Ausgabe 
23.3.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 70 Irstes Blatt

183. Jahrgang

Donnerstag, 23. März 1933

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GktzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und^ürdenAn- zeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich »n (Biegen.

Landnöten.

Am 18. Juni 1919 hat Clemenceau Deutschland eine Rote überreichen lassen, in der es u. a. h^ß, daß Deutschlands Versagen aus dem Ge­biete der kolonialen Zivilisation zu deutlich zutage getreten sei, als daß die alliierten und assoziierten Mächte ihre Hand zu einem zwei­ten Versuch bieten und die Verantwortung bajur übernehmen könnten. Außerdem hätten es_ diese Mächte für notwendig erachtet, ihre eigene sicher, beit und den Frieden der Welt gegen einen nult- torischen Imperialismus zu sichern, der darauf aus­gegangen wäre, sich Stützpunkte zu schassen, um gegenüber den anderen Mächten eine Politik der Ginmischung und der Einschüchterung zu verfolgen. Damals war Deutschland so schwach, daß sein Pro­test ungehört verhallte. Nur die Wissenden konnten den ganzen Hohn und die abgriindiye Bosheit dieses Schriftstückes ermessen, und es existieren in deut- scheu Schreibtischen Briese, die damals von Eng- ländern und Amerikanern, die die deut­sche Kulturarbeit in Afrika, in Asien und aus den Sübfeebesttzungen des Reiches aus eigener An­schauung kannten, an deutsche Kolonial- Pioniere gerichtet hallen, in denen der Protest gegen die Verunglimpfung Deutschlands heftigen Ausdruck fand.

E-S ist ja keine üebertrclbung, daß Deutsch- lanö auch auf kolonisatorischem Gebiet an der Spitze der weißen Rationen marschierte, als der Krieg ausbrach. Hunderte Millionen deutschen Kapitals waren in Liebersee angelegt worden. Die Behandlung der sarb.gen Menschen war mu ft er gültig uno unlersch.ed sich prinzipiell von der der Franzosen uno -uelgLcr. Die Kongogreuel stnd n.chc von Deutschen verübt worden! Ader nicht nur die Pslanzungen, die Hygiene,chen tom- r.cytungen, der bis ins Kleinste pratt^che Bau der Studie, n.chc nur die üuechooen, oie ange­wandt wurden, um die Eingeborenen zu stetiger und sauberer Arbeit zu erziehen, nein, nicht nur das zeugte für Deui,chiand und den Ernst, m.t dem es ieiner Kocon^al-Misiwn nachgiNg, sondern auch die Menschen, die in seine Hnno gegeben waren. Der S.eg der Entente ve» fr«..te s.e aus oeu^chenFesiecn'. Aber sie tour- den n.chc müde, m.c Wonne an die,e Fesseln zu Deinen, ^eyr acs ein vrit.,cher Gouverneur hat in den letzten wahren AegertzuuplliNge avzufer- t.gcn getzuoc, die fragten, wann öie beut- 1 ü) e n Herren wieder juruatämen.

ist mau mu uec -.LUioiuiumge yau» fueu gegangen, und hat damit dem Ansehen Ul toeiuen -aaife entfu^cioenue cajlage ver>etzi. Menn ane Kolonien dec noeisten yeuce m n.eyr Over mt.iuei reooiuiiouaiem <>u|tanu be- fuwen, dann ist das nur eine böige ver Koco- niuipropaguudu ucl vm.cixlc.lugii^j, dag soc^-e (Mdrinie.ignnge dem Anlap zu uec -z^ue des iran* jviii^tii ..uiviuuiirtiiUiieL» uütcuut out ue.ii ^LOLU|iungö*i)au+'iauö|iyU|j zug.uit^eiugcn. <oai- raut yat ^euii^tanus Uieu.)t auf 'aieucifajiiebuiig al.Uani|a)er ^cuieic au»o.uctli<y a.ic.tanni. Aas isi ein y alber Miderru , der Koionial- luge, ucr uns nieinai» gyiiugen tanit ^-eui,^- luiioS S)unde sind rein, -uuugt man uns uie llie^ce eines zur Kocum,a.con «.eiten Boues zu, bann verlangen wir, uay dies mit allen Konsequenzen unu in vollem um­fange geiiyieyi. Mil jjaluyeaen geui.ii wir u.is niitzi mtyt au. Deuis^/iand i|t lOieocr zu einer Grvvma^c geworden, za einem Fanoc dec Men» poniic. zniec dem nuyt '^»e^nuug tragt, wird bitteres x-e^rgeh) zayien mus fen. -u.

*

Die GPU. hat in Moskau einige englische Ingenieure uerRüstungsfirmo Vickers d c i q a f t e i, Otiitn uu.g^u»o.|v.i u)mi, um a.u|UuU an Oer sozialistischen Vriil,a)^siSsioni gejtun zu haben. Das ist auu) |om|iiiU||i|Ujer aunu||d..g tii-es bei' schiimmsiiii iSiaaiL.ueiviiu)i.i, das irn K^g.cfAl nut a,oueb,uafe geaynuet ro.iu. Do dieUHgu.it.u.e fujuibig sind, weist vieuelchi nicht einmal die G^U., Lun Meldungen Jarübcr, oag uie Ingenieure uoei- falirt oder gistandig sind, liegen auaj aus sowset- russischer Queue niaji vor. xne e n y 111 a, e 1H e g i v i u n g Hal sehr tatirafiig die r e 11 u 1 j U ii g der Ingenieure gefordert, auer Litwinow hat dies in einer |o schlossen Unuiiuug uvge.eyi.c, oag die Times" nichc unu)in tonnen, diese Erklärung unver­schämt zu nennen. Run ist es nichc das eifteuial, daß die Beziehungen zwischen Goiiöon und iotoskau in Spannung geiaten jino, |o daß der Abbruch der diplomatischen Beziehungen nicht nur a.gedroht wurde, sondern auch tatsächlich eifo.gic. Ais im Mai 1927 die englische Regierung bei der russischen Handelsvertretung in llonoon haussuchi.i liest, als sie soweit ging, diese Vertretung und ihre 9tebenabkiiungen zu sch.ießen, war dies nicht nur vorübergehend das Tagesereignis Europas. Die eng- l.,che Rigierung beschuldigte Moskau und seine Agen­tin böser Umtriebe wie Spionage, Hochverrat usw

Allerdings sind die diplomatischen Beziehungen später unter der Regierung Macdonalds wieder auf» genommen worden, was aber nichts daran ändert, daß Sowjetrußland im Frühjahr 1927 eine Schlappe eir.stccken mußte, die Moskau um so weniger gelegen kam, als zu gleicher Zeit auch in China das An­sehen Sowjetrußlands beträchtliche Einbußen erlitt. Vielleicht besteht ein gewisser Zusammenhang zwi­lchen den Vorgängen im Mai 1927 in London und der Verhaftung der englischen Ingenieure im März 1933 in Moskau? Dazwischen liegen sechs Jahre. Aber wir wissen ja aus Erfahrung, daß die Sowjet- regierung es gut versteht, ihre Rache auf Eis zu legen. England hat damals die Sowjetagenten, auch solche mit diplomatischen Pässen, einfach hinausge­worfen, wahrend Moskau diesmal den verhafteten Ingenieuren den Prozeß inachen will, der sehr wahr­scheinlich mit Todesurteilen enden kann.

Der französische Feldzug gegen den Muffoliniplan.

P a r i S . 22. März. (WTD.) Am späten Nach­mittag haben Ministerpräsident D a I a d i e r und Außenminister Paul-Boncour vor dem Aus­wärtigen Ausschuß des Senats über die außen­politische Lage Bericht erstattet. Aach der Agentur Havas hätten sie ihr Bertrauen zu den neuen Verhandlungen zum Ausdruck gebracht, die der Entspannung in Europa nützlich sein würden, indem sie das Entstehen von rivalisie­renden Staatenblocks verhindern würden. Die bei­den Minister hätten weiter ihren Willen beteuert, die neuen Unterredungen in diebisherigen Abmachungen einzufügen, d. h. in das Lausanner Dertrauensabko m m en vom 3uli v. 3., in die Abkommen von Locarno und in den Böllerbunds st atu t. Sie hätten außerdem die beständigen Leitlinien der französi­schen Außenpolitik bekräftigt, die darauf abzielen, die Unabhängigkeit und Sicherheit Frankreichs mit der europäischen Solidarität in Einklang zu bringen.

DerTemps" schreibt, die Bezugnahme aus den Bölkerbund, die in dem in Dom veröfsentl.chlen Kommunique vollkommen fehlte, sei in dem englisch-französischen Kommunique von gestern deutlich angeführt. Man könne sogar sagen, daß diese Bezugnahme die wichtigste Stelle des Kommuniques sei. Man könne diese erste Präzisierung bei Beginn der bedeutsamen ins Auge gefaßten Berhandlungen nur begrü­ßen. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit der vier Mächte könne nur im Rahmen des Völkerbundes vonstatten gehen, wodurch der Charakter eines Direktoriums beseitigt würde, das der Eesamtheit der europäischen Mächte sei­nen Willen und seine Beschlüsse aufzwingen würde.

Hins ich llich der praktischen Realisierung der beabsichtigten Zusammenarbeit erklärt der Temps", die Beratungen der vier Hauptmächte, bei denen einer jeden volle Entscheidungsfreiheit gelassen werde, könnten nicht die Befra­gung der an den zu prüfenden Pro­blemen interessierten anderen Län­der aussch ließen. Selbstverständlich müsse bei Behandlung gewisser Fragen Polen da ver­treten sein, wo Deutschland anwesend sei, und die Kleine Entente könne man nicht außer acht lassen, wenn man sich mit Mittel- und Osteuropa beschäftige. Schließlich wirst derTemps" die Frage auf. ob man sich einig sei, daß d i e Frage der Revision nur gemäß Ar­tikel 19 des Völkerbunds st atuts be­handelt werden könne. Für den Erfolg der ge­planten Zusammenarbeit fei es wesentlich, daß in dieser Hinsicht volle Gewißheit bestehe. Ebenso zögernd oder ablehnend wie derTemps" verhält sich die ganze Abendpresse, vor allem das Organ der Schwerindustrie,3ournal des Debats".

Rach Macdonalds Rückkehr.

C tt >is' e Hoffnungen

London 22. Mc rz. (X TD.) Der Minister- pr äs ident und d.r A u u < n m i n i ft e r sind wieder in London eingetroffen. Mac- tonalb erLärte Zeitungsvertretcrn, die ihn nach den Ergebnissen seiner Reise frugen:Wir haben der Sache Europas einen sehr wichtigen Dienst geleistet, und wir werden weiter Erfolg haben."

Daily Telegraph" erklärt, die internationale Atmosphäre habe sich seit dem Besuch Mac- dona ds in Rum entschieden gebessert. 3m übri­gen sei cs klar, daß man dabei keineswegs an eine gewaltsame Aenderung der Friedensverträge denke, so sehr Musso­

lini auch von der Aotwendigkeit einer Revision überzeugt sei. Auch die Behauptung, Frankreich werde einen solchen Pakt nicht prüsen, entbehre jeder Begründung. Frankreich habe durch die neue Orientierung der europäischen Politik zu viel zu gewinnen und habe ein viel zu großes 3ntcreffe daran, einen gegen Frankreich gerichteten Zusammenschluß ande­rer Mächte zu verhindern. Auch liege ihm die 3öoe des Friedens zu sehr am Herzen, als cs einen Vorschlag wie ucn des italienischen Regierungschefs leichthin beiseite schieben könne.

Optimismus in Rom.

Rom, 22. März. (TU.) Die italienische Presse betont, daß die Mitteilung über die Pariser Be­sprechungen Mussolinis diesranzösischeBe- reiftoilligteit zurMitarbeit am Plane Mussolinis bedeute. Besonders optimistisch äußert sich G a y d a im halbamtlichen »Giornale b'3ta-

lia". Er findet, daß die Wendung in der Pariser Mitteilung, die vom Rahmen und Geist des Völ­kerbundes spricht, int Grunde gar nicht im Widerspruch mit der Auffassung Mussolinis stehe, der gefordert habe, daß das Revisionsproblem auf dem Boden des Völkerbun­des gelöst werden müsse. Die Pariser Mitteilung scheine also einen bemerkenswerten Fortschritt zu der in Rom begonnenen wertvollen Arbeit darzu- ftelleru Was die Opposition der Kleinen Entente und der anderen mit Frankreich alli­ierten Länder betreffe, so handele es sich hier vor allem um eine Prestigefrage. 3n den Grundproblemen, die diese Länder betreffen, müß­ten sie Vertrauen in das Verantwortungsgefühl aller vier Großmächte fetzen und in das loyale Funktionieren des Mussoliniplanes, der keine Vergewaltigung vorsehe und daher auch je­der der vier Großmächte gestattet, zugleich mit den eigenen auch die vernünftig aufgelegten 3n- tereffen der Freunde zu vertreten.

Die Kleine Entente wird vorgeschoben.

Sranfreid) putscht in Genf zum Widerstand.

Paris, 23. Mär;. (1DIB. Junffpcudj.) Die wachsende Opposition gegen den Mu,sottnl-Plan eines viermächlepaktes in Frankreich wird in den Betrachtungen der Blatter stark heraucgearbeitel. Um sich für diese Opposition auch die nölige physio­logische Unterstützung der breiten Masse zu sichern, bemüht man sich jetzt, die widerstände zu betonen, die Polen und die kleine Entente gegen den Plan hätten, der den Großmächten eine poli­tische Vormachtstellung sichere. Polen und die kleine Entente sollen angeblich in Gens eine kleine Palasi- revolulion veranslaltel haben. Aach demEcho de Paris" Hal Außenminister Paul-Boncour des­halb schleunigst den Referenten für Völkerbunds­angelegenheit am Qual d'Orsay, wafsigli, mit dem Auftrag nach Genf geschickt, die Vertreter der kleinen Entente zu beruhigen.Matin" meldel, die Beunruhigung namentlich der kleinen Entente habe bereits gestern beseitigt werden können, wenigstens was die Haltung Frankreichs gegenüber denStatuten des Friedensklubs" anlange. Da­gegen behauptetEcho de Paris", das die Außen­politik der Regierung energisch bekämpft, Massigli habe die Vertreter der französischen Alliierten in Genf nicht überzeugen können. Sie alle seien der Ansicht, daß eine Zustimmung Frankreichs zum Vertragcentwurs Tiiuffolinis der Kündigung der zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei, Ru­mänien und Südslawien bestehenden vertrage gleich tarne, eine Auffassung, der auch Polen beipflichte, wenn Frankreichs Einstellung ihren Erwartungen nicht entsprechen sollte, dürfte man, fo schließt das Blatt feine Meldung, auf eine tiefgreifende Aenderung in der Leitung ihrer Außenpolitik gefaßt sein.

Polen lamentiert über den Großmachtkonzern".

Frankreich wird in Äcnr sc nc Freunde an ei u*r Seite finden.

Warschau, 22. März. (WTB.) Das Ergebnis der Besprechungen in Rom wird von der polnischen

Presse mit Bestimmtheit abgelehnt. Die römi­schen Einfälle |o schreibt das Blatt der polnischen Regierung Gazeta Polska seien der Ver­such, eine europäische Oligarchie aufzu- ziehen. Eine solche Oligarchie müsse sich, um mit Er­folg arbeiten zu können, auf Zwang stühen. Von polnischer Seite werde der Versuch, den Völkerbund durch ein neues Staatengebilde zu ersetzen, m i t kritischer Ruhe beurteilt. Der .Krakauer Kurie r" betont, daß Warschau gegen alle Ver­suche der Großmächte sei, ihren Willen den Heineren Nationan aufzuzwingen. Der Zwang führe nicht zum Aufbau des Friedens, sondern zum Chaos. Alle Großmachtkonzerne, die den Grundsatz der Gleich­berechtigung aller Staaten, wie er im Völkerbund gelte, außer Acht ließen, seien von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. In Paris werde man sich sicher bemühen, denrömischen Club" nach Gens zu verletzen. In Genf sei jedoch Frankreich von feinen Freundenum­geben, während es in Rom vereinsamt fei. Ge­genwärtig gewinne die Politik Polens gegen­über Sowjetrußland an Bedeutung. Man könne annehmen, daß der Nichtantzriffspakt nur die Grundlage darstelle für eine weitere Annähe­rung zwischen Warschau und Moskau. Man könne auch mit einer Festigung der Beziehun­gen zwischen Warschau, Belgrad, Prag und Bukarest rechnen. Weder Prag noch Belgrad würden erlauben, daß irgend ein fremder Wille über ihr Leben ent­scheide. Für eine solche Operation fei Polen am allerwenigsten geeignet. Das kalte Blut Mar­sch a u s sei die beste Antwort auf diewahnwitzigen Einfälle des römischen Clubs".

Die deuisch-russischen Beziehungen.

Moskau über c ne Erklärung.ings brsriedistt.

Moskau, 22. März. (TU.) Die russischen politischen Kreise haben mit großem 3nteresse d i e Erklärung des Relchsministers Göring gegenüber einem Vertreter des Amster­damerTelegraaf" über die deutsch-russischen Be­ziehungen entgegengenommen. Diese Erklärung wird als er st er Schritt zur Entspan­nung der deutsch-russischen Bezie-

Daß die englische Presse aufschäumt, ist zu ver­stehen, ebenso auch, daß sie vielleicht l..cht ganz unrecht hat, wenn sie die Verhaftung daraus zurück­führt, daß die Sowjetregierung roieoer einmal Ma­növer braucht, um die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung auf außenpolitische Dinge abza- lenken. Daß der sozialistische Aufbau ins Stocken geraten ist, ist kein Geheimnis weder in Sowjelruß- land noch im Ausland. Der Bevölkerung in Somjet» rußland stehen zweifellos noch sehr harte Prüfungen bevor, von denen auch die Sowjetregierung nicht weiß, ob sie ruhig ertragen werden ober nicht. Aber das Mittel, der Bevölkerung vorzuführen, daß J>ie imperialistischen und kapitalistischen Feinde der So­wjet-Union noch immer am Werke seien, den glanz­vollen Aufbau des Sozialismus zu stören, hat sich fooft bewährt, daß es auch diesmal wieder ange­wandt wird. Prozesse gegen Staatsfeinde sind in den letzten Jahren in Sowjetrußland an der Tagesord­nung gewesen, wobei die Verhandlung außerhalb Sowjetrußlands niemand davon überzeugte, daß die Angeklagten alle die Verbrechen begangen hätten, deren sie angeklagt waren. Litwinow hat in Aus­sicht gestellt, der Prozeß gegen die englischen Inge­nieure würde bald steigen, aber es fragt sich noch, ob England sich diese Herausforderung gefallen lassen wird. Englands Ansehen im Rahen und Fernen Osten würde dadurch sicher nicht erhöht.

Intervention des DizekanzlefS beim Zürsterzbifchof von Breslau.

Berlin, 22. März. (ERD.) Anläßlich der Beerdigung eines in Beuthen (OS.) verstorbenen SA.-Mannes hatte der dortige Prälat Wei­sung erhalten, sich des Grabgeleites zu enthalten, da geschlossenen Parteiformationen

kein Zutritt zur Kirche gewährt werden sollte. Der Oberbürgermeister von Beutchrn wandte sich telegraphisch an den Vizekanzler v. Pa- p e n um tu.iterDention beim Fürsterzbischof von Breslau. Dieser 3ntervenlion ist es zu danken, daß die Beerdigung mit allen kirchlichen Ehren ftattfanb. Der Oberbürgermeister von Beuthen sandle folgendes Danltelegramm an den Vizekanzler:Herzlichen Dank für die erfolgreiche 3ntervention. Beerdigung fand mit Grabgcleite und Grabrede statt, was Auftakt war, daß Ra­tionalfeier in geschloffener Einheit verlief. Erzbischöfliche Genehmigung ist von der Gesamtbevölkerung außerordentlich begrüßt und dankbar empfunden worden".

Wechsel tm Präsidium des Reichslandbundes.

Berlin, 22. März. (ERB.) Auf der Bun- dcsvorstandssihung des Reichslandbundes in Berlin legte Bauerngutsbesiher Bethge sein Amt als Präsident des Reichslandbundes nieder. Graf Kalckreuth schlug den westfälischen Bauern­gutsbesitzer und nationalsozialistischen Reichs­tagsabgeordneten M e i n b e r g zum Rachfolger von Präsident Bethge vor. Die Wahl erfolgte einstimmil durch Zuruf.

Zur politischen Lage wurde von dem Bundesvorstand des Reichslandbundes einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es il a. heißt' Der Reichslandbund ist stolz darauf, alles in seinen Kräften und Möglichkeiten Liegende beigetragen zu haben zur Herbeiführung des Sieges der nationalen Revolu­tion. Gr steht geschlossen bereit, das unter der

Führung von Reichskanzler Adolf Hitler begon­nene Rettungswerk der Ration auszubauen und zu schützen. Als die alle Teile des Vaterlandes umfassende freie Kampsorganisation des deutschen Dauern im neuen Reich will der Reichslandbund das Landvolk sämtlicher deut­schen Stämme und Gaue in sich sammeln. Durch Zusammenschluß aller die deutsche Scholle bear­beitenden und bewahrenden Volksgenossen soll die deutsche Landwirtschaft zur tragenden berufs ständischen Säule im Reubau des deutschen Rational st aates auf- gerichtet werden.

3um Gedächtnis des Alten Kaisers.

Berlin, 22. März. (TU.) Am Mittwoch legte dir deutschnallonale Rcichstagsabgeordnete Frau Anna-Grete Lehmann im Auftrage ihrer Fraktion am Denkmal Kaiser Wil­helms 1. im Rundteil der Wandelhalle des Reichstags einen Kranz mit schwarzweißroter Schleife nieder. Abgeordneter Dr. E v e r l i n g hielt dabei eine kurze Ansprache, in der er aus­führte:Der Parlamentarismus ist ausgebrannt, aber unser alter Herrscher ist in diesem Hause stehen geblieben. Der Parlamentarismus ist nicht mehr. Des Kaisers aber haben wir immer ge­dacht, besonders in dieser Zeit, in der wir dem neuen schwarzweißroten Kaiserreich entgegen­gehen." Rach Abschluß der Eröffnungssitzung des Preußischen Landtages begab sich die deutsch- nationale Fraktion geschlossen nach C h a r- lottcnburg und legte im Mausoleum Kaiser Wilhelms I. anläßlich seines Geburtstages am 22. März einen Kranz mit schwarzweißroter und schwarzweiher Schleife nieder.