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22.6.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. f^3 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffeni Donnerstag, 22 Jun! p-33

Amema enwmi Europa.

Don Otto Eorbach

Die öffentliche Meinung, die Volksvertretung und die leitenden Staatsmänner in den Vereinigten Staaten suchten sich nach dem großen Krieae a u f s ich f e l b ft zurückzuziehen, um iede un­mittelbare und tatkräftige Anteilnahme an außer- amerikanischen Angelegenheiten abzulehnen, solange nicht bestimmte Voraussetzungen für ihre Mitwir­kung erfüllt waren Eine solche Haltung nahm man dem Fernen Osten gegenüber weniger frei­willig als unfreiwillig, aber Europa gegenüber bewußt ein; denn man wollte gerade deswegen innerhalb des atlantischen Kultur- kreises ohne eigene Mitverantwortlichkeit ein säuerndes Kräftegleichgewicht sich wiederherstellen lassen, um sich desto freier a I s pazisische Macht regen und rechtzeitig in die sich anbah­nenden bedeutsamen Enticheidungen in den zu­kunftsreichen fernöstlichen Randländern des Pazi­fik eingreifen zu können. Man bedachte dabei nicht, daß Amerikas Beteiligung am Weltkriege für feine traditionelle Bedeutung als eineneue" Welt einen Sündenfall barstellte, der sich nicht wieder­gut machen liefe, weil er die Geschicke des Vol­kes der Vereinigten Staaten dauernd an die feiner Stammländer kettete

Gewiß hatte den maßgebenden Kreisen in Den Vereinigten Staaten bei ihrer Politik während des großen Krieges nichts ferner gelegen, als irgend etwas zu unternehmen, was sie dauernd in die Händel deralten" Welt verwickeln mußte. Sie wollten im Gegenteil von dieser erst recht u n abhängig werden, sich aber dennoch ihre Oe- solgschast für künftige weltpolitische Verwicklungen im Fernen Osten sichern Hartnäckig schloß das Yankeetum die Augen gegenüber allen Anzeichen, daß sich ein mit seinem weltumfassenden Inter- essen zu vereinbarendes dauerhastes Verhältnis zu Europa nicht ohne eine immer engere machtpoli- tische Verflechtung zwischenneuer" undal­ter" Welt erzielen lasse Wohl mußten die eure- päischen Staatsmänner zunächst wohl oder übel versuchen, ohne amerikanische unmittelbare Mit­wirkung mit der Verwirrung, in die der große Krieg alte internationalen Beziehungen gestürzt hatte, fertig zu werden, aber früher oder später mußte die Donquichotterie, womit die amerikanische Nachkrieasdiplomatie jahrelang weltpolitische und weltwirtschaftliche Schwierigkeiten mit aufgeroärm- ten kosmopolitischen Ideen aus dem achtzehnten Jahrhundert zu überwinden suchte, im eigenen Lande zu einer Wirtschastskatastrophe führen, wie sie der Börsenkrach im Winter 1929 einleitete

Außerordentlich langsam besannen sich die süh- renben Kreise in der Union auf ihre neuen Be­ziehungen zur Außenwelt, aber noch immer ist der schmerzhafte Prozeß ihrer Heilung von einem über­lebtenIsolationismus" nicht beendet Präsident Roosevelt hatte sein Amt mit dem reumütigen Bekenntnis angetreten, daß die Union der übrigen Welt mit dem bösen Beispiel einesnationalen Wirtschaftsegoismus" oorangegangen fei und nun die moralische Pflicht habe, auch mit der Rückkehr äh weltwirtschaftlicher Vernunft, zu dem Prinzip desLeben und Lebenlassens" den Anfang zu machen Und doch erleben wir augenblicklich unter seiner Verwaltung auss neue wahre Orgien wirtschaftspolitischer nationaler Selbstsucht, die den auffeimenben guten Willen zu ersprießlicher internationaler Zusammenarbeit zu ersticken drohen Man bars sich aber nicht barüber täuschen, baß es sich hierbei mehr um eine schein- bare als eine wirkliche Reaktion gegen ben vom Präsibenten Roosevelt bekundeten Willen zur Preis­gabe des alten starren isolatvnistischen Systems handelt, daß das Inflationsgeieß. die Farmbill und der Rational Recovery Act, durch den die Grund­lagen für eine weitgehende Kartellierung der ame rikanischen Industrie und für ein Riesenprogramm der Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft ge­schasst wurden, zwangsläufig die notwendi­gen Voraussetzungen für eine großzügige weltwirtschaftliche Initiative, besonders in der Rich­tung auf Europa, herbeisühren werden, mögen diese Maßnahmen auch mit noch so krampfhaften Bemühungen verknüpft lein, damit zur traditionel­len alten Isolierung zurückzukehren Die wahrhaft revolutionären Vorgänge im amerikanischen Wirt­schaftsleben werden im Auslande aus ähnlichen Ur fachen falsch beurteilt, wie die entsprechenden Vor­gänge im neuen Deutschland In Wirklichkeit ist ein neues Gemeinschaftsgefühl der abendländischen Kulturmenschheit in der Bildung begriffen, das sich naturgemäß in erster Linie innerhalb der einzelnen Volks­gemeinschaften ausdrücken muß, wobei die notwendige scharf ausgeprägte Gegensätzlichkeit zu allen überkommenen internationalen Ideologien leicht den salschen Eindruck erweckt, als handle es sich um eine gegen internationale Verständigung überhaupt gerichtete Bewegung

Die Psychologie des Amerikaners, der Damals ben Atlantik überquerte, um an ber Seite der Alliierten" für dieZivilisation" zu kämpfen, am Kriege zur Ueberroinbung des Krieges" teilzu- nehmen, dieWelt reis für die Demokratie" zu machen, war nicht sehr verschieden von der Psycholo­gie europäischerKonquistadoren", die die Länder derneuen" Weltentdeckten" Entdecken und Er­obern waren Damals fast gleichartige 'Begriffe Ein Entdeckerkam sah und siegte , denn die Wilden" bei denen es sich in Wirklichkeit zum Teil um hochentwickelte alte Kulturvölker handelte, hatten der europäischen Kriegstechnik, so unvoll­kommen sie Damals auch war, nichts gleichartiges gegenüberzustellen. Der europäische Einwanderer hatte es bei Der Entwicklung eigener Staatswesen in ber neuen Welt unb ber Ausbreitung feiner Herrschaft fast nur mit bem Widerstanbe von Farbigen und Mischlingen zu tun, sobald Die Kriege zwischen europäischen Mächten aufhörten, auf ame­rikanischem Boden mit ausgekochten zu werben, und viel von dem Bewußtsein göttergleicher Er­habenheit, das sich im Yankee gegenüber allem nicht als ebenbürtig anerkannten Volkstum aus amerikanischer Erbe entwickelte, ging mit über in feinen diplomatischen Verkehr mit europäischen wie asiatischen Ländern. So kam es, daß man nach dem großen Kriege Die erzielte materielle Ueberlegen- Seit über diealte" Welt ohne große Anstrengun­gen in eine politische unb kulturelle glaubte um- münzen zu können Durch bittere Enttäuschungen ist man aber inzwischen darüber belehrt worben, daß sich mit reiner ..Dollar-Diplomatie" auf bem alten geschichtlichen Boden Europas wenig errei­chen, Dafe sich dort nicht wie in manchen lateiname­rikanischen Ländern geldwirtschaftliche Abhängig­keit ohne weiteres in politische umroanbeln läßt.

ztmerita in durch Die Rachknegsentwicktung all­mählich in Die Zwangslage versetzt worden, D i e europäische Wirklichkeit zu entdecken, um sich mit ihr auseinanderzusetzen Das Rach- kriegseuropa wurde von Amerika mit geschaffen unb kann nur unter seiner bauernben Mitarbeit unb Mitverantwortlichkeit fortbestehen Ohne Ame­rikas wohlwollende Neutralität unb unbegrenzte Krebitsähigkeit zugunsten ber Gegner Der Mittel­mächte hätte Der große Krieg wahrscheinlich kein Jahr bauern können, er wäre Europa als Gesamt­heit bann entsprechen!)billiger" zu stehen ge­kommen, so baß bie aus ihm entstehenben Schul- benprobleme von ihm allein hätten gelöst werben können Finanzpolitisch würbe Amerika ja gcrabe burch bieje Sachlage gezwungen, bie Neu- tralitätsmasfe fallen zu lassen unb mit Waffenge­walt in ben Krieg einzugreifen, weil bie Den Al­liierten gewährten Kredite die Niederlage Deutsch­lands als Sicherheit oorausfetzten Nun trafen aber, als man Deutschland zu einer Kolonie für Das Finanzkapital Der Sicgerftaaten gemacht hatte, für ein ersprießliches Funktionieren Des neuen Tributsystems alle Die Voraussetzungen nicht zu, die in Der Vergangenheit Die SchulDsklaoerei far­biger Völker für ben Ausfuhrinbustrialismus ka- pitaliftif^er Staaten fruchtbar gestalteten, inbem

sie sie mit billigen Rohstossen oerforgten. Auf Dem Weltmarkt Der Nachkriegszeit enlftanD ralch ein Ueberangebot an Rohstoffen wie Fertigwaren, so daß Deutschland wie alle stark verschuldeten Staa­ten nur durch immer neue auswärtige Anleihen zahlungsfähig erhalten werden konnte Der Welt- glaubigcr Ameriki mußte dem schlechten Gelde. das er in Europa stecken hatte, immer mehr gutes nach­werfen und sich fchliefelich Rechenschaft darüber zu geben beginnen, daß er, um sich am Weltkriege nicht zum eigenen ocfeaDen beteiligt zu haben, bie wirtschaftliche Erholung ber Besieg­ten zu seiner eigenen o a d) e machen sollte

Europa braucht Amerika, um seine Krise zu über­winden, aber Amerika braucht s a st noch dringender Europa, um sein verlorenes in­neres Gleichgewicht wiederherzustcllen unb ben ihm vom Fernen Osten her brohenben Gefahren bie otirn bieten zu können. Es ist babei, das ihm völlig entfremdete Europa zu entdecken und kann Dabei nur bie alte Heimat feiner weißen Herrenrasse mieberfinben, in Der Die Quellen seiner Kraft lie­gen Die Vernunft für eine neue gerechte Regelung europäisch-amerikanischer Beziehungen ist auch in Amerika auf Dem Marsche, mag sie auch hüben wie | Drüben noch einen weiten Weg zurückzulegen haben.

9er Staatsbesuch des Königs vom Zrak in London.

Die Fahrt in Der Galakutsche zum Buckingham-Palast. Im Fond des Wagens links König Feisal, rechts König Georg. Auf den Rücksitzen der Prinz von Wales (links) unb fein Bruber, ber Herzog von York.

3m deutschen Kaffeeland am Kilimandscharo

Don Or. Paul Rohrbach

Boloti-Pslanzung, Ende Mai 33.

Bor mir liegt der Prospekt einer deutschen Jtaffeefirma, in dem der edle Kaffee angepriesen wird, .der in der englischen Kolonie Kenya am Fuß des Kilimandscharo" wächst Dies Durcheinander ist typisch für die Der- kehrten Borstellungen, die, noch kein halbes Men­schenalter nach dem Derlust unserer Kolonien, i m heutigen Deutschland über unseren alten asrikanifchen Besitz im Schwange gehen. 'Der Kili­mandscharo liegt nicht im englischen Kenya-Ge­biet, sondern im einstigen Deutsch-Ost- a f r i k a , das die Engländer heute das Tan­ga n y i k a - Territorium nennen. Bis zum Frie­densdiktat lernte es jedes deutsche Schulkind, daß der Kilimandscharo mit seinen 6000 Metern, seiner mächtigen Schneehaube und seinen Gletschern - er liegt saft unter dem Aequator - der höchste Berg aus deutschem Boden fei. Und da erlebt man, daß ein so edles, hochwertiges Produkt deutscher Arbeit am Fuß dieses Bergriesen a 1 s englische Ware in die Welt hinausgerufen wird!

Seit einigen Lagen bewege ich mich unter Den deutschen Kasfeepslanzem, die dem Areal nach ein Drittel, dem Werte und der Gute ihres Kaffees nach erheblich mehr von dem Erzeugnis der hiesigen Plantagen auf ihr Konto buchen können. Im Ansangsstadium unserer ostasrika- nischen Wirtschaft glaubte man, der verwitterte Gneis von Usambara sei der beste Kaffeeboden. Dann überzeugte man sich, daß der vulkanische Boden am Kilimandscharo und Meru weit besser ist. Bis zum Kriege umgab schon ein breitet Gürtel von Kaffeepflanzungen den Fuß der beiden Berge. 3m Friedensschluß wurde auch hier alles restlos den deutschen Be­sitzern geraubt. Seit sieben Jahren sind die Deutschen wiedergekommen und haben teils alte deutsche Pflanzungen zurückgekauft, teils neue angelegt. Bor einigen Jahren noch gab es glänzende Preise und guten Verdienst. Dann setzte die große Krise ein, und gegenwärtig ist es kaum noch möglich, Unkosten und Zinsen her­auszuwirtschaften, denn nur wenige Pflanzungen konnten ganz mit eigenem Kapital ohne fremdes Geld gegründet und zum Ertrag gebracht werden.

Wie in Tanga unb Nieber-Usambara burch Sisal- Hanf, so fährt man am Kilimandscharo ringsum durch Kaffee. Die Lava- unb Tufsbecke, bie Der Krater Des Kilimanbfcharo ringsum über ein Ge­biet fast so groß wie Holstein ergossen hat, ist bis in große Tiefe zu einer fruchtbaren Dunkelbraunen Erbe verwittert. Ganz oben, jinter Dem Schnee­gipfel, liegen weite Stein- unb Schlackenfelder, Dann folgt abwärts eine eigentümliche Vegetation von baumartiger Erika unb ähnlichen Gewächsen, unb bann bie Urwalbzone. Der untere Teil bes Urroalbgelänbes, etwa in der Höhenlage zwischen 1000 bis 1600 Meter, ist ber eigentliche Kaffeeboden.

Aehnlich steht es beim kleineren Bruder des Kili­mandscharo, bem Meru. Man hat ben Walb fort- geschlagen, ben Boben gereinigt unb bie Kaffee- bäumchen eingepflanzt. Vom brüten Jahr ab tragen sie volle Frucht, ein bis anberthald Pfunb pro

Baum. Es sinb rote Kirschen mit süßem Fleisch, in jeber sitzen zwei Bohnen, beren Herauspräparie- rung aus ben oerschiebenen Hüllen eine ziemlich schwierige Sache ist. Man läßt bie Bäumchen nicht hoher als etwa mannshoch wachsen, bamit man sie bequem abernten kann. Eigentliche Großpflanzun- gen gibt es nicht Die meisten sinb zwischen 40 unb 100 Hektar groß. Vom Hektar kommen normaler- weise zwolfhundert bis fiinfzehnhunbert Pfunb Kaffee, in besonders günstigen Jahren auch bas Doppelte, unb selbst noch mehr Damit ist bei nicht gar zu schlechter Preisen eine behagliche Existenz (keine luxuriöse Lebensführung!) gesichert.

Ich habe viele Saffeelänber besucht: bie brasiliani­schen Kafseestaaten, Mittelamerika, Mexiko, Java, aber nach meiner Erfahrung gibt es auf ber ganzen Welt nur einen einzigen Kaffee, ber sich mit bem vorn Kilimanbfcharo messen kann, unb bas ist Der von Costa Rica, bem kleinen mittel- amerikanischen Staat, bicht an ber ßanbenge von Panama Aus Den großen Kaffeeauktionen wirb er mit einigen Pfennigen pro Pfunb höher bewertet, als Der aus Den hiesigen Pflanzungsgebieten. Leiber, unb bas mag ein Anlaß zu jener verkehrten Reklame fein, von ber ich oben sprach, geht ber Kilimanbscharokaffee sämtlich nach Lonbon unb wirb dort von Den englischen Kaffeeimporteuren als Kenyakaffee, zusammen mit Dem wirklichen KenyaproDukt. klassifiziert. Erst über Lonbon kommt er nach Deutschland, jo baß ber englische Zwijchen- hänbler seinen Verbienst vorwegnimmt. Die Bohne ist jo edel unb zugleich so kräftig, baß man sie in Deutschland meist nur zu Mischungen verwendet. Ihr Geschmack im Aufguß hat eine leichte, feine Säure, wie sie Dem echten süDarabischen Kaffee eig­net Der wirkliche Kenner schätzt diese Eigentümlich­keit besonders, wenn man nicht an sie gewöhnt ist, befremdet sie zuerst etwas.

Es wäre nichts weiter nötig, als daß sich eine oder einige Firmen imdeutschenKaffee- großhandel dazu verstehen, die hiesigen deutschen Pflanzer für ihre Ernte zu be­vor s ch u s s e n. Englische Unternehmer tun das, aber sie verlangen dafür restlose Ablieferung der Ernte. Natürlich müßte erst eine Zwischenstelle geschaffen werden, um durch die Bevorschussung den direkten Export des Kilimandscharokafsees nach Deutschland zu sichern. Der Fortfall des hohen Dermittlungsrerdienstes der Londoner 3mpor- teure und Erorteure würde den schwer kämpfenden deutschen Pflanzern einen merklich besse­ren Preis sichern. Sollte es im neuen Deutsch­land nicht möglich fein, den Landsleuten in Afrika diese Hilfe zu leisten?

Es ist ein Vergnügen, durch solch eine sauber gehaltene und bewirtschaftete Pflanzung zu gehen und sich vom Besitzer die Kultur erklären zu lassen. Soviel Liebe und persönliche Pflege, mit Schneiden, Säubern, Hacken, Bewässern bringt überhaupt nur ein Deutscher auf. Kein Engländer ist als Kaffeepflanzer in diesem Etil denkbar. Immer fühle ich mich hier an den Stolz und das Selbstgefühl erinnert, mit dem der deutsche Gutsbesitzer und Bauer den Gast durch sein Weizenfeld, seine Rübenpflanzung, seinen

Kleeschlag sühri und ihm zeigt: DaS habe ich mit meiner Hände Arbeit aus dem Boden der mir gehört, mit Gottes Hilfe herauSgeboltl Ob Kaffeepslanzer in Afrika, ob Bauer in der Hei­mat wo der Deutsche ein Stück Boden sein eigen nennt, d a nimmt er es in treue Hände. Zu jedem Baum, zu jedem Halm bat er ein eigenes Verhältnis, liebt ihn und betreut ihn. Kein Romane, kein Slawe, kein Angelsachse macht ihm dies nach. Darum kann auch niemand soviel Investierungs- und Betriebskapital durch Arbeit und Pflege ersetzen, wie der Deutsche.

Man lebt bescheiden auf den Pflanzungen, Al­kohol und selbst Tabak sind wegen der Schwere der Zeit zu seltenen Genüssen geworden. Man­cher Pflanzer, der seinen Gästen noch eine Flasche Bier oder einen Whisky-Soda vorsetzen könnte, tut es darum nicht, weil er sich sagt: Mein Nach­bar ist dazu nicht imstande, und er würde auf« hören, mich zu besuchen, weil er meine Bewirtung nicht erwidern kann! Aber Mut und Hofs« nun<g bei den deutschen Pflanzern sind noch ungebrochen. Des Abends, in der schönsten Stunde Afrikas, wenn die Sonne sich gegen den Horizont neigt, wenn man den Tropenhelm ab« setzen kann, wenn der Schneegipfel des Kilimand­scharo auf einen kurzen Augenblick in Rosenfarbe und Gold erglüht und die Blicke des Gastes aus Deutschland wie bezaubert an ihm hängen, ringt sich die Frage von den Lippen des deutschen Afri­kaners: Wann holt Deutschland uns heim? Und dieselbe Frage geht unter den Schwarzen um: Wird der Bana Hitler unS wie­der deutsch machen? Dann sühle ich es: Dieser Boden. Der soviel deutschen Schweiß und deut­sches Blut getrunken, soviel deutsche Arbeit und deutsches Heldentum gesehen hat er kann nicht, er darf nicht den Fremden dienstbar werden, die ihn nur mit falscher Ware und Handel an sich gebracht haben.

Oberbeffen.

Landkreis Wicficn.

00 Klein-Linden, 21. Juni. Am Montag­abend versammelten sich auf Einladung ber hiesigen Schulleitung bie Vertreter von SS., SA., Hitler- jugenb, BDM., bie Vorsitzenden der örtlichen Ver­eine, die Vertreter der Gemeinde unb ber Schule, um gemeinsam über bie A u s g e st a 11 u n g ber Sonnenroenbfeier unb bes Jugenb- tages zu beraten. Die Schule nimmt ihre Feier am Vormittag vor, als Festplatz wird ber Sport­platz vorgeschlagen. Iebem Kinb stiftet bie (9c- meinbe eine Brezel. Die gemeinsame Feier am Abenb wirb ebenfalls auf bem Sportplatz statt- finben.

<D Lich, 20. Juni. Der Verein für Rasen- spiele befaßte sich in einer außerorbentlichen gut besuchten Mitgliederversammlung in seinem Ver­einslokal von Ludwig Vogt mit ber von ber Sport- behörbe angeorbneten Gleichschaltung. Der seit­herige erste Vorsitzende Adolf R a m m I i n g sprach über die Erfolge und die Bedeutung der nationalen Revolution und über die Neuorganisationen in den Vereinen Das gemeinsam gelungene Deutschland- lieb unb bas Horst-Wessel-Lieb beschlossen bie von hoher Baterlanbsliebe getragenen Ausführungen bes Rebners. Nachbem Der gesamte VorstanD seine Aemter niebergelegt hatte, rourDe Paul Kunze als Versammlungsleiter bestimmt. Mit Stimmen­mehrheit würbe ber seitherige erste Vorsitzenbe Aböls R a m m l i ng zum Vereinsführer gewählt. Der neue Führer bankte für bas ihm entgegenge­brachte Vertrauen unb ernannte folgenbe Mitglie- ber zu Mitarbeitern: Paul Kunze zum Wehr- sportwart, ferner ben seitherigen zweiten Vorsitzen- ben Karl Kurz zum zweiten Führer unb ben seit­herigen Rechner Philipp Naumann zum ersten Kassenwart Die Rechnung bes letzteren war zu Be­ginn ber Versammlung geprüft unb für richtig be- funben worben Die Kassenoerhältnisse bes Vereins zeigen einen sehr günstigen Stanb.

Mreie Büdingen.

?" Nidda, 21.3uni- 3n den vergangenen Wochen wurde die angeordnete Gleichschal­tung der Gesangvereine im Gau Niddatal" durchgeführt. Sie vollzog sich überall reibungslos, so daß die Harmonie inner- . halb der Vereine nicht gestört, die Treue zum Hessischen Sängerbund nie ins Wanken geriet Die herausgegebenen Richtlinien erfuhren nach­träglich insofern eine Abschwächung, als für den Vereinsvorsihenden nicht mehr unbedingt die Mit­gliedschaft zur NSDAP, verlangt wird, sondern lediglich eine einwandfreie nationalsozialistische Gesinnung. Für den durch Tod ausgeschiedenen Beisitzer Louis S ü ß e l, Schotten, wurde Ver­waltungsinspektor Adebar, Schotten, in ben Gauvorstand berufen, der sich nun wie folgt zusammenseht: 1. Gauvorsitzender 3 Diehl, Ober-Schmitten; 2- Vorsitzender Lehrer i. R. Lentz, Geiß-Nidda; Schriftführer Stadtrechner 3 m r i ch , Nidda; Kassenwart Heinrich Lind, Geiß-Nidda; Beisitzer Otto Lenz, Wallern­hausen, und Derwaltungsinspektor Weber, Schotten: 1. Gauchormeister Lehrer Kaiser, Wallernhausen; 2- Gauchormeister Lehrer W o l s, Llnter-Schmitten.

Kreis Schotten.

1. Rainrod, 20. 3unt Unter starker Be­teiligung sand hier der Bezirkstag des Bezirkes Vogelsberg der .Hassia" statt, der durch den Dezirksvorsteher Scriba eröff­net wurde. Don den angeschlossenen Vereinen wa­ren bis auf zwei alle vertreten. Als wesentlicher Punkt stand die Gleichschaltung aus der Tages­ordnung. Der Bezirkst orsihenk^ gab die dement­sprechenden Richtlinien des Verbandes bekannt. Der Vorstand legte seine Aemter nieder. Der bis­herige Vorsitzende beauftragte den zweiten Vor­sitzenden Straub als Versammlungsleiter. Bürgermeister Decher t (Rainrod) hielt sodann eine längere Ansprache, wies auf die Bestimmun­gen der Gleichschaltung hin und stellte den An­trag zur Wiederwahl des bisherigen Dorsihen- den. Diese Wahl wurde einstimmig gutgeheißen. Der bisherige Dorsihende nahm das Amt wieder an. Der Führer des Bezirks nahm hierauf die Ernennung der übrigen Vorstandsmitglieder vor. Bürgermeister Dechert wurde 2. Vorsitzender, Kamerad Straub (Rudingshain) Schriftführer, Förster Strauch (Kaulstoß), 2. Schriftführer; der Rechner soll später ernannt werden. 3m weiteren Verlauf der Versammlung gab der Vorsitzende bekannt, daß die Hassia«3ugend der SA., bzw. der Hitler-3ugend eingegliebert worden sei. Jo­hannes Stein (Breungeshain) erhielt in An­betracht seiner 50jährigen Mitgliedschaft das Dor«