Nr. 275 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen)Dienstag, 21.November 1955
der
Erziehung wirkenden
,, Zugent) von Langemarck" im Hessischen Landestheater.
Er werde Weiterarbeiten an der eines national denkenden und sozial Geschlechts.
schreibt der Berichterstatter, „der Stolz des Grafen i t es, mit wenigen Leuten sein Rieseninstrument c us der Halle heraus und wieder hinein zu bug-
Sinnes. Der Verein sei im November 1913 gegründet worden. Die 20 Jahre des Bestehens brachten eine Fülle der Arbeit, die von Kameradschafts, geift und vom Willen zur körperlichen Ertüchtigung getragen gewefen fei. Vieles fei erreicht worden in jahrelanger zäher Arbeit. Der Zeitraum der 20 Jahre umschließe aber auch viel Ruhm und viel Schmerz. Man brauche sich nur an die Zeit des Krieges zu erinnern. Sechs Mitglieder fielen auf dem Felde der Ehre; fast alle standen im Heere. Die Gedenktafel im Saale werde stets an sie erinnern. Nach dem Kriege sei die Arbeit wieder ausgenommen worden. Der schöne Rudersport habe viele wieder in seinen Bann gezogen. Der Verein aber hielt stand allen Stürmen der Zeit nach dem Kriege. Mancher Schüler, der sich dem Verein mel- bete, stehe heute, jeder an seinem Platze, seinen Mann. Die Mitgliedfchast im Verein Rudersport habe nicht Vergnügung bedeutet, sondern ernste Arbeit in körperlicher und seelischer Anspannung.
Am 12. Oktober 1919 sei dem verein die Herbstregatta übertragen worden. Ihre Ausgestaltung, die sie im Laufe der Zeit erfahren habe, sei vorbildlich geworden für manchen anderen Verein.
Manche wertvolle Anregung habe der Verein Rudersport gegeben. So habe der Verein seine Auf- gäbe, dem Sport zu dienen, immer voll erfüllt. Mit berechtigtem Stolz könne man heute auf das Haus sehen, das unter großen Opfern geschaffen worden sei. 31 erste Siege konnte der Verein im Laufe des Bestehens an seine Fahne heften. Zweimal wurde der Städteachter gewonnen. Viele ehrenvolle zweite Plätze haben die Mannschaften belegen können. Zwar habe der Verein sehr unter starkem Wechsel I in seiner Jugendabteilung zu leiden gehabt, stets
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20 Zahle Verein Ander,pari 1913 Gießen
^Jn^Franz Gärtner findet die damalige deutsche Jugend ihren sichtbarsten Ausdruck. Wie sie'von der Maschine, dem Kontorschemel, aus der Lehre und aus der Schule fortliefen, um irgendwo 'n do' Garnisonen Deutschlands zu dienen so hat der Student Franz Gärtner die Universität verlassen, um als Kriegsfreiwilliger feinem Vaterlande zu geben was es in dieser Stunde zu seiner ®r°6e
Daß er sich mit diesem selbst gefaß en Entschluß den Absichten seiner Mutter widersetzt die als Leiterin eines für Kriegslieferungen wichtigen Wer- kes den einzigen Sohn neben sich braucht ^zur Umstellung und Fortführung des Betriebes, ergibt den ■> i ■ i •• >
ihm feine intellektuelle Anstrengung, kein sportlicher Kraftaufwand zu bieten vermag
Unsere Hoffnung richtet sich dabei nicht aus eine Renaissance der Hausmusik in dem Sinne, daß man sich nur alter Werte erinnert, vielmehr — und das ist entscheidend — wenden sich die heutigen Schaffenden immer stärker auch jenen kleinen Formen des Musizierens zu, die als Lied- und Spielmusiken für Liebhaberkreise bestimmt sind, und die den Ge- danken der heutigen Hausmusik nahe berühren. Die schöpferische Produktion ist stets der beste Bundesgenosse jeder Idee. Wir haben in den Werken der deutschen Meister — ob wir an Bachs Wohltem- periertes Klavier oder Geistliche Lieder, an Händels Kammersonaten, an Haydns Streichquartette an Mozarts Divertimenti, an Beethovens Bagatellen, anSchuberts Lieder und das lyrische Lied der Romantiker oder an moderne Laienliteratur denken — die Bestätigung dafür, daß in Deutschland neben der «roßen repräsentativen Kunst auch stets der Gedanke und Wille nach haus- lichem Musizieren lebendig war
Sich in den Dienst dieses Gedankens zu stellen, die Hausmusik zu fördern und zu pflegen als einen unentbehrlichen, jedem zugänglichen Kulturwert, das ist eine wichtige Aufgabe für jeden.
Ood)fd)ulnod)ridbten
Profesfor Dr. Carl von Eicken, Direktor der Hals-, Ohren- und Nasenklinik der- Berliner Charite, ist zum Vorsitzenden der Berliner Medizinischen Gesellschaft ernannt worden. Professor von Eicken wirkte von 1910 bis 1922 als Leiter der Ohrenklinik an der Hessischen Landesumversitat Gießen.
Die Leitung des Deutschen Sprachatlas in Marburg ist dem Professor Dr. Walther Mitzka übertragen worden, der an der dortigen Union?- fität auf die ordentliche Professur für deutsche Philologie berufen worden ist. Mitzka war bisher außerordentlicher Professor an der Technischen Hochschule in Danzig.
Aus Grund der Verfügung des preußischen Kultusministers, vorläufige Maßnahmen zur Vereinfachung der Hochschulverwaltung betreffend, hat der Senat der Frankfurter Universität Professor Dr. Krieck einstimmig zur Ernennung zum Nek- tor der Johann Wolfgang Goethe-Universität vorge- schlagen und von seinem Recht, drei Personen vorzuschlagen, nicht Gebrauch gemacht. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat demzufolge die Ernennung Pros. Kriecks zum Rektor ausgesprochen. Wie erinnerlich, war Bros- Krieck bereits im Frühjahr einstimmig yom Senat gewählt worden und war damit der erste national- sozialistische Hochschulrektor. Mit dem neuen einftim- migen Vorschlag bekundet der Senat, daß er geschlossen hinter Prof. Krieck steht und die Leitung der Frankfurter Universität bei ihm in den besten H-md-n rceift. In Kurz- wird »rot Kri-<k d<- - n. zelnen Dekane ernennen, die gleichfalls nicht mehr gewählt werden.
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ieren. Es gelang vortrefflich. In sieben Minuten chwebte der Gigant draußen vor der Halle, und nun ging's hinauf. Ich sah hinüber nach den Motorluftschrauben", heißt es weiter, „Graf vom Zeppelin patte volle Kraft signalisiert. Das Riesenschiff itterte. Das Singen der Schrauben glich dem tieften Orgelton und war so laut, daß die menschliche Stimme auch beim höchsten Schreien machtlos ver- hallte. Der Graf ging mit seinem Luftschiff sehr tief hinunter, um den Einfluß zu prüfen. Den die durch den Schaffhausener Rheinfall hervorgerufenen Luft- wirbel auf fein Fahrzeug ausüben könnten. Als das Luftschiff über Luzern schwebt, klingt jubelndes Grüßen heraus. Die Straßen sind voll von buntgekleideten Menschen, die Dächer sind alle besetzt."
„Graf Zeppelin", so schildert der Zeitungsmann aus dem Jahre 1908, „steuert sein Luftschiff hinunter und läßt es dicht über der Stadt in Kirchturmhöhe in voller Kraft dahinschießen, mit niemals versagender Herrschergewalt sein Fahrzeug eber Schwenkung unterwerfend.". Besonders dramatisch wird die Erzählung, als es quer hinüber zum Züricher See geht. „Die Motoren krachten und raffelten, die Luftschrauben heulten ein dröhnendes Lied. Dem Luftschiff wurde abgezwungen.
im ersten Akt aufflackernden menschlichen Konslikt zwischen den Pslichtausfassungen von Mutter und Sohn. Allen Widerständen zum Trotz aber setzt 'ich die Jugend durch und fällt mit singenden Lippen.
Die Aufführung vermied jede Aufdringlichkeit und bewegte sich auf reifem künstlerischen Niveau. H. Baumei st ers Spielleitung erreichte die höchste Wirkung; nirgends trat ein Nachlassen der Spannung ein, ständig ein fesselndes Gestalten jeder einzelnen Situation. E. Suhr gab in ansprechenden Bühnenbildern der Gesamthandlung den stilechten bildlichen Ausdruck. E. L o h k a m p lieh der Figur des Franz Gärtner feine stets bewahrte große Gestaltungskraft, H. Laubenthal erzielte mit der Gestalt des Karl Stanz eine dem unmittelbaren Erleben nahekommende Leistung. Auch die übrigen Darsteller bildeten ein sich ausgezeichnet einfugen- des Ensemble, so daß die Ausführung ungeteilte Anerkennung fand. 1 ■ "
Hebung eines alten argentinischen Schlachtschiffes.
Nach einer 107jährigen Ruhe auf dem Meeresgründe soll jetzt die argentinische Fregatte „Der 25. Mai", das Flaggschiff des Admirals William Brown, des Begründers der argentinischen Marine, gehoben und nach den in den Archiven in Buenos Aires aufbewahrten Plänen wieder hergestellt werden. Trotzdem der Schiffsrumpf ungefähr fünf Meter tief in Sand und Schlamm steckt, hofft man die Bergung erfolgreich zu Ende führen zu können. Der Schiffskörper ist aus Holz und mit Kupfer befragen; die Bestückung bestand aus 36 Kanonen verschiedenartigen Kalibers und aus einem Mörser für Signalraketen. Die Bergung dieses Schiffes ruft die Erinnerung an einige Der ruhmreichsten Begebenheiten in der argentinischen Geschichte wach und läßt die imponierende Gestalt des „Argentinischen Nelson" wieder aufleben. Sein Flaggschiff „Der 25. Mai" ist während der kriegerischen Auseinandersetzung zwischev Argentinien und Brasilien im Jahre 1826 van Peru für 5000 Vfund gekauft worden. Als die Feindseligkeiten zwischen den bei- den südamerikanischen Staaten eröffnet wurden, hatte Argentinien kaum eine nennenswerte Kriegsmarine. Den energischen Bemühungen William Browns und seiner umsichtigen Führung ist es zu verdanken, daß der Grundstock für eine immerhin beachtliche Kriegsmarine gelegt wurde. Dazu gehörte auch „Der 25. Mai", Der ursprünglich nur von drei anderen Schiffen, eine Fregatte und zwei Kor- netten, begleitet wurde. In der Seeschlacht von „Los Pozos" erwies sich Brown endgültig als ein unerschrockener Krieger und kaltblütiger Führer. Elf argentinischen Schiffen standen 31 brasiilianische Schiffe gegenüber. Trotzdem konnte die argentinische Flotte den Sieg an ihre Fahnen heften. Etwas später, im Juli 1826, war das Kriegsglück den Argentiniern in der Seeschlacht von Quilmes nicht so günstig. Ihre Flotte von 8 Schiffen mit 109 Kanonen und 800 Mann hatte sich gegen die brafuha- nifche Streitkraft von 22 Schiffen mit 300 Kanonen und 2000 Mann zu verteidigen. Brown, auf fernem Flaggschiff „Der 25. Mai", erhielt eine furchtbare Salve. Die meisten feiner Schiffsleute waren tot und er selber war schwer verwundet. Er verweigerte aber die Uebergabe, und es gelang ihm, sich allmählich mit den nach aufrechtstehenden Segeln aus Dem Schlachtgebiet zurückzuziehen und, mit der unbesiegten argentinischen Flagge am Mast, Buenos Awes zu erreichen. Aber es war ein mörderischer Sieg und eine traurige Heimfahrt Drei Tage spater sank „Der 25. Mai", von 30 Schußlöchern unter der Wasserlinie nahezu zerrissen, an der Stelle, von der das ruhmreiche Schiff heute wieder an do- Tagevlicht gehobey werden soll
Jetzt, da sich der „Graf Zeppelin" von seinen Südamerikafahrten erholt, um die nächste Saison mit frischen Kräften zu beginnen, jetzt, da sich alles mit einer unheimlichen Regelmäßigkeit abwickelt, müssen wir Deutschen auch des Mannes gedenken, der die rasche und gefahrlose Ueberquerung der Ozeane durch seinen genialen Erfindergeist ermöglichte. Wie groß wäre erst die Begeisterung jenes Berichterstatters, wenn er einen Flug Friedrichs- haben—Pernambuco hätte mitmachen können.
Es ist zu erwarten, daß zu Beginn des Winters 1934 der Luftschiffhafen in Rio mit einer festen Halle zur Verfügung steht. Das Programm für das nächste Jahr wird im wesentlichen von dem Der letzten Fahrtenperiode nicht abweichen. Es ist möglich, daß im kommenden Jahr auch das im Bau befindliche Verkehrslustschiff „L. Z. 129" in Ersehet- nung treten wird. Das Leben und der Geist, der in nenoev «ieu. ^u|Mu;m unuut uutit0*vu..yt.., Friedrichshafen herrscht ist der schönste Beweis für was es nur irgend hatte. Der Wind hatte sich in die friedliche Aufbauarbeit des deutschen Volkes.
Der Verein Rudersport 1913 und Akademische Ruderabteilung e. V. konnte in diesen Tagen auf ein 20jähriaes Bestehen in bewegter Zeit zurückblicken. Das Jubiläum wurde am Samstagabend in würdiger Form begangen. Ein Herrenabend vereinigte Mitglieder und zahlreiche Gäste im Bootshaus an der Lahn, dessen Saal prächtig geschmückt war. Den Vorsitz für den Abend hatte Universitäts-Bürodirektor i. R. Erle übernommen. Er hieß die Gäste und Mitglieder herzlich willkommen. Besonders begrüßte er die Vertreter der SS. und SA., den Vertreter des Rektors der Universität Dr. Möckelmann, die Vertreter der Vereine GRG., Hassia, „Hellas" Offenbach des „Sängerkranz" Gießen, des Turn- Vereins 1846, den Vertreter der 50er Bereinigungen u. a. m. In kurzen Umrissen zeichnete er markante Epochen des Vereinslebens und erinnerte dabei besonders an die Kameraden, die im Weltkrieg zu den Fahnen eilten und fielen Während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte, verharrte man in stillem Gedenken. Mit einem Treuebekenntnis zum Volkskanzler und zu seiner Regierung, mit einem Treuebekenntnis auch zum Vaterland schloß er seine beifällig aufgenommene Ansprache. Gemeinsam wurden sodann der erste Vers des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen.
Nachdem der Gesangverein „Sängerkranz mit dem Vortrag zweier schöner Lieder erfreut hatte, hielt der Führer des Vereins, Herr Lever- mann, die
Festansprache.
Nach 20 Jahren Arbeit habe man die Pflicht. Ueberschau zu halten und Rechenschaft abzulegen, klare Entscheidung zu treffen in Dingen tieferen
„GrafIeppeUn"imWinterquartier
Ein Rückblick auf die Entwicklung im letzten Vierteljahichundert.
ßangemarct! - Ein ewiges Vermächtnis deutschen Jugend. So leuchtet der Name aus dem Heldentum einer großen Zeit und wird zum In- begriff höchster Opferbereitschaft zum Mahnmch für uns und kommende Geschlechter, denen gleich zu fein, die einst mit dem Deutschland-Lied auf den Lippen zu stürmen, zu sterben und noch im Tode zu siegen wußten. Heinrich ^erkaulens Schauspiel will ein Schicksalsdrama der deutschen Jugend sein. Was wir hier erlebten, war der Aufbruch der Nation von 1914 ihre heilige Begeisterung, die — zu jedem Opfer fähig — über sich selbst hinauswächst zum siegenden Sterben von
einen Sattel eingeklemmt und zwängte sich durch den Engpaß. Es wäre ein leichtes für den Grafen gewesen, hoch zu gehen, aber feine Absicht war nicht, Widerstände zu umgehen, sondern sie aufzusuchen. An den scharf gezeichneten Schatten des Luftschiffes sahen wir, wie es sich mühsam von Baum zu Baum quälte. Ja, auf Minuten sah es aus, als ständen wir überhaupt still, obwohl die Schrauben eine infernalische Musik machten. Endlich hatte der Mensch gesiegt. Unser Gigant steckte die Nase in das freie Luftmeer. Wie hatten uns durch den Engpaß hindurchgezwungen, und nun ging es in voller Fahrt vorwärts. Und unten immer Staunen und Jubel und brausendes Grüßen. Es ist ein großes Herzklopfen .."
(Lebhafter Beifall.)
Im Anschluß an die Festansprache ehrte detz zweite Führer des Vereins, Herr W a g c n e r t drei Gründer mit der Ehrennadel des Deutschen Ruderverbandes für 25jährige Mitgliedschaft int Deutschen Ruderverband, und zwar die Herren Leo Haas, Hans Hippel und August S e u * [ i n g. Eine besondere Ehrung wurde dem stetopferbereiten Vorstandsmitglied Universitäts-Bürodirektor i. R. Erle zuteil. Ihm wurde unter Überreichung eines künstlerischen Diploms di« Ehrenmitgliedschaft des Vereins zu- erkannt. Herr Erle dankte für die Auszeichnung und versprach, dem Verein auch fernerhin mit Rai und Tat zur Seite zu stehen.
Im weiteren Verlaufe des Abends wurden dem Verein von den befreundeten Organisationen zahlreiche Grüße und Glückwünsche zum Jubiläum zuteil. Dr. Möckelmann sprach für den Rektor der Universität und wies auf die enge geistige Ver- bindung zwischen dem Verein Rudersport und der Ruderabteilung der Universität hin. Der Führer der GRG., Herr H o ch st ä 11 e r, betonte die freund- schaftliche Zusammenarbeit der beiden Vereine. Herr Vollmöller von „Hellas" Offenbach über« brachte herzliche Grüße und eine Gabe der Erinnerung. Der Vorsitzende des Gesangvereins „Sängerkranz", Herr Flimm, wies auf die Verbundenheit der beiden Vereine hin. Oberreallehrer Appel würdigte als Vertreter der 50er Vereinigungen die aufopfernde Arbeit des Führers des Vereins. Der Turnverein 1846 entbot durch Herrn Turnwart Müller herzliche Grüße. Herr Hen« kel vom Gießener Ruderklub „Haffia" wies auf die harmonische Zusammenarbeit der Gießener Rudervereine untereinander hin. SS.-Sturmbann- führer Nickel würdigte dankbar die Arbeit des Vereins Rudersport, und der Führer der MT.-Motor- SA., Dr. Schäfer, sprach von dem gemeinsamen Wollen um die Ertüchtigung der Jugend Nachdem Herr Levermann noch zahlreiche Glückwünsche bekanntgegeben hatte, beschloß Herr Erle mit . einer kurzen Schlußansprache den ofsiziellen Teil des Abends.
Besondere Anerkennung um die Ausgestaltung gebührte der Hauskapelle, die mit ausgezeichneten musikalischen Darbietungen aufwartete und stürmischen Beifall erntete. Ein Gefellschafts- abend am Sonntag schloß den Verlauf der Jubiläumsfeier in schöner Weise ab.
Fußball am Mittwoch . 1900 (Liga) - Naunheim I.
Die Spielvereinigung hat sich für den morgigen Mittwoch, den in Preußen als Feiertag geltenden Buß- und Bettag, die Mannschaft des Sportvereins Naunheim zu einem Gesellschaftsspiel verpflich- tet. Der Kampf wird auf dem Platz an der Lie- bigshähe ausgetragen und beginnt um 14.30 Uhr. Die Gäste aus Naunheim, die erst vor kurzem in die Kreissonderklasse ausgenommen wurden, stellen durchaus nicht irgendeinen Gegner dar, sondern eine Mannschaft, die früher in einem anderen Verband jahrelang den Bezirksmeister stellte und bar- über hinaus auch in Die Entscheidungsspiele um höhere Ehren eingriff. Vor kurzem erst trat die 2. Els der Spielvereinigung 1900 gegen diese Mannschaft an und wurde von ihrem Sturm mit nicht weniger denn 12:2 Toren überfahren. Der Sturm ist die Stärke der Gäste. Wie bas Spiel gegen bie Blauweißen ausgeht, ist nicht vorherzusagen. Es
Dom Gmn der Hausmusik.
Don Professor Or. Max von Schininas f.
Können Kulturwerte unb Kulturforberungen sinnvoll burch Werbung in der breiten Oeffentllchkeit betont unb vertreten werben? Liegt es nicht gerabe im Sinne ber Hausmusik, bieser schlichtesten unb intimsten Form bes Musizierens, bah man sie m Der ihr eigenen Sphäre bes Privaten unb 3ntimen beläßt, baß man sie nicht zum Gegenstanb öffentlicher Werbungen, großer Kunbgebungen unb Diskussionen macht?
Sicher wäre diese Frage zu bejahen, wenn bas häusliche Musizieren eine so selbstverständliche unb bobenftänbige Praxis in unserer Gegenwar wäre, wie uns bies aus früheren Zetten überliefert ist, wenn eine Hausmusik-Kultur vorhanden wäre die sich nicht nur auf einzelne Liebhaber- ober Maze- natenkreise, sondern auf bie Gesamtheit bes Volkes, all feine Stänbe und Schichten gleichmäßig erstreckte. Dann bedürfte es so wenig des Redens, des Aufrufes, der Mahnung zur Pflege häuslichen Musizierens, wie in den Zeiten der Hauskultur des Cinquecento oder der Bürgerkulturen des 17. und 18. Jahrhunderts, wo niemand über Hausmusik diskutierte, weil sie eben lebendiges und unmittelbares Volkseigentum war.
Wir sind heute zu bewußt, als daß wir allen Ernstes an eine einfache Rückkehr jener Zeiten beuten könnten, bie uns bie Musikgeschichte als Blute- zetten häuslichen unb familiären Musizierens überliefert hat. Für uns Musiker, bie wir von dem „Hier unb jetzt" ausgehen müssen, geht bie Frage darum, ob unter den heutigen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnissen eine erneute unb intensive Pflege der Hausmusik im deutschen Volke durchsührba ist.
Wir überlegen uns: Wo hat heute in ber Zeit, bie alles zur öffentlichen Angelegenheit zu machen droht, die die Menschen nach Zweck- und Ver- braudiergruppen zu organisieren und zu rationell- Heren sucht, die ihnen durch billigste Lieferung eher beliebigen Menge mechanischer Musik den Glauben an die eigene Leistungsfähigkeit zu rauben Soht, wo hat in dieser Zeit die Pflege inttmer künstlerischer Werte im Sinne des häuslichen Musizierens Platz? Die Antwort auf diese ernste Frage wird lauten- Gerade wegen der Gesghren einer aUgemei- nen Mechanisierung und Nivellierung des Daseins, wegen der Gefahren einer etnfeHigen Jntellektua- lifierung und Auslieferung des Einzelnen an den .Betrieb" ist es dringend erforderlich ihm eine musikalische Heimstätte zu sichern, 'hm bie Möglichkeit zu geben, sich in angemessener Weise unb jen feite hoher repräsentativer Ansprüche künstlerisch- musikalisch zu bestätigen, sich Werte anzueignen, bie
Was noch vor wenigen Jahren als bejonbere heldenhafte Leistung von bahnbrechenber Bedeutung in der gesamten Oeffentllchkeit tausendfachen Wider- hall fand unb im Mittelpunkt bes aktuellen Geschehens stand, ist heute beinahe zur Selbstverständ- lichkeit geworden. Ohne Aussehen, still unb geräuschlos, hat ber berühmte „Graf Zeppelin" seine letzte Fahrt beendet. Wir erinnern uns noch, wie sehr feine er|Ln Uebuqueiuny..n ü.» Oz^u..^ l. gesamte Wett in Akem 11t n ): >i
ten spaltenlange Berichte. Heute hat das Luftschisf längst seine große Zuverlässigkeit bewiesen, und die Flüge nach Südamerika, die anfangs als Sensation bewertet wurden, haben sich in der letzten Zeit vollkommen fahrplanmäßig abgewickelt.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin", ber jetzt feinen Winterschlaf antritt, hat im fünften Betriebsjahr mit Einschluß ber Dreieckfahrt 64 Fahrten gemacht unb dabei in 2074 Fahrtstunden 2 1 2 3 8 1 Kilometer zurückgelegt. 1314 Passagiere wurden befördert. An Bord befanden sich insgesamt 4173 Personen. In das Jahr 1933 fielen acht Südamerikareisen mit einem Fahrtweg von 165 661 Kilometer. Man benötigte dazu rund 1627 Stunden. Im Südarnerikadienft wurden insgesamt 2080 Personen befördert, ferner 2591 Kilo Post und 2086 Kilo Fracht. Eine gewaltige Leiftungl Von Fahrt zu Fahrt ist die Sicherheit des Luftschiffes gewachsen. Heute darf man wohl ohne lieber- triebenheit behaupten, daß dem Zeppelin selbst die schwersten Stürme nichts mehr anhaben hönnen. Seit ber berühmte „L. Z. 126" ben Ozean als erstes Luftschiff überquerte, ist bie Entwicklung sehr schnell fortgeschritten. Der Bann war gebrochen. Deutscher Unternehmungsgeist hatte den Kampf mit den Elementen voller Wagemut aufgenommen und glücklich bestanden. Die zweite Fahrt über den Ozean wurde von einem neuen Luftschiff unternommen, dem „L. Z. 127", da ber „L. Z. 126" an Amerika abgeliefert werben muhte. Bei bieser Fahrt geriet bas Luftschiff in einen gewaltigen Sturm. Die Ballonhülle riß entzwei unb mürbe währenb ber Fahrt von ber Mannschaft unter Lebensgefahr geflickt. Seit bieser Zeit hat sich ber überseeische Zeppelinverkehr glänzenb bewährt. Die Tüchtigkeit der Deutschen Ingenieure unb bie ruhige Hand Dr. Eckeners lenkten bas Schiff burch all. Unbilben der Witterung. Wenn man anfangs die Fahrten des Zeppelins mit fieberhafter Spannung verfolgte, nahm man sie später als eine ständige Einrichtung hin, bie ben Reiz einer unerhörten Sensation allmählich verlor.
Seit Beginn bes Fährbetriebes mit bem Luftschif Enbe 1928 hat ber Zeppelin insgesamt 3 55 5 ährten ausgeführt. In bieser Zeit würben beinahe breioiertel Millionen Kilometer Fahrtweg bei einer Fahrt-auer von 7351 Stunben bewältigt. Die Be- beutung bieser Zahlen wirb uns erst bewußt, wenn wir bie bescheibenen Anfänge verfolgen, aus benen sich ber Zeppelin entwickelt hat. Noch im Jahre 1908 wäre eine Ueberquerung bes Ozeans als glatte Unmöglichkeit erschienen. Erne Geschwindigkeit von 50 Kilometer war damals schon eine besonder? Leistung. In jenen Jahren unternahm der Zeppelin nur Ueberlanbflüge, bie nicht immer von Erfolg begleitet waren. Diese Flüge waren oft mit größeren Gefahren verbunden als heute eine Ozean- überquerung. Das Unglück von Echterdingen ist ein trauriges Beispiel dafür. Manch stolzes Luft schiff fiel den Elementen zum Opfer und verbrannte, ehe es gelang, alle Hindernisse zu überwinden unb ein Mvbell von absoluter Zuverlässigkeit herzustellen.
Ein Bericht aus bem Jahre 1908 zeigt Die Begeisterung ber Passagiere, als ber Zeppelin am 1 Juli einen Ueberlanbflug unternahm: „In ber grvhpn Ballonhalle war alles vorbereitet", so
aber habe er beste beutsche Jugenb unter seiner Fahne vereinigt. Die Jugenb werbe auch in Zukunft ihren Mann stehen. Die älteren Mitglieder aber seien stets selbstlos für ben Verein eingetreten. Der Verein bleibe auch in Zukunft feinen Zielen treu. Dank gebühre ben Mithelfern an ber Arbeit. Der Verein stehe fest, geschätzt unb geachtet überall.


