Ausgabe 
23.1.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Vlah und die Zugangsstraßen waren von ollen Ansammlungen polizeilich geräumt worden. Aus dem Bülowplah spielten die Nationalsozialisten ihre bekannten Lieder, während in den Nachbar- straßen die Kommunisten lärmende Gegenkund­gebungen veranstalteten.

Vom Bülpwplatz aus erfolgte dann der Marsch zum Friedhof. Der Zugang zu dem Alten Nikolaifriedhof war von starken Polizeiposten abgeriegelt. Zivilper­sonen war der Zutritt nur nach strenger Kartenkon­trolle freigegebcn. Bei leichtem Schneefall marschier­ten die SA.-Abteilungen auf, deren Fahnenabord­nungen hinter dem geschmückten Grabhügel Horst Wessels Aufstellung nahmen. Der Gedenkstein war verhüllt. Neben dem Grab hatte der 5. Sturm der Berliner SA., dessen Führer Horst Wessel war, mit umflorten Fahnen und Standarten Aufstellung ge­nommen. Um 14 Uhr traf Hitler am Grabe ein. Zn seinem Gefolge sah man u. a. den Berliner Gau­leiter Dr. Goebbels, die obersten SA.- und SS.- Führer Röhm und Himmler, den Prinzen August Wilhelm und General Ritter von Epp.

Die Fenster der an den Friedhof grenzenden Häu­ser waren dicht beseht. Auf den Dächern sah man Schutzpolizisten, die mit Ferngläsern die gegenüberliegenden Häuser beobachteten. Als gegen 14.30 Ahr die Mutter und Schwester Horst Wessels erschienen waren, begann die Feier mit einem Musikvortrag. Hierauf hielt ein be­freundeter Geistlicher der Familie Wessels Vater, der dicht neben seinem Sohn begraben liegt, war Geistlicher in Berlin eine Ansprache, der er das Bibel wort zugrundelegte: Aiemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde".

Darauf nahm Adolf Hitler das Wort. Er bezeichnete Horst Wessel als den Sänger des deut­schen Frcihcitskampses, der nationalsozialistischen Bewegung, der sich durch sein Lied selbst ein un­vergängliches Denkmal gesetzt habe. Hitler schloß Meine Kameraden! Halten Sie die Fahne hoch. Der Sänger unseres Liedes ist nicht tot für uns, fein Geist lebt in unseren Reihen fort."

Anter den Klängen des Liedes vom Guten Kameraden wurde der Gedenkstein enthüllt. Es ist ein etwa 50 Zentimeter hoher Granitwürfel, auf dem ein in Bronce gearbeiteter Lorbeer­kranz und eine gesenkte Fahne ruhen. An der einen Seite trägt der Stein den Ramen, das Geburts- und Sterbedatum Horst Wessels und die Inschrift:Die Fahne hoch". Auf der anderen Seite zeigt der Stein die Inschriften:Pfarrer Ludwig Wessel und Werner Wessel".

Rachdem noch ein Aller Herr des Berliner Korps Rormannia, das durch mehrere Chargierte vertreten war, gleichzeitig auch im Ramen der Wiener Alemannia, der Horst Wessel angehört hotte, kurze Gedenkworte gesprochen hatte, folgte die Riedcrlegung zahlreicher Krön e u a. durch den Hcrst°Wessel°Sturm, die nationalsozialistischen Fraktionen des Reichstages und des Preußischen Landtages, den Gau und die SA-Leitung Berlin, die Betriebszcllenorganisation, Prinz August Wilhelm und die Gruppe Bulgarien der ausland- deutschen Rationalsozialisten. Weiter bemerkte man Kranzspenden des Kronprinzen und des Stahlhelms. Wit dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-Liedes und dem Borbeimarsch der SA-Gruppen am Grabe schloß die Feier auf dem Friedhof, die einen vollkommen ungestörten Verlaus nahm.

Oer weitere Verkauf des Nachmittags.

Im Anschluß daran fand vom Dülowplatz aus ein Vorbeimarsch der SA. an dem obersten <521.* Führer Hauptmann Röhm statt.

Der Abmarsch vollzog sich in voller Ordnung.

Alle Störungsversuche der polit.schen Gegner blieben erfolglos.

Cs ist nur ein einziger Fall bekannt gewor­den. wo Rationalsozialisten aus dem Zug aus­brachen, um gegen Kommunisten vorzugehen. Der Abmarsch vom Friedhof zog sich bis zum Ein­bruch der Dunkelheit hin.

Goethe-Bund.

Eichcnoorff-Grdentfeier.

Dem Gedächtnis des spätromantlfchen Dichters Jojaf von Elchendorfs, dessen 75. Geburtslag am. Novemver o. I. begangen wurde, war der gestrige Vortrags- und Lleüer-Abenü des Goelhe- Bunües in der Neuen Aula gewidmet. Im Atiltel- punit der Gedentfeier stand die Ansprache von Dr. Friedrich Castelle, der den Mnguedern und Freunden des Lundes von früheren Veranstaitungen her bekannt ist. Castelle gab in seiner frei und schwungvoll gesprochenen Rede ein Bild vom Wesen des schlesischen Frelherrn und seiner Zeit, er be­tonte, OQß die Erinnerung an Eichendorfs nicht ledig­lich durch den äußeren Anlaß der Wiederkehr seines Todestages bestimmt sei, daß vielmehr Beziehungen aufzuweisen seien zwischen jener und unserer Zelt, in der eine neue Romantik in der bildenden Kunst wie in der Dichtung die zuvor verkündete Sach.ich- keit zu überwinden beginne. (Als Beispiele aus der Literatur: Speyer, Hausmann, Binding, Kolben- Heyer.) Ein Hinweis aus die auch heute wieder sich duichseßende Besinnung aus das dichterische Wort führte über die Ausdeutung eines musicalischen Motivs (aus Beethovens legten Symphonien) zu dem schonen Wort des jungen Cichenümff in Heidel­berg:Der Dichter ist das Herz der Welt". Castelle suchte des ferneren Elchendorsfs geistige Erschei­nung aus seinen zeitlichen und landschaftlichen Grenzen und Ordnungen zu bestimmen. Er zeichnete in Anekdoten, Episoden und Bildern, auch mit ein­gesprengten Strophen aus Eichendorffs Lyrik ein Bild jener stürmischen, wirren und aufgeregten Zeit: er sprach vom Bekenntnis des Dichters zur deutschen Frau, das in der Huldigung an die beiden Luisen (die Königin von Preußen und Luise Victoria von La- risch, die Braut) gipfelt; auch von seinen Beziehun­gen zu dem romantischen Kreise um Gorres, Bren­tano und Arnim in Heidelberg Die abendliche Szene mit ihrer Dolksliedstimmung ausDes Knaben Wunderhorn" gehörte zu den glücklichsten Jmprovi- sationen der Gedenkrede, die dann in großen Zügen den Weg Eichendorffs durch sein Jahrhundert ver­folgte und auch die vielfach mit der Zeitgeschichte eng verbundenen dichterischen Stationen diese» Weges kennzeichnend andeutete. Im zweiten Teil sprach Dr. C a st e l l e Prosa und Verse von Eichen- dorff. Zuerst das EingangskapitelSuppius und Klarinett" aus der NovelleDie Glücksritter", ein echtes und noch heute lebendiges Eichendorff-Stück voll heiterer und unbeschwerter Beweglichkeit, ro­mantisch im volkstümlichsten Sinne und ohne finstere Geheimniskrämerei, erfüllt von Blütendust und

In der Weibenstraße wurde in einem Haus­flur ein zweites Faß Petroleum von der Polizei sichergestellt, bevor es zur Ent­zündung gebracht werden konnte.

An der Ecke Münz- und Weinmeisterstraße wurde kurz nach 17 Ahr ein Kraftwagen, in dem sich ein SA.-Führer befand von Kommu­nistenangehalten undumgestürzt. Der Rationalsozialist und der Kr-^Wagenführer wur­den mißhandelt. Aeberfälle auf Rational­sozialisten wurden auch in den früheren Abend­stunden aus allen Teilen der Stadt gemeldet. Zu größeren Zusammenstößen war es aber bis 17.30 Ahr nicht gekommen.

Die Zahl der Verhafteten läßt sich noch nicht übersehen, ebensowenig die Zahl der Verletzten. Rach den vorliegenden Einzelmeldungen ist jedoch anzunehmen, daß außer dem schwerverletzten Ober- Wachtmeister etwa 40 Personen Ver­letzungen erlitten haben. Rach 19 Ahr kam es auf dem Alexanderpmtz zu größeren Ansamm« lungen, die von der Polizei jedoch zerstreut wer­den konnten. Aus einer Bedürfnisanstalt heraus wurde ein Schuß auf einen Polizeibe­amten abgegeben, der aber fehlging. Der Täter ist entkommen.

Aeslzuslellen ist, daß die Polizei während des ganzen Tages Herr der Lage geblieben ist.

Rach dem Abmar,ch der Rat.onalsozialisten kam es um 18 Ahr auf dem Bülowplah zu Kund­gebungsversuchen der Kommunisten. Die Demonstranten wurden von der Polizei aus­einander getr eoen. Ein Beteiligter wurde fest- genvmmen. Vorletzt wurde niemand. Das Karl- L.ebknccht-Haus ist übrigens nach der Waffen- durchsuchung am Vormittag von der Polizei sofort w.eder fre.gegeben worden.

In der Kön.g^verger Straße wurde gegen 19 Ahr e.n kommuni st ischer Demon­strationszug von 350 Teilnehmern aufgelöst Das gleiche geschah am Leopold- Platz. In der Badstraße wurden zwei Hitler- jungen und ein Schuhpolizeibeamter in Zivil, der zum Schutze der H.klerjungen entsandt war, von sechs Kommunisten überfallen und verletzt.

poUzeibericht um 12 Ahr.

Berlin, 22. Ian. (TA.) Am Sonntagabend wurde vom Berliner Polizeipräsi­dium ein Bericht über den Verlauf des Tages bis 17 Ahr herausgegeben:

Der Abmarsch Der Nationalsozialisten vom Dülowplatz über den Rikolai-Friedhof am Grabe vorbei, der um 15 Ahr begann, war um 17 Ahr beendet. Die Züge marich.erten jetzt in ihre Wohnbezirke zurück. Die ersten Züge hatten be­reis die Auflösungsplähe erreicht

Zwischen 8 und 16 Uhr wurden im ganzen 20 Uebersälle und Belästigungen von National­sozialisten durch Angehörige der KPD. fest­gestellt. Dabei wurden in 11 Fällen 19 Täter zwangsgestellt und ins Polizeipräsidium ein­geliefert. insgesamt wurden 19 Demonstrations­züge aufgelöst, 14mal machte die Polizei vom Gummipnäppel Gebrauch. Bis 16 Uhr waren drei verletzte polizeibeamte und 19 verletzte Zivilpersonen sestgestellt. Die Zahl der Zwangs­gestellten betrug 68.

Von den Kroßeren Zw ichenfälren ist hervorzu­heben, daß im Laufe des Rachmittags in der Gormannstraße e.n kommunistischer De­monstrationszug von etwa 1 5 0 0 Per - f o n e n durch die Polizei ausgelöst wurde. Da die Demonstranten W.derstand leisteten, mußte die Pol.zei von der Schußwaffe Gebrauch machen. An.che nend sind zwei Personen durch Schüsse verletzt worden, d e aber von den Demonstranten fortgeschafft wurden. Auf feiten der Polizei wurde ein Beamter leicht verletzt.

Kommunistische Propagandawoche

Berlin, 22.Ian. (WTB.) Wie von kom­munistischer Seite mitgeteilt wird, wird am Dienstag durch eine Kundgebung im Lustgarten eine antifaschistische Woche eingeleitet werden.

Waldhornklang, von altdeutschem Studentenwesen und Mondscheinserenaden. Auch dieses Kapitel wurde frei aus dem Gedächtnis gesprochen, mit überlegener Beherrschung des Textes anschaulich und mit gutem Humor vorgetragen Den Beschluß des rezitatorijchen Teiles bildeten sechs Stücke aus den Zeitliedern Trost",An die Kleinmütigen",An die Jungen", An Alle",Nachlfeier" undAn die Freunde" die, vorwiegend politischen Inhalts, heute nur noch wenig bekannt sind. Wirklich lebendig und volks­tümlich ist Eichendorff aber bis heute in den schönsten seiner Gedichte geblieben in jenen vor allem, die wie Volkslieder in die weltlichen Gesangbücher eiu- gegangen und längst zum festen Besitz zahlloser Männerchöre geworden sind. So wäre die Gedenk­feier unvollkommen geblieben, wenn man nicht neben dem gesprochenen Wort auch dem Gesang fein Recht hätte werden lassen, neben einer Würdigung Eichendorffs und dem Vortrage aus seinem Werk die musikalische Verklärung seines dichterischen Wesens im Lied Der Gesangver- e i nHeiterkeit" hatte sich dankenswerterweise für die Eichendorff-Feier zur Verfügung gestellt und brachte unter der umsichtigen Leitung seines Diri­genten, Musiklehrers Wilhelm Schütt ler, fünf Chöre nach Eichendorff-Texten klangschön und form­vollendet zu Gehör, vor allem dieUntreue" (In einem kühlen Grunde") undDer Jäger Abschied" (Wer hat dich, du schöner Wald") wurden tresfl ch und stimmungsvoll gesungen. Die andächtig lausch nbe Gemeinde dankte dem Sprecher wie den Sängern mit herzlichem Beifall.y

Vorarlberg im Winter.

Don Norbert Jacques.

D'e Schweizer sagendas" Vorarlberg. Sie geben ihm den Artikel. Man kann glauben, beicr Artikel sei der Ausfluß eines sonderbaren Sprache e ühls. D e präzisierende Abrundung in ihm malt die geschlossene Formung des Landes. Geograph e und Volkstemperament haben sich gegenseitig durchdrungen.

Rur aus zwei H mmelsrichtungen gelangt man auf befahrbaren Straßen Hine n: vom Osten über Flexenstraße und Arlbergpaß (der den Ramen gab) und vom Westen durch einen schmalen Einlaß hinter Feldkirch, so schmal, daß man für das Rebeneinander von Straße und Dahn ge­waltsam Bre'te aus den Felsen sprengen mußte. Der kleine Bruder Vorarlbergs, der Bregenzer Wald, hat nur die eine Oeffnung nach dem Dodensee zu.

Oer chinesisch-japanische Konflikt.

Oie Schlichtungsbemühungen in Genf gescheitert.

Genf, 21. Jan. (WTB.) In den über die heu­tige Sitzung des 1 9 e r ° A u s s ch u f s e s der außer­ordentlichen Völkerbundsoersammlung ausgegebenen Communiqus des Völkerbundssekretariats wird ein­gangs erklärt, der Ausschuß habe festgestellt, aus den japanischen Erklärungen gehe hervor, daß die japa­nische Regierung nicht gewillt fei, denResolu- tionsentwurf vom 15. Dezember anzunehmen, selbst wenn aus diesem Entwurf die Möglichkeit der Ein­ladung an Nichivölkerbundsstaaten (Amerika und Rußland) zu den Schlichtungsverhandlungen entfernt würde. Der Ausschuß habe von den japanischen und chinesischen Vorschlägen betreffend Aenderung der genannten Entschließung Kenntnis genommen.

Daher ergebe sich für den Ausschuß die Unmög­lichkeit, eine für beide Parteien annehmbare Entschließung vorzulegen.

Der Ausschuß habe weiterhin festgestellt, daß selbst, wenn die Begründung des Resolutionsentwurfs in eine Erklärung des Präsidenten des Ausschusses, zu der die Parteien ihre Vorbehalte machen könnten, umgewandelt würde, die japanische Regierung den Text der Resolution vom 15. Dezember nicht an­nehmen werde. Die von Japan gemachten Vor­schläge über die Aenderung des Textes könne der Ausschuß seinerseits nicht annehmen.

Unter diesen Umständen habe der Ausschuß fest­gestellt, daß seine Bemühungen, der Üölter- bundsoerjammlung ein verfahren zur Rege­lung des Streitfalls vorzuschlagen, im Augen­blick gescheitert seien.

Der Ausschuß habe für den Fall, daß die Völker- bundsoersammlung in ihrer nächsten Sitzung die­selbe Feststellung machen müßte, beschlossen, schon jetzt den Entwurf eines Berichts, wie er in Art. 15 Absatz 4 des Völkerbundspaktes vorgesehen ist, vor­zubereiten.

Es verlautet, daß die außerordentliche

Völkerbundsoersammlung möglicherweise anfangs Februar einberufen wird.

Erklärungen des japanischen Kriegsministers.

T o k i o, 21. Ian. (TU.) Der japanische Kriegs- Minister A r a k i erklärte in einer Unterredung, daß man das Ergebnis der Verhandlungen des 19er-Ausschusses in Genf ruhig ab- warten müsse. Selbst für den Fall, daß der Ausschuß oder andere Dölkerbundsinstanzen Entschließungen gegen Iapan anneh­men würden, bestehe noch keine Rotwendigkeit, daß Iapan deshalb den Völkerbund verlasse.

Die japanische Regierung könnte dann andere Maßnahmen treffen, um die Entschließungen nicht zu erfüllen und im Völkerbund zu ver­bleiben.

Der Kriegsminister nahm bann zu den Unter­redungen zwischen S t i m s o n und Roosevelt Stellung und gab der Ansicht Ausdruck, daß die japanfeindliche Stimmung in den Vereinigten Staaten in der letzten Zeit stark übertrieben worden sei. Die japanische Re­gierung hoffe, mit den Vereinigten Staaten auch weiterhin in einem freundschaftlichen Verhältnis zu bleiben.

Zapan lehnt erneut englische Ver­mittlung ab.

Tokio. 22. Jan. (TU.) Wie die Agentur Schim- bun Rengo mitteilt, hat der Chef der japa­nischen Seestreitkräfte in Tschingwangwu den erneuten Vermittlungsvorschlag des Chefs der britischen Flotte, Admiral Kelly, auf Wiederherstellung normaler Verhältnisse bei Schanhaikwan abgelehnt.

Schwere Beschuldigungen gegen ^undfunkdtrektor Knöpfte.

Die Reichsrundsunkgesellschaft teilt mit: Die durch Neuregelung des Rundfunks notwendig gewordene Auflösung der Funkstunde AG. und Er­richtung einer Gemeinnützigen Gesellschaft m. b. f).

W

K

p

ist am 20. Januar 1933, endgültig beschlossen wor­den Der Leiter der Funkstunde,fDirektor Knöpfte, hat bereits im Oktober 1932 sein vertragliches Ver­hältnis gekündigt. Als demnächstiger Nachfolger ist das stellvertretende Vorstandsmitglied der Reichs­rundfunk-Gesellschaft, Direktor Wagner in Aus­sicht genommen.

Die Staatsanwaltschaft I Berlin hat jetzt ein Er­mittlungsverfahren gegen Direktor Knöpfke von der Berliner Funkstunde AG. eingeleitet, da Knöpfke beschuldigt wird, in den Jahren 1927 bis

1932 von der Verlagsdruckerei Preuß Schmier­gelder in Höhe von 5 0 0 000 Mark erhal­ten zu haben. Für diese Beträge soll die Druckerei Preuß von der Funkdienst AG., zu deren Vorstands­mitglied Knöpfke gehörte und bei der die Zeitschrift Die Funkstunde" herausgegeben wird, für die Funkftunde" die Druck- und Papierlieferungsauf- träge erhalten haben. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Staatsanwaltschaft auch den Vorfall dahin prüft, ob neben dem ^Erhalten von Schmiergeldern auch eine strafrechtliche Untreue vorliegt. Un­treue würde nämlich dann vorliegen, wenn sich durch die an Knöpfke von der Druckerei Preuß ge­zahlten Schmiergelder die Kosten des Druckes und der Papierlieferungen erhöht hätten. Direktor Knöpfke, der in den nächsten Tagen eingehend von bet Staatsanwaltschaft vernommen werden wird, behauptet, daß er der Druckerei Preuß ein Dar­lehen in Höhe von 165 000 Mark gegeben und dafür die Gelder von der Preuß AG., die als Rück- aabe des Darlehens gedacht gewesen wären, emp­fangen habe.

Aus aller Welt.

Deutscher DampferLippe" in Seenot

WieHavas" berichtet, ist ein Funkspruch des deutschen DampfersLipp e" eingetroffen, der sich 12 bis 15 Meilen nördlich vom Kap Carbon bei Bougie (Algerien) in Seenot befindet und um Hilfe bittet. Auf See herrscht schwerer Sturm.

Grippe in Düsseldorf. Sämtliche Schulen geschlossen.

Infolge der immer weiter um sich greifenden Grippe haben nunmehr die staatlichen Kreisärzte für den Stadtkreis Düsseldorf die Schließung sämtlicher Schulen für die Zeit bis zum 28. Januar einschließlich angeordnet. Am Montag, 30. Januar, soll der Unterricht wieder ausgenommen werden.

Der Winter aber verschließt die östlichen Ein­gänge ganz und ausdauernd oft bis zum Iuni. Rur der Tunnel bei St. Anton gibt der Bahn von W en Zutritt. Auch das westliche Tor bei Feldkirch bietet dem Krastwagenfahrer wenig Vergnügen. Die Straße schneit ihm hoch zu. D.e Kühe muhen in den hochgelegenen Dörfern unter t.eseingeichneiten Dächern. Dem Bauern ist das Dorf zugeschneit und umschneit. Die schmalen Tannen sind Schmesäulen. Selbst das Herrgottsb Id, das unterin Bergw.nd geneigt auf der Höhe oder in e nein schmalen Bildstock friert, hat vom Winter eine Kapuze bekommen und sieht nicht mehr hin übers Gebirge In einer groß» art gen Abgeich edenheit schläft das Land seinen we.ßen Schlaf, von den Wächtern des tausend Meter hohen Pfänders, über den zweitau,end Meter fie len Hohenfrcschen bis zu den drei­tausend Meter dec Scesaplana gegen M.ttel- europa bewacht.

ilnb nun bricht ein neues Volt ein. Die Ski­läufer kommen. Die deutschen Städte haben sie ge,andt. Se werfen ihre lebendigen Schwung­arabesken in die Schneeslächen, die vorher von e.ner unvorstellbaren Weihe und Reine gewesen wa.en, daß der blaue Sonue.rhimmel über ihnen schwarz ausge.ehen hat e Als von Weißen Feen­welten verzauberte Ricienbausche hatten die Hal­den über den schneeverlorenen Dörfern gehangen.

Die Skiläufer haben Stadt und Warmwasier- leitung vergessen, schlafen wie im Mittelalter auf Stroh in den hohen Berghütten der Sil­vretta und des Rhät.kon. Besinnen sie sich auf Tango und Rumba, auf Gulasch und Terlaner, so gleiten sie gegen Zürs oder Gargellen oder Schruns oder das Bödele und tauschen die alpine Askese gegen den in bescheidenem Maße mondänen Komfort dieser Orte.

Sie nehmen das aus tausendsach aufgeborstenen Graten abschwingende und in weiten Halden hin­ebbende Land in den Besitz ihrer Beinmuskeln. Und Vorarlberg wird wieder, was es, obschon es im Herzen Europas liegt, so lange war eine Kolonie. Die Kolonie der Skiläufer aus den Städten Deutschlands.

Schon als ein Drittel Iahrtausend lang in un­mittelbarer Rähe, auf der Reichenau, in ale- mann schen Dörfern, in St. Gallen romanische Kirchen gebaut und ausgemalt wurden und der Vorwind der Gotik westwärts bereits heran­wehte, war dies Land Vorarlberg meist noch ilrtoalb und gehörte Wolf, Bär, Adler und Gem.e. Dann wurde es unter Rudolf dem Habs­burger allmähl ch Kolonialland. Dom Rorden wurde es von Alemannen, vom Süden von

Ladinern besetzt und in Kultur genommen. Die Grenze ist unvecw.scht in den Ortsnamen ent­halten. Sie geht in Zickzacken von Feldkirch nach dem Arldecg. D:e deurichen wie die ladini- schen Ramen haben den Lautklang ihrer harten, e.nsamen, hohen Heimat in sich. Man höre einige der nördlichen deutschen: Hohenems, Silbrats- gefall. Schoppenau, Aloerschwende, Bolgenach... Maler,cher Ton wie von der bärbeißig bunten wehrhaften Gewandung nT.t.elalLetlaf)er Kriegs­leute.

ilnb die südlichen: Zürs, Schruns, und stets den Ton auf der letzten Silbe, Latens, Dalaas, Gaschürn, Galtür, Locüns ... romantisch prickelnd.

Roch heute w.rken dort dörflich politische Ein- r chtungen die aus anderen europäischen Ländern längst verschwunden s.nd und aus nebelhaft ge­wordener Zeit des A.lgemeinbeiihes stammen. Aber die Be ne der Männer und Mädchen, die über d ese Halden die S.hnsucht ihrer Phantasie in e nem W roel lautloser Schnelligkeit bahin- saasen lass.n, iümm.rn s.ch nicht darum, daß jetzt unter dem Schnee die verborgenen Weiden noch nach den G.s .tzen der ersten alemannischen Koloni­satoren verwaltet werden.

Heber deren Fluren klettern sie hinaus, um jeme ts sich dem sausenden Abschwung der Skier h n,uge5en. die von Halde zu Halde und durch Tal und Tal sie tragen und Ferne, Luft, Grat und Tiefe, Halde und Dorf Eines mit ihrem Körper machen.

Gebirg ist Oebirg. Die Landschaft in ihm ändert wchl Tempo und Leidenschaft, wendet auch das geokog,che und botanische Kleid. Aber dec Grundton ist eto g derselbe. Doch erst wenn Berg und Ebene sich finden, kommt der feelen- hafte Re chtum landschaftlicher Musik, ilnb ich sehe nie ein schöneres Vorarlberg als das, das sich von all dem W Idtun der Berge und un­mittelbar zu deren Füßen in die wundersam ge- brc tete Ebene des Rheins erlöst.

Das Temperament der Gebirge hat noch einige e-genwillige Ein,amgänger sozusagen als Vor* prsten geg.n die Schweizer Alpen drüben mitten h.i e ngeworfen. Sie ragen kurz, knotig und ver- b ssen, steinern schwarz, aus der so ohne Grenzen beruhigten Weißen Fläche, ilnb in bieser Fläche w rkt sich bas Gestcichel von Bäumen, die im Vorbergrunb einzeln stehen, in ber Tiefe zu einem Walb aus, ber als eine kühle braune Zeichnung ben Teppich ber schaumigen Weiße ber Erbe belebt. Dieser Teppich breitet sich zwischen ben W Verbergen Vorarlbergs unb ben im Winter- nobel verdämmernden Alpen der Schweiz.

M

wr«1

fine das MM 8er die deutsche geraten. 3n w ÄirMler lei hindern, daß dann zu besucht rcnhaus- und 6' etcucrplotil N Zutuns! nicht m« iui der büch rasch beteil H beitet, das hei em großer Ort Milliarden Aus ' nicht erleben to liefert worden, Mit den deutsch schen Zachardeit dustrie Äonturr brotlos machen. |üt die P/t Mili I den. Man lese je.

düng damit feie, liche Strömungen QltbeiUt tolle, in lung selbst bauen der beiseite. Ubi ' |en wolle, wie i

f». D-i

3lill*onen>Jn Ä Ä verbette'be-H

Industrie allen das Handveri lastungen sefun langten me ai

E-S jjfinct toann i wurden. ®1C zum Zveäek Deckung des vandt. Sen, > seien, daß er endlich restlos j -Kampf§ heilspreisgefcha in unserem Doll

M

Die Orlrgrup: hi Trontsoldat des Aeichsg Dcianstaltungen, von dein guten nei Kanmadscha

Sie Mittagsst Ehrung vor

[l$ ein sehr j0 Qalle. Man tout ßnliDideiung öe Wien bekannt g Witte aus der [«loniiete Nde. Wn, unb erhiel den do gagenen hem Ä Dot <

AUschasllch H ^neilennuna a d°- s>«L, unter dem Al ft und 9l Apolitisch lm besten 6inn

Ä,n i- rite

SielklaL'' i D=n j > und Sf jatii), P|arr7> Da

19es lei Ü 3 deutsch'7'enn

»üne®«'» S m 7 "»