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18- Februar 1933 '9 wurden Gewinne >gen
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Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumlchein undlürdenAn- zeigenteil i.D.Th.Kümmel jämtlich in Liegen.
Brolat Hal bei diefer Aussage verschwiegen, daß er zwei Monate vor der verhastung der Stlaref» ju seinem 45.Geburtstag von Leo Sllarek ein Dutzend seidene Hemden, das Stück für 7 0 Mark, erhalten hat. Brolat erklärte hierzu, dah er dieses Geschenk vergessen habe.
Der Vorsitzende hielt dann Drolat vor „Glaubten Sie nachdem Sie für die Stadtbanldirektoren bei Keller & Furch Rechnungen bezahlt hatten und Stadtbankdirektor Hoffmann Ihnen dafür die Hand küßte, es verantworten zu können, unter Eid zu erklären, dah Sie die Stadtbankdirektoren nur dienst- lichundauchnurslüchtig kennen würden?" Brolat erwidert hierauf, dah die Stadtbankdirektoren ihn ja nicht als Privatmann, sondern als BVG-Direktor ausgesucht hätten, und dah Untersuchungskommissar Ta- polski auf weitere Ausführungen von ihm gar keinen Wert gelegt habe. Aus diesem Grunde habe er, Brolat, keine Veranlassung gehabt, darüber zu sprechen.
Oer erste Zeuge.
Als erster Zeuge erklärt Oberregierungsrat Tap ols ki, der Brolat am 30. Oktober 1929 unter feinem Eid vernommen hatte, dah er den Eindruck gehabt habe, dah Brolat sehr ungern zur Aussage bereit war. Brolat habe an ihn, Tapolski, die Frage gerichtet, ob er überhaupt zu einer Aussage v e r p s l i ch t e t sei. Tapolski t iundet, dah er damals einen auherordentlich ungünstigen Eindruck von Brolat gewonnen habe, dah er Brolat auch eine Belehrung darüber gegeben habe, dah er n i ch t auszusagen brauche, wenn er sich selbst belaste. Brolat sei offensichtlich bemüht gewesen, seine Beziehungen zu den Sklareks zu bagatel'isieren. Von einer falschen Protokollaufnahme könne keine Rede sein, da Sah für Sah der Aussage Brolats in seiner Gegenwart diktiert worden sei. Hierzu bemerkt Brolat, dah er bis dahin noch niemals vor Gericht vernommen worden sei, und dah er seine damalige Aussage niemals beschworen haben würde, wenn er auf den Gedanken gekommen fei, dah dieses Protokoll einmal als Unterlage gegen ihn dienen sollte.
VVS.-Direklor Srolal vor den Geschworenen
Nachklänge zum Sklarek-prozeh.
Frankreichs ausgibt, wird begrüht und wohlwollend behandelt, und man fühlt sich lebhaft an das alte Sprichwort erinnert, das einen Unterschied zwischen einer Nachtigall und einer Eule macht. Unsere Aktion war verdammenswert — die französische, die doch die Abrüstungsverhandlungen stört, ist es nicht!
Und dann ist da der Wittenberger Zwischen f a 11. Die englische Presse, die zweifellos auch hier einem Stichwort des Foreign Office gefolgt ift, hat die Angelegenheit zwar „verharmlost" — aber der englische Gesandte in Wien hat sich an dem unerhörten Schritt der französischen Regierung b e • tei 1 igt, ja. hat nach gewissen Informationen sogar zur Verschärfung bestimmter Forderungen auf Londoner Anweisung beigetragen! Denn hier handelt es sich ja um die i 11 e g a 1 e A u f r ü st u n g , die Eng- land auf alle Fälle bekämpft. Hat man diese sachlich belanglose Angelegenheit deshalb so scharf aufgezogen, um aus ihr eine Sensation zu machen? Hal man Derfterreid) gesagt — aber Deutschland gemeint? Hat man uns also zu verstehen geben wollen, wo England jetzt steht? Hat man uns sagen wollen! dah England sichaufdiesranzösische Seite schlagt, sobald wir ernstlich wieder „aufrüsten"?
Man täusche sich jedenfalls nicht über die Ansichten in England. Vorläufig liegen die Dinge noch im Zwielicht.
^Was hat England auf der Abrüstungskonferenz gewollt? Doch selbstverständlich tatsächlich eine Herabsetzung der RÜ st ungen, und zwar vor allem, um den eigenen Haushalt von den hohen Rüstungsabgaben zu entlasten und Die in England außergewöhnlich hohen S'.euern zu senken. Das heißt, England ist eines der wemgen Lander die ernsthast eine Abrüstung und nicht nur eine Umrüstung wollten. Hierin waren die Engländer auch mit den Amerikanern einig, die aus ähnlichen Gründen den gleichen Standpunkt vertraten. Gerade das hat sich aber in den letzten Wochen entscheidend geändert. Die Austrittsdrohung Iapans, das den Völkerbund verlassen will, um aus eigenen Wegen in Ostasicn zu wandeln, hat einen, vorerst noch schwach spürbaren aber doch immerhin merkbaren Stimmungsumschwung ^^orge- rufen der es wahrscheinlich erscheinen laßt, daß die Amerikaner nur noch taktische Ziele in Europa verfolgen, sich aber im Grunde an der Ab^i- stungssrage desinteressiert Da
Frankreich selbstverständlich gegen jede Abrüstung ist, Deutschland es aber wieder nicht bei den ge- genwärtigen Zuständen belassen kann, ist es klar, daß England vereinsamt ist, ja vielleicht sogar, dah es jetzt bereits das Abrüstungsspiel verloren hat. Denn der sogenannte englische Arbeitsplan, den der Unterstaatssekretär Eden in Gens vortrug, ist selbstverständlich nur ein 2<u d8ug 6- gesecht. Er soll es erlauben, die Abrustungs- arbeiten mit einem Scheinerfolg abzuschliehen, der wenig an den gegenwärtigen Zuständen ändert, aber es gestattet, äußerlich einen Erfolg zu behaupten. ,
Daß ein solcher Abschluß der Arbeiten m Genf ein Mißerfolg wäre darüber gibt man sich in England keiner Täuschung hin. Man ist zwar klug genug, nur von einem „Teilerfolg in diesem Falle zu sprechen, weih aber ganz genau, dah die Dinge anders liegen. Die Frage jedoch, die sich nach einem solchen Ergebnis in Genf erheben würde, und die die englischen Politiker sehr viel mehr beschäftigt, als das nach außen in Erscheinung tritt, ist, was Deutschland in einem solchen Falle macht, und was das wieder für Folgen für die englische Politik hätte. Wird Deutschland dann aufrüsten, und wird Frankreich sich das gefallen lassen? So fragt man sich unwillkürlich, und wie soll England sich dazu stellen?
Die Meinung über das, was bann geschehen soll, ist jedenfalls vorläufig durchaus geteilt — aber soviel ist setzt schon sicher, daß man wenig Neigung hat, sich in einem solchen yall auf Oie deutsche Seite zu (teilen. Einmal aus der alten unverhohlenen Abneigung gegen em ..militaristisches" Deutschland, und dann, weil man nicht einsieht, was man aus der deutschen oeite gewinnen könnte. Die wenig freundliche Haltung gewisser Berichterstatter gegenüber der neuen Regierung ist ja bereits ein Zeichen dafür, und dann ist es Die Haltung der englischen Regierung selbst.
Es ist richtig, dah die Engländer den Fraw- zösischen Großen Plan abgelehnt haben, aber nicht uns zuliebe, sondern weil man in London wußte, dah die Italiener ihn niemals annehmen würden. Es ist weiter richtig, daß die Engländer in der Frage der quali- tativen Bewaffnung (welche Waffen sind erlaubt?) erklärt haben, daß es hier keine Unter- sch ede geben dürste und daß der Grundsatz der Gleichberechtigung gelten müßte. Sie haben sich aber niemals auf den Standpunkt gestellt, daß es auch eine quantitative Gleich-
GteuerrevoÜe in Frankreich.
Streik der Beamten und Staatsangestellten. - Gegen die Oeckungsvorlage des Kabinetts Oa^adier.
von über 70000 Mark hatte. Brolat schildert bann feine Bekanntschastmitben Sklareks, bie aus dienstlichen Gründen zustandege- kommen sei. Vorteile von den Sklareks habe er nicht gehabt. Es handele sich lediglich um kleine gegenseitige Gefälligkeiten aus Anstandspslicht^ In besonders nahen Beziehungen habe er zu Leo Skla- rek gestanden.
Brolat wurde dann
das Protokoll seiner Vernehmung vor Obet- regierungsrat Tapolski
vorgehalten. In drei Punkten wird ihm zur ßaft gelegt, hierbei einen Meineid geleistet zu haben. Brolat hatte unter seinem Cid bekundet, dah er seit Dezember 1928 seine Anzüge unmittelbar bei der Maß- schneidereiKellerL Furch bezogen habe. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Brolat gab das auch zu. erklärte aber, dah es sich um ein falsches Protokoll Tapolskis handele. Ferner hat nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Bro- lat einen Meineid geleistet, indem er unter Eid bekundete, dah er die Stadtbankdirek- torenHoffmann undZetzel nur dienstlich und auch nur flüchtig kenne. Zu dieser Aussage steht in Widerspruch, dah Brolat nach der Verhaftung der Sllareks für die Stadt- bankdirckto.en ossenstehendeRechnungen beglich. Brolat bekundete weiter unter Eid, daß er im allgemeinen von den Sklareks keine Geschenke erhalten und chnen auch keine gemacht habe. Lediglich Leo Sklarek und er hätten sich zum Geburtstag Spazier stocke geschenkt und verschiedentlich Blumen.
Erschein« täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen; T)ie Illustriert. (Bt*-nener FomiUenblattei Heimat m Bild Die Scholl.
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(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, 20. Februar 1933.
Daß die Ereignisse auf dem europäischen Kontinent in England dies chwer sten Besorgnisse hervorgerusen haben, darüber kann für den objektiven Beobachter kaum ein .Zü)ei,el sein. Die Krise, in der sich F r a nkreich feit den Neuwahlen befindet, das Aufkommen des »Faschismus" in Deutschland - die Ereignis^ auf dem Dalkan, wo die Wirtschaftskrise sich immer mehr verschärft, der eigentümliche und wenig erfreuliche Verlaus der Abrustungs- konferenz, das alles sind Dinge, die Grund genug sein könnten, um die bisherige Haltung Englands als nicht mehr im Einklang mit den Ereignissen stehend zu betrachten, und eine Aen- derung der englischen Haltung gegenüber dem »anzuregen. Soweit, daß eine Schwcn- n der englischen • Politik eintrate. ist es nun zwar noch nicht. Wenn nicht alles tauscht, steht sie aber dicht bevor.
Die Frage, die für die englische Politik vor allen anderen entscheidend ist, liegt selbstver- ständisch aus dem Gebiete bet St lea«- schulden und der Abrüstung Wirtschaftliche Fragen interessieren trotz aller Zollnote in Europa vorläufig noch weniger. Offenbar, da die Engländer sich stark genug suhlen, um erforderlichenfalls all die Zugeständnis,e auszuhandeln, die die englische W;rt,chast braucht wenn nicht überhaupt wirtschaftlich letzt zunächst einmal alres auf das Weltreich und aus Amerika gerichtet ist. Um so mehr fesselt daher die macht- poiit.sche Entwicklung, die ja nun einmal nut der Frage der Bewaffnung der euro- p ä i f ch e n Staaten auf das engste ver-
P a r i s, 20. Fcbr. (TU.) Die Angestellten und Beamten der städtischen und staatlichen Betriebe haben am Montag geschlossen die Streikparole befolgt, die von ihren Syndikaten als Protest gegen die vom Finanzausschuh des Senats vorgeschlagenen Steuermahnahmen ausgegeben worden war. Da es sich nur um eine Warnung an die Regierung handeln sollte, war die Arbeitsunterbrechung beschränkt und trat außerdem zu verschiedenen Zeiten des Vormittags ein. Der Streik ist ohne Zwischenfall verlaufen. Die Autobusse und Straßenbahnen hielten von 10 bis 10.10 Uhr dort an, wo sie sich gerade befanden. Polizeibeamte in Zivil haben sich darauf beschränkt, in allen Fällen diese Verkehrsstörungen zu Protokoll zu nehmen. Der Eisenbahnverkehr und der Untergrund- bahnverkehr wurden ohne Unterbrechung durchgeführt. Der F e r n s p r e ch v e r k e h r nach dem In- und Auslande war mehrere Stunden unterbrochen. Wo Verbindungen hergestellt worden waren, wurden sie sofort wieder getrennt. Die Postbeamten haben sich der Streikbewegung angeschlossen, indem sie am Vormittag die Post nur einmal austrugen. Auch Rohrpostbriefe wurden nicht befördert. Auf den Z o l l - und Steuerbehörden und in den Ta - bakmanufakturen wurde die Arbeit während einer Stunde niedergelegt. Auch in der Provinz ist der Streik ruhig verlaufen. In Lille sind
Oie bayerische Königsfrage.
München, 20. §ebr. (TU.) Die Berliner Presse hatte in den letzten Tagen verschiedentlich Meldungen gebracht, wonach die Berufung des Kronprinzen Rupprecht zum bayerifchen Staatspräsidenten beabsichtigt sei. Dazu wird nun dem »Fränkischen Kurier" von dem F r e i h e r r n zu Gutenberg, Landesleiter des Bayerischen Heimat - und Königsbundes, folgendes mitgeteilt: Bei aller Würdigung des dem Kron- Prinzen Rupprecht entgegengebrachten Vertrauens bedauere ich es lebhaft, daß man es nicht weiter vermieden hat, seine Person mit den durch den Wahlkampf geschaffenen Verhältnissen zu verquicken. Die Sehnsucht des bayerischen Volkes gilt nicht einer St aatsspihe, die durch Verhandlungen von Parteien und durch diese gebunden aus einer Wahl hervorgeht, sondern nur dem Mann, der kraft seines Gewiffens und durch die tausendjährige Geschichte seines Landes verpflichtet, frei und ohne jede Bindung an Parteien aus eigenem Recht König seines Volkes ist. Dah diese Erkenntnis sich auch in den Parteien durchsetzt, kann nie eine Bindung des Königs gegenüber diesen Parteien bedeuten. Vielmehr ist dies die Auswirkung des sich immer mehr vorwärts drängenden Bedürfnisses nach einer wahrhaft überparteilichen Staatsführung, wie sie nur die Krone gewährleisten kann.
Das parteiamtlicheOrgan derBVP. schreibt dazu: Man kann dazu nur das eine sagen, daß die Staatspräsidentenfrage in Bayern überhaupt keine akute Bedeutung hat. Was die Person des Kronprinzen Rupprecht anbelangt, die hier hereingezogen wird, so dürfte gerade die Idee des Staatspräsidenten, der doch nur ein vol ksgewähltes Staatsoberhaupt sein könnte, mit jenen Rechten am allerwenigsten Dereinbar sei, die der Ches des Hauses Wittelsbach zu vertreten und zu wahren hat. Mit aller Entschiedenheit muß aber der Behauptung entgegengetreten werden, daß diese Frage in dem Gespräch irgendwie eine Rolle gespielt hat, das Reichspräsident von Hindenburg vor einigen Tagen mit demPar- teivorsihenden der BDP. gesührt hat. Weder mit Hindenburg noch mit Herrn von Papcn wurde über bie. Staatspräsidentenfrage in Bayern gesprochen. Es war auch gar fein Anlaß vorhanden, sich über ein? solche inner bayerische Angelegenheit zu unterhalten.
Oie Reichsregierung fordert Verbot der Münchener Neuesten Nachrichten.
Das Reichsinnenministerium hat an die bayerische Regierung das Ersuchen gerichtet, d i e „M ü n ch e - ner Neuesten Nachrichten" auf drei Tage z u verbieten. Die Forderung nach dem Verbot stützt sich auf die Verbreitung der unwahren Nachricht, der Reichskanzler habe die Aufhebung der Krankenscheingebühr zu Fall gebracht. Die bayerische Regierung hat auf Grund der Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes vom 4. ye^ bruar die Entscheidung des Reichsgerichts anqerufen. vx.
Der Antrag der Reichsregierung stutzt sich, wie das Blatt sagt, auf die Bemerkung in der SamS-
England im Zwielicht.
Bor einer Schwenkung der britischen politik?-OerMßerfolgin Genf.-OieHirtenberger Affäre
Don unserem T.-fiorrefponbenten.
berechtigung geben dürfe, haben also ab- gelehnt, daß Deutschland ebensoviel Waffen haben dürfe, wie etwa Frankreich, das wäre ja Ausrüstung! Die weitgehende französische Sicherheitsformel, die eine automatische Unterstützung im Angriffsfalle vorsieht, haben sie wieder abgelehnt, und statt dessen eine auch für Deutschland tragbare Formel vorgeschlagen. Dafür haben sie aber in der Frage der Miliz den Franzosen ganz und gar freie Hand gelassen- So sehr dies zunächst einmal nur als theoretisch erscheinen mag, solange die Ergebnisse in Genf nicht vorliegen — so wenig darf man verkennen, wie sich das praktisch für uns auswirkt.
Da ist z. B. das Bündnis der Kleinen Entente, ein Militär- und Zollbündnis gegen Oesterreich und Deutschland, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann. Hat sich die englische Presse darüber aufgeregt? Wenn man an den Lärm denkt, der seinerzeit losging, als die Zollunion geschlossen wurde, würde man etwas derartiges annehmen. Aber nichts dergleichen war der Fall! Im Gegenteil, ein Teil der Presse hat mit Befriedigung verzeichnet, daß dieses Bündnis es unmöglich gemacht habe, Rumänien auf die deutsche oder auf die italienische Linie zu ziehen. Ein anderer Teil hat das Ereignis als beruhigend bezeichnet! Eine Maßnahme also, die sich ausdrücklich als Stärkung
Berlin, 20.Febr. (TU.) Am Montagvormittag begann vor dem Schwurgericht des Landgerichts 111 der Meineidsprozeß gegen den 49jährigen ehemaligen Direktor der Berliner Verkehrsgesell- schaft (BVG.) Fritz Brolat. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. T r u p p n e r. Die Anklage wird durch Staatsanwalt Rom brecht und den aus dem Sklarek-Prozeß bekannten Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg vertreten. Die Verteidigung liegt in Händen des Sklarek-Ver- teidigers, Rechtsanwalt Dr. Nübel.
Brolat bestreitet, e i n en Meineid geleistet zu haben und erklärt, daß er auch bei seiner Vernehmung durch Oberregierungsrat Tapolski, der als Untersuchungskommisfar in einem Disziplinarverfahren gegen eine Anzahl städtischer Beamten, vornehmlich Stadtbankdirektoren, eingesetzt worden war, nicht fahrlässig Falsches gesagt habe.
Brolat erzählt bann feinen Lebenslauf.
der ihn vom Besuch der Volksschule in Gumbinnen über die Erlernung des Schmiedehandwerks nach dem Kriege zum Vorsitzenden der Betriebsrätezentrale der Arbeiter- und Soldatenräte brachte. 1919 wurde Brolat Geschäftsführer der Zentrale des Allgemeinen Deut- chen Gewerkfchaftsbundes, nachdem er bereits seit 1907 Mitglied der SPD. gewesen war. 1923 wurde Drolat Geschäftsführer der Berliner Drennstoffge- sellschaft mit einem Jahresgehalt von 18 000 Mark. 1929 wurde er Vorstandsmitglied der Berliner V e r k e h r s g e s e 11 s ch a f t mit einem festen Iahresgehalt von 36 000 Mark und einer Tantieme aus den Reineinnahmen in gleicher Höhe, so daß Brolat ein Jahreseinko mm e n
bie Postbeamten anstatt um 5 Uhr morgens, erst um 9 Uhr erschienen, wodurch eine kurze Unterbrechung in der Postbesörderung eingetreten ist.
Bei allen diesen Maßnahmen handelt es sich um eine Generalprobe. Die Syndikate sind fest entschlossen, zum ausgedehnten Generalstreik überzugehen, falls die vom Finanzausschuß des Senats oorgefchlagenen Steuermaßnahmen durch Annahme in der Kammer Gesetzeskraft erhalten. Inzwischen folgt in der Provinz eine Protestkundgebung auf die andere. In St. Brieux haben am Sonntag über 15000 Landwirte eine Protestkundgebung abgehalten und eine Entschließung gefaßt, in der die Regierung aufgefordert wird, keinerlei Steuermaßnahmen zu ergreifen, ohne vorher die Berufsvereinigung der Landwirtschaft angehört zu haben. Die Landwirte weisen sie darauf hin, daß sie entschlossen seien, die Steuerzahlung einzu st eilen, wenn nicht unverzüglich durchgreifende Maßnahmen zu ihrer Entlastung ergriffen würden. In Bourges, Nancy und einer Reihe anderer Städte haben ebenfalls stark besuchte Protestoersammlungen stattgefunden, in denen mit dem Steuerstr.r und der Arbeitsniederlegung gedroht wurde. Die drohende Gefahr eines allgemeinen Generalstreiks auf lange Dauer hat die auch in Frankreich feit 1920 bestehende Technische Nothilfe zu einem Aufruf veranlaßt, in dem alle Mitglieder aufgefordert werden, unverzüglich Mitteilung zu machen, ob sie bereit sind, die Posten auszufüllen, die für sie vorgesehen sind.
Nr 44 Erstes Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 21 Sebruar 1955
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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