Ur. 94 Seübarrsgave
185. Jahrgang
Samstag, 22 April 1933
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Thefredakteur
Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An- zeigenteil i.D.TH.Nümmel sämtlich in (Biegen.
Entspannung auf dem Arbeitsmarkt.
Man hat sich leider daran gewöhnen müssen, doS Vorhandensein van 6 Millionen Arbeitslosen als eine feststehende und unveränderliche Tatsache anzusehen. Seit Anfang 1932 ist diese Ziffer, wenn man von den immer geringer werdenden jahreszeitlichen Schwankungen absieht, ungefähr stabil geblieben. 3eht scheint sich zum ersten Male die Möglichkeit zu bieten, in diese Mauer eine Bresche zu schlagen. Schon im letzten Winter sind d i e Höchstziffern, auf die die Arbeitslosenziffern im Dorjahre emporgeklettert waren, nicht mehr ganz erreicht worden. Der höchste Stand der Arbeitslosenkurve hatte im Winter 1932 bei 6,13 Millionen gelegen. 3m Jahre 1933 wurde „nur“ ein Höchststand von 6,04 Millionen erreicht. Das ist zwar eine recht geringe Differenz; aber sie zeigt immerhin, daß die Welle der Arbeitslosigkeit abAuebben beginnt. Niemals aber war die Aussicht so günstig wie gegenwärtig, den som- merlichen Tiefstand der Arbcitslosenkurve, der im vorigen Jahre bei 5,10 Millionen lag, beträchtlich zu unterschreiten. Denn diesmal fällt zum ersten Male die saisonmähigeBelebung des Arbeitsmarktes mit der k o n j u n k t u r e l l e n Erholung zeitlich zusammen. Dabei mag zunächst die Frage unbeachtet gelassen werden, wie weit der langsame Konjunkturanstieg, den wir seit einiger Zeit in Deutschland beobachten können, auf natürliche 2tuftriebsbewegungcn zurückzuführen und wie weit er als eine Folge der Arbeitsbe- schafsungsaktionen der Reichsregierung anzuschen ist. Die Hauptsache ist, dah die Frühjahrsbcle- bung diesmal von konjunkturellenAuf- st i egskräften unterstützt und gefördert wird. Der dadurch verursachte stärkere Schwung soll und muh zu einer bedeutenden Erhöhung der Zahl der Beschäftigten und damit zu einem nachhaltigen und ins Gewicht fallenden Abbau der Erwerbslosigkeit führen.
Die jüngste Entwicklung des deutschen Geldmarktes deutet zweifellos gleichfalls auf einen starken Auftrieb der Wirtschaft hin. 3m Frühjahr 1932 zeigten die Ausweise der Reichsbank deutlich ein Nachlassen derKreditinan- s p r u ch n a h m e der Wirtschaftsträger. 3n diesem Frühjahr können wir die gegenteilige Entwicklung beobachten. 3n der Zeit vom 7. März bis zum 7. April d. 3. erhöhte sich der Bestand der Reichsbank an Wechseln der privaten Wirtschaft um 191 Millionen Mk. Das ist ein unzweideutiger Beweis dafür, dah die Wirtschaft sich auf eine Zunahme der Produktionstätigkeit vorbereitet. Die Reichsbankleitung hat feit langem den Wunsch ausgesprochen, mehr gute Handelswechsel hereinnehmen zu können, weil der erhöhte Kreditbedarf der Privatwirtschaft ein Symptom der konjunkturellen Entspannung sei. Dieses Symptom ist also jetzt zahlenmähig festzustellen. Die stärkere Nachfrage nach Leihgeld ist nicht anders zu erklären als durch ein Anziehen der Beschäftigungskvnj unktur. 3n Tlebereinstimmung hiermit zeigt sich auch bei den Banken ein Anwachsen der Deposilenabhebungen von feiten der Wirtfchaftskreise, die ihre Betriebs- mittel schon wieder verstärken zu müssen glauben.
Natürlich ist die erhöhte Kreditinanspruchnahme zu einem erheblichen Teile eine Folge der Durchführung der Ar be itsb e s cha f f u ngs- mahnahmen. Wenn z. B. die Reichs - bahn in Ausführung ihres 500-Millionen-Pro- gramms bereits für mehrere hundert Millionen Mark Aufträge an die Privatindustrie vergeben hat, so braucht die 3ndustrie für diese zusätzliche Produktion auch zusätzliches Betriebskapital. Die Ausgabe der Steuergukscheine hat die 3nbuftrie ebenfalls vielfach zur 3nanspruchnahme des ihr angebotenen ausgcweiteten Kredits angeregt. Man schätzt die Beträge, die durch die Ausgabe von Steuergutscheinen in Gestalt von neuen Krediten in die Wirtschaft gepumpt worden find, bis jetzt auf etwa 250 Millionen Ml. Mag dieser zusätzliche Kredit auch erst teilweise zur Ausweitung der Produktion verwendet worden sein, in jedem Falle ist hierdurch Der Wirtschaft eine größere Bewegungsfreiheit gegeben worden, von der sie auch schon in beträchtlichem Umfange Gebrauch zu machen begonnen hat.
Hand in Hand mit dieser Ankurbelung der Be- schäfligungskonjunktur geht die Frühjahrsbelebung, die allem Anschein nach starker als in den letzten 3ahren werden wird. Aus der Eisenindustrie, der Textilindustrie, der chemischen 3ndustrie, ganz besonders aber aus der Kraftwagen- und Fahrradtndustrie wird über eine fühlbare Zunahme des Auftrags- eingangs und des Absatzes berichtet. Die B äuge w e r b e haben teilweise durch die 5Qv£r<i*^.c{n Hausreparaturen vorläufig vermehrte Besch s- tigung gefunden. Die befanntgeacbcnen Zl^crn über den in den letzten Wochen vorgenommenen Zementversand waren etwas höher als im Dorjahr, obwohl damals doch die Wohnungsbautatig- feit noch ziemlich lebhaft war. Alles spricht dafür, dah wir in dem kommenden Sommer eine Zunahme der volkswirtschaftlichen Beschäftigung erreichen werden, die durch ihre Auswirkungen in ®eftalt vermehrter Lohneinkommen und erhöhter Kaufkraft die gesamte Wirtschaft wieder m lebhaftere Bewegung bringen wird. Es wird ohne Zweifel anders und besser in der deutschen Wirt» schäft werden, wenn nach dem radikalen politischen Umschwung des 5. März unb der nunmehr erfolgten politischen Stabilisierung des neuen nationalen Kurses endlich die bisherigen Störungen von der Politik her ausbleiben. Die deutsche Wirtschaft braucht heute nichts als Ruhe, um sich aus der Depression durch eigene Kraft herausarbeiten zu können.
Das Echo der Abkehr Amerikas vom Goldstandard.
DasAuslandwird unterrichtet
Wie Washington die Abkehr vom (Goldstandard ge ehen haben will.
Reu york, 21.April. (IDIB.) Die in der Def- fentlichkeit gemachten Vorschläge, zu einer Inflation der Währung überzugehen, haben d i p l o - malische Vertreter des Auslandes ver- anlaht, im Slaalsdcparlemenl nähere Auskünfte einzuziehen. Dieses Hal daraufhin den amerikanischen Botschaften und Gesandtschaften im Auslande Erklärungen zu den beabsichtigten währungs- mahnahmen zugehen lassen, in denen betont wird, dah die geplanten Mahnahmen nicht etwa getroffen werden fallen, um die Stellung der vereinigten Staaten bei den kommenden Wirl- fchaftsbefprechungen zu verbefsern. Die amerikanische Währungspolitik sei vielmehr durch die besonderen wirtschaftlichen Verhältniffe im eigenen Lande verursacht. Führende Mitglieder der Regierung teilen nicht die Befürchtung einiger kreise, dah Roosevelts Enlschluh unverzüglich ähnliche Mahnahmen anderer Staaten zur Folge haben könnte und damit das befürchtete internationale Wettrennen um eine Entwertung der Währungen Hervorrufen werde. Sie find überzeugt, dah die neue Währungspolitik Amerikas die Aussichten auf baldige internationale Abmachungen zur kirrsregelungundzur Stabilisierung der Währungsbeziehungen verbessert habe. Durch solche Abmachungen würde eine solide Grundlage für die wirtschaftliche Besserung der einzelnen Länder geschaffen werden.
Die Rückwirkungen auf Deutschland.
Eine amtliche Verlautbarung.
Berlin, 21. April. (WTB.) Reber die Beurteilung der währungsereigniffe in den vereinigten Staaten oon Amerika erfährt das WTB. a n z u - ständiger deutfcher Stelle folgendes:
Mangels vorliegen genauerer Nachrichten über die Vorgänge in den vereinigten Staaten ist es zur Zeit nicht möglich, sich von den Absichten, die die amcrikanifche Regierung in ihrer Währungspolitik verfolgt, ein genaues Bild zu machen. Man wird annehmen müffen, dah es sich bei den jetzigen amerikanischen Mahnahmen nicht um eine von internationalen Handels- oder kapilalerivägungen erzwungene, sondern zu b e - stimmten Zwecken gewollte Aktion handelt. — Die Rückwirkungen, die diese Er- e i g n i s f e auf Deutschland haben können, sind doppelter Natur:
Estrens, wenn eine dauernde Abwertung des Dollars mit diesen Mahnahmen bezweckt sein sollte, so greift damit das von England eingeleitete v a - lutarische Export-Dumping zum Nach- tellder deutschen Exportindustrie und damit der deutschen Zahlungsfähigkeit weiter um sich.
Zweitens: Eine andere Wirkung dagegen würde für Deutschland einen relativen Vorteil bringen. Da Deutschland sehr stark in Dollar verschuldet ist, so würde es seine Schulden durch Aufbringung eines geringeren Gegenwertes a b - tragen können, hieran dürften auch etwaige Goldklauseln in den Schuldverträgen nichts ändern, da ein Rechlsstandpunkt sich schwer vertreten läht, der einem Lande zugestehen wollte, den Goldwert seiner Verpflichtungen durch gesetzgeberischen Akt herabzusehen, gleichzeitig aber den Goldwert feiner Forderungen aufrecht zu erhallen.
wird Deutschland deshalb einerseits überfeine Exportfähigkeit wachen müssen, so kann das amerikanische Vorgehen andererseits doch nicht etwa zu einer ähnlichen Währungspolitik in Deutschland Veranlassung geben, vielmehr wird der Leitstern der deutschen Währungspolitik der Grundsatz bleiben müssen, den der Reichsbankpräfident in der letzten Generalversammlung der Reichsbank ausgesprochen Hal: „Unsere Sparer sollen wissen, dah die Reichsbank als unerschütterliche wacht auf dem Posten ist, wenn es gilt, dem schaffenden und sparenden deutschen Volk dasGeschaffeneundEr- sparte zu erhallen.“
Macdonalds Ankunst in Aeuyork
Neuyork, 21. April. (WTB.) Premier- Minister Maedonald ist hier eingetroffen und bald nach seiner Ankunft nach Washington toci» tergefahren. Nach seiner Begrüßung durch das städtische Empfangskomitee hielt er eine auf ganz Nordamerika geschaltete Rundfunk- ansprache, worin er erklärte, die gesamte Welt führe Krieg mit der Wirtschafts- depression; heute komme er. um mit dem Präsidenten der Bereinigten Staaten d e n F e l d- zug gegen unverdiente Not zu bespre
chen. Er komme in demselben Geist nachbarlicher Zusammenarbeit wie das letzte Mal. Die Aufgabe der Goldwährung durch die Bereinigten Staaten berühre England in keiner Weise. Die Maß- naß men der amerikanischen Regierung trügen nach seiner Ansicht nur dazu bei, die Notlage der Welt in schärferem Lichte erscheinen zu lassen. Wenn bei der Kürze der Zeit von dem Meinungsaustausch mit Präsident Roosevelt auch keine endgültigen Abmachungen zu erwarten seien, so müsse es doch wenigstens gelingen, einem gemein) amen Handeln den Weg zu ebnen.
Frankreich sehr zuversichtlich.
P a r i s , 21. April. (TU.) Der Dollarsturz wird ohne Zweifel auf die französische Wirtschaftspolitik entscheidenden Einfluß ausüben. Die Beurteilung der Preisgabe des Goldstandards in Amerika und ihre Folgen ist in den französischen Finanz- und Wirtschaflskreifen ziemlich einheitlich: Schwärzester Pessimismus für Amerika, Optimismus für Frankreich. 3nden maßgebenden Finanz- treifen glaubt man, daß die Preisgabe des Goldstandards zunächst einmal ein Druckmittel auf England fei, um so d ie Slabilisie- rungdesPfundeszuerzwingen. Frankreich werde dem Beispiel Amerikas unter keinen Umständen folgen. Es beständen keine Schwierigkeiten, dcn Goldstandard in Frankreich aufrecht zu erhalten. Einerseits besitze die Dank von Frankreich hinreichende Goldmengen, um die Währung notfalls zu stützen, andernfalls sei es nicht unmöglich, daß Frankreich als das einzige Land mit fester Währung einen neuen Zustrom ausländischen Kapitals erleben würde. Bedenken bestehen lediglich hinsichtlich des Außenhandels, aber Frankreich, so versichert man, könne am ehesten in einem geschlossenen Wirtschaftssystem leben und einen Währungskrieg überdauern. Zwischen Paris und
Neuyork finden gegenwärtig Berhandlungen über die Zahlungsmodalitäten der französischen Anleihen an Amerika statt. Die Bank von Frankreich teilt mit, daß ihre Dollarguthaben fast Null find, so daß sie aus der Dollarabwertung einen unmittelbaren Schaden nicht hat
Ruhigere Dorfe in Neuyork.
Umstellung aus die Tollarbeweilung.
Washington, 21. April. (TU.) Schatz- selretär W o o d i n erklärte im Finanzausschuß des Senats, daß die eingebrachte Währungsvorlage die Bereinigten Staaten aus der Depression erretten werde, falls sie nach rein geschäftsmäßigen Gesichtspunkten gehandhabt werde. Woodin betonte weiter, daß die Borlage dem Präsidenten die Macht in die Hand gebe, die 3 n f I a t i o n schärfstens z u kontrollieren.
Die Neuyorker Börse ist nach zwei Sturmtagen wieder etwas ruhiger, trotzdem noch immer große Umsätze besonders in Cisenbahnwerten getätigt werden Die meisten Papiere konnten ihre hohen Kurse halten. Die bisherigen Wertpapiergewinne in den letzten beiden Tagen betrugen über acht Milliarden Dollar. Die Neuyorker Ladengeschäfte stellen sich bereits weitgehend auf die Inflation ein. An vielen Scyausenstern sieht man Reklameschilder, die die Aufschrift tragen „Kauft, bevor Euer Geld entwertet ist".
Erholung des Oollarkurses.
Neuyork, 21. April. (WTB.) Im Verlause der heutigen Börse war eine Erholung des Dollarkurses zu beobachten Bei Eröffnung der Börse notierte das Pfund mit 3,90X-, um im Verlaufe bis zu 3,73 Jl nachzugeben. Am Börsenschluß lag das Pfund mit 3,79& wieder etwas fester, jedoch noch immer unter dem gestrigen Schlußkurs von 3,84)4.
Das neue preußenkabineii gebildet.
Göring behält das Innenministerium. — Oie Kommissare popih, Kerrl und W zu Ministern ernannt.
Berlin, 21. April. (MTB.) Amtlich. Nachdem der Herr Reichspräsident den Vizekanzler von Papen von seinem Amt als Reichskommissar für das Land Preußen entbunden halte, übergab Vizekanzler von Papen heule nachmittag dem vom Reichskanzler ernannten Ministerpräsidenten Göring die Geschäfte des preußischen Staatsmini st eriums.
Nachdem der Herr Reichskanzler durch Telegramm vom 11. April d. I. den Kommissar des Reiches für das preußische Innenministerium, Reichsminister Hermann Göring, zum preußischen Mini- sterpräsidenten ernannt hatte, hat der Herr Reichskanzler folgende preußischen Staatsmini st er ernannt:
den preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring gleichzeitig zum Mini st er des Innern,
den Kommissar des Reiches für das preußische Finanzministerium, P o p i h, zum Finanz- m i n i st e r ,
den Kommissar des Reiches für das preußische Justizministerium, Kerrl, zum Justizminister,
den Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, R u st, zum Minister für wis - fenfchaft, Kun st und Volksbildung.
wegen der Besetzung der preußischen Ministerien für wirtschaft und Arbeit sowie s ü r Landwirtschaft, Domänen und Forsten schweben zwischen dem Ministerpräsidenten Göring und dem Reichsminister hugenbe^g, der diese Ressorts als Kommissar des Reiches verwaltet, noch Verhandlungen.
Görings Dank an Mussolini und Balbo
Berlin, 21. April. (CNB.) Reichsminister G ö « ring hat auf seinem Rückflug, während das Flugzeug die italienische Grenze in Richtung München passierte, an den italienischen Ministerpräsidenten Mussolini und an den italienischen Luftfahrtminister Balbo folgende Funksprüche gerichtet:
Exzellenz Mussolini, Roma. Don Bord meines Flugzeuges beim Ueberfliegen der italienischen Grenze sage ich Eurer Exzellenz meinen und meiner Begleiter aufrichtigsten Dank. Die Tage in Italien werden mir immer unvergeßlich bleiben. Die herzliche Gastfreundschaft und Anteilnahme des italienischen Volkes haben den tiefsten Eindruck hinterlassen. Mit Bewunderung haben wir die gewaltigen Leistungen des Faschismus und seines Duce gesehen. Das nationalsozialistische Deutschland grüßt das faschistische Italien in warmer Herzlichkeit. Es lebe der Faschismus, es lebe der Duce, es lebe Italien'. In aufrichtiger Verehrung Hermann Göring.
Exzellenz Balbo, Roma. Beim Verlassen Ihres herrlicher. Vaterlandes noch einmal herzlichsten Dank von uns allen für die wunderschönen Tage,
die wir durch Ihre Gastfreundschaft erleben durften. Aufrichtige Grüße dem Minister, Kameraden unb Freund. Hermann Göring.
Verschärfung des Strafvollzugs in Preußen.
Berlin, 21. April. (CNB.) Der preußische 3ust:zminister Kerrl hat eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die darauf abzielen, den Strafvollzug zu einer ernsten und wirksamen Waffe im Kampfe gegen das Verbrechertum zu gestalten. Gegenüber einer aus falschem Humanitätsgedanken gebotenen verstiegenen Ideologie, die oft zu Verweichlichung und Nachgiebigkeit gegenüber den Gefangenen führte, wird der Strafvollzug m i t entschiedener Straffheit, mit Gerechtigkeit, Ernst und Festigkeit durchgeführt werden. Die Stellung des Anstaltsleiters soll gestärkt, die Beamten gegen unberechtigte Angriffe geschützt werden. Damit in Ber- binbung steht die Beseitigung entbehrlichen und praktisch wertlosen Schreibwerks sowie eine Aen- berung bes Deschwerbewesens, das die unbegründete Beschwerbesucht einbämmt. Die Derorbnung vom 7. 3uni 1929 über ben Strafvollzug in Stufen, die sich in der praktischen Handhabung ncht bewährt hat, wirb, nachdem bereits bic Ausgangsanstalt in Cottbus aus geh oben ist, eine Aenberung erfahren, die sich auf die nüchternen tatsächlichen Erfahrungen der Praxis gründet unb als Leitgedanken des Strafvollzuges energisch die Notwendigkeit betont, den Gefangenen mit dem ganzen Einsatz seiner Willenskräfte im Sinne persönlicher Verantwortung und unbedingter Pflichterfüllung gegenüber den Forderungen der Volksgemeinschaft zu erziehen.
Säuberungsaktion bei den Deutschen Werken in Kiel. Kiel, 21. April. (TA.) Freitagvormittag wurde bei den Deutschen Ißerün in Kiel eine Säuberungsaktion durchgeführt. 3n dem amtlichen Bericht heißt es: »Von staats- feindlichen Elementen sollte durch einen bis ins Einzelne durchdachten Plan der gesamte Betrieb gestört und stillge- l e g t werden. Die Mehrzahl der Arbeiter gehört marxistischen Organisationen an. Die Einstellung der Leitung ist am besten durch die Tatsache gekennzeichnet, daß am Tage des Geburtstages des Reichskanzlers noch zehn nationalsozialistische Arbeiter ohne triftigen Grund entlassen wurden. Die N S B O. hat daher durch ein entschiedenes Durchgreifen ein in seinen Ausmaßen unabsehbares Unheil verhütet. Es handelt sich bei dem vorliegenden Falle also nicht um eine der mit Recht schärf st ens untersagten Einzelaktionen oder um einen unerlaubten Eingriff von außen in wirtschaftliche Betriebe. Bis zur endgültigen Entscheidung des dafür zuständigen Oberpräsidenten


