Ausgabe 
22.2.1933 Erstes Blatt
 
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Mittwoch,21 Februar (YZ3

185. Jahrgang

Nr. 45 Erstes Blatt

GietzeimAnMger

Oie Hirtenberger Affäre erledigt

Oesterreich wird das französisch-englische Ultimatum nicht beantworten England zieht zurück

nale Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen hin-

Zeugenvernehmung im Brolat Prozeß

Dom gegen

geben.

Oie Umstellung

französi. de P<r-

Annahme von Lnzeigez für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; . für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen.

in der preußischen Schulverwaltung.

Berlin, 21. Febr. (WTB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind der Vizepräsi­dent des Provinzialschulkollegiums Berlin, König, sowie die beiden Abteilungsdirettoren Geheimer Re- gierungcrat Dr. Israel und Kumme row mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Mit der Leitung der beiden Abteilungen wurden der Ober­schulrat Dr. Möller und der RegierungSdirekwr

deren Interessen durch den Vorfall berührt seien, überlassen, die Angelegenheit vor den Völker­bundsrat zu bringen, falls sie es wollen. Eng­land habe mehrfach erklärt, daß es in der Frage der europäischen Sicherheit keinerlei Verpflichtungen eingehen könne, die über die deutsch-französische und deutsch-belgische Grenze hinausgingen. Man sei da­her der Ansicht, daß für England kein Grund bestehe, sich in einen Donaukonflikt einzumischen, ausgenommen in seiner Eigenschaft als Dölker- bundsmitglied, ohne daß es aber dadurch in regio-

eingezogen wird.Daily Gerald" schreibt, die Waf­fenschmuggel-Zwischenfälle hätten in Verbindung mit der sich immer mehr herausarbeitenden Spaltung Europas in zwei gegnerische Lager in englischen Regierungskreisen d i e ernstesten Besorg­nisse ausgelöst. In Regierungskreisen werde die Wichtigkeit der A b r ü st u n g s k o n f e r e n z be­tont, die zum Erfolg führen müsse, wenn England sich aus den Wirren ziehen wolle.

Kleine politische Nachrichten.

Der Generaldirektor der Buderusschen Eisenwerke AG., Wetzlar, Kommerzienrat Dr. Koehler, hat seinen Austritt aus der Deutschen Volkspartei er­klärt und ist der Deutschnationalen Volks­partei beigetreten.

Oie Abschaffung der Prohibition in Amerika.

Wie weiden die Einzrlstaaten entscheiden?

Washington, 21. Febr. (WTB.) Das Gesetz über die Aufhebung der Prohibition geht nun­mehr den 48 Staaten zu. Es muß von 36 eigens dafür gewählten Konventen gebilligt werden. Die Delegierten zu diesen Konventen wer­den durch allgemeine Wahl bestimmt. Die Trockenen" hoffen, daß wenigstens in dreizehn Staaten die Einberufung dieser Konvente durch die Parlamente verhindert oder wenigstens stark verzögert wird. Jedoch erscheint die Mög­lichkeit nicht ausgeschlossen, daß nur etwa a ch t der von Hegern stark bevölkerten und da­her die Aufhebung des Alkoholverbotes fürchten­den S ü d st a a t e n der Durchführung des Kon­greßbeschlusses Schwierigkeiten bereiten werden.

Das Staatsdepartement hat den Text des Ge­setzes über die Aufhebung der Prohibition inner­halb weniger Stunden nach seinem Eingang be­reits an alle 48 Bundes st nuten ver­sandt. Durch öiefe Beschleunigung sollen die Bundesstaaten bestimmt werden, schnellstens zur Wahl der ein^elstaatlichen Konvente zu schreiten, die das Antiprohibitionsgesetz ratifizieren müs­sen, ehe es praktische Anwendung finden kann.

Paris, 21. Febr. (TU.) Das dem schon Generalstab nahestehendeEcho r i s" will aus bestunterrichteler Quelle er,ahren b?b:n, daß die französische (Regierung gemeinsam mit den (Regierungen der Kleinen Entente neue diplomatische Schritte in (Rom und Budapest wegen angeblicher Flugzeug­lieferungen Italiens an Ungarn unternehmen werde. Oesterreich werde dies­mal nicht in die Angelegenheit hineingezogen we.den, da die betreffenden Flugzeuge das öster­reichische Gebiet in einer Höhe von 6000 Die oster-

Rkichslommiffar Ruft über das luilurpMische Ziel in Preußen.

Berlin, 22. Febr. (TU.) 3m überfüllten großen Hörsaal der TechnischenHochs ch u l e sprach aus Anlaß der Asta-Wahlen auf Einla­dung des (Nationalsozialistischen Deutschen Stu- dentenbundes der (Reichskommissar für das Preu­ßische Kultusministerium Dr. (Rust. Der (Rektor der Technischen Hochschule, Gch. (Bergrat Dr. $ ü b o c n, begrüßte Dr. (Rust und sprach unter starkem Beifall den Wunsch nach baldiger staat­licher Wiederanerkennung der SiuLentenfchaft aus. (Reichskommissar Dr. (Rust ging auf die kulturel­len Ziele der (Nationalsozialisten ein. Man hege vielfach Besorgnisse, daß die Nationalsozialisten wie die Bandalen im Salon Hausen wür­den. Aber jene zu Unrecht so viel geschmähten Bandalen hätten in ihrem sittlichen Wert und ihrer Kulturfähigkeit millionenfach über dem Nasfensumpf der ausgehenden Antike gestanden. Cs sei nicht alles Kultur, was in den internationalen Salons dafür aus- gegeben werde. Seine Auffassung darüber sei anders als die Heinrich Manns und derjenigen Presse, die seine jüngsten Maßnahmen bekämp­fen werde. Der Familie wohne aufbauende Kraft inne und wer das Leben der Nation als den Mittelpunkt alles Sorgens und Kämpfens ansehe, beuge sich demütig vor dem Begriff Mut­ter und Weib. Die arische Seele wurzele tief im Irrationellen und (Religiösen; der Kommunismus wolle mit seinem Kampf gegen Kirche und (Reli­gion dem Bolk diese seelischen Kräfte rauben. Neichskommissar Dr. Nust kündigte dann für die nächsten Tage ein ausführliches Pro­gramm zum Kampf gegen d i e Gott­losenbewegung an. Dr. (Ruft betonte noch einmal, er werde die Lehrfreiheit aufrecht erhalten, aber vor dieser stehe das Wohl der Nation. Er wolle mit allen Kräften der Hoch­schulen Schulter an Schulter arbeiten, aber unter der Führung Adolf Hitlers dürfe es an den Hoch­schulen unter gar keinen Umständen ein Faustrecht

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Der frühere Unterstaatssekretär im Reichspost­amt, Exzellenz Bruno Fritsch, dessen 90. ®<* burtstag vor etwa Jahresfrist mit besonderen Ehrungen verbunden war, ist in Lichterfelde ge­storben. Er war Mitarbeiter des Staatssekre­tärs Stephan und Mitbegründer der Weltpost- längeren;. 1902 schied er aus dem Reichsdienst aus, war von 1902 bis 1918 nationalliberaler Abgeordneter im Preußischen Landtag und beson­derer Förderer der Deutschen Gartenbaugesellschaft.

Die Versammlung mußte frühzeitig ausae- 1 ö st werden, da infolge einer Aeußerung des Red­ners Rufe und Geaenrufe erfolgten, die sich in Der- bindung mit dem Werfen einer Rauchpatrone b i s zum Tumult ft e i g e r t e n. Da sich die vom diensthabenden Polizeiosfizier zunächst ungeordnete Räumung der Galerie als nutzlos erwies und sich inzwischen an mehreren Stellen des Saales 2 ch l ä­ge r e i e n entwickelten, sah sich dieser veranlaßt, die Versammlung für aufge 1 öst zu erklären. Die Räumung des Saales vollzog sich ohne weitere Zwischenfälle." Das Zentrum hat ein Proteft- telegramm an Reichskommifsar Göring gesandt.

Der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Adolf Hitler, hat einen Ausruf erlassen, in dem es heißt: Provokatorische Elemente versuchen unter dem Deckmantel der Partei durch Störung oder Sprengung insbesondere von Zentrumsoersamm- 1 u n g e n die nationalsozialistische Bewegung zu belasten. Ich erwarte, daß alle Nationalsozialisten ich in äußer st er Disziplin gegen diese Ab- ichten wenden. Der Feind, der am 5. März nieder gerungen werden muß, ist der Marxismus. Auf ihn hat sich die gesamte Propaganda und da­mit der gesamte Wahlkampf zu konzentrieren. Wenn das Zentrum in diesem Kampf durch Angriffe gegen unsere Bewegung den Marxismus unter tützt, so werde ich f e I b ft von Fall zu Fall m i ch mit dem Zentrum auseinandersetzen, diese Angriffe zurückweisen und bamit^ erledigen.

Die kommissarische pr.eußische Staatsre­gierung teilt mit, daß eine amtliche Unter- u d) u n g der Vorfälle bei der Stcgerwald-Ver- ammlung in Krefeld eingeleitet wurde. Reichskom- mifsar von Papen hat seine Mißbilli­gung über die Vorfälle ausgesprochen.

STodeSopferpoliiischerAuSfchreitungen

In Berlin ereigneten sich schwere politische Zusammenstöße, bei denen insgesamt zweiTo t e unddreiSchwervcclehtezu beklagen f inb. Die Polizei meldet darüber u. a.: Bor einem KPD. -Berkehrslokalin Spand au ent­stand eine Schießerei: bei der ein 20jähri- ger Nationalsozial i'st durch einen Rückenschuh getötet wurde. Anderthalb Stunden später fand in Spandau eine weitere Schießerei statt, in deren Verlauf eine Person getötet, zwei weitere durch Bauch­schüsse schwer verletzt wurden. Die Persona­lien des Getöteten konnten noch nicht ermittelt werden.

In Hannover kam es aus Anlaß einer Ver- sammlung der SPD. vor dem Versammlungslokal zu einer Schießerei. Ein Bersammlungsteilnehmer wurde getötet, fünf wurden schwer verletzt. In einer zweiten SPD-Versammlung in Buch­holz wurde ebenfalls geschossen. Bier Personen wurden schwer und sieben leicht verletzt.

In Hamburg zog ein Trupp von etwa 20 Kommunisten vor das nationalsozia­listische Berkehrslokal in der Schanzen- straße und zertrümmerte mehrere Scheiben. Auch Revolverschüsse wurden abgegeben. Eine Frau erlitt einen Oberarrnschuh, eine andere einen Halsschuß. Die Schwerverletzte ist inzwischen ge­storben- Ein Gastwirt aus Altona wurde durch Nierenschuß, ein SA -Mann durch Oberschenkel- schuß verletzt. Der Gastwirt ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Meter überflogen hätten.

re.chische (Regierung habe sogar in _ _ dieses Heberflicgcn durch fremde Militärflug­zeuge protestiert, worauf man ihr geantwortet habe, daß die Flieger sich verflogen hätten.

Daily Telegraph" meldet, baß in englischen amtlichen Kreisen von einer Ueberfütjrung von 32 Kampfflugzeugen von Italien nach Ungarn nichts bekannt sei. Angesichts der unangenehmen Wei­terungen, die die englisch-französische Note an Oeste- reich zur Folge gehabt habe, sei es unwahr­scheinlich, baß bie englische Diplomatie sich n o ch e i n m a l auf die letzthin verfolgten Methoden einlaffe. Man würde es vielmehr den Ländern,

chersachverstöndigen Grade hineingekommen seien.

Nachdem das Schwurgericht den Antrag bis zum Schluß der Beweisaufnahme zurückgestellt hatte, wurde der Zeuge Münch gefragt, ob er feiner Sekretärin die Anweisung gegeben habe, bei dem für den Sachverständigen Grade bestimmten Konto- Auszug die Posten, die Brolat bezahlt hatte, a u s - zulassen. Der Zeuge erklärt, daß dies fein könne, aber er glaube es nicht.

Bei der Vernehmung der kaufmännischen Ange­stellten- F is ch e r , bie Privatsekretärin des Inha­bers der Wäschefabrik Gebr. Mvsse gewesen war, packte der Verteidiger einsdervvnLevSkla- rek an (Brolat geschenkten Seidenhern - den aus. Unter allgemeiner Begutachtung und Bewunderung" wanderte das70-Mk.-Hemd" durch bie Hänbe ber Richter, der Staatsanwälte und Ge­schworenen.

Brolat bat bei der Firma um Ausstellung einer Rechnung über zwei Dutzend seidener Hemden, da er nicht wollte, daß in der Oeffent» lichleit bekannt werde, daß er von Leo Sklarek ein Dutzend seidener Hemden, das Stück zu 7 0 Mark, geschenkt bekommen erhalten habe. Brolat erklärte, er habe sich sehr geschämt, daß er Hemden für 70 Mk. trage. Der Untersuchungs- richler Tapolski erklärte nochmals, daß Bro­lat seine Beziehungen zu den Stadtbankdirektoren absichtlich verschwiegen habe, weil diese Beziehungen in der damaligen Situation geeignet gewesen feien, Brolat zu belasten. Stadtbank­direktor Hoffmann bestritt, daß er Brolat die Hand geküßt habe, vielmehr sei Brolat es gewesen, der einmal über Lro Sklarek den Aus­spruch gemacht habe:Ich habe den Kerl so lieb, ich möchte ihm am liebsten einen Kuh geben.

Daraus wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Die Plädoyers beginnen Donnerstag.

Dr. Hassenstein beauftragt. Ferner hat Reichs­kommissar Rust in Würdigung ber feit langem gegen Geist und Verfassung ber Karl-Marx- Schule in Berlin-Neukölln erhobenen Beschwerden bieUmorganifationber Schule und die Beurlaubung ihres Leiters Dr. Karsen angeordnet. Gleichzeitig ist die Entziehung des dem Dr. Karsen an der Universität Berlin er­teilten Lehrauftrages für ausländisches Schulwesen in die Wege geleitet worden. Schließlich ist zur Klärung der gesamten Verhältnisse an der Staatlichen Kun st schule in Berlin- Schöneberg, die zu den Vorgängen am 17. Fe­bruar geführt haben, als Untersuchungs- k o in m i s f a r mit Sonderauftrag der Oberregie­rungsrat Dr. Zier old eingesetzt worden. Die Untersuchung beginnt unverzüglich und wird mit größter Beschleunigung durchgeführt.

Reichs- und Landeewahlvorschläge der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot.

Berlin, 21. Febr. (TU.) Der Reichs- Wahlvorschlag der Kampffront Schwarz- Weih-Rot beginnt mit folgenden Kandidaten: 1. Franz von Papen, 2. Franz Seldte, 3. Dr. Friedrich von Winterfeld, 4. Anna­grete Lehmann, 5. Dr. Alfred Hanemann, 6. Dr. Reinhold Qua ah, 7. Walter Graef, 8. Dr. Martin Spahn, 9. Dr. Erich Wi en­de ck, 10. Dietrich Bogemann, 11. Alfred Möllers, 12. Dr. Wilhelm Koch, 13. D. Magdalene von Tiling, 14. Otto Schmidt, 15. Dr. Friedrich Ever 1 ing , 16. Otto Hem - b e ck , 17. Gustav Harmonh , 18. Dr. Erich Schmidt.

Der Landeswahlvorschlag für Preußen der Kampffront Schwarz-Weih-Rot beginnt mit folgenden Kandidaten: 1. Dr. Friedrich von Winterfeld, 2. Dr. Elisabeth Spohr, 3. Ludwig S ch w e ch t, 4. Dr. Wilhelm von Waldthausen, 5. Eldor Borck, 6. Dr. Otto Hoffmann, 7. Emil Ebersbach, 8. Paul R ü f f e r.

Eine Zentrumsversammlung in Krefeld gesprengt.

Krefeld, 21.Febr. (TU.). Arn Mittwochabend wurde in Krefeld eine W a h l k un b ge bungber Zentrumspartei, auf der Minister a. D. Stegerwald sprach, von politischen Gegnern gesprengt. Vom Polizeipräsidium wird darüber folgender Polizeibericht herausgegeben:Die am 21. Februar in der Stadthalle stattgefundene Versammlung der Zentrumspartei war von etwa 1200 Personen besucht, darunter auch ein großer Teil Angehöriger anderer Parteien und Verbände.

Berlin, 21. Febr. (TU., In dem Meineid­prozeß gegen Brolat wurde als Zeuge vernommen der Kaufmann Flachs, Inhaber des Maß- schneiderateliers Keller & Furch. Der Zeuge mußte jahrelang bei den Sllarels als deren Zuschneider auftreten, wenn er den prominenten Freunden der Sklarels Maß nahm. Flachs, bei dem nach der Verhaftung der Sklarels Brolat seine aus­stehenden Rechnungen und ebenfalls die der städ­tischen Beamten und Stadtbankdirettoren beglichen hatte, konnte dem Gericht keine Erklärung dafür geben, warum er bei dem Quittieren der Rech­nungen kein Datum dazu geschrieben habe. Der Vorsitzende hielt dem Zeugen vor, daß dadurch unbedingt der Eindruck erweckt worden fei, als ob Brolat die vier Rechnungen, die man ihm statt einer gemeinsamen mit verschiede­nen Daten ausgestellt hatte, an diesen vier verschiedenen Daten bezahlt habe. Der nächste Zeuge, der Mitinhaber der Maßschneiderei Keller L Furch, Kaufmann M ü n ch , vermochte auch nicht anzugeben, warum der Büchersachverstän-- dige Grade, der für den Sklarek-Prozeß Auf­stellungen darüber machen muhte, welche Beträge die einzelnen städtischen Beamten durch Brolat und welche Beträge Brolat selbst bei der Firma Keller & Furch bezahlt hatten, k ei n e n C i n- blick in die Bücher nehmen konnte, aus denen hervorging, daß Brolat die seit Dezember 1928 von den Sklarels bezogenen Anzüge bei der Firma Keller & Furch bezahlt Halle.

Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg be­antragte nun, den Büchersachverstänbigen Grabe als Zeugen zu hören, um zu beweisen, wie syste­matisch Brolat bereits 14 Tage vor feiner Verneh­mung seine falschen Aussagen d o r be­reitet habe, inbem er bafür Sorge getragen habe, baß bie von ihm bei ber Firma Keller und Furch bezahlten Anzüge nicht in bas Gutachten des-

Wien, 21. Febr. (ERB.) Wie heute bekannt wird, weilte gestern abend der italienische Gesandte beim ö st erreich ischen Bun­deskanzler. Aus Grund dieser Unterredung ist bann ein M i n i st e r r a t anberaumt worden, der den Vorschlägen des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß einstimmig zustimmte. Der Bundeskanz­ler begab sich nach dem Ministerrat ins Par- lament, wo er eine eingehende Darstellung der Hirtenberger Waffenangelegenheit gab und den Wortlaut der fran^ösisch-engllschen Note mitteilte. Er wiederholte den Rcchtsstandpunll. daß es sich um keine Verletzung des Friedens­vertrages handele. Trotzdem werde die (Re­gierung für Beschleunigung der Reparaturen sor­gen. Dec Winisterrat habe ihn ermächtigt, die Forderung der französischen und der englischen (Regierung abzulehnen. Der englische Ge- fanbte habe ihm Mitteilung von einer im eng­lischen Parlament erfolgten Antwort des eng­lischen Außenministers auf eine Anfrage gemacht.

Der Gesandte sprach im Interesse einer gedeih­lichen Erledigung der Angelegenheit die Hoffnung aus,-daß auch der Bundeskanzler der vorgefchlage- ncn Lösung zustimme. Danach, so schloß der Bundes­kanzler, stehe nur fest, daß d e r ö st e r r e i ch i s ch e Rechts st andpunkt tatsächlich aner­kannt werde, daß eidliche Erklärungen nicht mehr in Frage kommen und von der 14- tägigen Frist nicht mehr gefprochen werde. Bezüglich der Vorlage der Zolldokumente müsse, wie im internationalen Verkehr üblich, den offiziellen Mitteilungen der Bundesregierung voller Glauben beigemessen werden. Bei dieser Sachlage werbe die französisch-englische Note überhaupt nicht beantwortet werden.

Vom Hauptausschuß des Nationalrates wurde der Bericht des Kanzlers und der darin enthaltene Be­schluß des Ministerrates, auf die Note in der Hir­tenberger Angelegenheit keine Antwort zu er­teilen, mit Mehrheit angenommen. Von den Anträgen der Sozialdemokraten wurde einer angenommen, nachdem der Hauptausschuß mit Ge­nugtuung feftfteUt, daß nunmehr die Aussicht he­fte bt, diese Angelegenheit ohne demütigende Ver­letzung der Republik zu liquidieren. Ferner wurde ein von der Mehrheit abgeänderter sozialdemokrati­scher Antrag einstimmig angenommen, der in seiner endgültigen Fassung hahin lautet:Der Hauptaus- schuß bekennt sich nach wie vor zur Einhaltung strenger und gewissenhafter Neutralität gegenüber allen Bündnissen, Richtungen und Konflikten der Nachbarstaaten, die die Republik Oesterreich vor Ge­fahren bewahren kann."

Eine italien'sche Erklärung in London.

Die Massen gehen »ach ersolgtcr Reparatur nach Italien z irück.

London, 21. Febr. (WTB.) Im Unterhaus richtete Lansbury an die Regierung die Anfrage, ob die Hirtenberger Waffenangelegenheit geregelt fei. Der Staatssekretär des Auswärtigen erklärte: Der italienische Botschafter hat mich ge­stern in dieser Sache aufgesucht. Er teilte mit, daß die italienische Regierung bereit sei, die zur Wieder­instandsetzung nach Oesterreich geschickten Waffen wieder zurückzunehmen, sobald die Waf­fen auftragsgemäß wieder in Stand gefetzt seien. Der Botschafter teilte mir weiterhin mit, daß ein Bruchteil der Waffen sogar s ch o n wieder nach Italien geschickt wurde. Wie verlautet, wird au gegebener Zeit über die Zurück- fenbung des noch in Hirtenberg verbliebenen Teiles ein Beleg in Gestalt von Ausfuhrbe- fd)einigungen ber österreichischen Zollbehörde vorgelegt werden. Angesichts ine- fer Tatsachen glaubt bie englische Regierung, sich ber Hoffnung hingeben zu können, daß der Fall durch die allgemeine Annahme dieses Vorschlages als geregelt gelten könne.

Frankreich bereitet eine neue Aktion vor.

England hält sich abseits.

General-Anzeiger für Oberheffen

$n,d nnb Verlag: vrühl'sche Univeifiiätr-Vnch. und Steinöruderet B. lange in Sietzen. $d>riftkihing und S-schZsis°ielle: SchnUttatze 1.