Ausgabe 
24.3.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

namen.

Individuen. Ende

bringt.'

wird uns geschrieben: Heute 20 Hhr erste Wieder­holung der OperetteGlückliche Reise" von Kün- necke. 24. Vorstellung im Freitag-Abonnement.

Operettenpreise. Ende 23 Hbr.

Unter diesem Thema stand der Vortragsabend, den der Gustav-Adolf-Frauenverein am Mitt­wochabend in der Stadtkirche veranstaltete. Pfar­rer Bell aus Hermannstadt berichtete über_ die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und über ihre gegenwärtige Lage, die gekennzeichnet ist durch einen sehr schweren Existenzkampf.

Hm 1140, also vor 800 Jahren. sind die Vor­fahren aus der Moselgegend und dem heutigen Luxemburg ausgcwandert und im fernen Süd­osten Europas als Bauern angesiedelt worden. Sie sollten ein Schuhwall sein gegen die immer wiederkehrenden Einfälle und Verheerungen, welche von den Rachbarvölkerschaften auf das älngarreich erfolgten. Mit Tapferkeit und Treue haben sie diese Aufgabe in ihrer langen, wechsel­vollen Geschichte ersüllt, und sie dürfen noch heute als ein äußerst wichtiger Vorposten deutsch- evangelischer Kultur im südöstlichen Europa an­gesehen werden. Aach einem alten Wahlspruch Unus sit populus (Eins sei das Volk!) handelte dieses Volk auch in der Reformation, als es unter Führung eines Freundes von Luther Honterus geschlossen dem evangelischen Glau­ben sich zuwendete. Es hat in einer langen Ge­schichte gelernt, daß ein Volkssplitter, fern vom Mutterland, nicht leben kann allein aus wirt­schaftlicher Tüchtigkeit, von sichtbaren Gütern, sondern daß er leben kann allein aus dem inneren Gehalt und der Formung der Volks­seele, die ihre letzten Kräfte aus dem Urgrund des Ewigen empfängt. So ist bis auf den heu­tigen Tag bei den Siebenbürgern eine enge Verbundenheit von kirchlichem und volklichem Leben.

Die Treue zum Volkstum nährt und behauptet sich aus der Treue zum evangelischen Glauben. Man weiß bis ins kleinste Dorf hinein um die Tatsache: ist unsere Kirche bedroht und fällt sie, dann fällt unsere deutsche Kultur und wir gehen auf in einer uns wesensfremden Hmtoelt. Rur so kann man die für uns fastphantastischen"

Bornotizen.

Aus dem S t a d t t h e a t e r b u re a u

Der Spielplan des Stadttheaters ist für die Werbewoche besonders abwechslungsreich gestaltet. In der Zeit vom 26. März bis 2. April finden folgende Veranstaltungen statt: Sonntag, 26. März, letzte Ausführung der Operetten-Revue Im weißen Rößl"; Dienstag, 28. März,Vor Sonnenuntergang"; Mittwoch, 29. März,Glück­liche Reise": Freitag, 31. März, zum erstenmal in dieser Spielzeit und in neuer Inszenierung Die Räuber": Samstag, 1. April, zum letztenmal und als VolksvorstellungDa stimmt was nicht": Sonntag, 2. April,Glückliche Reise". Hm dem Charakter der Werbewoche Rechnung zu tragen, gewährt die Intendanz allen auswärtigen Be­suchern zu allen Wochentagsvorstellungen 20 Pro­zent Ermäßigung: Fahrkarten sind als Ausweis mitzubringen.

Kirchliche und volkliche Aoi in Siebenbürgen.

Favoriten in der Tasche und sieh, wie er am drittletzten Hindernis kopfüber geht, oder hab' ibn um fünftausend verkauft und sieh, wie er ge­mütlich ins Ziel tantert.

Das Pikanteste an der ganzen Sache ist. daß diese Hindernislotterie, die ein Volk wochenlang in Aufruhr verseht, zu den verbotenen Glücks­spielen gehört. Das heißt, sie ist in England verboten, und wer ihr fronen wollte, der mußte früher sein Geld nach Indien schicken, wo es schon lange das Kalkutta-Sweep gegeben hat. Seit aber Irland selbständiger Freistaat ist, kann sich der Spielteufel in Dublin etablieren, und nun ist es nicht ohne Reiz, wie Polizei-' spihel und Zollbeamte, dem Gesetze gehorsam, nach den Tickets der Lotterie sahnden, an der sich öi.' ganz: Rat on b t iligt und von der sie, das ist anzunchmen, in der paoaien Hosentasche auch jeder ihr Achtellos stecken haben. Der englische Finanzminister aber seuszt über das schöne Geld, das außer Landes geht und die irischen Spitäler schmückt, während das Rennen, bitte schon, auf englischem Boden gelaufen wird. W. E. S.

Seit etlichen 3obren gibt es eine ßotteria, nicht ganz in unserer Rähe. aber doch wenigstens in Europa eine Lotterie, die beinahe sogar das Verlieren zu einer spannenden Sache macht, und die selbst in diesen schlechten Zeiten an keinem Kundenschwund laboriert, so gesättigt ist sie mit Sensation. Im Gegenteil, die Veranstalter haben Mühe, genügend Lose aufzulegen: sie gehören zu den Leuten, deren Sorgen man haben möchte. Es ist das Irische S w e e P st a k e in Dublin.

Seine Anfangstadien unterscheiden sich nicht von denen jeder anderen Lotterie, die Lose werden zu Hunderttausenden kolportiert, in Ir­land selbst, im englischen Königreich (mit Schwie­rigkeiten. wie wir noch hören werden) und wo immer sonst der Zahlungsverkehr intakt ist. Wer den nicht ganz billigen Lospreis nicht aufbringt, teilt sich mit seinem Bruder, seinem Vetter, seiner Braut darin, ganz wie bei uns. Die üblen Folgen zeigen sich erst im Gewinnfall. Auch der Zweck des Unternehmens ist bekannt: vom Er­trägnis, das hoch in die Millionen geht, fließt ein namhafter Teil den Hospitälern zu wohl­verstanden den irischen.^ Soweit wäre alles in Ordnung; jeder hat fein Los, die Ziehung kann beginnen. Richtig, die Ziehung beginnt, als cm nationales Fest vom ersten Rang, ilnb bann? Die Gewinner bekommen ihr Geld, die Verlierer ber.h.gen sich? Falsch geraten! Die Getaner werden ins Fegefeuer gestürzt, in einen Schlund ter Erwartung. Spekulation und Rervenprüfung, und die Verlierer, wenn sie nur eine Spur von Temperament haben, fiebern mit ihnen um die

Ehrung eines Gießener Gelehrten.

Aus dem Kreise Wittgenstein wird uns geschrieben:

Aus Anlaß der diesjährigen Iahreshaupt- verfammlung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Wittgenstein im Saale des Parkhotels in Berleburg, hielt Hniper- sitätsprofessor Dr. Kr aemer, Gießen, einen Vortrag über das ThemaBauernstand Vater­land". Professor Ära em er ist ein Sproß des Wittgensteiner Landes, ein Enkel des Mitbe­gründers des Kre'.seere'.ns vor nunmehr 130 Iah- ren. Wie seine Vorfahren die Bedeutung unserer Landwirtschaft erkannt und ihr ihre besten Kräste gewidmet haben, so pflegt auch der Sohn und Enkel nicht nur alte Traditionen, sondern be­trachtet es auch als seine Aufgabe, an der He­bung der Landwirtschaft mitzuarbeiten und Oie Erkenntnis von ihrer Bedeutung immer wieder in weite Kreise der Bevölkerung zu tragen.

Wenn schon aus dieser Verbundenheit mit der Wittgensteiner Heimat der Wittgensteiner Bauer den Vorträgen von Professor K r a e m e r stets besonderes Interesse bekundete, so war es gerade in der heutigen Rotzeit die Bedeutung unserer Landwirtschaft für Volk und Vaterland, die Pro­fessor K r a e m e r als hervorragender Kenner aller ursächlichen Zusammenhänge so treffend zu schildern vermochte. Die stattliche Versammlung lauschte denn auch den Worten des Vortragenden mit gespannter Aufmerksamkeit, denen sie am Schlüsse spontanen Beifall zollte.

Professor K r a e m e r ist Mitglied des Fest­ausschusses des alljährlich auf dem Stünzel statt­findenden Tierschaufestes und zählt als treuer Sohn seiner Wittgensteiner Heimat zu den stän­digen Besuchern dieser Veranstaltung. In seiner diesmaligen Generalversammlung nahm der Kreisverein nun Veranlassung, seiner Verehrung für Professor Craemer durch dessen Ernen­nung zum Ehrenmitglied und die Heber* reichung einer geschmackvollen Ehrenurkunde durch den Vereinsvorfitzenden, Landwirt Georg Spies, sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Professor Krae- mer, dem hierdurch eine freudige Heberraschung bereitet wurde, dankte in bewegten Worten für diese Ehrung. Seine Ausführungen machten auf die Versammlung tiefen Eindruck.

Möge das auf gegenseitigem Vertrauen be­ruhende Verhältnis auch weiter fortbestehen und möge sich Professor Craemer allezeit der Liebe und Verehrung bewußt bleiben, die ihm, wie seinen Vorfahren, die alte Heimat entgegen»

hat man die Pferde für dieses Rennen an­gemeldet und diese fünfzig oder sechzig Tiere sind die Prämien aus der Dubliner Ziehung, ihre Schiafaie sind von nun an die Schicksale der Lose, die auf sie lauten, ur.Z) der glücklichen Losbesiher.

Der glücklichen Loso.,^er? Run freilich: wer den Sieger im Rennen gezogen hat. der gewinnt ohne weiteres den ersten Preis der Lotterie, und während der arme Gaul sieben Kilometer rennen mußte, um seinem Herrn lumpige 10 000 Pf. nd zu gewinnen, streicht der Losbesiher gleich- zeilig einige Millionen Mark ein, und der zweite und dritte Preis können sich gleichfalls sehen la sen. Sow it wäre a,fA^ a^nz gut und schön, wenn der S tin v n Men chen nner, der die Eweepstakes erfunden ha^, u.^jt eben jene rassi- ni rle Pause zwischen Ziehung und Rennen ge­lassen hätte. In dieser Zwischenzeit tobt die Höl.e. Denn in diesen Wochen ist Swecpstake» Marlt, eine einzigartige Börse ungeheurer Spe- kulativnsw rte die das eigentümliche haben, daß si ru bis za einem bestimmten Termin und nur sehr bedangt Werte sind!

Man muß es sich vorstellen: solange das ge­zogene Pferd gesund ist und mitlaufen kann, hat das betreffende Los einen Eventualwert, der nach der Wahrscheinlichkeitrechnung in die Zehn­tausende geht, der sich aber ungeheuer steigert

Weiifieber mit Hindernissen

Oie seltsamste Lotterie der Wett - in Irland.

ober mindert, je nachdem es sich um einen Favo­riten handelt oder um einen aussichtslosen Klep­per- Aber die Asv k e wechseln: der Klepper ge­winnt vicl.e.cht überra chend ein Rennen, der Favorit frißt nicpr unö bekommt Rasenbluten, und im gleichen Maß, aber ins Riesenhaste pro­jiziert wechselt der Kurs des Loses. Die Mächti­gen dieser Welt treten auf den Plan, ganze Konsortien, und bieten dem Kellner, dem kleinen Angestellten, dem ^'rb'iter, der einen Favoriten gcz gen hat ein: Stange Gold für sein Fetzchen Pap.er. Was soll un? Soll er den Sperling in der Hand behalten?

Das' Rennen in Liverpool ist 7250 Meter lang und es führt über dreißig schwere Hindernisse, Hecke. Mauer und Bach. Das sieh einmal an und bleibe ruhig und hab' womöglich einen

Wette. _

Hier nämlich ist der Punkt, wo das Unter­nehmen schlechthin genial wird. Bei der Ziehung, muß man wissen, sind nicht die Gewinner ge­zogen worden, sondern ein kleines Wort macht vieles klar die eventuellen Ge­winner. unter Hunderttausenden von Losen die wenigen, fünfzig oder sechzig vielleicht, die später gewinnen können. Aha. und unter diesen wird ein zweites Mal gelost? Längst nicht genial genug, lieber Leser! Die ganze Tiefe und Rafsi- nicrlheit des Plans erfährst du erst jetzt '-"d sie b r hi gerade da.in. daß nicht nach tinma. gelost wt.d. Der blinde, plumpe, unbelebte Va­sall des mechanischen Ziehens hat seine Pflicht getan; nun tritt ein anderer Zufall auf, ein belebter, behender, berechnender Zufall, ein sehr lustiger Zufall, wenn ich es schon sagen soll-

Die sün z g od r sechz g Lose die der Waisen­knabe aus der Tromm.. gefischt hat. sind keine bloßen Lofe mehr, sondern sie tragen P f ^r d e - sie sind gewissermaßen lebendig und __________n. Ende März wird in Liverpool das größte Hindernisrennen der Welt gelaufen, dieGrand Rational": Ende Ianuar

..reise. Ende 23 Hhr.3m weißen Röhl" am Sonntag, 26. März, zu kleinen Operet­tenpreisen unwiderruslich letzte Aufführung.

Summen verstehen, welche von den Siebenbürger Gemeinden für Unterhaltung ihrer Kirche und ihres kirchlichen Schulwesens neben ihren staatliche» Leistungen aufgebracht werden. Sv hat Kronstadt, eine Stadt von 8900 Einwohnern, für die evan­gelischen und deutschen kulturellen Zwecke 500 000 (fünfhunderttausend) Mark aufzubringen. Die­selbe Stadt erhebt bei etwa gleichen staatlichen Steuern wie bei uns für die Kirche nicht 6,50 oder 15 Prozent, sondern 280 Prozent, d. h. bei einem Monatseinkommen von 200 Mark etwa 55 Mark monatl. Kultussteuer! Die Leute wissen, daß sie nur leben und bestehen, ihre Kinder in deutsch, evangelischer Kultur nur bleiben können, wenn sie dies Außergewöhnliche leisten. Diele gewaltigen Leistungen der einzelnen Volksglieder sind vorzüglich dadurch notwendig geworden, daß die rumänische Regierung dem sächsischen Volke fast alle Mittel, die zur Erhaltung der konfes­sionellen Anstalten dienten (Besitz im Werte von etwa 43 Millionen Mark), durch eine merkwürdige Agrarresorm" weggenommen hat. Auch das Sie­benbürger Volk ist in die Rot der Weltwirtschaft hineingezvgen und leidet heute, da noch etwa 80 Prozent Bauern sind, besonders unter dem außergewöhnlichen Tiefstand der Preise für land­wirtschaftliche Produkte. So verstechen allmäh­lich auch die letzten Quellen, und die hohen Steuern können nicht mehr geleistet und auch die bescheidensten Gehälter nicht mehr gezahlt werden. Bange Sorge erfüllt die Siebenbürger um das Schicksal ihrer Kinder, die für die Zu­kunft ihre Stellung als Grenzwacht deutsch-evan­gelischer Kultur im Südosten nur behaupten können, wenn die Pflege ihrer seelischen Güter durch Schule und Kirche gesichert wird.

Hier seht die Hilfsarbeit des Gustav-Adolf-Ver- eins ein, der dort im ganzen Lande als der ge­treue Ekkehard deutschen Volkstums und evangeli­schen Glaubens gekannt und geliebt ist. Hnd in ähnlicher Weise in bezug auf das Deutschtum ar­beitet auch für Siebenbürgen der VDA., dessen hiesige Ortsgruppen mit Recht auch zu diesem Abend eingeladen hatten. Volk und Kirche, die sich in ernster Verantwortung um ihre Ausland- diafppra kümmern, werden von draußen wieder den reichsten Segen zurückempfangen für die Hei-

Eine große Zahl Lichtbilder, die Pfarrer Bell von seiner Heimat zeigte, gaben eine lebendige Vorstellung von dem landschaftlich so schönen und in seiner Lebensgestaltung so interessanten Sieben­bürgen.

Zwei feine Orgelvorspiele, gespielt von dem Stadtkirchenorganist Simon, und zwei Choräle der Stadtkirch-Choralvereinigung unter der glei­chen Leitung gaben dem Vortrag einen guten Rahmen. Ein kurzes Dankwort von Pfarrer Becker im Ramen des Gustav-Adolf-Frauen- vereins, das nochmals eindringlich zur Hilfe für unsere evangelisch-deutschen Brüder und Schwe­stern in Siebenbürgen aufforderte, und ein gemein­sam gesungenes Lied beschloß den schönen Abend.

G.A-Gport.

Zwei Länderkämpfe gegen Frankreich.

Hockey In Berlin...

Wie schon die Fußballspieler am letzten Sonn­tag, so weilen auch zum ersten Male französische Hockeyspieler am Sonntag in der Reichsyaupt- stadt. Obwohl es sich um den vierten Länder­kampf zwischen beiden Rationen handelt, fand noch keine Begegnung auf deutschem Boden statt. Die drei bisher von Deutschland gewonnenen Kämpfe spielten sich 1928 in Amsterdam bei den Olympischen Spielen, 1929 in Barcelona und vor zwei Iahren in Paris ab, wo die deutsche Mann­schaft nur knapp mit 3:2 siegreich blieb.

Für den vierten Länderkampf sind die Fran­zosen gut gerüstet. Die Gäste verfügen, ähnlich ihren Fußballkameraden, über eine große Schnel­ligkeit und zähen Angriffsgeist und werden der deutschen Mannschaft trotz technischer Mängel schwer zu schassen machen. In der deutschen Elf sind einige neue Kräste zu finden. Zu inter­nationalen Ehren kommen zum ersten Male Da­vid, Hannover, H a b e ck , Berlin, H u f m a n n, Essen und Katzen st ein, Hamburg. Auf dem Mittelläuferposten findet man nach einiger Pause wieder Theo Haag, der 8 u in 22. Male für

Blumen für Cäsar

V n Or. Gustav W. Eberle.n, ZHom.

Roch 23 Lenze, und w'r werden den 2000. Todestag Cäsars festlich begehen. Schon jetzt fängt cs an. Aus dem Forum Romanum, an der Stelle, wo der Leichnam des größten Römers verbrannt wurde, läßt Mussolini jedes Iahr einen Lorbcerkranz niederlegen und gibt damit den ös entliehen Eefch.chisdeutern das Stichwort. Sie stellen sich hin und schlagen vor dem Volk mit Leichtigkeit und Eleganz den Bogen vom Gestern zum Heute. Es klafft keine Lücke mehr zw sch:n dem cäsarischen und dem mussol n'.schen Rom. Die Leute hören gläubig und stolz ihre Geschichte. Dann ließ der Duce Kapitol und tarpejischen Fels freilegen, er schnitt, die Kaiser­fora wieder vereinend, eine schnurgerade Pracht­straße durch den Zeitenschutt, die Via dell'lmpcro, die das neue Kapitol, den Altar des Vater­landes, unter dem der unbekannte Soldat des Weltkrieges ruht, unmittelbar mit dem Kolos­seum verbindet. Hnd auf diese Straße des Im­periums stellte er den ersten Imperator, Cajus Iulius Cäsar.

An den Ideen des März 44 v. Chr. fiel er unter den Dolchen der Re.dlinge. an den Iden dcs März 1933 fand man frische Blumen zu seinen Füßen. Der Mann auf der Straße hat sie hingelegt. Andere folgten feinem Beispiel.

Cäsar ist aus dem Museum herausgetreten, mitten unter das lebendige Volk.

Heber seinem Haupte donnern die Propeller.

Automobile rasen vor dem ehernen Feldherrn- blick vorbei.

Frauen, unsere Frauen bringen ihm frische Blumen.

Es gibt lose Zungen, die tuscheln, das alles sei Regie, von oben inszeniert. Run, bann ift es eine meisterhafte Regie. Eine vorbildliche Inszenierung

Sie steht der unsterblichen Roma nicht schlecht: eine Zeitung hat unter diesem Eindruck den Heberlebensgroßen von der Straße des Im­periums den dittatore perpetuo genannt, was sich schwer übersetzen läßt, aber richtig empfun­den wird schon von dem Schuljungen, den das Perpetuum mobile interessiert. Cäsar ist der In­begriff des ständig und aus sich heraus sich er­neuernden römischen Geistes.

Bald wird dec immerjunge Imperator Gesell­

schaft erhalten. Am 21. April, am Geburtstage Roms, der seit Mussolini als Festtag der Arbeit begangen wird, Sinnbild einer durch Eintracht starken Ration, sollen auch die Standbilder des Augustus, Despasian, Titus, Rerva und Trajan ausger ch.et werden.

So hat dann auch Rom seine Siegesallee.

In das wegwerfende Lächeln seiner Ber­liner Freunde einzustimmen, wenn er zu den Puppen" geführt wurde, ist dem Ita­liener immer schwer gefallen. Er versteht die Bespöttelung der Vergangenheit nicht und denkt, wo sie mit Kunstkritik begründet wird, an die schauerliche Heldengalerie auf dem Pincio und Gianico'o in Rom. Dcr Franzose zieht vor dem allegorischen Getue der verkörperten Provinzen in Paris lieber den Hut, als seinem gallischen und galligen Witz die Zügel schießen zu lassen. Der Schweizer möchte in keinem rnrh- glüdten Telldenkmcll zuerst den Kitsch sehen.

Die römischen Kaiser der ersten Jahrhunderte wird das Volt des zwanzigsten noch oder wieder mit erhobenem Arm grüßen. Cs mag von der Verächtlichmachung desHeidentums' nichts mehr wissen.

Die Geschichte wird um so größer, je weiter wir uns von ihr entfernen. Allerdings nur die­jenige, die wirklich groß gewesen ist.

Rero und Caligula bleibt des Betreten der Straße des Imperiums verboten.

Kampf gegen die Tsetse-Fliege.

Die in Mittelafecka heimische Tsetsefliege, deren Biß beim Menschen die Schlafkrankheit und bei den Tieren die Ragana-cveuche herbeiführt, for­dert noch heute alljährlich viele Opfer und ift, abgesehen von allgemein sanitären Maßnahmen nur durch chemische Mittel zu bekämpfen. Wenn­gleich auch durch eine chemische Behandlung eine Heilung meist gelingt, so ist doch bis jetzt eine Vorbeugung gegen die gefährliche Krankheit, etwa durch eine Schutzimpfung, nicht möglich. Die Er­reger der beiden Krankheiten, die Trypanosomen, werden zwar schon seit langem in deutschen La­boratorien verwendet, um chemische Mittel, wie Sakvarsan, auf ihre Wirksamkeit zu prüfen, und viele derartiger Substanzen wurden an Trypano- fomen-Stämmcn. die man hier zur Verfügung hatte, als wirksam festbestellt: sobald man sie aber in Afrika bei Menschen und Tieren an­wandte, die von der Tsetsefliege gestochen und

erkrankt waren, versagten sie in den meisten Fällen vollkommen, oder die Wirkung blieb nur äußerst gering.

Dieser Hnterschied rührt daher, daß die La- boratoriumstämme der Trypanosomen vor vielen Iahren aus Afrika hierhergebracht und immer mit der Spritze von Tier zu Tier übertragen wurden. Wird auf diese Weise die Hebertragung durch die Tsetsefliege ausgeschaltet, so ändert sich die Eigenschaft der Dlutparasiten, und ihre Gefährlichkeit ist minder groß.

Angeregt durch diese Beobachtungen hat nun Professor Claus Schilling von der Abteilung für Infektionskrankheiten am Robert-Koch-In» stitut neue, aussichtsreiche Versuche unternom­men, um eine wirksame Schutzimpfung gegen die Tsetsekrankheit zu finden.

Bereits im Iahre 1911 hatte Professor Schil­ling, in Erkenntnis der Mangelhaftigkeit von Laboratoriumsversuchen seine Arbeitsstätte auf die Insel Makatumbe bei Daressalam verlegt. Rach dem Kriege ließ er dann zum erstenmal lebende Tsetsefliegen nach Europa schicken, und konnte mit ihnen auch eine Reihe Versuche aus­führen. Dieser Weg erwies sich jedoch als zu umständlich und zu kostspielig. Da aber die Tsetse­fliegen Eier legen, aus denen nach etwa drei Wochen die Fliegen ausschlüpfen, genügt diese Zeit, um die Eier mit dem Flugzeug hierher zu befördern. Im Mai vergangenen Iahres traf die erste Sendung beim Robert-Koch-Institut ein. das seitdem regelmäßig Päckchen mit Flie­genpuppen erhält. Diese werden in Wärme­kästen gelegt, und nach ungefähr drei Wochen schlüpft etwa die Hälfte der Fliegen aus. Mit diesen werden Versuchstiere gefüttert und man ist imstande, Öen Vorgang öer Infektion völlig naturgetreu durchzuführen. Die Versuche haben bisher einen günstigen Verlaus genommen, unö man hofft, in absehbarer Zeit enölich ein wirk­sames Mittel gegen Öie gefährliche Krankheit gefunöen zu haben.

Oer Hut als Warenlager.

Ie wärmer öas Klima ist, öesto größer werben öie Hüte, öenn öer Mensch muh in öer tropischen Sonnenglut nach möglichst wirksamem Schutz gegen öie erbarmungslosen Strahlen ausschauen. Der mächtige Schlapphut Öes Cowboys wird noch über» trof'en durch den Sombrero des Südamerikaners, aber diese Hüte sind noch llein im Vergleich zu den

wahrhaft ungeheuren Kopfbedeckungen, die von den Eingebronene auf Ceylon getragen werden. Die Hüte, die man hier überall sieht, haben einen Durchmesser von mindestens ll/2 Meter, und die Spitze des mächtigen Gebäudes erhebt sich wenig­stens 60 Zentimeter über den Kopf des Trägers. Die Strahenverkäufer benutzen diese Kopfbedeckun­gen als Warenlager, indem sie in der hohlen Ein­buchtung die Dinge mit sich sichren, die sie gern an Öen Mann bringen möchten. Der Hut öient ihnen also eben so gut fürs Geschäft als gegen Öen Schuh vor öer Sonne. Die Ceylon-Hüte sind keine Erfindung unserer Tage, sondern gehen auf uralte Zeiten zurück und haben sich wegen ihrer großen Brauchbarkeit auch erhalten, seitdem die moderne Kultur mehr und mehr aus öer Insel eingedrun­gen ist. Der Hut erscheint den Leuten von Ceylon nicht einmal besonders groß, öenn Großvater und Hrgroßvater haben schon ebensolche Kopfbedeckun­gen gehabt, so daß sie ihnen ganz selbstverständlich geworden sind. Auch wenn man nicht seinen gan­zen Laden im Hut mit sich führt, benutzt man ihn doch als Tragekorb, als Koffer oder zum min­desten als Handtasche. Im Hut führt man Werk­zeuge, Rahrung, Mantel unö anöere KleiÖung mit sich, kurz alles, was man so braucht, wenn man auf Reisen ist. In Anbetracht eines riesigen Hm» sangs sind diese Hüte außerordentlich leicht, und die besten Fabrikate wiegen nicht mehr als höch­stens drei Pfund. Das Material besteht aus be­sonderen Arten von Gräsern, die für diese Zwecke präpariert werden. Die Hutherstellung ist aus der Insel eine uralte Kunst, die sich vom Vater auf öen Sohn schon öurch mehrere Iahrhunöerte fort - erbt. Diese mächtigen Räöer sinö zu umfangreich, um sie in Öen meist kleinen Wohnungen aufzuhän­gen; sie werden daher vor der Türe abgelegt, unö wenn drei ober vier Männer in einem jjauä woh­nen, dann kann man eine kleine Ansammlung die­ser Hngctüme vor dem Hause erblicken. Das Ge­flecht wird vom Wasser nicht angegriffen, sondern vermag sogar den Sturzregen stand zu halten, die häufig auf Ceylon niedergehen. Cs bedarf aller­dings einer gewissen Geschicklichkeit und Hebung, um mit solchen gewaltigen Ausbauten auf dem Kops glücklich durch die engen Gassen der Dörfer hindurchzukommen, aber der Ceylonese versteht diese Kunst des Huttragens vortrefflich und Weitz seinen Hut so geschickt durch den dichtesten Ver­kehr zu balancieren wie ein Europäer seinen aus- gespannten Regenschirm.