. Schon oft ist eine an sich tragfähige Eisfläche zufammengebrochen, weil die Belastung an einer Stelle zu groß war. Besonders sind Ansammlungen in der Mitte eines Gewässers zu vermeiden. Ist das Cis zehn Zentimeter dick, so ist so gut wie keine Gefahr mehr vorhanden, auch wenn sich eine größere Zahl von Menschen zu­sammenfindet. Und bei 14 bis 15 Zentimeter star­ken Eisdecken können bereits schwere Geschütze bar- überfahren.

her Wirtschaft nach dem nationalsozialistischen Programm zu schaffen. Mit Heil-Rufen auf hen Führer Adolf Hitler wurde die Versamm­lung geschlossen.

Tagung

k der Oberhessischen Flauenvereine.

Dom Dienstag bis Freitag finden sich die Vorstände der F r a u e n v e r e i n e Oberhes - sens, die dem Verband evangelisch-kirchlicher Frauenvereine in Hessen anaeschlossen sind, zu einer Arbeitstagung in Gießen im Heim der Inneren Mission zusammen. Die Tagung wurde gestern abend mit einer Begrüßungsfeier eröffnet, bei der die erste Vorsitzende des Verbandes, Frau Heraeus (Offenbach a.M.) die Teilnehmerin­nen und Teilnehmer herzlich begrüßte und der Tagung besten Verlauf wünschte. Der Frauenchor her Petrusgemeinde unter Leitung von Lehrer Kröll verschönte die Feier mit dem Chorvortrag .Mit dem Herrn fang alles an" und zwei wei­teren Chören. Fräulein Kühn (Dießen) erfreute mit Liedervorträgen, die von ihrer Schwester am Klavier begleitet wurden.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater. 19.30 bis nach 22.30 Uhr: .Harn- let". - Oberhess. Gesellschaft für Natur- und

Bürgermeister-Tagung in Schotten

Wettervoraussage.

Einerseits verlagert sich der hohe Druck weiter südwärts nach Rußland hin und anderseits baut die Störungstätigkeit über Skandinavien die Nordfeite des Hochs langsam ab. Wir verbleiben noch im Bereich kontinentaler Luft, die die strenge Kälte, welche durch zeitweiliges Aufklaren noch verschärft wird, vorerst erhält.

Aussichten für Donnerstag: Weiterhin strenger Frost, vielfach aufklarend, vorübergehend auch bewölkt, trocken.

Aussichten für Freitag: Fortdauer be­stärken Frostwetters.

Lufttemperaturen am 24. Jan : mittags minus 7,7 Grad Celsius, abends minus 9,7 Grad: am 25. Jan.: morgens minuS 10,9 Grad. Maximum minus 5 Grad, Minimum minus 11,2 Grad. Grd- temperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 24. Januar: abends minus 3,8 Grad, am 25. Jan.: morgens minus 5,1 Grad Celsius.

O Heimatbund für Hessen und an- grenzende Gebiete. Der Vorstand des Heimatbundes für Hessen und angrenzende Ge­biete hielt eine Sitzung in Darmstadt ab. Es wurde der Arbeitsplan für das Jahr 1933 feft- gelegt. Danach soll die Haupttagung am dritten Pfingsttag in Mainz stattfinden. Als Redner sind gewonnen worden Bamdireltor Dr. Groenin - ger a us Mannheim und Amtsgerichtsrat Schwabe aus Hochheim. Ferner finden wieder in jeder Provinz drei Wochenendtagungen statt, in Oberhessen in diefem Jahre voraussichtlich in Friedberg, Büdingen und Alsfeld.

** Gendarmerie-Personalie. Der Gen­darmerie-Hauptwachtmeister auf Probe Johannes Haase zu Friedberg wurde mit Wirkung vom 1. Januar zum Gendarmerie-Hauptwachtmeister er­nannt.

Oberheffen

Fleischpreisvereinbarung zwischen Landwirtschaft und Metzgern.

NSR. Alsfeld. 24. Jan. Die kürzlich ge- melbeten erneuten Verhandlungen zwischen Ver­tretern der Landwirtschaft und der Metzgerinnung im Kreise Alsfeld, bei denen es sich um eine Senkung der Preisspanne zwischen Dieheinkaufs-und Fleischverkauf s- preis handelte und für den Fall des Schei­terns der Verhandlungen die Landwirtschaft mit der Errichtung einer Genossenschafts- Schlächterei als Selbsthilfemahnahme zur Versorgung der Bevölkerung gedroht hatte, haben jetzt zu einer Vereinbarung beider Ver­handlungspartner über den Fleischver- kousspreis geführt. Künftig wird das Pfund Rindfleisch üblicher Art 70 Pf., das Pfund Schweinefleisch 65 Pf., Schweinefleisch zum Bra­ten 80 Pf. kosten. Durch diese Neugestaltung der Preise, die eine Senkung bedeuten, erhofft man sich eine Steigerung des Fleischkonsums zum Vor­teil aller Verhandlungsteile. Im Hinblick auf diese Vereinbarung hat sich die Landwirtschaft jetzt auf den Standpunkt gestellt, daß sie bis auf weiteres von den angedrohten Selbsthilfe- mahnahmen Abstand nimmt.

C -kreis Gießen.

I I Großen-Linden. 24. Jan. Die in den letzten Tagen auf dem hiesigen israelitischen Friedhof verübten Schändungen an Grabdenkmälern haben jetzt ihre Aufklä­rung gefunden. Als Täter wurden einige Schul­buben im Alter von etwa 13 Jahren durch die

Polizei ermittelt. Politische Beweggründe kom­men für die Tat nicht in Betracht.

-----Watzenborn-Steinberg. 23. Jan. Gestern hielt der hiesige Verein der Ge­flügelfreunde im Saale des Gasthauses Zum Goldenen Löwen" eine Lokalaus­stellung ab. Die Schau war mit rund 150 Num­mern beschickt. Preisrichter war Herr O. May (Lang-Göns) für Geflügel und Herr Hllrid) (Gießen» für Kaninchen. Aus der Bewertungs­liste seien die erwähnt, die sehr gut (fg) und einen Ehrenpreis (<$£ erhielten. Hühner: Ernst Sommer, fg und E auf weiße Wyanbotten; Erich Grünebaum, fg und E auf schwarze Wyan- betten; Hch. Sommer, 6xsg, 2 E und BE auf Rhodeländer: K. Buß sg u. E auf Dominikaner: W. Peuser, fg u. C, fchw. Rheinländer: R. Ruhl, vierm. fg u. E, fchw.-weiß. Reichshuhn: K. Burk, zweimal fg, schwarze Italiener: O. Damsky, fg und E, schw. Italiener: Ludw. Dern, zweimal fg und E, schw. Italiener: O. Dern, sg auf Gold- brakel: Konr. Meusel, dreimal sg uno zweimal E, rebhuhnsarb. Italiener: bei gleicher Rasse: Wil­helm Hof, zweimal fg und Karl Reuter, fg und E: Italiener, gestreift: Ludw. Heß, dreimal fg und E, L. Schmidt fg und E, Karl Weiß fg; Italiener, gelb: O. Weiß fg; Barnevelder, dopp. gcf.: Wilh. Schwind! sg und E, K. Phi­lipp, zweimal fg und E; Hamburger Silberlack: Georg Jung, zweimal fg und E: schwarz« Ham­burger: Otto Dern, zweimal sg und E. Zwerge : Wyandottcs schwarz: Rich. Andermann, zwei­mal sg und zweimal E. Karl Buh fg; Antw. Dartzwerge: Wilh. Peuser, fg; Deutsche Zwerge, golds.: O. Weiß, zweimal sg und E. Tauben: Altd. Kröpfer. K. Weiß, dreimal fg und E, Steinh. BÜgdetten: O. Sommer, sg; Englische Kröpfer: H. Schmandt, fg; Starenhals: Ludwig Heß, fg und E; Reifebrieftaube: Karl Weiß, fg und C. Bei den ausgestellten Kaninchen er­hielten je einen Ehrenpreis: K. May und Ernst Burger auf Weiß« Riesen; Karl Pitz auf Klein- Chinchilla; Wilh. Schmitt auf Weiße Angora; Rich Andermann auf Schwarzloh und Konrad Meusel auf Hasenkaninchen.

2L Reiskirchen. 24. Jan. 3m überfüllten Gundrurnschen Saale hielt am Sonntagnachmittag der hiesige Ges angvereinHarmonie' ein Konzert ab. Der unter Leitung von Chor- meister Nicolai (Großen-Duseck) stehende Ver­ein hatte alles ausgeboten, um seinen Zuhörern einige genußreiche Stunden zu bereiten. Die Mit- wirmng der Gießener Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermufikmeister Krauße gab dem Konzert ein besonderes Gepräge. Gesangsvor- träge der GesangSabteilung der 2. Kompanie und

des Wickertschen Männerquartetts (Gießen) wech­selten mit Chören deS veranstaltenden DereinS und Wusikvorträgen der Kapelle ab. Während des ersten Teils de- reichhaltigen Programms hörte man mehr Darbietungen ernsteren Charak­ters. während der zweite Teil im Zeichen des Wiener Walzers, des leichteren Chorgesangs und der Musik stand. Den Höhepunkt des Gebotenen bildete der mit Orchesterbegleitung vorgetragene Straußsche Walzer .Rosen auS dem Süden". Der lebhafte Beifall des Publikum- forderte noch manche Zugabe.

$ Lollar. 24. Jan. Am Sonntagnachmittag fand im DereinSlokal »Zum Schwanen" die Jah­reshauptversammlung deS Veteranen- und KriegervereinS Lollar statt. Den Jahres­bericht erstattete der 1. Vorsitzende. Martin Tau- b e r t. Es war ein arbeite- aber auch erfolg­reiches Jahr, das neben der Erledigung sonstiger Ausgaben durch Geländeerwerb und den Dau eines Jugendheims seine besondere Bedeutung erhalten hat. Der Mitgliederstand blieb auf der Höhe des DorjahreS und beträgt 108 aktive, vier passive und vier Ehrenmitglieder. Die Rechnungs­ablage durch den Rechner Friedrich Deibel ergab ein zufriedenstellendes Bild. Anschließend gab für den Bauausschuß der Jugendleiter Karl Brück einen Ueberblid über die Entwickelung des Baues des .Hassia".Jugendheime«. Dem Derein angegliedert ist die .Hassia" - Iu - g e n d. Nach dem Tätigkeitsbericht des Jugend­leiters fanden außer den wöchentlichen Heim­abenden eine größere Anzahl Wanderungen oder Teilnahme an Geländespielen und mehrere Werbeveranstaltungen an auswärtigen Orten statt. Die Entwickelung der Hassia-Jugendbc- toegung in Lollar ist gut zu nennen. _<Ss gehören ihr 34 Jungmannen an. Seit der Eröffnung de« Jugendheimes bestehen ferner eine Hassia - Jungmädchengruppe und eine Hassia- Schülergruppe mit je 22 Angehörigen als besondere Abteilungen. Die Bildung einer Hassia- Schülerinnengruppe als vierte Abteilung erfolgt in diesen Tagen. Die Dorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl der seitherigen Kame­raden. Da der Derein als einer der ältesten Kriegervereine im Jahre 1934 auf ein 90i üb­rige« Bestehen zurückblicken kann, soll au« diesem Anlaß eine Feier stattfinden. Einstimmig wurde beschlossen, einen Antrag bei dem Hassia- bezirk Gießen einzubringen, das Dezirkskriegerscst 1934 mit dem Jubiläum des Derein« Lollar zu­sammen zu begehen.

-r Grünberg, 24. Jan. Die erste Brenn- holzversteigerung im hiesen Stadtwald erbrachte folgende Durchschnittspreise für je zwei Raummeter: Buchenscheit 14 Mk.. Buchenknüppel 9 Mk., Buchenstöcke 8 Mk., Kiefernscheit 8 Wk., Fichtenscheit 5 bi« 6 Wk. Auf dem hiesigen Standesamt wurden im Jahre 1932 27 Ge­burten, 17 Trauungen und 11 Sterbesälle ein­getragen. Am Sonntagabend hielt der hiesig« Männergesangverein in der Turnhalle ein Konzert ab, das gut besucht war. Den gut vorgetragenen Chören, die Zeugnis ablegten von der eifrigen und erfolgreichen Arbeit des Chor­leiters, Musiklehrers Fritz Leib (Gießen), wurde reicher Beifall zuteil. Eine wertvolle Bereiche­rung erfuhr der Abend durch die Musikvorträge der Solisten Herr Ernst Schneider (Cello), Frau Marie Schneider (Klavier) und der Chorleiter (Klarinette), sämtlich au« Gießen. Auch der zweite Teil des Abeyds, die Aufführung de« vieraktigen Schwankes ..Der tolle Hund" von Niebergall, fand bei guter Darbietung rei­chen Beifall. Eine besondere Ehrung wurde dem früheren Chorleiter des Dereins, Berufsschul­lehrer Gengnagel, der Vorsitzender des Lahn- talsängerbundes ist, zuteil. Der Verein ließ ihm durch seinen Vorsitzenden. Uhrmachermeister Jockel, eine Ehrenurkunde überreichen. Der Männergesangverein kann im Jahre 1934 die Feier seines 100jährigen Bestehen- be­gehen.

Kreis Friedberg.

CO Butzbach, 24. Jan. Nach dem jetzt vor- liegenden Ertragsergebnis der Kraft- p o ft e n Butzbach Ziegenberg und Butzbach Niederkleen war in dem abgelaufenen Vierteljahr Oktober-Dezember wiederum ein wesentlicher Fehl­betrag zu verzeichnen, jo daß die von den beteiligten Gemeinden (Hochweisel, Münster, Langenhain, Nie­derkleen, Dornholzhausen, Pohlgöns, Kirchgöns und Butzbach) gewährleisteten Garantiesummen in voller Höhe in Anspruch genommen werden mußten.

x Schotten, 24. Jan. Das Kreisamt Schollen hielt heute im hiesigen Rathaussaal eine amtliche Bürgermeisteroersammlung unter Lei­tung von Regierungsrat Schwan ab. Alle Ge­meinden waren vertreten.

Der Vorsitzende des Arbeitsamts Gießen, Regie­rungsrat Dr. Sues, entwickelte zunächst den Plan des

Jugend-Notwerks,

das auch im Kreis Schotten bald in die Tat um- gesetzt werden soll. Es gelle, die jungen Leute von 15 bis 25 Jahren zu betreuen. Neben Unterricht, Vorträgen, Berufsvorbildung und sportlicher Ausbil­dung soll den jungen Menschen auch in einer ge­meinsamen Mahlzeit ein kostenloses, gutes Essen ge­reicht werden. Der Redner bat um eifrige Unter­stützung der Gemeinden bei dem großen Werk. Man einigte sich nach näherer Aussprache dahin, daß man mit den in Frage kommenden jungen Leuten in den verschiedenen Sammelpunkten, Schot­ten, Gedern, Köddingen usw. eine Besprechung ab- halten will.

Danach berichtete Regierungsrat Dr. Bues über die

weitere Durchführung des freiwilligen Arbeits­dienstes und der Notstandsorbeiten.

Nur noch ein Drittel der Maßnahmen werden im Weg des offenen freiwilligen Arbeitsdienstes durch- geführt, während der größere Teil, zwei Drittel, nur noch durch die geschlossenen Arbeitslager ausgeführt werden soll. Die einzelnen Gemeinden müssen sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen, eine Ge­meinde davon müsse federführend die Ein- und Durchführung des Lagers in die Hand nehmen. Als Träger des Arbeitsdienstes hätten sich eine Reihe von Organisationen z. B. Hessisches Heimatwerk, Stahlhelm, der Verein zur Förderung des frei- willigen Arbeitsdienstes usw. gebildet. 40 Lager seien vorgesehen, hiervon seien bereits 25 in Vor­bereitung begriffen. Die Gemeinden könnten die Lager vor allem durch Ueberlassung von Holz für den Bau der Baracken unterstützen. Die Gemeinden hätten das Werkzeug für die Arbeiten zu stellen, außerdem einen geringen Versicherungsbeitrag für die Leute zu leisten.

Die Gemeinden des Kreises werden den An­regungen gern folgen, mehrere Lager im Kreise, so in Gedern und Schotten, sind bereits beantragt und im Entstehen begriffen. Auch über die Notstands- arbeiten und ihre Vorteile für die Gemeinden wurde verhandelt. Die Notstandsarbeiten können bis zu 26 Wochen ausgedehnt werden. Die Versammlung beklagte sich über die für die Gemeinden unange­nehmen Folgen der sog. Karrenzzeit, innerhalb der die Gemeinde für die Arbeitslosen sorgen muß. Eine Entschließung, die an die maßgebenden Stellen roei-

tergelcitet wird, wurde von der Versammlung an­genommen, worin beantragt wird, daß die K a renzzeit bei zeitweiliger Unterbre­chung oder Beend i au ngoonNotstands- arbeiten ganz in Wegfall kommt und die betreffenden Arbeitslosen sofort nach Beendigung der Notstandsarbeiten wieder in den Genuß der Ar­beitslosenunterstützung gelangen.

Dar neue Sofort- und Arbeitsbeschaffungspro- gramm der Reichsregierung

wurde sehr kritisch und skeptisch beurteilt. Die Ge­meinden, die es ernst mit der zukünftigen Gestaltung ihrer Finanzen nehmen, können sich nicht zur Aus- nähme neuer Schulden, die zudem mit 6 Prozent verzinst werden müssen, entschließen. Aus allen Aus­führungen der verschiedenen Bürgermeister, die sich an der Debatte beteiligten, klang ein Klagelied über die trostlose Laae der Gemeinden, auf die man vom Reich und Land alle Lasten abwälze und die man ihrem Schicksal überlasse.

Die neue Verordnung über die Zwangsvoll- streckung wegen Forderungen gegen bie Gemeinden vom 21. 12. 32 wurde bespro­chen und vom Kreisamt

Schuh gegen Zwangseingrifse in das Gemeinde­oermögen

verlangt. Die Gemeinden haben den Willen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, aber die ungeheuren sozialen Lasten verschlingen alle Mittel. Wenn seit­her Unruhen vermieden worden seien, so verdanke man dies nur den Gemeinden, die in erster Linie ihre Sorge den hungernden Menschen zugewandt hätten.

Einzelne Gemeinden waren dazu übergegangen, böswilligen Schuldem gegenüber als wirksame Gegenmaßnahme

das Gemeindesaselvieh zu sperren und die Was­serleitung abzuslellen.

Die Versammlung billigte das Vorgehen gegenüber solchen Schuldnern, die zur Zahlung an sich in der Lage sind, aber böswillig und grundsätzlich an die Gemeinde nichts zahlen. Den übergeordneten In­stanzen, Provinz, Staat, soll die ungeheuer schwie­rige Finanzlage nochmals vor Augen geführt und um bessere Berücksichtigung der Not­lage der Gemeinden gebeten werden. An die Provinz Oberhessen soll wegen Herabsetzung der Garantiesumme für bie Straßen­beleuchtung auf bie Hälfte bes seitherigen Satzes herangetreten werben. Eine Reihe von ande­ren Punkten, z. B. Pflanzungen an Straßengelände, Bildung von polizeilichem Hilfsschutz, Verbilligung des Lebensbedarfs u. dgl. mehr wurde noch be- sprachen.

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A. Buhl |r Blockstraße 18; Karl Hecke, Schuletraße 5.

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DIE DEUTSCHE