Ausgabe 
22.2.1933 Erstes Blatt
 
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Aus -er Provinzialhauptstadt

Winterliche Landfchast.

3u

SedemieklimmkiiNin!

nach auf- zwei mei-

Wählerliste einsehen!

Die Liste liegt bis einschl. Sonntag, 26. Februar, auf. Linzusehen in Gießen, Stadthaus Bergstraße. Zimmer 14, werktags von 8 bis 13 Ahr und 15 bis 18.30 Ahr, Samstags von 8 bis 13 Uhr, Sonntag von 9 bis 13 Uhr.

3d) fahre weiter gegen Sufchak. Die öden Karsthochflächen tragen eine Schneedecke, an jeder Windung heult die Dora auf, Daß die geheizten Waggons plötzlich eiskalt werden, die Bahn­wächter vor den Wärterhäuschen tragen wie in Kriegszeiten das Gewehr geschultert. Lind jeder größeren Station wird die Abteiltür

des neuen Jahres umwehte uns Fruhlmgsluft, die Böget versuchten leise ihre Stimme, am Wegrand grünten die kleinen Blüm- chen und wollten schon Knospen zeigen. 3a, der ^caikafer konnte es nicht erwarten und kam zu uns, tm Januar! Man wollte schon vom Früh­ling sprechen.

. 3n Sufchak, das während der Reisesaison einen lebhaften Verkehr ausweist, scheint alles L e b e n f a st erloschen zu sein. Auch drüben lenseits des kleinen Baches, in Fiume, sieht man bloß müde Schläfrigkeit. Rur auf der Grenzbrücke herrscht etwas Betrieb. Drüben die italienische Trikolore, hüben das jugoslawische Banner, Pendelverkehr. Leibesuntersuchungen, Geldkontrollen es riecht ein bißchen nach Krieg. und etwas später, als es dunkel wird atmet man wieder Frieden, wenn die Fiurner Damen eiligst nach 3ugoslawien trippeln, um in Sufchak den neuesten Hans-Albers-Filrn zu bewundern.

Die Dampfer der Jadranska plovidba, die den Kustenl^rkehr bis Kotor unterhalten, leiden nicht an Leberfüllung, eher am Gegenteil. Taucht einmal ein Passagier auf, dann wirkt das wie eme Sensation. Die Stewards hocken schläfrig un Speisesaal erster Klaffe und lauschen der Radiomusik. Zu tun gibt es nichts. 3n R a b wo das Schiff mehrere Stunden vor Anker liegt geht man durch tote Straßen. Die Hotels find alle geschlossen. 3n einer kleinen Osteria sieht man ein paar Männer schreiend gestikulieren. Sie treiben Politik.

Auf einer kleinen 3nsel, in Korcula, steige ich aus. Dor dem kleinen Zeitungskiosk nahe der Landungsstelle stehen die Menschen Schlange wie m Sowietrußland um Drot und Fett. Aul q 6Zeitungen aus

VCA x"..,®I>Ht. 3eden Tag warten sie auf die Nachricht vom Ausbruch der Revolution. Weiß der Himmel, was sie sich alles davon ver- sprechen. Denn Rot leidet man hier nicht. Man hat nicht viel, gerade das notwendige, aber man n$A?-erm - ,®l,nc8 . allerdings darf man jetzt

Politik treiben, laut und offen für seine Lieberzeugung eintreten, gegen die Re- gierung schimpfen oder sonstwie seinem Herzen Luft machen Die Menschen hier, naiv gut- herzig und leidenschaftlich, nicht sonderlich von Sorgen geplagt, aber mit einem heißen, eben südlichen Temperament gesegnet, haben nichts rfn tolftet mcht, wie sie die Zeit tot- schlagen sollen. Wenn sie nicht politisieren dürfen dann macht ihnen das Leben keine Freude mehr ?tet*e9lCM in ?elgrad begeht einen pshcho^ logischen Fehler, daß sie dem Bürger ihres Staates nicht gestattet, zu politisieren. Sie könnte ruhig eine Steuer auf diese Tätigkeit legen Diese Steuer würde wahrscheinlich die beste Ein­nahmequelle des Staates werden. Denn der Kroate läßt es sich gern auch etwas kosten, wenn er Politik machen darf.

Ein fremdes G e s icht auf einer 3nsel ha muß etwas bahinterstecken! Rach einigen Tagen Aufenthalt erfahre ich vertraulich, daß man mich für einen Spion hält, daß ich scharf beobachtet werde, daß die Gendarmerie

"Dienstjubiläumbei der Reichsbahn. Zugführer Philipp Weigel in Klein-Linden, tätig beim Bahnhof Gießen, konnte dieser Tage auf eine vierzigjährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurück- blicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar Glückwünsche des Reichspräsidenten und der Reichs- bahnverwaltung unter Ueberreichung von Ehren­urkunden übermittelt.

** Hausange st ellten-Jubiläum. Am morgigen Donnerstag kann die Hausangestellte Marie Rink auf eine dreißigjährige Tätigkeit in Der Familie des Kaufmanns Fritz Jung (in Firma ?AnroaÄen^anb(un9 Hensel), Walltorstraße, zurück- blicken. Das seltene Jubiläum ist sowohl für die Ju­bilarin, wie auch für die Familie Jung ein gleicher­

maßen ehrendes Zeugnis einer einträchtigen Arbeits- gemeinschaft.

** Reue Sonntags-Rückfahrkarten. Dom Bahnhof Gießen aus sind für drei neue Strecken Sonntags-Rückfahrkarten genehmigt worden, und zwar für die Fahrt von Gießen nach Homberg (Oberhessen), von Gießen nach Rieder-Ofleiden (über Kirchhain oder über Saasen), und von Gießen nach Siegen. Die Sonntags-Rückfahrkarte nach Homberg kostet (jeweils 3. Klasse) 2,50 Mark, nach Rieder- Ofleiden 3 Mark, nach Siegen 3,90 Mark.

Kirche und Schule.

Oopfkirchenvorstehertagung in Leihgestern.

Am Montag fand in Leihgestern eine außer­ordentlich gut besuchte Dorfkirchenvorste­her t a g u n g statt, veranstaltet von der Dorf- kirchenvereinigung für das nord­westliche Oberhessen, Kreis Wetzlar und Umgegend.

3m Bormittagsgottesdienst predigte in der schönen Dorfkirche, die bis auf den letzten Matz besetzt war, der Superintendent der Provinz Oberhessen, Oberrirchenrat D. Wagner. Zwei Mahnungen legte er der Gemeinde, und insbe­sondere den versammelten Kirchenvorstehern, die weit aus der Rabenau, aus dem Preußischen und Umgegend von Gießen gekommen waren, ans Herz und zwar im Anschluß an 1. Kor. 15, B. 58: Seid fest und unbeweglich. Rehmt immer zu in dem Werk des Herrn. Er wies in ernsten Worten hin auf den Grund, auf dem alle Arbeit, unsere Kirche steht, und auf den Auftrag, den jeder Christ, jeder Vorsteher und jedes einzelne Glied der Gemeinde, hat: Zeuge des Glaubens zu sein und immer zu­zunehmen in diesem Werk, das ihm aufgetragen ist. Solche Kirchenvorstehertagungen seien mit Recht immer mehr zu großen Kirchentagungen geworden, da der einzelne neue Freudigkeit und neue Kraft mitnehme in sein Leben in der Ge­wißheit, nicht allein in seinem -Glauben zu stehen, sondern zur großen Kirche zu gehören.

Die Rachmittagsversammlung sand tm Saal des Gasthauses _3um Löwen" statt. Bor etwa 600 Männern sprach der Direktor des Lan­desvereins für 3nnere Mission, Pfarrer Röh­richt (Darmstadt), in einftüntiger Rede über las Thema: »Bor welche Aufgaben stellt uns die Gottlosenbewegung?" Der Vortragende beschäftigte sich hauptsächlich mit der Fccidenkerbewegu.'g. Er zeichnete den Umfang der Bewegung, die Art des Kampfes, den Ge­dankenkreis der Gottlosenbewegung. Der Kampf richtet sich nicht nur gegen die Institution oer Kirche, sondern ebenso sehr gegen den Glauben und die Moral des Christentums. Bilder aus der antichriftlichen Agitation proletarischer Zugend­verbände, erschütternd in ihrer Verrohung, illu­

strierten Art und 3nhalt dieses Kampfes. Die Kirche hat nach dem Vortragenden nicht nur die Ausgabe der Verteidigung, was zu wenig bedeute, sondern die Aufgabe des Angriffs. Staatliche Verbote versagen zumeist: die Agitation setzt sich unterirdisch fort. Mission, das Hineintragen des Evangeliums in Zeugnis und Bekenntnis in die Massen der Kirchen- und Glaubensentfremdeten, sei die rechte Antwort auf die Arbeit des Frei- denkertums. Die Arbeit geschieht in der Dolks- mission, in der neuen und sehr fruchtbaren Me­thode Des »Cvangcliumwagens", d. h. der flie­genden Mission von Dorf zu Dorf im Wagen, in einer Kleinarbeit, die in die Tiefe geht und dcx'Z in die Weite wirkt. Richt minder in Aufbauarbeit in der Gemeinde selbst: Männerabende. Bibel- stunde usw.

Eine lebendige und sehr angeregte Aus­sprache. geleitet von dem Vorsitzenden der Dorfkirchenvereinigung, Pfarrer Mahr (Gie­ßen), folgte dem Vortrag. Prälat D. Dr. Diehl eröffnete die Aussprache. Er überbrachte die Grüße der Kirchenregierung und gab seiner Freude Ausdruck, daß es der Dorskirchenbewegung in 25 3ahren Arbeit gelungen sei, bodenständige kirch­liche Arbeit zu fördern und überall anzuregen. Rezepte für den Aufbau unseres deutsch-christli­chen Lebens lassen sich nicht geben, aber so viel lasse sich für unsere Dörfer sagen: Als unsere Dörfer noch Dorf, Gemeinschaft, Markgenossen­schaften waren, als diese Markgenossenschaften noch nicht aufgelöst waren und das Dorf nicht in lauter einzelne zerfiel, da jeder nur an sich denkt und nicht an das Ganze, waren unsere Dörfer noch gesund in Gemeinde und Kirche. Was unsere Ge­meinden brauchen, ist. daß sie wieder Ordnung schaffen: Ordnung im Haus. Ordnung auch in der Gemeinde. Darum Stärkung an Sitte Brauch

Gemeinschaft im Dorf! Seine'Hoffnung ift die 3ugenö, in der ganz neu ein Gefühl für £rDf?.en &cr Heimat, des Volkstums, des Volksgedankens letzt erwache. Es sprachen noch Dekan Guß mann (Kirchberg), Rektor Lotz (Leihgestern), Pfarrer Mahr (Gießen) u. a

? * u s ch (Leihgestern) hatte zu Be­

ginn der Versammlung die Anwesenden im Ramen der Leihgestemer Gemeinde in herzlichen Worten begrüßt. Mit dem Gesang des Lutberliedes »Ein feste Burg schloß die eindrucksvolle Tagung.

jeden meiner Schritte kontrolliert. 3ch werde an die schonen Zeiten erinnert, die ich in Ru­mänien verlebte, wo man mir heimlich die Koffer durchschnüffelte, während ich im Speisesaal des Hotels mein Frühstück einnahm.

Korcula hat als Schmugglernest eine be­sondere Bedeutung. Einen größeren Katzensprung entfernt liegt die jetzt im italienischen Besitz be° findl.che 3nsel ßagofta. 3n Lagosta. das einen Freihafen hat, ist der Zucker lächerlich billig, in Korcula ist er rar und teuer dazu. Kein Wunder, wenn da kräftig geschmuggelt wird. 3n den Kanälen zwischen den 3nseln rings um Korcula lauem die kleinen Zollmotorboote auf Deute. Aber die Schmuggler, die einen aus­gezeichneten 3nformationsdienst besitzen, wissen gewöhnlich schon vorher, an welcher Stelle die Finanzer" Wache halten, und treiben ihr Hand­werk luftig weiter.

Kritischer und einer besonderen Betrachtung wert ist das Verhältnis zwischenden3ugo- slawen und den 3 talienern längs der Adriaküste. 3n dieser Beziehung hat sich in den letzten 3ahres manches in bedenklicher Weise geändert. Doch darüber wird noch ausführlicher gesprochen werden.

Hauptversammlung -es Hessischen Verkehrsverban-es

Darmstadt, 21. Febr. (WSN.) Im hiesigen Rathaussaal tagte heute die 27. Hauptversammlung des Hessischen Derkehrsoerbandes, zu der zahlreiche Vertreter der Provinzial-, Reichs­und Kommunalbehörden, der Industrie- und Han­delskammern, des Einzelhandels usw. erschienen waren.

Der Vorsitzende Theodor Stemmer erstattete den Jahresbericht, der einstimmig genehmigt wurde. In ihm wird besonders auf die erfolgreiche enge Zusammenarbeit mit den übrigen deutschen Verkehrsverbänden, den Handelskammern, dem! Hotelgewerbe, den Fremdenoerkehrsorganisationen

sowie der Akademischen Auslandsstelle bei der Tech­nischen Hochschule Darmstadt hingewiesen. Der Vor­sitzende betonte, daß, wenn auch nicht alle, doch die meisten Bestrebungen des Verkehrsoerbandes auf Verbesserung der Fahrpläne der Reichsbahn, der Kraftpost usw., sowie der Straßenherstellung von gutem Erfolg begleitet waren. Der Rundfunk habe zugesagt, daß im Mai ein Hessenabend veranstaltet wird.

bem Kassenbericht balanciert der Ab­schluß mit etwa 19 000 Mark bei einem Ueberschuß von etwa 6000 Mark.

Die neuen Satzungen des Verkehrsverban- des wurden genehmigt. Hiernach wird der Verband außer der Mitgliederversammlung als Organe in Zukunft einen Vorstand von 5 und einen Vermal- tungcrat von 30 Mitgliedern umfassen. Im Ver- waltungsrat sind sämtliche Landesteile unmittelbar vertreten.

J)er Vorsitzende sich außerstande er- ä'L v6' den Vorsitz noch länger beizubehalten, schritt die Versammlung zur Reuwahl des Vorstandes, der einstimmig wie folgt zu­sammengesetzt wurde: Vorsitzender Dr. iur. Roe- Jener Darmstadt, Wckhelminenstrahe 32; erster stellvertretender Vorsitzender Bürgermeister Dr. Hamm, Gießen; zweiter stellvertretender Dor- sthender Stadtsyndikus Dr. Sch wahn, Mainz; Schriftführer Bürgermeister Dr. A n g e r m e i e r, Dcnsheim a. d. B.; Schatzmeister Dr. iur. Prik - Mainz. Der neugewählte Vorsitzende über­mittelte dem zurücktretenden hochverdienten Grün­der und langjährigen Vorsitzenden Herrn Th. Stemmer, Darmstadt, den herzlichen Dank des Verbandes für die überaus ersprießliche Tätig» iw 3nteresse der Förderung der hessischen Verkehrsbelange. Die Mitgliederversammlung be- fdjlofj einftunmig, den bisherigen Vorsitzenden du.ch Ernennung zum ersten und bislang einzigen Ehrenmitglied unter Lieberreichung eines künstlerischen Diploms auszuzeichnen. Mit Wor- ^5" des Dankes und Wünschen für ein weiteres Gedeihen der gemeinnützigen Verbandstätigkeit nahm der bisherige Vorsitzende die verdiente Ehrung entgegen.

3Triften an den Verband sind für Die Folge ohne Zusatz eines Ramens nach Darmstadt, Wilhelminenstrahe 32 zu richten, Fernruf Darmstadt 368.

Lind nun ist er doch noch gekommen, der Win- ter. Der Frost bannt das Wasser in Eis. Am Küster erblühen die zarten Eisblumen; sie vlihen und glanzen im Sonnenlicht und strahlen m den Warben D^ Regenbogens. Lind wenn die Schneeflocken durch die winterlich herbe Luft stie­ben, dann ist die Zeit, wo Himmel und Erde in- einander verschwimmen. Was einst grünte und blutte dann aber schwarz und starr dastand Das glanzt nun im Schmuck des reinen Schnees Mit zarten Händen hat Der Schnee alles in gleicher Liebe bedeckt.

Eine heilige ungeahnte Stille ist draußen im W.nterwald. Al.es Starre ist gewichen. Flirrende, leuch.ende L.chtfaden umspinnen die Zweige. Die Schatten der Aeste erscheinen warm und blau -^x^Enzweige beugen sich, rühren sich aber nupt, denn sie furchten, etwas von der Herrlich­keit zu verlieren.

Es ist nicht nur die klare, reine Luft, nicht nur das Gefunkel auf der hellen Landschaft, das so wohl tut, sondern die Sonnenstrahlen sind es, die mit ihrer fFeJ,f1JlMtenbeilr mächtig auf uns einwirken. A lehlt wohl die Warme die Sonne steht zu tief. Ker die Lebensstrahlen sendet sie uns auch im Zuinter.

Glücklich sind diejenigen, die sich jetzt auf Beraes- hofje in der frischen Winterluft und dock) eingehüllt in goldne Sonnenstrahlen erholen können, ob sie S^-P°rt reJben' Qcuf den Hölzern durch die Land- N wgen oder auf dem See Schlittschuhe laufen. ?!.cf..®in*?Ff°nne erschlafft nicht, sie erfrischt und traftigt. Sffiir brauchen den Schatten nicht zu suchen wie im Sommer im Gegenteil, wir freuen uns der PuffenUtlb 9Cme6en l'e uw so mehr, je kälter die ^.usl i|t. W

OefBauvInWafferstraßen-Siaustu^en

Auf Einladung der Gießener Studentenhilfe f®e*frn im Studentenhaus in einer ^reftß Uffl rnP^CrtmmhUnl ber Diplomvolkswirt üireEtor ©rebe über den Bauverlauf bei der Er- ri$tung einer Staustufe bei Großschiffahrts-Bin- nenwasierstraßen. Der Vortrag sollte in technisch ft;1" untmidjtenber Weile ein Bild von dem uilh °h^Cr©'I,C^ H.nb Wasserbauarbeiten geben

ÖCn K°mpf ihrer Erbauer mit der Natur zeigen.

Der Vortragende wies in seiner einführenden Be­trachtung auf die im Gießener Wirtschaftsbezirk zur Zeit aktuellen Bestrebungen zur Lahnkanalisie- jung h.n, deren guter Wegbereitung er mit feinem ?n°htrha9e Mutvolles Hilfsmaterial bieten wollte Er n c.ein£n Rückblick auf die Entwicklung des r?benbaues im Wettbewerb mit ber Reichs- bahn und auf die feit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts steigende volkswirtschaftliche und verkehrspol,tische Bedeutung der Wasserwirt- schäft überhaupt. Sodann skizzierte er die Gesichts- e b^-s^"äe>tllchen Verwaltung der Wasser- krafte und ihre moderne Nutzbarmachung im Jnter- Ä ^r^r.Äamten Volkswirtschaft. Die9 allgemein- wirtschaftlichen Darlegungen des Redners boten cmen guten Ueberblick über die ganze Materie und E fiir die Zuhörer die sich

bisher mit ben Problemen bes Wasserstraßenbaues 6cnfaft?"ab®n.,ferftraBeUn,ir,|Ci,afl naher

3m zweiten Teile seines Vortrages schilderte der a" ^d vieler guter Lichtbilder ben 23er- lauf des Baues der Neckar-Staustufe bei Wieblin- gen im Zuge des Rhein-Neckar-Donau-Kanals Der Vortragende erzählte dabei aus eigener genauer Sachkenntnis, die sich auf seine Mitarbeit an dem

5ßerf gründete. Er gab da- b.?i nicht nur allgemein verständliche technische Er- ^uterungen von dem großen Bauwerk dem fnnhV500 ^beiter lange Zeit beschäftigt waren sondern er ließ auch in fesselnder Weise erkennen welche große wirtschaftliche Bedeutung ein derarti­

ges Bauunternehmen für die Gegenwart und Zu­kunft hat.

Der aufschlußreiche und interessante Vortrag fand mit Recht den lebhaften Beifall der Zuhörer.

Wegen Angriffs gegen einen po»izei- beamien vor dem Gchnellrichier.

Der heutige Polizeibericht meldet: Wegen tätlichen Angriffs mit Widerstands gegen die Staatsgewalt und Beleidigung eines Kriminalbeamten wurde gestern nachmittag in der Wolkengasse der 19 Jahre alte Schlosser Heinrich Nanz von hier, der nach seinen Ausrufen der KPD. angehört oder nahesteht, festgenommen und dem Richter vorgeführt. Der Ver­haftete ging gegen den Kriminalbeamten, als dieser seinen Namen feststellen wollte, mit Tätlichkeiten vor und beleidigte ihn außerdem noch. Nanz wurde im Schnellgerichtsoerfahren zu vier Wochen Ge- fananis verurteilt und gleich in Haft behalten. Das Urteil ist sofort rechtskräftig geworden.

Arbeiisiosenversicherungsbeiträge auch für Krankheitszeiten.

_Das Reichsversicherungsamt hat sich in einer Ende vorigen 3ahres ergangenen Entscheidung aus den Standpunkt gestellt, daß Arbeitslosen­versicherungsbeiträge auch für solche Zeiten zu zahlen find, in denen Versicherte erwerbsunfähig krank und daher von der Zahlung von Kranken- kafienbeiträgen befreit find. Gegen diese Ent­scheidung ist von allen Seiten Einspruch erhoben worden.

Der Cewerkschaftsring deutscher Arbeiter». An­gestellten- und Deamtenverbände hat, wie man uns mitteilt, das Re'.chsarbcilsministerium ge­beten, die erforderlichen Schritte in die Wege zu leiten, um dieses Urteil gegenstandslos zu ma- chen und den Zustand wiederherzustellen, nach Dem d.e Befreiung von Der Krankcnlässenbeitrags- sah.Iung automatisch auch Die Befreiung von der Beitragszahlung zur Arbeitslosenversicherung zur Zolge hat.

3n Der BegrünDung wirD u. a. Darauf hin- gcto.efen, Daß nach Den gesetzlichen Bestimmungen per Betrag zur Arbeitslosenversicherung als Zu­schlag zu den Krankenkassenbeiträgen uno mit die» fen zu erheben ist. Daraus gehe ohne weiteres hervor, Daß, wenn die Zahlung Des Kranlen- kasicnbe.träges Wegfalle, auch Der in Der Form etneä Zuschlages zu zahlenDe Arbeitslosenversiche­rungsbeitrag nicht zu erheben sei. Ein Ein­greifen Des Ministeriums sei um so nottoenDiger, alä mit Der Beitragszahlung zur Arbeitslosen- vers.cherung auch Die Zahlung Der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe verkoppelt fei.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadt- tpeater: 19.30 bis nach 22 Uhr:Der Bundschuh". Oberhessischer Kunstoerein Turmhaus am Brand- £aK15f?,3c.17 ^r' Ausstellung. - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Morgenrot"

Die DeutfcheVolkspartei veranstal- y am Freitag, 24. Februar, 16 Llhr, im Hotel Hindenburg eine Frauenversammlung. Frau Dr M a h, Berlin, wird über das ThemaSie Frau im Staat sprechen. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.

-Der BundHausund Schule veran- staltet am Freitag, 24. Februar, 20 Llhr, im einen Familienabend, wobei ein mi?hblI^rDf°vtrr& über Gustav Adolf gehalten wird. Musikalische Dorträge gesanglicher und instrumentaler Art werden Den Vortrag um­rahmen. Siehe heutige Anzeige.

nr'e£mrOnta9Sfondcrf im Cafe Rosenmontag (27. Februar). 20.11 M 'M Cafe Leib das bekannte Rosen-

montagskonzert statt. Das Musikkorps unseres Vataillons wird unter Leitung von Obermusik- melster Krauß e konzertieren. Auf Die heutige Anzeige fei hingewiesen.

*

V* den Ruhestand verseht. Aus S^np Des Altersgrenzegesetzes wirD Der Regi- strator Ernst Rumpf beim Landgericht zu Gie- bom April in Den Ruhe­stand versetzt.

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Die fieberhaften Bemühungen Der K l e i- n e n Entente, einen militärischen Block gegen Deutschland, Ungarn und 3talien zu schaffen, als Antwort auf die be­stellte französische Zwecklüge von einem an­geblichen Geheimvertrag BerlinRom- Budapest haben an Der ADria eine Politische Gewitter st immung er­zeugt, Die Der Aufsatz unseres SonDer- berichterstatters packend schildert.

Die Schriftleitung.

Korcula (Südslawien), im Februar.

3n Den Tagen, Da in Deutschland die Tem­peratur viele Grad unter Rull gesunken war, fegte über die Adria ein gewaltiger Sturm, Rächt für Rächt ballten sich die Wolken zu­sammen, stundenlang tobte das Meer, jagten Die Blitze einanDer, und das Donnern nahm kein Ende. Selten gab es eine solche Häufung von Gewittern wie in diesem Winter, da tief unten in ©üddalmatien die Karsterhebungen weihe Echneemäntel tragen, während Die Küstenstriche durch schwere Hagelfälle heimgesucht werden.

Von dieser für diese 3ahreszeit höchst merk­würdigen Gewitterstimmung ist aber ganz 6üd- flatoicn erfaßt. Rur in Slovenien, an Der österreichischen Grenze herrscht eine ruhigere Stimmung. Aber schon in Zagreb, der kroa­tischen Hauptstadt, merkt man, daß ein Land in schweren Zuckungen liegt, fühlt man die Kluft, die zwischen Regierung und Bevölkerung besteht. Am Bahnhof stehen Detektive und Kri­minalbeamte in Zivil. Alle Reisende müssen wie an der Grenze ihre Koffer offnen. Man erkun­digt sich nach dem Zweck und erhält nur ein Achselzucken als Antwort. Rachher erfährt man, daß Attentate befürchtet werden, daß Gerüchte kursieren, Revolutionäre und Despe­rados seien mit Höllenmaschinen unterwegs. Da­her Die scharfe Kontrolle. 3n Zagreb selbst fiel mir auf, Daß Die Schutzmänner nach Einbruch Der Dunkelheit mit Karabiner bewaffnet waren. Wollte man Den Versicherungen oppositioneller Führung glauben, so mühte bereits in Den näch­sten Stunden Der Zerfall Jugoslawiens Begin­nen. Gewiß hat Die allgemeine Volksstimmung einen SieDepunkt erreicht, gewiß sinD Die Gegen­sätze zwischen Regierung unD Den Oppositions­parteien, Die aber nur eine kleine Mehrheit des Volkes hinter sich haben, kaum zu über­bieten, trohDem glaube ich nicht an einen Zu­sammenbruch, wenigstens nicht in Der nächsten Zeit.

Gewitter über der Adria

Von unserem Dr. R.).-Berichterstatter.

gerissen. Ein Polizeikommissar. hinter ihm EenDarme.Legittrpation, bitte!" 3ch weise nen Paß vor. Dann beginnt Die Fragerei.

»Wohin fahren Sie? Rach Fiume?" »Rein, nach Sufchak!"

»W as wollen Sie in 3ugoslawie n?" 3ch versuche Den Beamten glaubhaft zu machen, Daß ich keinerlei ho verräterischen Absichten hege. UeberDies weise ich, um Das ewig gleiche und nutzlose Verhör zu beendigen, ein Empfehlungs­schreiben Der jugoslawischen GesanDtschaft in Ber- un vor. Damit habe ich bis zur nächsten größeren Station Ruhe. Aber Dann beginnt Das Kontrolle- sprel von neuem, Das nicht Dazu angetan ist, Das reisende Publikum zu beruhigen. Aber immer toieder bekommt man zu Horen: Attentatsgefahr Bomben, Höllenmaschinen. Es ift eine wahre Attentatspshchose.