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Kr. H9 Erstes Blaff 183. Jahrgang Dienstag, 23. Mai (933
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Amerika, der Konsultativpakt und die Freiheit der Meere.
Berlin, 23. Mai. (ERB.-Funkspruch.) Die Erklärung des amerikanischen Hauptdelegiertcn auf der Abrüstungskonferenz ist dort von entscheidender über den Rahmen der Konferenz hinausgehender Bedeutung, wo sie die Roosevelt-Botschaft vom 16. Mai ergänzt, nämlich auf dem Gebiete der Frie» denssicherung. Roosevelt hatte in seiner Botschaft in dieser Hinsicht einen neuen feierlichen Nichtangriffspakt angeregt, der nicht nur die bisherigen Patte Kriegsführung und Gewaltanwendung, sondern schon die Entsendung von Truppen außerhalb der Landesgrenzen verbieten soll. Norman Davis ist im Auftrage Roosevelts gestern noch einen Schritt weiter gegangen, indem er die Bereitschaft der Bereinigten Staaten zur Teilnahme an einem sogenannten Li o n s u l a t i v p a k t erklärte. Amerika würde sich in diesem Pakt verpflichten, im Falle einer Kriegsgefahr mit den anderen Nationen in einen Gedankenaustausch einzutreten. Es würde also auch für den Fall eines europäischen Konfliktes grundsätzlich auf das Recht verzichten, sich für desinteressiert zu erklären.
Es würde also beispielsweise, wie dies schon im chinesisch-japanischen Konflikt geschehen ist, mit den im Völkerbundsrat vereinigten Mächten im Falle eines Konfliktes in Beratungen über die besten Mittel zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung des Friedens eintreten, ohne sich jedoch jetzt schon irgendwie hinsichtlich der Konsequenzen zu binden, die c2 für sein eigenes Verhalten aus diesen Beratungen gegebenen Falles zu ziehen hätte. Norman Davis sagt ausdrücklich: „Für den Fall, daß die anderen Nationen einen Staat des Angriffes oder der Dertragsverletzung schuldig bezeichneten oder gegen ihn Maßregeln ergriffen, würde Amerika, wenn es mit dem Urteil einverstanden ist, sich jeden Borgehens enthalten, daß das Kollektivvorgehen der betreffenden Länder zum Zwecke der Wiederherstellung des Friedens vereiteln könnte." Diese Erklärung, deren Wirksamwerden von dem Erfolg der Abrüstungskonferenz ab- hängt, ist ein wichtiger Fortschritt des Völkerrechtes, der die beiden Seemächte England und Amerika vor allem in der Frage der Freiheit der Meere, die Amerika bisher aus einem absoluten Begriff verteidigt hat, in eine Linie bringt. Amerika ist nach der Erklärung Norman Davis bereit, bei einem internationalen Konflikt auf den Grundsatz der Meeresfreiheit zu verzichten, d. h. durch Blockade oder andere militärische oder wirtschaftliche Maßnahmen gegen einen dritten Staat seinen eigenen Handel beschränken zu lassen, freilich unter der doppelten Doraussehung, daß es mit dem Spruch gegen den sogenannten Angreiferstaat einverstanden ist und daß die Maßnahmen gegen diesen Staat nach amerikanischer Auffassung der Wiederher st ellung des F r i e d »n s und nicht etwa anderen egoistischen Zwecken diene. „
DasEcho inparis undLondon
Die englischen Blätter bezeichnen einmütig die Erklärungen von Norman Davis und die Zurückziehung der deutschen Abänderungsvorschläge zum britischen Konventionsentwurf als großen Fortschritt Sic suchen jetzt schon den voraussichtlichen französischen Einwendungen mit dem Hinweis auf die Größe der amerikanischen Zugeständnisse zu begegnen. ..Times" unterstreicht vor allem die Bedeutung, die die Davis-Erklärung für das Problem der „Freiheit der Meere" und der Neutralität habe. Die Schwenkung der amerikanischen Politik erleichtere das Vorgehen gegen Vertragsbrüchige.
Die französische Presse nimmt die Erklärungen des amerikanischen Delegierten mit etwas gemischten Gefühlen auf. Havas äußert sich noch am optimistischsten, wenn sic erklärt, daß die Ausführungen Norman Davis einer günstigen Entwickelung den Weg bahnen. „Journal" aber schreibt, Amerika könne weder seine Entschlußfreiheit veräußern, noch positive Verpflichtungen in der Frage der Sanktionen übernehmen. Völlig ablehnend ist Herve in der „Victoire". Er ruft der Erklärung Norman Davis ein Nein entgegen und behauptet, daß die „Genfer Farce" zur Tragödie zu werden drohe. Auch „Echo de Paris" bleibt ablehnend. Es zieht aus den Genfer Verhandlungen den Schluß, daß Frankreich auf keinen Fall seine nationale Verteidigung gegenüber Deutschland und Italien schwächen dürfe. Die „Ere Nouvelle" erklärt rundweg: Wir werden nur so weit in der effektiven Abrüstung gehen, als man uns effektive Sicherheiten gewährt.
Frankreich
und der Viermächtepakt.
Paris, 22. Mai. (WTB.) Die Agentur Havas erklärt, daß man in maßgebenden französischen Kreisen die in Rom geführten Verhandlungen als eine interessante Episode ansehe, wobei es sich nur um die Erforschung der verschiedenen durch den Paktplan aufgerollten Probleme handele. Mussolini habe seinerzeit deutsche und französische Gegenvorschläge erhalten, die jetzt miteinander verglichen würden, um es Mussolini zu erlauben, einen Text auszuarbeiten, der geeignet sei, die Zustimmung der leitenden Männer in Berlin, London und Paris zu finden. In Paris seien bisher neue römische Vorschläge als Antwort auf das letzte französische Memorandum nicht engegangen. Es sei also verfrüht, von einer ofifiziellen Annahme durch die Mächte zu sprechen, obgleich sich allerdings die
Verhandlungen in einem Sinne entwickelten, der zu der Hoffnung aus eine endgültige Annahme ermutige.
Amerika befriedigt.
Ein erster Schritt zur Wiederherstellung der Stabilität.
Washington, 22. Mai. (WTB.) Staatssekretär Hüll begrüßte im Namen des gesamten Kabinetts die in Nom erzielte Förderung des Viermächtepaktcs und erklärte, die Genfer Konferenz habe nunmehr definitiv eine Wendung zum Guten genommen. Amerika habe England und insbesondere Frankreich nunmehr endlich die Eicherheitsgarantien gegeben. nach denen diese Mächte andauernd
Wir wiederholen den Aufruf, den Reichskanzler Adolf Hiller am Abend des ersten Feiertags der nationalen Arbeit erließ:
Ein denkwürdiger Tag ist vorüber, der erste Feiertag der nationalen Arbeit. 3n überwältigenden, noch nie dagewesenen Kundgebungen hat sich das deutsche voll zur Ehrung der deutschen Arbeit und des deutschen Arbeitertums bekannt. Heber ganz Deutschland hin hat dieses wunderbare Bekenntnis in tausendfachen Demonstrationen ergreifenden Ausdruck gefunden. Aber dieser historische Tag darf nicht Vorbeigehen, ohne daß der elementare Gefühlsausbruch des Volkes auch einen bleibenden Ausdruck findet, und ohne daß dieses ideale Bekenntnis auch feinen materiellen Niederschlag in einer Leistung der Dankbarkeit findet.
Sieben deutsche Bergarbeiter, Angehörige des Arbeiterslandes, dem das Los der härtesten Arbeit zugefallen ist, find am Vorabend des 1. ZTZai einem furchtbaren Unglück jum Opfer gefallen und auf dem Felde der Arbeit geblieben. Witwen und Waisen find ihrer Ernährer beraubt worden. Der Tod dieser Helden soll der ganzen Nation der Anlaß sein, eine Stiftung zu errichten, aus der von jeht an allen Soldaten der Arbeit, die auf dem Felde des Kampfes um das tägliche Brot fallen, die ausreichende Der-
9er Kanzler-Besuch im Der Kanzler wohnt einem Racht- gesecht der Kriegsflotte bei.
Der erste Tag des Besuches des Reichskanzlers bei der deutschen Flotte schloß mit einem manöver- mäßigen Nachtgefecht zweier Verbände. Die Schiffe gingen dann in der Kieler Bucht vor Anker. Dienstag früh wurden die Vorführungen mit einem Fliegerabwehrschießen d e s K r e u- zers „Leipzig", auf dem sich wieder sämtliche Gäste oerjammelt hatten, fortgesetzt. Große Scheiben, die von Flugzeugen der Holtenauer Seeflugstation geschleppt wurden, bildeten das Ziel. Dann ging der Reichskanzler und seine Begleiter an Bord des Kreuzers „Deutschland", um hier kurze Vorträge des leitenden Ingenieurs zu hören. Nach einer Besichtigung des Schiffes kehrte der Kanzler auf die „Leipzig" zurück. Die Verbände rüsteten sich dann zu der großen Vorbeifahrt, die den Abschluß des Flottenbesuches der Reichsregierung bilden wird.
Gegen mittag traf die Flotte nach Beendigung der Manöoerübungen wieder vor Kiel ein. Als Kreuzer „Leipzig", auf dem sich der Reichskanzler und die Mitglieder der Reichsregierung befanden, den Friedrichsorter Leuchtturm erreicht hatte, brachten die Kieler Wassersportvereine dem Kanzler ihren Dank und ihre Ehrerbietung durch eine Huldigungsfahrt zum Ausdruck. Die Segelboote, die sich in der Heikendorfer Bucht angesammelt hatten, segelten, über die Toppen geflaggt, in Kiellinie dem einfahrenden Geschwader entgegen und dippten beim Passieren der „Leipzig" die flaggen. Die Ruder - und Kanuvereine wurden nach einer Fahrt entlang dem Hindenburgufer von einem Motorboot der Reichsmarine in die Nähe der „Leipzig" geführt, wo auch sie den Kanzler begrüßten. — Nach dem Einlaufen der Schaffe, dem an den Ufern und aus Booten aller Art Tausende beiwohnten, fand an Bord des Flottenflaggschiffes „Schleswig-Holstein" ein gemeinsames Mittagsmahl statt, das noch einmal alle Gäste der Reichsmarine mit den Gastgebern vereinte. Der Kanzler trat sodann mit seiner Begleitung die Rückreise nach Berlin im Flugzeug an.
Den Abschluß der Flottenübungen bildete eine Dorbeifahrt aller an diesem Tage in Kiel zusammengezogenen Seestreitkräfte am Kreuzer „Leipzig", auf dem der Reichskanzler, der Dr^kanzler, die Reichsminister von Blomberg, Göring und Dr. Goebbels, der Chef der Marineleitung und die übrigen Gäste der Reichsmarine versammelt waren. Zahlreiche Schaulustige hatten sich auf Dampfern , und Segelbooten eingefunben, um dem imposanten militärischen Schauspiel beizuwohnen. Ueber der •
verlangten, und nun gebe es für Frankreich keinerlei Entschuldigung mehr, nicht abzurüsten.
„Cvening Post" sagt, die Nachricht von den römischen Paktbesprechungen sei so unerwartet erfreulich, daß man beinahe zögern müsse, sie zu glauben. Mit dieser zehnjährigen Garantie und der Gleichstellung in der Bcwassnungsfrage für die nächsten fünf Jahre, womit die Haupt- quelle der deutschen Mißstimmung beseitigt worden sei. hätten die Abrüstungsund Wirtschastskonserenzen weit bessere Erfolgchancen. als man für möglich gehalten habe. Die römischen Paktbesprechungen erschienen als der erste gesunde, weitgehende und feste Schritt für die Wiederherstellung der Welt- stabilität. Eie seien die erste gute internationale Aussicht auf Hoffnung. Vertrauen und Verständigung.
forgung ihrer Familien gewährleistet wird. Es darf nicht mehr vorkommen, daß in Zukunft solche Opfer der Arbeit auf die knappen Leistungen der öffentlichen Fürsorge angewiesen sind. Ls ist vielmehr eine Ehrenpflicht aller Deutschen, insbesondere aber der begüterten unter ihnen, hier ihr Bestes und Möglichstes zu tun.
Ich rufe hiermit zur Errichtung einer Stiftung für die Opfer der Arbeit auf. Aus ihr sollen in Zukunft die Hinterbliebenen aller deutschen Arbeiter, die in ihrem Berufe tödlich verunglückt sind, unter- sfüht werden. Diese Stiftung kann nicht groß genug sein. Sie muh ein sichtbares Symbol der Ehrfurcht des deutschen Volkes vor der nationalen Arbeit und ein Denkmal der unzerreißbaren Gemeinschaft aller Klassen und Stände untereinander werden. Spenden für diese Stiftung können auf das Konto: „Stiftung für die Opfer der Arbeit" bei der Reichs- Kredit-Gesellschaft, Berlin w. 8, Konto-Nr. III b 49, eingezahlt werden. Die Verwendung der Mittel wird von einem Lhrenausschuh bestimmt, der sich aus folgenden Personen zusammenseht: Walter Schumann, Friß Thyssen, Dr. Lmit Georg von S t a u h.
Der Reichskanzler: gez. Adolf Hitler.
MMiegshasen Riel.
Kieler Bucht, dem Schauplatz der Vorbeifahrt, lag prächtiger Sonnenschein. Die in Kiel liegenden auf« gefahrenen Schiffe, deren Besatzungen an Deck in Paradeaufstellung mit der Front zur „Leipzig" angetreten waren, wurden vom Flaggschiff des Flottenchefs, Vizeadmiral G la di sch, dem Linienschiff „Schleswig-Holstein", geführt, es folgten die Linienschiffe „Schlesien" mit dem Befehlshaber der Linienschiffe Commodore Bastian an Bord und „Hessen". Ihnen schloß sich das dem Flottenoerband noch nicht zugeteilte Panzerschiff „Deutschland" an. Es folgte Kreuzer „Karlsruhe". Den großen Einheiten reihten sich sodann die kleinen Verbände an. Der ersten Torpedobootsflottille mit neun Booten folgte die zweite mit sieben Schiffen. Anschließend die Minensuchhauptflottille mit fünf Booten, den Abschluß bildete eine große Anzahl von Spezialschiffen und kleineren Fahrzeugen der Reichsmarine. Nach der Vorbeifahrt, die eine halbe Stunde in Anspruch nahm, setzte sich die „Leipzig" mit hoher Fahrt an die Spitze des Geschwaders, um es in den Kieler Hafen zurückzuführen.
Die Heimat huldigt dem Reichsstatthalter. Reichsstatthalter Sprenger in derSüdPsalz.
Oberhausen, 22. Mai. (WSN.) Am Sonntag stattete der Reichsstatthalter von Hessen, Jakob Sprenger, seiner Heimatgemcinde Oberhausen bei Bergzabern in der Pfalz einen Besuch ab. Reichsstatthalter Sprenger wurde im Jahre 1884 als Sohn eines Land- wirtsehcpaarcs in Oberhausen geboren. Schon sehr früh kam er, der die Postbeamtenlaufbahn eingeschlagen hatte, nach Frankfurt-
Der Empfang in seiner Heimatgemeinde gestaltete sich zu einer großartigen Huldigung. Die ganze Gemeinde feierte begeistert ihren Eobn. In mehreren Wagen kam der Reichsstatthalter in Begleitung seines Stabes in Oberhausen an. Eine große Menschenmenge auch aus den umliegenden Ortschaften und aus Bergzabern, sowie vier Stürme SA. erwarteten den Reichsstatthalter am Ortseingang. Mit Musik ging es ins Dorf hinein, wo am Kriegerdenkmal eine Feier stattfand. Von der Gauleitung der NSDAP, waren erschienen Gauleiter B ü r d e l, Reichstagsabgeordneter Selzncr Landtagsabgeordneter Liebel und SA.-Oberführer Schwihgebel. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP, begrüßte den Reichsstatthalter und überreichte ihm im Auftrage der Gemeinde den
DieStistungsürdieOpserderArbeit
Oer Aufruf des Reichskanzlers Adolf Hitler.
Ehrenbürgerbrief in Form eines Gemäldes. das sein Vaterhaus zeigte.
Reichsstatthalter Sprenger dankte für die Ehrung und den herzlichen Empfang und legte am Kriegerdenkmal einen Kranz nieder. Unter besonderer Würdigung des Grenzgebietes Süd- Pfalz entwarf der Reichsstatthalter ein Bild von der nationalen Revolution, die sich auch zum Ziel gesetzt habe, den Bauer wieder zur Scholle zurückzuführen. Er überreichte dem ersten Bürgermeister zum Andenken an feinen Besuch und zum Dank für die Ehrung ein Di Id Adolf Hitlers und fein eigenes Bild. Der Reichsstatthalter fuhr im Laufe des Nachmittags mit seinem Gefolge nach Bergzabern und besuchte noch einige Orte der Südpfalz. Abends gab die Bevölkerung Oberhausens ihm zu Ehren einen Fackelzug.
Der Prozeß Gereke.
Berlin, 20. Mai. (TU.) Im Gereke-Prozeß erklärte als erster Zeuge Ministerialrat Schellen u. a., daß Dr. Gereke es mit der Wahrheit nicht genau genommen habe. Wichtige Besprechungen Dr. (Beretes hätten meist darin bestanden, daß er auf die Rennbahn hinausging. Freigang habe sich in unbedingter Hörigkeit von Dr. Gereke befunden. Das Gefühl, daß etwas nicht stimmt, habe er schon gehabt, als Dr. Gereke Reichskommissar wurde. Im Februar sei dann Freigang erregt zu ihm gekommen und habe erklärt, daß er ihm als Vertreter Dr. Gerckes alles sagen müsse. In Gegenwart von Biir- germeister Lange habe er dann seine Aussage wie- verholt und schriftlich niedergelegt.
Der Zeuge Bürgermeister Lange erklärte, es sei richtig, daß Dr. Gereke nicht zur Nechcn- schastlegung über den Ertrag der großen Umlage verpflichtet gewesen sei. Die Umlage sei auch als besondere Gratifikation für Gerekes erfolgreiche Gründungsarbeit gedacht getoejen. Der Zeuge bestätigte, daß Dr. Gereke keinerlei persönlichen Auswand getrieben, sondern geradezu bedürfnislos gelebt habe. Der Zeuge bestreitet entschieden die Behauptung des Angeklagten, daß die Verbandszeitschrift um die Wende des Jahres 1924 bis 1925 zum persönlichen Eigentum Dr. Gerekes gemacht worden sei. Die Zeitschrift sei selbstverständlich Eigentum des Verbandes geblieben. auch dann, als sie aus taktischen Gründen einer G. m. b. H. übergeben wurde. Dr. Gereke sei als Treuhänder des Verbandes betrachtet worden. Er habe niemals gehört, daß die Zeitschrift große Tleberschüsse abwerfe. Hätte er davon Kenntnis gehabt, hätte er die Ue&er- schüsse für den Verband in Anspruch genommen. Der Zeuge ist der Tlebcrzeugung, daß der Verband in der Frage der Zeitschrift von Anfang an getäuscht worden sei, mindestens aber von dem Zeitpunkt ab. als sich Ueber- schüsse ergaben, von denen die Derbandsleitung nichts erfahren habe.
Die 69jährige Mutter des Angeklagten wurde heute vernommen. Sie erklärte, daß ihr Sohn das Gut Prestel geradezu ausgepowert habe. Alles was irgendwie zu Geld zu machen war, sei zu Geld gemacht und dem Verbände gegeben worden. Aus die Frage des Staatsan. waltes, ob Dr. Gereke Rennpferde gehalten habe, erwiderte die Zeugin lächelnd: „Wir hatten eine Mutterstute, die mit ihren Fohlen mitten unter den Ochsen und Küh^n stand. Im vorigen Jahre sind allerdings aus dieser bescheidenen Zucht zwei Pferde gelaufen, die in Berlin bei einem Trainer standen."
Der Vorsitzende des Ausschusses für die Hinden- burgwahl, Geheimrat D u i s b e r g erklärte, daß er ebenso wie die anderen Mitglieder des überparteilichen Ausschusses in seinen Kreisen gesammelt und persönlich etwa 500 bi$ 600 000 Mark zusammenge- bracht habe. Was im ganzen eingegangen sei, darüber sei wenig gesprochen worden, weil auch die Geldgeber die Sache diskret behandelt wissen wollten. Als der Vorsitzende dann feststellte, es seien ungefähr sechs Millionen gewesen, erklärte der Zeuge, auf soviel hätte er nie gerechnet und erfahre das heute zum er st en M a L Der Arbeitsausschuß, dem Dr. Gereke Vorstand, habe die Vollmacht gehabt, die ihm überwiesenen Gelder für die Zwecke derHinden- burgwahl zu verwenden. Er wäre — so führte der Zeuge weiter aus — nicht damit einoer- standen gewesen, daß aus diesen Mitteln Gelder für die Preußenwahlen oder für andere politische Zwecke verwendet wurden.
Der ehemalige Führer der Deutschnationalen Volkspartei und spätere Führer der Volkskonser- vatioen Graf Westarp erklärte als Zeuge, daß Dr Gereke zur Verwertung der Gelder selbstoer- stündlich weitgehende Vollmachten bekommen habe. Der unmittelbare Zweck der Geldsamm- lung sei die Reichspräsidentenwahl gewesen. Der Arbeitsausschuß habe jedoch die Ansicht vertreten, daß man dann weiter danach streben müsse, die Präsidialgewalt des Reichspräsidenten so zu stärken, damit auf diese Weise die natio- nalen Kreise nach einem Zusammenschluß die Macht übernehmen könnten. Darum, erklärte der Zeuge, könne er das dem angeklagt?n Dr. Gereke zum Vorwurf gemachte Verfahren nicht verurteilen. Zur Erreichung eines politischen Zweckes müsse man manch- mal Wege gehen, die mit den streng formal-juristischen Bestimmungen nicht immer übereinstimmten. Wenn Dr. Gereke aus den für die Hindenburgwahl gesammelten Geldern größere Summen zur Erreichung der vorher gekennzeichneten weiteren poli- Kschen Zwecke benutzte, so habe das ganz im Sinne der Hindenburgwähler von Rechts gelegen.
Der als Zeuge vernommene Verleger Krey er- klärte, er sei bei den Verhandlungen über die Der-


