Acht Tage später aber kam er zu Quantz, reichte ihm die Hand und sagte höflich: es ist doch
wahr!"
Der Oberst.
Ein alter Oberst, der in einer kleinen Provinz- garnison seine Tage totschlug und voll Grimm vergeblich auf seine Beförderung wartete, kam einmal an den Hof Friedrichs unb nahm im Gefolge des Königs am Gottesdienste teil. Der Prediger schilderte sachkundig die Einrichtungen der Hölle und die Obliegenheiten „Beelzebubs, des Obersten der Teufel". „Nun, wie gefällt Ihm der Höllenbetrieb?" fragte der König den alten Offizier. „Damit is et ooch nischt, Majestät", war die Antwort. „Ich bin nu seit zwanzig Jahren in keener Kirche mehr gewesen, aber et hat sich mittlerweile da unten nischt jeändert, und et is janz wie hier oben: Beelzebub is immer noch Oberst."
Wenige Tage darauf hotte der alte Herr sein Generalspatent.
Randbemerkung.
Man legte Friedrich dem Großen eine Anklageakte vor, in der ein ganz abscheulicher Fall von Gottlosigkeit geschildert war. Es war da nämlich ein verruchter Bösewicht gegriffen worden, der sich standhaft weigerte, an die Auferstehung zu glauben.
Friedrich schrieb an den Rand der Akte:
„Ist Seyne Sache. Wenn Er am Iuengsten Tag nicht aufstehen will, soll Er doch Meinetwegen liegen bleiben."
Die Eingabe.
Friedrich der Große fand eines Tages auf seinem Schreibtisch folgende Eingabe:
„Allerdurchlauchtigster ...! Ew. Majestät thue ich zu wissen: 1. daß es an Gesangbüchern für die königl. Prinzen und Prinzessinnen fehlt: 2. daß kein Holz vorhanden, um die königl. Loge in der Kirche zu heizen und 3. daß das Geländer an der Spree hinter der Kirche den Einsturz droht.
Ich ersterbe... usw.
Schmidt,
Küster der Domkirche zu Berlin."
Friedrich antwortete sogleich:
„Dem Küster der Domkirche zu Berlin, Schmidt, thue ich zu wissen: 1. daß, wer singen will, sich die Gesangbücher kaufen muß: 2. daß, wer warm sitzen will, das Holz dazu anzuschafsen hat. Uebrigens be
nachrichtige ich den Küster Schmidt: 3. daß dos Geländer an der Spree Ihn nichts angeht und 4. daß ich mich mit Ihm weiter in keine Correspondenz einlassen will. F-"
Spitzbergen-Expedition.
Spitzbergen, die Inselgruppe im nördlichen Eismeer, soll schon im 11. Jahrhundert den Wikingern bekannt gewesen fein. Aber bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wußte man jedenfalls nichts Näheres von diesem Gebiet im hohen Norden, und erst unter- nehmende norwegische und russische Jäger entdeckten seine Küsten auf der Suche nach Nobben und Walrossen. Ein ungeheures Morden verreichen Tierwelt hob nun an, und nachdem Spitzbergen durch säst 300 Jahre wertvolles Jagdgebiet geworden war. ist das Tierleben an den Küsten fast vernichtet. -Erst zuAnfang unleresJahrhunderts erregten dieBoden- schätze der Inseln die Aufmecksamkeit, verschiedene Versuche zur Ausbeutung wurden unternommen, und besonders die Norweger haben das Land auch wissenschaftlich erforscht. Ein Teil aber ist noch falt unbekannt, nämlich Neu-Friesland im Norden von West-Spihbergen. Das Eiskap Neufriesland, das einen Raum von etwa 3000 qkm umfaßt, ist erst einmal flüchtig durchquert worden, und zwar von Kapitän Slaxrud bei seinem Versuch 1913, die überlebenden der unglücklichen Schroeder-Stranz- Expedition zu retten. Um diese Lücke unserer geographischen Kenntnisse auszufüllen, ist jetzt eine neue Expedition aufgebrochen, die von der englischen Universität Oxford ausgerüstet worden ist. Die Mitglieder reisen auf dem Motorschiff .Jsbjörn". Vom Meer aus erscheint die Westküste des nördlichen Neufriesland als ein riesiger Eisgletscher, der sich gegen 1300 Meter hoch erhebt: die Landung an dieser Stelle dürste also sehr schwierig sein- Dagegen hoffte man, an der Ostküste beffere Gelegenheit zu haben, und erwartet, daß der Treurenberg-Gletscher einen verhältnismäßig leichten Weg nach dem Innern bieten wird. Es sollen daher von der Treuren- bucht aus drei Schlittengesellschasten in dos Innere abgehen, um das Innere und den Osten von Neufriesland topographisch und geologisch zu erforschen. Die Reisenden sind auch mit Apparaten ausgestat>et. um die Dicke und Art des Jnland-Eises zu untersuchen.
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Ur. 169 Zweites Blatt
Gießener «nzrigrr (Geiiecui-Änzetger für Gderhessen)Samstag, 22. Zuli 1933
Oer französische Midas.
Von Otto Eorbach.
Das deutsche Volk hat seist inneres Gleichgewicht wieder gefunden. Dieses Gleichgewicht ist der Kern seiner „Währung". Die Wäh- rungssorgen der übrigen Welt können es nur mehr oberflächlich in Mitleidenschaft ziehen. Gewiß liegt auch das neue Deutschland in Europa, und insofern kann und wird es sich nicht einer Mitverantwortlichkeit für den gesamteuropäischen Widerstand gegen die Weltherrschaftsgelüste des amerikanischen Finanzkapitals entziehen, auf die es mit der vorläufigen Preisgabe der Goldparität für den Dollar keineswegs verzichtet hat. Aber die nationale Revolution hat dem Wirtschaftsleben des deutschen Volkes genügend Selbstsicherheit ver- liehen, damit es als Unbeteiligter kaltblütig dem Tanz um das goldene Kalb zuzuschauen vermag, zu dem das letzte wirkliche „Goldland" Frankreich oufspiclt. Keine Volkswirtschaft kann auf die Dauer ohne eine vernünftige internationale Regelung des Geld- und Währungswesens gedeihen, aber selbst die schlechteste, unabhängige nationale Währung ist besser als eine vom französischen Finanzkapital diktierte, und insoweit bei dem Gegensatz des Präsi- beulen Roosevelt zu dem französischen Standpunkt in der Frage des Goldstandards die Empörung des amerikanischen Volkes gegen den Mißbrauch des Goldes zu politischen Zwecken zum Ausdruck kommt, insoweit stimmt das Interesse der breiten Massen der Bevölkerung Gesamteuropas damit überein.
Währungsfragen find in erster Linie Macht- fragen. Ein Land kann durch günstige politische Umstände reich werden, ohne daß sich seine Bevölkerung im wirtschaftlichen Wettbewerb mit andern Völkern besonders hervorgetan hätte. Es kann freilich nur reich bleiben, wenn es fein politisches Glück durch nachträgliche besondere Leistungen auf dem Felde der Arbeit zu verdienen weiß. Der Reichtum, der sich in Frankreich nach dem großen Kriege ansammelte, floß vorwiegend aus politischen Quellen. Aus seiner Machtsteigerung ergab sich aber keine entsprechende Steigerung der wirtschaftlichen Tüchtigkeit seiner Bevölkerung. Das Kriegsglück, das ja vorwiegend das Ergebnis einer weltweiten Verschwörung gegen die Tüchtigkeit des aufsteigenden Deutschtums war, änderte nichts daran, daß die physische wie geistige Fruchtbarkeit der französischen Rasse schon vorher erschöpft war. Französischer Einfluß hatte längst aufgehört auf den Wohlstand anderer Völker befruchtend zu wirken, er konnte nur mehr daran zehren. Das ist die psychologische Ursache des französischen Sicherheitskomplexes, der wirtschaftlich in der Sucht, Ersparnisse schatzbildend zu verwerten, politisch in dem Mißbrauch kroditschöpferischer Möglichkeiten zu Rüstungszwecken zum Ausdruck kommt.
Frankreich bildet mit seinen Kolonien das drittgrößte Reich der Erde: nur das britische Imperium und Rußland sind größer. Es ist größer als die nordamerikanische Union Brasilien oder China. Es hat eine Bevölkerung von über 100 Millionen, die üben ein Gesamtgebiet von 12 Millionen Quadratkilometer verstreut sind. Rach der Bevölkerung steht es an fünfter Stelle, hinter dem britischen Imperium, China, Sowjetrußland und den Vereinigten Staaten. Ohne die Kolonien würde es nach dem Eebietsumfang an siebzehnter, nach der Bevölkerungsziffer an elfter Stelle stehen. In allen fünf Erdteilen hält Frankreich bevorzugte Plätze besetzt: an der andern Seite des Mittelmeeres, das für moderne Verkehrsverhältnisse eher em Binde- als Trennungsmittel bedeutet, verfügt es über einen so gewaltigen Länderblock, daß das Mutterland gewissermaßen bis auf die Südseite des Aequators ausgedehnt erscheint, so daß man sagen kann, es erstrecke sich vom Kanal bis zum Kongo über fünfundfünfzig Breitengrade. Am nördlichen Eingang zum Indischen Ozean hält Frankreich Dschibuti, am südlichen Ende die Insel Madagaskar in Händen, am Stillen Ozean Indochina mit einer Küstenfront von dreitausend Kilometern, was der Entfernung zwischen London und Batum in der Luftlinie entspricht, in der Südsee über Reu-Kaledonien und einige Inseln, die treffliche Flottenstützpunkte abgeben, im nördlichen Atlantik über die Insel St. Pierre, gegenüber dem Panamakanal über die französischen
Aufgaben und Ziele des deutschen Theaters.
Staatskommissar Hinkel vor der Frankfurter Presse.
Der Leiter des Kampfbundes für deutsche Kultur und des durch Verfügung des preußischen Kabinetts geschaffenen Theaterausschusses, Staatskommissar Hinkel, benutzte die Gelegenheit seines Besuchs der Freilichtspiele auf dem Frankfurter Römerberg, um den Vertretern der Presse einiges über die Zukunft des deutschen Theaters zu sagen. Staatskommissar Hinkel wies u. a. darauf hin, daß das Thea- ter wieder eine national-religiöse Kunststätte werden müsse; es sei verpflichtet, in dem großen Weltanschauungskampf der nationalsozialistischen Revolution erzieherisch und überzeugend auf die neue Volksgemeinschaft zu wirken. Jeder müsse sich darüber klar sein, daß die Frage des Bestandes dieses neuen Staates nicht allein abhängig ist von der Lösung des Arbeitslosenproblems, sondern daß der endgültige Sieg der nationalsozialistischen Revolution nur dann verbürgt sei, wenn es gelingt, die neue deutsche Volksgemeinschaft auch weltanschaulich zu unterbauen. Es liege dem Nationalsozialismus fern, der Zeitung die individuelle Note zu nehmen. Wir wünschen die Mitarbeit der Presse und dabei soll sie fid) zu strenger Objektivität enthalten. Es werde notwendig sein, daß die Presse mitgeht auf dem Wege der Förderung des jungen Nachwuchses. Der preußische Staat werde eine eigene preußische Schauspielschule in Berlin eröffnen. Im Zusammenhang damit werde eine grundsätzliche Neuorganisation des Bühnenvermittlungswesens einsetzen. Der Ausschuß habe die Absicht, den Stand des Bühnenkünstlers wieder vollwertig im besten Sinne zu machen. Damit zusammen hänge die Gagenfrage. Man könne nicht mehr zulassen, daß einzelne Theater Gagen zahlen, die ein Mehrfaches des Reichskanzlergehaltes ausmachten. Auch der Frage des Doppelverdienens werde näher getreten werden. Durch eine Reichsorganisation der Theaterbesucher soll das Volk dem Theater wieder zugeführt werden. Von feiten der Reichs- regierung und der Länderregierung wird vermutlich Ende August oder Anfang September eine
Antillen, in Südamerika über Französisch Guiana. In Mittel- und Südosteuropa sind Polen und die Staaten der Kleinen Entente Frankreich für die Vorteile, die es ihnen auf Kosten der Nachbarn, vor allem durch die Grenzziehung, bei Abfassung der Friedens-„Verträge" zuschanzte, zu vasallen- artiger Dienstbarkeit verpflichtet
Wären die Franzosen eine aufsteigende Rasse, so könnten sie gewiß dem deutschen Volke Lust und Licht zur freien Entfaltung seiner Kräfte gönnen und brauchten erst recht nicht die Krastquellen der mittel- oder unmittelbar von ihnen abhängigen Völker zugunsten einer krankhaft gesteigerten „Sicherheitspolitik" zu erschöpfen. Tatsächlich unterscheiden sich ihre kolonialwirtschaftlichen Methoden nicht wesentlich von denen, durch die einst Spanien und Portugal zur Bedeutungslosigkeit herabsanken.
Vor einigen Jahren schrieb Albert L o n b r e s auf Grund eigener Wahrnehmungen über das französische Kolonialsystem: „Frankreich hat Geld. Die Kolonien haben Reserven. Aber dem Franzosen fehlt jedes Verständnis für eine moderne Ausbeutung feiner Schätze. Die französischen Kapitalisten geben kein Geld, weil sie kein Vertrauen haben, so daß in ihren goldstrotzenden Kolonien nur Handlangerarbeit geleistet werden kann. Die Engländer und die Belgier haben alles, was sie brauchen, um das Land anständig auszunützen, nur der Franzose bedient sich noch immer des Bananenmotors." Das ganze Material für den Bau von 50 000 Kilometer Straßen, behauptete Londres, fei auf dem Kopfe der Neger herangeschleppt worden. Die Einnahmen aus den Kolonien wanderten in den „nationalen Wollstrumpf"; nicht ein Lastautomobil, nickt eine Dampfwalze sei an- geschafft worden. Massen st erben und Mas- s e n f l u d) t in die Urwälder ober englische Kolonien seien bie Folgen.
Lonbres würbe als Miesmacher in ber französischen Presse angeprangert, aber noch im Pariser „Temps" vom 7. Juli 1933 konnte man in einer längeren Abhanblung über bas „tunesische Drama" Selbsterkenntnisse wie bie folgenden le- sen: „Tunis macht eine Krise durch wie jedes Land in der Welt. Es lehnt sich nicht gegen dieses gemeinsame Schicksal auf. Worüber es sich beklagt, ist, daß ihm die französische Schutzherrschvft nicht diejenige Unterstützung gewährt, die ihm gebührt. Das ist eine Tatsache, die man feststellen und aussprechen muß." Im Krisenjahr 1932 warf der Handelsverkehr mit Tunis Frankreich einen Ueberschuß von 175 Millionen Franken ab, und der „Temps"
stellt fest, daß, wenn Tunis im Verkehr mit dem Auslande freie Hand hätte, es seinerseits aus feinem Außenhandel großen Gewinn ziehen könne. Die Unzufriedenheit mit dem französischen Kolonialsystem gehe gegenwärtig immer mehr in Verzweiflung über.
Ebenso schlimme Verhältnisse herrschen nach der „Neuen Zürchen Zeitung" vom 7. Juli 1933 i n Marokko. Das französische Ackerbau-Ministerium lehnte ein Gesuch um die zollfreie Einfuhr von jährlich 20 000 Schweinen aus Marokko mit der Be- grünbung ab, daß diese Schweine mit Mcns aus Argentinien gefüttert würden, zugleich fordert aber das französische Handelsministerium, daß die Ein- fuhr eben dieses Maises aus handelspolitischen Gründen fortgesetzt werden müsse. Die Unzufriedenheit der Eingeborenen, so heißt es in dem Bericht des Schweizer Blattes, sei so groß, daß sie fron- zösische Waren boykottierten; in ihren „Söuls" finde man fast ausschließlich Waren srem- der Herkunft, englische und neuerdings auch japanische Gewebe, tschechische Glas unb Eisenwaren, belgische unb italienische Erzeugnisse.
Sengend unb austrocknend wie ein Fönwind auf saftiges Grün wirkt französische Vormundschaft nicht nur in afrikanischen Kolonien, sondern auch in den ö st l i ch e n V a s a 11 e n st a a t e n auf bie Quellen bes nationalen Wohlstanbes. Der Warschauer Korrespondent des Berner „Bund" berichtet seinem Blatte, das ganze Geld, das ber polnische Bauer für seine Probukte erhalte, ginge für Steuern unb Zinsen braust Weite Lond- striche verzichteten bereits auf ben Gebrauch so not- roenbiger Artikel wie Salz, Petroleum, Streichhölzer, von Zucker sei natürlich erst recht keine Rebe mehr. Eine rationelle Ausbeutung ber reichlich vor- hanbenen Bobenschätze unb natürlichen Reichtümer sei infolge ber rigoros gehanbhabten Deflationspolitik völlig ausgeschlossen. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung drohe auf das Kutturniveau von Höhlenbewohnern herabzusinken
Wie dem sagenhaften König Midas so verwandelt sich dem modernen Frankreich alles in Gold, was es berührt. Das Gold aber verschwindet in den Gewölben der Bank von Frankreich. Je mehr es sich dort häuft, desto vorwiegender wird französischer Kredit Rüstungszwecken, desto weniger produktiven wirtschaftlichen Ausgaben zugewandt. Daß 1932 über 200 000 fremde Einwanderer Frankreich fluchtartig verließen, ist ein Anzeichen, daß bie auszehrenbe Goldkrankheit mehr und mehr auf das Herz des französischen Imperiums übergreift.
Sei den deutschen Tee-Pflanzern in Wehe.
Von Or. Paul Rohrbach.
Musindi, End« Juni 1933.
Wer einen Begriff davon bekommen will, wie mannigfaltige Nlöglichkeiten für koloniale Produktion Ostafrika bietet, der muß den Süden unserer alten Kolonie aufsuchen: Llhche und die übrigen Hochländer, die sich gegen den Rjassa- See hin anschliehen.'Man kann in Kürze sagen, daß dies ganze südliche Hochland eine schräg gestellte Tafel Ist, die mit einem mächtigen Steilrand gegen Südosten abbricht und sich allmählich gegen Nordwesten senkt. Die Pflanzungsgebiete liegen meist in einer Meereshöhe von 1500 bis 2000 Meter nahe der Kante des Steilrandes auf der inneren Abdachung. Durch das Auto ist der Süden soweit aufgeschlossen und damit auch produktionsfähig gemacht, daß mit allen möglichen wertvollen Kulturen begonnen werden konnte. Wir sind in dieser Woche 400 Kilometer auf der Hauptroute gefahren, die sich bei Dodoma von der Zentralbahn abzweigt — als ein Stück der großen Kap-Kairo-Straße — und dazu im ganzen eine nicht viel kleinere Strecke auf den Seitenstraßen und Verbindungswegen zwischen den einzelnen Pflanzungen. Ueberall herrscht selbstverständliche Gastfreundschaft und sichtliche Freude, die Fülle der in Fortschritt begriffenen Kulturen zu zeigen. Die Landschaft Musindi, aus der diese Zeilen kommen, ist ein Gebiet, das sich etwa 80 Kilometer lang und 10 Kilometer breit am Hochlandsrand von älhehe hinzieht. Im unmittelbaren Randgebiet steht noch hoher Wald, weiter landeinwärts dehnt sich Grassteppe mit
kleinen Bauminseln. Ursprünglich war alles Urwald, aber die seit Jahrhunderten fortschreitende Rodung der Eingeborenen hat, wie im übrigen Jnnerasrika so auch hier, unermeßliche Strecken entwaldet.
Wie in der Landschaft Dabaka, die wir vorher besuchten, so gibt es auch in Musindi sowohl Pflanzungs- als auch Ackerland. Mit Ausnahme einiger weniger Tropenkulturen im engeren Sinn wächst hier schlechthin alles. Bor etwa sechs Jahren wurden die ersten Pflanzungen angelegt, heute ist Musindi ein so gut wie ausschließlich deutschesSiedlungsgebiet. Es gibt zur Zeit dreiundvierzig deutsche und nur zwei nichtdeutsche Pflanzungen. Man begann mit Kaffee, ist aber in Ost-Mufindi in den letzten Jahren vielfach auf Tee übergegangen. Mir fallen hier die Aehnlichkeiten mit der berühmten Teelandschaft vonDardschiling am Südfuß des Himalaja auf. Der Boden, die Meereshöhe in Verbindung mit der geographischen Breite und die Feuchtigkeitsverhältnisse scheinen auch in Musindi gerade das Richtige für den Anbau des Teestrauchs zu sein. Das Klima jetzt im Südwinter mutet ganz europäisch an. Wir haben Juni, aber dieser Monat entspricht dem Dezember auf der nördlichen Halbkugel. Man schläft unter doppelter Wolldecke, und eigentlich sollte man auf dieser Seite des Aequators jetzt Weihnachten feiern, nicht zur heißesten Sommerzeit im Dezember, wenn die Kerzen und die Schokolade am Christbaum von selber schmelzen.
Eine Teepslanzung ähnelt bei flüchtigem Hinschauen einer Kaffecpslanzung. Auch beim Te« werden die Sträucher oder Bäumchen nur so hoch gehalten, daß die jungen Blattriebe mit noch ein oder zwei ausgebildeten Spiyenblättern am Ende der Zweige — nur diese werden aufbereitet — leicht abgepflückt werden können. Eine Aufbereitungsanlage, sogenannte T e e f a b r i k. größeren Stils in Mufindi-Ost geht gerade der Vollendung entgegen. Sie wird in einigen Monaten fertig fein, und dann werden auch verschiedene Tee- Pflanzungen mit dem Wachstum der Sträucher gerade so weit fein, um genügend Blatter zu liefern.
Die abgepflückten Blätter läßt man zunächst auf Hürden, über die erhitzte Lust streicht, welken und einen Teil ihres Wassergehalts verlieren. Auf der nächsten Behandlungsstuse werden sie in einem besonderen Apparat „gerollt", und danach kommt die sogenannte Fermentation, bei der sich gewisse ätherische Oele, das Teearoma, bilden. Zuletzt erfolgt die Trocknung, bei der der Tee die uns bekannte Form und Farbe annimmt. Die Feinheit des Geschmacks hängt an der Bildung des Aromas. Davon, welches Aroma die Teeblätter bei der Fermentierung hergeben, sind Qualität und Preis des Tees bedingt, und das Aroma wiederum ist abhängig vom Klima: Feuchtigkeit, Sonnenbestrahlung usw. Besonders wichtig sind die Bodeneinflüsse. Das Thein, durch das die Nerven beim Teegenuß angeregt werden und das bekanntlich dem Koffein nahe verwandt ist, hat mit den ätherischen Oelen, die das Aroma und damit die Teequalität bedingen, nichts zu tun.
Der Tee von Musindi berechtigt, scheint es, zu hohen Erwartungen. 30 000 bis 60 000 Teesträucher sind der normale Bestand für eine mittlere Pflanzung. Auf einem Hektar stehen etwa 6000 Sträucher, und diese liefern 700 bis 800 Pfund fertigen Tee. Wenn der deutsche Mufindi-Tee, einschließlich Fracht, Zoll und sonstige Spesen, in Deutschland einen Preis von 3 Mk. erzielt, für die besten Qualitäten vielleicht 4 Mk., so ist den Pflanzern ihre Existenz gesichert. Leiter der Tce- fabrik ist ein früherer deutscher Teepflanzer aus Ceylon.
In Musindi gibt es aber noch mehr, als junge Kaffee- und Teebäumchen und gastfreie, hoffnungsvolle deutsche Menschen: es gibt auch große landschaftliche Schönheiten afrikanischer Art. Wir waren gestern auf einer Pflanzung, wo rings um das Haus eine unglaubliche, aus deutschen und afrikanischen Elementen gemischte Dlumenpracht blühte und daB deutsche Veilchen in duftenden Massen um die ©arten- gängc wucherte. Mit dem feinsten Geschmack war beim Aushauen der Pflanzung um das ganze große Gehöft eine parkähnliche Waldkulifse stehen gelassen, und vom Giebel des Hauses blickten die Atoci vom Hausherrn selbst geschnitzten niedersächsischen Pferdeköpfe auf den grünen Rasen, das bunte Blumenparterre und das Getriebe bei den Wirtschaftsgebäuden herab.
Wenn die Sonne sinkt, kleidet sich die afrikanische Wald-, Gras- und Berglandschaft mit ihren weiten Fernblicken und ihrem mannigfaltig wechselnden Degetationsbild in Schatten und Farbtöne, die wunderbar schön, aber schwer zu beschreiben sind. Ich habe lange darüber nachgedacht, was das Besondere, von Europa Unterschiedene dabei ist, und ich glaube, das Eigentümliche der afrikanischen Tönung darin gefunden zu haben, daß hier im Laub des Waldes e i n geheimes Schwarz mitspielt. Das gibt die fremde Dominante im Licht- und Schattenwechsel. Eigentlich kein Wunder — dies ist der schwarze Erdteil und das Land der schwarzen Rasse. Der weiße Mensch wandelt durch seine Arbeit das Produktionsbild Afrikas: der geheimnisvolle Unterton der afrikanischen Landschaft aber wird bleiben.
Daten für Montag, 24. Inti.
1864: Der Dichter Frank Wedekind in Hannover geb. (gest. 1918). — 1908: Der Maler Walter Lei- stikow in Berlin gest. (geb. 1865). — 1920: Schriftsteller Ludwig Ganghofer in Tegernsee gest. (geb. 1855).
große deutsche Theaterwoche veranstaltet mit dem Ziel, die breitesten Volksschichten für das Theater zu gewinnen. In dieser Theaterwoche solle eine ganz intensive Erziehungs- und Aufklärungs arbeit erfolgen. Es werden Schüler-Besucherorganisationen geschaffen werden mit dem Ziel, daß jeder Schüler in Deutschland das Theater besuchen kann. Der Preußische Theaterausschuß werde sich mit besonderem Nachdruck der deutschen Grenzthea- ter annehmen. Staatskommissar Hinkel äußerte sich auch über die Frankfurter Römerberg-Freilichtspiele. Er erklärte, daß der Römerberg wohl als das vorbildlichste Freilichttheater Deutschlands anzusehen sei. Der Staatskommissar ging auch auf die Pläne ein, die zu einer weiteren Verbreitung des Frei- lichtspielaedankens gefaßt seien. Sämtliche Freilichtbühnen seien in einem Reichsverband zusammengesetzt worden, der unter der Leitung des Reichspropagandaministers stehe. Als Ziel verfolge man an möglichst zahlreichen Orten Freilichtbühnen ins Leben zu rufen, die das Gedankengut der einzelnen Landschaften und Orte pflegen sollten durch An führung von Stücken, die der Tradition des betreffenden Ortes entsprungen seien. In diesen Rahmen der Freilichtspielbewegung seien auch die Laien- spielscharen usw. eingereiht, die in einer Mittelftelle für Volkstumsarbeit zusammengesetzt seien.
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(Erzählt von Karl Lerbs.
Die Fiale.
Quantz, der große Flötenspieler, der durch die Erfindung des „Aus- und Einschiebekopfes" der Flötenmufik die rechte irdische Temperatur gab, hatte mit Friedrich dem Großen einmal einen schweren Aerger. Der König spielte auf einer Abendgesellschaft ein von Quantz komponiertes Solo — aber niemand spendete Beifall, denn es klang nicht gut. „Er hat mir eine verstimmte Flöte gegeben", knurrte der König. „Wenn die Großen dieser Welt", versetzte der erboste Musikus, „die Wahrheit vertragen könnten, so würden Ew. Majestät wissen, daß man eine Flöte nicht in der Hand warm werden lassen darf." — „Das ist nicht wahr!" sagte der König und ging wütend ab.
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