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21.11.1933 Erstes Blatt
 
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Dienstag, 2t. November 1933

Nr. 275 Erstes Blatt

183. Mrgang

Eriche»ni tägltti), autzo Sonntags und Feiertags Beilagen: Dte Illustriert» Gießener Jamiltenblättet Heimat im Bild Die Scholl» monats--Bc$ugsprel$:

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Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in Bietzen.

SieheimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnick rniö Verlag: vrLHI'iche Uni°erfilälr-Such- and Steinönidcrei R. Lange in Siegen. Schristleitnng und Seschästrftelle: Schnlftratze 7.

Madrid, 20. Nov. (TU.) Nach Schluß des Mi-

Par­

teien

ganz äußer­

ten des neuen Parlaments ständen jetzt 236 fest, die sich wie folgt

demnach auf die

92

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48

19

6

4

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30

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Republikanische Aktion (Azana)

Kommunisten

Katalanische Linke

Katalanische Liga ((Sambo)

Katalanische Sozialdemokraten

tung in Händen hatte, nicht gut gearbeitet, sie hat mehr auf ihre eigenen Vorteile als auf das Wohl des Volkes gesehen. Aber die Diktatur Primo de Riveras hatte doch erhebliche Ansätze zur Besserung gezeigt. Das marokkanische Abenteuer, das dem spa­nischen Ehrgeiz angepaßt war, aber die finanziellen Mittel des Staates überstieg, war liquidiert. Die Macht der militärischen Junias, die sich gegenseitig den Rang abzulaufen suchten, gebrochen, und wenn König Alfons es schließlich nicht mit allen Parteien verdorben hätte, dann wäre für seinen Thronver­zicht kein Grund vorhanden gewesen, trotz alles Wühlens der französischen Emissäre, die in einer spanischen Republik einen treuen Vasallen der fran­zösischen Pläne erhofften; und sich darin auch nicht getäuscht haben. Nur daß eben die Verwaltungs- erperimente der neuen Herren kläglich mißglückten. Die Lage des Volkes ist nicht besser sondern

Der erste russische Botschafter für Washington ernannt.

Starker Ruck nach rechts bei den Wahlen in Spanien Zögernde Bekanntgabe der Wahlergebniffe.-Schwere Niederlage -er marxistischen Gruppen. Vier Minister nicht wiedergewählt.

Moskau, 20. Nov. (TU.) Das Präsidium des Vollzugsausschusses der Sowjetunion hat beschlossen, den ehemaligen Botschafter A. Trojanowski zum außerordentlichen Botschafter der So­wjetunion in den Vereinigten Staa­ten ju ernennen. Die Ernennung wurde vom Vor­sitzenden des Vollzugsausschusses der Sowjetunion, Kalinin, unterzeichnet. r

Kalinin hielt eine RundfunTansprache an d i e Amerikaner, in der er u. a. sagte: Die Werktätigen der Städte und Dörfer der So­wjetunion haben im Laufe der verflossenen sech­zehn Jahre der ganzen Welt Musterbeispiele außer­ordentlicher schöpferischer Arbeit geliefert. Dank an­gestrengter Bemühungen verwandelt en sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne unser Land aus einem rückstänüigen Agrarland m ein fortgeschrittenes Industrieland, und gerade darum bringen unsere Arbeiter und Bauern dem führenden Lande des technischen Fortschrittes, den Vereinigten Staaten von Amerika, größtes Interesse und größte Aufmerksamkeit entgegen. Die wichtigste Voraussetzung für die Sicherung des technischen Fortschrittes und des Wohlstandes der Menschheit ist die Aufrechterhaltung und Festigung des B ö l k e r f r i e d e n s. Ich bin davon überzeugt, daß jetzt wo alle künstlichen Hin­dernisse weitgehender und mannigfaltiger Beziehun­gen zwischen den Völkern unserer beiden großen Länder beseitigt sind, dies nicht nur ihren gegen­seitigen Interessen, sondern auch der Sache des wirtschaftlichen und kulturellen Fortschrittes der Menschheit und der Festigung des allgemeinen Frie­dens großen Nutzen bringen wird. Ich hege den festen Glauben, daß von nun ab eine Aera ersprießlicher Zusammenarbeit zwi­schen unseren Völkern anbricht, und bin davon überzeugt, daß die Freude, die wir bei diesem An­laß empfinden, auch in der ganzen Welt von allen geteilt wird, denen die Sache des Fortschritts der Menschheit und die Sache des Friedens teuer ist.

Echo her presse.

Moskau, 20. Nov. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Führende Blätter äußern sich in Leitartikeln eingehend über die Aufnahme der nor­malen diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Nordamerika.Jswestija" schreibt, es sei Tatsache, daß die Welt heute aus zwei Systemen dem kapitalistischen und dem sozialistischen bestehe. Der Kampf gegen die Anerkennung der juristischen Gleichberechtigung des soZlalistl- schen Systems erreiche damit seinen Abschluß. Das Bild einer außerordentlichen Entwicklung der Pro-

nisterrates gab der Innenminister bekannt, daß bis­her von 31 Wahlkreisen, also von der Hälfte aller spanischen Wahlbezirke genauere Zahlen vorlägen. Von den insgesamt voraussichtlich 474 Abgeordne- ~ ...... ' bis

verteilen:

Agrarier und Volksaktion

Basken

Traditionalisten

Radikale (Lerroux)

Sozialdemokraten

Konservative Republikaner (Maura)

gefallen sein sollen.

Die spanische Regierung läßt sich Zeit, bis sie die Ergebnisse der Wahlen veröffentlicht; sicherlich nicht, weil der technische Apparat nicht funktioniert, sondern weil sie der weiteren Entwick­lung nicht ohne Sorge entgegensieht. Von der äußersten Rechten wie von der äußersten Linken lie­gen handfeste Drohungen vor, die eine Fortsetzung der Wahlhandlung durch Straßenkämpfe in Aussicht stellen. Die Regierung hofft also wohl, daß die auf­geregten Gemüter sich beruhigen, wenn noch einige Zeit bis zur Feststellung des Ergbnisses vergeht, zu­mal da ja bei dem Wahlsystem ohnehin eine Fülle von Nachwahlen möglich sind und die Zusammen­setzung des Parlaments sich erst nach dem nächsten Sonntag wird übersehen lassen. Es steht aber jetzt bereits fest, daß ein sehr ft ar f er Ruck nach rechts erfolgt ist. Die Sozialisten haben ihre aus­schlaggebende Position verloren, zum Teil weil durch das Wahlrecht der Frauen die auch in Spanien die Mehrheit haben d a s kon­servativ-religiöse Element verstärkt worden ist, zum Teil aber auch, weil bi e Ent­täuschung über das Versagen des So­zialismus ungeheuer groß ist.

Denn tatsächlich hat Spanien heute tue Revolu­tion noch garnicht verdaut. Sie war em französischer Ervortariikel und ist dem Volke em Fremdkörper Aieben Ein innerer Grund zu dem Umsturz war eigentlich kaum vorhanden. Ohne Zweifel hat die Oligarchie, die bis vor wenigen Jahren die Derwal-

Das Teilergebnis zeigt deutlich bie orbentlichen Erfolge ber Rechtsparteien. Die Partei Agrarier u n b Volksaktion, die Basken sowie die Traditionalisten drei ausgesprochene Rechtsparteien haben allein schon 113 Sitze errungen. Außer ihnen stehen aber den Sozialisten ebenfalls feind­lich gegenüber die 48 Radikalen (Lerroux) so­wie die 10 Abgeordneten der Katalanischen Liga, so daß 171 Marxistengegner 65 Marxisten und Marxistenfreunden entgegenstehen.

Wenn die Ergebnisse aus den restlichen 29 Wahl­kreisen ähnlich ausfallen, bann kann man bie Wahl als bie größte Nieberlage bezeichnen, die die Sozialdemokraten, abgesehen von Deutschland, je erlitten haben. Besonders kennzeichnend für die allgemeine Verurteilung der Politik der letzten Jahre ist auch die Tatsache, daß die Anhänger A z a n a s sowie die Radikalsozialisten fast gänzlich durchgefallen sind. Lediglich in Kata­lonien scheint der Sieg der Katalanischen Linken (Ezquerra) sicher zu sein, was sich aus den beson­deren dortigen Verhältnissen erklärt, wo der Chef der Ezquerra, Mazia, gleichzeitig das Oberhaupt Kataloniens ist. Nach einer Blättermeldung find vier Regierungsmitglieder nicht wiß- der gewählt worden, nämlich der Innenminister, der Iustizminister, der Verkehrsminister und der Marineminister. Zu besonders schweren Unruhen soll es in der Provinz Lugo gekommen sein, wo zwischen gegnerischen Gruppen 300 Schüsse ge­wechselt wurden, denen viele Personen zum Opfer

Eine dummdreiste Antwort.

Berlin, 20. Nov. (TU.) Der Herausgeber der Saturday Review", die in ihrer letzten Aus­gabe bekanntlich einen gefälschten Artikel des Reichspropagandaministers Dr. Goebbbels veröffentlichte, hat auf dessen Pro­testtelegramm am Samstag ein Antwor11 eie - gramm nach Berlin gesandt, das der deutschen Oefsentlichkeit nicht vorenthalten werden soll, weil es zeigt, in welcher Weise sich dieser Brunnenver­gifter nunmehr aus der Affäre zu ziehen sucht. Das Telegramm lautet:

Wir haben Ihnen für Ihr Kabel zu danken. Erhielten den Artikel unter Umstanden, die uns keine vernünftigen Gründen hinterließen, die Echtheit anzuzweifeln. Waren der Meinung, daß er von Ihnen in einem einige Monat« zurückliegenden Interview gegeben wurde. Be­dauern außerstande zu fein, die Ver­breitung dieser Ausgabe derSaturday Review zu stoppen, bie bereits über Britannien verbreitet ist. Würden aber einen Bericht von Ihnen nächste Woche begrüßen. Wentworth, Herausgeber derSaturday Review London. . ,

Der Artikel, den dieSaturday Review als

schlechter geworden. Durch die Bilderstürmerei gegen Kirchen und Klöster ist das religiöse Gefühl der ländlichen Massen verletzt, der ganze Gegensatz zwischen den Hafenstädten, die 'ein willenloses Werk- zeug ausländischer Agitation waren, und dem eigentlichen Spanien wurde ins Gemeingefährliche gesteigert. Sozialisten, Syndikalisten schärfster Ob­servanz also noch über den Bolschewismus hin­aus dazu die Separatisten, die Spanien wieder in einen Bundesstaat auflösen wollten, haben wei­ter nichts als Zersetzungsarbeit getan. Die neue Mehrheit ber Cortes wirb also gewiß nicht ohne Schwierigkeiten ben Uebergang zu einer allma^ liehen Rückwärtsentwicklung finben müssen. Auch Spanien geht ben Weg, daß es v o n d e r Re vo- lutian geheilt ist unb sich jetzt eine Verfas­sung sucht, bie seinem V o 1 k s ch ar a k t er an­gepaßt ist.

setzung für ein Eingreifen ber Korporationen auf diesem Gebiet, nämlich ein Gegensatz zwischen zwei | Verbänden unter entsprechender Anrufung der Kor­porationsspitze, habe sich bisher nie ergeben. Fazit: überall Leerlauf. .. ... .......

Sind also die Korporationen ganzliä) uberflulpgi' Die Praktiker sagen Nein. Es gäbe gewisse Gegen­sätze, zu deren Ausgleich die Arbeitgeber- und Ar- beitnehmerverbände nicht ausreichen. Nehmen wir ein Beispiel: Durch das Eindringen Japans auf dem Seidenmarkt ist eine der Hauptindustrien Ita­liens an die Wand gedrückt worden. Denn um kon­kurrieren zu können, müßten die italienischen Sei­denherren die Löhne um 80 v. H. kürzen! Eine Unmöglichkeit im faschistischen Staat wie im sozia­listischen. Die inländische Konkurrenz sei aber, all­gemein genommen, noch kostspieliger als die Lvyn- differenz; würden also die italienischen Produzenten von Staats wegen, durck) die Korporationskammer etwa, zur Einigung gezwungen, so würden sie wie­der marktfähig, ohne die Löhne drücken zu muffen. Hier stößt man der Nationalökonom alter Schule merkt es gleich auf das Urgesetz von N ach - frage und Angebot. In einem zweiten Ar­tikel wollen wir zeigen, warum und wie es ber

buktivkräfte ber Sowjetunion habe auch bie hart­näckigsten Vertreter bes Kapitalismus veranlaßen müssen, nachzubenken, ob sie außerhalb ber wirt­schaftlichen Beziehungen zu einer so enormen unb wachsenben Wirtschaftskraft, wie es Sowjetrußlanb fei, verharren könnten. Der Umftanb, baß ber Kampf um bie Herstellung ber normalen biplomatifchen Beziehungen fo lange gewährt habe, zeige jeboch auch feine gute Seite: Die amerikanische öffentliche Meinung habe baburch verstehen gelernt, baß es sich hierbei nicht umHilfe" ber USA. für bie Sow­jetunion hanbele, fonbern um ben gegenseitigen Nutzen zweier gleichberechtigter Partner, bie viele gleiche Interessen hätten unb trotz ber Verschieden­heit der Systeme Zusammenarbeiten könnten.

Keine Zusammenziehung des amerika- nischen Ostasiengeschwaders in Wladiwostok.

Tokio, 20. Nov. (TU.) Im Zusammenhang mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Rußland und Amerika sind in Chardin Gerüchte ausgetaucht, daß das im Fernen Osten ft a - tionierte Geschwader der Vereinigten Staaten zum Schutze des amerikanischen Han­dels nach Wladiwostok fahren würde. Andere Gerüchte besagen, daß Rußland den Vereinigten Staaten die Erschließung Nord-Sachalins angebo­ten habe. . ...

Die amerikanische Botschaft hat dem japamfAen Außenministerium eine Mitteilung zugehen lassen, in der bas Marinebepartement ber Vereinigten Staaten betont, baß bie Mitteilung über bie Ent- senbung eines Geschwabers nach Wlabiwostok un­richtig sei. Eine solche Absicht bestehe bei ber amerikanischen Marine keineswegs.

Russische Vorbehalte zur Abrüstungsfrage.

Genf, 20.Nov. (TU.) Der russische Botschafter D o w g a l e w s k i würbe vom Präsibenten ber Ab- rüstungskonferenz empfangen. Henberson unterrich­tete ben Botschafter über bie letzten Beschlüsse der Großmächte in der Abrüstungsfrage. Der Botschaf­ter stellte fest, daß a 11 e B e s ch l ü s s e, d i e o h n e Rußland zustandegekommen seien, für sein Land keine Gültigkeit hatten. Die russische Regierung behalte sich in allen Ab­rüstungsfragen freie Hand vor. Sie sei g e gen jede Verschleppung und Vertagung der Ab- rüstungsidee und werde jeden Vorschlag unterstützen, der geeignet sei, den Frieden und die Sicherheit der Nationen zu oerbürgern.

in den Trubel der Parteien hineingezogen und sitzt nun schuldlos und unverstanden, aber etwas ram­poniert auf dem Randstein. Ohne Bilder gesehen: unendlich viel ist geredet und noch mehr geschrieben worden über den korporativen Staat, bie Literatur darüber bildet bereits tatsächliche Berge, die sich an Höhe mit dem Büchergebirge des Marsches auf Rom messen können, in Rom gibt es ein eigenes Korporationsministerium mit 68 verschiedenen Tele­phonnummern, ein wahrer Irrgarten für Leute, die im Beruf stehen und davon gehört haben, daß die­ser Beruf irgendwie geregelt, genormt und geformt werden soll; auch ein Ministerwechsel ist bereits ( erfolgt, Mussolini selber hat das Portefeuille über­nommen --und nun gehe einer hin in die Welt,

gleichviel wo, und frage Herrn Irgendwer oder Herrn Alleswisser: Was sind eigentlich Kor­porationen? Nun und nimmer wird er eine klare Antwort erhalten, auch nicht im Lande der Korporationen selber, denn niemand weiß es. Kann es auch nicht wissen, aus dem einfachen Grunde, weil die Korporationen ein Begriff geblieben sind, dem noch der Jnhalt sehlt. Man hat ein kunstvoll gegliedertes und reich aus­gestattetes Haus gebaut, ohne zu wissen, wer darin wohnen wird. Mussolini selber erklärte soeben:Ich will das korporative Regime durchsetzen und ich werde es durchsetzen!" Bisher hat es sich also nicht durchgesetzt, obwohl es nicht an gutem Willen dazu fehlte. Aber was nützt der gute Wille, den man an ein Abstraktum wendet?

Wäre nun der Faschismus eine Theorie, wie zum Beispiel der Marxismus eine war, fo könnten wir uns auf ein Menschenalter hinaus wiederum mit Phrasen und Wunderpillen nähren, um dann wie­der vor dem Nichts oder dem Chaos zu stehen. So aber hat uns ber russische Kollektivismus gottlob gezeigt, wie man es nicht machen darf, wir können ins praktische Leben greifen unb biefes Kontroll­instrument an bie Maschinerie ber Korporationen anlegen: es ergibt sich, baß sie bisher fast nichts als Leerlauf geleistet hat. Folglich, sagt ber Be­triebsleiter Mussolini, taugt sie nichts; ich werde eine anbere aufstellen. Unb bas soll jetzt ge­schehen. In der nächsten Zeit werden neue Gesetze herauskommen.

Die Erkenntnis der Gefahr, daß ein großer Auf­wand nutzlos vertan werden könnte, hat eine leb­hafte Diskussion entfacht unb bie Offenheit, mit ber sie in ber Presse geführt werden darf, widerlegt die Behauptung, daß man unter bem ßijtorenbunbel feine Meinung nicht frei äußern dürfe-Der Faschis­mus verlangt nur, baß bie Kritik sich nicht bloß aufs Negative beschränke, baß nicht bloß geschimpft, fonbern auch vargeschlagen werbe wie es besser zu machen sei. In der vordersten Front sieht man natürlich das Blatt der Gewerkschaften fechten, Il-Lavoro Fascista, das sich als Vertreter der wirklichen Arbeiter mit Wonne au dieSansculotten" des Korporativismus stürzt, auf die weltfremden Doktrinäre und. Paragraphen- schuster. Und wenn oben gesagt wurde, daß im Grunde genommen niemand über Zweck uno Ziel der Korporationen im Klaren fei, fo gilt bas_na= türlich mit ber Einschränkung, baß M ufso11 ui sehr wohl weiß, was er will. Die Frage ist nur, inwieweit er verstauben wirb.

Leicht wirb es niemanb gemacht, sich im Verwal- tungsgebäube bes korporativen Staates zurecht zu finben, unb man soll nur nicht glauben, baß sich insbefonbere bie Korporationen selber ohne weite­res aus Italien importieren ließen. Sie finb in der Theorie leichter zu hanbhaben als in ber Pra­xis Den Tragpfeiler, bie Carta del Lavoro, fieht ieber unb kann auch dec einfache Handwerker verstehen aber eine Treppe höher beginnen bereits die Syndikate, die Föderationen und Konföderatio­nen, die Inspektorate, die Einzel- und Kollektiv- sachschasten, es schwindelt einen, bis man zur Kup­pel ber Korporationen burchgebrungen ist, bie roieberum von bem Nationalrat ber Kor­porationen gekrönt wirb, ber in eine Ministe­riumsspitze ausläuft, soweit er sich nicht in ber Maqistratura oerlir t. Wegen ber schweren lieber- sicht' den ganzen Ausbau zu verwerfen, wäre nun freilich dasselbe, wie wenn ein einfacher Soldat ein strategisch unb taktisch kompliziertes Manöver be­kritteln wollte, weil er über seinen Schützengraben nicht hinausschauen kanm Beschränken wir uns da­her einmal, der italienischen Diskussion folgend, auf die Spitzenorganstation, bie Korporationen.

Von bem Arbeitsstatut ausgehend, ist das Problem Zunächst einmal und hier scheint tue Funktion^ ?färura xu wurzeln juristisch gelöst worden. Nach ken Gesetzes vom 3. April 1926 und 20. März 1930 hätten bie Korporationen vier Aufgaben zu losen, nämlich bie, in ben Arbeitsprozeß normgebenb, ra - gebend, schiedsrichterlich und wirtschaftlich einzu- greifen' Dehnbare Begriffe, folanae bie Kompeten­zen nicht genau abgetrennt sind Ja, der Abgeord­nete Luigi Nazza meint: Seifenblasen, nichts als Seifenblasen! Wenn die Gesetze nicht ausgereicht haben, wie es tatsächlich der Fall ist, der Organisa­tion Leben einzuhauchen, so müsse man entweder

Oie italienischen Korporationen.

Von unserem römischen E.-Korrespondenten. i.

Rom, im November.

Dem Kvrporativnsbegriff ist es eigenartig er­gangen: er wurde von den Gegnern der faschistischen Lehre ohne Prüfung verworfen und von den Freunden ohne Prüfung angenommen. Ganz fo, als ob es sich um eine politische und nicht um eine geschäftliche Erscheinung handle. Wie ein harmloser Spaziergänger geriet sie in Straßenunruhen, wurde

andere Gesetze oder keine Korporationen machen. Damit die Korporation ihr erstes Amt, das der Normgebung ausführen könne, müsse sie prak­tisch die Arbeitgeber- unb Arbeftnehmerverbanbe hinter sich haben. Seien biefe beiben aber unterem- anber einig, so brauchten sie ja keine ubergeorbne e Stelle, bie Carta del Lavoro genüge also. Zweite Ausgabe: Rat zu geben! Wem habe es nicht schon bisher freigeftanben, sich mit ber Bitte um Rat an irgenbjcmanb zu wenben? Wozu also ein Gesetz? Tatsächlich sei ber Fall, baß eine 2lbmim- stration sich bei einem korporativen Organ einen Rät erbeten habe, auch noch nicht eingetreten. Drit­tes Amt: V e r s ö h n u n g s - u n b A u s g 1 e i ch ^ - amt. Der Riesenapparat ber breißig ober vierzig Korporationen sei gar nicht in ber Lage, kle ne Streitigkeiten zu schlichten, unb wenn er es wollte überflüssig, ba ja anbere Schlichtungsamter bereits bestäuben. Vierter Punkt: normative Funk­tionen auf wirtschaftlichem Gebiet. Eine ernsthafte Angelegenheit folangefie »W in bie Hänbe ber Korporationen komme unb damit zur Seifenblase werde. Das Gesetz von 1930 scheine in dieser Hinsicht nicht für die Korporationen, fvn- y.ws s \ «-

nicht bestehen, Funktionen zuwesten. Die Voraus- l