Ausgabe 
20.12.1933 Zweites Blatt
 
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Zunge deutsche Natron

als

kungen an reichen, die müssen.

Tanzi Volkslieder!

(Sine Anregung von Franz Harres

öffnete er sich, um dem Zuschauer den Blut aus die Handelnden freizugeben und gleichzeitig die Bor­gänge zu umrahmen. Schon in den Proben, und noch augenfälliger in den zahlreichen Ausführun­gen stellte sich der Segen der unbeeinflußten Arbeit der Tänzerinnen dadurch heraus, daß keine Vor­führung einer früheren glich. Deshalb wurden un­sere Zuschauer nicht müde, sich den Tanz immer wieder anzusehen, und unsere Mädels wurden es nie überdrüssig, ihn in immer neuer Gestaltung oorzuführen. Das Wichtigste aber war, daß sich der Gesang unserer Jugend sinnvoll belebt hatte.

Diese Anregung wird vielleicht mancher Mädels­gruppe neue Aufgaben für die langen Heimabende des Winters aufzeigen.

jedem einzelnen Jugendmitglied zu er- vom heutigen Staat gefordert werden

Dramas geeignet, der Tanz. Unsere Mädchengruppe mußte da helfen. Bei der nächiten jährt rasteten mir auf Bergeshöhe. Die Waldkuppen des Oden- Satt Hauten in her Seme. ®>r uns hn late werkten die Schnitter. Leise sangen die Mädchen eine alte schwermütige Weise: Ich.hort ein Sichle n rauschen. Wie von ungefähr frug >ch, nicht Lust bestände, das Lied einmal zu tanzen Begeisterte Zustimmung, unter der Voraussetzung, daß ich Hel- sen würde. Ich erwiderte, daß meine ^ache nur die Anregung sei. Sache der jungen Leute fei cs selbständig an die neue Ausgabe heranzugeben. Mit Feuereifer ging es an die Proben. Der Kreis der Sängerinnen umschloß das Häuflein der Darstellen­den, deren Aufgabe es war, den Rhythmus des Lie­des tänzerisch darzustellen. Nach den ersten Takten

führet der Organisation fest.daß gerade durch das Wan­derleben der Jugcndgruppcn bei vielen Angehörl« gen dieser Gruppen der Sinn für irgendeine Be­schäftigung geweckt wird, die sonst vielleicht noch Art der sozialen Lage im Elternhause, der allgemeinen Erziehungsrichtung durch Schule und Haus nicht ins Auge gefaßt morden wäre, hinterher sich aber oft als recht geeignet für diesen oder jenen junaen Menschen erweist. Daß daneben gerade solche Be­rufe von den Balillo-Angehörigen späterhin erwählt werden, in denen Zusammenarbeit mit vielen Volks­genossen, charitative Fürsorge für die schwächer ge­stellten Bürger des Landes, Fürsorge durch 'Berus» arbeit für Volksgesundheit und Dolksbestand in den Vordergrund treten, das ist eine einfache Folge der Art und Weise, wie sich die Mitglieder der Battlla- Organisation und ihrer Untergruppen einander nahe« gebracht worden sind. Die egoistische Absonderung, Sie Isolierung der Einzelpersönlichkeit kann nicht geduldet werden in einer Organisation, die ihre Ziele auf die Zusammenarbeitderganien Nation samt und sonders einst llen muß, um die W r.

Die Organisation, die in ihren Grundzügen vom Generalsekretär der Faschistischen Partei Italiens, Signor S t a r a c e, angeregt und nach Billigung durch Mussolini auch von ihm organisiert und aufgebaut wurde, umfaßt heute 2,8 Millionen Italiener im Alter zwischen 6 und 15 Jahren. Um von vornherein jeder Mißdeutung der Art und der Ziele dieser Organisation entgegen­zutreten, müssen wir sagen, daß kein Eintritt in diese Organisation ohne Einverständnis der Eltern der Kinder erfolgen kann, daß keine Handlung der einzelnen Gruppen der Balilla unternommen wird, ohne daß dem einzelnen Teilnehmer nach Befragung feiner Erzieher und Verwandten Zustimmung oder Ablehnung sreigestellt würde und daß schließlich eine agressive Politik in der Jugenderziehung in dieser Organisation nicht festzustellen ist. Die Arbeit der Balilla beschränkt sich im wesentlichen darauf, die jungen Italiener aller Volksstämme durch Wande­rungen, Reisen, Belehrungen, Verschickungen und Uebungen miteinander bekanntzumachen, den theoretischen Stoss, den die Schule den jungen Men- schen täglich aufbürdet, zu lockern und inhaltreicher durch Anschauung zu machen.

Diese Grundsätze werden zunächst dadurch praktisch angewendet, daß die Gruppen der Balilla-Organi- sation jährlich ein reiches Wanderpro­gramm entwickeln. Italien wird von diesen Grup­pen derart durchwandert und bereist, daß innerhalb der acht Jahre, in der der junge Italiener und die junge Italienerin Mitglied dieser Organisation sein kann, die engere und weitere Heimat den Jugend­lichen vollkommen bekanntgemacht worden ist. Gleichzeitig aber darf diese Wandertätigkeit nicht nur dazu benutzt werden, um eben landschaftliche Schön­heiten und bodenmäßige Besonderheiten Italiens zu entdecken, sondern um in erster Linie die wirtschaft­lichen Voraussetzungen zu erkennen, unter denen jedermann in Italien zu arbeiten hat, Dauer, Fabrikarbeiter, Förster, Fischer, Seemann usw., um die wirtschaftsgeographische Struktur des Landes und ihre wirtschaftssozialen Wirkungen auf die Be­völkerung zu klären und ähnliche Erkenntnisse zu sammeln, von denen eigentlich letzten Endes erst die wahre Liebe zur Heimat, zum eigenen Volk und zur Gesellschaftsform eines jeden Landes abhängig ist.

Die Zusammenarbeit zwischen der Leitung der Balilla, den Eltern der organisierten Kinder und der Schule wird dadurch hergestellt, daß Aussprachen der Führer der verschiedenen Erziehergruppen in regelmäßigen Zwischenräumen herbeigeführt werden. Unter keinen Umständen darf, was schon im Ent­wurf des Sign. S t a r a c e ausdrücklich bemerkt wurde, das häusliche und fchulmößige Leben der Kinder durch die Arbeit in der Balilla gestört werden, wenn nicht gerade bei Vor­nahme größerer Wanderungen und Reifen vielleicht ganze Schulklassen und Schülergruppen sich an die-

und sehnt sich nach Wald und Flur oder der trau­ten Bauernstube. Es will zu seinen Freunden: Zupf­geige, Zither und Ziehharmonika. Stets suchte ich bei meinem Dienst an der Jugend neben dem Marschliede auch dem Stimmunasgesang Geltung zu verschaffen, sei es nun bei der Rast, beim Sonnen­untergang oder am Lagerfeuer. Aber wie oft hatte der größte Teil der jungen Sänger keinen Begriff vom Inhalt der Worte, die sie da herunterleierten. Hier mußte Abhilfe geschaffen werden. Aber wie? Es gab nur ein Mitte! Als Handlung mußte das Volkslied vor den Auaen unserer Jungen vorüber- ziehen und so ihre Aufmerksamkeit auf den so grob vernachlässigten Liedertext lenken.

Zur Darstellung war aber einzig die Urform des

Schon immer betrachtete ich das Volkslied ein Heiligtum des deutschen Volkes. Darum brachte ich es auch nie übers Herz, es in den Konzertsälen unserer Städte erklingen zu lassen. Dort erschrickt es über den harten Ton des vornehmen Flügels

0i> Hiller-fugend und das neue -Heid)

Mancher ist geneigt, der Hitter-Jugend ihre Existenzberechtigung abzusprechen, wenn nicht gar ihre Tätigkeit in einem mitleidigen Achselzucken zu quittieren. Oft wird dabei ins Feld geführt, daß doch der Bestand des Dritten Reiches und die Festi­gung der nationalsozialistischen Revolution durch die SA., SS. und die politische Organisation hin­reichend gesichert sei. Hieraus wird die Folgerung abgeleitet, daß wohl die Erziehung der Jugend im Dritten Reiche sich nur auf den Ausbau und die Ver­tiefung der nationalsozialistischen Ideenwelt zu be­schränken habe, die doch ohnehin schon in per Schule fundamental begründet werde. Man vergitzt hierbei zu leicht, daß der Aufbau und Ausbau des Dritten Reiches, so wie es der Führer mit seheri­scher Kraft voraussieht, noch zu schaffen ist. Wohl umklammert das deutsche Volk die Idee des Natio­nalsozialismus als tragenbe Idee des 20. Iahrhun- birts wie ein unsprengbarer Ring, jedoch wirb es Aufgabe ber Jugend jein, diese Idee der kommen­den Generation zum Allgemeingut und zur^Selbst­verständlichkeit zu machen. Hiermit ist die Aufgabe der Hitler-Iugend klar umriffen. Der Führer hat in meisterhafter Weife bas Ziel gesetzt. Es gilt, mit der unerhörten Schwungkraft unb jugendlichem ftcuergeift das Wort des Führers wahr zu machen. Die Jugend wird vollenden, was wir begonnen habe n. Dieses Wort ist uns heilig­ster Befehl, den wir bis in die letzte Folgerung hinein erfüllen wollen. Kein Junge und kein Ma­del das im wahrhaften Sinne deutsch denkt und deutsch fühlt, darf In dem gigantischen Ringen des deutschen Volkes um Freiheit und Ehre uner- saßt bleiben. Die ganze deutsche Jugend soll es sein, die wir in einer ungeheuren Erziehungsarbeit auf allen Gebieten zu einer untrennbaren Volksgemein­schaft nicht allein verstandesgemäß, sondern rem gefühlsmäßig zu jener stahlhart geschmiedeten Ein- hcit zusammenfügen wollen, derer die kommende Generation bedarf, um die ungeheuren Aufgaben der kommenden Zeit in positivem Sinne zu losen. Die Hitler-Jugend wird der Garant dafür sein, daß die Selbstbesinnung des deutschen Volkes nicht nur als eine flüchtige Zeiterscheinung in die Ge- schichtsschreibung eingehen wird, sondern daß das W"rk des Führers als sogenannter Weltmoment positiv nicht nur die Geschicke unseres Volkes, fon- Dem darüber hinaus als Lehre und Beispiel der gesamten Welt zu gelten hat. Die Größe der Auf­gabe ist hiermit klar vorgezeichnet. Das gesamte Volk wird bei leidenschaftsloser Würdigung dieser Ziele die Arbeit der Hitler-Jugend erkennen und ihr selbstverständliche Förderung und Unterstützung zu­teil werden lassen

Wirth, Unterbannpressewart.

sen Unternehmungen derart beteiligen, daß etwa der Unterricht unterwegs ersetzt wird. Vor allen Dingen sollen die Leiter der Ortsgruppen der Ba- lilla darauf Wert legen, daß Kinder, die sich in der Schule und in ihrem privaten Leben vielleicht aus allgemeinen ober sozialen Gründen nicht recht mit­einander befreunden können, durch Aufgaben, die ihnen gemeinsam zur Ausführung in der Drganifa- tion gestellt meßen, einander näher gebracht und miteinander bekanntgemacht werden. Das in der Carta des Lavaro" als bringenbft notwendig ge­forderte Zusammenwirken zwischen sämt­lichen Gesellschaftsstufen und insbesondere zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird schon in der Balilla praktisch dadurch hergestellt, daß es Unterschiede nach der sozialen Stellung der Eltern überhaupt nicht gibt und in der Behand­lung, Versorgung und Bekleidung der Angehörigen der Gruppen dieser Organisation keineswegs eine äußere Unterscheidung, noch eine innere Bevor- zugung getroffen wird.

Wichtig ist, daß sowohl beim Leben in der Hei­matgruppe, wie auch bei allen Wanderungen und Reisen den jungen Menschen, soweit wie möglich, ihre Selbstbestimmung über sich gewährt wird, und an der Art, wie der einzelne diese Freiheit benützt, erkennt der Leiter der Gruppe genau, welche Aus- sichten er mit der Erreichung der obersten Ziele die fer Organisation überhaupt hat. Es wird von Zeit zu Zeit auch eine allgemeine Uebersicht darüber ab- gehalten, was der einzelne in den bisherigen Ak­tionen, an denen er bei der Balilla teilnahm, ge­lernt hat, wie er sich dazu stellt und was er meint, damit erreichen zu können. Es wird dabei weniger darauf gesehen, daß die Angehörigen der Organisa­tion schon jedesmal bei diesen Prüfungen klare und sicher herbeigeleitete Folgerungen ziehen können, als daß sie überhaupt zu erkennen geben, einer gewis­sen Beeinflussung im Sinne des Aufbaues des neuen Staates nachgeben zu können. So bildet das neue Italien seine Staatsbürger nicht etwa unter besonderer Betonung irgend einer Poli­tiken Bearbeitung, sondern durch die weiter oben schon geschilderte Art der Betätigung in der Balilla soll ohne theoretische Politikübungen das oberste po­litische Ziel ganz nebenher erreicht werden. Und was man bisher von den einzelnen Erfolgen gehört hat, so scheint man wirklich auf dem Wege zu fein, die italienische Jugend durch diese Maßnahmen mit einem neuen Geiste zu erfüllen, der die Existenz des neuen Staates weniger durch Anwendung von Machtmitteln, als durch die Ausbreitung feiner gei- ftigen Grundsätze im Verständnis des jungen Bol­tes dicsts P-h -a

Daß die Balilla für die Heranwachsenden jungen Menschen in den Fragen der Berufswahl eine hervorragende Rolle zu spielen berufen ist, das kann unseren Lesern nach diesen Darlegungen nicht mehr zweifelhaft sein. Immer wieder stellen die Gruppen-

Jugend baut einen neuen Staat

Was will die italienische Balilla?

Don Or. Herbert Schmidt-Lamverg.

Feuerspruch.

Don Paul Lanaer.

Steig zu den Sternen hinan von der Erd', leuchtende Lohe, du lichtspendend Leben: Kraft, die aus glimmender Glut wird genährt, will uns den Willen zum Werden wohl geben.

Brüder bedenkt, daß auch ihr einstens bringt mit zu den Menschen mächtiges Glühen, schaffet und schaltet und streitet und ringt, schaut nicht der Taten alltägliche Mühen.

Für unfern Gott und ein Reich, das befreit, zündet die Herzen und opfert das Ganze. Wende der Sonne ist Wechsel der Zeit. Bald naht der Morgen in mächtigem Glanze.

Bruno und seine Hordel

Dieser Bruno wird sich sehr bald die Herzen aller Jungen erobern. Er ist ein echter Lausbub. Er wird unbewußt zum Helden einer Geschichte, einer rechten Jungengeschichte. Ursprünglich hat er eine Schar Jungen um sich geschart, irgendwoher. Vielleicht wohnten die in derselben Straße wie er, vielleicht gingen sie in dieselbe Klasse wie er. Aber das ist un- wesentlich. Bruno und seine Horde. Unter diesem Namen sind sie bald in dem Städtchen bekannt. Un­bewußt sich selber aber steht er über denen, wird von ihnen als Führer anerkannt. Tolle Streiche lei­sten sie sich, aber Bruno will mehr. Er will ein Ziel, er will einen Bund. Er will mit ihnen einen Bund gründen. Aber sie verstehen ihn nicht. Können ihn nicht verstehen. Da geht er einsam seinen Weg. Tritt in den Pfadfinderbund ein. Lebt sich ganz gut ein, und doch fehlt ihm auch hier etwas. Auf dem Schul­weg gerät er in einen Menschenauflaus hinein, lieft politische Plakate. Reichsbanneraufmarsch, SA.-Au - marsch. Erlebt diese Aufmärsche mit. Kommt m t Franz Starke zusammen, Gefolgschaftsführer in der Hitlerjugend, und ahnt nun etwas von der Volks­gemeinschaft. Die ganze Erzählung ist eine span­nende Handlung von Anfang bis Ende. Das Buch atmet richtigen Jungengeist, und man legt cs nicht eher aus der Hand, als bis man auch die letzte Seite verschlungen hat. Der Verfasser, Heinrich Hübner, seit 14 Jahren in der Jugendarbeit stehend, bat es verstanden, die Jungenseele ungefälscht zu schildern. Die Sprache mit ihrer dem Verfasser eigentümlichen Kürze und Glätte hämmert uns eindringlich den einen Gedanken ein, der Jahre hindurch der Kampf­ruf der Nationalsozialisten gewesen ist: Deutschland erwache! Das Buch ist in geschmackvoller Aufmachung mit einer Jnnenzeichnung von Walter Kröll er- Kienen zum Preis von 1,85 Mark gebunden, 1,60 art geheftet, und ist in allen Buchhairdlungen er­hältlich. Erschienen im Verlag Wetterauer Druckerei und Verlag, AG., Friedbera. (648).

Die er schreibt ans Christkind

Von Hans Heycl.

Dieter schrieb einen Brief ans Christkind.

Er tauchte die Feder behutsamer als sonst in das heimtückische Tintenfaß und kratzte seinen schönsten, rundesten Sütterlin über den Briefbogen, er drückte seinem Zeigefinger, der auf einem Tintenrappen von Federhalter ritt, schier das Kreuz durch und ließ die andachtsvoll vorgespitzte Zunge über jeder Zeile mitroanbern: eine eifrige Bemühung. Endlich konnte er den fertigen Brief überlesen:

Liebes Christkind! Ich bitte dich sehr, bringe bitte eine Lokomotive, einen offenen Güterwagen, einen Gepäckwagen und einen Personenwagen. Die Lo­komotive soll mit Uhrwerk sein. Die Preise stehen aus den Ausschnitten rechts unten Gleise brauche ich nicht von dir, die schenkt mir der Dati. Es grüßt dich herzlich dein Dieter.

Er nahm die Abbildungen der ersehnten Fahr­nisse, die er aus einem Spielzeug-Kataloa ausge­schnitten hatte, und malte eine Eins vor jeden Wa­gen Er durchstrich auch die Rückseiten der Zettel, damit das Christkind sich nicht irren konnte. Bei der Lokomotive zögerte er ein paar Augenblicke, denn auf der Rückseiteseiner Lokomotive war eine viel größere und schönere, viel teuerere Lokomotive ab­gebildet! Aber dann gab er sich einen Ruck und durchstrich diese Kostbarkeit. Er faltete Brief und Zettel zusammen, verschloß alles in einem Um­schlag und malte die Anschrift:An bas liebe Christ, kinb und Engel im Himmel.

Als er den Brief auf die Balkonbrüstung legte und mit einem Stein beschwerte, schoß eine Stern­schnuppe schräg auf dem Horizont nieder unb riß eine helle Furche durch bas glitzernbe Schweigen der Winternacht: bas Christkind kam auf bie Erbe herab! Im Bett versuchte Dieter noch wach zu bleiben, bis das Christkind draußen am Balkan vorüberflog: doch der Schlaf entführte Ibn nur all­zubald in Das Traumland seiner achteinhalb Jahre.

Am Morgen ging sein erster Blick auf den Bal- kon hinaus: der 'Brief war verschwunden! Aus dem Schulweg berichtete Dieter seinem Freund Karl so- fort das freudige Ereignis: ja, er schrie es Ihm schon von weitem entgegen, als Karl am letzten Morgen- happen kauend, auf die Straße trat. Kari war eigentlich keinrichtiger Freund von Du!-t. o. -t er zählte schon zehn Jahre und ging eine Klan- höher. Aber er war nun einmal gerade zur Harn" --

Christkind? sagte dieser Freund und schaute

überlegen kauend auf den jüngeren,Christkind gibts ja gar nicht!"

Du bist ja verrückt!" rief Dieter. (Karl war eben doch kein richtiger Freund.)

Nikolaus gibt» auch nicht. Alles Schwindel! Das weiß doch jeder!" Karl hatte jetzt ausgetaut. Dieter machte vor Vergnügen ein paar ganz unbegründete Galoppsprünge, so daß Bücher und Federkasten im Schulranzen hüpften und rappelten.Pah, was weißt denn du? rief er siegessicher,der Nikolaus kommt jedes Jahr zu uns, und neulich war er auch wieder 8a und hat Nüsse und Aepfel und all so was gebracht." Er grub eine Nuß aus ber gehaltreichen Tiefe feiner Hosentasche:Da hab ich noch eine von ihm, bie kannst du haben!"

Karl nahm die Nuß ohne Gewissensbisse.Dann hat eben dein Vater den Nikolaus gemacht und hat sich verkleidet, sagte er begönnernd.Oder war dein Vater vielleicht dabei, als der Nikolaus gekom­men ist?

Mein Vater war in der Stadt, der kam erst später nach Hause

Da haft du's ja: der hat euch den Nikolaus ge­macht, und du hast ihn nicht erkannt!

Dieter schwieg betreten.Ach, du* sagte er schließlich,du bist ja dumm!" Aber es kam ihm nicht sehr überzeugend heraus, unb er blieb unwill­kürlich ein paar «chritte hinter dem Stück lieber« legenneit zurück.

Das ärgerte Karl: denn er hatte auf bewundernde Anerkennung gehofft. Jäh drehte er sich um und schrie triumphierend:Osterhase, Christkind, Niko- laus alles Schwindel! Das denken sich die großen Leut nur so aus! Und als ein paar Klassenkamera­den zu ihm stießen, wies er mit hämischem Dau­men auf denFreund, ber in abroehrenber Ver­legenheit sich entfernt hielt, unb rief:Der ba glaubt noch ans Christkind!

Die andern lachten.

Einen ganzen Tag lang trug Dieter die Zweifel unb Sorgen stumm mit sich herum; bann aber mußte er bem Hausmädchen Berta anoertrauen, was Karl gesagt hatte.

Junge, Iah dich doch nicht verkohlen! rief die brave Seele,warum soll es denn keinen Nikolaus geben. Wir haben ibn ja alle gesehen neulich!

Aber das Christkind, Berta ? Hast du bas Christ­kind schon einmal gesehen?? Karl lagt

Dein Karl ist em Aff; bas bestell ihm nur von mir' Das Christkind wirb schon wissen warum es nicht zu ihm kommt !!

Dieter war nur schwach beruhigt. Eigentlich hätte er bie Ettern um Gewißheit fragen müssen; doch

eine unbehagliche Scheu hielt ihn davon ab, unb so oft der Vater bei Tisch vom Christkind sprach, spähte der Junge heimlich in seinem Gesicht nach einem versteckten Lächeln, aber vergebens.

Es waren schlimme läge. Wenn es wirklich kein Christkind gab, dann ja bann gab es ja auch keine Eisenbahn! Denn der Vati konnte ja nur bie Schienen schenken, ber Vati hatte nicht mehr Geld, das wußte Dieter. Was aber waren die Schie­nen ohne Lokomotive und Wagen? Wenn es nun einmal fein Christkind geben sollte: damit mußte man sich abfinden! Aber Weihnachten ohne Eisen­bahn: unausdenkbar! Dieter hätte heulen mögen, fortwährend heulen: aber er verbiß es unb lächelte nur mitleidig geistesabwesend, wenn das Schwe­sterchen erwartungsselig Wunsch um Wunlch auf des Christkindchens zarte Schultern häufte!

Endlich war der Weihnachtstag gekommen. Schon seit dem Erwachen am Morgen fühlte Dieter stch verwandelt gegen die letzten Tage: ihm aoar leicht unb froh zu Mute. Vielleicht würbe doch noch alles gut, und Karl war nur ein dummer Prahlhans ge­wesen! Schon roch es im Hause nach Kuchen und Geheimnissen, schon schloß sich der Vater im Wohnzimmer ein, schon kamen alle guten Geister ber früheren Weihnachtsfefte unb klingelten nut hellen Glöckchen durchs Haus! Warme Geborgen- hcit und süße Erwartung lag über den wandelnden Stunden, sank mit den Schneeflocken draußen vor den Scheiben nieder, allen Karls der Welt zum Trotz

Und es dämmerte. Das Schlüsselloch zum Wohn­zimmer war verhangen; die Spannung war kaum noch erträglich!

Endlich klingelte das wohloertraute Glöckchen hin­ter der belagerten Tür, die sich jetzt öffnete: da stand der 'Baum, hell durchwoben von Kerzenlicht unb seligem Flimmern. Und davor, in Glanz ge­bettet, ber Gabentisch!

Währenb bas Schwesterchen jubelnd auf die Am- lichtesten zustürzte, trat Dieter ganz langsam, Schritt für Schritt, in den duftenden Bereich der Erfüllung. Schon von der Tür aus hatte er die Eisenbahn­schienen blitzen sehen, unb auf ihnen stand blank lackiert bie Lokomotive, ber offene Guterwagen, ber Gepäckwagen und der Personenwagen. Und obendrein eine Schranke und ein Wänerhäuschen.

Dieter stand und starrte.Du Rehes Christkind' sagte er innig.

Dann wandle er sich zu den Eltern, mit einem befangenen Lächeln, aber schon befreit Er schluckte an seinem Glückl

Ein Bi>M.-V«iniabenb iniZuimonb.

Bitter kalt war es, und Schnee lag in den Straßen. Alle Mädels waren froh, als im BdM.-Heim ein herrliches Feuer brannte, und fast alle hatten vor­läufig nur für den Ofen Interesse.

Heute ist der 2. Advent. Wir haben uns aus dem Wald Tannenzweige geholt und einen Adventskranz geflochten, ihn mit roten Bändern geschmückt unb wir f.nden ihn viel schöner, als einen im Laden ge­kauften.

Die Scharabende haben jetzt in der Lorwechnachts- zeit etwas Festliches, sogar etwas Geheimnisvolles bekommen. Ein jedes Mädel bringt doch eine Arbeit mit, welche Mutter ober Vater zuhause nicht sehen soll: wir wollen doch unseren Lieben Geschenke ma­chen. die persönlich sind und einen eigenen Geschmack ausbrütfen.

Wir beginnen unser Zusammensein mit einem Weihnachlslied und im Glanze der Adoentskerzen strahlen bie Augen in Erwartung des kommenden Festes. Dieses Weihnachtsfest ist ja das erste im neuen Deutschland, unb so wollen wir es auch ganz im Sinne des Führers hatten, und nichts Fremdes soll unser echtes urdeuttches Julfest stören.

Cs gab eine Zeit, da mußten es viele und kostbare Geschenke lein, unb die sollten dann die Weihnachts­stimmung Hervorrufen. Da» soll es nicht mehr geben; denn das Weihnachtsfest kann nur ber richtig feiern und auffassen, ber im Herzen dazu bereit ist. Feierten doch unsere Vorfahren den Jul im Hinblick auf den Sieg des Lichtes über bie Finsternis, und es wurden noch viele läge mit Eis und Schnee und rauhen Stürmen mit Geduld ertragen.

Nach dem Julfest waren es bann bie zwölf heili­gen Tage, bie dazu bestimmt waren, bem Menschen Einblick in sein Innerste» zu geben unb auf die Ein­flüsse ber Natur zu lauschen Handel und Wandel schlief in dieser Zeit, und Träume unb Naturereig- nisse würben als zukunftwersend betrachtet Alle» Tun aber stand im Zeichen ber Sonnenrune, unsere» Hakenkreuzes, das ja auch den Germanen ein heili­ges Symbol war. Es ist wiedergekehrt als unser Kampfzeichen unb mit ihm bas Licht über das große Deutschland.

Dies alles erzählte die Scharführerin ihren eifrig arbeitenden und lauschenden Mädels, und in jeder lebte der Gedanke, noch eifriger den Willen in 6H Tat umzusetzen, um auch mit ihrer ganzen Person mitzuarbeiten am Werke de» Führers zum Heil und Sieg ber Sonnenrune.