Ausgabe 
21.7.1933 Zweites Blatt
 
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Die presse im neuen Staat.

WSR. Mainz. 20. Juli. Die Ortsgruppe Mainz des Reichsverbandes der Deutschen Presse veranstaltete den erstenAbend der Mainzer Presse". Der Vorsitzende der Ortsgruppe Mainz, Fritz Glahn, sprach überDie Presse im neuen Staat". Adolf Hitler habe uns gelehrt, daß wahre Freiheit nur aus dem Gedanken und dem Bekenntnis zur Volksgemein­schaft und dem verpflichtenden Dienst an ihr kommen könnte. So habe auch die Presse kein Selbstzweck zu fein, sondern nur Mittel zum Zweck, und dieser Zweck könne wiederum nichts anderes sein als der des allgemeinen politischen Kampfes der Ration. Wir deutschen Journa­listen-seien stolz darauf, daß die neue Regierung die große Bedeutung der Presse für das große Wiederausbauwerk der Ration so hoch einzu- schähen wisse. Wir Journalisten wollten uns die­ser Ehre würdig erweisen und die geistige Waffe vorbehaltlos jederzeit für das Volksganze einsetzen. Wer von diesen Gedanken in Zukunft nicht beseelt sei, habe in un­seren Reihen keinen Platz mehr.

Anschließend überbrachte Staatspressechef Falk die herzlichen Glückwünsche des Mini- sterpräsidenten. Die Regierung lege größ­ten Wert auf die Zusammenarbeit mit der Presse. Von der Zeitung, die ein Geschäftsunternehmen war wie eine Maschinenfabrik oder eine Tuch­weberei, hätten wir uns getrennt. Rur d i e Zei­tung we^de Ansehen im Volke genießen, die den neuen Geist begriffen habe. Sollte selbst eine Maßnahme der Regierung nicht gleich ver­ständlich sein, über allem stehe das Gesetz: Adolf Hitler hat immer Recht. Auch der General lege seine Absichten dem/Soldaten nicht bis ins einzelne klar. Der Schreiber der deut­schen Zeitung habe nun die Aufgabe und die Mög­lichkeit, die seelische Kraft des Volkes zu wecken. Wenn wir alle Gefühl und Ver­ständnis für die Bewegung des deutschen Volkes gewonnen hätten, dann sei der Tag da, an dein wir eine geschlossene hessische und deutsche Presse haben, die weiter nichts sei als ein Mittel zum Aufbau d e r d e u t s ch e n Z u k u nf t.

Reichsstaiihalier Sprenger inMünchen

München, 20. Juli. Zu Ehren des in Mün­chen weilenden Reichsstatthalters in Hessen, Gau­leiter Sprenger, fand im Garten des Hauses der RSDAP., Beamtenabteilung, an der Geor- genstratze, eineSerenade statt. In einer An­sprache kennzeichnete der Reichsstatthalter die Aufgaben der Beamten im neuen«Staat und be­tonte, die Beamten hätten zum Staat zu stehen, das sei die Grundlage der Volksverbun­denheit. Der Beamte sei nicht nur Führer des Volkes, sondern in erhöhtem Maße Führer zum Volk. Das Sieg-Heil auf den Reichs­kanzler Adolf Hitler und das Horst-Wessel-Lied beendeten die Feier.

Kleine politische Nachrichten.

Um die enge Verbundenheit der Deutschen Reichsvost mit der Person des Herrn Reichs­kanzlers Adolf Hitler auch äußerlich darzutun, hat das Reichspostministerium angeordnet, daß d i e wichtigsten Dien st räume mit dem Bild d e s Herrn Reichskanzlers ausgestat- t e t werden sollen.

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Der Erste Staatskapellmeister Professor Dr. Wil- Helm Furtwängler ist vom Ministerpräsidenten Göring zum preußischen Staatsrat er­nannt worden.

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Der Bundesführer der Adler und Falken hat die Führer seines Bundes mit dem Befehl ent­lassen,-s lch dem Jungvolk, HI. und BDM. e i n z u g l i e d e r n. Es ist der letzte große Bund der hündischen Jugend, der diesen Schritt vollzieht. Bis zu einer erfolgreichen Erklärung der Spielschar­arbeit, in der die Adler und Falken seit Jahren führend sind, bleibt der Bund als Aelterenorganisa- tion bestehen.

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In Schweden hat die Regierung eine Verord­nung erlassen, wonach >as Tragen von Uni­formen politischer Parteien oerbo- t e n ist.

Aus aller Welt.

Liga Wohlbrück f.

In Berlin ist die bekannte Schriftstellerin Olga Wohlbrück nach langem schweren Leiden im Alter von 66 Jahren g e st o r b e n. Olga Wohl­brück wurde 1867 in Gainfarn bei Wien geboren. Sie verbrachte ihre Jugend in Rußland, bildete sich in Paris als Schauspielerin aus und erhielt ein Engagement am Odeon-Theater, an dem sie drei Jahre lang mit großem Erfolg auftrat. Ihre 1887 mit dem Lyriker Maximilian Bern in Berlin ge­schlossene Ehe verschaffte ihr Eintritt in literarische Kreise. Um die Jahrhundertwende erschienen ihre ersten erfolgreichen Romane. Mit einer gewissen Routine, aber vortrefflicher Beobachtungsgabe und psychologischem Scharfblick entwarf sie Bilder aus dem gesellschaftlichen Leben der damaligen Zeit. Von diesen Romanen seien genannt:Karriere" Du sollst ein Mann sein",Die neue Rasse",Der große Rachen", der KleinstadtromanDie goldene Krone" undPrimadonna". Olga Wohlbrück war zeitweise auch als Regisseur und Bühnenleiterin tätig und hat verschiedene Theaterstücke verfaßt.

Deltflieger post abgeslürzt, aber unverletzt.

Der amerikanische Weltflieger Willy Post, der am Donnerstag Ruby überflog, ist bei Flat (Alaska) mit seinem Flugzeug a b g est ü r z t, blieb aber unverletzt. Post hatte in Regen und Nebel die Orientierung verloren. Ueber Flat sackte das Flug­zeug plötzlich mit der Spitze ab. Beim Ausschlagen auf den Erdboden wurden das Fahrgestell und der Propeller beschädigt. Post hat in Fairbanks die zur Reparatur notwendigen Ersatzteile bestellt und hasst, den Flug am Samstag fortsetzen zu können. Er hat Dann noch immer soviel zeitlichen Vorsprung, daß er seinen letzten Rekord schlagen kann.

Bayreuth ist gerüstet.

In den letzten Tagen sind die umfassenden Vorbereitungen für die Bayreuther Fest- spiele abgeschlossen worden. Vier Tage hinter­einander beanspruchten die Generalproben für die mit Ausnahme desParzival" in völlig neuem szenischem Gewände erscheinenden Vor­stellungen derMeistersinger" und des Ribe- lungenringes. Eine eingehende Probearbeit, die zwei Monate in Anspruch nahm, rundete das

Gesamtbild, so daß heute schon die Feststellung gestattet ist: Bayreuth wird die hohen Erwar­tungen in vollem Ausmaß erfüllen. DieM ei­st er finger" werden unzweifelhaft den Höhe­punkt darstellen. Obwohl das Ausland in diesem Sommer auf dem Festspielhügel nicht in dem frü­her üblichen Ausmaß vertreten sein wird, sind die ersten sechs Vorstellungen ausverkauft, für die übrigen sind nur noch wenige Karten er­hältlich. Die von der Reichsregierung und den Länderregierungen erworbenen Karten für die Festspiele geben vielen wenig Bemittelten die Möglichkeit, an bedeutender deutscher Kunststätte künstlerischer Offenbarungen teilhaftig zu werden. Bayreuth selbst hat für diese Besucher Frei­quartiere und billige Speisungen eingerichtet. Die deutsche Jugend, die sich unter diesen Bevor­zugten befindet, wird hier herzlichst begrüßt, weih man doch, daß aus ihrer Empfänglichkeit für die große Bayreuther Kunst reicher Segen entspringen wird. Die Jubiläumsfestspiele er­halten ihren ganz besonderen Charakter, weil mehrere Reichsminister und die bayerische Staats­regierung offiziell ihren Besuch zugesagt haben.

Tierschau in Wehlar.

oWetzlar, 20. Juli. Im Anschluß an die große Bauernkundgebung fand hier eine Tierschau statt, zu der 122 Stück Rindvieh, 57 Schweine, 105 Zie­gen und 258 Schafe aufgetrieben waren. Die auf- getriebenen Tiere waren von bester Qualität. Die Prämiierung, die mit dieser Tierschau ver­bunden war, zeitigte folgende Ergebnisse:

Klasse la, Bullen über drei Jahre alt: la-Preis Herdbuchgesellschaft Wetzlar, Id - Preis Friedrich Will - Atzbach, 2. Preis Gemeinde Hörnsheim. Klasse 1b, Bullen im Alter von 2 bis 3 Jahren: lb-Preis Gemeinde Waldgirmes. Klasse 3, Bul­

len, 12 bis 18 Monate alt: la-Preis Wilhelm Bep- ler-Hörnsheim, lb-Preis Johannes Krombach- Lützellinden, 3b-Preis Heinrich Ludwig-Hörnsheim, 3c - Preis Johannes Ohly Witwe» Hörnsheim. Klasse 4, Kühe, über 5 Jahre alt: la-Preis Wil­helm Bepler-Hörnsheim, Ic-Preis Anton Schwarz Wtw.-Hörnsheim, 2a-Preis Wilhelm Bepler-Hörns­heim, 2b-Preis Georg Binz-Waldgirmes, 2ck-Preis Hermann Schmidt I.-Hörnsheim, 2e-Preis Heinrich Hofmann I.-Hörnsheim, 2k-Preis Wilhelm Bepler- Hörnsheim, 2i-Preis Georg Bepler VII.-Hörnsheim, 3a-Preis Johannes Hösbach-Hörnsheim, 3b-Preis Johannes Krombach-Lützellinden, 3ck-Preis Fried­rich Will-Atzbach, 3t-Preis Anton Hartmann-Hochel­heim, 4cPreis Anton Engel V-Hörnsheim, Aner- tenhung Friedrich Will-Atzbach. Klasse 5, Kühe bis zu einem Alter von 5 Jahren: 1. Preis Anton Hartmanshen-Hochelheirn, 2. Preise Anton Müller Wwe.-Hörnsheim, Johann Schäfer-Hörnsheim, Phi­lipp Eckhardt-Hochelheim: 3. Preise Friedrich Will- Atzbach, Heinrich Scheld-Atzbach, Ferdinand Engel- Hörnsheim und Georg Grumbach-Münchholz- hausen: Anerkennung Joh. Krombach-Lützellinden. Klasse 6, Rinder über 5 Monate, tragend: la- Preis Georg Binz-Walgirmes, 3b-Preis Georg Binz-Waldgirmes, 3a-Preis Georg Volk IV.-Hörns» heim, 4b - Preis Joh. Krombach - Lützellinden. Klasse 7a, über 18 Monate alt, noch nicht ge­deckt: 1. Preis Anton Engel V. - Hörnsheim, 3a- Preis Georg Bepler VII.-Hörnsheim, 3b-Preis Heinrich Hofmann I. - Hörnsheim, 4b-Preis Joh. Krombach-Lützellinden. Klasse 7b, Rinder im Al­ter von 12 bis 18 Monaten: 1. Preis Anton Engel- Hörnsheim, 3a - Preis Kreislandbundgenossenschaft Wetzlar. Klasse 8, Familien, Kuh mit mindestens zwei Nachkommen: la-Preis Wilhelm Bepler- Hörnsheim. Klasse 9, Familien mit mindestens drei über 1 Jahr alte Nachkommen: 2. Preis Joh. Krombach- Lützellinden.

Aus der Provinzialhauptstadt.

prost Herr Doktor .. Z

Guten Abend, Herr Doktor." ,,N' Abend, Herr Wirt, was machts Geschäft?"Dank der Nachfrage, man stümpert sich jo durch."Heiß heute, Donnerwetter nochmal/Ja, ich sagte heute morgen noch zu meiner Frau, wenn das man fein Gewitter gibt. Aber nun hat sich alles wie­der verzogen."

Aber ich bitte Sie, das ist doch unmöglich. Sie können doch nicht ohne weiteres den Stab über ihn brechen. Sie müssen doch bedenken, daß ... still, er kommt."Prost, Herr Apotheker."Zum Wohl, Herr Amtsgerichtsrat."N^ Abend, die Her­ren."Schön guten Abend, Herr Doktor, n' Abend, n Abend. Wie gehts zu Hause? Haben Sie schon gehört, daß bei Müllers heute eingebrochen ist?"Ach, was Sie nicht sagen!"Ja, den­ken Sie sich: am hellichten Tage! Für tausend Mark sollen die Kerls mitgenommen haben. Na, der kanns vertragen. Prost, Herr Doktor." Prost, Herr Apotheker, Spezielle bitte, komme gleich nach ..., ein Pilsner, Herr Ober."Bitte sehr, Herr Doktor."Komme nach, Herr Apotheker. Wissen Sie, meine Herren, die neue Regierung, doch einfach fabelhaft. Haben Sie den Aufruf zur Spende der nationalen Arbeit gelesen? Wirklich ganz großartig, meine Herren. Jeder wird zur Mit- arbeit aufgefordert, und es wird uns endlich ein­mal der Wert deutscher Arbeit so recht zum Be­wußtsein gebracht. Ich verstehe meinen Vetter nicht. Jetzt kauft er sich wieder einen ausländischen Wa­gen. Wie oft habe ich ihm gesagt ..."Dorfs noch ein Pilsner fein, Herr Doktor?"Ja, bitte, ... wie ost habe ich ihm gesagt, daß jeder mehr denn je die Pflicht hat, ein für alle Mal deutsche Erzeug­nisse zu kaufen. Aber da rehet man sich den Mund fusselig, gegen solche Unvernunft ist eben fein Kraut gewachsen. Meine Frau habe ich jetzt wenigstens so weit gebracht, daß sie ihren Fimmel für auslän­dische Maren aufgegeben hat. Mein Junge sagte noch heut' mittag zu mir, daß ihm die deutschen Aepfel viel besser schmeckten, als die amerifanifdjen. Na, Prost meine Herren.Nochnen Schoppen, Herr Ober."

Herr Doftor", läßt sich schließlich der Apothefer vernehmen,Ihre Ansicht in Ehren. Haben Sie sich aber mal überlegt, was Sie dort in Ihrem Glase haben?"Wieso?"Nun, Sie traten doch eben erst in so vorbildlicher Weise für deutsche Er­zeugnisse ein!"Ja, das tat ich und werde es auch weiter tun."Dann dürfen Sie aber fein Pilsner trinfen."Meine Herren, ich will Ihnen mal eins sagen: wenn ich den ganzen Tag arbeite und schufte, dann darf ich mir abends wohl mal ein Glas Pilsner leisten. Das wäre doch ..."

Da muß ich Ihnen widersprechen, Herr Doftor, ich zweifle nicht daran, daß Sie das teure Pilsner bezahlen können. Wollen Sie sich -aber mal freund­lichst überlegen, daß jeder Liter Pilsner Bier, der in Deutschland getrunken wird, die ausländische Wirtschaft fördert. Wollen Sie sich ferner klar machen, daß Sie durch den Genuß von Pilsner Bier deutschen Brauereien und damit unseren heimischen Arbeitern die Arbeitsmöglichkeiten rauben! Sie werden mir zugeben, daß Sie sich damit an der deutschen Volkswirtschaft versündigen." ,Ha, Herr Apotheker, ich darf aber, wie Sie wissen, nur Pilsner trinken. Andere Biere dieser Art gibt's ja bei uns nicht."

Oho, Herr Doktor, da dürften Sie sich wohl auf dem Holzwege befinden. Der Herr Amtsgerichtsrat wird mir bestätigen können, daß er mich wann war's doch gleich, ja, vor zwei Jahren eines an­deren belehrt hat. Da haben wir mal alle möglichen deutschen Biere durchprobiert, die, das kann ich ohne Uebcrtreibung sagen, mir besser geschmeckt haben, als dasechte" Pilsner. Heute möchte ich mein deutsches Pilsner nicht mehr missen und Sie, Herr Amtsgerichtsrat, werden, glaube ich, auch bei Ihrem deutschen Pilsner bleiben. Probieren Sie's auch mal, Herr Doktor, auch für Ihren Geschmack ist gesorgt. Es gibt so viele Sorten guten deutschen Biers."

Herr Ober, mir auch ein deutsches Pilsner." M. E.

Gegen den Bezug ausländischer Kartoffeln.

(Ein Aufruf.

Die starke Ernte der Frühkartoffeln hat in Ver­bindung mit dem seitherigen Bezug von ausländi­schen Kartoffeln einen großen Preisfall in Kartof­feln verursacht. Hierdurch wird das nationalsozia­listische Programm zur Stützung der deutschen Landwirtschaft auf bas stärkste gefährdet und ich mache deshalb allen Lebensmittelhändlern zur Pflicht, jeglichen Ankauf von ausländischen Kartof­feln zu unterlassen. Auch die Ernte von Spätkartof­

feln läßt einen sehr starken Ertrag erwarten, so daß mit der Erzeugung der deutschen Landwirtschaft der gesamte Bedarf der deutschen Bevölkerung ge­deckt werden kann.

Ich weise deshalb jetzt schon daraufhin, daß es unbedingte nationale Pflicht ist, auch späterhin keine ausländischen Kartoffeln einzukaufen, damit die Maßnahmen der Regierung zur Hebung der Kauf­kraft der Landwirtschaft, die nicht zuletzt auch dem mittelständischen Einzelhandel zugute kommen, von Erfolg gekrönt sind.

Der Führer des Landesverbandes Hessischen Einzel­handels e. 23., Darmstadt: Stabel.

Raffenhygienischer Gchulungskursus.

Der Rasserchygienische Schulungskursus, de? von der ÄAS.-Aerzteschaft Oberhessen-Rord veran­staltet wird und über dessen beide erste Abende wir bereits berichten konnten, fand am Montag und am Mittwoch seine Fortsetzung mit einem Vortrag von Pros. Dr. Kuhn über das Thema Rassenhygiene und Bevölkerung". Im ersten Teile des Vortrages (am Montag) ging der Redner zunächst auf die Geschichte der Rassen- Hhgiene ein, stellte in wissenschaftlicher Betrach­tung dem Lamarckismus den Darwinschen Grund­satz der Auslese gegenüber, und schilderte in kurzen Zügen die Arbeit der Rassenhygieniker in Deutschland und England. In weiteren Aus­führungen kennzeichnete der Redner die Unter- scheidungen in der Hygiene (allgemeine, soziale und Rassenhygiene), um dann die bevölkerungs­politischen Verhältnisse in unserem Vaterlande zu beleuchten. Die Geburtenziffer in Deutschland sei unter den Stand Frankreichs gesunken, das Zweikindersystem habe sich für unseren Volks­körper außerordentlich schädlich ausgewirkt, un­günstig seien die Auswirkungen der Sozialgesetz­gebung gewesen: in vielen Ehen wünsche man sich überhaupt keine Rachkommenschaft. Wertvollstes Erbgut werde nicht weitergegeben, während die Zahl der Asozialen ständig steige. Jährlich müß­ten allein in Gießen 1750 000 Mark für meist erbminderwertige Menschen ausgegeben werden, ein Betrag mit dem man Kinder mit wertvollen Erbanlagen außerordentlich fördern könnte. In den abschließenden Ausführungen des ersten Tei­les des Vortrages sprach der Redner über die Möglichkeiten plötzlicher Aenderungen in den Erb­anlagen (Mutation) und erklärte damit manchen Irrtum in Kreisen der Laien auf.

Im zweiten Teil des Vortrages referierte Prof. Dr. Kuhn über die verschiedenen Möglichkeiten, den Völkertod innerhalb unseres Volkes zu bannen. Er stellte dabei zunächst die drei Möglichkeiten nega­tiver Art heraus: die Asylierung, die an der Finan­zierungsfrage scheitere und außerdem einer schwe­ren Freiheitsberaubung gleichgeachtet werden müsse, die Kastrierung, die eine schwere Schädigung des (insbesondere jugendlichen) Organismus beoeute, und die Sterilisierung, die den gangbarsten Weg darstelle, weil die notwendige Operation vom Fach­mann zuverlässig und ohne Schaden für den Kör­per ausgeführt werden könne. Die vositiven Maß­nahmen müßten zunächst mit der Aufklärung be­ginnen. Die Aerzteschast müsse für die Rassen­hygiene interessiert werden. Es gelte O r d i n a - riate für Rassenhygiene zu schassen, und die Heranwachsende Aerzteschaft mit den Gedanken der Rassenhygiene vertraut zu machen. In den Gesund­heitsämtern der Kreise und Städte müßten rassen­hygienische Abteilungen geschaffen und von Fach­leuten verwaltet werden. Qualität und Zahl unseres Nachwuchses müßten unbedingt steigen. Das Zwei­kindersystem müsse einem Vierkindersystem weichen. Ein Grund des Geburtenrückgangs sei bis­her der Mangel eines völkischen Ideals gewesen. Es müsse jetzt aber die Auffassung Platz greifen, daß die Erhaltung unseres Volkes nationale Tat fei. Geld, das Minderwertigen zugewandt worden sei, müßte erbgesunden Kindern dienstbar gemacht werden. Den Eltern dürfe aber nicht die ganze Sorge um das Kind abgenommen werden, denn der Segen eines Kindes liege für die Eltern in der Arbeit f ü r das Kind. Für Eheschließende müsse ein Austausch von Gesundheitszeugnissen schon bei der Verlobung gefordert werden. Ein Gesundheitspaß sollte in Zu­kunft jedes Kind schon von der Geburt an beglei­ten. Von bewußt gepflegter Rassenhygiene sei man leider noch weit entfernt. Es gelte Eheberatungs- stellen zu schaffen. Die Eheberatung könne dabei ein Arbeitsgebiet für den praktischen Arzt werden, für besonders schwierige Fälle müsse ihm aber der Fach­arzt, der Eheberater zur Seite stehen. In seinen weiteren Ausführungen wies der Redner noch auf die Frage der Ehevermittlung hin. Ohne eine amt­liche Ehevermittlung komme man nicht zu den erstrebten Erfolgen der Rassenhygiene. Die Ver­mittlung müsse von den Gesundsheitsämtern aus ärztlich überwacht werden. Vor allem sei es not­

wendig, Verwandtenehen zu verhindern. Ehen zwi- scheu Vettern und Basen müßten verboten werden. Mit der Mahnung:Vergiß nicht, daß du ein deut­scher Ahnherr bist!" schloß der Vortragende seine mit stärkstem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Erwerb und Verkauf von Schmuckreisig

Aus der Ausführungsverordnung zum hessischen Naturschutzgesetz.

Das Hessische Naturschutzgesetz vom 14. Oktober 1931 hatte die rechtliche Grundlage für die Durch­führung des Naturschutzes in Hessen gegeben und den Rahmen für den Erlaß von Einzelvorfchriften geschaffen über die praktische Handhabung der ge­setzlichen Bestimmungen. Von besonderer Bedeu­tung für weitere Kreise ist der § 2 der Verordnung, der für die Erbringung des Nachweises über den rechtmäßigen Erwerb von Schmuckreisig, wie er nach Artikel 12 des Gesetzes verlangt wird, das Folgende vorfchreibt:

Für den (Eigentümer oder Nutzungsberechtigten eines Grundstücks, der darauf gewonnenes Schmuck- reisig selbst ober durch Beauftragte außerhalb des Grundstücks feilbietet, verkauft ober zum Verkauf feilbietet, verkauft ober zum Verkauf befördert, gilt als Ausweis eine Bescheinigung des zuständigen Forstamtes. Die Gültigkeit der Bescheinigung ist zeitlich zu begrenzen. Beauftragte von Schutzforst- oermaltungen können sich auch durch die Bescheini­gung einer Verwaltungsstelle des Schutzforstes aus- weisen, aus deren Bezirk das Schmuckreisig stammt. Für den Erwerber von Schmuckreisig aus erster Hand gilt als Ausweis eine von dem Eigentümer oder Nutzungsberechtigten des Grund­stücks, auf dem das Schmuckreisig gewonnen wurde, ausgestellte Abgabebescheinigung.

Die Bescheinigung über die Abgabe von Schmuck- reisig aus Staats-, Gemeinde- und Körperschafts­wald wird von dem zuständigen Hessischen Forstamt ausgestellt. Für Wiederverkäufer von Schmuckreisig gilt, insoweit nicht Absatz 2 zur Anwendung kommt als Ausweis eine Bescheinigung des Verkäufers, die Datum, Name und Wohnort des Empfängers sowie Art und Menge des bezoge­nen Schmuckreisigs enthalten muß. Der Aussteller hat von jeder Bescheinigung eine Abschrift (Durch­schrift) zurückzubehalten. Alle Ausweise und Be­lege (Abschriften, Durchschriften) sind drei Monate über den Tag der Ausstellung bzw. die Dauer ihrer Gültigkeit hinaus aufzubewahren.

Als Schmuckreisig gelten auch d i e so­genannten Weidenkätzchen. Bestimmun­gen in Polizeiverordnungen der Kreise über die Weidenkätzchen, die den vorstehenden Bestimmungen widersprechen, sind aufgehoben."

BornoNzen.

Tageskalender für Freitag. Haus- besitzerverein e. 23.: 20.30 Uhr im HotelHinden­burg außerordentliche Hauptversammlung. Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Liebelei".

Kraftpo st-Gesellschaftsfahrt zum Hoherodskopf. Das Postamt Gießen veranstal­tet am kommenden Sonntag eine Kraftpost-Gesell- schaftsfahrt, die zum Hoherodskopf und anschließend daran nach Bad Salzhausen führt. Die Abfahrt er­folgt vom Postamt I aus um 8.30 Uhr, um 19 Uhr treffen die Fahrtteilnehmer wieder in Gießen ein. Näheres ist aus dem gestrigen Anzeigenteil ersichtlich.

Der DHV. in der Deutschen Ar­beitsfront. Der Deutsche Handlungsgehilfen- Verband, die berufsständische Organisation der deutschen männlichen Kaufmannsgehilfen, hält am Samstag, 22. Juli, 20.30 Uhr, im Cafe Leib seine 1. Mitgliederversammlung ab. Die Versammlung findet in festlichem Rahmen statt. Kreisgeschäfts- führer Pg. Wilhelm Brack spricht über das Thema''Ser DHV. in der Deutschen Arbeits­front". Für die Mitglieder des DHV. ist die Teil­nahme an der Versammlung Dienst. Die un­organisierten Kaufmannsgehilfen werden eben­falls aufgesordert, zu erscheinen und sich an die­sem Abend in ihren Berufsverband einzugliedern.

** Saar-Kundgebung der Gießener Studentenschaft. Heute 20.30 Uhr veran­staltet die Gießener Studentenschaft in der Reuen Aula der Universität eine Saarkundgebung. Die Kundgebung soll in feierlichem Rahmen abgehal­ten werden. Redner ist Gewerkschaftssekretär Pe­ter Kiefer aus Saarbrücken.

Vor dem Tode des Ertrinkens gerettet. Unweit des Felsens machte sich ge­stern der etwa 18jährige Bäckergehilfe Bernhard Bindewald am Wasser der Lahn zu schaffen, ohne jedoch baden zu wollen. Er glitt dabei in das Wasser und versank sofort, da er nicht schwim­men konnte. Ein SA.-Mann, der nach einiger Zeit hinzukam und die Gefahr bemerkte, sprang dem Ertrinkenden bei und brachte ihn wieder an das Land. Der Retter stellte sofort Wiederbele­bungsversuche an, die nach einiger Zeit auch von Erfolg gekrönt waren. Der junge Mann wurde dann von der FreiwiUigen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Medizinische Klinik gebracht.

** Vorsicht bei Hauskäufen und Ver­käufen! Der Hausschwamm richtet in unserem deutschen 23ater(anbe alljährlich Schäden in Höhe von vielen Millionen an. Besonders unangenehm wirkt sich seine furchtbare Tätigkeit bei Hauskäufen und -Verkäufen aus. Kürzlich wurde wieder ein Fall bekannt, wo der Käufer wegen des zu spät festge­stellten Hausschwamms seine ganze Anzahlung in Höhe von 20 000 Mark verlor. Bei jedem Haus- besitzwechsel ziehe man deshalb vor Abschluß des Vertrages den Rat der Hessischen Landesstelle für Pilz- und Hausschwamm-Beratung, Darmstadt, Fernruf 4755, ein, dick ihre gemeinnützige Aufklä» rungstatigteit seit fast 2 Jahrzehnten ausübt. Der Leiter der genannten Stelle, Direktor Kallen, b a ch, Darmstadt, hat in Verbindung mit der größ­ten deutschen Bauorganisation ein gemeinverständ- hdjes reich illustriertes Hausschwamm-Merkblatt herausgebracht, das zum Selbstkostenpreis abge­geben wird und in die Hand eines jeden Haus­besitzers, Mieters, jedes Schreiners, Baufachmannes usw. gehört.

** Prüfung im Radfahren f ü r das Turn- und Sportabzeichen. Am Sonn­tag, 23. Juli, vormittags 7 Uhr, findet die Prü­fung in Gruppe 5 Radfahren für das deutsche £urn- und Sportabzeichen statt. Räheres siehe Anzeige.

** Unfall am Hlndenburg-Wall. In bem heute morgen veröffentlichten Bericht aber Ver­kehrsunfälle mußte es in der 3. bzw. in der 6. Zeile nicht Horst-Wessel-Wall, sondern jeweils Hindenburg- Wall heißen.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.)

W. UI. in Gießen. Wenden Sie sich an das Ar­beitsamt Gießen, Liebigstraße Nr. 16.