Aus der Provinzialhauptstadt
Buntes Allerlei
D.
kultureller Fortschritt.'
ändert wurde
Oer Erfinder des Oampfkarussells.
Ein dankbares Völkchen sind die Bewohner beS englischen Marktsleclen King s Lynn, der wegen seines dort alljährlich abgehaltenen Jahrmarktes berühmt ist. Bei Beginn dieser festlichen Beran-
Der Darmstädter Do!ksbankproreß.
WSN. D a r m st a d t, 20. Febr. In der Mon- togsverhandlung des Volksbankprozesses wurde zunächst der Verbandsrevisor Schneider als Zeuge vernommen, der über die Reoisionsberickte Aufklä- rung gab. Namentlich den Reoisionsoericht des Lahres 1927 könne man als ernstes Warnungs-
Der Aburteilung durch die Flucht entzogen.
Frankfurt a. M., 18. Febr. Am Freitag sollte der Packer Felix MeideS au» Frankfurt a. QU: vor dem 5. Strafsenat des Reichs- gcr.chts erscheinen. Er steht unter der Anklage der Vorbereitung zum Hochverrat. begangen durch Zersetzung der Re.chs- wehr und Schupo. AlS er vor einigen Tagen gegen Auferlegung der polizeilichen Meldepflicht aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, war er jedoch geflüchtet, Io oab der Verhandlungstermin vom Rc.chs- gcr cht auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden muhte. Von der Frankfurter Polizei wird nach dem Flüchtigen gefahndet. .
sog. Spermien, in vielen Fällen paralristallinen Bau aufwcist, was durch seine Doppelbrechung erkennbar wird.
Eine gespannt folgende Zuhörerschaft füllte den Hörsaal des Zoologischen Instituts, Mit fesselnder Beredsamkeit führte der Redner durch das Grenzland von Chemie, Mineralogie und Biologie. Die hier sich ergebende neuartige Beleuch- tuna des alten Problems, wie und wo anorganische und organische Welt sich berühren, entfachte eine lebendige Diskussion, in die Zoologen, Botaniker, Physiologen, Chemiker und Paläontologen mit bemerkenswerten Ausführungen eingriffen. A.
Bornotizen.
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 19.30 Uhr 20. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. 2m Zyklus hessischer Dramatiker findet als 2. Abend die süd- westdeutsche Erstaufführung des Dauernkriegs- dramas „Der Bundschuh" von Karl Reurath in Gegenwart des Autors statt. Spielleitung hat Oberspielleiter Peter F a s s o t t. Gewöhnliche Preise. Ende nach 22 Uhr. — Am Freitag, 24. Februar, 20 Uhr findet als 20. Vorstellung im Freitag-Abonnement die erste Wiederholung des Bauernkriegsdramas „Dec Bundschuh" statt in der Besetzung der Erstaufführung. Gewöhnliche Preise. Ende nach 22.30 Uhr. — Der Fasching im Theater wird eröffnet mit der Premiere des „Drohen Zirkus-Kabaretts" am Samstag. 25. Februar, 20.15 Uhr. Dieses Kabarett zeigt ein vielseitiges Programm! Akrobaten, Drahtseilkünstler, Kunstradfahrer, Tierdressurakte, Telepathie und Fakirkünste wechseln ab mit Tänzen und den Spaßereien der sechs Hausclowns. Ausgeführt wird dieses Programm von den Mitgliedern des Ensembles, sowie bekannten Vertretern der rein artistischen Kunst und einer
VomNiesen und vom „Schluckauf"
Eine medizinische Plauderei über alltägliche Dinge.
Don Or. Paul Franke.
signal bezeichnen. Zur Wechseldeckung erklärte er, dah die Wechsel meist mit 2d bis 25 v.H. gesichert fein sollten. Das angeklagte Aussichtsratsmitglied P a e cy rann sich genau daran erinnern, daß der Aufsichtsrat über den Eingang der Revisionsbe- richte Bescheid wußte. Ebenso lagen dem Aussicht^- rat die Kreditorenlislen vor. Das Aussichtsratsmu- glied Werner glaubt, daß die Debitorenlisten hauptsächlich zur Unterstützung des Gedächtnisses der Direktoren dienen sollten. Der Vorsitzende stellte fest, daß den Angeklagten vorgeworfen werde, daß sie ihren Pflichten als Aufsichtsratsmitglied nicht genügend nachgekommen find. 2m weiteren Verlauf der Verhandlung erfolgte insbesondere eine Auseinandersetzung über die Technik der Revision, die Art der Formulierung der Berichte und die Frage, wie der Revisor sich Klarheit über den Wert der Sicherungen oerschasfte. Aussichtsrats- Mitglied P a e ch meinte, daß im Gegensatz zu dem Reoisionsbericht von 1928 der vom Jahre 1927 in gewissem Sinne beruhigend gewirkt habe. Bei einer Statusprüfung von 1923 habe man eine erfreu-
3n dem ungeheuer komplizierten Mechanismus unseres Körpers spielen sich — teils mit. teils ohne unser Wollen — unaufhörlich zahlreiche Vorgänge ab, die wir zwar als solche vollkommen selbstverständ- i ch finden, deren Ursachen aber nur in seltenen Fällen einem Laien bekannt sein werden. Wir werden rot oder blaß, wir gähnen, schlucken und niesen — aber wissen Sie auch, „wie das kommt"?
Unsere Zeit hat den guten alten Brauch, einem niesenden Men.chen die besten Wünsche für seine Gesundheit zu sagen, beinahe schon obgeschafst. Zu älnrccht, denn man soll diesen wichtigen Vorgang nicht verachten. Es ist ein ekelhaftes Gefühl, niesen zu müssen und es nicht zu können: es kitzelt uns in der Rase, unsere ganze Atmung stockt, und wir glauben uns dem Ersticken nahe. Ebenso wie das Husten und der Schlucken ist das Riesen eine empfindliche Störung des normalen Atmungsvorganges. Welche Bewandtnis hat es eigentlich damit?
Bei jedem Atemzug nehmen wir zugleich mit der Luft eine Fülle von kleinsten S ch m u tz t e i l- ch e n in uns auf. Wie verstaubt die unS umgebende Luft ist, merken wir ja, wenn wir in unserem Zimmer an einem schönen Tage Millionen von Staubkörnch n im einsallenden Sonnenstrahl tanzen sehen, und manchem unserer Leser hat es sicher schon bei dem Gedanken gegraust, daß wir dieses Zeug alles einatmen müssen. Aber es ist nicht so schlimm damit bestellt, wie es auf den ersten Blick aussieht. Denn die Ratur hat vorsorglich die Wege, auf denen die Luft in unseren Körper gelangt, mit Haaren ausgestattet, an denen die eingeatmeten Schmuhleilchen hängen bleiben. 3n der Rase sind es kräftig enltoiddte Haare, d e die gröbste Arbeit leisten. Außerdem finden sich dort noch kleinste, nur mikroskopisch sichtbare Flimmerhaare, mit denen auch der Rachen und die Luftröhre mit ihren Aesten ausgestattet ist. Diese Flimmerhaare sind die sleißig- sten Putzfrauen der Welt: Tag und Rächt befinden sie sich in unausgesetzter Bewegung: sie bemühen sich, den e'ngeörungencn Schmutz wieder nach außen zu befördern. 3n ihrer Arbeit werden sie von den sog. „Becherzellen" unterstützt, die einen klaren, zähflüssigen Schleim absondern. 3n diesen werden die unwillkommenen Eindringlinge eingewickelt.
Den Flimmerhaaren kommt aber auch noch die Lunge sehr wir.sam zu Hilfe. Der Zweck des Riesens und Hustens besteht barm, durch einen heftigen Luftstrom den Schleim bzw. die eingedrungenen Fremdkörper fortzureißen und an die Eingangspforte zu befördern. Ilm den Luftstrom möglichst kräftig zu machen, bedient sich die Ratur verschiedener „Kunstgriffe". Einmal wird vor dem Riesen krampfhaft e i n geatmet, um eine möglichst große Luftmenge in die Lunge zu bringen; dann wird der Atem etwas angehalten, damit die Ausatmung ruckartig erfolgt. Denn es beginnt sich bereits das Bedürfnis nach neuer Einatmung einzustellen. Ferner wird der Deckel des Kehlkopfes so gestellt. daß die ganze Luftmenge durch die Rase ausströmen muß und nicht in den Mund gelangen kann.
Beim Husten kommt es dagegen darauf an, daß der Schleim auS den Luftwegen in die Mundhöhle befördert wird. Auch hier erfolgt zuerst eine tiefe Einatmung; dann aber wird im Gegensatz zum Riesen der Deckel des KehlkopfeS und die Stimmritze geschloffen. E» muh also ein viel stärkerer Druck ausgcwendet werden, um 'die Lust durch diesen verengten Weg zu befördern, und mit diesem Druck steigt auch die Geschwindigkeit der auSgeatmeten Luft. Sie liegt auf diese Weise etwa 100 Meter in der Sekunde zurück, während ihr Weg bei normaler Atmung nur 2.5 Meter in der Sekunde beträgt* Sie reißt die Schleimmassen usw. bei dieser Geschwindigkeit heftiger mit sich fort als der ruhige Strom der gewöhnlichen Ausatmuns uft, ähnlich wie ein Sturmwind der fahlen Blätter sich gewaltsamer bemächtigt, als ein leichtes Lüftchen.
Das Riesen ist von unserem Willen unabhängig; wir können es ebensowenig willkürlich herbeiführen, wie wir es unterdrücken können. Es wird durch Reizung der in der Rase befindlichen Rervenendigungen ausgelöst. Das Husten bageaen kommt teils willkürlich, teils Unwillkürlich zustande; es gelingt uns äußerst schwer, es zu unterdrücken, wenn es sich von selbst cin- stellt. Ein gewisser Ersah für das Riesen und Husten ist das Schneuzen und Räuspern, das sich nur durch den Grad der Heftigkeit vom Riesen und Husten unterscheidet. Es dient den gleichen Zwecken, und wir versuchen oftmals, durch diese Tätigkeiten den „Explosionen" des Riesens oder Hustens zuvorzukommen, die ftch von selbst einzustellen drohen.
Ebenso peinlich wie fortgesetztes Riesen empfinden wir in Gesellschaft den sogenannten Schlucken. ES ist dies ein Krampfdes Zwerchfells, der sch nach llebersüllung des Magen«, nach zu re chlichem Alkoholgenuß und oftmals auch nach scel'schen Erregungen, bei Kindern vor allem im Anschluß an das Weinen, ein- stellt. Die sich in Gang befindliche Einatmung wird jäh unterbrochen, die Stimmbänder schlagen gegeneinander, und es entsteht dadurch der bekannte schluchzende Laut, der dem heftigen Schlul- ken und dem Weinen gemeinsam ist. Dieser Vorgang beruht auf der Reizung zweier Rerven, von denen der eine das Zwerchfell, der andere den Rachenraum versorgt.
Während es sich beim Husten und Riesen um an sich durchaus n sunde LebenSvorgänge handelt, ist der Schuck:: im Grunde eine „krank- haste", wenn natür. ch auch völlig harmlose Erscheinung, der man eine sinnvolle Bedeutung nicht beimessen kann. Man hat mannigfache Verhal- tungLmatzregeln zur Beseitigung dieser lästigen Störung ersonnen: Anhalten des Atems, Klopfen auf den Rücken, Wassertrinken usw. Die Beobachtung, daß geordnetes Schlucken von Wasser usw. verbunden mit dem Anhalten des Atems zur Lösung der Zwe^chfellkrämpfe beiträgt, ist eine uralte volkstüml'ch- Anweisung zur Bekämpfung des lästigen Schluckens.
Dermullich handelt Cj ,.ch dabei um eine günstige Einwirkung des Schluckaktes auf die Rerven des Schlundes — jedenfalls hat dieses Verfahren schon viele von ihrem Schlucken erlöst.
liche Entlastung aus der Passivseite jestjtellen können, doch sei die Aktivseite nur unwesentlich vcr- gewesen. Nach weiteren EinzelseststeNungen die Verhandlung auf Dienstag vertagt.
Zirkuskapelle. Kleine Preise. Ende 22.30 Uhr. — Am Faschingssonntag galoppiert zunächst das „Weiße Rößl" über die Bühne. Von 18.30 Uhr bis 21.30 Uhr eine Fremdenvorstellung mit der beliebten Operettenrevue. Vorzugsgulscheine und Schülerkarten haben Gültigkeit. Ein „Racht-Ka- barett“ mit vollständig neuem Programm und verstärktem 3azzorchester bildet den Abschluß des Tages. Auch hier von 22.15 Uhr bis nach 24 Uhr die Möglichkeit bei kleinen Preisen ein vollkommen neues kabarettistisches Buntprogramm zu genießen. — Für Rosenmontag sieht der Svielplan, 20 Uhr. eine Wiederholung des „Zirkus-Kabaretts" vor mit dem gleichen Programm wie bei der Erstaufführung am Samstag. Auch bei dieser Wiederholung kleine Preise. Ende 22.15 Uhr.
•* Ein jugendlicher Musik - Virtu- o s e gastiert in diesen Tagen in der Gaststätte „Bürgerhof" (Plockstraße). Willy Bremen, ein etwa 13jähriger Knabe, um den es sich hier handelt, ist kein Fremder mehr. Er weilte bereits im vorigen 3ahre zu einem Gastspiel in Gießen und riß seine Zuhörer zu lebhastern Beifall hin. Der Knabe hat inzwischen Fortschritte gemacht. Man hörte von ihm die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt" von 3aques Offenbach, jenes Bravourstück der Virtuosen, das er auf dem Akkordeon nicht nur technisch vollständig beherrscht, sondern auch künstlerisch nachzuschaffen wußte. Sehr reizvoll waren die beiden Klavierparts, die man zu hören bekam. Hier gefiel besonders das „Spinnerlieb" von Mendelssohn, das der Knabe mit großer Fertigkeit interpretierte. Die Mazurka von Godal wurde ebenfalls sehr beifällig ausgenommen. Willy Bremen produzierte sich ferner an einem dritten 3nftrument, dem Tylophon, und erzielte auch hier ausgezeichnete Wirkungen. Zum Schluß zeigt sich der jugendliche Virtuose noch als Dirigent.
’* Christlich-sozialer Volksdienst. Dieser Tage hielt die Ortsgruppe Gießen des Christlich-sozialen Volksdienstes — wie man uns berichtet — ihre Hauptversammlung ab. Rach einem Ueberblick über die politische Lage beschäftigte man sich mit geschäftlichen Angelegenheiten. Die Kasse wies, trotz vieler Wahlen und dank der eifrigen Arbeit des Rechners Weber, einen kleinen Ueberschuß aus. Die Versammlung besprach sodann mancherlei Anregungen für die Reichstagswahl und für die Arbeit in der Ortsgruppe. Die Stellung des Volksdienstes zu den Fragen des Mittelstandes spiegelte sich In folgender von der Versammlung gefaßten Entschließung wieder: „Die Hauptversammlung des Christlich sozialen Volksdienstes sieht in te.n Wahlaufruf der Vollsdlenst- leitung die Wege gewiesen, auf denen unser Volk wieder in Gemeinsamkeit zum Aufstieg kommen kann. Wissend, daß auch in dem Mittelstand wertvollste Kräfte kulturellen und wirtschaftlichen DollLtums vorhanden sind, erachten wir es für eine dringende Pflicht jeder Regierung, den Kreditanstalten der Handwerker und Gewerbetreibenden, als auch der Kleinbauern in weitem Maße Mittel zur Verfügung zu stellen, die eine Wiedereinschaltung dieser Berufe in den WirtschaftLprozeh ermöglichen, um damit gleichzeitig der Arbeitslofennot steuern zu helfen."
Schwurgericht Gießen.
* Gießen, 21. Febr. Die erste Sitzung des unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Cramer tagenden Schwurgerichts fand unter Ausschluß der Oeffentlichkelt statt. Angeklagt war der Kaufmann Hans R. von Wiefeck. Die An- tlage vertrat Oberstaatsanwalt Dr. Brill, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Krüger.
Wie aus dem öffentlich verkündeten Urteil zu entnehmen war, wurde dem Angeklagten vorgeworfen, in einem Alimenialio.asproz-f), in dem er zweimal als Zeuge verno.amen worden war, feine Cidespflicht verletzt zu haben. Während mehrere Zeugen bekundeten, er habe bei zwei verschiedenen Gelegenheiten damit geprahlt, ebenfalls Beziehungen zu der Kindesmutter gehabt zu haben, hatte er derartige Aeußerungen bei seiner eidlichen Vernehmung als Zeuge in Abrede gestellt. 3n einem Falle tarn das Schwurgericht zur Freisprechung, in dem zweiten Falle hielt es die Schuld des Angeklagten für erwiesen und verurteilte ihn unter Anrechnung
Dahlehrenamt ist staatsbürgerliche Ehrenpflicht.
Die Stadtverwaltung Dießen weist auf folgende- hin:
Für die am 5- März 1933 stattfindende Reich s- tagswahl find entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen Wahlvorstände für die einzelnen Bezirke, bestehend aus dem Wahlvorsteher, seinem Stellvertreter, dem Schriftführer und 3 bis 6 Beisitzern. zu bilden. Das Amt eines Mitgliedes des Wahlvorstandes ist ein Ehrenamt und kann nur dann abgelehnt werden, wenn die gesetzlichen Bestimmungen dies zulasfen. Wiederholt mußte die Wahrnehmung gemacht worden, daß Personen, die au einem Wahlehrenamt berufen wurden, die Berufung ohne Angabe von stichhaltigen G.ünden ablehnten. Es sei jedoch darauf hinge- toiefen daß die unberechtigte Ablehnung eines Wableh.enamtes nach dem Wahlgesetz bestraft werden kann.
Die rechtzeitige Bildung der Wahlvorstände, das Erscheinen und die Mitwirkung der in den Wahkvorstdnd berufenen Personen sowie die genaue Befolgung der für die Wahl gültigen Be- ftimmungen sind Voraussetzungen für die Durchführung einer Wahl.
Konzert für die Winterhilfe fällt aus«
Don der Gefchäftsstelle der Gießener Winter- nothilfe wird uns mitgeteilt:
DaS für heute, Mittwoch, abend in der Reuen Aula der Univerfität vorgesehene Wohl- tätigkeitskonzert zum Besten der Gießener Winterhilfe muh wegen Erkrankungen aus- fallen. Die gelösten Karten werden in der Kartenverkaufsstelle zurückgenommen.
Oberhessische Gesellschaft für Aatur- und Heilkunde
Naturwissenschaftliche Abkeilung.
3n der letzten Sitzung der Oberhesiischen Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde, Raturwifsen- schastliche Abteilung, sprach Herr Geheimrat F. Rinne (Freiburg i. B.), der bekannte Mineraloge. über: „Das physikalisch-chemische Wesen der flüssigen Kristalle iparakristallinen Stoffe) und ihre Beteiligung am Bau der Organismen."
An Hand von zahlreichen Lichtbildern erläuterte der Vortragende zunächst die Zusammenhänge zwischen Kristallstruktur und molekularem Feinbau der Materie. Die Methoden der Chemie, der optischen Untersuchung und des Röntgendiagramms haben, einander ergänzend und bestätigend, heute zu exakten Kenntnissen über die Strultur des „Raumgitters" kristalliner Stoffe geführt. 3m Gegensatz zu festen Kristallen zeigen „flüssige" einen gelockerten Feinbau, an Stelle einer Ordnung in allen Richtungen des Raumes (..Raumgitter") findet sich hier nur eine (mehr oder minder feste) Parallelordnung von molekularen Bausteinen. Ebenso wie bei den Kristallen stehen auch bei den „Parakristallen" (wie man die flüssigen Kristalle bezeichnender nennen könne) die Besonderheiten des Feinbaues in deutlicher Beziehung zu den Eigenscyaften: Parakristalline Stosse zeigen vor allem eine große Wandelbarkeit ihrer Form, und es ist erstaun- lich, wie ähnlich häufig Teilungen und Vereinigungen von Para.^istallen entsprechenden Vorgängen im Organismus sind, wie Wachstums- uno Formbildungsereignisse sich an ihnen abspielen, als lebe die Substanz. Die besondere Art des Feinbaues ermöglicht zudem Mischbar- leit paralristalliner Stoffe in weiten Grenzen und bedingt die Veränderlichkeit ihres Aggregat- zustandes unter dem Einfluß von Wasser.
Gerade dieser letzte Umstand erweist die besondere Bedeutung parakristalliner Stoffe für den Aufbau der Organismen. Bestehen diese doch zu einem erstaunlich hohen Prozentsatz aus Was er, das durch eint Reihe einzigartiger Eigenschaften die Lebensvorgänge erst möglich macht. 3n der Geschichte des Lebens auf der Erde spirlt daher das Auftreten von Wasser eine entscheidende Rolle, es hat — will man nicht die unbefriedigende Hypothese der Uebertragung von Leben aus dem Weltall unterstellen — die Bedingungen für das erste Auftreten des Lebens, für die „Plasma- genefe", überhaupt erst geschaffen.
Die modernen Methoden, vor allem die im Gießener Zoologischen 3nftitut besonders gepflegte Anwendung dcs Polarisativnsmikrofkopes, haben die parakristalline Ratur zahlreicher Bausteine des Organismus, z. B. im Muskel und im Rerv, bewiesen. Von besonderem 3ntercsse ist der von Prof. W. 3. Schmidt (Gießen) geführte Rach- weis, daß der die Vererbungssubstanz enthaltende Kopf der männlichen Geschlechtszellen, der
der Untersuchungshaft zu der gesetzlichen Min- deststrafe von einem 3 ahr .Zuchthaus.
Kleine Strafkammer Gießen.
* Gießen, 17. Febr. An der Kreuzung Frankfurter Straße—Eleonorenring in Bad-Nauheim waren ein Lastkraftwagen und ein Personenwagen zusammengestoßen. Die Fahrzeuge, namentlich der Lastkraftwagen, waren schwer beschädigt, dessen 3n- sasfen leicht verletzt worden. Das Amtsgericht hatte beide Führer für schuldig gehalten und zu geringen Geldstrafen verurteilt. Beide verfolgten Berufung. Die Verhandlung ergab, daß der Personenautoführer allein an dem Unfall schuld war. Nach den übereinstimmenden Angaben aller Zeugen, auch derer, die als Sachverständige ein zuverlässiges Urteil abgeben konnten, patte er die zulässige Höchstgeschwindigkeit weit überschritten: er war „gesaust" und hatte ein derart „fürchterliches Tempo" gehabt, daß der Unfall oorausgesagt wurde. Dem Führer des Laftlraftwagens konnte dagegen kein ursächliches Verschulden nachgewlesen werden. Er war langsam gefahren, hatte Signal gegeben und an der Kreuzung vorgefühlt, war aber von dem ohne Signal wie ein Blitz heransaufenden Personenwagen erfaßt worden. Er wurde freigefprodjen. Die Strafe des anderen Angeklagten wurde auf die Berufung der Staatsanwaltschaft auf 10 0 Mark erhöht.
Ein Tischler aus Gießen hatte dem Arbeitsamt Bescheinigungen mit unrichtigen Angaben über den Arbeitslohn seines in feinem Betrieb beschäftigten Sohnes zum Zwecke der Beschaffung von Arbeits- losenunterstützung vorgelegt. Er war deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt worden. In der Annahme, daß die Bescheinigungen nicht, wie das Urteil annahm, fahrlässig, sondern vorsätzlich falsch ausgestellt seien, hatte der Amtsanwall Berufung eingelegt. Sie wurde zurückgewiesen.
Das Ohr gewöhnt sich an den Lärm.
Leider hat die Ratur den Menschen nicht mit „Ohrendeckeln" ausgestattet, die er so beliebig schließen kann, wie es mit den Augenlidern der Fall ist. Aber trotzdem sind wir imstande, unsere Ohren ..zu schließen", wenn auch nicht körperlich, so doch geistig. Dies behauptete wenigstens ein englischer Ohrenspezialist in einem Vortrag, den er in London hielt. 3nfolge der unangenehmen Geräusche auf der Straße und im Hause, die in letzter Zeit durch den Kraftwagen, durch Grammophon und Lautsprecher so sehr zugenommen haben, bildet sich immer stärker die Fähigkeit heraus, Lärm nicht zu vernehmen, den man nicht aufnchmen will. „3ch bin überzeugt", sagte der Gelehrte, „daß wir heute psychologisch tauber sind als früher, weil wir ganz instinktiv einen Schutz gegen den uns umgebenden Spektakel suchen. Wir können zwar unsere Ohren nicht schließen wie unsere Augen, aber wir können in unferm Gehirn eine Tür verschieben. Dieser Ohrenschutz ist unsichtbar, darum aber nicht minder wirksam. 3n vergangenen Zeiten war der Mensch von der Scharfe seines Gehörs abhängig, um sein Leben zu erhalten, wie es noch heute viele Tiere sind. Diese Rotwendigkeit ist bei den heutigen gesicherten Verhältnissen nicht mehr vorhanden. Daher brauchen wir nicht mehr das scharfe Gehör, das unsere Vorfahren besahen, und so hat der Hörsinn immer mehr nachgelassen. Wir können seine Starke vom Gehirn aus kontrollieren. Musikalische Personen haben wahrscheinlich ein feineres Gehör als andere, aber das ist kein natürlicher, sondern ein
staktung wird eine besondere Feier zur Erinnerung an einen früheren Bürgermeister des Ortes, an Frederick Savage, veranstaltet. Dieser Mann ist der Erfinder des mit Dampf betriebenen Karussells, das noch heute auf keinem richtigen englischen 3ahrmarkt fehlen darf. Vor dem Denllnal dieses erfindungsreichen Geistes, der die armen Pferde von dem ewigen Herumtraben befreite und ihre Leistung durch eine Dampf mc.sch.ne ersetzte, findet eine Feier statt, und zwar unter Beteiligung der Spitzen der Behörden und einer großen Menge. Rach der Huldigung wird der 3ahr- martt eröffnet. 2.
Kinos für Soldaten.
3n Frankreich ist jetzt ein Bund gegründet worden, der sich die Ausgabe stellt, Lichtspieltheater in den französischen Kasernen und Baracken einzuführen. An der Spitze der Bewegung steht der General Madelin, dessen Bruder, der Historiker Louis Madelin, der es allerdings im Kriege nur bis zum Sergeanten gebracht hat, den General auf die Rotwendigkeit des foldatischen Kinos aufmerksam gemacht hat. Der Gelehrte veröffentlichte vor einiger Zeit einen Artikel, in dein er die Langweile und geistige Oede des Garnisonlebens beklagte und dringend Abhilfe forderte. Die Folge war die Gründu»^ dieses Bundes für Soldatenkinos. Der französische Krieger soll in seinem Lichtspieltheater ein Programm finden, das vollkommen auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist; er soll sich nicht nur gut unterhalten. sondern er soll auch unterrichtet werden, seinen Gesichtskreis erweitern und zur Erfüllung feiner Pflichten angefeuert werden. Deshalb werden neben kriegerischen Filmen und solchen aus dem Soldatenleben, neben Kulturfilmen aller Art auch spannende Dramen und komische Possen gezeigt werden. Auf diese Weise hofft man, den Franzosen den Kommis - Dienst schmackhafter zu machen.


