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nr 5C0 trttß Statt W. Zohrgm, Sw«aj. 22. vezmi« 1933
WtzenerAnMer
General-Anzeiger für Oberhessen
Die Abneigung gegen eine direkte Aussprache mit Deutschland wächst in Paris.
Das Blatt des Generalstabs greift den Botschafter Francois Poncet an. - Oie Regierung weicht vor der Kammer zurück.-Oie Richtung Herriot macht sich geltend.
P a r i s. 22. Dez. (ENB. Funkspruch.) Die Presse, die gestern das Stichwort „Richt Aufrüstung, sondern Abrüstung" variiert hat. geht heute einen Schritt weiter, indem sie sich mehr oder weniger entschieden gegen die Fortsetzung des deutsch- französischen Meinungsaustausches wendet. Das deutsche Devensivprogramm wird allgemein als ein Programm der Ausrüstung und des Wettrüstens bezeichnet. Der „Petit Parisien" erklärt kategorisch, hinsichtlich der deutschen Aufrüstung können direkte deutsch-französische Verhandlungen auf Grund der letzten deutschen Vorschläge nicht sta t t f i n d e n. denn keine einzige französische Partei würde derartige Verhandlungen, die die Verleugnung der ganzen bisherigen Politik bilden würden, zulassen. „v o l o n t appelliert an die Welt und Amerika und verlangt, datz diese Länder mit Frankreich eine Einheitsfront bilden. umsichgegendieAusr ü st u n g Deutschlands, in welchem Ausmaße sie auch immer erfolge, zu widersehen. Frankreich müsse seinen Freundschaften aus dem Kontinent treubleiben und sienachRuhland und der Türkei hin ausbauen.
3n einem gewissen Gegensatz zu dem Blatt her- riots tritt die dem Kriegsminister D a l a d i e r nahestehende „R 6p u b l i q u e“ für eine v erst ändigung mit Deutschland in der Rüstungsfrage ein. Diese Verständigung sei vom französischen wie vom allgemein menschlichen Standpunkt aus sehr wünschenswert, da Frankreich bei einem Wettrüsten bald von Deutschland überflügelt würde, das zahlenmäßig stärker und wirtschaftlich besser ausgerüstet fei.
Einige Blätter verbinden die Ablehnung der deut- schen Anregungen mit einer Kampagne gegen den französischen Botschafter in Berlin. Das „Echo de Paris" erklärt, nach den Beratungen des Auswär- ttgen Ausschusses der Kammer ständen die besten Beurteiler der Lage auf dem Standpunkt, daß die Verwerfung der deutschen Vorschläge durch die französische Regierung sicher in der kommenden Woche erfolgen werde. Ehaufemps und Paul-Boncour hätten schon bestimmte Weisungen nach Berlin ergehen lassen, aber die persönliche Politik des französischen Botschafters habe das Spiel in die Länge gezogen. Aehnliche Angriffe wie in dem Blatt des General- ftabs finden sich heute auch in dem linksstehenden „Quotidien". Auch der sozialistische „Popu- laire" meint, wenn man die deutsch-französischen Verhandlungen für aussichtslos halte oder glaube, daß sie dem Frieden schaden, müsse man sie unverzüglich und vorbehaltlos e i n ft e 11 e n.
Die Rolle E n g l a n d s bei den weiteren diplomatischen Besprechungen wird von einigen Blättern in den Vordergrund gerückt. 3ntranfigeant schreibt: England hat In letzter Zeit den Wunsch so lebhaft bekundet, keineformelleverpflich- t u n g zu übernehmen, daß wir von seiner Seife nicht mit einem Versprechen rechnen können, es werde uns beistehen, wenn wir angegriffen werden. England will uns zweifellos drängen, unverzüglich direkte Verhandlungen mit Deutschland aufzunehmen und den uns angebotenen Nichtangriffspakt zu unterzeichnen. — Liberte spricht von England als dem Schiedsrichter, der Deutschland Genugtuung verschaffen wolle. Das Blatt befürchtet, daß der Aufenthalt Sir 3ohn Simons in Paris dieArbeitDr.Benefchszu- Nichte machen könne. Den Wunsch des Auswärtigen Kammerausfchuffes. noch vor Schluß der Parlamentstagung eine Regierungserklärung über die
auswärtige Lage zu erhalten, will 3ournal des Debets nur dann gelten lassen, wenn die Regierung klipp und klar erkläre, daß sie ni ch t in die „na- tionalfozialistifche Falle" gehen werde. Andernfalls täte sie besser, zu schweigen. Bas Blatt behauptet, an Frankreich solle eine wahre Erpressung verübt werden, damit es abrüfle.
Simons pariser Reise.
England wünscht Prüfung der deutschen Vorschläge.
London, 22. Dez. (WTB. - Funkspruch.) Der sozialistische „Daily Herold" sagt, die Besprechungen zwischen Sir John Simon und Paul-Boncour würden kritischer werden, als erwartet worden sei. Unter politischem Druck hat sich die Haltung der französischen Regierung v e r st e i f t. Zwischen den Ansichten der französischen und der britischen Regierung besteht jetzt ein scharfer Gegensatz. Die Franzosen sind nicht nur geneigt zu erklären, daß die letzten deutschen Vorschläge unannehmbar sind, sondern auch, daß direkte Verhandlungen mit der deutschen Regierung überhaupt zwecklos §ad. Ende voriger Woche war dies noch nicht die uffassung Paul-Boncours. Aber der Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten und die sozialistische Kammerfraktion haben sich während die- ser Woche gegen weitere direkte Verhandlungen mit Deutschland erklärt. Die französische Regierung hat anscheinend nachgegeben und ist jetzt selbst für Abbruch der Besprechungen. Die britische Regierung ist aber nicht nur für Fortgang
L o n d o n, 21. Dez. (WTB.) Im Unterhaus fand I die erwartete Aussprache über die auswärtigen Angelegenheiten statt. Der stellvertretende Führer der | Opposition Attlee verlangte Auskunft über die Haltung der Regierung in der Frage der W i e d e r- aufrüstung, betreffe sie Deutschland oder Großbritannien. Attlee erklärte, daß die englische Arbeiterpartei sich jeder Art von Aufrüstung widersetze. Der Liberale B e r n a y s wandte sich, gleich dem Vorredner entschieden gegen Mussolinis Völkerbundsreformvorschläge und forderte eine Erklärung der Regierung, daß sie eine solche Reform ablehne. In der Abrüstungsfrage verlangte er als Hauptgrundlage der Sicherheit eine wirksame Ueberwachung der Rüstun- gen durch eine internationale Autorität. Edward Grigg erklärte, in Deutschland werde das zerschlagene Nibelungenschwert wieder geschmiedet, und zwar sehr rasch. England müsse entweder einer Politik der Isolierung entgegentreten, oder es müsse bereit sein, in irgendein System kollektiver Sicherheit einzutreten. Er befürwortete letzteres. Der Nationalliberale M a b a n e bemerkte, nach der ersten deutschfeindlichen Reaktion auf den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund fei die Auffassung in England jetzt, daß Deutschland nicht gerecht behandelt worden sei. Das englische Volk wünsche nicht, daß die Regierung eine frank-
I reichfreundliche Politik verfolge, sondern eine revisionistische.
Der Staatssekretär des Aeußeren Sir John Simon
erklärte: Hitler habe gesagt, es würde von größter Wichtigkeit sein, wenn Deutschland und Frankreich ein für allemal den Ge brauch der Gewalt aus ihrem gemeinsamen Leben
der Besprechungen, sondern auch für eine entsprechende Prüfung der deutschen Vorschläge.
„M orning P o st" vertritt den Standpunkt, daß die gegenwärtige politische Situation nicht allein durch zweiseitige friedfertige Erklärungen und Nichtangriffspakte bereinigt werden könne. Man müsse vielmehr für einen Ausbau der französisch- englischen Beziehungen eintreten. — „Daily Telegraph" schreibt, man könne sagen, daß die Anregungen des Reichskanzlers, die als überaus einfach und unkompliziert zu betrachten feien, eine Prüfung verdienten, deren Ergebnis man voller Hoffnung entgegensehen könne. — „Daily Mai l wiederholt ihren Ruf nach einer starken britischen Luftstreitmacht und nach einem Defenswbundms mit Frankreich.
Nach Ansicht des Pariser Korrespondenten der ,T i m e s" dürfte der größte Teil der französischen Oeffentlichkeit enttäuscht fein, wenn der heutige Be- such Sir John Simons lediglich darauf hinauslaufe, in Paris neue Informationen zu sammeln. In Paris fetze sich überhaupt mehr und mehr die Ansicht durch, daß man nun endlich mit den direkten BesprechungenSchluß machen und an die Ausarbeitung des Entwurfs zu einem Uebereintommen in Genf gehen solle. In der Zwischenzeit werde man in Paris alle Hebel in Bewegung setzen, um die Bande zwischen Frankreich und den ihm befreundeten Mächten im Osten I und Südosten Europas so fest wie möglich zu verknüpfen. Dies werde durch den Besuch Beneschs und durch den bevorstehenden Besuch Titulescus be*
* wiesen.
verbannen könnten, und daß keine territorialen Äonflif te zwischen den beiden Ländern bestehen, soweit Deutschland in Betracht komme, nachdem das Saargebiet zurückgegeben sein werde. Hitler habe Nichtangriffspakte Deutschlands mit seinen Nachbarn angeregt.
Simon teilte mit, er werde heute nachmittag mit dem französischen Außenminister i n P a r i s Zusammentreffen. Es sei äußerst wichtig, daß England undFrankreichfoengwie möglich zusammenkämen, um die Frage zu klären, wie sich der von der deutschen Regierung unterbreitete Vorschlag zur Politik und zu den Anforderungen der Nachbarn Deutschlands verhält. Sein römischer Besuch werde ihm die Gelegenheit geben, die Stärke der britischen öffentlichen Meinung und der britischen Politik in dieser verwickelten kontinentalen Lage in die Waagschale zu werfen. Die britische Regierung wolle von dem System internationaler Verhandlungen nicht zugun st en einer Erörterung zwischen zwei Mächten abweichen. Er habe das Stadium eines Gedankenaustausches zwischen zwei Mächten nie anders angesehen denn als ein primäres oder Zwischenstadium. Er habe keine übertriebenen Hoffnungen, aber er hoffe doch, daß bis zum Wiederzusammentritt des Unterhauses die britische Regierung in der Lage sei, dem Hause bestimmtere 3nformationen über das Ergebnis des Meinungsaustausches zu geben.
Der Reichskanzler habe soviel Nachdruck auf feine Vereinbarungen gelegt, die b i e Sicherheit fördern sollten, daß die Annahme gestattet sei, die Sicherheitsfrage schwebe nicht nur England, sondern auch anderen verantwortlichen Ländern
England legi sich nicht fest.
Simon gibt über das diplomatische Gespräch im tlnierhaus Auskunft. Chamberlain prangert die Londoner Gerichtskomödie an.
Lufipolitik am Pazifik.
Äon Otto Corbach
Es ist gewiß kein Zufall, daß die Wertschätzung der Luftwaffe gerade bei denjenigen Mächten, Die an der Gestaltung der Machtverhältnisse im Fernen Osten am stärksten interessiert smd, neuerdings auffallende, geradezu sprunghafte Fortschritte macht. Der französische Luftfahrtminister Pierre Cvt brachte von seiner Reise nach Moskau die lieber» »evaung mit nach Hause, daß die Sowjets in drei Jahren über eine größere Luftflotte verfugen würden als alle andern europäischen Mächte zusammengenommen. falls.diese nicht bei ihren Rüstungen mächtig aufholten. England, das bisher die größten Anstrengungen machte, durch Pakte dem Zwange zu ungehemmtem Wettrüsten zu entgehen, jedenfalls auf alleinige Seeherrschaft schon verzichtete, zeigt sich plötzlich wie besessen von dem Ehrgeiz, durch Luftrüstungen an Weltgel- tung zurückzugewinnen, was es zur See verlor. Man hatte sich schon darein ergeben, infolge unheimlich rasch wachsender Unsicherheit aller Seewege den entlegenen Teilen des Imperiums nur noch wenig Bürgschaft gegen feindliche Anschläge bieten zu können.
Die sich überstürzenden Rekorde kühner Piloten, die von London aus zu Flügen nach allen äußersten Enden des Weltreiches starteten, haben ganz neue Perspektiven für d i e Reichsverteidigung eröffnet. Kingsford Smith legte vom 4. bis 11. Oktober dieses Jahres die 15 500 Kilometer lange Strecke von London bis Wyndham in Nordaustralien in 172 Stunden zurück, nachdem der schnellste Flug zwischen diesen beiden Punkten vor ihm 213 Stunden gedauert hatte; wenige Tage (pater verbesserte der Pilot Ulm mit drei Begleitern diesen Rekord um 11 Stunden. Es sind also fast nur noch soviele Tage wie zur See Wochen erforderlich, um aus dem Zentrum des Imperiums zu den ihm angehörenden Antipoden zu gelangen und ihnen in der Gefahr zu Hilfe zu eilen. Im übrigen hat England drei Luftgefchwader dauern in Singapur, in dichter Nähe Australiens, Hongkongs und anderer britischer Besitzungen am Pazifik stationiert. Auch nach Hongkong sind besondere Flugzeuge unterwegs, die einer dort zu gründenden Pilotenschule zur Verfügung stehen sollen. Noch bezeichnender für das erwachte Interesse an dem fernöstlichen Listtsahrt- wesen ist der neu geschaffene Posten eines besonderen Luft-Attachäs bei der britischen Botschaft in Peiping (Peking). m
In Sidney wies kürzlich der frühere Premierminister der australischen Bundesregierung, W. M. Hughes, darauf hin, daß eine feindliche Flotte diese Stadt in einer halben Stunde in Ruinen verwandeln und zugleich die wichtigen Stahlwerke bei Newcastle zerstören könne. Für die Verteidigung Australiens hänge alles ab von einer ft arten ßuftflotte, die, von U-Booten unterstützt, imftände wäre, jede Annäherung eines feindlichen Geschwaders zu verhindern. Dazu bedürfe man der Verfügung über mindestens 200 der modernsten Kampfflugzeuge. Gelänge es dem Gegner, als welcher nur Japan in Betracht kommt,, Truppen zu landen, so wäre es um das Schicksal des Kontinents geschehen.
Die krampfhaften Anstrengungen Australiens, die eigene Aufrüstung zu beschleunigen, lassen erkennen, daß man sich eines ausreichenden Schutzes durch die See- und Luftstreitkräfte des Mutterlandes nicht sicher ist. Man weiß, daß den Londoner Machthabern die Verteidigung Indiens, der Straits Settlements, Hongkongs und Schanghais mehr am Herzen liegt, als die des fünften Erdteils, der ein Leben für sich führt und daher als Ausbeutungsobjekt für den britischen Imperialismus längst nicht eine so wichtige Rolle spielt wie die Machtstellungen, die England in der Vergangenheit die Vorherrschaft über halb Asien verbürgten.
Ein besonderes Schmerzenskind für die britische Strategie in Asien bildet beute die internationale Niederlassung in Schanghai, die in Wirklichkeit bisher die Bedeutung eines britischen Schutzgebietes hatte. Außerhalb der internationalen Niederlassung, auf einem Gebiet, das unmittelbar der Herrschaft der Nankinger Regierung untersteht, hat Japan neuerdings, im Widerspruch zu den bestehenden Rechtsverhältnissen, mächtige Kasernen für die dauernde Unterbringung einer größeren Besatzung errichtet, ein Beweis, daß es sich über kurz ober lang zum Herrn über das Ausfalltor des Jangtsebeckens, der wichtigsten bisherigen britischen Einflußsphäre in China, aufwerfen möchte.
Dagegen zur See vorzugehen, bietet für England wenig Erfolgsaussichten. Um so bemerkenswerter sind die fieberhaften Bemühungen Englands, zugleich von Hongkong und Tibet aus sichere Landverbindungen mit Hankau, dem Zentrum des Janlfebeckens herzustellen, um von dort aus dann eine oirksame Verteidigung Schang- Hais auf dem Luftwege zu organisieren. Eine der Nankinger Regierung gewährte größere Anleihe ist dazu bestimmt, die Arbeiten an Der feit Jahren im Bau begriffenen Kanton-Hankau-Bahnmit allen Kräften zu beschleunigen; sie würde Honkong für den Verkehr nach Schanghai von dem Seewege unabhängig machen.
Von Tibet aus, das heute nicht viel anderes als ein britisches Schutzgebiet darftellt, stoßen von Engländern organisierte Truppen über die Provinz Setschwan den Jangtse aufwärts nach Hankau vor, um eine zweite Landbrücke zu schaffen, die von Indien über Hochasien in das Hinterland von Schanghai führen würde. Man begreift leicht, welche Bedeutung eine solche Landbrücke bei fernöstlichen Verwicklungen für die Entfaltung britischer Luftstreitkräfte erlangen könnte. Je stärker sich die japanische Seeherrschaft im westlichen Pazifik ent
wickelt, um so mehr muß es für die übrigen Anrainer des Stillen Ozeans an dessen West- und Südrande darauf ankommen, ihre Küsten von nahegelegenen Einsatzstellen für Luftangriffe aus verteidigen zu können.
Auch die Beziehungen Amerikas zum Fernen Osten sind heute vorwiegend von der Flieger-Perspektive beherrscht. Man weiß in den maßgebenden Kreisen der Union längst, daß 3apanjur See f a ft unangreifbar ist. Das fernöstliche Insel- reich dsidet, nach einem treffenden Ausdruck des Geo- Politikers Karl Haushofer, einen „Fuchsbau mit vielen Ausgängen". Schon die Annäherung an diesen Fuchsbau wäre für amerikanische ©eeftreitträfte nur mit schweren Opfern zu ermöglichen, da ihre Machtbasis zu weit entfernt liegt. Dem Kern der japanischen Seemacht aber in ihren eigenen Gewässern, hinter Verteidigungsgürteln von Hunderten befestigter, minenumkranzter Inseln, einen tätlichen Schlag zu versetzen, dazu gehört eine mehrfache Überlegenheit des Angreifers. _
Ganz anders liegen die Verhältnisse für den Luftkrieg. Da erweist sich das Jnsclreich genau
leicht verletzlich, wie zur See schwer antastbar. Daher rührt die Wichtigkeit, die Amerika g u t e n Beziehungen z u China und neuerbin gsaudj z u Sowjetrußland beilegt. Eine ausreichende Unterstützung der russischen ßuftrüftungen im Fernen Osten durch Amerika könnte im Kriegsfälle eine Entscheidung zur See überflüssig machen. Von W l a d i w o st o ck aus kann ein starkes Geschwader vom Bombenflugzeugen bei überraschendem Nachtangriff in wenig Stunden Tod und Verderben auf die vier größten Städte Japans hinadschleu- dem: Kobe, Osaka, Tokio und Yokohama, die zusammen nicht weniger als ein Drittel der Bevölkerung des eigentlichen Japan beherbergen. Damit wäre dem Jnselreich das Rückgrat gebrochen.
Natürlich weiß man bas in Japan. Deswegen sucht man nicht nur die eigene Luftrüstung fieberhaft zu entwickeln, sondern bietet auch der gesamten Welt . Trotz, um burd) (£r ob er ungen auf dem asiatischen Fe st lande die E i n s a tz st e l - Men für mögliche Luftangriffe immer »weiter ins Innere zu verlegen. Was 1 Wunder auch, daß die Russen ihre fernöstlichen Kü-
stenprovinzen mit Wladiwostock für bedroht halten. Erst wenn es Japan gelänge, auch diese Gebiete zu erobern, würde es über einen ausreichenden Aktionsradius für feine Luftverteidigung verfügen. Man versteht nun auch, warum die Washingtoner_Regie« rung gerade am Vorabend der Anerkennung Sowjetrußlands seelenruhig antünbigen konnte, baß es seine im Stillen Ozean zusammengezogene Flotte im Frühjahr eine Spazierfahrt in ben Atlantik unternehmen lassen werde. Man fühlt sich durch das Zusammenwirken mit China und Rußland für bic Steigerung ber Bedrohung Japans von der Luft aus z u r S e e entlastet. Was die amerikanisch-chine- fischen Beziehungen anlangt, so steht damit d i e 11 n a b l) ä n g i g t e i t s b c ro e g u n g i n u f i j n zweifellos im Zusammenhang. Eine der Küste ^>u- tiens vorgelagerte Insel ist als Stützpunkt für bie Verteidigung der Philippinen durch Kampfflugzeuge, die Amerika den Chinesen leihweise überläßt, in Aus. fickst genommen. Auf jeden Fall haben die Momtck). keilen des Luftkrieges das gesamte Bild der fern, ästlichen politischen Lage im Handumdrehen völlig gewandelt.


