Aus der Provinzialhauptstadt.
„Schlageten-Erstaufführung im Gießener Stadttheater.
Aus dem Stadttheaterbureau wird ungeschrieben:
Myrgen abend letzte Vorstellung im Dienstag- Abonnement. Kein Theaterabend von alltäglicher Bedeutung, oder ein üblicher Premierenabend, sondern unter Intendant Dr- P r a s ch s Spielleitung die Erstaufführung der deutschen Tragödie „Schlagcter" von Hanns Iohst Ein gutes Geschick hat dem deutschen Theater in den Tagen der nationalen Erneuerung eine dramatische Dichtung in die Hand gegeben, die eS dem Theater ermöglicht, dem neuen Geist deS deutschen Dolles auch von der Dühne aus zu dienen. Hanns Iohsts Schauspiel „Schlageter". nicht für den Augenblick geschrieben, sondern langsam gewachsen aus dichterischem Zwang und vollendet zu einem Zeitpunkt, als noch keinerlei Gewißheit bestand, ob sich viele deutsche Bühnen an die Darstellung diese« gefährlich-revolutionären Werks würden wagen wollen, ist nun zum dichterischen Symbol der Zeit geworden. Iohst kommt cs daraus an, die innere Entscheidung des deutschen Menschen Leo Schlageter darzustellen, und damit deckt sein Drama die seelischen Grundlagen auf. aus denen die deutsche Erneuerungsbewegung auswuchs und in jenen Tagen durch eine entscheidende Prüfung ging. Für die Tragödie Albert Leo Schlageters wurde der passive Widerstand der dunkle Hintergrund, vor dem seine Tat und sein Opfertod zum Fanal deutscher Freiheit emporloderte. Sein Blutopser wurde zur Saat neuer Zukunft: Die Jungen stehen zu ihm, nicht weil er der letzte Soldat des Weltkrieges, sondern weil er der e r st e Soldat des Dritten Reiches ist. Die Titelrolle spielt Jochem Hauer- 3n der Rolle der Frau Professor Thiemann Frau Auguste Prasch-Grevcnberg, EhrenmitAlied des Meininger Landestheaters als Gast. Schlageters Bursche Peter Ludwig L i n k m a n n als Gast. Oberspiel'.eiter Peter F a s s o t t spielt die Rolle des Generals. Gewöhnliche Preise. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.
Infolge der Despielung des Kurtheaters Bad- Rauheim wird die Mittwoch-Abonnements-Dor- stellung auf Samstag, 27. Mai, verlegt.
Warnung vor Preissteigerungen!
Meldungen über bereits erfolgte oder beabsichtigte Preiserhöhungen in den verschiedensten Geschäftszweigen veranlassen die Industrie- und Handelskammer Frankfurt c. M./Hanau, alle Wirtschaftskrise eindringlichst aus die Bekanntmachung des Reichskommissars für die Wirtschaft, Dr. W a g e n e r, und des Reichskommissars für Preisüberwachung hinzuweisen und vor der Erzwingung einer künstlichen Preissteigerung durch Ausnutzung wirtschaftlicher oder politischer Machtstellungen nachdrücklichst zu warnen. Die Kammer wendet sich hierbei insbesondere an die Firmen der von ihr vertretenen Wirtschaftsgruppen des Einzelhandels, des Großhandels und der Industrie, sowie an deren wirtschaftspolitische Derbände. Es geht nicht an, daß gewisse Wirtschaftskreise in Umkehrung des nationalsozialistischen Grundsatzes .Gemeinnutz geht vor Eigennutz" die egoistischen Prinzipien der Wirtschastspartei unseligen Angedenkens wieder auferstehen lassen und Die Zeit der nationalen und sozialen Erhebung zu ihrem persönlichen Dorteil auszunutzen suchen. Bei unbedingter Würdigung der Lebensrechte aller Bcrussstände und voller Anerkennung der Rotwendigkeit einer gerechten Preisbildung wird die Kammer gegen Preissteigerungen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln einschreitcn. Darüber hinaus ist die Kammer entschlossen, nötigenfalls den Einsatz schärfster staatlicher Maßnahmen zu erbitten. In gleicher Weise wird die Kammer gegen Dertreter, Agenten usw. vorgehen, die durch Ausstreuung von Gerüchten über geplante Preiserhöhungen ihr Ge- schäst beleben wollen und damit Beunruhigung in die Bevölkerung tragen.
Oie Kriegsopferoersorgung der Hassia.
Don dem Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen in der Kriegerkameradschaft Hassia wird uns geschrieben:
In bezug aus die Tätigkeit des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen der Kriegerkameradschaft Hassia * Darmstadt, der dem Kysfh useroerband der Kb.u. Kh. als Landesgruppe Hessen angcschlossen ist, liegt Veranlassung vor, mitzuteilen, daß der Deutsche Reichskriegerbund Kqff- häuser, mit ihm die Kriegerkameradschaft Hassia, sich seinem Wesen entsprechend zum neuen Deutschland bekennt. In dem Kampf für Ehre, Freiheit und Größe des Vaterlandes fühlt sich der Kyffhäufer- bund und mit ihm die Hassia schon immer mit der nationalen und nationalsozialistischen Bewegung, dem jungen Träger soldatischen Kampsgeistes, auf das engste verbunden. Der Deutsche Reichskrieger- bund ^yfshäuser hat sich aus diesem Grunde in allen seinen Aufgaben dem Neuschöpfer des Reiches, Reichskanzler Adolf Hitler, unterstellt.
Unter Bezugnahme auf die Kriegsopferoersorgung hat der Kyfshäuserverband der Kb. u. Kh., dem der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter, bliebenen der Hassia angehört, sich der n a t i o n a l sozialistischen Kriegsopferoersorgung angeschlossen. Hierdurch soll eine organisatorische Vereinheitlichung der Kb.- u. Kh.-Verbandc für die nächste Zeit erreicht werden. Der nationalsozialiin- schen Kriegsopferoersorgung gehören als Abteilungen an der Nationalsozialistische Reichsverband, der Knffhäuseroerband, der Deutsche Offizierbund und die Kriegsblinden. Jede der genannten Abteilungen ist in der Bundesleitung durch ein Mitglied vertreten. Beim Zusammenschluß der national]o.3iali|h1d)en Kriegsopferoersorgung ist zum Ausdruck gebracht worden, daß die obengenannten Abteilungen, somit auch der Verband der Kb. u. Kh. der Krlegerkame- radschaft Hassia, in ihrer bisherigen Tätigkeit als e l b st ä n d i g anzusehen sind. In der letzten Zeit ist mehrfach in den Reihen der Kriegsopfer die Aus- sassuna zum Ausdruck gekommen, als ob die Krie- gerkameradschaft Hassia mit dem nationalsozmlistl- schen Rcichsvcrband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen verschmolzen sei und formt ihre bisherige Selbständigkeit aufgegeben habe.^Dles ist keineswegs der Fall. Es liegt nicht im «Sinne öer Reichsleitung der nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung, eine Agitation gegen den nationalen Kriegsopferoerband der Hassia zu entfalten und eine allgemeine Unruhe in die Reihen der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen zu tragen Der Verband der Kriegsbeschädigten uno Kriegerhinterbliebenen der Hassia wird, wie seicher.
in selbständiger Arbeit dem Wohle der Kriegsopfer dienen. Innerhalb der nationalsozialistischen Kriegs- opserversorgung soll ausdrücklich völlige Gleichberechtigung ber' obengenannten Abteilungen gewahrt bleiben. Dies bezieht sich auch darauf, daß die bis herigen Mitglieder des Reichsbundes, die nach ihrer Auflösung zum Kyffhäuserverbande und somit zur Hassia übertreten, denjenigen Reichsbundmitgliedern gegenüber, die zum nationalsozialistischen Reichsoer bande übertreten, nicht etwa benachteiligt werden.
Die Kriegerkameradschast Hassia wird auch im neuen Deutschland, wie bisher, getreu ihrer vaterländischen Vergangenheit in altbewährter Selbstän- digkeit und wahrer Volksgemeinschaft sich restlos für diejenigen einsetzen, die die größten Opfer für Volk und Vaterland gebracht haben.
Beschaffungen für den Arbeitsdienst.
Amtlich wird mitgeteilt: Das Wirtschastsamt der Reichsleitung für den Arbeitsdienst bittet, um auch der Wirtschaft unnötigen Zeit und Kostenaufwand zu ersparen, von Vertreterbesuchen, telephonischen und schriftlichen Angeboten jeder Art, ebenso wie von Einsendungen unangeforberler Bemusterungen ab- zusehen. Das Amt sicht sich zu seinem Bedauern gezwungen, eine Beantwortung allgemeiner Angebote und Anfragen, sowie die Annahme von Vertreter- befuchen bis auf weiteres einzustellen.
Aufträge irgendwelcher Art sind seitens des Wirtschaftsamtes nicht vergeben worden und auch vorläufig nicht zu erwarten.
Sobald die notwendigen Vorarbeiten abgeschlossen und ausreichende Grundlagen geschaffen worden sind, wird das Wirtschaftsamt die Oessentlichkeit durch Presse und Rundfunk rechtzeitig unterrichten.
An die Wirtschafts- und Berussverbände jeglicher Art ergeht die dringende Bitte, auch ihrerseits in diesem Sinne auf ihre Mitglieder einzuwirken.
Bornotizcn.
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Feldherrnhugel" und „Mein Freund der Millionär".
Daten für Montag, 22. Mai.
1813: Richard Wagner in Leipzig geboren; — 1848: der Maler Fritz von Uhde in Wolkenburg i Sa. geboren; — 1846: Einführung des Staate- bahnsiistems in Bayern; —1885: der Dichter Viktor Hugo in Paris gestorben.
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** Gottesdienst am Himmelfahrtstag auf dem Schiffenberg. Im vorigen Jahre sand zum erstenmal auf dem Schisfenberg am Himmelfahrtstag in der alten Klosterkirche ein Gottesdienst statt, um den vielen Ausslüglern am Himmel- sahrtstage Gelegenheit zu geben, inmitten der frühlingsprangenden Natur eine stille Feierstunde zu erleben. Da dieser Gottesdienst einen über Erwarten guten Besuch aufzuweisen hatte, soll auch in diesem Jahre ein solcher Gottesdienst gehalten werden. Er beginnt am Himmelfahrtstage um 8.30 Uhr. Für diejenigen, die den Autobus zur Fahrt nach dem Schisfenberg benutzen wollen, steht der Omnibus um 8 Uhr auf dem Ludwigsplatz bereit. Bei dem Gottesdienst wirken der Frauenchor Hausen und der Posaunenchor Watzenborn mit.
Reichsbeihilfen für Kraftbrosch, kenunternehmer. Wie das Dbz.-Büro meldet hat ber Reichsfinanzminister eine Verfügung erlassen, die bestimmt. Daß Kraftdroschkenunternehmern auf Antrag aus Mitteln des Reiches eine Beihilfe gezahlt wird. Die Verordnung ergeht auf Grund des Gesetzes über die Aende- rung des Kraftfahrsteuergesches, sie sieht Iahres- beihilfen von 640 Mark für den sogenannten Eigenwagenbetrieb und von 960 Mark in den Fällen vor, in denen der Unternehmer mehr als eine Kraftdroschke im Betrieb hält. Die genannten Summen sind Höchstbeträge und haben die Leistung einer gewissen Kilometerzahl zur Voraussetzung. Die Anträge müssen polizeilich bescheinigt sein. Das Finanzamt entscheidet über die Anträge. Die erste Abschlagszahlung auf Die Beihilfe ist für das Dierteljahr April/Juni 1933 zu gewähren.
Oer Hessische Sängerbund gleichgeschaltet.
WSR. D a r m st a d t, 20. Mai. Die vom Staatspräsidenten Dr. Werner mit der Gleichschaltung des Hessischen Sängerbundes Beauftragten, Kreisschulrat Adam Dorn, Kapellmeister Friedel Fischer und Musikoberlehrer Hubert Samper, hatten angenommen, daß der Gesamtvorstand des Hessischen Sängerbundes seine Aemterzur Der- f ü g u n g stellen würde. Da der Rücktritt freiwillig jedoch nicht erfolgte, wurde der gesamte Dorstand durch ein Schreiben an Ministerialrat Dr. Siegert seiner Aemtcr enthoben. Der vorläuf. geschäftss Bundesvorstand seht sich wie folgt zusammen: Brückmann, Offenbach, Bundesschatzmeister; Wilk. Darmstadt. Geschäfts- führet; W a l l i o t, Bingen. 1. Schriftführer; Wendler, Dad-Rauheim. 2. Schriftführer. Zu vorläufigen Provinzial-Dorsihendcn wurden ernannt: Brückmann, Offenbach, für Starkenburg; Wallior, Bingen, für Rheinhessen; Wendler, Dad-Rauhcim. für Ober- Hessen; Rüdiger, Wetzlar, für die preußischen Dereine; Bauer. Klcin-Wallstadt. für den Maintal-Sängerbund Die Gauvorsihenden bleiben vorläufig im Amt. Für den seitherigen Bundes- Vorsitzenden. Ministerialrat Dr. E i e g e r t. ist ein Amt im Dorstand vorgesehen- Etwa geplante Gau- und Dereinsveranstaltungen sollen durchgeführt werden.
Zn Schuhhast genommen.
WSR. Mainz. 20. Mai. Das Polizeiamt teilt mit: Der Rechtsanwalt Tschvrnicki, sowie die Gebrüder Lothar, Sigwart und Achim Friedmann muhten im Interesse ihrer eigenen Sicherheit in polizeiliches Gewahrsam genommen werden. Sie sind am Samstag in das Konzentrationslager Oftholcn verbracht worden, wo sie bis auf weiteres verbleiben.
EineDilla beraubt und in Brand gesteckt
WSR. Darmstadt. 20. Mai. In der vergangenen Rächt wurde in einer Dilla in Urberach eingebrochen. Den Tätern fielen Gobelins im Werte von 100 000 M k. in die Hände. Rach dem Einbruch steckten die Täter die D i 11 a in Brand. Der Besitzer der Villa, ein Fabrikant, befindet sich zur Zeit auf Reisen.
Kreis Alsfeld.
ss. Grebenau. 20. Mai. Die hiesige A r - beitsamtsneben stelle wurde nach Schwarz verlegt und in der Wohnung des Bürgermeisters Krug eingerichtet. - Lehrer Mink, der über vier Jahre hier wirkte, wurde mit Beginn des neuen Schuljahres nach Lauterbach verseht. Die hier srcigewordene Stelle wurde Lehrer Brunne übertragen.
ss. Eulersdorf. 20 Mal Nachdem schon vor einiger Zeit Reichskanzler Adolf Hitler durch einstimmigen Gcmeinderatsbeschluß zum Ehrenbürger von Eulersdorf ernannt worden ist. wurde nun auch eine Hitlereiche gepflanzt._____________________________________________
Sprech stunden ver Redaktion.
11.30 bl» 12.30 Ut)t. 16 bi» 17 Uhr Sonntag nachmittag geschlossen
Was erben wir?
Oie Ergebnisse der menschlichen Erblehre. — Oie Aufgaben der Hassenhygiene.
Don Or. Freiherr v. Derfchuer, Leiter der Abteilung für menschliche Grblebrc am Kaiser-DilhelmZnchtut für Anthropologie, Berlin.
Es sind erst 25 Jahre her, daß die Wissenschaft- liebe Forschung es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Vercrbungserscheinungen beim Menschen zu ergründen. Trotzdem verfugen wir heute schon über eine solche Fülle von Tatsachenmaterial, daß wir bereits für viele Eigenschaften des 'Menschen — kranke und gesunde, körperliche und geistige — die Bedeutung der erblichen Veranlagung kennen (zum tieferen Eindringen in diese Fragen sei der „Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene" von Baur-Fischer-Lenz, 2. Auslage, München 27, empfohlen).
Zwei grundlegende Begriffe aus der Vererbungs- wissenschaft seien hier erläutert: der Genotypus und der Phänotypus. Der Genotypus — wir können ihn auch gleichbedeutend Erbgut nennen — ut die Gesamtheit der erblichen Anlagen eines Menschen, die Gesamtheit der Kräfte, die in den Keimzellen schlummern, und die nach der Vereinigung von Ei- und Samenzelle durch fortgesetzte Zellteilung und Zclldiffcrenzierung zur Entwicklung eines Geschöpfes mit ganz bestimmten Eigenschaften führen. Der Genotypus besteht aus den einzelnen Erbanlagen, den Genen ober Iden, die einer bestimmten Ordnung in den Chromosomen (durch Färbung mit bestimm- ten chemischen Stoffen erkenntliche fadenförmige Teile des Zellkerns) lokalisiert finik
Der Phänotypus ist der Organismus, wie er in Erscheinung tritt mit all seinen Eigenschaften. Es sind zweierlei Kräfte, die den Phänotypus prägen: Erbanlagen und Umwelt. In wechselseitiger Beeinflussung — Hemmung oder Förderung der erblich angelegten Entwicklungsrichtung — bestimmen diese Kräfte die Gestaltung des Geschöpfes. Es sind stets zwei Anlagen — väterliche und mütter- liche — welche gemeinsam die erbliche Grundlage der Erbeigenschaften bilden. Je nach dem Verhalten der beiden Anlagen zueinander spricht man von dominantem ober rezessivem Erbgang. Ziehen wir zur Veranschaulichung des dominanten Erbgangs eine Krankheit heran, beispielsweise die Anlage der Krampfadern: sind beide Eltern frei davon, so sind auch sämtliche Kinder gesund. Ist einer der beiden Eltern krank, so ist im Durchschnitt die Hälfte der Kinder krank. Ein kranker Mensch hat stets mindestens einen kranken Elter und durchschnittlich je zur Hälfte kranke Geschwister und kranke Kinder.
Vollkommen andere Erscheinungen liegen bei dem rezessiven Erbgang vor. Als Beispiel betrauten wir hier eine bestimmte Form der Epilepsie: gesunde Eltern können kranke Kinder haben; sind beide Eltern krank, so haben sie ausschließlich kranke Kinder. Eltern und Kinder kranker Menschen sind äußerlich häufig gesund, doch tragen sie — durch die gesunde Anlage überdeckt — die krankhafte Erbanlage in ihrem Erbgefüge. Es kann also bei einer rezessiv erblichen Eigenschaft vorkommen, daß in einer Familie nur ein einzelner Eigenschaststräger anzutreffen ist. Bisher glaubte man, daß solch vereinzeltes Vorkommen einer Eigenschaft gegen ihre Erblichkeit spräche; heute aber wissen wir, daß diese Erscheinung sehr wohl mit der Tatsache der Vererbung vereinbar ist.
Während für viele Eigenschaften die erbliche Anlage ausschlaggebend ist, gibt es auch solche Eigenschaften, deren Ursachen in irgendwelchen äußeren Momenten liegen. Eine Infektionskrankheit beispielsweise kommt zustande, wenn ein Infektionserreger in den Körper Eingang findet. Anderseits wissen wir, daß nicht selten sich Infektionserreger in einem Körper aufhalten, ohne zu einer Erkrankung zu führen, und zwar dann, wenn den betreffenden Menschen eine bestimmte Anfälligkeit (Disposition) zu der Krankheit fehlt. — Und eben diese Disposition ist es, die — wie wir bezüglich mehrerer In- sektionskrankheiten wissen — durch die erbliche Veranlagung bedingt wird.
Ein ähnliches Bild ergibt sich für Krankheiten, die durch andere äußere Schädlichkeiten bedingt sind. Die Anfälligkeiten gegenüber Schädlichkeiten, deren Ursachen wir beispielsweise finden >n Mißbrauch von Genußstoffen, in gewerblichen G-s ten, in schlechten Wohnungsverhältnissen, in falscher Ernährung, in körperlicher oder geistiger Ueberan- ftrengung — ist ebenso verschieden wie die oben genannte Disposition zu Insektionskrankheiten, und sie ist ebenso bedingt durch Erbanlagen.
Es steht heute außer Zweifel, daß ebenso wie die körperlichen Eigenschasten auch viele geistige Begabungen und psychische Rc - aktionsweisen in erblichen Anlagen ihre Ursache haben. Familienuntersuchungen bei großen Musikern und Gelehrten beispielsweise liehen deutlichen Erbgang einer besonderen Begabung erkennen. Charakterliche Eigentümlichkeiten wie Reigung zu Zornausbrüchen, unwiderstehlicher Wank^rtrieb und dergleichen mehr geben sich in bestimmten Familien im Erbgang zu erkennen. Die Bedeutung der erblichen Deranla- gung wird in besonderer Weise beleuchtet durch die bekannte Liebereinstimmung von eineiigen also erbgleichen Zwillingen, selbst wenn sie in ganz verschiedenen Verhältnissen leben. Bei kriminellen Zwillingen zeigte sich, daß die erb- gleichen eineiigen Zwillinge saft immer die gleiche DerbrechenSart begehen, während bei zweieiigen, also erbungleichen ZwiUingen es häufig vor- kommt, daß nur der eine Zwilling eines Paares mit dem Strafgesetz in Konflikt kommt, während der andere in geordneten Verhältnissen lebt.
Diel umstritten ist die Frage nach der 33 ererb u n g .erworbener" Eigenschaften. Es ist nicht gelungen, irgendeinen einer wissenschaftlichen Kritik standhaltenden Beweis dafür zu erbringen, daß erworbene Eigenschaften sich vererben; wir müssen also diese in Laienkreiscn so vielfach vertretene Theorie ablehnen. Damit soll aber keineswegs gesagt sein, daß der Zustand des Organismus oder die Llmwelt. in der er lebt, für das Erbaut gleichgültig ist Vielmehr wissen wir, daß gelegentlich Erbändcrungcn Vorkommen. Ss ist beispielsweise gelungen, experimentell durch Röntgenstrahlen Erbändcrun- gen hervorzurufen. Wunschgemäße örbänberun» gen Hervorzurusen, wird allerdings wohl immer unmöglich bleiben. Wenn wir es also nicht in der Hand haben, unser Erbgut durch äußere Einwirkungen zu bereichern ober zu verbessern, so bleibt uns doch noch eine große und wundervolle Aufgabe: Sorge zu tragen für die Erhaltung unseres Erbgutes, seine Bewahrung vor Schädigung und seine bestmögliche Entfaltung!
Die menschliche Erbforschung hat schon zu mancherlei praktischen Auswirkungen geführt: für die Eheberatung ist die Kenntnis der erblichen Öteranlagung der Rachkommen von ganz grundlegender "Bebeutung; und es ist zu hoffen, bah mit zunehmendem Derantwortlichkeitsgefuhl des einzelnen die an vielen Orten schon eingerichteten Eheberatungsstellen in wachsendem Mähe in Anspruch genommen werben. Letztes Mittel Aur "Verhütung der Vererbung schwerer erblicher Krankheiten ist die k ü n st l i ch e LI n s r u ch t b a r- machung (Sterilisierung), deren gesetzliche Regelung in nächster Zeit zu erwarten ist. Weiterhin bietet die Vererbungswissenschaft für die Ermittlung der Vaterschaft wichtige Hilfsmittel.
Bewußte Pflege bet guten Erbanlagen ist von größter Bedeutung für die Zukunft unseres Volkes, eine Ausgabe, die sich die Eugenik (Rassenhygiene) gestellt hat. Inhalt der Aufgabe ist Ausschließung der krankhaften Erbanlagen, sowie Förderung und Llnterstützung der wertvollen Erbträger. Gelingt cs uns. in allen Gebieten unseres Lebens die Erfüllung dieser Ausgabe zu sinden. dann können wir mit Zuversicht der Zukunft unseres Volkes entgegensehen.
Buntes Allerlei.
Oie größteLautsprecheranlage derWelt.
Die große Lautsprecheranlage, die von der Telesunken-Gesellschast für die Feier der nationalen Arbeit auf dem Tempelhofer Feld in Berlin eingerichtet worden war. ist die größte derartige Anlage, die bisher überhaupt für eine Massenversammlung im Freien aufgestellt worden ist Die Liebertragung der auf dem Feld sich abspielenden Ereignisse erfolgte durch zehn Tele- sunken-Milrophone. Außerdem war durch eine direkte Leitung vom Funkhaus die Liebertragung der allgemeinen Funksendungen des Tages auf das Feld ermöglicht worden. Für die Verstärkung waren zehn Verstärkergruppen eingerichtet, die sämtlich durch besondere Stromzuleitung vom Retz gelpeist wurden. Bei der Verteilung der mehr als 120 Lautsprecher war sowohl daraus Rücksicht genommen, daß eine gleichmäßige und störungsfreie ^Übertragung auf das gesamte riesige Feld zustande kam. als auch durch Bildung bestimmter Lautsprechergruppen eine Sicherung für Auslälle»getroffen. Mehr als 15 Kilometer an Kabeln und Leitungen wurde für diese gewaltige Lautsprecheranlage verlegt. Für die Kontrolle der Arbeit und für die gesamte technische und ordnungsmäßige Llebcrwachung von Lleber- tragung und Aufmarsch wurde außerdem eine Fernsprechzentrale im Telefunkenzelt eingerichtet, durch die eine Reihe von Kontrollstellen auf dem Feld sowie mehrere Polizeistationen mit der Zentrale verbunden waren. Endlich war im Telefunkenzelt auch noch eine Reihe von Apparaten zur Aufnahme und Wiedergabe von Schallplatten ausgestellt. Reben dieser Riesenanlage in der Reichshauptstadt waren in zahlreichen anderen Großstädten des Reiches ähnliche Anlagen kleineren Llmfanges von Telefunken eingerichtet worden. Den Millionen endlich, die von ihrem Heim
aus diesen ersten Feiertag des Volkes miVerlebten, gaben ihre Empfangsanlagen in Verbindung mit ber musterhaften ^Übertragung und dem aus- gewählten Programm der deutschen Sender einen vollkommenen Eindruck dieser gewaltigen Versammlung.
Oie alte pfeife.
Kürzlich wurde in London ein Arzt, Dr I.T.Hill, nach seinen letztwilligen Bestimmungen mit ungewöhnlichen Grab-Beigaben beige,ept. In einer seiner Hände hielt er seine alte Pfeife. in die andere hatte man ihm eine Streichholzschachtel gesteckt. Auf feiner Brust lag fein alter Tabaksbeutel, und neben ihm befand sich fein Lieblingsbuch. Mit diesen treuesten Gefährten seines Lebens wollte er auch im Sarge vereint fein, und feine Freunde haben feinen Abschiebswunsch getreulich erfüllt. Man kann in dieser Bestimmung die Laune eines „spleenigen" Engländers sehen, aber es liegt doch auch etwas Rührendes in dieser Liebe zu den kleinen Freuden, die das irdische Dasein verschönten, über den Tod hinaus. Die Zermonie zeigte deutlich, eine wie enge Derbin- bung zwischen dem Menschen und seinen täglichen Gewohnheiten besteht, und sie ließ erkennen, wie tief in unterer Ratur jene uralten Bräuche verwurzelt sind, bei denen in vergangenen Zeiten dem Toten das mitgegeben wurde, was ihm im Leben am notwendigsten gewesen, damit er auf der langen Reife ins Jenseits nicht ganz ohne Trost und Freude bleibe. Es war ein echter Män- verwünsch, der die Llnzertrennlichkeit von der alten Pfeife betonte, denn der Mann liebt gewöhnlich alte Sachen mehr als neue, hängt zärtlicher an den Begleitern langer Jahre als bi.- Frau unb schließt sich enger an solche stillen Freunde an, wie es eine Pfeife ober ein Buch sind.


