Wie sie ihn bezwang
Originalroman von J Schneiver.Zoerstl
Urheberrechtsschutz: Verlag 0. Meister. Werdau i. T.
6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Zornig über don Kinderleichtsinn hatte er sie vol° lends wachgerüttelt, sie dann kurzerhand auf den Arm genommen und den Ihren nach Jettenbach gebracht.
Halb in das Zimmer zurückaewandt, sagte er versöhnlich: „Sie muß doch jetzt so etwas wie zwanzig sein."
„Im September wird sie's, ja!"
„Reichlich jung für meine zweiunddreißig."
In dem alten Merlin erblühte ein scheues Hoffen. „Willst du damit sagen, daß du zu alt bist?"
„Das nicht gerade." Jörg saß letzt auf dem Sims des Fensters und ließ die Füße über den Brettern baumeln. Das Gesicht trug er dem Monde zuye- kehrt, als fei ihm der Blick des Vaters zu hellsichtig: „Angenommen, ich heirate sie-, wer übernimmt dann die Mission, ihr zu sagen, daß sie das ganze Jahr hierbleiben muß, weil ich sie nun einmal in Konstanz nicht brauchen kann?"
„Ich", kam es fest von Merlins Platz herüber. Der Junge war zugänglicher, als er erwartet hatte. „Das eine müßtest du mir natürlich auf Ehrenwort versprechen, daß du ihr, wo du auch bist, die Treue hältst."
Jörg lachte auf: „Und sie?"--
Der Alte hieb so kräftig auf den runden Tisch, daß die Bücher, welche darauf lagen, zu tanzen begannen.
Zum zweitenmal lenkte der Junge an diesem Abend ein: „Schließlich wäre es gar nicht einmal so verwunderlich, wenn sie sich um einen Ersatz umsieht. Aber du bist ja das! Du wachst ja über die Merlinsche Ehre!"
Ernüchtert ließ der Alte die Arme sinken. „Laß Bub, laß! Da hätt' ich also beinahe eine kolossale Dummheit gemacht. Ich hab' gesayt: das Mädl ist mir ans Herz gewachsen. Wenn sie meine Tochter wär und es käm' einer und sagte so, wie du eben gesagt hast — — mit beiden Fäusten würf ich den zur Tür hinaus. Weiß Gott, das tät ich. Dir aber geb' ich nur den Rat: Nimm, welche du willst! Nur laß mir das Mädl in Ruh!"
Jörg ließ sich vom Sims herab und kam langsam auf ihn zu. „Wir wollen schlafen gehen, Vater. Ich versprech dir, daß ich sie mir noch einmal ansehen will. Ja?"--Er küßte den alten Herrn,
strich ihm das weiße Haar von den Schläfen nach den Ohren zurück und nickte ihm ermunternd zu.
„Du darfst ihr nicht weh tun", klang es bittend.
Jörg lächelte überlegen: „Ich werde ganz behutsam sein. Ihr Mund sieht aus, als hätte er noch nie geküßt."
1 ,Zung!---Ich bitt' dich. Jung!"
„Ja, Vater?"---Noch immer stand das
feine Lächeln auf dem schönen Gesichte.
Dann klappte die Türe ein. Mit ratlosen Augen sah der alte Baron nach der weißen Füllung, aus welcher der Schein des Mondes schwamm. Da meinte man es nun weiß Gott wie gut und machte alles grundoerkehrt! Grundoerkehrt! Mit einem Kopfschütteln streifte er die Schuhe von den Füßen.
Merlins Besuch auf Jettenbach, den er schon am übernächsten Tage erledigte, verlief resultatlos. Die Herrschaften hatten eine größere Tour gemacht und wurden erst gegen abend zurückerwartet. Der Blick Frau Marias, der mehr als einmal feindselig auf ihm geruht hatte, gab ihm nun nachträglich zu denken. Wußte sie bereits um seines Vaters Wünsche? --Dann war es erklärlich, daß sie ihre
Tochter vor ihm hütete. Nun reizte es ihn erst. Er würde die Kleine stellen, wo sich Gelegenheit bot.
Oehme, der sich ihm angeschlossen hatte, erhielt mit ein paar kurzen Worten Kenntnis davon. — „Liebst du sie?" frug er forschend.
Es kam keine Antwort. Jörgs Pferd trabte gemächlich unter dem Schatten der Bäume dahin. Er tat ihm nicht den geringsten Zwang an, eine schnellere Gangart einzuschlagen. „Es genügt vollkommen, wenn sie mich liebt", sagte er nach einer Weile und schlug mit der Spitze der Peitsche nach den Zweigen, die in sein Gesicht streiften. Ihnen entgegen kam jetzt eine Kutsche, die nach Jettenbach zu gehören schien. Eine junge Dame saß in den etwas verschoßenen Polstern und sah neugierig nach den beiden Reitern, die ihrerseits es ebenfalls nicht an Neugier fehlen ließen. Dann war man aneinander vorüber.
„Hast du sie gekannt?" forschte Oehme.
„Ich weih nicht recht!" Merlin wandte das Gesicht und zuckte die Achseln. „Die Jettenbachsche Familie ist so groß, daß einem die Physiognomien durcheinander kommen. Mal stirbt was weg, mal heiratet sich was zu. Ich bin drei Jahre nicht daheim gewesen. Da kann es sein, daß sich dies oder jenes geändert hat."
Damit war das Thema erledigt.
Oben in den Gasträumen des Jettenbachschen Schlosses aber spähte Stephanie nach der Allee herunter und riß plötzlich den einen Fensterflügel aus: „Liesl! — — O Liesl!" Dann eilte sie den gepflasterten Gang hinunter und kam gerade noch zurecht, die beiden letzten Stufen der Fremden entgegenzuspringen: „Weil du nur da bist!" ' „Du Tschapperl!" Elisabeth Brentano streichelte das glühende Gesicht der Kusine. „Was ist denn los?"
„Die Mama will chn mir nicht lassen!"
„Wen denn?--" Die Angekommene schüttelte
den Kopf und nahm die fahrigen Hände in die ihren. „Ich hab gestern nacht dein Telegramm gekriegt und gar nicht gewußt, was los ist, weil du
nur depeschiert hast, „komm". Hals über Koos hab ich gepackt und bin losgefahren. Ist er auf Jettenbach, der Vielgeliebte?"
„Auf Ichenhausen!"
Stephanies Hände wurden plötzlich frei: „Der junge Merlin?"
„3ö!"
„Kinderl", sagte Elisabeth erschrocken. „Ich bin ihm begegnet. An dem geht eine Frau zugrund. Wenigstens eine solche Frau, wie du bist. Der braucht eine andere, Steffie. So eine, wie die Mama, die sich ihm Brust gegen Brust stellt, wenn es hart auf hart geht. Du weinst dir nur die Augen blind und das Ende ist: du zerbrichst daran."
„Dann zerbrech ich eben!"
„Unsinn!--" Sie nahm ihren Filzhut ab und
ließ sich auf den Diwan fallen. „Hündemüd bin ich jetzt von der Karrerei. —" Und in Steffies verweintes Gesicht sehend, frug sie gütig: „Also rettungslos!"
Stephanie barg nur ihr Gesicht an der Schulter der Kusine.
„Und er?"
Ratlos schüttelte Steffie den Kopf. ,/Es kann ja sein, daß er mich gar nicht will!"
„Das beste wärs." Elisabeth strich tröstend über das blasse Gesicht. „Wenn du es aber durchaus haben willst, bann übernehme ich es halt, die Mama umzustimmen!"
„Ja, wenn du das tun wolltest!"
„Und wenn ein Unglück daraus wird?" Die Augen der Aelteren waren voll ehrlicher Besorgnis.
„Dann trifft es nur mich allein! Oder glaubst du---?" Stephaniens Augen juchten wie die
eines flehenden Tieres zu der Kusine empor. „Daß er mich eines Tages allein läßt, Liesl?"
„Möglich ist es schon." Und das Zusammenzucken des jungen Körpers spürend, tröstete sie: „Glaub mir, wenn es wirklich so kommt, bann segnest bu bie Stunbe, bie dich wieder frei macht von ihm."
Steffie schüttelte den Kopf. „Nur ein einziges Mal möchte ich noch so von ihm im Arm getragen werden, wie damals, als er mich des Nachts nach Hause holte!"
„O du dummes Hascherl!" Elisabeth streichelle jetzt die erregten Finger, die mit ihrer Unrast die Aufregung verrieten, die in Stephaniens Innerem tobte. „Er sieht mir nicht aus als ob er eine Frau auf den Händen tragen würde. Eher mußt bu vor ihm knien!"
„Dann will ich vor ihm knien!" Eine heiße Röte machte Steffies Gesicht brennen, sie deckte beschämt beide Hände darüber.
Elisabeth entgegnete nichts mehr, nur ein wehes Zucken lief um ihren Mund.
*
Am Samstagnachmittag hatte Stephanie den Onkel mit ihrem Mercedes zur Bahn gebracht, da er dringend in München zu tun hatte. Auf dem Heimweg sah sie hundert Meter vor sich Jörg Merlin die Chaussee entlangroanbern. Er war allein,
zog mit seinem Stock Ringel und Kreise in den Staub und schien es Überhaupt nicht sonderlich eilig zu haben. Sie mäßigte das Tempo, überholte ihn und wartete, wo der Weg nach Jettenbach einbog, bis er nachgekommen war. „Soll ich Sie nach Hause bringen, Baron?--" Sie mußte sich zu
sammennehmen, ihrer Sprache einen unverfänglichen, gleichgültigen Ton zu geben. „Das Gehen auf der staubigen Landstraße macht so müde."
In seinem Gesicht erschien ein seines Lächeln von Spott. „Woher wissen Sie denn, daß Gehen müde macht? — Sie fahren ja, meine Gnädigste."
Eine Glutwelle jagte nach ihrem Halse und setzte sich in den Wangen fest. Ungewollt schossen ihr die Tränen in die Augen, nichts traf so bitter wie Spott. Die Hände um das Rad geklammert, neigte sie das Gesicht etwas weiter herab, um seinem Blick zu entgehen und setzte, den Fuß wieder auf den Hebel drückend, den Motor in Gang.
Im selben Augenblick stand er neben ihr auf dem Trittbrett. „Sie wollten mich doch nach Hause bringen, Fräulein Steffie?"
„Jetzt nicht mehr!--"
„Nicht?"
„Nein!"
„Schade." Der Wagen schoß bereits dahin, Merlin setzte zum Sprunge an, glitt und schlug schwer gegen eine der Birken, die den Waldweg säumten.
Im Nu stoppte der Wagen, daß die Räder sich in Moos und Farnkraut bohrten, so heftig war die Drehung gewesen, die der Mercedes beschrieb. Im Laufschritt eilte sie die 20 Meter nach der Stelle zurück, wo er lag. Sein Gesicht war etwas verzogen. Aber er biß die Zähne aufeinander und zeigte ein Lächeln. „Nun müssen Sie mich doch nach Hause bringen, Fräulein Steffie. Irgend etwas hat da geknaxt. Ich vermute, es ist der rechte Fuß. Vielleicht bemühen Sie sich zum Wagen zurück. Ich werde schon nachhumpeln.
Sie stand blaß bis in die Lippen und sah ratlos auf ihn nieder. „Darf ich schauen, wo es fehlt?"
„Ich habe es schon gesagt! Es ist der rechte Fuß", wehrte er ungeduldig. „Aber bis zum Wagen gehts noch.--Vielleicht noch ein bißchen Rast, bis
das erste Schmerzgefühl vorüber ist. Wollen Sie sich nicht zu mir fetzen? Es ist soviel Platz im Moos." Trotz der Stiche, die ihn bis zum Schenkel hinauf durchrasten, konnte er es nicht lassen, eine leise Ironie in seine Stimme zu legen.
Aber Stephanie hörte es gar nicht. Sie sah nur, daß er litt und wie er unwillkürlich nach der Stirne tastete, auf der Schweißtropfen glitzerten. Es fiel ihr ein, was sie gestern zu Elisabeth gesagt hatte, denn nun kniete sie vor ihm, nahm ihm den Halbschuh ab und streifte mit behutsamen Fingern die Seidensocken herab. Ihre Hand umspannte seinen Knöchel, der unförmig aufzuschwellen begann. Das Moos war mit Feuchtigkeit getränkt. Büschel um Büschel riß sie heraus^ und band es mit ihrem Spitzentaschentuch als kühlende Kompresse fest.
(Fortsetzung folgt.)
Wichtwarten! o
Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, nachmittags 4 Uhr statt.
■3>6 d!
Postkarten
Geschäfts-Drucksachen Rechnungen
Briefblätter Briefumschläge
Gutamuof. mittlere Fig. bitt, au verkauf Wo, sagt o. Gieß.A.
Nah. bei Mühlstein . _ _u „ , „ Postkarten
SeUersw.77,L ou?? I bei Brühl. SchuistraBe i e««chäfukarten
Frackanzug au. Seide ! ÄÄ
billig au verkaufen
im 64. Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Lina Schomber, geb. Schmidt nebst Angehörigen.
Burkhardsfelden, Oppenrod, Wieseck und Launsbach, 21 Febr. 1933.
Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, nachm. 2 Uhr statt
------ --------------0116-
Heute abend 11.45 Uhr entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter Vater. Schwiegervater. Großvater, Bruder, Onkel, Schwager und Schwiegersohn
Herr Georg Schomber, Werkmeister i. R.
Die Küche im Büro
Gerade Jetzt Im Winter sollten Sie darauf achten, daB Sie auch Im Büro Immer etwas Warmes haben. Die Helfer dazu sind:
die Isollerflesche
der Tauchsieder (elektr.)
die fest unterbrecht.Tasse
ein nettes Teeglss die Broldose
Unddas alles Ist Ja so bllllgbel
J.B.Häuser
Am Oswaldsgarten Gießen.Ruf 2145/2146
42? A
Mercedes u.andere Markenschreib maschlnen z. günstigsten Bedingungen. ll67A FranzVogt&Co. Seltersweg 44, Rut 2464. WeißbiDderarbeit zu vergeben:
102 qm Kalkputz auf Tuffstein
280 qm Wände zu stretchen
86 qm Deck.zu speich.
86 qm Oelanstrich d. Fußböden
4 Türen 1,00/200 Celanftricb
201sd. m 10 cm breite Hölzer mit Ravib- drahtz. bespannen 1,70 qm [ Eisen mit
Navitzdraht zu bespannen
Schristl. Ang. uni. 01170 a.d.Gß.Anz. wm
Freitag ab S Uhr
MWerlM.
Herr David Grünebaum
im 88. Lebensjahre.
P35D
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Sally Orünebaum.
Lang-Göns, Richmond (U.S.A.), den 23. Februar 1933.
Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, vormittags 10V2 Uhr statt
Vorgestern abend um 5% Uhr entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden unser lieber, guter Vater, Bruder. Großvater, Urgroßvater und Schwiegervater
fl.rr Clirisioph Fuchs, Forsiwarl i.R.
im Alter von 81 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Lollar, Groben-Linden, den 23. Februar 1933.
Die Beerdigung findet Fieitag, den 24, Februar, nachmittags um 3 Uhr statt.
1336 D
Heute vormittag 11 Uhr verschied an den Folgen eines Schlagan । alls unser lieber Vater. Schwiegervater. Grobvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Ludwig Schmitt
im 72. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Schmitt 5.
Familie Kari Schmitt 2. Wwe. Familie Friedrich Schmitt Familie Heinrich Holz Familie Georg Schmandt 8.
Watzenborn-Steinberg, den 22. Februar 1933.
Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, nachmittags 3 Uhr, statt uno
Herr Friedrich Rein III.
Heute nacht 12% Uhr verschied nach kurzem Krankenlager unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel
Am Dienstagabend entschlief sankt nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Sohn. Bruder und Schwager
im 36 Lebensjahre.
Mainzlar, den 23. Februar 1933.
In tiefer Trauer:
Friedrich Rein II. Lina Bingel, geb Rein Karl Ludwig Bingel nebst allen Angehörigen.
Dazu: Das große Be p ogramm
13 1 C
Astoria-Lichtspiele I
Heut© bis Sonntag
Richard Barthelmese, Mary Astor in dem großen Abenteurertum
Der Flüchtling
Die spann, sensationelle Handlung spielt in Mexiko
Pflanzenfett garantiert rein
Tafel 24
1314 a
| 8 & F-Weinbrand . . y, fl 2.80, >/, fi. 1.50 |
10
11
20
40
40
80
95
95
90
Pfund Pfund Pfund Pfund Pfund Pi und Pfund Pfund Pfund
DAS IST BILLIG!
Weiße Bohnen ....
Suppenreis grobkörnig Linsen gut kochend Suppeneinlagen Eierschleifchen Bierwurst in Blasen ...
Preßkopf
Mettwurst in Ringen Streichleberwurst fein Heringsalat fern.............
Fleischsalat schmackhaft Mayonnaise fein.............
. Pfund 50
. Pfund 55
. Pfund 60
S&F-Moenol-Qualitäts-Kokosfett.... Pfund 3E
Feines Speise-Oel z. Kreppeibacken, Lit. 38,42
Zwetschen-Latwerg,2 pfd.-Eimer78, Pfund 4(
Gemischte Marmelade, 2 pfd.-Eim. 75, Pfd. 3k
Wir haben vorübergehend unsere Moenus-Gold im Preise ermäßigt. Benutzen Sie jetzt zum Kreppeibacken die Gelegenheit und überzeugen Sie sich von der vorzüglichen Qualität unserer
Moenus-Gold i'einkost-Margarine.. Pfund 55
S&F-Magnet-Mehl doppelt gesiebt...Pfund A
8 & F-Auszugs-Mehl extrafein Pfund 25
S&F-Weizen-Mehl heil Pfund 20,11


