Ausgabe 
23.2.1933 Erstes Blatt
 
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Wie sie ihn bezwang

Originalroman von J Schneiver.Zoerstl

Urheberrechtsschutz: Verlag 0. Meister. Werdau i. T.

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Zornig über don Kinderleichtsinn hatte er sie vol° lends wachgerüttelt, sie dann kurzerhand auf den Arm genommen und den Ihren nach Jettenbach ge­bracht.

Halb in das Zimmer zurückaewandt, sagte er ver­söhnlich:Sie muß doch jetzt so etwas wie zwanzig sein."

Im September wird sie's, ja!"

Reichlich jung für meine zweiunddreißig."

In dem alten Merlin erblühte ein scheues Hof­fen.Willst du damit sagen, daß du zu alt bist?"

Das nicht gerade." Jörg saß letzt auf dem Sims des Fensters und ließ die Füße über den Brettern baumeln. Das Gesicht trug er dem Monde zuye- kehrt, als fei ihm der Blick des Vaters zu hellsichtig: Angenommen, ich heirate sie-, wer übernimmt dann die Mission, ihr zu sagen, daß sie das ganze Jahr hierbleiben muß, weil ich sie nun einmal in Kon­stanz nicht brauchen kann?"

Ich", kam es fest von Merlins Platz herüber. Der Junge war zugänglicher, als er erwartet hatte. Das eine müßtest du mir natürlich auf Ehrenwort versprechen, daß du ihr, wo du auch bist, die Treue hältst."

Jörg lachte auf:Und sie?"--

Der Alte hieb so kräftig auf den runden Tisch, daß die Bücher, welche darauf lagen, zu tanzen be­gannen.

Zum zweitenmal lenkte der Junge an diesem Abend ein:Schließlich wäre es gar nicht einmal so verwunderlich, wenn sie sich um einen Ersatz umsieht. Aber du bist ja das! Du wachst ja über die Merlinsche Ehre!"

Ernüchtert ließ der Alte die Arme sinken.Laß Bub, laß! Da hätt' ich also beinahe eine kolossale Dummheit gemacht. Ich hab' gesayt: das Mädl ist mir ans Herz gewachsen. Wenn sie meine Toch­ter wär und es käm' einer und sagte so, wie du eben gesagt hast mit beiden Fäusten würf ich den zur Tür hinaus. Weiß Gott, das tät ich. Dir aber geb' ich nur den Rat: Nimm, welche du willst! Nur laß mir das Mädl in Ruh!"

Jörg ließ sich vom Sims herab und kam lang­sam auf ihn zu.Wir wollen schlafen gehen, Va­ter. Ich versprech dir, daß ich sie mir noch einmal ansehen will. Ja?"--Er küßte den alten Herrn,

strich ihm das weiße Haar von den Schläfen nach den Ohren zurück und nickte ihm ermunternd zu.

Du darfst ihr nicht weh tun", klang es bittend.

Jörg lächelte überlegen:Ich werde ganz be­hutsam sein. Ihr Mund sieht aus, als hätte er noch nie geküßt."

1 ,Zung!---Ich bitt' dich. Jung!"

Ja, Vater?"---Noch immer stand das

feine Lächeln auf dem schönen Gesichte.

Dann klappte die Türe ein. Mit ratlosen Augen sah der alte Baron nach der weißen Füllung, aus welcher der Schein des Mondes schwamm. Da meinte man es nun weiß Gott wie gut und machte alles grundoerkehrt! Grundoerkehrt! Mit einem Kopfschütteln streifte er die Schuhe von den Füßen.

Merlins Besuch auf Jettenbach, den er schon am übernächsten Tage erledigte, verlief resultatlos. Die Herrschaften hatten eine größere Tour gemacht und wurden erst gegen abend zurückerwartet. Der Blick Frau Marias, der mehr als einmal feindselig auf ihm geruht hatte, gab ihm nun nachträglich zu denken. Wußte sie bereits um seines Vaters Wün­sche? --Dann war es erklärlich, daß sie ihre

Tochter vor ihm hütete. Nun reizte es ihn erst. Er würde die Kleine stellen, wo sich Gelegenheit bot.

Oehme, der sich ihm angeschlossen hatte, erhielt mit ein paar kurzen Worten Kenntnis davon. Liebst du sie?" frug er forschend.

Es kam keine Antwort. Jörgs Pferd trabte ge­mächlich unter dem Schatten der Bäume dahin. Er tat ihm nicht den geringsten Zwang an, eine schnellere Gangart einzuschlagen.Es genügt voll­kommen, wenn sie mich liebt", sagte er nach einer Weile und schlug mit der Spitze der Peitsche nach den Zweigen, die in sein Gesicht streiften. Ihnen entgegen kam jetzt eine Kutsche, die nach Jetten­bach zu gehören schien. Eine junge Dame saß in den etwas verschoßenen Polstern und sah neugierig nach den beiden Reitern, die ihrerseits es ebenfalls nicht an Neugier fehlen ließen. Dann war man anein­ander vorüber.

Hast du sie gekannt?" forschte Oehme.

Ich weih nicht recht!" Merlin wandte das Ge­sicht und zuckte die Achseln.Die Jettenbachsche Fa­milie ist so groß, daß einem die Physiognomien durcheinander kommen. Mal stirbt was weg, mal heiratet sich was zu. Ich bin drei Jahre nicht daheim gewesen. Da kann es sein, daß sich dies oder jenes geändert hat."

Damit war das Thema erledigt.

Oben in den Gasträumen des Jettenbachschen Schlosses aber spähte Stephanie nach der Allee her­unter und riß plötzlich den einen Fensterflügel aus: Liesl! O Liesl!" Dann eilte sie den gepfla­sterten Gang hinunter und kam gerade noch zurecht, die beiden letzten Stufen der Fremden entgegen­zuspringen:Weil du nur da bist!" 'Du Tschapperl!" Elisabeth Brentano streichelte das glühende Gesicht der Kusine.Was ist denn los?"

Die Mama will chn mir nicht lassen!"

Wen denn?--" Die Angekommene schüttelte

den Kopf und nahm die fahrigen Hände in die ihren.Ich hab gestern nacht dein Telegramm ge­kriegt und gar nicht gewußt, was los ist, weil du

nur depeschiert hast,komm". Hals über Koos hab ich gepackt und bin losgefahren. Ist er auf Jetten­bach, der Vielgeliebte?"

Auf Ichenhausen!"

Stephanies Hände wurden plötzlich frei:Der junge Merlin?"

!"

Kinderl", sagte Elisabeth erschrocken.Ich bin ihm begegnet. An dem geht eine Frau zugrund. Wenigstens eine solche Frau, wie du bist. Der braucht eine andere, Steffie. So eine, wie die Mama, die sich ihm Brust gegen Brust stellt, wenn es hart auf hart geht. Du weinst dir nur die Augen blind und das Ende ist: du zerbrichst daran."

Dann zerbrech ich eben!"

Unsinn!--" Sie nahm ihren Filzhut ab und

ließ sich auf den Diwan fallen.Hündemüd bin ich jetzt von der Karrerei." Und in Steffies ver­weintes Gesicht sehend, frug sie gütig:Also ret­tungslos!"

Stephanie barg nur ihr Gesicht an der Schulter der Kusine.

Und er?"

Ratlos schüttelte Steffie den Kopf. ,/Es kann ja sein, daß er mich gar nicht will!"

Das beste wärs." Elisabeth strich tröstend über das blasse Gesicht.Wenn du es aber durchaus haben willst, bann übernehme ich es halt, die Mama umzustimmen!"

Ja, wenn du das tun wolltest!"

Und wenn ein Unglück daraus wird?" Die Augen der Aelteren waren voll ehrlicher Besorgnis.

Dann trifft es nur mich allein! Oder glaubst du---?" Stephaniens Augen juchten wie die

eines flehenden Tieres zu der Kusine empor.Daß er mich eines Tages allein läßt, Liesl?"

Möglich ist es schon." Und das Zusammenzucken des jungen Körpers spürend, tröstete sie:Glaub mir, wenn es wirklich so kommt, bann segnest bu bie Stunbe, bie dich wieder frei macht von ihm."

Steffie schüttelte den Kopf.Nur ein einziges Mal möchte ich noch so von ihm im Arm getragen werden, wie damals, als er mich des Nachts nach Hause holte!"

O du dummes Hascherl!" Elisabeth streichelle jetzt die erregten Finger, die mit ihrer Unrast die Aufregung verrieten, die in Stephaniens Innerem tobte.Er sieht mir nicht aus als ob er eine Frau auf den Händen tragen würde. Eher mußt bu vor ihm knien!"

Dann will ich vor ihm knien!" Eine heiße Röte machte Steffies Gesicht brennen, sie deckte beschämt beide Hände darüber.

Elisabeth entgegnete nichts mehr, nur ein wehes Zucken lief um ihren Mund.

*

Am Samstagnachmittag hatte Stephanie den Onkel mit ihrem Mercedes zur Bahn gebracht, da er dringend in München zu tun hatte. Auf dem Heimweg sah sie hundert Meter vor sich Jörg Mer­lin die Chaussee entlangroanbern. Er war allein,

zog mit seinem Stock Ringel und Kreise in den Staub und schien es Überhaupt nicht sonderlich eilig zu haben. Sie mäßigte das Tempo, überholte ihn und wartete, wo der Weg nach Jettenbach ein­bog, bis er nachgekommen war.Soll ich Sie nach Hause bringen, Baron?--" Sie mußte sich zu

sammennehmen, ihrer Sprache einen unverfäng­lichen, gleichgültigen Ton zu geben.Das Gehen auf der staubigen Landstraße macht so müde."

In seinem Gesicht erschien ein seines Lächeln von Spott.Woher wissen Sie denn, daß Gehen müde macht? Sie fahren ja, meine Gnädigste."

Eine Glutwelle jagte nach ihrem Halse und setzte sich in den Wangen fest. Ungewollt schossen ihr die Tränen in die Augen, nichts traf so bitter wie Spott. Die Hände um das Rad geklammert, neigte sie das Gesicht etwas weiter herab, um seinem Blick zu entgehen und setzte, den Fuß wieder auf den Hebel drückend, den Motor in Gang.

Im selben Augenblick stand er neben ihr auf dem Trittbrett.Sie wollten mich doch nach Hause brin­gen, Fräulein Steffie?"

Jetzt nicht mehr!--"

Nicht?"

Nein!"

Schade." Der Wagen schoß bereits dahin, Mer­lin setzte zum Sprunge an, glitt und schlug schwer gegen eine der Birken, die den Waldweg säumten.

Im Nu stoppte der Wagen, daß die Räder sich in Moos und Farnkraut bohrten, so heftig war die Drehung gewesen, die der Mercedes beschrieb. Im Laufschritt eilte sie die 20 Meter nach der Stelle zurück, wo er lag. Sein Gesicht war etwas ver­zogen. Aber er biß die Zähne aufeinander und zeigte ein Lächeln.Nun müssen Sie mich doch nach Hause bringen, Fräulein Steffie. Irgend etwas hat da geknaxt. Ich vermute, es ist der rechte Fuß. Viel­leicht bemühen Sie sich zum Wagen zurück. Ich werde schon nachhumpeln.

Sie stand blaß bis in die Lippen und sah ratlos auf ihn nieder.Darf ich schauen, wo es fehlt?"

Ich habe es schon gesagt! Es ist der rechte Fuß", wehrte er ungeduldig.Aber bis zum Wagen gehts noch.--Vielleicht noch ein bißchen Rast, bis

das erste Schmerzgefühl vorüber ist. Wollen Sie sich nicht zu mir fetzen? Es ist soviel Platz im Moos." Trotz der Stiche, die ihn bis zum Schenkel hinauf durchrasten, konnte er es nicht lassen, eine leise Ironie in seine Stimme zu legen.

Aber Stephanie hörte es gar nicht. Sie sah nur, daß er litt und wie er unwillkürlich nach der Stirne tastete, auf der Schweißtropfen glitzerten. Es fiel ihr ein, was sie gestern zu Elisabeth gesagt hatte, denn nun kniete sie vor ihm, nahm ihm den Halb­schuh ab und streifte mit behutsamen Fingern die Seidensocken herab. Ihre Hand umspannte seinen Knöchel, der unförmig aufzuschwellen begann. Das Moos war mit Feuchtigkeit getränkt. Büschel um Büschel riß sie heraus^ und band es mit ihrem Spitzentaschentuch als kühlende Kompresse fest.

(Fortsetzung folgt.)

Wichtwarten! o

Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, nachmittags 4 Uhr statt.

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im 64. Lebensjahre.

In tiefer Trauer:

Lina Schomber, geb. Schmidt nebst Angehörigen.

Burkhardsfelden, Oppenrod, Wieseck und Launsbach, 21 Febr. 1933.

Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, nachm. 2 Uhr statt

------ --------------0116-

Heute abend 11.45 Uhr entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter Vater. Schwiegervater. Großvater, Bruder, Onkel, Schwager und Schwiegersohn

Herr Georg Schomber, Werkmeister i. R.

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im 88. Lebensjahre.

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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Sally Orünebaum.

Lang-Göns, Richmond (U.S.A.), den 23. Februar 1933.

Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, vormittags 10V2 Uhr statt

Vorgestern abend um 5% Uhr entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden unser lieber, guter Vater, Bruder. Großvater, Urgroßvater und Schwiegervater

fl.rr Clirisioph Fuchs, Forsiwarl i.R.

im Alter von 81 Jahren.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Lollar, Groben-Linden, den 23. Februar 1933.

Die Beerdigung findet Fieitag, den 24, Februar, nachmittags um 3 Uhr statt.

1336 D

Heute vormittag 11 Uhr verschied an den Folgen eines Schlagan alls unser lieber Vater. Schwieger­vater. Grobvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel

Herr Ludwig Schmitt

im 72. Lebensjahre.

Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Schmitt 5.

Familie Kari Schmitt 2. Wwe. Familie Friedrich Schmitt Familie Heinrich Holz Familie Georg Schmandt 8.

Watzenborn-Steinberg, den 22. Februar 1933.

Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, nachmittags 3 Uhr, statt uno

Herr Friedrich Rein III.

Heute nacht 12% Uhr verschied nach kurzem Kranken­lager unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwa­ger und Onkel

Am Dienstagabend entschlief sankt nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Sohn. Bruder und Schwager

im 36 Lebensjahre.

Mainzlar, den 23. Februar 1933.

In tiefer Trauer:

Friedrich Rein II. Lina Bingel, geb Rein Karl Ludwig Bingel nebst allen Angehörigen.

Dazu: Das große Be p ogramm

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